Sabine Wendt besuchte in Vertretung der Mysteria3000-Redaktion das durch den Teamleiter der Schilfbootprojekte Abora I und II – Dominque Görlitz – veranstaltete Thor Heyerdahl-Kulturforum in Chemnitz.

I. Hintergrund

Am 20.09. diesen Jahres hatte ich aufgrund einer Einladung durch Dominique Görlitz – dem Teamleiter der Schilfbootprojekte Abora I und II – die Gelegenheit in Chemnitz am Thor Heyerdahl-Kulturforum teilzunehmen. Auf diesem Forum wurden folgende Vorträge gehalten:

1. Prähistorische Schifffahrt – Dominique Görlitz
2. Ursprung der Sternbilder – Kai Helge Wirth
3. Kanarenforschung – Prof. Harald Braem
4. Altamira-Felsbildforschung – Prof. Heinz W. Wirth
5. Nacheiszeitliche Wanderungen – Elisabeth Hamel

Die Pausen zwischen den einzelnen Vorträgen nutzte ich, um in zwangloser Runde mit Besuchern und Referenten über einzelne Aspekte der Referate zu diskutieren. Dabei kam auch zur Sprache, dass es einigen führenden Archäologen schwer fällt, sich von Jahrzehnte alten Lehrmeinungen zu trennen, sich veränderten Fundlagen zu stellen oder erfolgreiche Experimente in das Geschichtsbild einzufügen und ihre früheren Schlussfolgerungen zu überdenken.

Im Folgenden werde ich auf die einzelnen Vorträge näher eingehen und kurz dazu Stellung nehmen.

II. Die Vorträge des Thor-Heyerdahl-Kulturforums

1. Prähistorische Schifffahrt – Dominque Görlitz

Prähistorische Schifffahrt

In seinem Vortrag über die Möglichkeit prähistorischer Schifffahrt sprach Dominique Görlitz über die, im Jahr 2002 erfolgreich durchgeführte Expedition mit dem Schilfboot „Abora II „. Mit diesem Schilfboot wurden mehr als 2000 km auf dem Mittelmeer zurückgelegt, wobei ein Großteil der Strecke gegen oder quer zum Wind gesegelt wurde.

In einem gesonderten Beitrag gehe ich ausführlich auf die Abora-Expeditionen und ihre Hintergründe ein, da dies weit über das Ziel dieses Beitrages – Informationen über das Thor Heyerdahl-Kulturforum zu bieten, hinausgehen würde.

2. Ursprung der Sternbilder – Kai Helge Wirth

In Sternbildern werden Beziehungen zwischen Sternen hergestellt, welche optisch nicht zusammengehören.

Am Sternbild Eridanus erläutert der Referent Kai Helge Wirth, wie Sternbilder entstanden sein könnten und welchen Zweck sie erfüllen. Eridanus ist ein nicht näher lokalisierter Fluss der griechischen Mythologie. Lange Zeit wurde gerätselt ob er mit einem tatsächlich existierenden Fluss identisch sein könnte. Der Referent verglich die Anordnung der Sterne mit dem Verlauf einiger Flüsse in Europa. Dieser Vergleich ergab eine Übereinstimmung des Sternbildes mit dem Verlauf des Flusses Eider. Weitere Vergleiche und Untersuchungen zeigten, dass die Sterne dieses Sternbildes ausgenordet sind und in einer Verbindung miteinander stehen, welche genau zur geographischen Nordrichtung passt. Heute hat das Sternbild Eridanus ein anderes Aussehen, da es im 12. Jh. verändert worden sein soll, um eine scheinbar fehlende Verbindung mit südlicheren Sternbildern herzustellen.

Ursprung der Sternbilder

Auf die gleiche Weise wurde mit anderen Sternbildern verfahren. So ergaben sich überraschende Übereinstimmungen von Küstenverlauf und Meeresströmungen. Im Ergebnis dieser Untersuchungen zeigte sich auch eine Verbindung der einzelnen Sternbilder miteinander. Offensichtlich wurde keine wahllose Verbindung einzelner Sterne zu den bekannten Sternbildern hergestellt.

Die Aufeinanderfolge bestimmter Sternbilder ist an der Sternenkarte nachvollziehbar. Mit erstaunlicher Genauigkeit dokumentieren sie Meere und Seewege. Teilweise zeigen die Sternbilder nicht den tatsächlichen Küstenverlauf. Diese Abweichungen könnten laut Kai Helge Wirth durchaus Meeresströmungen und Winde dokumentieren. Am Beispiel des Sternbildes Schlangenträger wird dies im Vortrag aufgezeigt. Es zeigt den Verlauf des Kanaren- und des Golfstromes sowie die Wechselwirkung zwischen Meeresströmung und Wind. Demzufolge ist die Abfolge der Sterbilder auch ein Wegweiser in die Neue Welt.

Für den Referenten ist es damit eindeutig, dass schon in der Frühzeit Sterne als Navigationshilfen benutzt und zu Sternbildern zusammengefügt wurden, um so geographische Besonderheiten und Meeresströmungen aufzuzeichnen. Dabei stellen die nördlichen Sternbilder die nördlichen Bereiche der Erde dar, wobei die ersten Sternbilder im Gebiet des Mittelmeeres entstanden sind. Die Entwicklung der Sternbilder vollzog sich über einen sehr langen Zeitraum aus den gesammelten Erfahrungen und Kenntnissen.

Der Referent sprach auch den häufig vorgebrachten Einwand über die Veränderung der Sternbilder infolge der Eigenrotation der Galaxis an. Solche Veränderungen sind jedoch erst nach 100000 Jahren sichtbar. Für den betrachteten Zeitraum können kaum Veränderungen der Sternbilder wahrgenommen werden. Während seines Vortrages weist Kai Helge Wirth mehrfach darauf hin, dass die Sternbilder, in den Vergleichen und Untersuchungen, in keinem Fall verschoben oder verdreht wurden.

Kommentar

Die vorgeschlagene Lösung zur Entstehung der Sternbilder ist in sich logisch und schlüssig. Schlüssiger als viele andere Erklärungsversuche, welche die Entstehung der Sternbilder auf mythologische Vorgänge zurückführen und ihnen damit jeglichen praktischen Nutzen absprechen. Auch rein astrologische Erklärungsversuche helfen hier nicht weiter.

Vielfach werden die Griechen als Urheber, vieler uns bekannter Sternbilder des nördlichen Sternhimmel genannt, weil die überlieferten Namen von ihnen stammen. Die Griechen sollen in diesen Sternbildern mythologische Helden verehrt haben. [1] [2] Es ist jedoch keinesfalls sicher, dass sie die Urheber sind, da die ursprünglichen Namen dieser Sternbilder nicht mehr bekannt sind. Möglicherweise wurden die ursprünglichen Bezeichnungen nur durch Gestalten aus der eigenen Mythologie ersetzt. Da es keine Überlieferungen in Schriftform gibt, kann hierüber nur spekuliert werden.

Anderen Deutungen zufolge sollen die Sternbilder reine Kalenderfunktion gehabt haben. Nach diesen Auslegungen soll es für die Menschen überlebensnotwendig gewesen sein, mit Hilfe bestimmter Sternkonstellationen die Termine für Aussaat und Ernte zu ermitteln. [3]

Diese Deutung ist für mich schwer nachvollziehbar. Wichtiger als die genaue Kenntnis des astronomischen Beginns bestimmter Jahreszeiten ist die Beobachtung der Natur. Die Beobachtung meteorologischer Veränderungen im Verlauf eines Jahres war für den Ackerbau von wesentlich größerer Bedeutung. Nur selten fallen beispielsweise der astronomische Frühlingsanfang und der meteorologische zusammen. Kalender sind dann von Bedeutung, wenn im Zusammenhang von Aussaat und Ernte bestimmte Feste gefeiert werden. Für solche Feste war man bestrebt einen exakten Zeitpunkt festzulegen, welcher sich aus der genauen Beobachtung des Sternenhimmels ermitteln ließ.

Ausgehend von der Kalenderfunktion der Sterbilder gibt es Deutungen, welche die Sternbilder als Hilfsmittel für die Beobachtung der scheinbaren Sonnenbahn erklären. Nach dieser Deutung waren die Sternbilder des Tierkreises die ursprünglichen Sternbilder. Für die Erklärung des Ursprungs der Sternbilder werden astralmythologische Aspekte herangezogen. Auch hier werden astronomische Beobachtungen als übelebenwichtig angesehen. [4]

Alle bisher genannten Erklärungsversuche haben einen entscheidenden Nachteil: Es wird angenommen, dass alle Sternbilder in der uns bekannten Form gleichzeitig festgelegt wurden. Anders die im Vortrag vorgeschlagene Lösung. Hier nahmen die Sternbilder über einen langen Zeitraum, mit wachsenden Erfahrungen und Kenntnissen Gestalt an.

3. Kanaranforschung – Prof. Harald Braem

Für den Referenten Prof. Harald Braem stellen die Kanarischen Inseln das Bindeglied zwischen Alter und Neuer Welt dar. Als Beleg hierfür führt er die vielfach auf den Inseln zu findenden Stufenpyramiden an, welche astronomisch ausgerichtet sind und von Westen her eine Treppe zur aufgehenden Sonne besitzen. Die Bauweise ähnelt denen in Mittelamerika, jedoch wurden Höhlen in ihnen gefunden. Braem bedauert, dass ihnen wenig Beachtung geschenkt wird, da sie nicht in Megalithbauweise ausgeführt sind und man ihnen kein hohes Alter zugesteht. Lange Zeit wurden die Pyramiden als simple Steinhaufen abgetan, die von Siedlern aufgeschichtet wurden als sie ihre Felder urbar machten. Aus diesem Grund wurden viele Pyramiden bei Baumaßnahmen einfach zerstört. Archäologische Untersuchungen, die auf Betreiben Thor Heyerdahls durchgeführt wurden, widerlegen die Vermutung.

Bei den, erst in jüngerer Zeit durchgeführten, archäologischen Untersuchungen wurden, dem Referenten zufolge, ganze Pyramidenkomplexe gefunden, welche wahrscheinlich als Kult- und Versammlungsplätze genutzt wurden. Alle weisen ein hohes Alter auf. Zu den wenigen weiteren archäologischen Funden zählen Begräbnisplätze. Diese wurden über eine langen Zeitraum mehrfach benutzt. Nach mehreren Jahren wurden, die häufig mumifizierten Leichen jedoch an einem anderen Ort endgültig bestattet oder die Skelette einfach weggeworfen. Für die Art und Weise in der die Leichen mumifiziert wurden finden sich Parallelen in Ägypten, was auf gemeinsame Wurzeln hindeutet. Die Mehrfachnutzung der Begräbnisplätze erschwert deren Datierung aber beträchtlich.

Im Ergebnis der Untersuchungen wird davon ausgegangen, dass die Kanarischen Inseln vor ca. 5000 Jahren besiedelt wurden. Woher diese Menschen kamen, ist bisher nicht bekannt. Sie folgten wahrscheinlich, aus Britannien kommend, dem Golfstromsystem. Diese Wanderungen erfolgten möglicherweise auf Schilfbooten. Dies sei durch Felsbilder belegt.

Infobox: Abora II Ausstellung in Chemnitz

Abora II Ausstellung in Chemnitz

Bereits zum dritten Mal ist die Abora II Ausstellung, die seit dem 12. September 2003 in der alten Messehalle II am Schlossteich in Chemnitz zu besichtigen ist, verlängert worden. Bis Ende März zeigt die Ausstellung dem Publikum eine originalgetreue Kopie des Schilfbootes Abora II, mit dem sich im Sommer 2002 eine internationale Besatzung um den Chemnitzer Experimentalarchäologen Dominique Görlitz auf die Spuren vorgeschichtlicher Seefahrer begeben haben.

Neben dieser Hauptattraktion werden die Besucher über eine Photoausstellung sowie zahlreiche Informationstafeln über die wissenschaftlichen Hintergründe und Vorexperimente (ABORA I) der letztjährigen Expedition informiert und bekommen so ein realistisches Bild der Möglichkeiten frühzeitlicher Seefahrt vermittelt. Zudem finden regelmäßig 60 minütige Filmvorführungen über Schilfbootexpeditionen statt.

Vor der Winterpause ist die Ausstellung bis zum 30.11.2003 jeden Samstag von 13:30 Uhr bis 18:00 Uhr und Sonntags von 10:00 Uhr – 18:00 Uhr geöffnet.

Siehe auch: http://www.abora2.com

Über die Zeit der Erstbesiedelung der Inseln und deren Urbevölkerung bestehen, laut Braem, immer noch Unstimmigkeiten, da nur sehr wenige gesicherte archäologische Daten vorhanden sind. Die Spanier gingen bei der Besiedelung der Kanarischen Inseln ähnlich vor, wie in Mittel- und Südamerika. Sie plünderten die Inseln aus, versklavten die Bevölkerung und vernichteten die Zeugnisse ihrer Kultur oder sie untersagten die Ausübung der überlieferten Kulte.

In alten Chroniken wird die Urbevölkerung der Kanarischen Inseln als Guanchen bezeichnet. Bei diesen soll es sich um großgewachsene, mehrheitlich blauäugige, blonde Menschen handeln. Dem Referenten zufolge, wird erst heute allmählich anerkannt, dass die Guanchen eine eigenständige Kultur entwickelten, welche nur an einer Stelle auf den bis heute überlebt hat und bei der Männer und Frauen als gleichwertig galten. Sie verehrten eine einzige Gottheit, die große Mutter, welche sie sich in ein gutes und ein schlechtes Prinzip aufgeteilt, vorstellten. Die große Urmutter wird bis heute in der Gestalt der Maria verehrt, während Gott und Jesus nur eine untergeordnete Rolle spielen. Blutopfer gab es nicht, einzig Vegetationsopfer waren erlaubt. Teilweise werden noch heute die eigenartigen Rituale dieser Kultur durchgeführt.

Vielfach wurden Felsbilder gefunden, welche sich immer in der Nähe von Wasser befinden. Ihre Bedeutung ist bis heute nicht geklärt. Des weiteren gibt es eine Bilderschrift, deren Bedeutung auch noch nicht ermittelt werden konnte. DNA-Untersuchungen belegen, dass noch heute 60\% der Bevölkerung Guanchen oder Guanchenabkömmlinge sind. Damit ist die Behauptung, die Guachen seien ausgestorben, widerlegt.

Kommentar

Die ursprüngliche Kultur der Kanarischen Inseln stellt noch immer ein großes Rätsel dar. Dies liegt auch in der Tatsache begründet, dass die Inseln erst seit kurzer Zeit archäologisch untersucht werden.

Weitere Forschungen werden zeigen müssen, wie alt dies Kultur wirklich ist und ob es Parallelen zu anderen Kulturen gibt. Aus solchen Parallelen würden sich Schlussfolgerungen ziehen lassen, inwieweit es schon sehr frühzeitig einen Kulturtransfer gab und ob möglicherweise viele Vorstellungen einen gemeinsamen Ursprung haben. In diesem Zusammenhang forderte Prof. Braem wesentlich mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit, unter Einbeziehung der Ergebnisse der experimentellen Archäologie.

Ähnlich wie gegenwärtig in Mitteldeland, wird man auch auf den Kanarischen Inseln mit Überraschungen rechnen müssen. Dies kann durchaus dazu führen, dass wir unser bisheriges Geschichtsbild überdenken müssen.

4. Altamira – ein Deckenfresko gibt sein Geheimnis preis – Prof. Heinz W. Wirth

Altamira

Der Vortrag von Prof. Wirth beschäftigt sich in seinem Vortrag mit einem riesigen, 14000 Jahre alten, Deckenfresko, welches in einer Höhle von Altamira gefunden wurde. Es zeigt lebensgroße Abbildungen von Tieren, die sehr naturgetreu dargestellt sind. Aufgrund der Kunstfertigkeit mit der die Tiere dargestellt sind, galt es lange Zeit als Fälschung. Die Höhle war jedoch bis ins ausgehende 19. Jh. verschüttet. Erst die Ausgrabungen, um 1880, zeigten ihre tatsächliche Größe. Ein großer Eingang ließ genügend Licht in die Höhle, welches das Malen der Tiere ermöglichte. Untersuchungen ergaben darüber hinaus, dass die Künstler über eine nichtrußende Lichtquelle verfügten. Diese bestand aus Knochen als Kerzenhalter, in die Knochenmark gegeben und angezündet wurde.

Bisherige Deutungen beschränkten sich darauf, in diesem Deckenbild einen bestimmten Jagdzauber zu sehen. Dieser Deutung zufolge wurden über einen langen Zeitraum immer wieder Tiere hinzugefügt. Es wurden jedoch keine Knochen der abgebildeten Tiere in der Höhle gefunden. Aus dieser Tatsache wurde geschlussfolgert, dass es sich um heilige Tiere gehandelt haben müsse. Wie Untersuchungen ergaben, wurde das Bild jedoch als Gesamtheit konzipiert und gemalt. Es ließen sich keine größeren Unterschiede im Alter der verwendeten Farben feststellen. Dessen ungeachtet wurde die bisherige Deutung beibehalten.

Altamira - neue Deutung

In seinem Vortrag erklärte Prof. Wirth ausführlich, wie er zu seiner Deutung des Freskos kam. Er untersuchte das Bild nach einem Mittelpunkt – einem Tier/Symbol, welches nur einmal im gesamten Bild zu finden ist. Von diesem Mittelpunkt aus legte er verschiedene Symmetrieachsen fest. Es zeigte sich, dass das Bild zweigeteilt ist. Die Tiere auf beiden Seiten wurden in unterschiedliche Haltungen und Bewegungen dargestellt. So zeigt die rechte Seite des Bildes ausnahmslos Jungtiere in geordneten Bewegungen, während die linke Seite ungeordnete Bewegungen zeigt. Ausgehend von einem sterbenden Muttertier streben alle anderen dargestellten Tiere, in ungeordneter Bewegung, diesem Zentrum zu entkommen.

Prof. Wirth deutet diese Bild als Gleichnis für das ständige Werden und Vergehen in der Natur – als Symbol für Leben und Tod.

Zusätzlich zu allen andern Tieren ist auf der rechten Seite ein einzelnes Tier dargestellt, welches im Vortrag als Symbol für die Große Mutter gedeutet wird. Dies ist ein zusätzlicher Aspekt in der Deutung des Bildes. Die Große Mutter symbolisiert die helfende Macht gegen den Einbruch eines Verhängnisses, sie symbolisiert die Hoffnung.
Gestützt wird diese Deutung auf eine in der Höhle befindliche Quelle. Heiligtümer der Großen Mutter befinden sich immer in Höhlen mit einer Quelle.

Kommentar

Solch eine Deutung alter Felsmalereien, ist wahrscheinlich ein Novum. Sie zeigt aber, dass schon sehr früh religiöse Vorstellungen bestanden und die damaligen Menschen in der Lage waren, diese auch symbolisch darzustellen. Bisher wurden Felsmalerein nur in Verbindung mit Schamanismus, als Vorstufe religiöser Vostellungen, interpretiert. Größere Gruppen von Tieren wurden als über einen langen Zeitraum, zufällig entstanden, angesehen.

Man kann über die Interpretation des Altamira-Freskos streiten. Man kann auch behaupten, dass etwas in das Fresko hineininterpretiert worden ist, was so nicht dargestellt wurde. Solche Behauptungen müssen aber auch begründet sein. Begründen lassen sie sich meiner Meinung nach aber nur mit der Annahme, die Menschen seien nicht in der Lage gewesen, sich mit Symbolen verständlich zu machen.

Da der moderne Mensch von Anfang an über das gleiche intellektuelle Potential verfügte wie wir, lässt sich ein solche Behauptung nicht halten. Meiner Meinung nach zeigen die Interpretationen, welche den Frühen Kulturen Primitivität unterstellen, eine unberechtigte Überheblichkeit. In diesem Zusammenhang fällt mir eine, in der Pause geäußerte Bemerkung ein: Eigentlich seien wir Heutigen mit unserem Schmalspurdenken und unserer Technikgläubigkeit die Primitiven, weil uns in vieler Hinsicht das Verständnis für Zusammenhänge verloren gegangen ist.

Auch unter dem Aspekt der immer wieder gefundenen Idole, welche ein sehr hohen Alter aufweisen, sollte man der vorgetragenen Interpretation mehr Beachtung schenken. Vielleicht auch oder gerade weil sie neu ist. Auch wenn Generationen von Forschern in der Höhle von Altamira nur eine Ansammlung von Tieren sahen, die wahllos über eine langen Zeitraum an die Höhlendecke gemalt wurden, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass dies so auch der Fall ist. Wurde hier möglicherweise eine Interpretation immer wieder nur neu aufgewärmt?

5. Nacheiszeitliche Wanderungen – Elisabeth Hamel

In diesem Vortrag setzt sich Elisabeth Hamel mit den Wanderungen einzelner Völker und Stämme auseinander. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Würmeiszeit, welche vor ca. 35000 Jahren bis vor ca. 12000 Jahren andauerte. Vor dieser Eiszeit herrschte überall in Europa ein gemäßigtes Klima, welches für eine Besiedelung gute Voraussetzungen bot. Während der Eiszeit änderten sich die Bedingungen dramatisch. Die Menschen mussten sich in Gebiete zurückziehen, in denen noch vorteilhafte Bedingungen herrschten. Dies war nur im Mittelmeerraum der Fall.

Hier setzt Frau Hamel mit ihrer Erklärung an: Untersuchungen ergaben, dass Wortstämme in ganz Europa den gleichen Ursprung aufweisen. Noch heute lassen sich diese Wortstämme im Baskischen nachweisen. Demnach wäre baskisch (vaskonisch) die eigentliche Ursprache Europas. Südfrankreich war eines der Rückzugsgebiete während der letzten Eiszeit. Hier herrschte durch Verlagerung des Golfstromes noch ein gemäßigtes Klima. In diesem Gebiet entwickelte sich die Kultur des Magdalénien, welche sich bis etwa 12000 vor heute auf ganz Europa ausbreitete. Dies ist ein möglicher Hinweis auf eine Kultur, aus der sich alle anderen entwickelten.

Nach Ende der Eiszeit setzte allmählich der Ackerbau ein, wobei die Vaskonen verdrängt wurden. Es soll sich Untersuchungen zufolge nicht um eine Eroberung gehandelt haben, sondern um ein langsames Einsickern, zahlenmäßig kleiner Gruppen, fremder Völker
Einen anderen Beleg für diese Wanderungen liefert die Genetik. Ein solcher Nachweis ist nur über nicht rekombinierbare Gene möglich. Aus der Verbindung gemeinsamer Mutationen kann auf einen Wanderweg geschlossen werden. Die Datierung einer Mutation ist absolut, wenn diese an bestimmten Abschnitten der DNA auftreten. So weisen diesen Untersuchungen zufolge Europa und Asien die geringste, Afrika hingegen die größte Genvariable auf.

Aufgrund dieser Untersuchungen kann davon ausgegangen werden, dass ganz Amerika vor ca. 18000 Jahren besiedelt war. Die Untersuchungen stützen sich hierbei auf die mitochondriale DNA. Untersuchungen des Y-Chromosoms stehen noch aus, ebenso wie archäologische Untersuchungen.

Kommentar

Von großem Interesse waren die Erläuterungen über die Verbreitung bestimmter Wortstämme, welche sich auch in Mittel- und Nordeuropa nachweisen lassen. Ihre ursprüngliche Bedeutung hat im Allgemeinen nichts mit der heute vermuteten gemein. So beziehen sich die Namen von Siedlungen häufig auf natürliche Gegebenheiten, wie Fluss, Berg und ähnliche.

Den Ausführungen über die Verteilung genetischer Besonderheiten war recht schwer zu folgen, da diese sehr theoretisch vorgetragen wurden. Auch die verwendeten Graphiken stellten, aufgrund ihrer relativen Unübersichtlichkeit, keine Hilfe dar.

Bezüglich der genetischen Untersuchungen gab es heftigen Widersprung. So wurde der Einwand vorgebracht, mitochondriale DNA werde nicht nur in der weiblichen Linie weitergeben. Neueste Untersuchungen sollen belegen, dass in der Befruchtung nicht nur der Kopf des Spermiums in die Eizelle eindringt, sondern auch das Mittelstück. Dieses soll jedoch Mitochondrien enthalten.
Sollte sich diese Annahme bestätigen, müssten alle Erkenntnisse, welche aus der Untersuchung mitochondrialer DNA gewonnen wurden, revidiert werden.

Richtigstellung zum Vortrag über „Nacheiszeitliche Wanderungen“

In meiner kurzen Zusammenfassung über den genannten Vortrag sind mir einige Fehler unterlaufen, welche ich nach einem eMail-Kontakt mit der Referentin berichtigen will:

Missverständlich waren meine Ausführungen zum Magdalénien. Es handelt sich beim Magdalénien um eine Kulturstufe des Jungpaläolithikums, welche nach dem Hauptfundort Abri de la Magdaleine in der südfranzösischen Dordogne benannt wurde. Archäologische Daten bestätigen Südfrankreich und Nordspanien als Rückzugsgebiete während der letzten Eiszeit, von wo aus sich die Wiederbesiedelung Europas vollzog.

Für die Erstellung eines Stammbaumes aufgrund der Häufigkeit bestimmter Mutationen werden bisher von den Populationsgenetikern nicht rekombinierbare Sequenzen der mtDNA des X-Chromosoms verwendet. Hier setzte auch der von mir erwähnte Einwurf an, auch Spermien enthalten mtDNA. Entgangen war mir hingegen Frau Hamels Erklärung, es sei möglich auch hier nicht rekombinierbare mtDNA-Sequenzen für die Untersuchung zu nutzen. Über die mtDNA des Y-Chromosoms selbst ist noch sehr wenig bekannt.

Zu Missverständnissen führt, in diesem Zusammenhang, die Aussage archäologische Untersuchungen stünden noch aus. Diese Aussage bezieht sich darauf, dass genetische Knochenproben noch zu wenig analysiert wurden und aus diesem Grund noch keine endgültige Aussage über nacheiszeitliche Wanderungen möglich ist.

Frau Hamel bedauerte den begrenzten Zeitrahmen, welcher für ihren Vortrag durch vorangegangene Verzögerungen zur Verfügung stand. Gern wäre sie auf den theoretischen Teil der Genetik ausführlicher eingegangen.

Anmerkungen

[1] http://www.sungaya.de/schwarz/astro/sternbild/sternbilder.htm
[2] http://www.sternwarte.de/verein/infoblatt/detail.asp?ID=5
[3] http://www.uni-hohenheim.de/~gdietze/astro/astroeinfuehrung/sternbildnamen.html
[4] http://stadt.heim.at/hongkong/150912/tierkreis/tierkreis.html