Joachim Rehork, veröffentlichte vor allem in den 70er und 80er Jahren Bücher mit zumeist kulturhistorischen und archäologischen Inhalten. In seinem Klassiker von 1987 ‚Sie fanden was sie kannten‘ fasst Rehork in einem Kapitel seine Sicht auf Erich von Däniken, die Dänikenitis und seine Astronautengötter zusammen.

Rehork schrieb die Seiten zu ‚Euhemeros und Euhemeristen‘ um seine falsch verstandene, in den 70er Jahen vorgetragene Kritik an Erich von Däniken nochmals neu darzulegen. Darin stellt der den Schweizer Autoren als Euhemeristen dar, der eine gewisse Form von Mythendeutung – Götter als Kulturbringer aus dem Weltall bei gleichzeitiger Projektion von Gegenwartserfahrungen in die Vergangenheit – vornimmt, die in dieser Form abzulehnen ist.

Der griechische Philosoph und Schriftsteller Euhemeros (geboren um 340 v. Chr.; gestorben um 260 v. Chr.) selbst, hatte in seinem wichtigsten Werk – einem Reiseroman mit dem Titel ‚Heilige Schrift (hiera anagraphe) – die fiktive Insel Panchaia beschrieben. Im Zeustempel der dortigen Hauptstadt will Euhemeros eine Inschrift gefunden haben, aus der hervorgeht, „dass die Götter [Uranos, Chronos, Zeus – Anmerkung des Verf.] einst Menschen gewesen seien. Sie hätten auf Erden gelebt und sich entweder selbst zu Götter erklärt, oder sie seien wegen ihrer Verdienste um die menschliche Kultur zu Göttern ernannt worden.“ [1]

Ähnlich wie in dem nach dem Griechen benannten Ansatz des „Euhemerismus“ – in dem die Entstehung von Mythen sowie Götter/Gottesvorstellungen auf tatsächliche Gegebenheiten und real existierende Personen zurückgeführt wird, übernimmt Erich von Däniken weltweit Mythologien und transferiert sie in seine Realität einer utopische Vergangenheit. Zwischen Däniken und Euhemeros besteht allerdings ein grundsätzlicher Unterschied:

„Euhemeros bringt im Grunde die Götter auf die Erde; Däniken hingegen befördert sie, indem er sie zu Urzeitastronauten erklärt, wieder in den Himmel hinauf.“ [2]

Nun zur eigentlichen Kritik Rehorks:

„Ich schrieb damals [mit Bezug auf sein Buch ‚Archäologie und biblisches Leben‘ (1972) – Anmerkung des Verf.], was mich an Däniken störe, sei ’nicht Dänikens Dilettantismus, nicht die Art, wie Däniken mit seinen Quellen umspringt, nicht Dänikens ungeheuer naive Vorstellung von wissenschaftlicher Arbeit, sonder die Tatsache, dass Däniken Gestalten aus einer infantilen, prälogischen Vorstellungswelt der Kindheitsphase des Menschheitsgeschlechts, die – um […] Friedrich Schiller zu zitieren – in der Tat nicht mehr sind als ’schöne Wesen aus dem Fabelland‘, in ein technisches Szenarium versetzt, das diesen Gestalten eine Überlebenschance gibt. Däniken arbeitet damit sogar der Problematisierung entgegen, die sich im religiösen Bereich mehr und mehr abzuzeichnen beginnt. Leichtgläubige können mit Hilfe Dänikens […] zum Glauben ihrer Kindheit (einem Glauben an konkrete, real auf die Menschheitsgeschichte Einfluss nehmende, bei aller ‚Übermenschlichkeit‘ doch irgendwie menschenähnliche Wesen aus einer ‚anderen Welt‘) zurückkehren und sich dennoch ganz auf der Höhe der Zeit fühlen. Man bezeichnet gern die Kirchen als rückständig […]. Wenn [aber] die offiziellen Kirchen, die es sich mit der Religion heute in der Regel gewiss nicht leichtmachen, rückständig sind, dann ist Däniken noch sehr viel rückständiger, obwohl er sich selbst als einen Avantgardisten versteht. Er ist rückständig, weil er Leichtgläubigen „Glaubenshilfe“ gibt – Leichtgläubigen, deren Vorstellung weit hinter den Vorstellungen der offiziellen Kirchen zurückstehen. Sogar die von den Kirchen getragene offizielle Bibelwissenschaft hat heute Entmythologisierung auf ihre Fahnen geschrieben. Däniken dagegen betreibt – ohne sich freilich darüber klar zu sein – nichts anderes als Remythologisierung.“ [3]

Dieses Zitat muss man erst ein wenig sacken lassen. Es gibt in dieser Form aber nur wieder, was in der jüngeren Geschichte des öfteren als Gefahr durch PaläoSETI-Philosophie thematisiert wurde.

Nachdem ich das Buch seit einigen Jahren nicht mehr in der Hand gehalten habe, war die aktuelle Lektüre eine wohltuende Abwechslung. Und mit dem heutigen Abstand ist die Sichtweise Rehorks über den „Erz-Euhemeristen“ Däniken auch kein „Götterschock“ mehr – als den ich sie beim ersten Mal vor ca. 15 Jahren empfand.

Zudem – irgendwie klingt der Ausdruck „Sie fanden, was sie kannten“ viel besser als „Sieht aus wie …“. Und hat dabei auch noch einen tiefgehenderen Sinn!

Anmerkungen

[1] Rehork 1987, S. 112
[2] Rehork 1987, S. 113
[3] Rehork 1987, S. 109f.

Literaturverzeichnis

Rehork, Joachim (1987): Sie fanden, was sie kannten. Archäologie als Spiegel der Neuzeit. Max Hueber Verlag, Ismaning bei München

Links:
Joachim Rehork (Wikipedia)
Euhemeros und Euhemerismus (Wikipedia)