Das Ein-Tages-Seminar des Bestsellerautors Walter-Jörg Langbein in Bremen-Vegesack ist eine der wenigen Veranstaltungen, die es mittlerweile geschafft haben, zu einer wahren „Institution“ der grenzwissenschaftlichen Szene zu werden.

Und wenn man in die Runde blickt, hat man zwar das wohltuende Gefühl, eine Art Familientreffen zu besuchen – kennt man die meisten Teilnehmer eben schon seit Jahren – aber man stellt auch immer wieder fest, dass neue Gesichter darunter sind, dass dies nicht nur ein „Kaffeekränzchen“ in Walter-Jörg Langbeins Wohnzimmer ist, sondern dass hier wieder einige Menschen anwesend sind, die Ihr Interesse hierher gelockt hat. Und so wird der Kreis auch immer größer und in diesem Jahr waren wieder einmal deutlich mehr als 40 Personen im Tagungsraum des Atlantik Hotels Bremen-Vegesack.

Und auch die Quantität und Qualität der Referenten nimmt jedes Jahr zu, so konnte der Initiator Walter Jörg Langbein am diesjährigen 7. März sieben Referenten begrüßen, die ein abwechslungsreiches Programm darboten.

Die Eröffnung machte der Initiator selbst und referierte nach einer ausgiebigen Begrüßung über das Zahlensystem der Maya – dies auch im Hinblick auf die allseits bekannten Botschaften um den ‚Weltuntergang 2012‘, den die Maya mit ihrem Kalender voraussagen sollen. Wiederum hätten auch hier alle Reporter, die irrwitzige Weltuntergangsszenarien den Prä-Astronautik-Forschern in den Mund legen, lieber dem Vortrag lauschen sollen, denn wiederum stellt einer dieser Prä-Astronautik-Forscher dar, dass das Datum 2012 im allgemeinen nicht stimmen muss, da man nicht weiß wo die Maya begannen zu zählen, und von Weltuntergang im Besonderen nichts in den Maya-Mythen zu lesen ist. Laut Maya Mythologie beginnt dann, nach dessen Ablauf, ein neues Zeitalter. Dies wiederum kann aber heutzutage alles bedeuten und ist nicht an unserem Kalender festzumachen.

Im Anschluss an diesen aufschlussreichen Vortrag machte sich ein weiteres „Urgestein“ der Prä-Astronautik, Hans-Werner Sachmann, ans Rednerpult um die Anwesenden mit seinem Vortragstitel ‚Werden wir alle unsichtbar?‘ auf die Spuren der Tarnkappe zu bringen. Sachmann betrachtete das Tarnkappenmotiv in Mythologie, Kunst, Physik und Paläo-Seti und brachte neue Informationen zu einer „uralten“ Geschichte. Ein informationsreicher Vortrag, der allerdings bei den Zuhörern nicht gut ankam. Stimmen nach dem Vortrag gaben eindeutig wieder, dass die konfuse Art und das sture Ablesen und Zusammensuchen von Fakten die Zuhörer überforderte, schnell langweilte und dann auch vom Thema abbrachte.

Jürgen Huthmann, ein Besucher der Bremer Phantastischen Phänomene der ersten Stunde, referierte daraufhin über die Hethiter und ihre Hauptstadt Hattusa und versuchte Parallelen zu ziehen mit den Beschreibungen im Buch Henoch, in denen Henoch den Tempel beschrieb, in den er damals „entrückt“ wurde.

Der Ägypten-Spezialist Stefan Eggers, räumte mit einer immer noch in der Prä-Astronautik weit verbreiteten Mär auf, dass die großen Pyramiden auf dem Gizeh Plateau die „ersten“ ihrer Art waren und alle späteren Pyramiden in ihrer Bauweise nicht an diese heranreichen konnten. Er belegte anhand der Entwicklungsgeschichte des Gräberkultes in Ägypten, dass es eine gut nachzuvollziehende Entwicklung vom einfachen Grab über mehrräumige und mehrgeschossige Gräber bis hin zu den Mastabas und späteren Stufenpyramiden gab und dies auch nachvollziehbar ist. Die „moderne“ Pyramidenform mit relativ glatten Wänden und Wandverkleidungen ist somit auch wirklich die „neueste“ Form der Pyramide im Alten Ägypten. Stefan Eggers hielt sämtliche Spekulationen der PA-Forschung außen vor, die speziell die Pyramiden des Gizeh-Plateaus in eine weit zurück reichende Zeit datieren.

Ich selbst reihte mich dem Thema „Pyramiden“ ein und präsentierte den Zuhörern meinen Vortrag ‚Pyramiden im Nebel – Rätselhaftes China‘ in dem ich mich neben den Pyramiden Chinas hauptsächlich mit rätselhaften Artefakten aus der chinesischen Vergangenheit und mit dem wahrlich rätselhaften Erfindergeist der alten Chinesen beschäftigte.

Der Sachbuchautor Lars A. Fischinger, der auch schon lange Jahre zum Kern der Redner in Bremen zählt, referierte über die Bundeslade, über oft gemachte Fehler in der Interpretation des Gegenstandes in Aussehen und Funktionsweise und über den Verbleib der Lade. Munter brachte Fischinger hier auch seine Erfahrungen einer erst kürzlich abgeschlossenen Reise nach Istanbul und ins Heilige Land selbst mit ein. Wen der Fall Bundeslade besonders interessiert, der kann in Fischingers neuestem Buch, das in den nächsten Wochen erscheint, in über 40 Seiten mehr darüber erfahren. Buchtip: Lars A. Fischinger – Historia Mystica – Ansata Verlag

Dieter Bremer präsentierte mit seinem Vortrag gleich sein neuestes Buch, das an sein erstes Werk direkt anknüpft. Somit fängt dies auch direkt mit der Seitenzahl dort an, wo das alte aufgehört hat. In seinem Vortrag ging es um den Absturz „seiner“ Raumstation Atlantis, den er in einigen alten Mythen und Bibelstellen gefunden haben will und den er mit vielen bildlichen Darstellungen aus allen Epochen von den alten Sumerern über Höhlen-Pictogramme bis hin zu Münzen römischer Zeit und Darstellungen im Mittelalter ebenso beweisen will.

Was soll ich sagen – Dieter Bremer hat mit seinem ersten Werk schon für viel Aufsehen in der Szene gesorgt und nicht nur viele Kritiker aufgerüttelt, sondern auch PA-Forscher, die seine Thesen nicht 100%ig teilen. Dies wird ihm mit seinem neuesten Buch ebenso gelingen. Die Grundidee und einige Stellen seiner Thesen sind nicht schlecht und können auch weiterverfolgt werden – lohnen sich auch, weiterverfolgt zu werden. Aber viele Zusammenhänge, die Bremer konstruiert, sind nur sehr schwer, wenn überhaupt, nachzuvollziehen. Hier sieht man leider immer wieder ein Negativ-Beispiel der PA-Szene. „Sieht aus Wie…“ wird einfach blind übernommen, egal aus welcher Epoche oder in welchem Zusammenhang dies dargestellt wird. Bestes Beispiel sind die unsäglichen Hieroglyphen die angeblich einen modernen Hubschrauber darstellen. Mittlerweile müsste es jedem Interessierten der PA-Szene schon zu Ohren gekommen sein, dass die Dinger durch Überschreibungen zufällig entstanden sind. Jeder Archäologiestudent, der Hieroglyphen lesen kann, kann dies auch auf einen Blick ausmachen und wer dies nicht kann, der bekam dies schon oft erklärt und dessen Thesen wurden schon zig mal widerlegt. Aber immer noch geistert diese Mär von den Hubschrauber-Hieroglyphen in der PA-Szene umher wie ein Gespenst, das noch Tausende Jahre sein Unwesen treiben möchte.

Zurück zu Bremer und dessen Vortrag: Ich finde nach wie vor einige Ansätze gut und es Wert, ihnen nachzugehen. Allerdings sollte Dieter Bremer die Art und Weise wie er dies tut, bitte überdenken damit er auch den Kritikern stand hält.

Den besten und wichtigsten Beitrag in Bremen lieferte meiner Meinung nach der ehemalige Gewinner des AAS Forschungspreises, André Kramer aus Kiel, der sich einer bestimmten Person widmete, die es immer wieder schafft, in der Ufo- und Prä-Astronautik-Szene ihr rechtes Gedankengut zu vermitteln. Die Rede ist von Jan van Helsing oder Jan Udo Holey. Kramer nennt die Hintergründe warum van Helsing rechtsradikales Gedankengut früher schon beschönigt und dies heute noch tut und nennt auch seine Quellen, die mehr als eindeutig sind – er beschreibt sehr deutlich die Konsequenzen und auch das heutige Szenario, dass diesem fragwürdigen Zeitgenossen immer noch scharenweise Menschen hinterher laufen um dessen Gedankengänge nachzuvollziehen. Es ist laut Kramer an der Zeit, dass man aktiv die Menschen aufklärt, damit Bücher wie ‚Hände weg von diesem Buch‘ nicht 120.000 mal verkauft werden, wie dies heute der Fall ist, und sich somit unweigerlich braunes Gedankengut verbreitet und unterschwellig in den Lesern wirkt. Leider empfinden dies viele Leser aber auch Autoren und PA-Forscher nicht so und stärken van Helsing nicht nur mit dem Kauf seiner Bücher, sondern auch mit der Veröffentlichung von Buchtiteln in dessen Verlag, mit Auftritten auf dessen Online-TV-Sender secret.tv und mit der Duldung von Werbung in ihren Magazinen. Diese Szenarien sind mehr als bedenklich und es sollte unser aller Ziel sein, jegliche Verbindungen zur rechten Szene deutlich zu vermeiden.

Ein weiteres lehrreiches Stück war der letzte Vortrag von Stefan Eggers, der allerdings etwas vorgezogen wurde. Stefan Eggers kündigte diesen mit einer Sensation und einer Überraschung an – und beides kam!

Zuerst die Sensation!
Stefan Eggers verkündete den gespannten Zuhörern in Bremen dass neue Ausgrabungen in Ägypten einen Tempel zutage gefördert haben, der viele Rätsel aufgibt. Inschriften im Tempel deuten auf die Verehrung „Christi“ hin. Der Tempel sei mindestens drei Stockwerke tief, mit verschiedenen Treppenaufgängen, vom Boden bis zur Decke mit weißen Steinfliesen bedeckt. Man habe mehrere Ritualbecken für heilige Waschungen, Kammern mit Papyrusrückständen, Reste von Metallenen Linien und einen Raum ganz aus Glas entdeckt.

Die Zuhörer waren bis aufs äußerste gespannt und hörten mit offenen Mündern zu. Stefan Eggers lud zur Diskussion was wir denn alle davon halten würden und es kamen viele wilde Spekulationen auf. Und dann unterbrach Stefan Eggers die Diskussion und kam zur Überraschung.

Das Ganze Szenario gibt es nicht, ist einzig und allein auf seinem Mist gewachsen und hat er sich ausgedacht! Der Hintergrund ist aber, und da stimmten alle Zuhörer im Nachhinein zu, ein immens wichtiger um in der Prä-Astronautik positiv wahrgenommen zu werden.

Wir alle schimpfen immer auf die Wissenschaft und deren Uneinsichtigkeit, und darauf, dass wir wohl die besseren Beobachter wären, da wir Zusammenhänge sehen, die eben von Archäologen nicht gesehen werden. Dabei ist es oftmals so, dass wir eben die gleichen Vorwürfe, die wir den Archäologen machen, selbst auch tun. Wir sehen oft nur das, was wir sehen wollen, nehmen einzelne Punkte und einzelne Funde und betrachten diese ohne den gesamten Hintergrund, der ja von den Archäologen und anderen Wissenschaftlern herausgearbeitet wurde. Nur wenn wir dies alles tun und dann zu berechtigten Abweichungen kommen, dann dürfen wir auch die Erklärung der Wissenschaft anzweifeln. Aber viele Prä-Astronautik-Forscher tun dies nicht, nehmen sich nur hier und da was sie für richtig und wichtig halten und setzen dies alles zu einer neuen Geschichte zusammen.

Die anschließende Diskussion nach der Überraschung war erfrischend und erstaunte auch mich. Denn alle Anwesenden nahmen diese Vorwürfe positiv auf, fassten sich an der eigenen Nase – auch ich konnte mich nicht ausnehmen und hielt mir wiederum vor Augen, immer kritisch in alle Richtungen zu blicken, wie ich dies in der Vergangenheit auch schon getan hatte. Nur manchmal braucht man wieder einen kleinen Ruck um dies nicht zu vergessen.

Übrigens: der Tempel war eine U-Bahn-Station in Hamburg an einem Krankenhaus mit dem Namen „Christi“ in ihrem Namenszug – wenn man diese nach 3000 Jahren ausgräbt. Die rituellen Becken waren die Toilettenanlagen, die Papyrusrückstände waren WC-Papier und der Glasraum ein Informationshäuschen am Bahnsteig, der auch die Eisenrückstände erklärte.

Alles in allem war dieses Seminar vollends gelungen und auf jeden Fall eine Reise wert! Ich freue mich schon wieder auf das erste März-Wochenende 2010 wenn ich mich wieder auf den Weg nach Bremen mache um den Rätseln unserer Welt durch spannende Vorträge wieder etwas näher zu kommen!