Die vorgeblichen Pyramiden von Bosnien, Dänemark und Österreich sind nicht die einzige sensationelle „Entdeckung“ von vorgeschichtlichen Pyramiden, die in den letzten Jahren von Hobbyforschern in Europa gemacht wurden. Es gibt allerdings auch eine große Zahl echter – selbst antiker und prähistorischer – Pyramiden auf unserem Kontinent.

Unter der stetig wachsenden Zahl von angeblichen Pyramiden, die von der archäologischen Wissenschaft nicht anerkannt sind, sind die wichtigsten:

* Hier in Deutschland die von Walter Haug entdeckten Pyramidengruppen von Sternenfels und Schmie nahe Maulbronn, Baden-Württemberg. (http://efodon.de/html/archiv/vorgeschichte/andere/SY38%20Haug-Pyramiden.pdf)

* Die von Thor Heyerdahl entdeckte Stufenpyramide Cirumeddi bei Pietraperzia, nahe Enna, Sizilien, die den mittlerweile als neuzeitlich erwiesenen kanarischen Pyramiden gleicht. (http://www.hotel-sicily.it/it/archeologia-3.html)

* Die Stufenpyramiden bei Icod de los Vinos und Güimar auf Teneriffa. (Harald Braem: Die Geheimnisse der Pyramiden. Heyne, München 1994) Archäologen halten sie nach ausführlichen >Ausgrabungen (deren Ergebnisse im entsprechenden Wikipedia-Artikel dokumentiert sind) für landwirtschaftliche Terrassen aus dem 19. Jahrhundert.

* In Italien heiß diskutiert werden die „Pyramiden von Montevecchia“ am Comer See. Sie sollen in ihrer Anordnung den Pyramiden von Gizeh gleichen. Archäologen halten sie für eiszeitliche Moränenhügel, die im Mittelalter für den Ackerbau terrassiert wurden. Ihr „Entdecker“ hat auch ein Buch geschrieben, Vincenzo Di Gregorio: Il mistero delle piramidi lombarde. Fermento 2009.

Neben diesen umstrittenen Funden gibt es jedoch auch wissenschaftlich bestätigte, von Archäologen und Historikern anerkannte Pyramiden in Europa:

Prähistorisch

* Im Nordwesten Sardiniens liegt in der Nähe von Porto Torres die Stufenpyramide von Monte d’Accudi. Der Bau ähnelt einer mesopotamischen Stufenpyramide, er weist sieben Stufen mit einem breiten, rampenartigen Zugang auf. Auf der oberen Plattform stand, wie bei den Pyramiden Mittelamerikas, ein Tempel. Das Gebäude ist aus großen Felsblöcken errichtet und von Dolmen, Menhiren und Hypogäen umgeben. Die Anlage wurde in mehreren Phasen zwischen 3200 und 2700 v. Chr. errichtet. In Europa ist das Bauwerk bislang einzigartig, es war wohl zuerst ein Freilichtaltar, der in folgenden Bauphasen immer monumentaler gestaltet wurde. (Ercole Contu: L’Altare preistorico di Monte d’Accudi. Sardegna Archeologica 29, Delfino, Sassari 2000)

* Bekannt ist der Hügel von Silbury Hill in Wiltshire, England. Heute grasüberwachsen, war er zur Zeit seiner Erbauung – etwa 2700 v.Chr. – eine aus Kalkblöcken errichtete, runde Stufenpyramide. Silbury Hill ist 40 m hoch und misst an der Gipfelplattform 30 m im Durchmesser.

* Auf dem Gelände des Marlborough College in Marlborough, Wiltshire, steht eine kleinere, nur 19 m hohe Version des Silbury Hill. Erst 2011 fanden Archäologen heraus, dass die Erdpyramide ebenfalls aus der Jungsteinzeit stammt und um 2400 v. Chr. errichtet wurde. (Fortean Times 278, 2011, S. 22)

* Bei Migjorn Gran auf Menorca findet man einen quadratischen Talajot, einen prähistorischen Monumentalturm. Man nimmt an, dass die Türm als Festungen und Wachttürme dienten, dieser Talajot allerdings hat eine um seine Seite umlaufende Rampe, die ihn in eine Stufenpyramide verwandelt. Archäologen halten es für möglich, dass es sich um einen Tempel gehandelt haben könnte. Die Talajotkultur auf Menorca gab es zwischen 1200 und 120 v.Chr., wie alt diese „Pyramide“ ist, kann schwer gesagt werden. (Führer von Menorca. Amics del Museu de Menorca, Mao 1998, S. 53)

Antik

* Durch Dänikens Bücher (Im Namen von Zeus) und Artikel in Sagenhafte Zeiten (Legendary Times, März 2001) sind die griechischen Pyramiden bekannt geworden. In prä-astronautischen Büchern findet sich häufig nur ein Verweis auf den Bau in Hellinikon, der am besten erhalten ist, es gibt aber insgesamt 16 solcher Pyramiden entlang der antiken Straße von Argos nach Epidauros auf der Peloponnes. Die Pyramide von Hellenikon nahe Kephalari misst grob 7 x 7 m. In der Antike galt sie als Grab, archäologische Ausgrabungen haben gezeigt, dass es sich um eine Festung, eine Art Wachturm, aus dem 4. Jahrhundert v.Chr. handelte. Ein zweite Pyramide, ungleich schlechter erhalten, steht nahe der Martinskirche in Ligourio. Während in Hellenikon noch ein Drittel des Baus erhalten ist, steht bei Ligourio praktisch nur noch das quadratische Fundament und die erste Reihe der geneigten Pyramidenflächen. (Nicos Papahatzis: Mycenae – Epidaurus – Tiryns – Nauplion. Clio, Athen o.J., S. 21, 24, 25) In der „Beschreibung Griechenlands“ (Buch II, 25,7) aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert erwähnt Pausanias „ein Gebäude, das annähernd einer Pyramide gleicht“ auf dem Weg von Argos nach Tiryns – vermutlich das Bauwerk von Hellenikon, aber er geht nicht darauf ein, wohl, weil er es weder für alt noch für sehenswert hält.

* In Rom steht an der Piazza Ostiense die einzige römische Pyramide, das Grabmal des Caius Cestius aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert. Die klassische Pyramide ist mit weißem Marmor verkleidet, ihre Basislänge beträgt rund 30 m, die Höhe 36,4 m. In ihrer Konstruktion folgt sich den ägyptischen Vorbildern. (Sofia Pescarin: Rom. Karl Müller, Erlangen 1999, S. 102)

Barock

* Als 10-stufige Pyramide wurde im 17. Jahrhundert der Garten der Isola Bella im Lago Maggiore errichtet.

* Auf dem Marktplatz von Karlsruhe und im Barockgarten von Potsdam stehen kleine Pyramiden. Die Pyramide von Karlsruhe ist tatsächlich ein Grab, in ihr ruht der Markgraf Karl Wilhelm (+1738).

* Im Schlosspark von Garzau ließ Friedrich Wilhelm Carl Graf von Schmettau (1743–1806 ) eine Pyramide errichten. (http://www.pyramide.garzau.de/)

* Auch im Schlosspark von Machern gibt es eine Pyramide. (www.meinestadt.de/machern/bilder/detail?id=231960)

19. Jahrhundert

* Im Park des Schlosses Branitz bei Cottbus, der von dem berühmten Fürst Pückler zu Muskau geplant wurde, gibt es gleich zwei Pyramiden. „Die größere Wasserpyramide, 1856/57 errichtet, stellt eine künstliche Insel im See dar. Im Inneren des Tumulus liegen die Grabstätten Pücklers und seiner 1854 verstorbenen und – nach dem Tod des Fürsten – umgebetteten Frau Lucie von Pückler-Muskau. Am südöstlichen Seeufer befindet sich die stufenförmig gestaltete Landpyramide.“ (de.wikipedia.org/wiki/Branitzer_Park)

* In Laglio am Comer See hat sich der Pfälzer Arzt Josef Frank (gest. 1875) eine große weiße Grabpyramide nach dem Vorbild der Cestius-Pyramide in Rom erbauen lassen, die vom Schiff aus gut zu sehen ist.

* In seinem Buch Die Meister der Welt (Knaur, München 1974, S. 84-90) erwähnt Robert Charroux zwei Pyramiden in Frankreich: die Pyramide von Falicon bei Nizza und die Pyramide von Autun. Die Pyramide von Autun, 27 m hoch, steht auf einem quadratischen Sockel – praktisch identische „Pyramiden“ findet man in Igel bei Trier und in Kirchentellinsfurt bei Tübingen, es sind römisches Grabmonumente.
Die Pyramide von Falicon hat eine Seitenlänge von rund 6 m, die Kanten waren etwa 9 m lang – hier handelt es sich um einen eher unscheinbaren Bau. Der Forscher Francois de Sarre (A Pyramid on the French Riviera. INFO-Journal 71, 1994, S. 44) hat herausgefunden, dass der Bau vom Ende des 19. Jahrhunderts stammt.

Unbestimmt

Von unbestimmtem Alter, aber sicherlich interessant sind die „Pyramiden“ des österreichischen Waldviertels. Bei Zwettl findet sich eine 4-stufige Rundpyramide aus Bruchsteinen mit einem größten Durchmesser von 20 m. Habeck nimmt an, dass sie aus dem Mittelalter stammt, es soll in der Gegend noch weitere ähnliche Bauten geben. (Reinhard Habeck: Das Unerklärliche. Tosa, Wien 1997, S. 304)