Mit seinem 1968 erschienenen Bestseller ‚Erinnerungen an die Zukunft‘ schuf der Schweizer Schriftsteller Erich von Däniken nicht nur einen literarischen Welterfolg, sondern begründete auch den populären Weg der später so genannten Paläo-SETI oder Prä-Astronautik. Außerirdische, so die These von Däniken und seinen Mitstreitern, waren es, die die Erde schon vor Jahrtausenden besuchten, als Religionsstifter fungierten und den Menschen Entwicklungshilfe zuteilwerden ließen.

2015 wurde der nimmermüde Götterforscher nun 80 Jahre alt und ihm zu Ehren fand am 11. und 12.04.2015 im Baden-Württembergischen Sindelfingen „Der große internationale Erich-von-Däniken-Kongress“ statt, der durch den umstrittenen Kopp-Verlag organisiert wurde.

Kosten und Mühen wurden hierbei nicht gescheut und so trat an den beiden Tagen in den Messehallen von Sindelfingen ein beeindruckendes Portfolio internationaler Autoren auf dem weiten Feld der alternativen Archäologie auf.

Mit mehr als 2500 Besuchern war die Veranstaltung auch aus Sicht der Organisatoren mit ziemlicher Sicherheit ein gewaltiger Erfolg. Auf diesen Ansturm war mal auch gut vorbereitet. Die Halle war ausreichend mit Stühlen bestückt und Leinwände, die das Bild auf der Bühne einfingen, verhalfen auch den Zuschauern in den hinteren Reihen zu einem Blick auf die Redner.

Mit mehr als 2500 Besuchern gefüllte Halle in Sindelfingen
Abbildung Nr. 1: Mit mehr als 2500 Besuchern gefüllte Halle in Sindelfingen (Foto: André Kramer)

Kleine Stände vor der Halle versorgten die Besucher außerdem mit Snacks und Getränken.

Am Samstag war die Halle ab 8:00 Uhr geöffnet. Hier konnte man bereits sein Armbändchen holen, das den Eintritt regelte und sich bei Bedarf mit einem Kopfhörersystem ausstatten, um den Vorträgen in Englischer Sprache bei simultaner Übersetzung zuhören zu können.

Um 10:00 Uhr wurde das Publikum dann durch den Kopp-Autor Markus Gärtner begrüßt, der die Veranstaltung auch im Weiteren souverän moderierte. Auch Erich von Däniken betrat kurz die Bühne und bedankte sich bei den Veranstaltern und beim Publikum.

Erich von Däniken bei der Begrüßung
Abbildung Nr. 2): Erich von Däniken bei der Begrüßung (Foto: André Kramer)

 Die ungelösten Rätsel der Großen Pyramide

Robert Bauval hielt alsdann den ersten Vortrag des Tages und berichtete über seine Kindheit in Ägypten und seinen Werdegang, der in seine These vom „Orion-Rätsel“ mündete. Die Zuhörer bekamen so einen Überblick über die Ideen, die Bauval und Gilbert bereits 1994 in ihrem Buch ‚Das Geheimnis des Orion‘ darlegten. Ihnen zufolge stellen die Bauten im Gizeh-Plateau einen Ausschnitt aus unserer Galaxie dar. Die Pyramiden des Cheops, Chephren und Mikerenos indes seien gar ein auf den Boden projiziertes Abbild der Gürtelsterne des Orion.

Tatsächliche Neuigkeiten gab es jedoch nicht und die Hörer wurden auf ein kommendes Buch vertröstet, in dem es diese zu lesen geben würde.

Man merkte Bauval an, dass er ein Profi ist. Ruhig und mit dramatischen Pausen unterlegt schaffte er es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen, obgleich er inhaltlich eigentlich recht wenig von sich gab.

Der finale Sprung der Menschheit

Als nächster Redner betrat Peter Fiebag die Bühne und behandelte ein Thema, das er in der Vergangenheit oft aufgegriffen hat. Fiebag stellte die Frage, was denn den ausschlaggebenden Einfluss in der Entwicklung des Menschen gegeben habe, der aus ihm ein denkendes, sich selbst bewusstes und kreatives Geschöpf machte. Evolutionäre Mechanismen wie Mutation und Selektion, so der deutliche Tenor, können es nicht gewesen sein. Und so mündete dieser Vortrag in der unausweichlichen Antwort auf das vermeintliche Rätsel, dass es nur plausibel sei anzunehmen, Außerirdische hätten den Menschen mittels gezielter genetischer Eingriffe erschaffen.

Die untergegangene Hochkultur Südafrikas

Nach der Mittagspause trat dann der Südafrikaner Michael Tellinger auf und sorgte auf der einen Seite für Begeister- und auf der anderen Seite für Verwunderung.

Auch Tellinger streute viele persönliche Erfahrungen in den Vortrag ein, um zu erläutern, wie er zu seinen Ergebnissen gelangt ist. Wenngleich er vorsichtig startete, wurde schnell klar, dass unsere Geschichte in seinen Augen einen ganz anderen Verlauf genommen haben muss, als die offiziell angenommen wird. Über das Phänomen der Megalithbauwerke und die in seinen Worten erwiesene Existenz von Riesen, führte der Vortrag das Publikum weiter zu einer Reihe interessanter kreisförmiger steinerner Anlagen in Südafrika und zur Existenz von klingenden Steinen. Steine, die, schlägt man andere Steine gegen sie, Töne in verschiedenen Frequenzen erzeugen.

Kurz darauf überschlug Tellinger sich förmlich mit wilden Theorien darüber, dass der Mensch die Sklavenrasse Außerirdischer sei. Diesen gehe es dabei um Gold und um Töne. Denn mittels Tönen könne man Energie erzeugen. Und die alten Monumente seien genau aus diesem Grunde von den Außerirdischen geschaffen worden. Über Amphitheater (hier erzeugten die Menschen bei Veranstaltungen die Töne), wurden die Schallwellen über Kanäle in Sender übertragen und so direkt zu den Außerirdischen transferiert.

Als Tellinger dann die heutige Machtelite, allen voran die Familie Rothschild beschuldigte, im Auftrag der Aliens als Machthalter auf Erden zu fungieren, um die Menschheit weiter zu versklaven, löste dies bei dem Publikum eine enorme Begeisterung aus, die in wildem Applaudieren und begeistertem Jodeln mündete.

Chinas mysteriöses Höhlenlabyrinth

Luc Bürgin, der bekannte Herausgeber des Magazins ‚Mysteries‘ legte einen klassischen Reisevortrag nach. Er berichtete von zwei Reisen in die chinesische Region Huangshan zu einem gewaltigen System künstlicher Höhlen, die die größten der Welt seien. Anhand von Tonscherben seien diese auf ein Alter von wenigstens 2.000 Jahren datiert worden und die größte der bereits vermessenen Höhlen umfasse eine Fläche von 48.000 Quadratmetern.

Viele der Höhlen seien noch unzugänglich und durch Grundwasser gefüllt. Illustriert durch viele Fotos stellte Bürgin die bisherigen Erkenntnisse zu dem Komplex vor und stellte Fragen nach dem Wie und Warum.

Die Zauberer der Götter

Nach einer weiteren Pause war es dann Zeit für den letzten Redner des Tages, Graham Hancock. Zu Beginn stellte Hancock einige vermeintliche Rätsel vor, die sich seiner Ansicht nach ganz ohne Kulturbringer aus dem All erklären ließen. Vor allem wies er darauf hin, dass in Indonesien noch im 20. Jahrhundert Megalithen von bis zu 20 Tonnen Gewicht ohne moderne technische Geräte verarbeitet wurden.

Den Hauptteil des Vortrages nahm aber seine eigene These ein, nach der gewaltige Katastrophen immer wieder zum Untergang früherer technischer Hochkulturen auf der Erde führten. Auch wies er darauf hin, wenn schon Göbekli Tepe ein sagenhaft hohes Alter von 12.000 Jahren zugesprochen werde, dann würden die Chancen dafür, dass dies bald auch für die Sphinx gelte, inzwischen recht hoch stehen.

Graham Hancock während seines Vortrages
Abbildung Nr. 3: Graham Hancock während seines Vortrages (Foto: André Kramer)

Alles in allem gab es an diesem ersten Tag der Veranstaltung keine großen inhaltlichen Überraschungen. Und mit Ausnahme eines etwas unbeholfen wirkenden Peter Fiebag kann man den Rednern ein sicheres und unterhaltsames Auftreten attestieren. Auch wirkte die Gesamtorganisation äußerst professionell und frei von groben planerischen Mängeln.

Der Abend endete für viele Teilnehmer im Marriot-Hotel, wo noch bis tief in die Nacht munter diskutiert wurde.

Der zweite Tage

Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Verfasser an Sonntag dem 12.04. leider nicht mehr an der Veranstaltung teilnehmen, doch soll dem Leser trotzdem noch ein kurzer Überblick über das Programm gegeben werden:

  • Begrüßung durch Markus Gärtner
  • Die Entdeckung außerirdischen Lebens – ein Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit von Prof. Dr. Dr. Chandra Wickramasinghe
  • Die äußere und innere Reise eines Apollo-Astronauten als Videovortrag von Edgar Mitchell
  • Präsentation der Enternainment-Produktion „Chariots of the Gods“ von Norbert Reichart
  • Die Komplexität menschlicher Interaktion mit dem UFO-Phänomen von Robert Salas
  • Däniken Total von Erich von Däniken

Es bleibt abzuwarten, ob sich eine grenzwissenschaftliche Veranstaltung dieser Größenordnung in Deutschland irgendwann noch einmal wiederholen.

Aus subjektiver Sicht erscheint die Tagung insgesamt organisatorisch sehr gut gelungen und die Redner konnten über weite Strecken zumindest unterhalten. Positiv anzumerken ist, dass politisch fragwürdige Verschwörungstheorien zumindest in großen Teilen außen vor geblieben sind und man sich ganz auf das Themenspektrum Erich von Dänikens konzentrierte.