Im April 2009 erschien im Twilight-Line Verlag das kleine, 122 Seiten umfassende Büchlein ‚Atlantis – Das Rätsel des Aristokles‘ von Rainer Krämer. Krämer beschreibt darin ausgewählte wissenschaftliche Theorien zur Lokalisierung und dem historischen Ursprung des untergegangenen Kontinents Atlantis.

Atlantis - Das Rätsel des Aristokles

Krämer führt mit einer kleinen Vorgeschichte, angesiedelt im Athen des 5. vorchristlichen Jahrhunderts, in die Thematik ein. Aus Sicht eines missgelaunten Sokrates erlebt der Leser einen gemeinsamen philosophischen Abend mit Timaios aus Lokri (Unteritalien), dem Athener Kritias und Hermokrates aus Syrakus (Sizilien). Die theoretischen Diskussionen des Vorabends über die Verfassung und die Struktur eines idealen Staatswesen wollte Sokrates anhand eines praktischen Beispiels vertiefen lassen. Hier nun beginnt Kritias mit der Darlegung seiner Erinnerungen an eine Erzählung über „gar große und bewunderungswürdige Heldentaten“ Athens, die der große athenische Staatsmann Solon von einer Ägypten-Reise mitgebracht hatte.

Unter der Beteuerung des Wahrheitsgehaltes („… durchaus in der Wahrheit begründete Sage“) beginnt Kritias mit dem vor über 2.300 Jahren von Platon niedergeschriebenen Atlantis-Dialog. Krämer nutzt das folgende Kapitel (‚Die Legende‘) um dem interessierten Leser diesen Dialog in Zitaten und ergänzenden Anmerkungen zu präsentieren.

Nach zwei weiteren Kapiteln (‚Atlantis – eine Fiktion‘ und ‚Antike Geographie‘), in denen u.a. der spätantike Philosoph Proklos und der griechische Historiker Herodot zu Wort kommen, steigt der Autor in das eigentliche Thema seines Buches ein: Theorien von Archäologen und Philologen über Atlantis, die sich laut Klappentext vom „wissenschaftlichen Mainstream“ unterscheiden. Für Krämer war bei der Auswahl entscheidend, dass die vorgestellte Theorie bereits einmal in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht wurde. Gerade aus diesem Grund – und auch aufgrund des mit nur wenig über 100 Seiten geringen Umfangs – findet man in ‚Das Rätsel des Aristokles‘ keinen vollständigen Überblick zur Atlantis-Legende. Wissenschaftliche Beiträge, die sich wie beispielsweise bei Nesselrath kritisch mit der Historizität von Atlantis auseinandersetzen, fehlen bei Krämer ebenfalls.

Konzentriert hat sich der Autor auf folgende vier Theorien zur Lokalisierung und dem historischen Ursprung des untergegangenen „Kontinents“: Tartessos in Spanien (Adolf Schulten), Santorin und der Untergang der Minoer (W. Brandenstein, Spyridon Marinatos), Troja (Eberhard Zangger) sowie schlussendlich die Aufzeichnungen über den „Seevölker“-Sturm im ägyptischen Tempel von Medinet Habu (H. Görgemanns). Zu allen ausgesuchten Theorien erhält man zusammenfassende Auskünfte über kulturelle Hintergründe sowie der archäologischen Erforschung, wobei es teilweise bei der Lektüre schwer fällt, den Rückbezug zur Atlantis-Legende zu finden.

Rainer Krämer, der sein Buch ‚Atlantis – Das Rätsel des Aristokles‘ selbst als „vor allem an Einsteiger in die Thematik“ gerichtet sieht, lässt fast keinen tieferen Einblick in seine eigenen Gedanken zum Thema zu. Eine bevorzugte Theorie, bei der seine Symphatie liegt, lässt sich nicht erkennen. Erst im letzten Kapitel ‚Atlantis gefunden?‘, als Krämer sein Fazit zieht, findet sich seine persönliche Einschätzung: die Atlantis-Legende scheint der Phantasie eines großen Philosophen entsprungen zu sein und hat sich im Laufe der Zeit selbständig gemacht. Falls Platon von wahren, historischen Gegebenheiten beeinflusst war, werden „die sagenhaften Kanäle und Tempel“ von Atlantis bis in unabsehbare Zeit verschollen bleiben. Nichtsdestotrotz wird Atlantis auch in den nächsten Jahren zu Diskussionen anregen und unsere „Gemüter beschäftigen“.

Krämer, Rainer: Atlantis – Das Rätsel des Aristokles, Twilight-Line, Auflage: 1., 3. Ausgabe (27. April 2009). 122 Seiten, ISBN 3941122398