Editorial der Ausgabe 2/2002 von Alexander Nertz.

Liebe Leserin, lieber Leser,

die zweite Ausgabe von Mysteria3000 ist redaktionell abgeschlossen. Auch in dieser Ausgabe erwarten Sie wieder interessante Artikel und Berichte aus den unterschiedlichsten Bereichen. Doch wurde die Redaktionsarbeit der letzten Wochen durch den Tod eines Mannes überschattet, der Wissenschaftler, Entdecker und Abenteurer zugleich war: Thor Heyerdahl.

Mit seinen unkonventionellen Ansichten hatte er die Wissenschaft mehrfach herausgefordert, bekam stets heftige Kritik von namhaften Fachleuten, die diese meist in Zeitungen publizierten. Doch wenn er seinen Kritikern direkt gegenüber treten konnte, auf Kongressen und bei privaten Treffen, war es ihm möglich, auf jedes Argument einzugehen und seine Gegner zu überzeugen. Seiner Beharrlichkeit und seiner Geduld ist es zu verdanken, dass er seine Ideen nicht verwarf und die Segel strich. Für seine Arbeit fand er schließlich die Anerkennung, die er verdiente.

1998 erschien seine Biographie ‚Auf Adams Spuren‘. In einer „Erinnerungsreise“, dies der norwegische Originaluntertitel, blickt er für sich und seine Leser zurück auf ein bewegtes Leben, in dem er die unterschiedlichsten Menschen kennen gelernt hat und sich neben der Wissenschaft auch in den Bereichen Naturschutz und Völkerverständigung stark machte.

Markus Pezold schrieb für die aktuelle Ausgabe einen Bericht über Thor Heyerdahl als einen besonders engagierten Menschen. In Gedenken an seine großartig Arbeit, die viele inspiriert hat und auch der alternativen Archäologie als Vorbild dienen sollte, wollen wir ihm diese Ausgabe von Mysteria3000 widmen.

Wir von Mysteria3000 sind bemüht, in Sachen Archäologie und Altertumsforschung ein sehr weites Spektrum abzudecken, welches weit über die PaläoSETI hinausgehend. Zeitlich und regional sind den behandelten Themen nahezu keine Grenzen gesetzt. Neben Berichten über aktuelle archäologische Funde in Europa und Südamerika, Untersuchungen zu speziellen Problemen, wie dem Tulli-Papyrus aus Ägypten und dem Umgang mit Einsteins Relativitätstheorie seitens der Kritiker, steht ein umfassender Artikel über Kultur und Geschichte der Maya im Mittelpunkt. Außerdem finden Sie Buchrezensionen zu umstrittenen Themen und Thesen.

Fachübergreifende und interdisziplinäre Forschung ist heute wichtiger denn je, das hat auch die Wissenschaft eingesehen. Vor fünfzig Jahren war dies jedoch weniger eine Selbstverständlichkeit. Thor Heyerdahl schüttelte mitunter den Kopf darüber, wie viele Gelehrte in den vier Wänden ihres Fachgebietes arbeiten, ohne einen Blick auf die Nachbardisziplinen zu riskieren. Denn: „Ein Spezialist zu sein bedeutet nicht, allwissend zu sein. Im Gegenteil. Die beiden Begriffe widersprechen sich.“

In diesem Sinne versuchen wir, unseren Beitrag zu leisten, und wünschen Ihnen eine angenehme Entdeckungsreise rund um unseren Globus.

Herzlichst, Ihr

Alexander Nertz

Literatur

Heyerdahl, Thor (2001): Auf Adams Spuren. München