Konzepte der BiologieDie Biologie ist eine empirische Wissenschaft, die auf eigenen Konzepten beruht. In seinem letzten, 2005 erschienenen Buch hat der deutsche Biologe Ernst Mayr zwölf Essays zusammengestellt, die dies deutlich machen. Sie greifen Themen auf, die den Autor besonders beschäftigt haben, und fassen seine Erkenntnisse zusammen.

Der Grundstein zur Philosophie der Biologie

Obwohl das naturwissenschaftliche Verständnis und dessen Akzeptanz in der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht hat, leidet vor allem die Biologie noch immer an der fehlenden Anerkennung als eigenständige Wissenschaft.

In diesem Werk stellt einer der bedeutensten Biologen unserer Zeit seine Ergebnisse zur Analyse dieses Phänomens vor. In zwölf Kapiteln belegt Ernst Mayr verständlich, jedoch auf wissenschaftlich fundierter Basis, den Autonomiestatus der Biologie. Er beschreibt ohne Abschweifungen die der Biologie zugrunde liegenden, wissenschaftlichen Konzepte und weist nach, dass viele davon anderen Naturwissenschaften nicht analog sind. Mayr berichtigt das vorherrschende, falsche Bild der Biologie in der Wissenschaftsphilosophie und zeigt, dass die „Wissenschaft des Lebendigen“ einer völlig anderen Betrachtung im Vergleich zur Physik oder Chemie bedarf.

Der Leser profitiert fast durchgehend von der jahrzehntelangen Erfahrung des Autors. Mayr setzt sich kritisch mit einschlägigen Werken der alten und neuen Literatur der Philosophie und Biologie auseinander. Dabei analysiert er die Anwendbarkeit der Theorien bekannter Philosophen von Aristoteles über Kant bis zu Thomas Kuhn, wie auch biologische Modelle von Lamarck, Buffon und Richard Dawkins.

Mayr beschränkt sich an vielen Stellen bewusst auf die konkreten Ergebnisse biologischer Wissenschaft, erläutert genau die zugrundeliegende Methodik und vergleicht diese mit anderen Wissenschaften. Leser die bereits andere Werke von Ernst Mayr gelesen haben, werden einige Themen daraus wiederfinden – in einem neuen Kontext betrachtet. Dazu gehört auch das Theoriengebäude von Charles Darwin, dem drei von zwölf Kapiteln gewidmet sind.

Fazit

In seinem letzten Werk gibt Ernst Mayr an vielen Stellen zusammengefasste Ergebnisse seiner über 80-jährigen Forschungsarbeit im Bereich der Biologie. Er vergleicht die dabei zugrunde liegenden Konzepte mit anderen Wissenschaften und findet Ansätze wie diese zu einer neuen wissenschaftsphilosophischen Betrachtung der Biologie führen. Meiner Meinung nach ist kein anderer Autor derart in der Lage den Grundstein einer umfassenden Philosophie der Biologie zu setzen als Ernst Mayr.

Mayr, Ernst: Konzepte der Biologie, Hirzel Verlag, Stuttgart 2005, 224 Seiten, ISBN 377761372X, € 32,00