Im Rahmen der Deutsch-Russischen Kulturbegegnungen 2003/2004 und als Begleitprogramm zur inzwischen beendeten Frankfurter Buchmesse 2003 zeigt das Archäologische Museum Frankfurt am Main schon seit Oktober eine Ausstellung über Funde in Gräbern von Skythen und Sarmaten am unteren Don.

Steppengold – Grabschätze der Skythen und Sarmaten am unteren Don

Damit wird eine historische Epoche und eine Region beleuchtet, die in der Wahrnehmung aus deutscher Perspektive meist nur als Anhängsel der griechischen Geschichte ihr Dasein fristet. Tatsächlich beeindrucken die Funde durch ihren Reichtum und ihre handwerklich Verarbeitung. Außerordentlich plastisch und klassischer Darstellungskunst an Qualität in nichts nachstehend werden vor dem Auge des Betrachters Szenen aus dem Leben und Glauben des Reiter- und Nomadenvolkes der Skythen lebendig.

Die Darstellungen des Herodot treten aus dem Dunkel der Geschichte ans Licht unserer Zeit: Da sieht man einen skythischen Reiterkämpfer mit Lanze (Herodot IV 3), Skythen beim Bogenschießen (IV 3), aber auch einen Krieger, der seinen Bogen unter dem Knie neu bespannt (IV 9+10), zahlreiches Zaumzeug, Hirsche, Eber und Löwen als Jagdtiere, und last but not least einen Skythen, wie er ein Schaf melkt – laut Herodot eine wichtige Ernährungsquelle dieses Nomadenvolkes (IV 2). Das Gold der Exponate unterstreicht die herodoteische Entstehungsgeschichte des skythischen Volkes durch vom Himmel herabfallendes Gold (IV 5). Die Grabhügel, aus denen die Funde stammen, entsprechen der Darstellung Herodots über die Gräber der skythischen Könige (IV 71).

Aber auch der Einfluss der Griechen, vor allem über ihre Kolonien am Schwarzen Meer, wird durch etliche Exponate verdeutlicht. Das prächtigste Stück der Ausstellung, ein goldener Köcher, zeigt Szenen aus dem Leben des Achill.

Leider krankt die Ausstellung daran, dass sie kaum eine Einordnung der Skythen und Sarmaten in den Kontext der übrigen und meist besser bekannten Geschichte leistet. Auch eine bessere Aufbereitung der geschichtlichen Quellen, die uns von ihnen berichten, wird leider nicht geleistet. So findet Herodots großartiger Skythen-Logos zwar plakative Verwendung, aber Herodots Pionierleistung, seine Perspektive und vor allem seine lebendige Darstellung des Lebens der Skythen erfahren keine geeignete Würdigung. So steht der weniger kundige Ausstellungsbesucher manchmal etwas ratlos vor den Vitrinen.

Abb. 1.: Exponat aus der „Steppengold“-Ausstellung.

Der Katalog zur Ausstellung ist allein schon aufgrund seines Bilderreichtums sein Geld wert. Alle Exponate der Ausstellung sind in geeigneter Weise wiedergegeben und einige Karten sowie der fortlaufende Text, in dem nun doch Herodot und andere Quellen ausführlicher zu Wort kommen, entschädigen so manches Defizit der Ausstellung.

Noch bis zum 1. Februar 2004 wird das „Steppengold“ in Frankfurt am Main gastieren, dann werden die Ausstellungsstücke wieder ihre Reise zurück nach Russland antreten. Eine seltene Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

weiterführende Informationen

Archäologisches Museum Frankfurt am Main
http://www.archaeologisches-museum.frankfurt.de

Zur Ausstellung „Steppengold – Grabschätze der Skythen und Sarmaten am unteren Don“ wurde ein Katalog veröffentlicht, 175 Seiten, EUR 15,-

Abbildungsverzeichnis

[1] Katalog zur Ausstellung