1994 entdeckte der Archäologe Klaus Schmidt am Göbekli Tepe (=gebauchter Berg [1]) in der Türkei ein steinzeitliches Monument, das aus gewaltigen Steinsäulen und T-förmigen Pfeilern mit bis zu 50 Tonnen Gewicht bestand [2]. Auf diesen befanden sich näpfchenartige Vertiefungen und Fresken mit unterschiedlichen Wildtiermotiven. Darüber hinaus wurden verschiedene steinerne Skulpturen von Tieren entdeckt.

Das eigentlich sensationelle an den Funden vom Göbekli Tepe ist aber sein geschätztes Alter! So datiert die Anlage auf sagenhafte 10.000 v. Chr., also auf das Ende der letzten Eiszeit! Interessanterweise nahm man in der alternativen Archäologie relativ wenig Notiz von dieser sensationellen Entdeckung, auch nicht nach der Veröffentlichung von Schmidts Buch 2006.

Innerhalb der Archäologie aber kommt nun eine neue Kontroverse auf! Schmidt geht davon aus, es würde sich bei der Anlage um einen Tempel einer im Übergang zwischen Jäger- und Sammlertum zur neolithischen Revolution befindlichen Kultur handeln.

Der Archäologe Ted Banning von der University of Toronto glaubt jetzt aber belegen zu können, dass die Anlage keine rein sakrale Bedeutung hatte, sondern vielmehr Wohn- und Kultort zugleich war, in dem die Menschen ihrer Zeit dauerhaft lebten und in den Häusern ihre kultischen Rituale abhielten. Als Belege für diese These führt Banning Tier- und Pflanzenreste, sowie Hinweise auf die Feuersteinbearbeitung an. [3]

Antworten liefern womöglich die Grabungen der nächsten Jahre. Eine dauerhafte Besiedlung wäre aber vermutlich die nächste große Sensation vom Göbekli Tepe. Vor seiner Entdeckung waren die ältesten Bauwerke die ähnlich monumental waren, die Megalithmonumente Europas, die aber erst viele tausend Jahre später errichtet wurden. Der Nachweis einer sesshaften Kultur in befestigten Gebäuden würde nun abermals bisherige Vorstellungen zum Leben zum Ende der letzten Eiszeit über den Haufen werfen.

Anmerkungen

[1] Vgl. Schmidt 2006, S. 92

[2] Vgl. a. a. O., S. 132

[3] Vgl. Koch 2011

Literatur

Koch, Daniel (2011): Die älteste Tempelanlage der Welt ein Wohnhaus? Auf: http://www.epoc.de/artikel/1125609&_z=798890

Schmidt, Klaus (2006): Sie bauten die ersten Tempel. Das rätselhafte Heiligtum der Steinzeitjäger. München: C. H. Beck