Trotz des verkauffördernden Titels befasst sich das Buch nicht mit Geheimnissen, sondern bietet fundiertes Wissen: Der amerikanische Ägyptologe Mark Lehner ist ein ausgesprochener Kenner der ägyptischen Pyramiden und bietet mit diesem Buch einen kompakten und umfassenden Überblick über die pharaonischen Grabmäler.

Ausgehend von einer einführenden Beschreibung des Landes am Nil, erläutert er die Funktionen von Tempeln in Grabmälern im alten Ägypten, wobei er Begräbnisriten, Jenseitsvorstellungen sowie die Bedeutung der Pyramidentexte beschreibt. In einer kurzen Forschungsgeschichte werden die frühen Forscher und Gelehrten, die sich um die Untersuchung der Pyramiden verdient gemacht haben skizziert, so z.B. die napoleonische Expedition 1798, die italienischen Forscher Belzoni und Caviglia, über Vyse, Lepsius, Mariette und Petrie bis hin zu den großangelegten Ausgrabungen im 20. Jahrhundert. Dabei werden auch die neuesten Ergebnisse, wie die Entdeckung des Gantenbrink-Schachtes – bis zum Stand von 1997 – berücksichtigt.

Im Hauptteil zeichnet Mark Lehner die Entstehung der Pyramide von den ersten Hügelgräbern über einfache Mastabas bis hin zur Stufenpyramide und schließlich zur geometrisch echten Pyramide nach. Als Ursprung der großen Pyramidenanlagen des Alten Reiches sieht er die vordynastischen Tumulus-Gräber bei Hierakonpolis an, die dann zu den Mastaba-Gräbern von Abydos und Sakkara weiterentwickelt wurden. Im Folgenden wird jede Pyramidenanlage detailliert und im einzelnen beschrieben: Kammernsystem, Tal- und Totentempel, bautypologische Besonderheiten und Auffälligkeiten sowie Objektfunde. Zahlreiche Fotos und computersimulierte 3D-Modelle dienen zur Veranschaulichung.

Nach der Abhandlung der Königspyramiden des Alten und Mittleren Reichs gibt der Autor einen Überblick über die Pyramiden auf Privatgräbern des Neuen Reiches. Auch wenn die Informationen hierzu sehr knapp sind, runden sie die Entwicklungsgeschichte der Pyramide ab. Den Abschluss bildet die Pyramiden-Rezeption in der Spätantike, als auch im Sudan pyramidenförmige Gräber angelegt wurden, und in der Neuzeit, als die Pyramide in Anlehnung an das Alte Ägypten vor allem in Europa populär wurde.

Das letzte Kapitel behandelt die technischen und logistischen Aspekte des Pyramidenbaus. Hier werden Fragen zu Material und Transport, Rampentheorien und Versorgung der Arbeiter, Werkzeugen und Vermessungstechniken untersucht – veranschaulicht durch das NOVA-Experiment, das durch den Nachbau einer 6 m hohen Pyramide zur Klärung offener Fragen des Pyramidenbaus beitragen sollte. Zum Schluss betrachtet Mark Lehner die Pyramidenstädte, die Werk- und Produktionsstätten. Hier wohnten die Arbeiter und wurden mit Naturalien versorgt und hier vollzogen Priester den Totenkult für die verstorbenen Könige.

‚Das Geheimnis der Pyramiden in Ägypten‘ ist ein erstklassiger Einstieg in die Welt der Pyramiden und auch für jeden, der sich intensiv mit den Pyramiden Ägyptens beschäftigt, führt an diesem Buch kein Weg vorbei. In kurzen Texten bietet es fundierte und detailreiche Zusammenfassungen der Forschungsergebnisse zu den Pyramiden im einzelnen und zum Pyramidenbau im allgemeinen.

Literatur

Lehner, Mark: Das Geheimnis der Pyramiden in Ägypten. München 2002. ISBN: 3-5720-1261-9