Die „Paläo-SETI-These“, außerirdische Besucher hätten in die menschliche Vergangenheit eingegriffen, ist im deutschsprachigen Raum untrennbar mit dem Namen Erich von Däniken verbunden. Daß Däniken keineswegs der erste war, der Spekulationen über außerirdische Einflüsse auf die menschliche Geschichte veröffentlichte, ist seit längerem bekannt.

Als Beispiel seien zum einen die Artikel von Ulrich Magin zur Geschichte der Paläo-SETI genannt [1], zum anderen eine Webseite von Gisela Ermel [2], die eine Reihe von literarischen Vorläufern der Paläo-SETI anführt.

Zweck dieses Artikels ist es, einige Auszüge aus schwer zugänglichen frühen Paläo-SETI-Quellen online zur Verfügung zu stellen. Teil eins enthält die frühesten mir bekannten Beispiele für (literarische) Texte zum Einfluß außerirdischer auf die menschliche Geschichte; Teil zwei ist eine Quellenstudie zu einer bekannten Einzelthese aus dem Paläo-SETI-Bereich: den „Glühbirnen von Dendera“.

Prä-Prä-Astronautik

Zu dem frühesten bekannten Beispiel für phantastische Wissenschaft, die Einflüsse Außerirdischer auf die menschliche Vergangenheit postuliert, den Arbeiten von Charles Fort, hat Ulrich Magin in den zitierten Artikeln [2] bereits ausführlich Stellung genommen.

Fort – ein unermüdlicher Sammler merkwürdiger Phänomene und Ereignisse – berichtet in seinem 1919 erschienenen Book of the Damned [3] von Erscheinungen, die interstellare Schiffe sein könnten, mit denen außerweltliche Wesen unsere Erde überfliegen. Wie könnten diese Wesen in der ungewohnten Luft unserer Erde atmen? Masken – wie eine Schutzmaske aus aus Eisen und Silber, deren Fund Fort berichtet (Kap. 10). Warum zeigen sich die Besucher nicht offen und offiziell? Fort vermutet, daß wir ganz einfach Eigentum sind – für die Außerirdischen, denen wir gehören, nicht anders als Schweine oder Gänse. Daß die Erde vor langer Zeit einmal ein Niemandsland war, daß außerirdische Besucher hier in der Vergangenheit gelandet sind, Kolonien etablierten, jagten, ihre Harems auffüllten oder Erz abbauten, doch daß die ganze Erde nunmehr, nach heftigen Kämpfen, irgendjemand (irgendetwas?) gehört, der weitere Besucher von uns fernhält (Kap. 12).

Im Bereich der Science Fiction-Literatur läßt sich das Thema „außerirdische Besuche in früher Vergangenheit“ bereits einige Jahrzehnte vor Fort nachweisen, und zwar in dem Roman ‚Edison’s Conquest of Mars‘ des US-amerikanischen Journalisten und Autors Garrett P. Serviss, der erstmals zwischen dem 12. Januar und dem 10. Februar 1898 als Fortsetzungsroman im New York Evening Journal erschien.

Im 13. Kapitel der Buchausgabe befreien Thomas Edison und seine Mitstreiter, die zum irdischen Vergeltungsschlag gegen marsianische Greueltaten auf der Erde zum roten Planeten geflogen waren, eine irdische Gefangene der riesenhaften Marsbewohner. Diese erzählt, wie Marsianer ihre Vorfahren aus dem Kaschmirtal entführt und dann ins alte Ägypten geschafft hatten [4]:

„The tradition says that [the Martians] carried off from the [Kashmere] valley, which was our native land, a large number of our people, taking them first to a strange country, where there were oceans of sand, but where a great river, flowing through the midst of the sands, created a narrow land of fertility. Here, after having slain and driven out the native inhabitants, they remained for many years, keeping our people, whom they had carried into captivity, as slaves.

„And in this Land of Sand, it is said, they did many wonderful works.“

„They had been astonished at the sight of the great mountains which surrounded our valley, for on Mars there are no mountains, and after they came into the Land of Sand they built there, with huge blocks of stone, mountains in imitation of what they had seen, and used them for purposes my people did not understand.“

„Then, too, it is said they left there at the foot of these mountains that they had made a gigantic image of the great chief who led them in their conquest of our world.“

At this point in the story the Heidelberg professor again broke in, fairly trembling with excitement:

„Gentlemen, gentlemen,“ he cried, „is it that you do not understand? This Land of Sand and of a wonderful fertilizing river-what can it be? Gentlemen, it is Egypt! These mountains of rock that the Martians have erected, what are they? Gentlemen, they are the great mystery of the land of the Nile, the Pyramids. The gigantic statue of their leader that they at the foot of their artificial mountains have set up-gentlemen, what is that? It is the Sphinx!“

The professor’s agitation was so great that he could not go on further. And indeed there was not one of us who did not fully share his excitement. To think that we should have come to the planet Mars to solve one of the standing mysteries of the earth, which had puzzled mankind and defied all their efforts at solution for so many centuries! Here, then, was the explanation of how those gigantic blocks that constitute the great Pyramid of Cheops had been swung to their lofty elevation. It was not the work of puny man, as many an engineer had declared that it could not be, but the work of these giants of Mars. „

Ein Element der Paläo-SETI-Theorien, die Verwechslung von fortgeschrittener Technik mit dem Besuch von göttlichen Wesen, läßt sich sogar noch weiter zurückverfolgen: In dem Roman ‚Auf zwei Planeten‘ des frühen deutschen Science-Fiction-Autors Kurd Lasswitz, der erstmals 1897 erschien, entkommt einer der menschlichen Protagonisten den marsianischen Besatzern, die weite Teile der Erde unter ihre Gewalt gebracht haben, indem er sich in einem ihrer Luftschiffe versteckt und, als das Luftschiff landet, flieht. Er befürchtet zunächst Probleme mit den (menschlichen) Eingeborenen, wird aber wie ein ehrwürdiger Gast behandelt. Rückblickend erzählt er [5]:

„Ich blieb einige Tage dort und wurde dann von meinen Gastfreunden nach Süden geleitet. Nach mehreren Tagesreisen erreichten wir eine ausgedehnte Stadt. Jetzt erst wurde mir nach und nach klar, wo ich hingeraten war. Die Stadt war Lhasa, die Hauptstadt von Tibet, der Sitz des Dalai-Lama. Die Tibetaner waren durch die überirdische Erscheinung des lichtstrahlendes Luftschiffes in ihrer Gesinnung völlig umgewandelt. Sie hielten mich für ein wunderbares Wesen, das in einem leuchtenden Wagen direkt vom Himmel gekommen war.“

Die „Glühbirnen von Dendera“

Die „Glühbirnenthese“, nach der Wandreliefs des Hathor-Tempels im ägyptischen Dendera Aufschluß über die elektrotechnischen Kenntnisse der alten Ägypter liefern, ist heutzutage im wesentlichen mit den Namen Peter Krassa und Reinhold Habeck verbunden, die diesem Thema ihre Bücher Licht für den Pharao und Das Licht der Pharaonen gewidmet haben [6]. Auf die Ausführungen von Krassa/Habeck bin ich bereits an anderer Stelle eingegangen [7]; hier soll es mir um die Vorgeschichte der Glühbirnenthese gehen.

Das früheste Beispiel für die Glühbirnenthese, das ich finden konnte, ist das 1956 erschienene Buch Forntidens Teknik von Henry Kjellson [8]. Darin schreibt Kjellson (S. 14; Übersetzung über den Umweg des Englischen mit freundlicher Hilfe von C. Albertsson):

„Im Tempel von Dendera in Ägypten existieren in Raum V und Krypta 4 einige merkwürdige Bilder die bislang noch niemand interpretiert hat. Die Wissenschaftler nennen diese Bilder bizarr, und „die hieroglyphischen Texte enthalten nur leere Phrasen, die keine Hilfestellung für ein Verständnis liefern“. Die Bilder, Abb. 01 und 001, weisen allerdings eine starke Ähnlichkeit mit modernen Glühbirnen, Hochspannungs-Isolatoren und -Masten auf. Im Lichte moderner Technologie betrachtet kann der hieroglyphische Text vielleicht umgedeutet werden, wenn man die Bedeutung der Hieroglyphenzeichen abändert. Der elektrische Aal besitzt eine größere Ähnlichkeit mit dem Abgebildeten als eine Schlange. Für Schlangen ist eine lange, gespaltene Zunge charakteristisch, die in dem Bilde fehlt.“

Die erwähnte Abbildung 01 zeigt dabei eine Darstellung mit zwei „Glühbirnen“ von der Nordwand der Kapelle G (vgl. [8], Abbildung 1.10, 1b und 1c). In der Bildunterschrift heißt es: „Das Bild läßt an moderne Glühlampen und Hochspannungsisolatoren denken“.

Kjellson geht in seinem fünf Jahre später erschienenen Buch Försvunnen Teknik [9] noch weit ausführlicher auf die Elektrotechnik von Dendera ein. Einmal mehr stellt er seinen Lesern die Dendera-Reliefs vor (S. 81) und spekuliert über die Bedeutung der Hieroglyphen. Seine Beschreibung des „Glühlampenensembles“ ist bereits in wesentlichen Teilen diejenige, die wir auch in späteren Texten der Paläo-SETI finden – die Birne selbst ist über das Kabel mit einer Elektrizitätsquelle verbunden. In diesem Buch sind bereits alle sechs „Glühbirnen“ abgebildet (Abbildungen 12, 62, 63 und 64); außerdem erwähnt Kjellson noch eine Reihe weiterer Reliefs aus dem Dendera-Tempel (S. 159ff.).

Interessant ist, daß Kjellson eindeutig auf die die Variationen der einzelnen „Glühbirnendarstellungen“ hinweist – einmal ragen Arme des Djedpfeilers in die „Birne“, ein andermal nicht; bisweilen ist der Djedpfeiler ganz abwesend, usw. Das unterscheidet ihn von späteren Texten wie dem von Krassa/Habeck, in dem die Mehrzahl der Reliefs, die nicht recht zu der vorgeschlagenen technischen Deutung passen wollen, eher stiefmütterlich behandelt wird. Kjellson enthält sich denn auch einer detaillierten Deutung.

Er schreibt (S. 163):

„Ich persönlich will jetzt noch keine Interpretation [der Reliefs] geben. Es handelt sich hier um ein noch nicht abgeschlossenes Projekt. Aber ich möchte aber betonen, daß ich denke, daß [das Relief] mit Elektrizität zu tun hat.“

Kjellsons Beschreibung des Dendera-Reliefs läßt sich zu dem 1964 erschienenen Buch Kulturer f?istiden [10] von Ivan Troëng weiterverfolgen. Troëng, der sich in diesem Buch dem verschwundenen Kontinent „Mu“ widmet, schreibt auf S. 36 mit Bezug auf Kjellson, es gebe im Tempel von Dendara „mehrere Reliefs die zweifellos enorme elektrische Lampen zeigen – wahrscheinlich vom Typ Entladungslampe – d.h. irgendeine Konstruktion ähnlich unseren Leuchtstoffröhren“. Auf der gegenüberliegenden Seite zeigt eine Skizze (Abb. 9) die bekannten „Glühbirnendarstellungen“ von Dendera; im Abbildungstext beschrieben als „elektrische Lampen, die von Hochspannungsisolatoren gestützt werden“.

Auf Troëng wiederum beruft sich der Zoologe und Autor Ivan Sanderson, der die Glühbirnen in seinem 1972 erschienenen Buch ‚Investigating the Unexplained‘ [11] beschreibt. Dürften Kjellsons und Troëngs Schriften noch eher einem kleineren Leserkreis zugänglich gewesen sein, so werden die „Glühbirnen von Dendera“ mit Sandersons Darstellung einem breiteren Publikum zugänglich geworden sein – Sanderson hatte in den Jahren zuvor mit einer Vielzahl von Büchern, deren Themenspektrum von herkömmlicher üer unorthodoxe Zoologie bis hin zum UFO-Phänomen reicht, einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht.

Ein paar Jahre später taucht die „Glühbirnenthese“ dann zum einen in Charles Berlitz‘ Buch über das Bermuda-Dreieck auf [12], zum anderen in dem Buch ‚Energien der Urzeit‘ von Tons Brunes [13]. Durch diese beiden Bücher, so Reinhard Habeck [14], seien dann er und Krassa auf die „Glühbirnen von Dendera“ aufmerksam geworden.

Markus Pössel,
Juli-September 2002

Ich möchte mich bei C. Albertsson für ihre Recherchearbeit in der KU und für ihre Übersetzungen aus dem Schwedischen bedanken.

Der Artikel ist erstmals erschienen im Jahr 2002 auf der Webseite ‚Unorthodoxe Archäologie‘ des Autoren:

http://www.aei.mpg.de/~mpoessel/Archaeo/pafruehgeschichte.html

Anmerkungen

[1] Magin, Ulrich, „Vorläufer der Prä-Astronautik“ im Magazin für Grenzwissenschaften, Januar 1997, 933-936; ders., „Prä-Astronautik“ in G.L. Eberlein (Hg.), Kleines Lexikon der Parawissenschaften, 135-143. C.H. Beck: München 1995.

[2] Gisela Ermel, Webseite Präastronautik in der Science Fiction-Literatur, http://www.alien.de/ermel/Science\%20Fiction.htm [Zugang am 28.9.2002].

[3] C. Fort, The Book of the Damned. Ace: New York 1972 [1919]. Eine Online-Ausgabe mit zusätzlichen Anmerkungen des Forteaners Mr. X ist unter http://www.resologist.net/damnei.htm verfügbar.

[4] S. 121f. in der von George Locke herausgegebenen Neuausgabe in der Reihe „Sources of Science Fiction“: Charles L. Graves & Edward V. Lucas, The war of the wenuses. Routledge/Thoemmes: London 1998. Den Hinweise auf Serviss verdanke ich der Webseite [2].

[5] S. 460 in der Neuausgabe im Verlag Das Neue Berlin, Berlin 1984. Den Hinweis auf Lasswitz als Vorläufer präastronautischer Ideen entnahm ich der Webseite „Götter“ auf tönernen Füßen von Martin Marheinecke.

[6] Peter Krassa und Reinhard Habeck: Licht für den Pharao. Fisch, Edition Buch 2000: Luxemburg 1982. Dies., Das Licht der Pharaonen, Herbig: München 1992.

[7] Pössel, M., Phantastische Wissenschaft. Über Erich von Däniken und Johannes von Buttlar, Kapitel 1. Rowohlt: Reinbek 2000.

[8] Kjellson, Henry, Forntidens Teknik. Nybloms: Uppsala 1956.

[9] Kjellson, Henry, Försvunnen Teknik. Nybloms: Uppsala 1961.

[10] Ivan Troëng, Kulturer f?istiden. Nyblom: Uppsala 1964.

[11] Ivan T. Sanderson, Investigating the unexplained; a compendium of disquieting mysteries of the natural world. Prentice-Hall: Englewood Cliffs, N.J., 1972.

[12] Charles Berlitz, The Bermuda Triangle. Doubleday: Garden City, N.Y. 1974. Deutsche Ausgabe: Das Bermuda-Dreieck. Zsolnay: Wien/Hamburg 1975.

[13] Tons Brunes, Pa sporet af fortidens kraftkilder: Energi og hemmelige broderskaber, Borgen 1976. Deutsche Ausgabe: Energien der Urzeit. Edition Bergh: Zug 1977.

[14] Reinhard Habeck, „Und sie leuchtet doch“ in Sagenhafte Zeiten 2/2001, S. 13.