Als die Spanier unter Hernando Cortés um 1519 in Mexiko einfielen, um in Folge das Land zu erobern und dabei das große Reich der Azteken zu zerstören und deren Hauptstadt Tenochtitlan systematisch den Erdboden gleich zu machen, soll ihnen dabei unter anderem ein besonderer Umstand zu Hilfe gekommen sein. Der religiöse Aztekenherrscher Moctzezuma II. soll Cortés für den zurückgekehrten Gott Quetzalcoatl gehalten habe und damit für den rechtmäßigen Herrscher Mexikos. So liest man es zumindest immer wieder in populären Darstellungen. [1]

1. Einleitung

Für die Paläo-Seti und deren Grundannahme des „Götterschocks“, also des identifizieren der technisch überlegenen Besucher bei so genannten Kulturkonfrontationen mit Göttern, ist dieser Fall ein durchaus wichtiges Beispiel. [2] Die These des Götterschocks schließlich, soll die Legitimation für die Methodik der Textauslegung und Bildinterpretation liefern, wie sie von den Vertretern der Paläo-Seti vorgenommen werden.

Viele Berichte solcher Kulturkonfrontationen, so etwa einige der melanesischen Cargokulte, den indianischen Geistertanz, die Erlebnisse von Kolumbus, James Cook und der modernen Abenteurer Frank Hurley und Hans Betram habe ich bereits an anderer Stelle einer umfangreichen Analyse unterzogen [3] und konnte die meisten der Postulate der Paläo-SETI bzgl. eines angeblichen Götterschocks nicht bestätigt sehen. Vielmehr zeigte sich ein weitaus differenziertes Bild, als es behauptet wurde. Mit der hiesigen Analyse soll nun ein weiteres Beispiel für einen angeblichen Götterschock einer umfangreichen Betrachtung unterzogen werden.

Auch andere Bereiche der alternativen Archäologie sehen in diesem Fall einen Beweis für ihre Thesen, etwa der, Europäer wären schon viel früher in Mexiko gelandet und dort von den einheimischen als Gottheiten verehrt worden. Die Erwartung an die Rückkehr Quetzalcoatls wäre dementsprechend wahrhaft eine Erwartung an die Rückkehr der Europäer. [4]

Doch, wie verhält es sich wirklich um die angebliche Verwechslung von Cortés mit dem Gott Quetzalcoatl? Welche Indizien existieren?

Schon vor beinahe 30 Jahren erschien hierzu ein umfangreicher Fachartikel des Wissenschaftlers Werner Stenzel, der diese Verwechslung für eine reine Legende hält, forciert durch eine spätere Aufarbeitung der Ereignisse um die Eroberung Tenochtitlans durch die Mexikaner selbst. Und somit hält Stenzel fest:

„Damit ist offensichtlich, wieso Reiseführer genauso wie geschichtsphilosophische Werke immer wieder die Geschichte vom Weißen Gott (Hervorhebung durch Stenzel, Anm. des Verfassers) und der Erwartung der Spanier auftischen, sodaß meist das historische Faktum der Eroberung Mexikos, des ersten Landes, das zu einem Teil der Dritten Welt gemacht wurde, auf einen ulkigen Zufall, das Verwechseln der Eroberer, deren Überschätzung und daraus resultierende Bevorteilung, zurück geführt wird.“ [5]

Im Folgenden soll dieser Fragestellung nachgegangen und die Einstellung der Azteken zu den Spaniern im Laufe der Eroberung, sowie diese selbst, anhand spanischer und aztekischer Quellen nachgezeichnet werden.

Außerdem soll hier der interessanten Frage nachgegangen werden, wer oder was sich evtl. tatsächlich hinter dem großen Gott Quetzalcoatl verbirgt und was von diesbezüglichen grenzwissenschaftlichen Ansätzen zu halten ist.

Diese Fragestellung löst sich dann auch von einer reinen Betrachtung der aztekischen Kultur, und führt zwangsläufig zu einer Beschäftigung mit den verschiedensten Kulturen in Mesoamerika, allen voran der Tolteken, sowie der Maya Yucatans.

Zur Verwendung der aztekischen Quellen soll an dieser Stelle noch angemerkt werden, dass ich verschiedene Übersetzungen der Texte verwende, mich in den Fußnoten in der Regel aber auf diejenigen Übersetzungen beziehe, die für den geneigten Leser am einfachsten zu beschaffen und überprüfen sind. Dies dient der Erhöhung der Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Argumentation. Selbiges gilt auch für die Argumente Stenzels. In den Zitaten beziehe ich mich dann wo möglich im Folgenden auf zugänglichere Publikationen, die das Überprüfen für den geneigten Leser erleichtern.

2. Die Legende vom weißen Gott

2.1 Cortés und das waghalsige Unternehmen

Hernando Cortés scheint ein sehr gerissener Mann gewesen zu sein, der es immer wieder schaffte, sich durch Intrigen, Halbwahrheiten, Strenge aber auch gut eingesetzte Freundlichkeit Vorteile für sich zu erspielen.

Im jungen Alter von 19 Jahren landete er im Kriegsdienst 1504 auf Espanola und beteiligte sich 1511 an der Eroberung Kubas, wodurch er zum Sekretär des Statthalters Diego Velázquez aufstieg.

Immer wieder verstrickte sich Cortés in Intrigen gegen Velázquez und erregte so dessen Misstrauen, was sogar zu Cortés Inhaftierung führte. Doch Dank Cortés besonderem Talent darin, sich durch Schmeicheleien und geschicktem „die Schuld auf andere abwälzen“, sowie einer offensichtlich wohl überlegten Heirat, immer wieder aus der Affäre zu ziehen, entging er auch immer wieder der Bestrafung durch den Statthalter und gewann wieder dessen Vertrauen.[6]

1517 brach eine Expedition auf, um weitere Länder „Westindiens“ zu entdecken, und landete schließlich auf der von den Maya bevölkerten Halbinsel Yucatan. Unter den Expeditionsteilnehmern befand ich auch ein junger Mann namens Bernal Diaz del Castillo, der irgendwann 1492 oder 1493 in Spanien geboren wurde und später auch Cortéss begleiten sollte und diesem immer treu zur Seite stand, obgleich Cortés besonders bei der Gewinnverteilung Castillo und die anderen „Eroberer“ um ihren gerechten Lohn brachte. Bernal Dias del Castillo ist es auch, der uns eines der wichtigsten schriftlichen Werke über die Eroberung Mexikos hinterließ, dass er im hohen Alter um 1568 verfasste.

Die ersten Begegnungen mit den Indianern bei besagter Expedition endeten mit Scharmützeln und der Plünderung einiger Maya Tempel:

„Während wir uns mit den Indianern herumschlugen, ließ unser Priester Gonzales die Tempelschätze durch zwei Indianer, die wir aus Kuba mitgebracht hatten, auf die Schiffe bringen.“ [7]

Danach ging die Fahrt weiter Richtung Westen, doch als die Vorräte dann zuneige gingen und sich die Mannschaft wieder an Land begab, kam es abermals zu einer Begegnung mit Indianern. Diese führten die Spanier den Angaben Castillos nach freundlich in einen Tempel, wo noch die Reste von Menschenopferungen zu erkennen waren und wo die Spanier dann Opfer eines Hinterhalts wurden, bei dem mehrere von ihnen starben oder lebendig verschleppt wurden. [8]

Als Anmerkung am Rande, die aber für die spätere Argumentation durchaus von Relevanz ist, der Name Yucatan scheint auf einem sprachlichen Missverständnis zu beruhen. So wird vermutet, die Maya hätten den Spaniern auf die Frage danach, wie das Land heiße „man c naatic a than“ geantwortet. Also „Wir verstehen eure Sprache nicht“. [9]

Dieser Aspekt, ob dieses Missverständnis nun wirklich stattfand oder nicht, ist sehr wichtig bei der Beurteilung der spanischen Quellen aus der Entdeckerzeit. Häufig ist da die Rede davon, was die Indianer angeblich gesagt hätten, doch allein das sprachliche Problem sollte hier immer vorsichtig machen, was die Authentizität des angeblich Gesagten im Kontext angeht.

Doch weiter im Text.
Die Überlebenden beschlossen daraufhin die Rückkehr nach Kuba.

Der Bericht über die Entdeckungen der Expedition wurde zu einem Selbstläufer, und so:

„Gleich nach der Landung schrieben wir an den Statthalter von Kuba und berichteten ihm von den neuentdeckten Ländern, von den großen Ortschaften mit den steinernen Häusern, von den in Baumwolle gekleideten und wohlbewaffneten Einwohnern. Den Maisfeldern und dem gefundenen Goldschmuck. Diese Nachrichten müssen sehr übertrieben weitergegeben worden sein. Denn in Kuba und auf den Inseln Santa Domingo, ja in Spanien erzählte man sich, wir hätten die reichsten Länder entdeckt.“ [10]

Und die Wirkung dieser Übertreibung hatte es in sich. Legte sie doch die Grundlage für die spätere Fahrt des Cortés und dessen Eroberung Mexikos.

Doch zuvor sendete Velázquez eine weitere Expedition aus, die im April 1518 mit 4 Schiffen aufbrach [11] und bei der es zur ersten Begegnung mit den Abgesandten der Azteken kam.

Von dieser ersten Begegnung berichtet auch der Codex Florentino, einer aztekischen Handschrift, die die Ereignisse um die Eroberung Mexikos durch die Spanier aus aztekischer Sicht festgehalten hat.

Der Mönch Fray Bernadino de Sahagún überlieferte uns diese Handschrift. Sahagún kam 8 Jahre nach der Eroberung Tenochtitlans im Jahre1528 nach Mexiko und sammelte dort verschiedene Schriften, die er von Indianern verfassen ließ. [12] Der Codex Florentino wurde erstmals 1555 verfasst, ging dann aber verloren und wurde unter Sahagúns Leitung 1585 neu niederlegt, also 34 Jahre, bzw. 64 Jahre nach der Eroberung Tenochtitlans. [13]

Die Tatsache, dass diese Handschrift uns heute noch erhalten geblieben ist, stellt einen enormen Glücksfall für die Forschung dar, musste Sahagún doch gegen allerlei Widerstände ankämpfen. Seinerzeit wurden von seinen Priesterkollegen die Texte der Indianer schließlich systematisch zerstört, während Sahagún mit seiner Sammlung das genaue Gegenteil tat, die kulturellen- und religiösen Überlieferungen der amerikanischen Ureinwohner zu bewahren half und sich so den Unmut der spanischen Kirche zuzog. [14]

Laut dem Codex begaben sich Abgesandte der Azteken unter dem Vorwand zu den Spaniern, mit ihnen Handel betreiben zu wollen und schenkten ihnen kostbare Mäntel, wofür sie im Gegenzug bunte Glasperlen von den Spaniern bekamen. [15]

Die Abgesandten haben darauf hin Moctezuma Bericht und sagten:

„O unser Herr! O mein Fürst, töte uns! Folgendes haben wir gesehen, folgendes haben wir getan. Dort, wo deine Großonkel dir Hüter sind, im Angesicht des Meeres, haben wir unsere Herren, die Götter, gesehen im Wasser.“ [16]

Hier finden wir also den ersten konkreten Hinweis darauf, die Azteken hätten die Spanier für Götter gehalten.

Nach der Rückkehr dieser Expedition plante Velázquez eine weitere Expedition – und Cortés sollte sie leiten.

Noch während Cortés die Reise vorbereitete, beschlichen Velázquez Zweifel, ob er Cortés trauen konnte, zumal er ihn bereits in früheren Zeiten hintergangen hatte. Nachdem sich die Beweise häuften, dass Cortés ganz bestimmt nicht vorhatte diese Reise im Namen und im Sinne des Statthalters zu führen, sondern vielmehr seinem eigenen Vorteil zuarbeitete, wollte Velázquez den Kapitän aufhalten. Doch es war zu spät. Cortés hatte rechtzeitig von der Aktion erfahren und brach eilig auf. Bernal Diaz del Castillo führt hierzu aus:

„Da kamen plötzlich Briefe und Befehle von Diego de Valzquez, nach denen dem Cortés das Kommando über das Geschwader wieder abgenommen werden sollte.“ [17]

Es war der 18. November 1518. Mit dabei waren über 300 Mann Besatzung, Soldaten, Söldner und Abenteurer auf 11 Schiffen, unaufhaltsam getrieben von den vermeintlichen Reichtümern, die das Festland bergen sollte. [18]

2.2 Die Eroberung Mexikos

Als Cortés Schiffe an der Küste auftauchten, sorgte das bei der Bevölkerung für Verwirrung. Was mochten das für zauberhafte Gebilde sein, die sich vom Meer aus näherten? Die ersten Berichte die bei dem Aztekenherrscher Moctezuma II eintrafen, sprachen von Türmen und kleinen Bergen, die auf dem Meer schwammen. [19]

Die erste Landung fand auf der Insel Cozumel statt, dort stieß Cortés auf zwei Spanier, die schon vor Jahren Schiffbruch auf der Insel erlitten und nun dort bei den Maya lebten. Einer der Beiden, Gerónimo de Aguilar, schloss sich als Dolmetscher den Spaniern an.

In Tabasco, Yucatan, der nächsten „Haltestelle“ der Eroberer, kam es abermals zu Zusammenstößen mit Indianern. Laut den Beschreibungen Castillos, begegneten die Ureinwohner den Spaniern schon bei deren Ankunft feindlich und forderten sie auf, das Land nicht zu betreten. Aguilar konnte sich hier erstmals als Übersetzer bewähren und versuchte, die Indianer zu beschwichtigen, ihnen durch Cortés aber auch großes Unheil drohen, sollten sie sich nicht fügen. Nach einem kurzen, aber heftigen Kampf, der den Spaniern 5 Tote und 8 Verletzte abforderte, gaben die Indianer auf, doch nur vorerst, und es folgten weitere Angriffe. Diese wehrte Cortés aber mit seinen Reiterverbänden ab, die den Indianern im wahrsten Sinne des Wortes in den Rücken fielen. Die Reiter auf ihren Pferden müssen großen Eindruck auf die Yucateken gemacht haben, erwähnt Castillo doch:

„Die Indianer hatten noch nie Pferde gesehen und glaubten, daß Roß und Reiter ein Körper seien. Entsetzt räumten sie das Kampffeld und flohen auf einen benachbarten Hügel.“ [20]

Es bleibt natürlich fraglich, ob die Indianer tatsächlich glaubten, dass Pferd und Reiter ein Wesen seien, handelt es sich schließlich lediglich um die Interpretation Castillos, doch dass die Reiter Panik unter den Eingeborenen auslösten, daran kann kaum zu zweifeln sein.

Als Zeichen ihrer Unterwerfung überließen die Indianer den Spaniern 20 Frauen, eine davon war Marina, wie sie von den Spaniern getauft wurde. Da sie sowohl die Sprache der Maya beherrschte, wie auch die der Azteken, wurde sie eine unentbehrliche Hilfe für Cortés und seine Männer. Nicht nur das, sie wurde auch die Geliebte des Cortés.

Der nächsten Landung in einer Bucht am Gründonnerstag 1519 folgte das erste Aufeinandertreffen mit aztekischen Gesandten. Moctezuma schickte sie aus, da:

„Als er es hörte, sandte er sofort Boten ab, indem er gewissermaßen so dachte: Es ist unser Fürst Quetzalcoatl, der gekommen ist.“ [21]

Cortés nahm reiche Geschenke entgegen, bestand aber darauf, Moctezuma, den Herrscher des Landes zu treffen. Er überreichte selbst Glasperlen und andere vermeintliche Schätze an die Azteken, die darauf hin dem Herrscher des Aztekenreichs Bericht erstatten sollten.

Castillo macht an dieser Stelle eine, im Kontext der Fragestellung dieser Arbeit, interessante Anmerkung. Die Indianer schienen sehr beeindruckt von den Sturmhauben der Spanier.

Von einem der Abgesandten schreibt Castillo:

„Als er die Sturmhaube mit dem Helm seines Kriegsgottes verglich, zweifelte er keinen Augenblick mehr daran, daß wir die Vorläufer jenes Volkes wären, das nach den alten Prophezeiungen dereinst die Macht über sein Land übernehmen sollte.“ [22]

Hier haben wir einen wichtigen, an späterer Stelle noch zu diskutierenden Aspekt, bezüglich der Frage nach einer Identifizierung von Cortés mit dem Gott Quetzalcoatl.

Aber einen noch wichtigeren Satz gibt er ebenfalls von sich:

„Die beiden Kaziken baten Cortes, die Geschenke ebenso freundlich aufzunehmen, wie Moctezuma die unseren aufgenommen habe. Er solle sie nun unter die Teules (die Götter) und unter die Männer seiner Begleitung verteilen (die Indianer hielten also damals noch einige von uns, vielleicht die Reiter, für übernatürliche Wesen).“[23]

Zum einen stellt sich hier klar heraus, dass die Spanier nicht generell als Götter bezeichnet wurden (Teules), sondern lediglich eine besondere Gruppe, von der Castillo glaubt, dass es sich wohl um die Reiter handelte.

Felix Hinz stellt hierzu fest, dass die Bezeichnung Teules vermutlich auch nicht auf Götter im eigentlichen Sinne hinweist, sondern in diesem Kontext als Bezeichnung für Fremde anzusehen wäre, deren Identität noch unbekannt ist. [24]

Auch Claudine Hartau hält hierzu fest, dass der Begriff Teules nicht mit dem christlichen Gottesbegriff gleichzusetzen sei, sondern Dinge beschreibt, die sich außerhalb des bekkannten Erfahrungshorizonts bewegen. [25]

Auch der Florentiner Codex berichtet von dieser ersten Begegnung, so überreichten Moctezumas Abgesandte Cortés, nachdem sie auf das Schiff kamen rituelle Gewänder und zogen ihm die Tracht des Quetzalcoatls an. Doch auf diesen symbolischen Akt reagierte er nur mit den Worten:

„Ist das alles, was euer Begrüßungsgeschenk ausmacht?“[26]

Dem Bericht zufolge ließ Cortés die Gesandten in Ketten legen und schoss mit seiner Kanone, was jene in Schrecken ausbrechen ließ.

Castillo berichtet von dergleichen nicht.

Dem Codex zufolge eilten die Gesandten Moctezumas so schnell es ihnen möglich war zurück nach Tenochtitlan, um ihrem Herrscher das Erlebte zu schildern. Moctezuma überkam darauf hin Furcht und Trauer, und er sandte darauf neben Kriegern und Häuptlingen auch Wahrsager und Zauberer aus, die Fremden mit allem zu versorgen, wonach sie baten und sie zu beobachten. Und er schickte Gefangene, in der Annahme, die Fremden wollten vielleicht ihr Blut trinken, was die Spanier allerdings mit Ekel zurückwiesen. [27]

Castillo wieder berichtet, die Gesandten hätten ein mögliches Treffen mit Moctezuma ausgeschlossen. Dies wiederum muss Cortés sehr imponiert haben, was ihn zu der Schlussfolgerung führte, Moctezuma müsse

„ein großer Herr sein“. [28]

Doch dann ließ Moctezuma die Gesandten abziehen und ließ die Hilfen für die Spanier einstellen.

Dies führte dazu, dass nun andere Indianer auf Tuchfühlung mit den Spaniern gingen, von denen Castillo sagt:

„Die Tracht und die Sprache dieser Indianer war ganz anders als die der Leute Moctezumas.“ [29]

Es handelte sich um die Totonaken, die von Moctezuma unterworfen waren und diesem als Vasallen dienten. Der gerissene Taktiker Cortés schaffte es, sich mit diesen zu verbünden und hatte so ein Mittel in der Hand, womöglich doch noch nach Tenochtitlan vorzudringen.

Um sein Vorhaben rechtlich zu legitimieren – eigentlich stand er ja nach wie vor in der Pflicht von Velázquez – schickte er ein Schiff voll Gold samt einen Brief an Kaiser Karl V. nach Spanien und gründete die Siedlung Vera Cruz. In dem Bericht an den Kaiser wimmelt es vor Schmeicheleien und er schreibt in einem Brief vom 30. Oktober 1520, dass er sich durch seine Eroberungszüge bislang noch nicht melden könnte, und

„Gott allein weiß, wie sehr ich darunter gelitten habe!“ [30]

In dem Bericht rühmt er Karl V. als Kaiser der in Anspruch genommenen Provinzen und schildert seine Erlebnisse sowie die Reichtümer des Landes, von denen er ja eine Kostprobe mit sandte.

Mit 300 Mann machte Cortés sich nun auf den Weg weiter ins Innenland und erreichten die Stadt Cempoala, von der die Spanier sehr beeindruckt waren und trafen dort auf den Stadthalter, der von Castillo nur als

„der dicke Kazike“

bezeichnet wird und der sich bitter über Moctezuma beklagt, der

„auch ihn unterjocht und alles goldene Geschmeide geraubt“ [31]

habe. Cortés nutzte dies, um zu versprechen, die Indianer von der Unterjochung Moctezumas zu befreien.

Wie sehr er in Wahrheit aber ein hinterhältiges Spiel spielte, wurde deutlich, als er den Totonaken befahl, sich von Moctezuma loszusagen und Gesandte von diesem gefangen zu nehmen, die sich gerade bei ihnen befanden.

„Dann befahl Cortes den Kaziken, dem Motezuma von nun an weder gehorsam zu sein, noch an ihn Tribut zu entrichten.“[32]

In der Nacht aber ließ er die Gefangenen heimlich befreien und schickte sie mit der Botschaft zu Moctezuma zurück, er hätte nichts von der Gefangennahme gewusst und wolle das auch nicht tolerieren, da er ein Freund Moctezumas sei.

Mit dieser Taktik des gegeneinander Ausspielens der Indianer verschaffte Cortés sich gewaltige Vorteile.

Der Aufstand der Totonaken gegen die aztekischen Herrscher war nun perfekt. Ein zurück gab es für die Totonaken nach der Gefangennahme der aztekischen Gesandten eh nicht mehr, und in Vertrauen darauf, von den Spaniern beschützt zu werden, unterwarfen sie sich bereitwillig Karl V.

Nachdem Cortés mit Hilfe der Indianer dann auch noch ein kleines Aufgebot der Azteken vernichtend schlug, war ihm deren Loyalität endgültig sicher, auch wenn es noch zu einem schwerwiegenden Zwischenfall kam, da Cortés das Aufgeben der heidnischen Religion unterband. Im Laufe des Konflikts wurde der Tempel der Indianer zerstört, doch konnte Cortés die Lage mittels seines diplomatischen Geschicks entspannen und ließ dann den Tempel zu einer Kirche umbauen.

Die Reise der Spanier ging dann weiter in das von den Azteken unabhängige Tlaxcala, die Anfangs mit Angriffen auf die Ankunft von Cortés reagierten, da sie diesen für einen Verbündeten Moctezumas hielten. Doch dank einer Machtprobe und des diplomatischen Geschicks von Cortés gelang es den Spaniern auch hier wieder, sich mit den mächtigen Tlaxcalteken zu verbünden. Erst diese große Streitkraft hinter sich wähnend gab Cortés die Möglichkeit eine Eroberung Tenochtitlans ernsthaft in Angriff zu nehmen. Zuerst sorgte er noch (mit Gewalt) dafür, dass sich auch Cholula dem Bündnis gegen Tenochtitlan anschloss und dann zogen sie los, begleitet von einer gewaltigen Streitmacht der Indianer.

Tenochtitlan, die große Hauptstat der Azteken lag inmitten des Texcoco-Sees und wurde erst im 14. Jahrhundert gegründet, nachdem die Azteken hier nach ihrer Wanderung von der mythischen Heimat Aztlan ansiedelten. [33]

Die Stadt war durch den Schutz des Wassers gut gesichert und nur 5 Dämme verbanden es mit dem Festland.

Als Cortés in die beeindruckende Stadt einzog, wurde er von Moctezuma in Empfang genommen, der da nach Cortés folgende Rede gehalten haben soll:

„Schon seit langer Zeit wissen wir aus Urkunden unserer Ahnen, dass weder ich, noch ein anderer der augenblicklichen Bewohner dieses Landes uns Eingeborene nennen dürfen; wir sind Fremdlinge und aus fernen Ländern hergekommen. Uns ist auch bekannt, daß ein großer Herr uns in dieses Land gebracht hat, wo wir alle seine Vasallen waren; er kehrte dann später in seine Heimat zurück, von wo er erst nach langer Zeit zurückkam und es dann erleben mußte, daß sich seine Leute mit den Mädchen des Landes verheiratet und in den zahlreichen von ihnen angelegten Dörfern Familien gegründet hatten. Er wollte sie wieder mit sich nehmen, allein sie weigerten sich und wollten ihn nicht einmal mehr als ihren Herren anerkennen.

„So verließ er denn das Land. Wir haben seither immer geglaubt, daß eines Tages seine Nachkömmlinge wieder erscheinen würden, um uns zu unterjochen; und nach dem Teil der Welt zu urteilen, von dem ihr gekommen sein wollt, dort wo die Sonne aufgeht, und nach allem, was ihr mir von dem großen König, der Euch gesandt hat, erzählt, sind wir davon überzeugt, daß er unser wirklicher Herr ist, um so mehr als er Euch zufolge seit langem von unseren Angelegenheiten Kenntnis besitzt. Zweifelt also nicht daran, daß wir Euch gehorchen und Euch als Vertreter des großen Königs, von dem Ihr sprecht, als Herrn anerkennen werden.“ [34]

Auch in diesen Worten finden wir – im Gegensatz zu den Aussagen im Florentiner Kodex – keine Hinweise darauf, Cortés wäre für den zurückgekehrten Gott Quetzalcoatl gehalten worden. Zwar ist die Rede von der Erwartung an die Rückkehr eines legitimen Herrschers, doch ist dieser a) unbestimmt und betrifft b) in der Rede eher Karl V. und nicht Cortés.

Stenzel weist darauf hin, dass wir hinter diesen Ausführungen wohl eher den versuch von Seiten Cortés sehen müssen, seine unlegitimierten Eroberungszüge (er war ja dissertiert) zu rechtfertigen und gleichzeitig den Machtanspruch Spaniens zu begründen. [35]

Dass diese angebliche Episode in sich nicht schlüssig ist, zeigen auch die Aufzeichnungen del Castillos, der Cortés im Wesentlichen bestätigt und über Moctezumas schreibt:

„Er habe schon lange gewünscht, Cortés persönlich kennenzulernen. Nun dieser Wunsch erfüllt sei, sei er zu jedem Dienst für uns bereit. Er habe inzwischen die Überzeugung gewonnen, daß wir die Männer seien, deren Kommen seine Vorfahren angekündigt hätten; sie hätten vorausgesagt, daß Fremde vom Sonnenaufgang her kommen und eines Tages diese Länder beherrschen würden.“[36]

Die Unstimmigkeiten im Bezug auf eine angebliche Verwechslung mit Quetzalcoatl werden auch hier wieder deutlich – die Rede ist davon, es würden unbestimmte Leute vom Sonnenuntergang her kommen und die Herrschaft übernehmen. Dies entspricht zwar den Aussagen von Cortés, nicht aber der Legende weißer Götter oder gar der Rückkehr Quetzalcoatls. Hinzu kommt, dass ja schon der erste Satz unwahr ist, schließlich hat Moctezuma alles versucht, ein Treffen mit den Spaniern zu vermeiden und sie von seiner Hauptstadt fern zu halten.

Wie auch immer das tatsächliche Gespräch ausgesehen haben mag, so scheinen einzelne Aspekte aus diesen Worten wohl vor allem auf diplomatischen Schmeicheleien zu fußen, als auf ernst gemeinte Aussagen.

In diesem Kontext ebenfalls sehr interessant ist die Wiedergabe eines späteren Gesprächs mit Moctezuma durch Castillo:

„Sie glaubten nämlich, dass wir Teules seien, unbändige und wilde Teules, die Feuer und Blitze schleudern und mit ihren Pferden alle Menschen töten die ihnen in den Weg kommen. Nun habe er uns persönlich kennengelernt und gefunden, daß wir verständige Menschen aus Fleisch und Blut seien…“ [37]

Den Begriff Teules haben wir hier bereits als Bezeichnung für Fremde identifiziert. Und unabhängig davon, dass sich die Azteken zu Beginn womöglich tatsächlich nicht sicher waren, ob es sich bei den Fremden womöglich um übernatürliche Wesen handelt, wird hier noch einmal explizit bestätigt, dass dieser Eindruck gewichen ist.

Nachdem die Spanier nun in einem Palast wohnten, gelang Cortés ein weiterer Kunstgriff, indem er sich Moctezumas bemächtigte und ihn gefangen nahm.

Im Vorfeld bekam Cortés die Nachricht über einen Aufstand der Indianer, die Vera Cruz mit Lebensmitteln versorgte und Kämpfe, bei denen auch Spanier starben. Dies zum Anlass nehmend, machte Cortés in Begleitung bewaffneter Männer Moctezuma bittere Vorwürfe über diesen Vertrauensverlust und teilte ihm mit, von nun an Gefangener zu sein.

Moctezuma unterwarf sich und von nun an begannen die Spanier damit, die Schätze Tenochtitlans zu plündern. Die Heiligtümer der Azteken wurden demontiert, eine Kirche errichtet.

Doch nach einigen Monaten kam es zu Problemen – Velasquez schickte 18 Schiffe unter Leitung von Pánfilo Narváez nach Mexiko um den dissertierten Cortés zu bestrafen. Moctezuma nutzte diese Information um heimlich seine Befreiung zu planen, die Totonaken liefen ebenfalls über und Cortés musste handeln.

Mit einigen Leuten an seiner Seite wollte er die Sache selbst in die Hand nehmen und zog zur Küste. Ein Aufgebot von Spaniern blieb in Tenochtitlan zurück

Cortés konnte durch einen überraschenden Angriff Narváez gefangen nehmen. Die übrigen Soldaten konnten dazu gebracht werden, sich Cortés anzuschließen und somit war die Situation an der Küste gerettet.

In Tenochtitlan hingegen begehrten die Azteken gegen ihre zahlenmäßig unterlegenen Unterdrücker auf und belagerten die zurück gelassenen Spanier. Diese Belagerung erfolgte allerdings nicht unmotiviert, denn die Spanier nutzten eine religiöse Festlichkeit der Azteken aus und metzelten dort die Adeligen nieder.

Verbarrikadiert in den Palästen Gemächern des Palasts mussten die Spanier nun bis zur Rückkehr von Cortés ausharren und die aufgebrachten Azteken fern halten. Cortés schaffte es trotz weiterer Angriffe, ebenfalls in den Palast zu gelangen, wo er Moctezuma aufforderte, sein Volk zu besänftigen. Doch dies war nicht mehr möglich, nachdem die Azteken ihre Kampfhandlungen kurzzeitig einstellten, als Moctezuma an die Brüstung trat, so Castillo weiter:

„Unsere Leute hatten Moteczuma mit ihren Schilden gedeckt. Als der Angriff unterbrochen wurde, ließ ihre Aufmerksamkeit nach. Nach diesem Gespräch

(Moctezuma wurde mitgeteilt, dass sein Volk inzwischen seinen Vetter zum Herrscher erklärt hat, Anmerk. André Kramer)

wurden die Feindseligkeiten aber überraschend schnell wieder eröffnet. Ehe man sich versah, war der Fürst viermal verwundet. Er wurde sofort in seine Gemächer gebracht, lehnte aber jede Stärkung und Versorgung der Wunden ab. Wider Erwarten kam bald darauf die Meldung, daß er verschieden sei.“ [38]

Dies war also das tragische und unrühmliche Ende des letzten großen Herrschers der Azteken.

In einer Nacht und Nebelaktion versuchten die Spanier nun mit kleinen tragbaren Brücken für die Überquerung der Kanäle zu flüchten, doch geschah dies nicht unerkannt und so wurden sie von den Azteken bei ihrer Flucht heftig attackiert.

Ein makaberes Detail am Rande – auf der Flucht gingen die Brücken verloren und so nutzten die Spanier die ertrinkenden Träger als Brücken um heil das Wasser zu überqueren.

Unter starken Verlusten gelang den Spaniern und ihren Verbündeten aber die dramatische Flucht und die Rückkehr nach Tlaxcala.

Dort konnte Cortés die Indianer wieder für sich gewinnen, denn er hatte seinen Plan der Eroberung Tenochtitlans nicht fallen gelassen und zog wieder aus. Erst eroberte er einige kleinere Ortschaften und tastete sich so wieder an die Hauptstadt des Aztekenreiches heran. Selbst Mordanschläge aus den eigenen Reihen der Spanier konnte er vereiteln und dann, wieder an den Ufern des Sees begann etwas, das man nur als planmäßige und völlige Zerstörung Tenochtitlans bezeichnen kann. Kanal für Kanal arbeiteten sich die Spanier und ihre Verbündeten in den Schlachten vorwärts und ebneten die gesicherten Teile der Stadt vollständig ein. Den auf der Insel eingeschlossenen Azteken gingen mit der Zeit Lebensmittel und Trinkwasser aus und obwohl Cortés hier und da noch kleinere Rückschläge erleiden musste, ließ er nicht nach und plünderten rücksichtslos die eroberten Stadtteile.

Am 13. August 1521 kam es zu der Gefangennahme des neuen Herrschers der Azteken Cuauhtemocs und damit zum Ende des Aztekenreichs.

Soweit zur Geschichte der Eroberung Mexikos, im folgenden Abschnitt sollen die Ergebnisse noch einmal im Kontext der Frage nach einer Verwechslung Cortés mit Quetzalcoatl betrachtet werden.

2.3 Götterwechslung Ja oder Nein?

Aus dem durchleuchteten Material konnte somit kein eindeutiger Hinweis dafür gefunden werden, Cortés wäre für einen zurückgekehrten Gott gehalten worden.

Unter Ausnutzung der schwierigen politischen Verhältnisse in Mexiko konnte Cortés den Sieg für sich erringen. Er schmeichelte, log und betrog und spielte die verschiedenen Parteien immer wieder geschickt gegeneinander aus. Sein Mut und Durchhaltevermögen waren ebenso entscheidend für den Sieg über die zahlenmäßig weit überlegen Azteken, wie auch diese selbst mit zu ihrer eigenen Niederlage beitrugen. Dieser Umstand erklärt sich aus der kulturellen und religiösen Eigenart, dass es bei den Indianern als besonders prestigeträchtig galt, möglichst viele Gefangene zu machen, die später geopfert werden konnten. Hieraus ergab sich eine zusätzliche Inneffizienz in den Kampfhandlungen gegenüber den kaltschnäuzigen Spaniern.

Hier sollten noch einmal kurz die Quellen aufgeführt werden, die eine Verwechslung Cortés mit Quetzalcoatl andeuten könnten:

  • Die von Cortés selbst wiedergebende Rede Moctezumas an ihm, in dem Brief an Karl den V.
  • Der Bericht des Bernal Diaz del Castillo, der Cortés Brief bestätigt und außerdem davon spricht, die Spanier seien für „Teules“ gehalten worden
  • Der Florentiner Codex der Azteken selbst, der davon spricht, man hätte hinter Cortés Quetzalcoatl vermutet

Quellen, die in irgendeiner Form die Rückkehr (weißer) Götter aus vorcortesischer Zeit in der oft geschilderten Art beschreiben existieren nicht. Bereits Nigel Davies wies auf diesen Umstand hin und stellt fest:

„in diesen einheimischen Berichten (die Quetzalcoatl beschreiben, Anmerk. André Kramer) wird niemals irgendeine Art von Rückkehr Quetzalcoatls erwähnt, weder für das Jahr Eins Rohr noch für irgendein anders – mit Ausnahme seiner symbolischen Wiederkehr als Morgenstern.“[39]

Der älteste Bericht der diese Verbindung bringt, ist also der Brief von Cortés selbst, gefolgt von den Aufzeichnungen Castillos und dem Florentiner Codex.

Der eher literarische Charakter dieser Schrift verdeutlicht sich schon in den, der Eroberung vorangehenden Schilderungen, so soll 10 Jahre vor der Ankunft der Spanier eine Reihe von bösen Vorzeichen gegeben haben, die diese Ankunft prophezeiten. Zuerst erschien ein Feuerball am Himmel, später folgten ein verheerender Brand in der Stadt, sowie weitere Ereignisse.[40]

Die wahre Intention des Codex Florentino wird deutlich bei der Beschreibung des 7. Vorzeichens:

„Einmal waren auf der Jagd oder stellten Vogelnetze aus die Leute, die am Wasser wohnen. Sie fingen einen Vogel von aschgrauer Farbe, wie einen Kranich. Darauf kamen sie, ihn Moctezuma zu zeigen, in dem Haus der schwarzen Farbe, dem Priesterhaus. Die Sonne neigte sich schon dem Abend zu, es war aber noch Tag. Eine Art Spiegel befand sich auf dem Kopf des Vogels. Scheibenförmig, rund, mit einem Loch in der Mitte. Dort erschienen der Himmel, die Sterne, das Sternbild des Feuerbohrers. Und Moctezuma nahm das als ein großes unheilvolles Vorzeichen für sich, als er die Sterne sah und das Sterbild des Feuerbohrers. Und als er zum zweiten Male hinsah auf den Kopf des Vogels, ein wenig länger, sah er gleichsam Leute aufgerichtet kommen, als Eroberer kommen, zum Kriege gerüstet, von Hirschen getragen…“[41]

Hierdurch wird deutlich, was Claudine Hartau meint, wenn sie schreibt:

„Er ist weniger ein historischer Bericht als ein Zeugnis über die Verarbeitung des eigenen Untergangs. Wenn hier ausgesagt wird, Motecuhzoma habe Cortés für den zurückgekehrten Quetzalcoatl gehalten, so wirkt es wie eine Entlastung für die Azteken, eine nachträgliche Rechtfertigung ihrer Niederlage.“ [42]

Zumal sich die drei Quellen nicht miteinander in Einklang bringen lassen. Unter der Annahme des Florentiner Codex wirken die Aussagen von Cortés und castillo unsinnig und umgekehrt.

In der Tat erscheint es so, dass es Beginn des Zivilisationskontakts von Seiten der Indianer gehörige Unsicherheit über die Identität und Herkunft der Fremden geherrscht zu haben. Die Annahme, freilich nicht auf alten Aufzeichnungen beruhend, Cortés wäre anfänglich für Quetzalcoatl gehalten wurden, mag stimmen, musste aber schnell zerstreut worden sein, spätestens als Cortés die Quetzalcoatlgewänder die er an der Küste von den aztekischen Gesandten überreicht bekam, nicht zu würdigen wusste.

Dies plus die Sterblichkeit der Spanier und deren im Kontext der einheimischen Religion unangemessenes Verhalten musste etwaig vorhandene Vermutungen schnell in Luft auflösen lassen. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Zitat auf das Felix Hinz aus Cortés Briefen verweist. [43]

In einem Gespräch mit Cortés führt Moctezuma in seinem Plast nämlich aus:

„Ihr seht, ich bestehe aus Knochen und Fleisch wie auch ihr (…) ihr seht, ich bin sterblich und mit Händen betastbar“ [44]

Hier geht es also um die Frage danach, ob Moctezuma als Herrscher selbst ein Gott sei, was er im direkten Vergleich mit Cortés verneint.
Was wir bei diesem Zivilisationskontakt erleben deckt sich am Ende mit den differenzierten Untersuchungen anderer Kulturkontakte auf den Aspekt des von der Prä-Astronautik postulierten Götterschocks hin, die ich in folgendem Diagramm schon an anderer Stelle beschrieben habe. [45]

Reaktionstypen der kontaktierten Völker nach Zivilisationskontakten

Abbildung Nr. 1: Reaktionstypen der kontaktierten Völker nach Zivilisationskontakten (Grafik: André Kramer)

Demnach erkennen wir auch im Fall der Eroberung Mexikos die mögliche Assoziation, gefolgt von der Ratio als Erkennen, hier keine übernatürlichen Wesen vor sich zu haben, gefolgt von einer Verteidigungsreaktion und es kommt zu einer Integration mit den bisherigen Ergebnissen meiner Untersuchungen.

3. Wer war Quetzalcoatl?

3.1 Die mythologischen Befunde

Es bleibt natürlich zum Schluss noch die Frage, wer denn nun jener Quetzalcoatl war?

In den Grenzwissenschaften gibt es hierzu so einige Spekulationen. Hinter der „gefiederten Schlange“ wird bei Däniken und Fiebag zum Beispiel ein möglicher außerirdischer Besucher vermutet. [46] Andere, wie weiter oben bereits erwähnt, vermuten in ihm einen frühen europäischen Reisenden, der den Völkern Mittelamerikas die Kultur brachte.

Tatsache ist, wir wissen es nicht endgültig, wer oder was sich hinter dieser überragenden mythologischen Gestalt Zentralamerikas verbirgt. Doch können wir anhand des uns zur Verfügung stehenden Materials zumindest versuchen, uns der Frage anzunähern.

Doch zuerst einmal die Fakten:

Quetzalcoatl war im gesamten mittelamerikanischen Raum Gegenstand der Verehrung, und nicht nur bei den Azteken (die ja erst im 14. Jahrhundert in Mexiko ankamen). So nannten die Tolteken und Maya ihn in ihrer Sprache Kukulkan. [47]

Quetzalcoatl, der Name setzt sich aus dem Wort Quetzal, einer in Mittelamerika einheimischen Vogelart mit einem auffälligen Federkleid und coatl, was in Nahua Schlange bedeutet, zusammen. Daher spricht man häufig von gefiederter Schlange. Doch auch das Coatl lässt sich noch auseinander nehmen. Co bezeichnet in der Mayasprache eine Schlange, während atl im Nahua für Wasser steht. [48] Man könnte Quetzalcoatl also noch differenzierter für die verschiedenen Elemente, Himmel, Wasser und Erde (die Schlange als am Boden kriechendes Tier) sehen.

Verehrt wurde er als Windgott, Gott des Tierkreises, Schöpfergott und Kulturheros (Priesterkönig). [49]

Eine Variante des Mythos um Quetzalcoatl ist uns im Codex Florentino überliefert. Ich beziehe mich in diesem Fall auf die deutsche Ausgabe von 1989, auch wenn sie im Gegensatz zu der Übersetzten deutschen Erstausgabe Selers von 1926/27 nicht in dem ursprünglichen Versmaß abgedruckt ist. Der Grund liegt einfach darin, dass der geneigte Leser die Ausgabe von 1989 leichter beschaffen kann, um sich selbst in die Überlieferung einzulesen. Ansonsten sind beide Ausgabe beinahe gleich in der Übersetzung. An den hier zitierten Stellen, bei denen Differenzen auftreten, weise ich darauf hin. Es heißt zu Beginn:

„Das 3. Kapitel handelt von der Geschichte Quetzalcoatls, der ein großer Zauberer war wie er König war und was er tat, als er ging.

„Quetzalcoatl hielt man gleichsam für einen Gott, er wurde für einen Gott gehalten, als Gott angebetet, und zwar schon seit alter Zeit, in Tula.“ [50]

In der Erstausgabe ist statt Tula noch die andere deutsche Bezeichnung Tolland in Verwendung. [51]

Bei Tula oder Tolland handelt es sich um das kulturelle Zentrum der Tolteken.

Weiter beschreibt der Text, dass Quetzalcoatl sehr hässlich, sein Gesicht ohne menschliche Züge [52] war, er einen langen Bart hatte und aus diesem Grund sein Gesicht in Decken gehüllt hielt.

Die hervorragenden kunsthandwerklichen Fähigkeiten der Tolteken sollen durch Quetzalcoatl geprägt sein und auch die Landwirtschaft erblühte seinerzeit in ungeahnten Maßen. Eine wahre Heilszeit.

Doch nahm diese Heilszeit eines Tages ein Ende, als 3 Priester großes Unheil prophezeiten.

Der erste greise Zauberer Titlacaoan gab Quetzalcoatl, dem einige Gebrechen plagten Alkohol als Medizin, von dem die „gefiederte Schlange“ dann trunken wurde. [53]

Danach kommt es zu einem Bruch in der 1989 herausgegebenen Übersetzung, die 8 Kapitel auslässt, so, dass wir auf die ältere Fassung von 1926/27 ausweichen müssen.

Titlacaoan brachte aber weiteres Unglück über Tula. Als Huaxteke getarnt, die schamlos keine Verhüllung ihrer Genitalien trugen, verkaufte er auf dem Markt der Tochter Uemacs grünen Pfeffer. Darauf hin

wird sie krank, schwillt ganz un gar an [54]

und es gelüstete ihr.

Die Suche nach dem Täter aber blieb erfolglos, doch dann erschien er wieder auf dem Markt und wurde zum König gebracht. Er schlief mit seiner Tochter wurde so zum Schwiegersohn des Königs.

Doch diese Schande führte zu Klatsch und Tratsch unter den Tolteken, so, dass der König beschloss seinen Schwiegersohn in den Rücken zu fallen und einen Krieg anzuzetteln, in dessen Verlauf sein Schwiegersohn der Huaxteke und die

Zwerge und Missgestalteten

in der Erde vergraben worden. [55]

Doch bereiteten sie von dort aus einen Gegenschlag vor, indem der Huaxteke sprach:

„Laßt euren Mut nicht sinken! Versaget nicht!
Ich weiß schon (was geschehen soll),
ihr werdet alle zu Gefangenen machen.
In irgendeiner Weise werden wir sie alle töten.
Und als ihre Feinde gegen sie sich erhoben,
gegen sie ansprangen,
da erhoben sie sich mit ihnen,
traten sie nieder, töteten sie, richteten sie zugrunde, vernichteten sie,
sehr viele, nicht bloß eine Handvoll töteten sie
von ihren Feinden.“ [56]

Aus der Angst vor der Rache seines Schwiegersohns versöhnte er sich mit diesem dann und sagte ihm, nun sei er es Würdig, sein Schwiegersohn sein zu dürfen.

Doch war das Unglück für die Tolteken damit noch nicht zu Ende.

Der Huaxteke stimmte ein großes Fest an, in dessen Verlauf die Tolteken ausgiebig feierten und sangen und sich dabei so bedrängten, dass sie massenhaft die Schlucht hinab stürzten und sich zu Stein verwandelten. Dann zerbrach er die Brücke und noch mehr Tolteken stürzten hinab ins Wasser und wurden zu Stein.

Danach saß er wieder unter anderem Namen auf dem Markt und ließ eine Figur tanzen. Die Tolteken drängten sich so dicht um ihn herum, dass sie sich gegenseitig zerstrampelten und es wieder zu vielen Toten kam. Daraufhin töteten sie den Zauberer, doch diese begann erbärmlich zu stinken

und wo der Wind den Gestank hinwehte, da starb das Volk davon.[57]

Daraufhin ließ sich der Zauberer eine neue List einfallen und stachelte die Menschen in neuer Gestalt dazu an, den Leichnam fortschaffen zu müssen, bevor noch mehr sterben müssten. Doch anstatt, dass das herbeigeeilte Volk den Körper bewegen konnten, kam es zu weiteren Unfällen und Toten und erst als sie zu Gesängen ansetzten, konnten sie den stinkenden Leichnam fortschaffen.

Doch der Zauberer hatte noch nicht genug und schickte weitere böse Vorzeichen über Tollan, ein weißer Vogel (eine Weihe, das ist eine Habichtart) von einem Speer durchbohrt flog über den Himmel, ein Grasberg brannte die ganze Nacht und das angedeutete Unglück traf tatsächlich ein:

„Man sagt, es fiel ein Steinregen über die Tolteken,
und nachdem es Steine geregnet hatte,
kam vom Himmel ein Opferstein herab.“[58]

Doch auch damit war der Mater für die Tolteken nicht genug und der Dämon machte den Mais bitter, so, dass die Tolteken ihn nicht mehr aßen. Doch al Frau verkleidet röstete er den Mais und der Geruch überzog die ganze Welt.

Da dieser den Tolteken angenehm erschien, eilten sie alle herbei und wurden dann von dem Dämon getötet.

Mit dem 12. Kapitel setzt auch die 1989er Übersetzung wieder ein. Hier wird dann geschildert, wie Quetzalcoatl aufgrund des ganzen geschehenen Unglücks beschloss, seine Stadt zu verlassen, verbarg und zerstörte seine Schätze und machte sich auf den Weg. Unterwegs hinterließe er an verschiedenen Orten unbeabsichtigte Spuren, wie zum Beispiel seine Tränen, die er aus Trauer seine Heimat verlassen zu haben vergoss, Löcher in Steine schlugen oder sein Handrücken, der in einem anderen Stein einen Abdruck hinterließ, als hätte er sich auf Töpferton gelehnt. [59]

Im Folgenden traf er immer wieder auf Dämonen, die ihn auf seiner Weiterreise nach Tlapalan, wo er sein Schicksal zu erfahren hoffte, hinderten und er ihnen einmal seine Kunsthandwerke überließ und er in einem anderen Fall durch einen Trank ohnmächtig wurde. Nach diesen Erfahrungen benannte er die jeweiligen Orte.

Die Geschichte um Quetzalcoatl endet, nachdem er erst die Berge bestieg, wo seine Begleiter, die Zwerge und Buckligen erfroren, ans Meer gelangte und dort:

„…macht er die Schlangenbahre. Nachdem man sie fertiggestellt, setzt er sich darauf, und das galt nun gleichsam als sein Schiff. Darauf ging er, wurde auf dem Wasser fortgeführt, und niemand weiß mehr, wie er nach Tlapalan gelangte.“[60]

Auch von den Maya sind einige Aussagen über Kukulkan (=Quetzalcoatl) erhalten geblieben. Bischof Diego de Landa missionierte im 16. Jahrhundert die Maya in Yucatán (mit äußerst brutalen Mitteln) und erhielt von ihnen einige interessante Berichte über Leben und Kultur der Maya Yucatans. So soll Kukulkan zusammen mit den Yzaes (den Itzás, einem toltekischen Stamm) aus dem Westen gekommen sein und in Chi chén Itza geherrscht haben. Nachdem er nach Mexiko zurückkehrte, sei er von der dortigen Bevölkerung als Gott verehrt worden und Cezalcuatlgenannt worden, so wie man ihn auch in Yucatan später für einen Gott hielt, weil er ein großer Staatsmann gewesen sei. [61]

An anderer Stelle, an der es um das rituelle Kalenderwesen der Maya geht, berichtet Landa:

„Es ist schon berichtet worden, daß Cuculcán aus Yukatan fortging; und danach erklärten einige Indios, er sei in den Himmel aufgefahren; darum hielten sie ihn für einen Gott und bestimmten ihm einen Tempel (…)“[62]

Der Verdacht kann hier nicht Ausbleiben, dass in dieser Schilderung bereits christliche Einflüsse mitspielen und es hier eine nicht zufällige Analogie zu der Himmelfahrt von Jesus gibt.

Eduard Seler berichtet außerdem, im 16. Jahrhundert wäre aus dem yukatekischen Dorf Mutul überliefert worden, Kukulkan sei von außerhalb des Landes samt Gefolge gekommen, hätte über das Land geherrscht und den Götzendienst, sowie die Opferbräuche eingeführt. [63]

Die Herabkunft Kukulkans aus dem Himmel ist tatsächlich zwar im Glaubensschatz der Maya zu finden, eine etwaige konkrete Deutung im Sinne eines möglichen Außerirdischen Besuchers kann ich mich allerdings nicht anschließen. Zum einen, weil die sonstigen Attribute Kukulkans/Quetzalcoatls völlig an einer solchen Auslegung vorüber gehen, zum anderen, weil diese Rückkehr eindeutig im regelmäßigen Kontext des Kalenders zu verstehen ist:

„Es scheint demnach, dass wir zwei Jahresanfänge anzunehmen haben, von denen einer in das Ende der trockenen, der andere in das Ende der nassen Jahreszeit fiele. In dem einen kam der Quetzalcouatl-Kukulcan vom Himmel herab. Und in dem anderen, so werden wir annehmen müssen, der Cit chac coh der Yukateken herabgestiegen sein.“ [64]

An dieser Stelle fehlt tatsächlich jede Grundlage, etwas anderes anzunehmen, als eine kultische Kalenderzuordnung Kukulkans im Zuge des Jahreswechsels.

Die von Erich von Däniken häufig erwähnte, erstaunliche Eigenschaft der Kukulkan-Pyramide in Chi chén Itza unterstützt diese Deutung zusätzlich. Die Pyramide ist so konstruiert und ausgerichtet, dass sich jedes Jahr am 21. März und am 21. September ein tolles Schattenspiel offenbart, bei dem scheinbar eine Schlange aus Schatten die Stufen der Pyramide hinab, bzw. wieder hinaus zu kriechen scheint. [65]

Weiter unten wird die Kukulkan-Pyramide noch einmal aufgegriffen werden.

Im Popol Vuh der Quiché-Maya aus dem guatemaltekischen Hochland, einer Sammlung mythologischer Texte, finden wir auch Beschreibungen Kukulkans, der dort unter dem Namen Qukumac auftaucht.

Das Popol Vuh, Das Buch des Rates geht auf alte Aufzeichnungen der Maya zurück. Die Königslisten der Quiché darin gehen bis in das Jahr 1550. Der Geistliche Francisco Ximénez kopierte zu Beginn des 18. Jahrhunderts den Text und fertigte eine spanische Übersetzung an. [66]

In wiefern das Buch noch tatsächlich Originalgetreu den vorspanischen Zeiten entspricht lässt sich schwer sagen, denn es ist zumindest in der Zeit nach der Eroberung Mexikos aktualisiert worden, wie die Königslisten zeigen, in wiefern also auch schon die neuen kulturellen und religiösen Einflüsse mit eingingen, muss offen bleiben. Qukumac taucht hier als einer der Schöpfer der Welt auf, es heißt, Es hätte nichts gegeben, als das Meer und den Himmelsraum:

„Es gab nichts Seiendes. Ruhe, Schweigen herrschte allein in der Finsternis der Nacht.

Nur Caqol, Bitol, Qukumac, die Gebärerinnen, die Erzeuger waren im Wasser aufleuchtend. Sie waren umhüllt mit grünblauen Federn. Darum ist sein Name Qukumac.“ [67]

Gemeinsam schufen sie Erde und Leben. Es folgt eine Geschichte der Menschheit, die geprägt ist von Schöpfung und Vernichtung, bis sich die Stämme herausbilden, darunter die Quiché. In der 5. Menschengenerationnach der Schöpfung, dem Anfange des Lichts, dem Anfange des Volkes, des Lebens [68] wird Qukumac neben Kotuha als einer der Könige der Quiché genannt.

Der Name taucht aber auch als Fürstentitel (Ah Qukumac) auf [69] und wird als wunderbarer König geschildert, von dem es heißt:

Je 7 Nächte stieg er in den Himmel, und je 7 Nächte machte er den Weg, nach Sibalba hinab zu steigen. Je 7 Nächte verwandelte er sich in eine Schlange und ward wirklich eine Schlange. Und wieder je 7 Nächte machte er sich zu einem Adler, je 7 Nächte auch zu einem Jaguar. Und für wahr, seine Gestalt war die eines Adlers und eines Jaguars. Und wieder je 7 Nächte ward er geronnenes Blut, nur geronnenes Blut ward er.“ [70]

Der große König Qukumac hatte sogar Nachkommen, die ebenfalls Könige wurden und so weiter… Ansonsten existieren keinerlei mythologische Bezüge, die selbst als Analogieschluss Quetzalcoatl in Verbindung mit fliegenden Apparaten bringen. Solche Bezüge sind lediglich von der Prä-Astronautik konstruiert, doch real nicht vorhanden. Auch wenn Erich von Däniken auch in seinem aktuellen Versucht, gerade solche Bezüge herzustellen und dabei auch das Popol Vuh heranzieht und den Schöpfungspart nicht zitiert, sondern wiedergibt, dies allerdings mit den eigenen Worten:

„Beschrieben wird, dass der Herr >>Quetzal-Schlange<< Kinder zeugte, leuchtend herniederstieg, bedekt mit Federn des Quetzal, deshalb nenne man ihn >>Quetzal-Schlange<<. >>Quetzal-Schlange<< sei aus der Schwärze des Himmels gekommen…etc.“ [71]

Wie wenig Dänikens Darstellung im Kontext dem tatsächlichen Textinhalt entspricht dürfte deutlich geworden sein. Offensichtlich wird hier von Seiten der Prä-Astronautiker versucht etwas zu konstruieren, das in Wahrheit nie existiert hat, einen Raumfahrer namens Quetzalcoatl.

Dieser Irrtum beruht vermutlich weniger auf Bösartigkeit, sondern ist ein Problem der grundsätzlichen Deutungsmethodik in der Prä-Astronautik, die häufig eine sehr selektive Auswahl der Textstellen in Verbindung mit der deduktiven Vorannahme technischer Aspekte vornimmt und somit leider in vielen Fällen am Thema vorbei schrammt.

Doch im Folgenden soll noch ein Blick auf die archäologischen Befunde geworfen werden und ein Versuch einer Bestimmung der Herkunft Quetzalcoatls.

3.2 Die archäologischen Befunde

In verschiedenen Büchern Erich von Dänikens findet sich immer wieder die Abbildung einer Toltekischen Stele, auf der im oberen Teil eine in Flammen hernieder steigende Gestalt zu sehen ist, die einem Reptilienmaul zu entspringen scheint. Däniken verweist auf diese Abbildung zum Beispiel in seinem umstrittenen Buch „Aussaat und Kosmos“ im Kontext mit Reptilien- und Drachendarstellungen, die seiner Meinung nach als Synonyme für Raumfahrzeuge stehen. [72] Auch in seinem bis dato neuesten Buch wird diese Darstellung abgedruckt. [73]

Toltekische Stele im Völkerkundemuseum in Berlin

Toltekische Stele im Völkerkundemuseum in Berlin

Abbildung Nr. 2. und 3.) Toltekische Stele im Völkerkundemuseum in Berlin (Foto: André Kramer)

Haben wir hier also doch einen Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Quetzalcoatl und Außerirdischen? Lässt sich die Abbildung assoziativ in die Richtung deuten, dass die außerirdischen Götter hier in Flammen (Triebwerkstrahl?) in einem Fahrzeug zur Erde hernieder steigen?

Wie so häufig, würde eine so einfach gestrickte Assoziation der Abbildung nicht gerecht werden, blendet sie schließlich große Teile des Bildes aus, um die Deutung zu legitimieren. Wir müssen also die Stele im Ganzen betrachten und dürfen den kulturellen Kontext nicht außer Acht lassen. So stehen die Flammen augenscheinlich mit einem Sonnensymbol unter der herabstürzenden Figur in Zusammenhang. Und was stellt die Figur unten dar, die mit in die Luft erhobener Hand da steht?

Diese Gestalt, die von Däniken auch schon als Alien in typischem Raumfahreranzug gedeutet wurde, [74] soll einen Ballspieler in seiner Schutzkleidung darstellen, wie wir sie auch von heute noch rezenten Ballspielern in Mittelamerika her kennen. [75]

An der Darstellung erkennt man sehr schön Kopf-, Hüft- und Armschutz, außerdem hält der Spieler einem höheren Wesen am Himmel einen Kopf entgegen. Man geht heute davon aus, dass bei rituellen Spielen die Verlierer tatsächlich geköpft wurden, worauf auch steinerne Regale am Rand der Spielfelder hinweisen, auf denen einst die Köpfe ausgestellt wurden. [76]

Das mit dem ganzen Körper und einem Gummiball gespielte Ballspiel (ulama) genoss bei den Kulturen Mittelamerikas einen hohen Stellenwert und war rituell angelegt.

Der rituelle Zusammenhang der Abbildung auf der Stele weist dadurch deutlich darauf hin, dass es sich um eine religiös motivierte symbolische Darstellung handelt, nicht um die Darstellung eines konkreten Ereignisses, wie die Interpretation von Däniken suggeriert.

So scheint die angeblich in Flammen hernieder steigende Figur in Wirklichkeit nach oben in den geöffneten Schlangenrachen gezogen zu werden. Diese Deutung ergibt sich aus dem schon gesagten, nämlich der Tatsache, dass der Verlierer des Ballspiels geopfert wird. Ein weiteres Indiz hierfür liefert uns auch Stenzel, so berichteten zeitgenössische Chronisten, der Haupttempel Tenochtitlans hätte einen Eingang in Form eines geöffneten Schlangenmauls gehabt und aus dem Inneren drang der Gestank vom blut der Geopferten. Weiter schreibt er, dass eine Abbildung im Codex Vaticanus B eine Federschlange zeigen würde, die gerade einen Menschen verschlingt. [77]

Wie plausibel erscheint da noch eine andere Deutung?

Die Thesen, hinter Quetzalcoatl einen Weißen zu sehen, einen frühen Besucher aus Europa zerbrechen bereits an der der obigen Analyse bezüglich der angeblichen Götterverwechslung Quetzalcoatl/Cortés.

Diese Ideen weisen häufig einen rassistischen, eurozentrierten Einschlag auf, werden doch die angeblich erschienen und als Götter verehrten Weißen immer wieder zu den großen Kulturbringern stilisierten, die die altamerikanischen Völker erst in all dem unterrichteten, was sie später zu den uns bekannten Hochkulturen machte. Homoré etwa schreibt in der Einleitung zu seinem Buch:

„In grauer Vorzeit sind an den Küsten der Neuen Welt einst weiße, bärtige Männer gelandet. Sie sind zu den Indios gekommen und haben ihnen alle Wissenschaft und Technik, weise Gesetze und alle Kultur gebracht.“ [78]

Die Indizien auf denen sich solcherlei Annahmen stützen, sind ziemlich dürftig. In der Hauptsache, ist es der lange Bart der im Kodex Florentino beschrieben wird, der hier als wichtiger „Beweis“ gewertet wird, da die Indianer ja keine Bärte tragen würden.

Wie wir bereits gesehen haben, ist dies (von der Tatsache einmal abgesehen, dass auch die Ureinwohner Amerikas einen, wenn auch nur spärlichen Bartwuchs haben) eher auf die spätere Verwässerung des mexikanischen Mythenschatzes zurück zu führen und wird lediglich im Florentiner Kodex erwähnt.

Die weiteren Indizien sind häufig so vage und in ihrer Deutung austauschbar, dass sie keinerlei Beweiswert haben. Zillmer zum Beispiel deutet die Beschreibungen des Kopfschmucks Quetzalcoatls mit dem Helm einer Odindarstellung und die Kleidung Quetzalcoatls wahlweise mit den Gewändern der Druiden oder auch der späteren Templer. Sogar die Sprache der Azteken und Maya wird plötzlich zu einem „Althochdeutsch“. [79]

Es lohnt sich eigentlich gar nicht, auf alle vorgebrachten Einzelaspekte dieser Thesengebilde einzugehen, da sie alle schon allein daran scheitern, dass die kulturellen Ausprägungen in der neuen Welt völlig anders geartet waren, als diejenigen in Europa.

Wenn die Europäer tatsächlich die „Kulturbringer“ gewesen sein sollen, dann wäre doch zu erwarten, dass die Ausprägungen der Kultur auf beiden Seiten des Globus ähnlich gewesen sein müssen. Genau das ist aber eben nicht der Fall. Im Gegenteil, was die Europäer im 16. Jahrhundert antrafen, waren Hochkulturen, die auf völlig anderem Wege zu ihrer kulturellen Ausprägung gelangten, als diese.

Das Zahlensystem etwa war ein völlig anderes. Unser Zahlensystem basiert auf der Grundlage der Zehn Finger, das Dezimalsystem. Die Völker Mittelamerikas aber verwendeten als „Basis“ die 20, ein so genannten Vigesimalsystem. [80] Auch ist das Kalenderwesen „der neuen Welt“ ein völlig eigenes. Die Maya verwendeten 2 Kalender, der rituelle Kalender (Tzolkin) war auf 260 Tage angelegt und wurde durch Die Kombination von 20 Tagesnamen und 13 Tageszahlen vollendet (also 13 x 20). Zusätzlich fand ein ziviler Kalender Anwendung, der sich auf 18 langen Monaten von 20 Tagen Dauer und einem kurzen 5 Tage-Monat zusammensetzte (=365 Tage).

Die Maya datierten ihre Zeitrechnung mit den Angaben beider Kalender und diese Kombination ergab einen neuen Zyklus, die so genannte große Kalenderrunde. Durch die unterschiedlichen Längen der beiden Kalender betrug ein solcher Zyklus (die Kalenderrunde) 52 Sonnenjahre. [81]

Bautechnisch sieht es ähnlich aus. In ganz Europa kennen wir keinerlei Bauten, die den Tempeln und Stufenpyramiden des prä-kolumbianischen Amerikas ähneln würden. Nicht einmal das Rad fand praktische Verwendung.

Die Fremdartigkeit der aztekischen Architektur wird auch durch Castillos Worte deutlich, als die Spanier zum ersten Mal Tenochtitlan von der Ferne aus erblickten:

„Wir waren baß erstaunt über dieses Zauberreich, das fast so unwirklich erschien wie die Paläste in dem Ritterbuch des Amadis. Hoch und stolz ragten die festgemauerten, steinernen Türme, Tempel und Häuser mitten aus dem Wasser. Einige unserer Männer meinten, das seien alles nur Traumgesichte.“ [82]

Es wäre doch schon ziemlich erstaunlich, anzunehmen, die „Kulturbringer“ würden daheim bezüglich des Bauwesens weniger zustande bringen, als in der „Kolonie“, und das auch noch unter Verzicht des in der Heimat alt bewehrten Hilfsmittels durch das Rad.

Sicherlich lässt sich nicht ausschließen, dass es bereits vor Kolumbus Reisende aus der alten Welt gab, die es nach Amerika verschlug, so wie es bei den Wikinger ja bereits nachgewiesen ist, dass sie bereits lange vor Kolumbus Amerika von Grönland aus erreichten, die kleinen gegründeten Siedlungen sich aber nicht halten konnten. [83]

Die meisten anderen vorgebrachten Indizien der Vertreter ausgiebiger Kontakte nach Amerika in vorkolumbianischen Zeiten entpuppen sich in der Regel als Luftschlösser, wie ich an folgendem Beispiel veranschaulichen möchte.

Hans-Joachim Zillmer weist auf die erstaunliche Tatsache hin, dass sich im St. Petri Dom zu Schleswig, in einem Flügel des Schwahl (Plattdeutsch/Dänisch = sval – überdachter Gang) Fresken befinden, die Truthähne zeigen. Diese Fresken sollen aus dem 13. Jahrhundert stammen und somit einen Beweis dafür darstellen, dass die Wikinger des in unmittelbarer Nähe zu Schleswig gelegenen Haithabu bereits lange vor Kolumbus in Amerika waren und dort Truthähne (die nur in Amerika vorkommen) mitbrachten, zumindest aber sahen.

St. Petri Dom zu Schleswig von der Schlei gesehen

Truthahndarstellungen unter dem Fries Kindermord

Detaildarstellung eines der Truthähne

Abbildung Nr. 4 bis 6.) St. Petri Dom zu Schleswig von der Schlei gesehen, die Truthahndarstellungen unter dem Fries Kindermord und Detaildarstellung eines der Truthähne (Fotos: André Kramer)

Zillmer weist darauf hin, dass es zwar den Vorwurf der Fälschung durch den Maler August Olbers gibt, der im Dom 1894 Restaurierungsmaßnahmen vornahm, doch Bezug nehmend auf die Aussagen des Kunsthistorikers Stange von 1940 behauptet Zillmer aber, dass diese Darstellungen doch „echt“ sind und nicht später hinzugefügt wurden. [84]

Was Zillmer hierbei vergisst ist der Umstand, dass dieses Urteil aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt, die diese Darstellungen für sich ausschlachteten und als Hinweis für die Entdeckungen der Arier werteten, wie Joachim Thieme-Hachmann auf einem Vortrag zu den gefälschten Fresken in Schleswig betonte. [85]

Ein weiterer Befürworter der Echtheit war Lothar Malskat, der berühmte Fälscher von Fresken in der Lübecker Marienkirche, der seine Aussage später (1952) widerrief und zugab, sogar noch weitere Truthähne hinzugefügt zu haben. [86]

Am Ende bleibt also von den Truthähne in Schleswig nicht viel übrig, außer, dass es sich um moderne und politisch missbrauchte Fälschungen handelt, die leider auch heute noch von unkritischen Autoren für ihre Thesen verwendet werden.

Einen kulturellen Einfluss, gar als Entwicklungshelfer durch mögliche frühe „Besucher“ aus Europa oder Asien aber, können wir nach derzeitigem Stand mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen.

Kommen wir also wieder auf die Frage zurück, um wen es sich bei Quetzalcoatl handelte.

Seler kommt zu dem Schluss, dass Quetzalcoatl/Kukulkan tatsächlich ein Fremdherrscher gewesen ist, der aus Mexiko in Yucatan einwanderte und den Maya einige Aspekte mexikanischer Kultur brachte, einen Einfluss, den Seler zum Beispiel auch in den Tempeln Chi chén Itzas erkennen will. [87]

Als ein Indiz wertet er auch:

“ (…) dass aber Quetzalcoatl zwar überall in mexikanischen Landen bekannt ist, im Gebiet der Maya-Völker aber nur da, wo die Mexikaner ihren Fuss hingesetzt haben, oder wo die Mexikaner unmittelbare Nachbarn waren.“ [88]

Und tatsächlich, Chi chén Itza etwa weist eindeutige Einflüsse mexikanischen Kulturgutes auf. Wie es scheint, wanderten die Tolteken in Yucatan ein, und so kam es zu einer maya-toltekischen Renaissance [89], bei der sich die verschiedenen Baustile vermischten.

Zu den sichtbaren Spuren dieser Amalgambauten zählt auch die schon erwähnte Kukulkan-Pyramide mit ihrem beeindruckenden Schattenspiel.

Die Pyramide weist eine quadratische Grundfläche auf, mit Kantenlängen von 55 Metern und einer Höhe von 30 Metern. Die obere Plattform endet in einem Tempelaufbau, von dem auf allen Seiten der Pyramide Treppen hinab verlaufen, die am Boden seitlich von aufgerissenen Schlangenrachen gesäumt werden. Diese Schlangenköpfe sind es auch, in denen der Schatten des Kukulkan zu den Sonnenwenden ausläuft und so den Eindruck einer Schlange komplettiert.

Damit stellt diese Pyramide das den Besucher wahrscheinlich am meisten beeindruckende sichtbare Symbol der Verehrung Kukulkans in Yucatan dar.

Um aber wieder auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen, wer Quetzalcoatl denn nun eigentlich war, müsste an dieser Stelle geklärt werden, wann denn der toltekische Einfluss in Yucatan begann, da wir diese als Urheber der Kukulkan-Verehrung in diesem Gebiet annehmen können.

Gegen Ende des 8. Jahrhunderts n. Chr. neigte sich die klassische Epoche der Maya dem Ende. Die großen Städte im Süden, wie Copal oder Palenque waren untergegangen, die großen Maya-Dynastien nur noch ein Schatten ihrer einstigen Macht.

Doch im Norden, auf Yucatan, da begann die glorreiche Zeit der Maya gerade erst. Die Itzá, ein toltekischer Stamm, wanderten im 10. Jahrhundert in Yucatan ein, zu Beginn lediglich Handel treibend und kleine Siedlungen gründend die Küste entlang, breiteten sie sich im Laufe der Zeit weiter ins Landesinnere aus. [90]

Dann siedelten sie an einem Ort, der später als Chi chén Itza bekannt wurde und hier im Rahmen des Kukulkanglaubens bereits zur Sprache kam. Erst nach der Einwanderung der Itzá tauchten hier die Stilelemente und religiösen Bauwerke auf, die wir mit Kukulkan in Verbindung bringen, wie etwa die Kukulkanpyramide.

Damit können wir festhalten, dass Kukulkan-Quetzalcoatl spätestens im 10. Jahrhundert nach Christus gelebt haben kann.

Schwer zu beantworten ist die Frage, ob dieser später als Gott verehrte, mythische König tatsächlich über Chi chén Itza herrschte. Archäologische Beweise hierfür gibt es zumindest bislang keine. [91]

Es wäre durchaus anzunehmen, dass der reale Kukulkan viel früher in Tula herrschte, die Mayalegenden würden dann aus zwei Aspekten resultieren, zum einen aus den neu eingeführten religiösen Ansichten und dann aus der Wandergeschichte der Itzá und dass so durch eine Vermengung dieser Aspekte ein Konglomerat entstand, aus dem die Legende vom Gottherrscher Kukulkan in Yucatan wurde.

Definitive Antworten bezüglich der Identität Quetzalcoatls lassen sich also nicht machen, anhand der uns zur Verfügung stehenden Quellen lässt sich allerdings feststellen, dass hier ursprünglich ein Mensch, ein Herrscher gemeint war, der erst im Zuge einer späteren Mythologisierung den Status eines Gottes bekam und so zum Gegenstand der Verehrung wurde.

4. Zusammenfassung

Am Ende dieser Untersuchung lässt sich also festhalten, dass es sich bei der Geschichte, Cortés wäre von den Azteken für den wiedergekehrten weißen und bärtigen Gott Quetzalcoatl gehalten worden aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Legende handelt, dessen Bestandteile einer näheren Betrachtung nicht standhalten, bzw. nicht schlüssig genug sind, um eine solche These weiter aufrecht zu erhalten.

Über dies hinaus haben sich auch exotische Ansichten über die Identität dieser Gottheit als unhaltbar erwiesen. Sowohl die These, Quetzalcoatl wäre ein vorspanischer europäischer Besucher gewesen, der den Indianern die Kultur brachte und dafür als Gott verehrt wurde, als auch die Meinung hinter dieser Gottheit könnte sich ein außerirdischer Raumfahrer verbergen werden durch die Analyse der erhaltenen schriftlichen Hinterlassenschaften, wie auch der archäologischen Funde unhaltbar.

Vielmehr zeigt sich ein differenziertes Bild, sowohl bezogen auf die Eroberung Mexikos, die die Spanier wohl vor allem dem Überraschungs- und Fremdheitseffekt, ihren überlegenen Waffen und als wichtigsten Punkt wohl auch der Gerissenheit von Hernan Cortés verdanken, der die herrschenden Machtverhältnisse schnell durchschaute und die Parteien geschickt gegeneinander ausspielte, als auch in Hinsicht auf die Entwicklung des Quetzalcoatl-Mythos selbst, der durch einige Ambivalenzen auffällt, die aber vor allem durch die Einflüsse der Zeit nach der Ankunft der Spanier zu erklären sind.

Die Prä-Astronautik, so lässt sich feststellen, muss dringend ihre grundsätzliche Methodik ändern, mehr Aufwand bei der Überprüfung ihrer Fälle machen und sich einer tatsächlich wissenschaftlichen Arbeitsweise annähern, soll die grundsätzlich interessante Idee, dass sich hypothetische Besuche Außerirdischer im Kulturgut der Völker erhalten haben, ernsthaft überprüft werden.

Fußnoten

[1] Vgl. z.B. Leon-Portilla; Heuer 1986, S. 122, Madariaga 1956, S. 92 ff., Jones; Molyneaux 2002, S 132 f. u.a.
[2] Vgl. Däniken 1992, S. 13 ff.
[3] Vgl. Kramer 2009
[4] Vgl. Honoré 1965, S. 11 ff. und Zillmer 2004, S. 241 ff. (auf dessen absurde Argumentation an anderer Stelle noch eingegangen wird, wenn es um die Frage geht, wer denn nun Quetzalcoatl gewesen ist)
[5] Vgl. Stenzel 1980, S. 86
[6] Vgl. Madariaga 1956, S. 50 ff.
[7] Castillo 1965, S. 27
[8] Vgl. Castillo 1965, S. 28 ff.
[9] Hartau 1994, S. 21
[10] Castillo 1965, S. 37
[11] Vgl. Hartau 1994, S. 21
[12] Vgl. Seler 1926/1927, Vorwort S. 1
[13] Vgl. Portilla; Heuer 1986, S. 11
[14] Vgl. Ceram 1957, S. 284 f.
[15] Vgl. Sahagún 1989, S. 244 f.
[16] a.a.O. S. 245
[17] Castillo 1965, S. 63
[18] Vgl. Hartau 1994, S. 25
[19] Vgl. Leon-Portilla; Heuer 1986, S. 22
[20] Castillo 1965, S. 90
[21] . Leon-Portilla; Heuer 1986, S. 246
[22] a.a.O., S. 103
[23] a.a.O., S. 105
[24] Vgl. Hinz (o. J.) http://www.caiman.de/10_06/art_2/index.shtml gesichtet am 03.12.2009
[25] Vgl. Hartau 1994, S. 39
[26] Bernadino 1989, S. 249
[27] Vgl. a. a. O., S. 252
[28] Castillo 1965, S. 107
[29] a.a.O. S. 109
[30] Cortés 1980, S. 9
[31] Castillo 1965, S. 117
[32] a.a.O., S. 122
[33] Vgl. Davies (o. J.), S. 42
[34] Cortés 1980, S. 59
[35] Vgl. Stenzel 1980, S. 9 ff.
[36] Castillo 1965, S. 244
[37] a.a.O., S. 248 f.
[38] a.a.O., S. 353
[39] Davies (o. J.), S. 236
[40] Vgl. Bernadino. 1989, S. 243 f.
[41] Bernadino 1989, S. 244
[42] Hartau 1994, S. 67
[43] Vgl. Hinz (o. J.) http://www.caiman.de/10_06/art_2/index.shtml gesichtet am 03.12.2009
[44] Cortés 1980, S. 60 f.
[45] Vgl. Kramer 2009, S. 30
[46] Vgl. Däniken (o. J.) an verschiedenen Stellen; Fiebag
[47] Vgl. Lurker 1989, S. 228 f.
[48] Nicholsen 1967, S. 82
[49] Vgl. Lurker 1989, S. 340 f.
[50] Sahagún 1989, S. 60
[51] Vgl. Seler; Lehmann; Krickeberg 1926/1927, S. 268
[52] a.a.O. S. 61. Bei Seler; Lehmann; Krickeberg 1926/27, S. 268 heißt es stattdessen „ohne menschliche Züge“
[53] Vgl. Sahagún 1989, S. 63
[54] Seler; Lehmann; Krickeberg 1926/1927, S. 274
[55] Vgl. a.a.O. S. 277
[56] a.a.O. S. 278
[57] a.a.O. S. 282
[58] a.a.O., S. 284
[59] Vgl. Sahagún 1989, S. 64
[60] a.a.O., S. 66
[61] Vgl. Landa 1990, S. 19
[62] a.a.O. S. 125
[63] Vgl. Seler 1960, S. 675
[64] Seler 1960, S. 703
[65] Vgl. Däniken1993, S. 76
[66] Vgl. Schele; Freidel 1995, S. 509
[67] (o. A.) 2004, S. 7
[68] a.a.O. S. 115
[69] Vgl. a.a.O. S. 116
[70] a.a.O. S. 117
[71] Däniken 2009, S. 106
[72] Vgl. Däniken 1972, S. 115 ff.
[73] Vgl. Däniken 2009, S. 118
[74] Vgl. Däniken 1969, S. 31
[75] Vgl. Eisleb (1987), 016b
[76] Vgl. Popson 2004, S. 20
[77] Vgl. Stenzel 1980, S. 13 f.
[78] Homoré 1965, S. 11
[79] Vgl. Zillmer 2004, S. 241 ff.
[80] Vgl. Longhena, Wiesbaden 2003 S. 64
[81] Vgl. a.a.O. S. 98 f.
[82] Castillo 1965, S. 237
[83] Vgl. Oxenstierna 2003, S. 221 ff.
[84] Vgl. Zillmer 2004, S 216 f.
[85] Vgl. Thieme-Hachmann 2009
[86] Vgl. Hlawitschka-Roth 2009, http://www.planet-wissen.de/kultur_medien/sammeln/sammlerwissen/sammlerwissen_kunstfaelscher.jsp, gesichtet am 13.12.2009
[87] Vgl. Seler 1960, S. 675
[88] a.a.O., S. 696
[89] Stierlin 2001, S. 186
[90] Vgl. Schele; Freidel 1995, S. 406
[91] Vgl. a.a.O. S. 431

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