Wenn Szenefremde Autoren einen Blick auf die Paläo-SETI werfen, dann erweckt das bei mir immer großes Interesse, schwingt schließlich immer die Hoffnung mit, neue Perspektiven und interessante Aspekte aufgezeigt zu bekommen, die einem selbst aufgrund eines gewissen Tunnelblicks gar nicht auffallen würden.

‚Die Bagdad-Batterie und Hesekiels Raumschiff‘, in: Mamczak, Sascha; Jeschke, Wolfgang: Das Science-Fiction Jahr 2010. München: Heyne 2010

Ein solcher Beitrag, der obige Erwartungen weckte, findet sich im Sammelband ‚Das Science-Fiction Jahr 2010‘ aus dem Heyne-Verlag. Zwischen interessanten Themen, die unterschiedliche Aspekte der Science-Fiction in Literatur und Film beleuchten, fand auch ein Beitrag Eingang in den Sammelband, in dem der Autor und Künstler [1] Uwe Neuhold die Paläo-SETI näher unter die Lupe nimmt.

Leider wurden diese Erwartungen eher enttäuscht. Neuhold zeichnet zu Beginn die thematischen Parallelen zwischen Science-Fiction-Werken und den Büchern aus dem Spektrum der Paläo-SETI nach, vermerkt hierzu aber, dass die eine Sparte definitiv als Fiktion definiert sei, während die Paläo-SETI sich als Sachliteratur verstehe. Außerdem würde er es bedenklich finden, dass einige Autoren in beiden Sparten Mitmischen würden (als Beispiel wird Reinhard Habeck genannt, der auch für Perry Rhodan tätig war) und, dass die Autoren der Science-Fiction sich viel zu wenig öffentlich von der Paläo-SETI distanzieren würden. [2]

Im Folgenden wird dann, alphabetisch sortiert, auf eine ganze Reihe von Indizien eingegangen, die von der Paläo-SETI vorgebracht worden sind. Das Spektrum, reicht hier von den Abydos-Hieroglyphen, Antikythera, den Dogon, über Hesekiel, bis hin zu den Aussagen des Mahabharatas.

Den meisten Themen werden hierbei nur wenige Zeilen Platz eingeräumt und es erscheint doch ein bisschen oberflächlich, manch ein komplexes Thema dermaßen kurz abzuwatschen. Hinzu kommt ein sehr polemischer Ton, der sicherlich aus der Ansicht des Autors resultiert, dass die Paläo-SETI, bzw. deren Autoren größtenteils bewusste Unwahrheiten veröffentlichen:

„Teile der eigentlich für wissenschaftliche Fiktion stehenden Science-Fiction-Literatur werden damit zu Steigbügelhaltern für Menschen, die aus Profilierungssucht, Geldgier, Ignoranz oder Liebe zu Verschwörungstheorien unreflektiert Nichtwissen verbreiten“ [3]

Eine solch gewagte These erscheint mir als viel zu kurz gegriffen, zumal der Autor selbst nicht übermäßig viel Rechercheaufwand betrieben hat. So bezieht er sich größtenteils auf Internetveröffentlichungen (hier vornehmlich Mysteria3000), scheint aber selbst keine Arbeit in eigene Recherchen gesteckt zu haben. Besonders ärgerlich ist hierbei, dass an vielen Stellen meine Mysteria3000-Beiträge annähernd 1:1 abgeschrieben wurden (S. 553 f. Antikythera, S. 556 ff. Baalbek, S. 568 ff Freiberger Kohleschädel – hier wurden auch unerlaubt meine Aufnahmen abgedruckt, und S. 588 f. Taube von Sakkara). Ähnlich wird es bei den anderen zitierten Autoren auch sein.

Häufig werden auch Behauptungen in den Raum gestellt, für die keinerlei Belege angeführt werden. So heißt es zum Aluminiumkeil von Aiud zum Beispiel, die Mehrzeit der Wissenschaftler würde das Objekt als Fälschung ansehen. [4] Wer das mit welcher Begründung sagte, würde mich doch sehr interessieren, da mir lediglich die These bekannt ist, es könnte sich bei dem Objekt um den Rest eines modernes Werkstücks oder Bauteils handeln. Eine Fälschung würde meines Erachtens aufgrund des unspezifischen Äußeren und des geringen Bekanntheitsgrades wenig Sinn.

Man könnte Neuhold im Grunde denselben Vorwurf machen, wie er ihn (sicherlich in vielen Fällen nicht unbegründet) den Autoren der Paläo-SETI macht, nämlich die Widergabe von Halbwissen, mangelnder Recherche und eine unzureichende Quellenkennzeichnung. Ähnlich wie in der Paläo-SETI auch, so dienen die (wenigen) Recherchen offensichtlich nicht dem Zweck, sich Ergebnisoffen einem Thema anzunähern, sondern eine schon vorher definierten Position zu stützen.

Dabei kommt es leider zu einem äußerst undifferenzierten Bild der Szene, so, dass der Beitrag weder der interessanten Thematik Paläo-SETI gerechnet wird (deren grundsätzlicher Fragestellung ich nach wie vor offen gegenüber stehe), sondern auch der Bezug zur Science-Fiction bleibt undeutlich. Hier wäre viel mehr drin gewesen.

Anmerkungen

[1] Siehe seine Homepage http://www.uweneuhold.at/uweneuhold.php

[2] vgl. Neuhold 2010, S. 547

[3] a. a. O., S. 601

[4] vgl. a. a. O., S. 553