Manchmal finden sich in alten Legenden und Sagen Anhaltspunkte für die PaläoSETI-Forschung. Thomas Ritter fand einige interssante Legenden rund um die Entstehung des Santa Colomba Sees in der Nähe von Trient.

PaläoSETI – In Mythen und Kulten

Spuren außerirdischer Besucher in den Bergen Südtirols und des Trento?

Der Ursprung der Alpenseen hat schon immer etwas Geheimnisvolles an sich gehabt. Die kristallklaren, tiefblauen Wasserspiegel, die sich im Lauf der Zeit gebildet haben, stellten für die Urbevölkerung regelrechte Wunder dar und gaben zur Bildung von Erzählungen Anlass. Dies trifft auch für die Legende von der Entstehung des Santa Colomba Sees am Kalisberg (Monte Argentario) bei Trient zu. Diese Legende ist identisch mit der Erzählung, die von der Entstehung des Kalterer Sees berichtet.

Der Santa Colomba See liegt an der Nordostwand des Kalisberges auf 922 m Höhe, in einer einzigartig ruhigen, romantischen Gegend.

Es wird erzählt, dass einst ein junger Hirte, der seine Schafherde auf die Weide trieb, eine feurige Kugel durch die Luft fliegen sah. Diese Kugel verströmte ein sehr helles, gleißendes Licht, während sie immer höher in den Himmel stieg. Dann verhielt sie kurz am Firmament, und stürzte plötzlich wieder zu Boden, an derselben Stelle, wo sie aufgestiegen war.

Der junge Hirte erschrak zwar heftig über dieses Ereignis, seine Neugier trieb ihn jedoch zu der Stelle, an der die Kugel gelandet war. Er fand dort ein tiefes kreisrundes Loch von beachtlichem Durchmesser.

Zuhause erzählte der Junge von seinem Erlebnis, doch die Eltern schenkten seinem Bericht keinen Glauben. Das Ereignis wiederholte sich noch mehrfach, so dass der Hirt sich schließlich vornahm, das Geheimnis der fliegenden Kugel und ihres Landeplatzes zu ergründen.

So wartete er schließlich eines Tages an dem Loch, in dem die leuchtende Kugel versunken war. Plötzlich erschien ein winziges Männlein mit einer scharlachroten Kapuze in einem seltsamen Gewand, das ihm bis zu den Füßen reichte und von merkwürdig fahlgrauer Hautfarbe. Ein grauer Bart wallte ihm über die Brust.

„Ich bin ein Metallzwerg“, so stellte sich der Fremde dem verblüfften Hirten vor. Die Metallzwerge sollen der Überlieferung zufolge in ihren gewaltigen unterirdischen Hallen kostbare Schätze hüten. Die leuchtende Kugel weist den von den Zwergen Auserkorenen jene Stelle, an der sie nach Edelmetall graben dürfen. Die glücklichen Finder sollen jedoch niemals Nächstenliebe und Mildtätigkeit vergessen, sonst zerfällt ihr Reichtum zu nichts. Dies alles erklärte der Metallzwerg dem Jungen, ehe er auf ebenso geheimnisvolle Weise wieder verschwand, wie er erschienen war.

Diesmal glaubten die Eltern die Erzählung Ihres Sohnes und begannen an der bezeichneten Stelle zu graben. Sie stießen hier auf eine sehr reiche Silbermine, die ihnen und ihren Nachkommen Wohlstand brachte.

Lange schon waren die Finder der Mine tot, als mit dem Reichtum der Gegend auch Habgier und Boshaftigkeit Einzug hielten. Als dann noch die reichen Bergherren einem armen Alten Obdach und Nahrung verweigerten, da war das Maß voll. In einer schrecklichen Nacht voll fürchterlicher Unwetter erschütterten gewaltige Erdstöße das Tal. Häuser und Bergwerke stürzten ein, im Hochwasser und unter den Muren (Erdrutsche) kamen fast alle Bergherren und Knappen zu Tode. Es heißt, das der Metallzwerg diese Strafe über die frevlerischen Menschen verhängte.

Nun könnte man diesen Bericht als Ausgeburt der Phantasie unserer Vorfahren betrachten, doch die reichen Silbergruben am Kalisberg hat es tatsächlich gegeben. Dieser Gipfel ragt nordöstlich von Trient zwischen den Flüssen Etsch, Avisio und Fersina empor. Die Silberbergwerke wurden bereits von der keltischen Urbevölkerung vor der Zeitenwende und danach von den Römern bis etwa 500 n. Chr. ausgebeutet.

Als im Jahr 1027 die Fürstbistümer von Trient und Brixen entstanden, verblieben die Silbergruben nach wie vor im kaiserlich Besitz. Die Verwaltung wurde allerdings von den Fürstbischöfen in Trient ausgeübt. Dies brachte der Stadt rasch Wohlstand und Ansehen. Die Silberbergwerke erblühten insbesondere während der Regierungszeit des mächtigen und umsichtigen Fürstbischofs Friedrich von Wangen, der erstmals die Berggesetzgebung vereinheitlichte und den Knappen umfassende Rechte gewährte. Er ließ die neuen Gesetze im Jahr 1207 in dem sogenannten „Wangener Kodex“ niederschreiben. Dabei handelt es sich um die älteste Berggesetzgebung in Europa.

Natürlich war die Erschließung der Silbergruben am Kalisberg auch mit Risiken verbunden, die der Bergbau mit sich bringt. So ist der Santa Colomba See nach Meinung von Historikern und Bergbauexperten wohl tatsächlich im Verlauf einer Naturkatastrophe entstanden, bei der eine vorher dort befindliche Ansiedlung mitsamt ihren Bergwerken zerstört wurde.

Wenn nun aber diese auch in der Legende beschriebenen Umstände Realität sind, warum sollte man dann dem Erlebnis des jungen Hirten, welches zur Entdeckung des Silbervorkommens führte, den Wahrheitsgehalt absprechen? Sicherlich sind die Ereignisse merkwürdig, welche die Auffindung der Silbergrube begleiteten. Da fliegt mehrmals eine leuchtende Kugel am Firmament entlang, verströmt gleißendes Licht, stürzt zu Boden und versinkt in der Erde, wobei sie ein unübersehbares kreisrundes Loch hinterlässt. Dann erscheint dem Jungen an diesem Loch ein seltsames Wesen von menschenähnlichem Aussehen, welches ihn auffordert, eben da mit der Gewinnung von Silbererz zu beginnen. Hier finden sich bestimmte Attribute, welche von UFO-Begegnungen unserer Zeit durchaus bekannt sind – wie eben eine fliegende leuchtende Kugel, die bei ihrer Landung physikalische Spuren in Form eines Loches im Boden hinterlässt, und die Begegnung mit einem Humanoiden, dessen Aussehen entfernt an die „Greys“ heutiger UFO-Begegnungen erinnert. In Anbetracht des Alters der Gruben vom Kalisberg ist die beschriebene Legende mit Sicherheit keltischen Ursprungs. Es könnte also sein, dass außerirdische Besucher den Kelten bei er Suche nach wertvollen Metallen behilflich gewesen sind. Über die Motive der Fremden dabei kann allerdings nur spekuliert werden.

Die mit ihrer Hilfe am Kalisberg entdeckten Silbergruben erwiesen sich als überaus ergiebig, so dass hier fast 2000 Jahre Bergbau betrieben wurde. Erst im 15. Jahrhundert mussten die Bergwerke geschlossen werden, da ausländische Konkurrenten das Edelmetall zu billigeren Preisen lieferten. Der Silberbergbau in den noch nicht erschöpften Gruben des Kalisberges ist bis heute nicht wieder aufgenommen worden. Es dürfte sich jedoch lohnen, die alten Gruben intensiv zu erforschen, denn möglicherweise lagern genau dort, sozusagen vor unserer Haustür, weitere Beweise für den Kontakt unserer Vorfahren mit außerirdischen Intelligenzen.

Literatur

Merci, Lucillo (1997): Volkssagen aus Südtirol. Calliano (Trento)

Paulin, Karl (1937): Die schönsten Sagen aus Südtirol. Innsbruck

Wolff, Karl Felix (1913): Dolomitensagen. Innsbruck