Heidelberg/ Deutschland – Seit den 1920er-Jahren spekulieren nicht nur Astronomen über einen dritten Stern im Sirius-System, einem bekannten Doppelsternsystem des Sternbildes „Großer Hund“. Auch die Volksgruppe der Dogon im westafrikanischen Mali scheint ein erstaunliches traditionelles Wissen über das auch als Hundsstern bekannte Himmelsobjekt zu besitzen und beschreiben nicht nur die Eigenschaften des bekannten Doppelsternsystems sondern berichten ebenfalls über einen dortigen dritten Begleiter, obwohl ihnen hierfür eigentlich die astronomischen Hilfsmittel nicht zugänglich waren. Ein internationales Astronomenteam hat nun die Ergebnisse einer Langzeitbeobachtung von Sirius veröffentlicht, die jedoch die Existenz von „Sirius C“ nicht bestätigen können.

von Andreas Müller und André Kramer [i]

Zum ersten Mal auf einen möglichen dritten Stern im Sirius-System aufmerksam, wurden Astronomen in den 1920er Jahren, als sie einen schwachen Stern in unmittelbarer Nähe zum Hauptstern „Sirius A“ des damals schon bekannten Doppelsternsystems entdeckten, diesen jedoch nach längerer Beobachtungszeit wieder aus den Augen verloren. 1999 glaubten dann französische Astronomen in einem hinter dem Hundsstern vorbeigezogenen Hintergrundstern eine Erklärung für die früheren Beobachtungen gefunden zu haben. Schon damals konnten die Sternensucher bis in eine Nähe von 30 Bogensekunden keinen weiteren Begleitstern finden, wie er sich auch durch eine mit „Sirius A“ gemeinsame Eigenbewegung verraten hätte.

Untersuchungen von Unregelmäßigkeiten in der Umlaufbewegung der bekannten Sirius-Sterne A und B deuten jedoch weiterhin auf eine dritte Komponente hin, deren Masse auf nur etwa 0,06 Sonnenmassen eingeschätzt wird und eine Umlaufdauer von etwa 6 Jahren haben könnte. Nachgewiesen werden konnte dieser dritte Stern bislang jedoch noch nicht.

In der Paläo-SETI erhielt das Sirius-System große Beachtung durch die Veröffentlichungen Robert Temples in den 1970er Jahren, der basierend auf den Arbeiten der Ethnologen Griaule und Germaine Dieterlen zu dem Schluss kam, eine außerirdische Zivilisation hätte dem im afrikanischen Mali beheimateten Stamm der Dogon Wissen über das Siriussystem vermittelt, das diese unmöglich kennen konnten.

So sollen die Dogon über einen unsichtbaren Begleiter des Sirius Bescheid wissen, den sie po tolo nennen und der in einer eiförmigen Bewegung den Sirius A umkreise.

Zu Ehren dieses Sterns sollen die Dogon auch alle 60 Jahre das Sigui-Fest feiern, dass die Umlaufzeit des po tolo symbolisiere.

Auch von einem dritten Begleiter des Sirius sei bei den Dogon die Rede, den diese emme-ya nennen.

All das Wissen hierum sollen sie von von den Nommo, ihren himmlischen Lehrmeistern erhalten haben, wie Temple ausführt und hinter denen die außerirdischen Kulturbringer vermutet werden.

Was das scheinbare „Siriuswissen“ der Dogon so faszinierend macht, ist die Deckung dieser Angaben mit astronomischen Erkenntnissen. So wissen wir seit 1834, dass der Sirius tatsächlich einen für uns unsichtbaren Begleitstern, nämlich den Sirius B hat. Der Astronom F. W. Bessel konnte auf diesen aufgrund der leichten Pendelbewegung des Sirius A schließen, da offenbar eine unbekannte Masse diese Bewegungsabweichungen verursachen musste. 1860 gelang dann auch mittels eines großen Teleskops die erste optische Beobachtung des Sirius B, hinter dem ein so genannter weißer Zwerg, eine erloschene Sonne, steckt, der sich auf einer elliptischen Bahn um den Sirius A bewegt.

Die Übereinstimmungen des mythologischen Wissens der Dogon über das Sirius-System mit modernen astronomischen Kenntnissen, erscheinen auf den ersten Blick erstaunlich und unerklärlich. Nicht zuletzt aus diesem Grund bilden sie die Grundlage für zahlreiche kontrovers diskutierte Erklärungstheorien und Spekulationen.

In der Paläo-SETI wurde Temples Buch mit großer Begeisterung aufgenommen. Erich von Däniken behandelte das „Siriusrätsel“ 1977 ausführlich und geht davon aus, dass „die Dogon ihr Wissen von Außerirdischen empfangen haben müssen.“

Wie so häufig, haben sich bei ihm aber auch Fehler in der Wiedergabe von Temples Ausführungen eingeschlichen, so gibt er die Sigui-Fest in einem Rhythmus von 50 Jahren an, was der Umlaufzeit des Sirius B um sein Zentralgestirn entsprechen würde.

Tatsächlich spricht auch Temple davon, dass das Fest alle 60 Jahre statt finden würde. Hier setzt bereits die Kritik anderer ein, die die Existenz des „Siriuswissens“ der Dogon infrage stellen. So würde die These nicht hinhauen, dass das Sigui-Fest in der Praxis einfach 10 Jahre früher gefeiert würde (also 50 Jahre), da dies bei dem letzten Sigui-Fest nicht der Fall gewesen ist und außerdem würden die Dogon auch nicht von 50 Jahren für die Umlaufzeit sprechen, sondern von 100 Jahren (was von Dierlen und Griaule als doppelt angenommen wird, da Zwillinge, also das Doppelte bei den Dogon einen so hohen Stellenwert genießen würden.

Woher aber stammt nun das trotzdem ungeheuerliche Wissen der Dogon? Frühere Kritiker verwiesen darauf, dass die Dogon ihr Wissen auch von westlichen Reisenden erhalten haben könnten. 1979 machte sich der Ethnologe Walter van Beek daran, die Frage nach dem Siriuswissen der Dogon praktisch zu erforschen, besuchte mehrere Dogon-Ortschaften und befragte die dortigen Menschen nach ihren Glaubensansichten. Unter anderem auch diejenigen, mit denen Griaule sprach. Tatsächlich konnte Beek keinerlei rätselhaftes Siriuswissen bei den Eingeborenen entdecken. Im Gegenteil po tolo und emme-ya tolo waren den Menschen völlig unbekannt und sigi tolo (laut Dieterlen und Griaule die Bezeichnung für Sirius A) hatte je nach Befragtem unterschiedliche Bedeutungen. Einige Dogon gaben sogar an, ihr Wissen über sigi tolo stamme von Griaule selbst!

Pössel gibt an, dass die Dogon ihre Mythenweitergabe offensichtlich als einen kreativen Prozess auffassen würden, wodurch die Mythen nicht unveränderlich sind, sondern sich den Einflüssen des jeweiligen Gesprächspartners nicht entziehen können und dass das „Sirius-Rätsel“ somit in gegenseitiger Suggestion zwischen Griaule und seinen Dogoninformanten entstanden sei.

In den letzten Jahren erhielt das Siriusrätsel aber wieder Auftrieb. Der Grenzwissenschaftsautor und Hobbyastronom Andreas von Retyi machte 2008 Aufnahmen einer merkwürdigen Struktur, als er den Sirius B mit einer gekühlten CCD-Kamera machte, von der er glaubt, es könne sich möglicherweise um einen bislang nicht nachweisbaren weiteren Siriusbegleiter handeln. Der Nachweis eines Sirius C könnte die Diskussion um das „Siriusrätsel“ tatsächlich neu beleben. Von Retyi ist sich bewusst, dass seine Fotoanomalie alles andere als ein Beweis ist und zu weiteren Beobachtungen.

Neueste Untesuchungen aus dem Jahr 2011 wiederum, widersprechen der Annahme, es würde einen weiteren Siriusbegleiter geben.

Das internationale Team um Christian Thalmann vom „Max-Planck-Institut für Astronomie“ (MPIA, mpia.de) hat nun die Daten einer Langzeitbeobachtung mit dem „Infrared Camera and Spectrograph“-Instrument (IRCS) des japanischen „Subaru Telescope“ am „Mauna Kea Observatory“ auf Hawaii unübertroffen genaue Daten vorgelegt und auf „arxiv.org“ vorab veröffentlicht. Aus diesen Werten könne kein Begleiter im Sinne des zuvor vermuteten Sterns Sirius C abgeleitet werden. Auch können die Wissenschaftler anhand der Infrarotmessungen die Existenz von Staub, etwa in Form einer protoplanetaren Scheibe, um den weißen Zwergstern Sirius B ausschließen.

Mit diesen Untersuchungsergebnissen dürfte dem Siriusrätsel sein letzter Zauber genommen worden sein. Weder völkerkundliche Studien konnten ein rätselhaftes Wissen der Dogon über das Siriussystem bestätigen, noch konnten astronomische Untersuchungen letztendlich das angebliche Wissen bestätigen.

Anmerkungen

Es handelt sich bei dem Text um eine durch André Kramer erweitere und abgeänderte Fassung eines zuerst auf Grenzwissen-aktuell veröffentlichten Artikels von Andreas Müller: http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.com/2011/04/kein-dritter-stern-im-sirius-system.html

Literatur

Biedermann, Dr. Hans: Rätselhafte Vergangenheit. Geheimnisvolle Spuren aus früherer Zeit. Augsburg: Weltbild 1992

Bürgel, Bruno H.: Aus Fernen Welten. Eine volkstümliche Himmelskunde. Neubearbeitete und erweiterte Ausgabe. Berlin: Verlag des Druckhauses Tempelhof 1949

Däniken, Erich von: Beweise. Lokaltermin in fünf Kontinenten. Düsseldorf, Wien: Econ Verlag 1977

Pössel, Markus: Phantastische Wissenschaft. Über Erich von Däniken und Johannes von Buttlar. 2. Auflage. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 2002

Retyi, Andreas von: „Bestätigung für ein uraltes Geheimnis der Dogon? Neue Techniken für das alte Rätsel Sirius C.“, in: Däniken, Erich von (Hrsg.): Die andere Seite der Archäologie. Rottenburg: Kopp 2011

Schaifers, Karl; Traving, Gerhard: Meyers Handbuch Weltall. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Mannheim, Wien, Zürich: Meyers Lexikonverlag 1984

Temple, Robert K.G.: Das Sirius-Rätsel. Frankfurt/M, Berlin: Ullstein 1996

Thalmann, C.; Usuda, T.; Kenntworthy, M.; Janson, M.; Mamajek, E. E.; Brandner, W.; Domonik, C.; Goto, M.; Hayano, Y; Henning, T.; Hinz, P. M.; Minowa, Y.; Tamura, M.: Piercing the glare: A direct imaging search for planets in the Sirius system. In: The Astrophysical Journal Letters. Volume 732, number 2. April 2011. http://iopscience.iop.org/2041-8205/732/2/L34;jsessionid=39108F0246F529DEE43220C2684A39D0.c1