Am 18.04.2002 ging ein bewegtes Leben zu Ende. Thor Heyerdahl starb mit 87 Jahren in Italien an einem Gehirntumor. Wer aber war Thor Heyerdahl? Ein Forscher, eine Abenteurer, ein Wissenschaftler? In erster Linie war Heyerdahl Mensch, ein Mensch mit vielen Ideen und Träumen. Und mit einem Engagement welches seinesgleichen sucht.

Berühmt wurde der Norweger, als er 1947 mit einem Balsa-Floß den Pazifik von Peru in Richtung Polynesien überquerte. Die Fahrt der Kon-Tiki war eine Sensation, galt doch diese Passage bis dato als „unmöglich“.

Thor Heyerdahl

Abb. 1: Thor Heyerdahl – einer der letzten richtigen ‚Forscher‘?

So schrieb beispielsweise der angesehene Polynesien-Forscher Sir Peter Buck noch 1945 in seinem Buch ‚An Introduction to Polynesian Anthropology‘:

„Da die südamerikanischen Indianer weder über Fahrzeuge noch die Fähigkeit verfügten, quer übers Meer zwischen ihrer Küste und den nächsten Inseln in Polynesien zu navigieren, können wir von ihnen als mögliche Urheber [der Kultur in Polynesien, d.Verf.] absehen.“ [1]

Für viele Menschen wurde Heyerdahl zu einer lebenden Legende. Dabei wurde allerdings meistens vergessen, dass hinter der Fahrt der Kon-Tiki mehr stand, als das Abenteuer, eines „Seemanns mit Wikingerblut“. Heyerdahl bereitete seine Ergebnisse 1952 in einem umfangreichen wissenschafltichen Bericht auf: ‚American Indians in the Pazific. The Theory Behind the Kon-Tiki Expedition‘

Thor Heyerdahl

Abb. 2: Die Fahrt der Kon-Tiki – eine Glanzleistung der ‚experimentellen Archäologie‘

Die Frage, ob er nun Abenteurer oder Wissenschaftler sei, beantwortete Heyerdahl wie folgt:

„Abgesehen von vier Jahren als Freiwilliger im Kampf gegen die Nationalsozialisten während des Krieges, habe ich mich mein ganzes Leben mit nichts anderem als wissenschaftlicher Forschung beschäftigt, seit ich als Achtzehnjähriger anfing, Biologie zu studieren. Das Abenteuer war eine Zugabe. Ich habe das Abenteuer nie gesucht, nehme es aber gern als Extraspaß mit, wenn ich mit den Mitteln des Altertums experimentiere oder unbekannte Kulturen suche, indem ich alte Dogmen über vorgeschichtliche Schiffstypen widerlege.“ [2]

Die Verknüpfung zwischen Abenteuer und Wissenschaft begann für Heyerdahl schon einige Jahre vor der Kon-Tiki-Expedition. 1937 machte sich der Norweger – mit seiner ersten Frau Liv – auf den Weg zu den Marquesas-Inseln. Auf Fatu Hiva wollte er den Spuren von Charles Darwin folgen und für den Abschluss seines Biologie-Studiums an der Universität von Oslo zoologisches Material sammeln. Heyerdahls erster Versuch, „das Paradies zu finden“. [3]

Die Projekte von Heyerdahl:

  • ‚Zurück zum ursprünglichen Leben‘ – Marquesas-Inseln (1937-1938)
  • Spurensuche in Britisch-Kolumbien (1939)
  • Kon-Tiki-Expedition (1947)
  • archäologische Expedition zu den Galapagosinseln (1952-1953)
  • archäologische Expedition zu den Osterinseln (1955-56)
  • Schilfbootprojekt ‚‚RA‘ (1969)
  • Schilfbootprojekt ‚‚RA II‘ (1970)
  • Schilfbootprojekt ‚Tigris‘ (1977/78)
  • Expedition zu den Malediven (1983)
  • Expeditionen zu den Osterinseln (1986,1987,1988)
  • archäologisches Projekt in Túcume/Peru (1988-1993)
  • Forschung und Erhaltung der Pyramiden von Güimar/Teneriffa (1990-2002)

Nach seinem Tod werden die Ideen und Projekte Heyerdahls durch die, von ihm gegründete Organisation ‚Foundation for Exploration and Research on Cultural Origins‘ (FERCO) Fortbestand haben.

Wie schon erwähnt, war Thor Heyerdahl ein besonders engagierter Mensch. Dieses Engagement ging weit über seine wissenschaftliche Forschungsarbeit hinaus. So setzte er sich insbesondere für den Naturschutz und die Völkerverständigung ein.

Schon vor über 20 Jahren wurde er zum internationalen Berater des World Wildlife Fund (WWF) und als 1992 Michael Gorbatschow auf der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro beauftragt wurde, eine globale Umweltorganisation zu leiten, war Heyerdahl zur Stelle. Er fungierte als persönlicher Berater Gorbatschows bei der Gründungsversammlung von Green Cross International in Kyoto. Und bereits 1970 wurde bei der ersten UN-Versammlung zu Umfeldschutz in Stockholm sein, während der RA II Expedition aufgenommener, Bericht über die Verschmutzung der Meere behandelt.

Seine Schilfbootprojekte waren zu Zeiten, als der „eiserne Vorhang“ noch existierte, auch ein Appell an die Bevölkerung der Erde. Für die Durchführung lud Heyerdahl bewusst eine Mannschaft ein, die allesamt einen anderen kulturellen Hintergrund hatten. Er wollte damit zeigen, „dass es möglich sei, auf engstem Raum und unter Stress einträchtig zusammenzuleben, obwohl [die Mannschaft, d.Verf.] weder die gleiche Hautfarbe noch die gleichen politischen Ansichten oder denselben Glauben“ hatte. [4]

Heyerdahl bereitete sich auf seine letzte Reise vor. Laut den Angaben seines Sohnes Thor Heyerdahl jr. wollte sein Vater in seinem Haus an der norditalienischen Riviera die letzte Ruhe finden. Schon einmal kam der norwegischer Forscher an diesen Ort, um Ruhe zu finden – 1958 als der Streit um seine Theorien in den Zeitungen den Höhepunkt erreichte.

Hoffen wir, dass er nun das Ziel seiner Träume gefunden hat: sein Paradies.

Anmerkungen

[1] Heyerdahl 2000, S. 203
[2] ebd., S. 21
[3] ebd., S. 97
[4] ebd., S. 23

Abbildungsverzeichnis

[1] http://www.greatdreams.com/thor
[2] Kon-Tiki-Museum: http://www.kon-tiki.no

Literaturverzeichnis

Heyerdahl, Thor (2000): Auf Adams Spuren. München

Jacoby, Arnold (1966): Senor Kon-Tiki. Berlin