Die Prä-Astronautik wurde und wird seit ihrem Bestehen aus verschiedensten Gründen belächelt. Ebenso wie es in Tageszeitungen Karikaturen bekannter Politiker gibt, entstanden auch präastronautische Satiren. Zwei davon imitieren die Methoden der Astro-Archäologie auf amüsante Weise, was anhand von Auszügen gezeigt werden soll.

Parodie auf die Prä-Astronautik – Textauszüge aus zwei Satirebüchern

Bisher konnte die Forschung noch keinen Beweis für einen Besuch aus dem All erbringen. Aus diesem Grunde müssen sich die Prä-Astronautik-Autoren immer wieder auf Spekulationen einlassen. Spekulationen an sich sind sicher in Ordnung, solange sie auf einem festen Fundament stehen. Doch zweifellos gehen einige Autoren in ihren Ausführungen zu weit.

Die Forschung der PaläoSETI wirkt daher auch oftmals recht monokausal. Man versucht also, alles auf eine einzige Ursache zurückzuführen, was dann manchmal schon fast unfreiwillig komisch wirkt. Als ein Beispiel möchte ich einen Auszug aus einem Buch von H. Hausdorf beibringen. Hausdorf ist in der AAS und dem grenzwissenschaftlichen Sektor durch seine Besuche und Forschungen in China bekannt geworden, wo er sich auf die Suche nach Pyramiden machte. In einem seiner Bücher schildert er einen Fund, der nach seinen Angaben ca. 150 000 Jahre alt ist. Es ist ein Hirschknochen, der so gespalten ist, dass auf der Innenseite Klingen entstanden:

„Wer mag dieser Mann gewesen sein, der zu einer Zeit, als am nordafrikanischen Strand des Mittelmeeres noch der Pithekanthropus grunzte, sogar das Bedürfnis nach einer gepflegten, nassen Rasur verspürte? Ein gestrandeter ‚Besucher‘ von einem fremden Planeten oder ein Bewohner, dem aus den Tiefen des Universums gekommene Kosmonauten die ersten Grundlagen der Zivilisation gebracht hatten?“ [1]

Doch wie Hausdorf selbst in anderem Zusammenhang schreibt:

„Natürlich kann man es auch gewaltig übertreiben mit solchen an den Haaren herbeigezogenen Erklärungsversuchen.“ [2]

Wie z.T. Befunde zu weit interpretiert werden, karikiert ein Witz, den ich im Internet las:

Ein Amerikaner erzählt von Ausgrabungen in seiner Stadt und teilt stolz mit, dass man dabei uralte Drähte fand. „Das bedeutet, dass man bei uns schon vor 2000 Jahren telefonieren konnte!“ Der Russe antwortet lapidar: „Na und? Bei uns hat man keine Drähte gefunden – bei uns gab’s schon Handys!“

Doch gibt es abgesehen von dem oben zitierten, etwas missglückten Indiz und dem überzogenen Witz auch absichtlich verfasste Satiren. Ich möchte in diesem Artikel zwei davon vorstellen. Die eine stammt von ‚Prof. Wilhelm Selhus‘ und heißt ‚Und sie waren doch da‘. Selhus möchte in seinem Buch ‚Wissenschaftliche Beweis für den Besuch aus dem All‘ vorstellen, was ihm ohne Zweifel auch ganz „trefflich“ gelungen ist.

Das andere Buch trägt den Namen ‚Der Götterbaum‘. Der Autor, Walter Papst, versucht hier, die These eines hohlen Saturn zu belegen. Während Selhus auf archäologische Funde eingeht, untersucht Papst die Mythen nordischer Völker. Eines aber ist ihnen beiden gemein: sie interpretieren auf ihre ganz eigene Art – und man kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus! Im Folgenden möchte ich also einige Textauszüge dieser beiden Bücher vorstellen.

Wilhelm Selhus und seine Neologik

Selhus‘ Buch entstand während bzw. nach der ersten großen Diskussion um die Prä-Astronautik, als Erich von Dänikens drei ersten Bücher erschienen waren. Leider ist über den „Wissenschaftler Prof. Wilhelm Selhus“ so gut wie nichts bekannt, er ist in der Prä-Astronautik ein unbeschriebenes Blatt. Während E.-H. Schmitz [3] lediglich herausfand, dass Selhus ein Pseudonym ist, kann man Bibliographien zu diesem Thema entnehmen, dass der Mann in Wirklichkeit Wilhelm Sandermann heißt. [4] Er „ist ein namhafter deutscher Naturwissenschaftler, Universitätsprofessor, Erfinder und Mitarbeiter internationaler Wissenschaftsorganisationen. Er hat über 200 naturwissenschaftliche Arbeiten publiziert, die zum Teil ins Englische, Spanische, Russische und Japanische übersetzt wurden“, wie dem Umschlag seines Buches zu entnehmen ist. Und all das ist korrekt!

Denn Wilhelm Sandermann (1906 – 1994) promovierte über Untersuchungen an Kieferharz! 1947 übernahm er die Leitung der Abteilung Holzchemie an der Vorgängerinstitution der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft in Reinbek bei Hamburg. Er wurde an der Universität Hamburg Lehrbeauftragter im Studiengang Holzwirtschaft, wurde 1957 zum apl. Professor und 1963 zum Ordentlichen Professor berufen. Er ist Autor von Standardwerken wie ‚Naturharze, Terpentinöl, Tallöl‘ oder ‚Chemische Holzverwertung‘. [5] Ob mit dieser Laufbahn der Hinweis auf seine Professur dem Buch mehr Gewicht gibt? [6]

In dem Buch werden größtenteils archäologische Funde diskutiert, der Autor verfährt also zum größten Teil so wie alle anderen Autoren, er schließt lediglich die Mythen bis auf einige wenige Erwähnungen aus. Doch Selhus‘ Methode, um zu Ergebnissen zu kommen, weicht von jener der Archäologie ab. Wie Selhus selbst schreibt, benutzen Archäologen die einfache Logik – zumindest sollten sie das tun -, aber Selhus reicht das nicht aus, um zu befriedigenden Ergebnissen zu kommen. Deshalb wendet er die sog. und von ihm geschaffene „Neologik“ an.

„Mit ihrer Hilfe müssen archäologische Funde konstruktiv, notfalls seherisch so gedeutet werden, dass dieser Deutung der Wert eines starken, überzeugenden Indizienbeweises zukommt.“ [7] (Hervorhebung SB)

Wenn man Selhus‘ Maßstab an seine Indizien ansetzt, erkennt man, dass es in dem Buch sehr viele Notfälle gibt …

Sehen wir uns z. B. an, wie sich Selhus die Landung der ersten Außerirdischen vorstellt. „Anfangs landeten Außerirdische aus tieffliegenden Flugkörpern im freien Fall mit Fuß- und Kopfpuffern.“ [8] Als Beleg wird eine wenig gelungene Fotomontage gezeigt, die drei Keramikfiguren vor einem gemalten (!) Hintergrund zeigt. Zwei von ihnen fallen kopfüber auf die Erde zu, aus ihrem Gesäß scheinen (gemalte) Luftausstöße zur Beschleunigung zu kommen. Um den Aufprall zu bremsen, tragen sie lediglich einen ausgeprägten Kopfputz. Die andere Skulptur ist eine unförmige, anthropomorphe Plastik, deren Fall durch zwei Kugeln – mehr ist es wirklich nicht – gedämpft werden soll. So also sahen die ersten Landungen von Außerirdischen aus – die Lichtjahre mit ausgefeiltester Technologie überwunden hatten!

Doch um Landen zu können, ist zuvor Astronautik nötig. Hat Selhus neologische Indizien dafür? Aber selbstverständlich:

„Der überzeugendste Beweis für eine frühzeitige Raketentechnik ist das Vorkommen der Zahl Null in den vermuteten Astronautenkolonien von Peru und Mittelamerika-Mexiko.“

Denn:

„Ohne Null kein Countdown und damit keine Raumfahrt!“ [9]

Als ich das las, fragte ich mich einfach nur: warum ist mir das eigentlich nicht eingefallen? Aber im Ernst: was war zuerst da? Die Null oder der Countdown? Ganz abgesehen davon könnte man ja auch auf 1, 2, 3, 4 loslegen.

Selhus zeigt weiter eine Abbildung einer Inka-Königin, die eine kleine Handtasche in ihrer Hand hält, die sie an einem etwas längeren Lederband (?) trägt. Doch die naheliegendste – logische? – Erklärung wird von Selhus nicht bevorzugt. Der Neologiker hat eine andere, als Tatsache präsentierte Interpretation:

„Zur Geschlechtsbeeinflussung wird die ‚Samenschleuder‘ eingesetzt, durch deren Zentrifugalkraft die geschlechtsbestimmenden X- und Y-Chromosomen des Spermas getrennt werden. So können nach Wunsch Jungen und Mädchen erzeugt werden.“ [10]

Abb. 1: Die „Samenschleuder“ nach Selhus.

Um seine These zu untermauern, zeigt Selhus eine Zeichnung (Abb. 1), die selbstredend kein Original, sondern eine seiner eigenen Zeichnungen ist. Denken wir daran, dass sich Chromosomen im Kern einer Zelle befinden und dass Zellen mikroskopisch klein sind, dann kann man sich vorstellen, wie schwer es ist, solche Chromosomen zu erkennen. Andererseits würden sich die Chromosomen bis zur Entnahme mit Sicherheit auch wieder vermischen. Aber braucht man bei solchen Thesen eigentlich überhaupt Gegenargumente?

Auch für die Riesenkrüge im Palast von Knossos hat Selhus ein Erklärung parat. In der Prä-Astronautik stellte man sich bisher immer folgende Frage: „Waren die Ölreserven im Palast von Knossos Treibstofflager?“ [11] Erich von Däniken zufolge waren diese Zisternen über den gesamten Komplex verteilt. Sie waren doppelmannshoch, man erreichte den Grund nicht einmal mit einer Kelle, wenn man sich auf einen Stuhl stellt – man brauchte Schläuche, die evtl. über das Prinzip der kommunizierenden Röhren gebraucht wurden. Das Volumen eines solchen Tongefäßes beläuft sich auf ungefähr 420 Liter! Indem Erich von Däniken Querverbindungen zur Königin von Saba und König Salomo, dessen Flugvehikeln und anderen Erzählungen zieht, kommt er schließlich zu seiner oben zitierten Fragestellung.

Doch wie gesagt, der Neologiker hat anderes herausgefunden:

„So sind jedem Kreta-Besucher die Reihen großer Krüge (Pithoi) im Palast von Knossos bekannt. Früher hieß es, dass sie der Aufbewahrung flüssiger und fester Nahrungsmittel dienten. Doch der Amateurarchäologe H. G. Wunderlich ist der Ansicht, Knossos sei keine belebte Stadt gewesen, sondern eine Totenstadt mit Begräbnisstätten. Die großen Krüge sollen keine Vorratsbehälter, sondern Einlagerungsbehälter für Mumien gewesen sein. Beide Theorien sind jedoch nicht haltbar, da sie vielen Tatsachen widersprechen. Neologisch passt dagegen eine andere Theorie weit besser ins Bild. Nach dieser handelt es sich bei den Krugreihen um ein Elektrizitätswerk der alten Welt. Wie beim parthischen galvanischen Element steckten auch in diesen Tonkrügen Kupferzylinder und Eisenstäbe. Es wurden gewiss beachtliche Stromstärken erreicht. Durch Überlandleitungen wurde der Strom in die Zentren des Verbrauchs geleitet.“ [12]

Die Pithoi von Knossos in Verbindung mit Hochspannungsleitungen nach Selhus.

Abb. 2: Die Pithoi von Knossos in Verbindung mit Hochspannungsleitungen nach Selhus.

Die Theorie von Vorrats- oder Begräbniskrügen widerspräche den Tatsachen, indes: Selhus Theorie nicht weniger. In den Krügen wurden keine Kupferzylinder oder Eisenstäbe entdeckt. Unter diesen Umständen wäre man mit Sicherheit nicht zur Vermutung gelangt, es könnten Vorratskrüge sein. Außerdem hat Selhus seine Neologik wieder einmal voll ausgereizt und sich die Hochspannungsleitung „zusammenvisioniert“. Nichts desto trotz ist Selhus‘ Erklärung wieder einmal durchweg originell und urkomisch!

Eine sehr interessante Vorstellung hat Selhus auch vom Untergang der Astronautenkolonien. Es habe einen Atomkrieg gegeben, der schlimme Folgen hatte:

„Für alle Astronautenreiche muss der Atomkrieg verheerend gewesen sein. Die friedfertigen ‚Söhne des Himmels‘ müssen darüber enttäuscht gewesen sein, dass die Bastarde – vor allem der stark menschlichen 3. Kaste – in ungewöhnlichem Maße aggressiv waren. Desillusioniert müssen sie den Entschluss gefasst haben, mit ihren Raketen, wertvollen Geräten und wertvollen Rohstoffen die unwirtliche Erde zu verlassen … Große Verzweiflung muss in den Tempelstädten der Maya um sich gegriffen haben. Außer der untersten Kaste – den Maisbauern – gab es nur noch die arrogante, aggressive 3. Kaste und die kleine 2. Kaste der Priester und Gelehrten … In den Mitbestimmungsgremien setzten sie [die aggressive 3. Kaste, SB] durch, dass das Raketenprogramm mangels früherer Treibmittel jetzt mit mechanischer Energie weitergetrieben werden sollte. Doch die ‚Raketenwippe‘ versagte erbärmlich.“ [13]

Wie sachlich und hochwissenschaftlich man doch einen unglaublichen Unsinn von sich geben kann! Um sich dies zu veranschaulichen, muss man sich nur einmal die Abbildung von Selhus dazu ansehen:

Abb. 3: Die gescheiterte „Raketenwippe“ nach Selhus.

Witzig auch das Ende des Werkes. Im Schlusskapitel denkt Selhus ‚Über den Wahrheitsgehalt dieser Schrift‘ anhand mathematischer Formeln nach. Er kommt zu dem Ergebnis, dass der Wahrheitsgehalt vom IQ und vor allem der Glaubensbereitschaft des Lesers abhängt und hält fest: „Das Werk kann sowohl eine Parodie als auch eine wahrheitsgetreue Geschichte der Astronauten sein.“ [14] Schmitz: „Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, dass Wilhelm Selhus ein begnadeter Schalk ist, dem können wir nicht mehr helfen.“ [15]

Selhus‘ ‚Und sie waren doch da‘ ist eine gelungene Persiflage, die die Prä-Astronautik auf sehr humoristische Weise karikiert – und das Wichtigste: es wird dem geneigten Leser viele amüsante Stunden bereiten!

Walter Papst und seine Etymologie des Grauens

In diesem Buch wird die nordische Mythologie untersucht. Der Autor richtet sein besonderes Augenmerk auf den Weltenbaum „Yggdrasil“ und macht sich auf die Suche nach der Unterwelt. Er lokalisiert beides im Inneren des geheimnisvollen Saturn – dem Schöpfungsort der Menschheit! Auf diesem Planeten sollen Außerirdische vom Sirius tätig gewesen sein. Die Argumentationsketten von Papst bestehen zum größten Teil aus etymologischen, d. h. sprachwissenschaftlichen Herleitungen.

Das Kuriose an seiner Vorgehensweise ist, dass Papst den Großteil alter Wörter – egal welchem Kulturkreis sie entstammen – auf das dee oder in Ausnahmefällen (ich werde einen präsentieren) auf das Englische bezieht. Der Autor versucht einleitend, die große Wahrscheinlichkeit außerirdischen Lebens zu bekräftigen, während er im Vorbeigehen ‚der Wissenschaft‘ noch die ein oder andere Ohrfeige mitgibt. Dabei kommt z. B. dieser Widerspruch zustande:

„… die absolut irdisch gebundene Evolution ist fatal und falsch … Viele Astronomen und Astrophysiker sind inzwischen davon überzeugt, dass sich unzählige Lebenszellen im All befinden. Das bedeutet: Es gibt Astronauten anderer Gestirne – vermutlich in sehr großer Zahl.“ [16]

Papst ist ganz offensichtlich – ganz wie sein Kollege Selhus – ein Freund gewagter Spekulationen. Obwohl die Evolutionstheorie für ihn grundlegend falsch ist, ist es anscheinend kein großer Schritt von Lebenszellen zu komplexen Wesen wie z. B. Astronauten. Im Zusammenhang mit der Evolutionstheorie bzw. vielmehr der Anthropologie sollte man sich folgendes ansehen:

„Besonders rätselhaft ist ein Fundstück aus Peking, das völlig aus dem Rahmen fällt und von den Anthropologen nirgendwo eingeordnet werden kann. Haben wir es hier womöglich mit einem Götterschädel zu tun? Verdachtsmomente ergeben sich aus der Ähnlichkeit im Knochenbau mit dem Profil eines Boxerhundes (Augenwülste) und aus der sprachlichen Verwandtschaft von God und dog. Der Gleichklang hat seine Gründe. Er ist ein erstes, verstecktes Anzeichen dafür, dass die Zeit vor der Sintflut nicht allein über Schädel zu rekonstruieren ist, sondern auch über die Sprache, die die Überlebenden weitervermittelt haben. Da Gott sich von Hund herleitet, wie im Griechischen Kyon, der Hund, ebenfalls zu Zion und Zeus wurde, und der Mensch die Schöpfung nach dem Ebenbilde Gottes erfuhr, ist seine Abstammung vom Hund wahrscheinlicher als diejenige vom Affen.“ [17]

Es soll der Peking-Schädel von extraterrestrischen Götter stammen, weil – was für Begründungen! – das Profil dem eines Boxerhundes ähnelt und sich „god“ (engl.: Gott) und „dog“ (engl.: Hund) relativ gleich anhören. Daraus wird dann gefolgert, dass die Theorie, der Mensch stammt vom Hund ab, besser ist als die „Affen-Theorie“. Und ganz nebenbei springt Papst vom griechischen („Kyon“) in den jüdischen („Zion“) und wieder zurück in den griechischen Kulturkreis, wobei er allerdings ein eingedetes Wort („Zeus“) verwendet.

Eine weitere Glanzleistung in Sachen Methodologie ist seine Begründung für eine außerirdische Herkunft des Menschen:

„Schließen wir uns rein theoretisch der Auffassung an, dass ein Gott oder mehrere Schöpfer aus dem Himmel auf die Erde gekommen sind, um hier eine Kulturlandschaft mit Pflanzen, Tieren, guten und bösen Menschen einzurichten, welche untrüglichen Zeichen haben sich dann für das Auftreten dieser Kulturbringer bis in die heutige Zeit erhalten? Die Antwort scheint schwierig, aber sie ist einfach, denn bei kosmischen Katastrophen kann praktisch alles, was darauf hinweisen würde, zerstört worden sein außer dem Menschen selbst, der überlebt hat. Deswegen ist der Mensch mit seinem Genaufbau und seiner Sprache das sicherste Indiz für seine Abstammung, die vorzeiten – das unterstellen wir jetzt – auf die angesprochenen mythischen Wesen zurückging.“ [18]

Diese Stelle muss man sich einige Male zu Gemüte führen, aber es lohnt sich. Zunächst nimmt Papst an, dass Außerirdische kamen und den Menschen schufen. Nachdem er feststellt, dass die Hinweise darauf vernichtet wurden, sagt er, dass allein die Existenz des Menschen auf seine außerirdische Herkunft der beste Beweis sei – es gibt den Menschen, also ist er außerirdisch. Welche Beweisführung! Am Rande sei bemerkt, dass der Autor am Anfang annimmt, dass Außerirdische den Menschen schufen. Nach dem Gedankenspiel muss er gewissermaßen abermals unterstellen, dass die Abstammung des Menschen auf mythische Wesen zurückging, wie Papst es formuliert. Wirklich weiter kam er ganz offensichtlich nicht …

Das Amüsanteste am Buch von Papst sind seine Worterschließungen. Eine der Kuriosesten stellte diese dar:

„1934 sucht der Himmelskundler O. S. Reuter am Nachthimmel den Seltsamen Skaturnir, der ‚außerhalb aller Welten steht‘ – also ein künstliches, technisches Weltraumobjekt? Das Wort verrät mehr. Es wird mit norwegisch mundartlich Skat und schwedisch Skate (Baumwipfel) zusammengebracht. Skat hat somit einen Bezug zum Baum, wie Skal einen Bezug zu Schale hat. Man geht sicher nicht fehl in der Annahme, dass der ‚Baumwipfler‘ Skaturnir mit Schalendreher gleichgesetzt werden kann. Die Silbe Nir bedeutet eine Ausscheidung. Unser Wort Skat bezieht sich auf ein Spiel mit drei Spielern, so dass weiterhin spekuliert werden kann: Skaturnir besteht aus drei sich drehenden Teilen. Englisch three (drei) weist ebenfalls auf einen Baum (tree). Auffällig ist die Namensverwandtschaft mit Saturn. Halten wir fest: Der Weltenbaum hat vermutlich etwas mit drei, mit Schalen und mit drehen zu tun.“ [19]

Wenn man das Zitat liest, fragt man sich zuerst, warum man denn so selbstsicher annehmen kann, dass „Skaturnir“ etwas mit „drehen“ zu tun hat – dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Außerdem ist ein Verweis auf Wortähnlichkeiten im Englischen recht bedeutungslos für die Deutung eines skandinavischen Wortes.

Im übrigen hat Markus Pössel bei einer Untersuchung von einigen Sitchin’schen Übersetzungen darauf hingewiesen, dass Wortähnlichkeiten aus verschiedenen Sprachen nichts zu sagen haben. [20] Aus diesem Grund ist der Hinweis auf den Planeten Saturn gegenstandslos – „Skaturnir“ leitet sich aus einer nordischen Sprache ab, während der Namen des besagten Planeten vom lateinischen „Saturnus“ stammt. Insgesamt eine weitere recht witzige etymologische Arbeit!

Weiter:

„Eine der wichtigsten Sprachwurzeln ist die sumerische Silbe an, die für ‚Himmel‘ steht. Wir sagen heute noch ankommen, ganz einfach, weil der erste sprachbegabte Mensch aus dem Himmel kam.“ [21]

Götter malten weiße Wolken an den Himmel. Deswegen wahrscheinlich ankreiden … Man sieht: mit der Methode von Papst lassen sich allerlei interessante Schlussfolgerungen ziehen!

Und nun kommt eine Sequenz von Folgerungen, die es wahrlich in sich hat:

„An den Zweigen [des Weltenbaums, SB] lebten Zwerge, passend zur Körpergröße der Frauen. An den Wurzeln die Riesen, entsprechend der Körpergröße der Männer. Die zierlichen Geschöpfe wurden mythologisch aus den Maden im Fleische des Ymir erschaffen. Deshalb also Mädchen …“ [22]

Nun ist es heraus, Walter Papst hat es bewiesen: Mädchen stammen von Maden ab – zumindest etymologisch gesehen! Gut für den Autor, dass über den Verlag zu seiner Person keine Informationen einzuholen sind. Vertreter/innen des Feminismus stünden wohl recht schnell vor seiner Tür …

Papst, seine gewagte These und deren geniale Begründungen sind nicht immer einfach zu lesen, ganz im Gegensatz zu Selhus‘ Ausführungen. Papst bastelt seine etymologischen ‚Beweisketten‘ mit recht großen Gedankensprüngen, so dass der Leser die ein oder andere Passage zweimal lesen muss. Nichts desto trotz ist auch dieses Buch nicht weniger amüsant als jenes von Selhus.

Schlussbetrachtung

Ich habe aus zwei Parodien auf die Prä-Astronautik zitiert und meistens begründet, warum die Ausführungen kein Sinn machen, warum sie dem geübten Leser schon mehr als skurril vorkommen. Doch was kann man aus der Lektüre solcher Werke „lernen“? Ich schließe mich Jörg Dendl an:

„Stellt sich der Leser auf eine amüsante Lektüre ein, die die Gefahren der grenzwissenschaftlichen Forschung satirisch überspitzt aufzeigt, dann wird er einige Erkenntnisse über sich und sein Hobby gewinnen, Erkenntnisse, die ihn dazu veranlassen dürften, seine Beschäftigung mit etwas mehr Abstand und Humor zu betrachten.“ [23]

Anmerkungen

[1] Hausdorf 2001: S. 23
[2] ebd., S. 21
[3] Schmitz 1987: S. 52
[4] Dopatka 1998: S. 457; Reeken 1996: S. 100f.
[5] http://www.bfafh.de/bfh-pers/sandermann.htm (Stand: 02.05.02)

[6] Einschränkend sollte festgehalten werden, dass Sandermann unter korrektem Namen ein populärwissenschaftliches Buch zur Archäologie mit dem Titel ‚Das erste Eisen fiel vom Himmel‘ schrieb.

[7] Selhus: 1975: S. 122
[8] ebd., Tafel II.; Im späteren Verlaufe spricht Selhus aber auch von Fallschirmen, siehe: S. 51

[9] ebd., S. 48f.
[10] ebd., S. 70; Abb. 25
[11] Däniken 1999: S. 107
[12] Selhus 1997: S. 109
[13] ebd., S. 164f.
[14] ebd., S. 170
[15] Schmitz 1978: S. 53
[16] Papst 1995: S. 10f.
[17] ebd., S. 23f.
[18] ebd., S. 22
[19] ebd., S. 96f.
[20] Pössel 2002: S. 68
[21] Papst 1995: S. 110
[22] ebd., S. 116
[23] Dendl 1994: S. 229 und Dendl 1995

Abbildungen

[1], [2], [3] Selhus, Prof. Wilhelm (1975): Und sie waren doch da. Wissenschaftliche Beweise für den Besuch aus dem All. München: Bertelsmann

Literatur

Däniken, Erich von (1999): Im Namen von Zeus. München

Dendl, Jörg (1994): „Rezension zu ‚Der Götterbaum'“, in: G.R.A.L. 5/1994, S. 228f.

Dendl, Jörg (1995): „Rezension zu ‚Der Götterbaum'“, in: Ancient Skies 1/1995

Dopatka, Ulrich (1998): Die große Erich von Däniken Enzyklopädie. München

Hausdorf, Hartwig (2001): Experiment Erde. Die Zukunft, die schon gestern war. München

Papst, Walter (1995): Der Götterbaum. Unser Schöpfungsort im Kosmos. Berlin

Pössel, Markus (2002): „Zecharia Sitchin und die altorientalischen Sprachen“, in: Mysteria3000 2/2002, S. 68-71

Reeken, Dieter von (1996): Bibliographie der selbständigen desprachigen Literatur über Außerirdisches Leben, UFOs und Prä-Astronautik. Lünenburg

Schmitz, Emil-Heinz (1978): Beweisnot. Glanz und Elend der Astronautengötter. Das Ende einer Legende. Genf

Selhus, Prof. Wilhelm (1975): Und sie waren doch da. Wissenschaftliche Beweise für den Besuch aus dem All. München

Aus dem Internet

Dendl, Jörg: Der Götterbaum. (03.06.13)
URL: http://tatjana.ingold.ch/index.php?id=rez_goetter_baum

Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft Hamburg: Professor Dr. Wilhelm Sandermann. (02.05.02)
URL: http://www.bfafh.de/bfh-pers/sandermann.htm