Wer sich mit der Frage nach Atlantis beschäftigt, stößt früher oder später auf ein ernstes Problem: Nicht der Mangel an Ideen, was es mit Atlantis auf sich haben könnte, sondern im Gegenteil die chaotische Überfülle an Hypothesen , die sich im Laufe der Jahrhunderte zu diesem Thema gebildet haben, macht uns rat- und orientierungslos. Dieser Artikel versucht, diesen Missstand durch eine geeignete Klassifizierung der Hypothesen zu Atlantis zu beheben.

Zur Klassifizierung der Hypothesen zu Atlantis

I. Einleitung

Wer sich mit der Frage nach Atlantis beschäftigt, stößt früher oder später auf ein ernstes Problem: Nicht der Mangel an Ideen, was es mit Atlantis auf sich haben könnte, sondern im Gegenteil die chaotische Überfülle an Hypothesen [1], die sich im Laufe der Jahrhunderte zu diesem Thema gebildet haben, macht uns rat- und orientierungslos. Dieser Artikel versucht, diesen Missstand durch eine geeignete Klassifizierung der Hypothesen zu Atlantis zu beheben.

Der Sinn einer jeden Klassifizierung besteht in der Schaffung von Überblick. Eine für den Menschen nicht zu überschauende Menge von Elementen, in unserem Fall die Hypothesen zu Atlantis, wird durch Klassifizierung in ihrer Komplexität auf ein menschlich erfassbares Maß reduziert.

Mithilfe des Überblicks können wir u.a. folgende Vorteile erzielen:

  • Zusammenhänge, die vorher verborgen blieben, werden erkannt.
  • Die Systematik der Klassifizierung zeigt Möglichkeiten auf, von denen man zuvor nichts ahnte.
  • Erst durch eine allgemein bekannte und akzeptierte Klassifizierung wird eine adäquate Kommunikation über die verschiedenen Hypothesen zu Atlantis möglich.

Ein weiterer zu beleuchtender Aspekt ist die Zielrichtung von Klassifikationen. Fast immer werden Klassifikationen zur Erreichung bestimmter Zwecke aufgestellt. Diese gilt es zu erkennen und kritisch zu hinterfragen.

II. Der natürliche Ansatz

Wer eine chaotische Menge von Elementen ordnen will, wird zunächst versuchen, eine innere Ordnung dieser Menge ausfindig zu machen, bevor er willkürlich ein Ordnungsprinzip festlegt.

Das beste Beispiel hierfür liefert uns die Biologie. Die Artenvielfalt in der Natur ist schier unermesslich. Als natürliches Ordnungsprinzip bieten sich hier Abstammung und Verwandtschaft an. Auf diese Weise erlangt man durch ein in der Sache selbst angelegtes Ordnungsprinzip Überblick und Einblick.

Abstammung, Verwandtschaft und räumliche Verbreitung von Pferdetypen.

Abb. 1: Abstammung, Verwandtschaft und räumliche Verbreitung von Pferdetypen.

Leider ist – anders als im Tier- und Pflanzenreich – eine derart natürliche Klassifizierung bei den Atlantis-Hypothesen nicht anwendbar.

III. Das Chaos der Hypothesen zu Atlantis

Das Chaos der Atlantis-Hypothesen wird durch die Fülle der Merkmale hervorgerufen, die eine Hypothese kennzeichnen. Alle diese Merkmale sind mit je eigenen Problemen behaftet, will man sie zur Klassifizierung heranziehen.

Problem: Die Ideen-Genealogie ist vielfach gebrochen.

Analog zu den Abstammungslinien in der Biologie könnte man versuchen, die Hypothesen zu Atlantis nach ihrer ideengeschichtlichen Genealogie zu ordnen. Dies führt jedoch zu vielfachen Brüchen und Sprüngen im Stammbaum.

Eine Ideengeschichte lässt sich nicht für alle Atlantis-Hypothesen insgesamt ausmachen, sondern nur für einzelne Hypothesengruppen wie z.B. die Kreta-Thera- oder die Bimini-Hypothesengruppe. Aber auch diese sind innerlich wirr verzweigt. Der Stammbaum würde somit zu einer Ansammlung von unverbunden nebeneinander stehenden Stamm-„Gebüschen“ degenerieren, und damit seinen Zweck, die Schaffung von Überblick, verfehlen.

Problem: Welche Hypothesen beziehen sich wirklich auf Atlantis?

Tatsächlich entfernen sich nicht wenige Hypothesen so weit von der Urquelle, d.h. von Platon, oder lassen sie gar ganz außer acht, so dass diese Frage nicht selten mit einiger Berechtigung gestellt werden muss [2].

Problem: Von welchem Qualitätsanspruch ist eine Hypothese?

Noch recht einfach ist die Unterscheidung zwischen „Theorie“ und „Hypothese“: Wer eine Theorie präsentiert, glaubt, Atlantis bereits gefunden zu haben und dies beweisen zu können. Bei einer Hypothese dagegen steht man mit einer vielleicht guten Idee erst am Anfang umfangreicher Forschungen mit ungewissem Ausgang.

Schwieriger wird es schon, wenn der Autor seine Hypothese statt in Form eines Sachbuchs als Roman präsentiert. [3] Oder gar explizit erklärt, seine durchaus beachtenswerten Ideen zu Atlantis seien reine Fiktion.

Problem: Von welcher Qualität ist eine Hypothese?

Unabhängig von dem Anspruch, den der Autor einer Hypothese selbst erhebt, unterscheiden sich die Atlantis-Hypothesen stark in ihrer wissenschaftlichen Qualität. So mancher Atlantis-Roman [4] kann mehr Rationalität und Belegbarkeit für sich verbuchen als gewisse Laien-Hypothesen, die ohne jeden Sachverstand daherkommen.

Problem: Weltanschaulicher und methodischer Hintergrund.

Die einzelnen Hypothesen unterscheiden sich natürlich sehr stark nach dem Weltbild ihrer Autoren und nach der angewandten Methodik. Die Unterschiede zwischen fantastisch-esoterischen Hypothesen einerseits und eher rational und trocken gehaltenen Überlegungen andererseits sind oft enorm, auch wenn sich die Hypothesen in vielen Punkten ähneln mögen. [5]

Problem: Was sagt eine Hypothese überhaupt aus?

Vielfach ergehen sich Autoren von Atlantis-Hypothesen in weitschweifigen Ausführungen, rhetorischen Fragen, vagen Andeutungen und wortreichen Ergüssen, in die sie hie und da eigene Wertungen einstreuen [6]. Es ist dann manchmal recht schwierig festzumachen, was ein Autor substantiell gesagt hat und wofür er eigentlich steht.

Problem: Die Kombinationsvielfalt der Teilhypothesen.

In der Fülle der Hypothesen zu Atlantis lassen sich eine ganze Heerschar von immer wiederkehrenden Versatzstücken identifizieren, die in immer neuen Kombinationen zu immer anderen Hypothesen zusammengesetzt werden. Diese sich kreuz und quer durch die meisten Hypothesen ziehenden Teilhypothesen erzeugen eine Unzahl von Ähnlichkeiten und Verwandtschaften unter den Hypothesen, die eine sinnvolle Gruppierung äußerst erschweren.

Beispiele für solche Teilhypothesen mögen sein:

  • Die Datierung, z.B. die Bronzezeit.
  • Die Art der Interpretation von Platons Zahlenangaben, z.B. Mond- statt Sonnenjahre.
  • Die Art des Untergangs von Atlantis, z.B. Vulkanismus oder kultureller Untergang.
  • Die Heranziehung von Mythen, z.B. der Atlas-Mythos oder Poseidon-Mythen.
  • Die üblichen Hoaxes, z.B. Mammutsterben, Dendera-Glühbirne, Aalwanderungen.

Problem: Verwandtschaft von Hypothesen durch Popularität statt in der Sache.

Oft wird die Sachebene einer Hypothese von Aspekten überlagert, die zwar nichts mit der Sache selbst zu tun haben, die aber den eigentlichen Zündfunken der Hypothese in der öffentlichen Rezeption bilden. Es ist klar, dass eine solche Hypothese vor allem von diesem „Zündfunken“ lebt, für den die Sachebene nur eine geeignete Verkleidung darstellt, und dass sie deshalb nach diesem begutachtet werden sollte.

Beispiele für sachfremde Popularität mögen der Kultstatus eines Autors [7], Heimatliebe [8], politische Aufgeputschtheit [9], Sehnsucht nach einer besseren Welt [10] sein. Letztlich ist dies eine Frage der Massenpsychologie, die sinnvoll nur von Zeitgeist-Forschern beantwortet werden kann.

Der Spiegel 1976

Abb. 2: Klassifizierung durch Lokalisierung: Der Spiegel 1976.

Problem: Der Ort ist ein sehr schwaches Kriterium.

Offenbar besteht für viele der erste intuitive Ansatz für eine eine Klassifizierung der Atlantis-Hypothesen in ihrer Sortierung nach den vermuteten Orten für Atlantis. Grafische Darstellungen dazu, wo überall auf der Welt Atlantis schon vermutet wurde, finden sich relativ häufig.

Leider jedoch ist der Ort nur ein schwaches Kriterium für den Zusammenhang und die Verwandtschaft von Theorien. Ob eine Kultur z.B. als bronzezeitlich, megalith-zeitlich oder eiszeitlich angesehen wird, unterscheidet sie viel stärker – auch wenn sie an derselben Stelle verortet wird – als etwa eine verschiedene Verortung in derselben Epoche.

Problem: Die Zeit ist ein zu schwaches Kriterium.

Die Zeit eignet sich viel besser als der Ort, Zusammenhänge festzumachen, aber auch dieses Kriterium versagt völlig, wenn die Orte weit auseinander liegen (z.B. Amerika und Europa) oder wenn die eine Theorie fantastisch-esoterisch aufgezogen wird, die andere dagegen nüchtern rational daherkommt.

Problem: Jeder Autor hat seine eigene Variante.

Eine Hypothese wird häufig von vielen verschiedenen Autoren vertreten, vor allem, wenn sie populär ist. Leider jedoch stellt sich bei näherem Hinsehen heraus, dass jeder Autor die Dinge immer ein wenig anders sieht als die anderen. Damit ufert die Variabilität auch innerhalb einer Hypothese gewaltig aus.

Ein gutes Beispiel mag die Hypothese sein, die die minoische Kultur mit Atlantis identifiziert. Der eine Autor verortet Atlantis auf Kreta, der andere auf Santorin, mal brach der Vulkan von Santorin hundert Jahre früher aus, mal hundert Jahre später … [11]

Problem: Hypothesen können verschieden begründet werden.

Selbst wenn Autoren bis ins letzte Detail dieselbe Hypothese vertreten, müssen sie noch lange nicht bei der vorgetragenen Sachargumentation übereinstimmen, mit der sie die Hypothese begründen.

Problem: Verwandtschaft von Hypothesen durch persönliche Motivation statt in der Sache.

So wie manche Hypothese in der Öffentlichkeit von Faktoren getragen wird, die nichts oder nur wenig mit ihrem Gehalt zu tun hat, so ist natürlich auch die persönliche Motivation des Autors zur Verfertigung seiner Atlantis-Hypothese eigentlich immer auch durch Aspekte mitbestimmt, die mit der Sache nichts zu tun haben.

Mögliche persönliche Motivationen zur Ausarbeitung einer Atlantis-Hypothese könnten z.B. sein:

  • Materielles Gewinnstreben.
  • Ehrgeiz und Karrierestreben.
  • Persönliche Eitelkeit. Ruhmsucht.
  • Heimatliebe.
  • Spieltrieb und Betätigungsdrang bei gebildeteren Menschen.
  • Epikureismus: Flucht „auf die Insel“ vor einer sinnlosen Welt.
  • Eskapismus: Flucht „auf die Insel“ vor einer „schwierigen“ Welt.
  • Nekrophilie: Flucht „in den Untergang“ [12].
  • Kompensation psycho-sozialer Defizite.
  • Ideologische Verblendung. Nationalismus. Sozialismus. Rassismus.
  • Instrumentalisierung von Atlantis als Werbeträger für Ideen.

Problem: Der einzelne Autor verändert seine Hypothese fortlaufend.

Menschen entwickeln sich im Laufe ihres Lebens weiter, gewinnen neue Einsichten, kommen in andere Interessenkonstellationen hinein u.v.a.m. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der ein oder andere Autor im Lauf seines Lebens nicht nur eine, sondern mehrere, z.T. sogar stark voneinander abweichende Hypothesen zu Atlantis vertritt [13]. Auch dies erschwert eine Klassifizierung der Atlantis-Hypothesen zusätzlich.

IV. Bisherige Klassifizierungen

Bevor wir versuchen, einen fundierten Lösungsansatz zu erarbeiten, betrachten wir zunächst, was bisherige Atlantis-Autoren an Klassifizierungen hervorgebracht haben.

Wesentliches Charakteristikum der meisten bisher aufgestellten Klassifizierungen ist, dass sie gar keine Klassifizierungen sein wollen. In der Regel schweifen ihre Autoren mit schnellem Blick über die ihnen bekannten Hypothesen zu Atlantis hinweg und kommen dabei über eine bloße Aufzählung einzelner Hypothesen kaum hinaus [14].

Klassifizierungen in der Literatur sind damit also nur angedeutet und unvollkommen. Ein Grund hierfür ist die Absicht dahinter. Fast immer werden Hypothesen nur zu dem Zweck aufgezählt, die eigene Hypothese in besserem Licht erscheinen zu lassen.

Klassifizierung durch Genealogie

Die häufigste Art der Klassifizierung, die in der Atlantis-Literatur auftaucht, ist die Genealogie. Oft handelt es sich in Wahrheit nur um eine Chronologie, die eine unsystematische Genealogie der Atlantis-Hypothesen quasi von selbst mit sich bringt.

Am deutlichsten wird hier der Wille zur Klassifizierung bei deCamp:

„Der ‚Atlantismus‘ streckt wie ein Baum seine Zweige nach allen Seiten aus. Aber nur sehr selten ziert einen Zweig die Blüte einer echten historisch-wissenschaftlichen Entdeckung. Indem wir diesen Baum studieren, müssen wir jeden seiner Zweige bis zur äußersten Spitze untersuchen.“ [15]

Die Befürworter der Existenz von Atlantis benutzen die Genealogie oft, um einerseits die Suche nach Atlantis durch eine große Tradition zu adeln, andererseits aber auch, um die eigene Hypothese als den Gipfelpunkt einer Entwicklung bzw. als etwas völlig neues darzustellen. [16]

Die Gegner wiederum sehen in der Genealogie der Atlantis-Hypothesen eine Bestätigung für die ewige Wiederkehr des immergleichen Unsinns, sei es methodisch oder inhaltlich. Sie spüren bevorzugt den Verbreitungswegen von unzutreffenden Teilhypothesen im Stammbaum der Atlantis-Hypothesen nach und finden Gemeinsamkeiten in der psychischen Verfasstheit der Atlantis-Sucher. [17]

Klassifizierung durch Lokalisierung

Günther Kehnscherper.

Abb. 3: Klassifizierung durch Lokalisierung: Günther Kehnscherper.

Die intuitivste Herangehensweise um sich einen Überblick über die vorhandenen Hypothesen zu Atlantis zu verschaffen scheint in der Verortung von Atlantis zu liegen. Diese Betrachtungsweise ist zwar sehr oberflächlich, dafür aber umso anschaulicher. Deshalb findet sie sich besonders häufig in Zeitschriftenartikeln über Atlantis wieder.

Der Spiegel 1998.

Abb. 4: Klassifizierung durch Lokalisierung: Der Spiegel 1998.

Auch hier zeigt sich die Absicht hinter dem Klassifizierungsansatz: Sowohl die Befürworter als auch die Gegner einer Existenz von Atlantis benutzen die Übersicht über die Lokalisierungen, um sich von ihnen abzuheben. Die Gegner lesen aus dem Wirrwarr der Lokalitäten nur Chaos ab und sehen sich bestätigt, die Befürworter verwerfen alle anderen Hypothesen als absurd und präsentieren ihre eigene Hypothese als neu bzw. originell. [18]

Gerhard Gadow

Abb. 5: Klassifizierung durch Lokalisierung: Gerhard Gadow.

Klassifizierung nach Autorentypus

Dieser Ansatz wendet sich den Autoren von Atlantis-Hypothesen zu und versucht ihren Charakter, ihre Motivation und ihre Methodik als Kriterium für eine Klassifizierung heranzuziehen. Fast immer steht dahinter die Absicht der Identifizierung und Abklassifizierung von fragwürdigen Atlantis-Hypothesen und ihrer Autoren. [19]

Oft findet sich bei den Gegnern einer Existenz von Atlantis eine Verbindung der Klassifizierungsarten Genealogie und Autorentypus: Die Verwandtschaftlichkeit im genealogischen Kontext wird häufig weniger über Inhalte als vielmehr über den Charakter der Autoren der betrachteten Hypothesen definiert [20].

Fazit

Es ist klar, dass die untersuchten Herangehensweisen keine hinreichenden Antworten auf die oben beschriebenen Problemstellungen zu bieten haben. Im Gegenteil. Mitunter zielt ja die Absicht hinter diesen Klassifizierungen gerade nicht auf die Schaffung von Überblick, sondern auf die Verdeutlichung von Chaos!

Aber auch die Tatsache an sich, dass mit der Art der Klassifizierung ein bestimmter Zweck verfolgt wird, ohne dass dieser Zweck explizit als Ausgangspunkt benannt wird, schmälert den Wert der besprochenen Ansätze enorm. Es umweht sie ein Ruch der Suggestion, der Manipulation des Lesers.

V. Pflöcke im Sumpf – 5 Thesen

Wie kann man nun Herr werden über das offenbar so schwer zu fassende Chaos der Atlantis-Hypothesen? Dazu sollen hier einige Thesen entwickelt werden.

These I: Die Atlantis-Hypothesen sind auf so vielschichtige Weise untereinander verwandt und aufeinander bezogen, dass es unmöglich ist, alle diese Bezüge in einem Klassifizierungssystem anschaulich zu vereinigen.

Damit erübrigt sich jeder Versuch, diese Herkules-Aufgabe bewältigen zu wollen, von selbst. Es geht einfach nicht. Die Vieldimensionalität der Atlantis-Hypothesen übersteigt das dreidimensionale Vorstellungsvermögen des Menschen bei weitem.

Es erhebt sich natürlich sofort die Frage: Ist der Mensch dem Chaos damit unrettbar ausgeliefert? Kann dann überhaupt noch sinnvoll über Klassifizierung nachgedacht werden? Antwort: Es kann. Nach der Methode „divide et impera“ lassen sich einzelne Aspekte von Atlantis-Hypothesen identifizieren, nach denen menschlich erfassbare Klassifizierungen aufstellbar sind.

These II: Unter Voranstellung eines klar definierten Zwecks lassen sich Klassifizierungen von Atlantis-Hypothesen sinnvoll aufstellen.

Die Ausgangsfrage einer jeden Hypothese ( s.o.) ist ein Zweck: Die Schaffung von Überblick. Dieser ist aber kein Selbstzweck, sondern dient wiederum der Erreichung weiterer konkreter Zwecke. Da ein allgemeiner Überblick nicht realisiert werden kann, muss eben ein lediglich teilweiser Überblick, der näher bestimmten Zwecken genüge tut, angestrebt werden.

Mögliche nähere Zwecke könnten sein:

  • Eine ideengeschichtliche Genealogie einer Hypothesengruppe oder Teilhypothese.
  • Eine Untersuchung der Motivationslage von Autoren von Atlantis-Hypothesen.
  • Eine Sortierung der Hypothesen nach methodischer Qualität.
  • Eine Sortierung der Hypothesen nach Affinität zu einer bestimmten Hypothese.

These III: Der Zweck einer Atlantis-Hypothese ist stets explizit zu benennen, um die dahinter stehende Absicht offenzulegen.

Wie schon gesagt, hat das Verschweigen der Absicht hinter einer Klassifizierung einen unguten Beigeschmack. Aufgrund von These II wird nun aber die Wichtigkeit der Nennung des Zwecks noch tiefer begründet: Der ganze Sinn einer Klassifizierung erschließt sich überhaupt erst von ihrem Zweck her, und ihre Daseinsberechtigung gerät unweigerlich in Fortfall, wenn der Zweck unklar bleibt.

These IV: Die granularste Einheit bei der Klassifizierung der Hypothesen zu Atlantis müssen die einzelnen Autoren sein, weil ihre Individualität nicht nivellierbar ist.

Es ist sinnlos, die Ebene der Autoren vernachlässigen zu wollen, dazu sind sie zu verschieden. Mit diesem Ansatz entledigt man sich einer ganzen Reihe der oben genannten Probleme: Man wird der individuellen Situation gerecht, aus der heraus eine Hypothese entstand. Man behält einen Blick für die verschiedenen Kombinationen von Teilhypothesen. Man lässt keine Begründungen für eine Hypothese unter den Tisch fallen. Auch Qualität und Anspruch sind meist autorenabhängig. Mit all diesen Parametern erschließt sich nicht selten auch besser, warum gewissen Hypothesen in der Öffentlichkeit mal mehr, mal weniger Anklang finden.

Die Problematik, dass Autoren selbst mehrere Hypothesen vertreten können, stört dabei nicht. In diesem Fall müssen Autoren eben mehrfach in das Klassifizierungssystem eingeordnet werden. Findet man durch die Systematik der Klassifizierung Hypothesen, die noch kein Autor vertritt, so ist auch das kein Mangel, sondern im Gegenteil eine Stärke der Klassifizierung.

These V: Eine Klassifizierung von Atlantis-Hypothesen wird immer „unscharf“ und damit subjektiv sein, weil saubere Abgrenzungen nicht möglich sind.

Diese Unschärfe verhindert es grundsätzlich, dass eine bestimmte Klassifizierung den Rang der Allgemeingültigkeit erreichen kann. Aber auch durch die Bestimmung eines möglicherweise sehr subjektiven Zweckes kann die Erlangung von Allgemeingültigkeit verhindert werden.

Allerdings ist es denkbar, dass eine Klassifizierung durch eine hohe Akzeptanz dominant wird. Dies ist legitim. Darüber darf dann aber nicht vergessen werden, dass diese Klassifizierung nur einen Zweck von vielen denkbaren Zwecken verfolgt, und nur einen womöglich sehr subjektiven Zweck. Es gibt nicht „die“ Klassifizierung. Nur eine Zusammenschau vieler verschiedener Klassifizierungen bringt die volle Information.

Weitere oben genannte Problemkreise können im Rahmen einer konkreten Klassifizierung gelöst werden.

VI. Vorschlag einer Klassifizierung

Auf Grundlage der vorgebrachten Überlegungen entwickeln wir nun eine konkrete Klassifizierung. Dazu ist zunächst ihr Zweck und Ziel zu bestimmen, dann ihre innere Organisation, und schließlich sind ihre Einordnungsentscheidungen auszuformulieren.

Zweck der Klassifizierung

Beginnen wir mit der Nennung des Zweckes:

Ziel der Klassifizierung ist es, den Sachaspekt der Hypothesen zu Atlantis in den Vordergrund zu stellen, um sich auf die Frage nach Atlantis zu konzentrieren, und die Spreu vom Weizen unter den Atlantis-Hypothesen zu trennen.

Die Frage nach Atlantis, die im Vordergrund stehen soll, mag hier zur Vermeidung von Missverständnissen noch einmal formuliert sein:

  • Hat es Atlantis gegeben oder nicht?
  • Wenn ja, wann und wo?
  • Wenn nein, wie ist Platon dann zu interpretieren?

Mit der Konzentration auf die Atlantis-Frage treten etliche Aspekte von Atlantis-Hypothesen in den Hintergrund, und mit ihnen verschwinden auch die damit verbundenen Probleme. So ist z.B. der Anspruch, den der Autor einer Hypothese erhebt, für die Beantwortung der Atlantis-Frage völlig irrelevant. Wenn die Hypothese gut und brauchbar ist, wird sie verwertet, auch wenn sie ursprünglich als Roman daherkam. Auch die Inspiration oder der Anklang bei den Massen spielen keine Rolle. Was dagegen ohne einen Bezug zu Platon nur den Namen ‚Atlantis’  im Titel führt, wird nicht als Atlantis-Hypothese gezählt.

Die Trennung von „Spreu“ und „Weizen“ als zweitem Ziel kann natürlich nur nach sehr subjektiven Kriterien erfolgen. Die resultierende Klassifizierung ist dadurch eng mit ihrem Autor verknüpft. Anderen kann sie nur als ein Vorschlag unterbreitet werden, der angenommen aber auch abgelehnt werden kann.

Innere Organisation

Die Klassifizierung ist als ein Bestimmungsbaum organisiert. Von der Wurzel ausgehend wird an jeder Verzweigung eine Entscheidung getroffen, in welchen Zweig, Unterzweig, Unterunterzweig etc. ein Autor mit seiner Hypothese einzuordnen ist.

Dabei wird jeder Ast mit einem Buchstaben gekennzeichnet, der die getroffene Einordnungsentscheidung dokumentiert. Aus der Aneinanderreihung der jeweiligen Buchstaben von der Wurzel bis zum Blatt entsteht so für jede Hypothesenklasse ein unverwechselbares Kürzel.

Um den Wert der Klassifizierung als Kommunikationsgrundlage nicht unnötig zu schmälern, empfiehlt es sich, sie von vornherein für eine internationale Verwendung offen zu halten. Deshalb werden die entscheidungsanzeigenden Buchstaben nach Begriffen aus der Weltsprache, dem Englischen, gewählt. Eine Übersetzung der Kürzel für die Hypothesenklassen würde sonst auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen.

Als Beigabe führt die gewählte Vorgehensweise automatisch zur Bildung nicht nur von Klassen, sondern auch von Oberklassen, repräsentiert durch Teilbäume des Klassifizierungsbaumes. Durch die Aneinanderreihung der entscheidungsanzeigenden Buchstaben bis zur Wurzel des Teilbaumes ergibt sich ein Kürzel für ihre Kennzeichnung.

Einordnungsentscheidungen

Die erste Unterscheidung unter den Atlantis-Hypothesen sei die zwischen „außergewöhnlichen“ und „rationalen“ Hypothesen. Sinn dieser Unterscheidung ist es, sich gleich von vornherein eines Großteils von Hypothesen zu entledigen, die sich durch irgendeine Außergewöhnlichkeit bereits auf den ersten Blick als unglaubwürdig entlarven.

Zu den infrage kommenden Außergewöhnlichkeiten sollen z.B. Planetoideneinschläge, Esoterik, Reinkarnation, Hochtechnologie in der Vorzeit, UFOs, Atlantis als die Wiege der Menschheitskultur und dergleichen zählen. Spinner „neigen dazu, Faktoren, von denen man bis dahin nichts wusste und auch nichts wissen konnte, in ihren Theorien einzuführen: Untergegangene Kontinente, Außerirdische, Planetenkollisionen etc. …“ [21]

Hingegen soll eine zeitliche Verortung von Atlantis auf das Ende der Eiszeit oder eine Lokalisierung im Atlantik nicht als „außergewöhnlich“ im Sinne dieser Klassifizierung gelten, obwohl diese Annahmen zweifelsohne außergewöhnlich sind. Da diese Teilhypothesen jedoch einer wörtlichen Interpretation Platons entsprechen, wäre eine Abklassifizierung allein ihretwegen zu „hart“.

An dieser Stelle wird besonders deutlich, dass die Klassifizierung stark subjektiv geprägt ist. Aufgrund der obigen Ausführungen ist dies aber in Verbindung mit der Offenlegung dieser Subjektivität legitim und letztlich der einzige Weg, sinnvolle Klassifizierungen zu erstellen.

Entscheidungsbuchstaben:

E  – Extraordinary – Außergewöhnlich.
R – Rational – Rational.

Bringen wir zunächst den E-Baum hinter uns! Als weitere sinnvolle Unterscheidung im Rahmen von E kann die Trennung der eher fantastischen von den eher rational aufgezogenen, aber unwahrscheinlichen Hypothesen aufgefasst werden.

Unter „fantastisch“ sei hier vor allem alles esoterisch-metaphysische verstanden. Ein gutes Beispiel für die „unwahrscheinlichen“ Hypothesen mögen UFO-Hypothesen sein. Natürlich kann über UFOs rational nachgedacht werden, ihr Auftauchen als Einflussfaktor in der Menschheitsgeschichte ist jedoch kaum anzunehmen.

Entscheidungsbuchstaben:

F – Fantastic – Fantastisch.
U – Unlikely – Unwahrscheinlich.

Im Rahmen von E bilden sich somit die beiden Klassen EF und EU. Die innere Unterteilung im Rahmen dieser Klassen soll im weiteren parallel gestaltet werden. Gemäß den anhand der oben aufgezeigten Problemstellungen gewonnenen Erkenntnissen soll zunächst nach der Zeit, dann nach dem Ort weiter unterschieden werden.

In Anbetracht der in der Literatur vorliegenden Atlantis-Hypothesen bietet sich für die Zeit eine Dreiteilung an. Es sei grob nach Bronzezeit – Megalithzeit – Eiszeit unterschieden, die wir hier in die Zeiträume 800 – 2500 v.Chr., 2500 – 7500 v.Chr. und vor 7500 v.Chr. einteilen. Natürlich ist die Wahl und Benennung dieser Zeiträume etwas willkürlich. Sie ist aber der Sache angemessen.

Entscheidungsbuchstaben:

B – Bronze Age – Bronzezeit.
M – Megalith Age – Megalithzeit.
I – Ice Age – Eiszeit.

Schließlich sollen die gewählten Orte für Atlantis in vier Gruppen aufgeteilt werden: Östliches Mittelmeer, westliches Mittelmeer, vor der Meerenge von Gibraltar und andere Orte. Auch hier seien die Begriffe eher grob zu verstehen. Östliches Mittelmeer soll das Schwarze Meer mit umfassen, und „vor Gibraltar“ decke den ganzen Raum von der Küste Westafrikas bis nach Skandinavien mit ab. Die karibischen Inseln sollen noch als „vor Gibraltar“ liegend zählen, Amerika selbst jedoch nicht, denn Amerika hat keinerlei Inselcharakter.

Entscheidungsbuchstaben:

E – Eastern Mediterranean – Östlicher Mitelmeerraum.
W – Western Mediterranean – Westlicher Mittelmeerraum.
B – Before Gibraltar – Vor Gibraltar.
O – Other – Andere.

Damit können wir uns dem R-Zweig zuwenden, „R“ wie „Rational“. Diese Hypothesen müssen zuallererst unterteilt werden in solche, die die Existenz von Atlantis bejahen, und solche, die sie verneinen.

Entscheidungsbuchstaben:

E – Existent – Existent.
I – Inexistent – Nicht existent.

Im RE-Zweig wählen wir eine weitere Unterteilung analog zu der Unterteilugn in EF bzw. EU: Zunächst wird nach der Zeit (B-M-I), dann nach dem Ort (E-W-B-O) unterteilt.

Eine gänzlich andere Konstellation liegt für den RI-Zweig vor. Hier kann weder von einer Zeit noch von einem Ort für Atlantis gesprochen werden, da es Atlantis gemäß dieser Hypothesen ja nicht gab. Deshalb wird zunächst weiter unterschieden, ob eine Hypothese als Grund für die Nichtexistenz von Atlantis eher eine Erfindung oder eher einen Irrtum annimmt.

Entscheidungsbuchstaben:

F – Fiction – Erfindung.
E – Error – Irrtum.

Innerhalb dieser beiden Varianten kann wieder parallel klassifiziert werden: Die nächste Frage ist, wer für die Erfindung bzw. den Irrtum verantwortlich ist: Platon selbst? Solon? Der Priester, durch den Solon unterrichtet wurde? Oder die ägyptischen Chronisten, die die mutmaßlich vorhandenen Aufzeichnungen in Sais aufgrund eines damals aktuellen Ereignisses erstellten und auf die Zeit Solons überlieferten?

Auch hier mögen die Einordnungskriterien nur als grob verstanden werden. Die Hypothese, dass eine ägyptische Delegation die Atlantis-Geschichte zur Zeit Platons als Propaganda-Erfindung nach Athen gebracht habe, sei z.B. der Klasse „Tempelpriester“ zugeschlagen, weil die Urheber dieser Quelle am nächsten stehen.

Entscheidungsbuchstaben:

P – Platon – Platon.
S – Solon – Solon.
T – Temple Priest – Tempelpriester.
C – Chronists – Chronisten.

Damit haben wir alle Einordnungsentscheidungen definiert. Im ganzen weist das vorgeschlagene Klassifizierungsschema 44 Klassen von Atlantis-Hypothesen auf.

Vorschlag einer Klassifizierung

Abb. 6: Vorschlag einer Klassifizierung.

VII. Anwendung der Klassifizierung

Nachdem wir uns nun durch einen Berg von theoretischen Überlegungen hindurchgearbeitet haben, wollen wir auch die Früchte unserer Arbeit ernten. Dazu betrachten wir zunächst, wie bekannte Hypothesen zu Atlantis in die vorgeschlagene Klassifizierung eingeordnet werden können, um im Anschluss daran einige erste Beobachtungen festzuhalten.

Bekannte Hypothesen klassifiziert

Die Einordnung der Hypothesen erfolgt natürlich nach ihren Autoren [22]. Mithilfe des vorgestellten Schemas lassen sie sich den folgenden Klassen zuordnen:

EFIB: Edgar Cayce, Murry Hope; Theosophen wie Helena Blavatsky, Rudolf Steiner: Esoterische Inhalte.

EUIB: Otto Muck, Charles Berlitz, Erich von Däniken, Uwe Topper: Planetoideneinschläge u.ä.

EUIO: Rand und Rose Flem-Ath: Antarktis.

REIB: Crantor, Michel de Montaigne, Athanasius Kircher, Ignatius Donnelly, Lewis Spence u.v.a.: Im Atlantik.
Jacques Collina-Girard: Spartelinsel bei Gibraltar.
Olof Rudbeck, Darja Reither/Doris Manner: Ostsee.

REIW: K.A. Frank: Sahara.

REMW: Axel Hausmann: Malta-Plateau bei Sizilien.

REBB: Jean Bailly, Hans Steuerwald: Spitzbergen bzw. Cornwall.
Jürgen Spanuth, Günther Kehnscherper, Gerhard Gadow, Arn Strohmeyer: Nordvölker.
Adolf Schulten, Ivar Lissner, Werner Wickboldt: Tartessos bzw. bei Cadiz.
Leo Frobenius: Nigeria.

REBW: Thorwald C. Franke: Sizilien.

REBE: Eberhard Zangger: Troja.
Spyridon Marinatos. J.V. Luce, James W. Mavor, A. Galanopoulos / E. Bacon, Martin Ebon: Minoische Kultur.

RIFP: Aristoteles, L. Sprague deCamp, Heinz-Günther Nesselrath, A.E. Schmeck: Atlantis als literarische Fiktion.

Beobachtungen

Es fällt auf, dass bei Betrachtung der bekannteren Hypothesen von den insgesamt 44 Klassen nur 10 Verwendung finden. Wie ist dies zu erklären?

Eine weitere Beobachtung gibt Aufschluss: Die Klassen zur Megalith-Zeit sind nur spärlich besetzt. Grund hierfür ist, dass eine Hypothese wohl entweder Platon wörtlich nimmt und Atlantis zeitlich ans Ende der Eiszeit verlegt, oder aber die Zeitangabe wird infrage gestellt, dann ist die Bronzezeit aufgrund der Beschreibungen Platons der nächste „heiße“ Kandidat für eine Datierung.

Ein weiterer Grund ist, dass eine E- und vor allem eine EF-Hypothese an sich schon so verrückt ist, dass sie natürlich keine Schwierigkeiten hat, Platon wörtlich zu nehmen. Damit fallen im E-Zweig alle Klassen, die Atlantis nicht am Ende der Eiszeit bzw. vor Gibraltar verorten, ins Abseits.

Ein ähnliches Phänomen zeigt sich im RI-Teilbaum: Hier konzentriert sich anscheinend alles auf die Hypothese, dass es sich um eine Fiktion Platons handele. Dass Platon den Erfindungen anderer aufgesessen sein oder schlicht auch menschliches Irren im Spiel gewesen sein könnte, fällt weitgehend unter den Tisch.

Sehr schön wird deutlich, wie Hypothesen, die scheinbar nahe beieinander liegen, in Wahrheit mehrere Zweige voneinander entfernt eingeordnet werden müssen. So liegen die Hypothesen von Wickboldt (Spanien) und Spanuth (Helgoland) in derselben Teilklasse REB, die Hypothese von Collina-Girard (bei Gibraltar) hingegen ist erst in der benachbarten Teilklasse REI zu finden, obwohl auch sie nahe der Wickboldtschen Lokalisierung liegt. Damit ist der größere Abstand, den die Zeit gegenüber dem Ort schafft, in dieser Klassifizierung eindrucksvoll verwirklicht.

Übrigens liefert die vorgenommene Klassifizierung eine gute Vorlage für die Erstellung weiterer Klassifizierungen. Wer genau hinsieht und etwas querliest, wird feststellen, dass weitere Klassifizierungen in der vorgeschlagenen Klassifizierung bereits angedeutet sind. So ist insbesondere die ideengeschichtliche Verwandtschaft oft dadurch erschließbar, dass im Klassenkürzel ein Buchstabe gegen einen anderen, meist den eines benachbarten Zweiges, ausgetauscht wird.

VIII. Schluss

Was haben wir erreicht? Wir haben unseren Blick für die Finessen des Chaos‘ der Hypothesen zu Atlantis geschärft. Wir haben einige Prinzipien entwickelt, wie dieses Chaos gebändigt werden könnte. Wir haben darauf aufbauend eine Klassifizierung entwickelt und angewendet.

Wir haben gesehen, dass eine Klassifizierung ein nützliches und mächtiges Werkzeug sein kann. Der Überblick, den sie verschafft, eröffnet Einsichten und schafft Kommunikationsmöglichkeiten, die ohne sie nicht möglich wären. Wir haben aber auch gesehen, dass eine Klassifizierung missbraucht werden kann und in der Vergangenheit mehr oder weniger bewusst auch immer missbraucht wurde.

Deshalb bleibt zu hoffen, dass dieser Artikel möglichst viele dazu anregen kann, sich des Werkzeugs der Klassifizierung zu bedienen, Klassifizierungen anderer kritisch zu hinterfragen und schließlich auch selbst eigene Vorschläge für Klassifizierungen zu entwickeln.

Anmerkungen

[1] Da die meisten Atlantis-„Theorien“ in Wahrheit bestenfalls Hypothesen sind, wird in diesem Artikel durchgängig das Wort „Hypothese“ benutzt.

[2] vgl. z.B. Hope S. 17: Platons Bericht wird nur als ein Bericht von mehreren angesehen.

[3] vgl. z.B. Kiß S.376: Hier wird der Autor vom Verlag als „Forscher und Dichter“ dargestellt.

[4] vgl. z.B. Haefs, Troja.
[5] vgl. z.B. Hope und Muck.
[6] vgl. z.B. Hope.
[7] vgl. z.B. Däniken S. 183 ff.
[8] vgl. z.B. Spanuth.
[9] vgl. z.B. Kiß.
[10] vgl. z.B. Hope S. 199 ff.
[11] vgl. z.B. Ebon, Galanopoulos/Bacon , Luce, Marinatos, Mavor.
[12] vgl. z.B. Wegener S. 96.
[13] vgl. z.B. Luce 1969 und 1979.
[14] vgl. z.B.Nesselrath S. 8 ff.
[15] deCamp S. 40
[16] vgl. z.B. Freksa S. 69-142; Hope S. 63 ff., S. 299; Zangger S. 24.
[17] vgl. z.B. Brentjes S. 7 f.; deCamp S. 40; S. Nesselrath S. 12 f.; Ramage.
[18] vgl. z.B. Franke 2000 oder Hope S. 63 ff.
[19] vgl. z.B. Marheinecke; Ramage; Strohmeyer S. 94 ff.
[20] vgl. z.B. Brentjes S. 135 ff.
[21] Martin Bernal, Black Athena, Bd. II, Free Association Books, London 1987, S. 6, zitiert nach: Zangger S. 25.

[22] Sollte eine Hypothese nicht erwähnt oder gar falsch eingeordnet worden sein, so geschah dies ohne Absicht.

Abbildungsverzeichnis

[1] Knodel/Bayrhuber 1983, S. 398.
[2] Der Spiegel 1976, S. 226.
[3] Schulz 1998, S. 158.
[4] Kehnscherper 1978, S. 9
[5] Gadow 1973, S. 16.
[6] Thorwald C. Franke 2004

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