Die griechische Rechenmaschine zur Berechnung von Planetenbewegungen, der so genannte „Computer von Antikythera“ hat nach wie vor nicht alle seine Geheimnisse preisgegeben.

(siehe auch https://mysteria3000.de/lexikon/der-computer-von-antikythera/)

Die neueste wissenschaftliche Kontroverse um diesen Apparat basiert auf den Untersuchungen des amerikanischen Historikers James Evans. Dieser stellt die These auf, dass die Mathematik auf dem diese Maschine basiert (genauer die Arithmetik) nicht der griechischen entspricht, sondern noch der babylonischen. [1]

Im Gegensatz zu der Annahme der griechischen Naturphilosophen, die die Bahnen der Himmelskörper als perfekt kreisförmig annahmen und die Exentrik der Mond, Sonnen- und Planetenbewegungen mittels Epizyklen erklärten, zeigten Messungen der Skalen auf den Röntgenaufnahmen offenbar anderes.

Vorab: Heute wissen wir, dass die Himmelskörper keine perfekten Kreisbahnen beschreiben, sondern eliptische Bewegungen. Diese Annahme hatte in der Naturphilosophie des Aristoteles aber keinen Platz, also entwickelte Ptolemäus auf Basis der von den der Theorie abweichenden astronomischen Beobachtungen das epizyklische Modell. Demnach würden die Gestirne sich auf kleinen Kreisbahnen bewegen, die um die große Kreisbahnen laufen. Damit konnten die Beobachtungen in Einklang gebracht werden.

Die Skalen auf dem vorderen Ziffernblatt des Computers von Antikythera aber, so Evans, müssten auf den äußeren Strichen der 360-Grad Skala größere Abstände aufweisen, als auf der inneren 365-Grad Skala. Seine Messungen konnten das aber nicht bestätigen, was ihn zu der Annahme führt, dass auf den nicht mehr erhaltenen Teilen Bereiche mit größeren Abständen dagewesen sein müssen. Der Apparat wäre also mit konstanter Bewegung bedient worden, was (bedingt durch die wechselnden Abstände der Skalenstriche) zu einer Einteilung in schnelle und langsame Zonen geführt hätte. Also nicht nach dem epikyklischen Rechenmodell.

Dies würde dann aber einem Modell entsprechen, das schon bei den Babyloniern bekannt gewesen ist.

Ob dieser neue Ansatz möglicherweise tatsächlich zutreffend ist, so Evans, könnte durch die Entzifferung von Inschriftfragmenten die erst kürzlich durch weitere Röntgenaufnahmen zugänglich wurden, überprüft werden. Die Rekonstruktion und Übersetzung der Inschriftfragmente wird momentan vorgenommen.

Fußnoten

[1] Vgl. Marchant 2011, S. 14 ff. u. http://www.spektrum.de/artikel/1061768 inkl. Videos eines Nachbaus aus Lego

Literaturverzeichnis

Kramer, André: Der Computer von Antikythera. In: Mysteria3000 Lexikon – https://mysteria3000.de/lexikon/der-computer-von-antikythera/

Marchant, Jo: Arithmetik aus Babylonien? In: Apektrum der Wissenschaft 3/2011

ebd. http://www.spektrum.de/artikel/1061768