Patrick Grete bietet einen poplärwissenschaftlichen Einblick in die Problematik ‚Relativitätstheorie‘ und geht dabei sowohl auf die Kritiker Einsteins aus den Reihen der Wissenschaft als auch auf sogenannte ‚Hobbyforscher‘ ein, die mit ihren Arbeiten Einstein widersprechen.

1. Vorwort

Mit der Veröffentlichung der beiden Relativitätstheorien 1905 (spezielle) und 1916 (allgemeine) durch Albert Einstein setzte ein grundsätzlicher Wandel im Denken ein. Die sog. ‚Klassische Physik‘ wurde abgeschlossen und mit der Relativitätstheorie neu formuliert und erweitert. Gleichzeitig kam eine andere Theorie, die sog. Quantentheorie auf. Bis heute ist die Physik mit diesen Disziplinen beschäftigt.

Es ist eine berechtigte Frage, was dieser Artikel beitragen kann, was nicht schon längst gesagt oder geschrieben wurde. Dabei muss man eigentlich nicht lange (z.B. im Internet) suchen, um meine Intention zu verstehen. Die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie scheinen in der Öffentlichkeit nicht großartig anerkannt. Es existieren viele populäre, mehr oder weniger wissenschaftliche, Artikel (bzw. Bücher), welche darstellen, dass beide Theorien eigentlich falsch und schon längst wiederlegt sind. In meinem Paläo-SETI-Workshop von 1999 am Goethe-Gymnasium behandelte ich ebenfalls die Gegenseite [1]. Ich musste nun einsehen, dass ich mich in vielen Punkten täuschte; in der Hinsicht handelt es sich bei diesem Artikel also auch um ein Erratum meinerseits.

Ich werde in diesem Artikel eine Lücke schließen, denn nach meiner Recherche, existiert kein populärwissenschaftlicher Artikel, der halbwegs die Ausmaße der Relativitätstheorie darlegt oder auch nur eine genaue Trennung von Vorraussetzungen und Folgerungen vollzieht. Es scheint kein solcher Artikel zu existieren, der sich mit den Argumenten der Gegner dieser Theorie auseinander setzt.

Mit meinem Artikel möchte ich ebenfalls dafür sorgen, dass die Distanz zwischen Hobbyforschern und der etablierten Wissenschaft nicht deshalb größer wird, weil unwissenschaftlich und stümperhaft mit den Relativititätstheorien umgegangen wird. Gemeinsame Arbeit ist nur dann möglich, wenn man sich gegenseitig ernst nimmt. Es reicht nicht zu fordern, dass sich die etablierte Wissenschaft mit den Theorien dieser Autoren beschäftigen soll, auch die Kritiker müssen zeigen, dass sie sich mit der Thematik auseinandergesetzt haben und genau deshalb ihre eigenen Thesen entwickelt haben.

In den Naturwissenschaften gestaltet sich das Überprüfen alternativer Theorien für gewöhnlich recht „einfach“ – aber sehr wohl zeitaufwendig. C. Zuppinger zum Beispiel machte dies in einem seiner Artikel [2] deutlich. In den Geisteswissenschaften ist selbiges für gewöhnlich nicht so einfach. Man kann, schlicht gesagt, nicht in der Zeit zurück reisen und nachschauen wie es war. Von diesem Standpunkt aus gesehen ist es eigentlich seltsam, dass ein solcher Artikel wie dieser noch nicht existiert. Vielleicht lässt sich dieser Artikel nicht so gut verkaufen, wie die Artikel der Gegner dieser Theorie. Aber lassen wir uns nicht auf solche Spekulationen ein.

Was dieser Artikel selbstverständlich nicht leisten kann, ist die Aufgabe eines Lehrbuchs der theoretischen Physik zu übernehmen. Es ist nicht möglich, populär-wissenschaftlich eine naturwissenschaftliche Theorie genau zu begründen, herzuleiten etc. Dies wäre in einer solchen Publikation viel zu kompliziert und für den Laien nicht verständlich. Zudem würde eine zu detaillierte Beschreibung den Rahmen meines Artikels bei weitem sprengen. Genauere Angaben finden sich in den zitierten wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Relativitätstheorie.

2. Das Problem

Man ist eigentlich versucht zu fragen, wo denn das Problem bei den beiden Relativitätstheorien liegt. Warum werden sie nicht von allen Hobbyforschern anerkannt? Warum werden Verschwörungstheorien erdacht, dass die etablierten Wissenschaftler in ihrem Elfenbeinturm diese Theorie aus dogmatischen Gründen beibehalten wollen und es eigentlich keinerlei stichhaltige Herleitung und Experimente zu dieser Theorie gibt (vgl. [3]).

Häufig, so wurde mir in verschiedenen Diskussionen klar, ist ein Grund für die Ablehnung die Folgerung, dass gemäß der speziellen Relativitätstheorie von Einstein kein Raumschiff schneller als Licht fliegen kann. Wie wir sehen werden, ein zu vorschnelles Urteil. Ein sehr großes populärwissenschaftliches Gedanken- und Ideengebäude (die Paläo-SETI) baut auf die prinzipielle Möglichkeit, kosmische Distanzen zu überbrücken. Eine Ablehnung von dieser Seite ist im ersten Moment schlüssig. Jedoch offenbart jeder genauere Blick auf die Relativitätstheorien, wie unbegründet diese Ablehnung eigentlich ist.

An solchen Diskussionen merkt man sehr schnell, woran es wirklich liegt: Es herrscht in der Öffentlichkeit eine unklare Vorstellung der Allgemeinen und der Speziellen Relativitätstheorie. Häufig ist noch nicht einmal der Unterschied zwischen den beiden Theorien Albert Einsteins bekannt. Selten wird zwischen den Vorraussetzungen und den Folgen dieser Theorien unterschieden. Die Theorie wird als Einzelarbeit Einsteins betrachtet, zu der es weder zu seiner, noch zu unserer Zeit Ergänzungen gegeben hat. So bleiben auch die Zusammenhänge mit anderen Theorien unbeachtet.

Schlussendlich trifft man auf das Argument, dass die etablierte Wissenschaft auf diese Gegenargumente keine Antwort oder aber nur billige Ausreden hat, was häufig auf die Geschichte mit dem Elfenbeinturm und die Arroganz dieser Wissenschaftler zurückgeführt wird. Wie es darum wirklich steht, soll ebenfalls Inhalt dieses Artikels sein.

3. Ein Überblick

3.1 Das klassische Weltbild

Bevor wir uns mit den Relativitätstheorien beschäftigen, ist es sinnvoll, einen Blick auf die sog. ‚Klassische Physik‘, also auf die Physik vor Albert Einstein und Werner Heisenberg (Begründer der Quantentheorie), zu werfen.

Als erstes zur Mechanik und damit zu den Vorstellungen von Isaac Newton. Sein Konzept war bis 1905 gültig. Was waren seine Vorraussetzungen?

Newton hatte die Vorstellung vom absoluten Raum und der absoluten Zeit aufgebracht. Hinter dem Bild vom absoluten Raum steckt die Überlegung, eines Koordinatensystems, von dem aus alle anderen Objekte Bewegungen ausführen. Er nannte dieses System Äther. Die Erde und das gesamte Sonnensystem konnten relativ zu diesem Äther gemessen und die jeweiligen Koordinaten in diesem absoluten Raum angegeben werden. Ferner sollte in diesem absoluten Raum auch eine absolute Zeit gelten. Jedes Objekt in diesem Raum hat also die gleiche Zeit. Und von jedem Objekt in diesem Äther konnte ebenfalls ein Koordinatensystem ausgehen. Es gab eine große Anzahl an solchen Systemen, in denen Newtons Gesetze der Mechanik gültig waren (die sog. Inertialsysteme) und es gab Systeme bei denen diese Gesetze einer Korrektur bedurften (z.B. rotierende Systeme; dort braucht man die Scheinkräfte Zentrifugalkraft und Corioliskraft). Die Richtigkeit seines Konzeptes konnte aber immer wieder überprüft werden (z.B. sind die Erfolge des Ingenieurwesens maßgeblich darauf zurückzuführen).

Beispiel:

Ein Auto fährt mit 100 km/h über eine gerade Straße. Am Rand steht eine Person, die das beobachtet. Vom Auto aus wirft eine Person einen Ball mit 30 km/h in Fahrtrichtung. Die Person am Rand wird die Geschwindigkeit des Balles mit (100+30) 130 km/h messen. Wirft die Person den Ball in die andere Richtung, so wird die Person am Rand (100-30) 70 km/h messen.

Aus unserer Alltagserfahrung ist uns dieser Sachverhalt so bekannt, dass es für uns unvorstellbar ist, ein anderes physikalisches Verhalten festzustellen .

Neben der Mechanik existierte ein großes Theoriegebäude von James Clerk Maxwell zur Elektrodynamik. Damit konnten alle magnetischen, elektrostatischen und elektrodynamischen Effekte der damaligen Zeit vorhersagt und beschrieben werden. Einen Zusammenhang zwischen den Theorien von I. Newton und J.C. Maxwell konnte damals aber nicht hergestellt werden.

James Clerk Maxwell

Abb. 1: James Clerk Maxwell

Die Erklärung dazu ist schon ein wenig schwierig, daher soll folgendes ausreichen:

Die Maxwell-Theorie fußt auf mehreren Wellengleichungen. Sieht man Licht als Welle an, so gelingt es nicht, das oben beschriebene Prinzip zur Geschwindigkeitsaddition durchzuführen. In jedem Inertialsystem sollten die Gesetze gleich sein. Rechnet man allerdings die Wellengleichung einer bewegten Lichtquelle aus, so entsteht eine völlig andere Gleichung (die noch nicht mal eine Wellengleichung ist), obwohl bewegte Lichtquellen sehr wohl die gleichen Lichtwellen aussenden wie ruhende Lichtquellen. Man nahm an, dass Licht eine Sonderrolle spielt. Wir werden auf diese sehr wichtige Problematik später noch einmal zurückkommen.

3.2 Die Sonderrolle des Lichts

Die Sonderolle des Lichts verdient eine genauere Betrachtung. Lange Zeit wusste man nicht, ob Licht überhaupt eine endliche Geschwindigkeit hat, oder aber unmittelbar von einem Ort zum anderen kommt. Wenn man sich die ungefähre Geschwindigkeit des Lichtes daran veranschaulicht, dass es in einer Sekunde ca. sieben Mal um den Äquator kommen könnte, ist eigentlich klar, wie genau die Messgeräte werden mussten, damit man die Geschwindigkeit des Lichtes messen konnte. Der erste wirkliche Beweis gelang Ole Römer (1676). Er versuchte eine Zeitdifferenz zwischen zwei von der Erde aus gemessenen Mondfinsternissen eines Jupitermondes zu messen, wenn die Erde näher oder weiter vom Jupiter entfernt ist:

Messung der Lichtgeschwindigkeit nach Ole Römer 1676

Abb. 2: Messung der Lichtgeschwindigkeit nach Ole Römer 1676

Römer stellte dabei eine Zeitdifferenz fest, womit klar war, dass Licht eine endliche Geschwindigkeit hat. Die Experimente wurden immer weiter verfeinert. Seit 1983 ist der genaue Wert bekannt:

c = 299792458 m/s

Nachdem feststand, dass Licht eine endliche Geschwindigkeit hat, wollte man herausfinden, ob sich die Geschwindigkeit des Lichtes einer bewegten Lichtquelle ändert und zwar, ob sie sich so ändert, wie sich die Geschwindigkeit des Balls (s.o.) ändert. Das erste Experiment dazu, war das Experiment von Albert Abraham Michelson und Edward Williams Morley. Ihre Idee war folgende:

Die Erde bewegt sich durch den Äther mit einer gewissen Geschwindigkeit. Die Lichtgeschwindigkeit müsste sich (in dieser Richtung gemessen) zur Erdgeschwindigkeit addieren. Der Lichtstrahl wird im Experiment sodann geteilt und die geteilten Strahlen werden reflektiert und zum Schluss interferieren sie miteinander. Das ganze bildet ein typisches Streumuster. Wenn man die Anlage um 90° dreht, wird sich die Geschwindigkeit nicht addieren; das Muster müsste ein anderes sein.

Das Michelson-Morley Experiment von 1887.

Abb. 3: Das Michelson-Morley Experiment von 1887.

Der Clou an der Geschichte war aber, dass sich das Muster nicht ändert. Demnach mussten die Vorraussetzungen des Michelson-Morley-Experiments falsch sein. Die Geschwindigkeit der Erde und die des Lichtes schienen sich nicht zu addieren. Die Lichtgeschwindigkeit schien viel mehr konstant zu sein. Dies wurde damals lange Zeit bestritten und stellte ein theoretischen Problem dar. Wie sollte man dieses Phänomen beschreiben?

3.3 Die Lösung des Problems: Die Spezielle Relativitätstheorie

Die theoretische Erklärung zu diesem Versuch fand Hendrik A. Lorenz. Er leitete aus der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit eine andere Transformation zwischen zwei Systemen her. Mit ‚Transformation‘ meinen Physiker den Übergang zwischen zwei Koordinatensystemen. Albert Einstein hat die Erklärung von H.A. Lorenz weiterentwickelt und 1905 als die spezielle Relativitätstheorie veröffentlicht.

An dieser Stelle ist es wichtig, Vorraussetzungen und Folgen klar zu trennen. Entgegen alternativer Auffassungen, ist es keine Forderung von Einstein, die Lichtgeschwindigkeit könne nicht von unterhalb von c überschritten werden. Das ist eine Folge, wie wir noch sehen werden.

Die 3 Postulate von Einstein lauten:

– Der Raum ist homogen und isotrop.
– In jedem Inertialsystem nehmen die Naturgesetze die gleiche Form an
– Die Vakuum-Lichtgeschwindigkeit c ist in jedem Inertialsystem unabhängig vom Bewegungszustand der Lichtquelle

Anmerkungen:
Das erste Postulat bedeutet, es gibt beispielsweise keine ausgezeichnete Richtung im Raum. Alle Richtungen sind gleichberechtigt. Wäre dem nicht so, so könnte sich ein Gegenstand plötzlich von selbst in Bewegung setzen (nämlich in die ausgezeichnete Richtung). Weitere Effekte würden aus der Ungültigkeit des 1. Einstein’schen Postulat folgen. Alle sind niemals experimentell gezeigt worden.

Hinter dem 2. Postulat verbirgt sich die Forderung, die Physik nicht ständig neu erfinden zu müssen. Man stelle sich das mal bildlich vor: Ein Physiker führt einige Experimente bei sich durch, wertet diese aus, kommt zu Schlüssen, welche er anderen Physikern vermitteln will. Diese sagen dann, dass er doch bei ihnen das Experiment aufbauen und vorführen solle. Gesagt, getan, doch bei den anderen Physikern sieht alles ganz anders aus, weil sie in einem anderen Inertialsystem sind. Ein solches Wirrwarr wäre ja gar nicht auszudenken und was noch viel wichtiger ist; es ist einfach nicht so. Daher also die Forderung, dass es kein ausgezeichnetes Inertialsystem gibt.

Postulat 3 verallgemeinert lediglich das Experiment von Michelson und Morley.
Die von Lorenz benutzte Herleitung kann an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden. Bei Interesse sei auf die einschlägige Fachliteratur zu diesem Thema verwiesen. Unter [4] auf Seite 20 – 26 findet sich eine einleuchtende Herleitung.

3.4 Wichtige Überlegungen zur Gestalt der Transformation

Die Transformation muss linear sein. Dies folgt direkt aus dem ersten Postulat, denn jede nicht lineare Abbildung (z.B. Parabeln) hat ausgezeichnete Richtungen und ist demnach nicht mit einem homogenen und isotropen Raum vereinbar. Es ist nicht einfach zu entscheiden, was linear ist und was nicht. Denn man weiß nicht, wie viele Dimensionen unser Raum eigentlich hat. Wir sehen nur 3 und denken uns noch die Zeit als vierte hinzu. Was aber spricht gegen 67 oder 75 Dimensionen? Zuerst einmal gar nichts! Daher muss geklärt werden, unter welchen Vorraussetzungen eine Abbildung, wie diese Transformation, in einem N-dimensionalen Raum linear ist (wobei N für eine beliebige Natürliche Zahl steht). Dieses ist beantwortet worden und für die Lorenztransformation wurde die Linearität festgestellt (vgl. [5], [6]).

Die Auswirkungen der Linearität sei an folgendem Beispiel verdeutlicht:

Eine Gerade ist eine lineare Abbildung. Wenn sie an einer Stelle die x-Achse im Koordinatensystem schneidet, so tut sie es kein zweites Mal.

Hat man die Lösung gefunden und weiß man, dass die Abbildung linear ist, kann man daraus folgern, die einzige mögliche Lösung vor sich zu haben. Sie ist eindeutig. Auf die Lorenztransformation trifft das gemäß den unter [5] und [6] angegebenen Arbeiten zu. Sie ist demnach die einzige Lösung, die man aus diesen Forderungen erlangen kann.

Die Folgen (und nicht die Forderungen!!) aus der Lorenztransformation sind die bekannten Effekte, wie Längenkontraktion, Zeitdehnung und Unüberwindbarkeit von c. Die entscheidende Rolle spielt dabei der sog. ‚Lorenzfaktor‘ mit dem die Zeit verlängert und die Länge verkürzt wird:

Wurzel 1-v²c²

Aus diesem Ausdruck ist zu ersehen, warum (aus rein theoretischen Gründen) keine Geschwindigkeit v oberhalb von c möglich ist. Unter der Wurzel würde ein negativer Ausdruck stehen und aus diesem können wir keine reelle Zahl errechnen. Wenn man mit „komplexen Zahlen“ umgehen kann, kann man diese Wurzel dennoch auswerten, nur hat dieser Ausdruck keine physikalische Bedeutung. Was nützt es, z.B. eine Länge mit ‚3i‘ anzugeben. Die Fläche wäre dann minus Neun (wegen i = Wurzel -1 ). Das sind in diesem Falle nur mathematische Konstrukte, ohne nachgewiesene Bedeutung für die Wirklichkeit.

3.5 Der Clou: Die Verbindung zweier Theorien

A. Einstein konnte nachweisen, dass mit der Lorenztransformation auch die Maxwell-Theorie für bewegte Körper zutrifft [7]. Er hatte damit zwei, bis dahin eigenständige Theorien – ohne erkennbare Verbindung – zusammenführen können. Eine Tatsache, die man so gut wie nie von den Gegnern der speziellen Relativitätstheorie hört. Warum ist eigentlich klar: Wellengleichungen gehören zu einer recht schwierigen Mathematik (partielle Differentialgleichungen). Damit kann kein Laie etwas anfangen, weswegen sie nicht in populärwissenschaftlichen Artikeln behandelt werden. Allerdings ist es ein essentieller Tatbestand, dass die einzig mögliche und eindeutige Lösung diejenige ist, die zwei Theorien zusammenführt. Hieraus wurden neue Effekte vorhersagbar, die allesamt experimentellen Prüfungen stand hielten (vgl. [8]). Dies erklärt auch, die „Beliebtheit“ der speziellen Relativitätstheorie. Sie ist theoretisch einwandfrei, eindeutig und kommt zu überprüfbaren Vorhersagen, die mit den Experimenten übereinstimmen.

4. Einschub: Wissenschaftliche Methodik der Physik

Bevor wir uns nun der Gegenseite zuwenden, noch ein kurzer Einschub in die wissenschaftliche Methodik der Physik:

Physik ist eine sogenannte ‚kohärente‘ Wissenschaft. D.h. sie ist eine „aufbauende“ Wissenschaft. Demnach müssen neue Theorien immer wieder die alten enthalten. Sie müssen sowohl neue als auch alle alten Phänomene erklären können (bzw. wie dies häufig der Fall ist; als Spezialfall enthalten). Denn wenn sie mit den alten Theorien im Widerspruch stehen, kann man sie nicht akzeptieren. Die spezielle Relativitätstheorie wird, wie wir gesehen haben, genau diesem Anspruch gerecht.

Der höchste Richter über eine physikalische Theorie ist das Experiment. Eine „wahre“ physikalische Theorie muss immer zu überprüfbaren Vorhersagen und Erklärungen kommen. Dabei ist es natürlich eine nicht ganz einfache Sache, zu entscheiden, wie man die Ergebnisse zu interpretieren (!!) hat. Dieser Schwierigkeit sind sich Physiker sehr wohl bewusst (vgl. [9] Seite 30). Wenn jedoch die Wahl besteht, die Ergebnisse mit einer schon vorhandenen Theorie schlüssig zu erklären, oder aber eine völlig neue Theorie zu entwerfen, so wird immer die erste Möglichkeit gewählt.

5. Kritische Betrachtung der Argumente der Gegenseite

Nachdem wir so großen Anlauf genommen haben, wenden wir uns nun den Argumenten der Gegenseite zu:

5.1 Theoretische Schwächen

Bei E. Friebe [3] findet sich die Aussage, es gibt keine einwandfreie Herleitung der Lorenztransformation. Hierbei wäre natürlich zu klären, was Friebe mit „einwandfrei“ bezeichnet. Er bleibt diese Antwort schuldig. Alle meine Recherchen zu diesem Kritikpunkt ergaben, dass diese Transformation sehr gut theoretisch begründet ist. Nur ist es schwierig, diese Begründung in einem populärwissenschaftlichem Artikel zu liefern. Der interessierte Leser sei auf die Fachliteratur verwiesen (z.B. [4]).

5.2 Unerklärliche Strahlung

In [10] ist zu lesen, die sog. Tscherenkov-Strahlung sei nicht erklärbar. Diese Strahlung tritt im Kühlwasser von Kernreaktoren auf. In Wasser ist die Lichtgeschwindigkeit um zwei Drittel geringer (was, wie man sieht, nicht im Widerspruch zu Einstein steht). Allerdings werden bei dem Zerfall Teilchen erzeugt, die schneller sind als 100.000 km/s. Es kommt (analog zum Überschallkegel) zu einem Überlichtkegel, der sog. Tscherenkov-Strahlung. Bei P. Ripota [10] ist zu lesen:

„[…],dass es noch keine gültige Lehrmeinung darüber gibt, wie es Licht schafft […] langsamer zu werden. Denn eigentlich ist das unmöglich!“

Dies ist einfach nur falsch und lässt sich mit den Wellengleichungen (wenn man damit umgehen kann) sehr leicht erklären. Es ist tatsächlich so, dass man diese Strahlung nur MIT der relativistischen „Erweiterung“ erklären kann. Ein Blick in [11] auf die Seiten 174, 204, 444 und 882 räumt erste Zweifel aus und rüstet für ein Quellenstudium aus dem Bereich der ‚Theoretischen Physik‘.

5.3 Licht in Cäsiumgas 330 mal so schnell, wie normales Licht

An anderer Stelle liest man bei Ripota [10] (S.64 oben) von folgendem Experiment, welches in der Öffentlichkeit für Aufregung sorgte. Licht wurde durch Cäsium-Gas geleitet und soll den Behälter verlassen haben, „bevor es überhaupt herein kam!“

Wenn man sich nicht mit derartig verdrehten Fakten zufrieden geben will, muss man einen Blick in die Fachliteratur werfen. Leider gibt Ripota nicht die Textstellen an, mit denen er seine Aussagen untermauert. Dies mag ganz einfach daran liegen, dass es eine solche Textstelle nicht gibt! [12]

Belustigend: Das Experiment zeigt, die spezielle Relativitätstheorie und ihr Kausalitätsprinzip ist streng gültig, da „das Maximum des auslaufenden Pulses nicht mit dem Maximum des Einlaufenden kausal zusammenhängt, sondern nur mit dessen vorderer Flanke – und die war schon vorher da.“ [13]. Über den Sinn dieser gezielten Fehlinformation aus der PM kann nur spekuliert werden!

5.4 1,25-fache Lichtgeschwindigkeit erreicht

Auch hört man in verschiedenen Diskussionen: „Da hat es wer geschafft, Lichtwellen auf 1,25c zu beschleunigen; ein klarer Beweis gegen Einstein.“

Auf die hyperschnelle Symphonie des G. Nimtz werden wir noch kommen. Aber welches Experiment steckt hinter dieser Aussage? Nach einiger Suche wurde ich fündig [14]. Dort liest man tatsächlich etwas von „superluminalen [überlichtschnellen; PG] Ausbreitungsgeschwindigkeiten“.

Erklären kann man diese Ergebnisse allerdings schon und zwar mit der, durch die Relativitätstheorie, erweiterten Elektrodynamik (Kovarianz der klassischen Elektrodynamik, um bei dem Sprachgebrauch der Physiker zu bleiben). In [15] ist dieses geschehen. G. Raithel macht darauf aufmerksam, dass es Mugnai et al. versäumt haben, „genau zu definieren, welche Eigenschaft der Welle sie als Signal gewählt haben.“ [15] Raithel legt dar, die Ergebnisse stimmen mit der Theorie überein und es gibt keine Anzeichen für eine Verletzung der Kausalität (eine Prüfung dieser Aussage ist nur möglich, wenn man die „Kovarianz der Elektrodynamik beherrscht).

5.5 Das Experiment von G. Nimtz

Das wohl bekannteste Experiment, welches die Ungültigkeit der speziellen Relativitätstheorie zeigen soll, ist das Experiment von G. Nimtz. In populärwissenschaftlichen Artikeln liest man von einer Symphonie, die durch einen Hohlleiter geschickt wurde und 4,7c erreicht haben soll. In [16] befindet sich eine detailliertere Beschreibung des Experiments. Mir ist ein Artikel bekannt [10], in welchem darauf Bezug genommen wird. Hier wird erklärt, dass es sich wohl nicht um die Frontgeschwindigkeit der Welle handelt, sondern nur um die ‚Gruppengeschwindigkeit‘ und dafür seien ganz andere Geschwindigkeiten oberhalb von c möglich. Man denkt schon daran, die Sache habe sich damit eigentlich erledigt , aber in Diskussionen wird diese Erklärung immer wieder als „billige Ausrede“ abgetan. Zur Klärung dieses Sachverhalts muss ebenfalls ein Quellenstudium erfolgen:

In [16] kann man die Originalpublikation nachlesen. Hier liest man tatsächlich etwas davon, „dass ein Wellenpaket“ zum „Durcheilen“ eines Hohlleiters „keine Zeit benötigt“.

Natürlich folgte auf diese Publikation heftige Kritik. Diese artete aber entgegen manch anderen „Schlammschlachten“ nicht in eine solche aus, sondern wurde auf der Sachseite geführt (zumindest soweit das derzeitig aus den entsprechenden Publikationen nachvollziehbar ist). In [17] wird dargelegt, wie man die Ergebnisse mit der derzeitigen Theorie erklärt. Um diese Erklärungen allerdings zu verstehen, müssten wir sehr weit in die Maxwell-Theorie einsteigen. Interessierte Leser seien daher erneut auf die genannten Quellen verwiesen.

6. Zwischenbetrachtung: Einfach klingende Frage, schwierige Antwort

Wenn man sich als interessierter Laie daran macht, diese Fragen in „Eigenregie“ zu klären, stößt man für gewöhnlich schnell an Grenzen. Vieles ist in Wirklichkeit nämlich erheblich komplizierter, als es in populärwissenschaftlichen Publikationen dargestellt werden kann. Eines von vielen Beispielen ist z.B. die Antwort auf folgende Frage:

„Welche Zeit herrscht in einem Tunnel für die Welle?“

Eigentlich, so möchte man meinen, die gleiche Zeit wie für uns, wenn wir durch einen Tunnel gehen würden. Tatsächlich aber handelt es sich dabei noch um eine nicht eindeutig geklärte Frage. Es existieren verschiedene Modelle, aber keines hat sich bisher als das gültige und richtige herausgestellt. Meinen Recherchen nach ist [18] die letzte umfassende Publikation. Sie zeigt vor allem, wie kontrovers diese Fragestellung noch diskutiert wird.

Für eine halbwegs klare populärwissenschaftliche Arbeit zu diesem Problem wäre ein erheblich größerer Anlauf nötig, als er alleine für diesen Artikel notwendig war. Dies ist wohl die wahrscheinlichste Erklärung dafür, warum solche Fragestellungen in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind.

7. Ein Musterbeispiel an „Seifenblasenargumentation“

Bisher wurden die Gegenargumente aufgezeigt, die zum größten Teil aus der etablierten Wissenschaft stammen und lediglich wegen einer verdrehten und zu sehr reduzierten populärwissenschaftlichen Ausarbeitung bei vielen die Ahnung hervorriefen, die spezielle Relativitätstheorie stimme nicht. Der Anteil der pseudowissenschaftlichen Gegenargumente ist indes wesentlich größer. Es existieren jede Menge Bücher zu diesem Thema. In [19] wurde ein solches Buch [20] vorgestellt und offenbar unkritisch wiedergegeben.

Bei derartigen Veröffentlichungen ist eine genaue Gegenargumentation häufig sehr schwierig, da vieles nicht wirklich überprüfbar ist. Aber sehen wir selbst:

7.1 Gab es zu früheren Zeiten genauere Messdaten wie heute?

In [19] wird dem Leser erklärt, das Experiment von Michelson und Morley habe sehr wohl eine Differenz im Muster aufgewiesen und der Ätherwind mit „acht km/s“ geblasen . „Diese Ergebnisse wurden 1933 von Dayton Miller bestätigt.“

Auffällig an diesem Argument ist, dass es sehr alt ist (immerhin 69 Jahre) und trotzdem sagenhaft genau sein soll. Fand wirklich dogmatisch keine weitere Überprüfung statt und gab man sich mit der Erklärung MESSFEHLERzufrieden? Sollte es wirklich so schlecht um die Physik bestellt sein? Diesen Eindruck kann man sich als Leser nicht verwehren. Alleine schon die Tatsache, dass nicht angegeben wird, wo diese Ergebnisse von Miller veröffentlicht wurden, machen eine Überprüfung besonders schwierig. Allerdings sollte die angesprochene Genauigkeit (die von nachvollziehbaren Experimenten zu späteren (!!) Zeiten noch nicht erreicht wurde) zu aller größter Skepsis führen.

Dass keine weitere Überprüfung stattfand, ist natürlich falsch. Aber wenn in diesem Artikel die neueren Experimente vorgestellt worden wären, dann wäre schon an dieser Stelle die Argumentationskette zusammen gebrochen. In [21] publizieren die Autoren über ein Experiment mit moderneren und genaueren Messungen und kommen 1964 (also über 30 Jahre später) zum Ergebnis (welches ungenauer ist, als das ältere (!!) Experiment, das in der Quelle [19] angegeben wird), in folgender Gleichung

c‘ = c + k*v

sei k kleiner als 0,01. Diese Gleichung enthält die hypothetische neue Lichtgeschwindigkeit c‘, die bekannte Lichtgeschwindigkeit c, die Geschwindigkeit v der Lichtquelle und den Faktor k. Dieses Experiment konnte mit einer Genauigkeit von 1\% nachweisen, dass die Lichtgeschwindigkeit konstant ist.

Verfeinert wurde das Ergebnis mit einer neueren Apparatur aus dem Jahre 1977. [22] Diese zeigte, der Faktor k muss kleiner als 0,0000002 sein. Dieses Resultat ist erheblich genauer als Michelson und Morley bzw. Dayton Miller und widerlegt eindeutig das Argument aus [19] bzw. [20] gegen diese Vorraussetzung zur speziellen Relativitätstheorie.

7.2 Längenkontraktion an rotierender Scheibe gemessen?

Das nächste Gegenargument bezieht sich auf folgendes Gedankenexperiment:

Wenn eine Scheibe rotiert, so müsste sie gemäß der Längenkontraktion bei entsprechend hoher Geschwindigkeit im Radius schrumpfen und bei Lichtgeschwindigkeit verschwinden.

Dieses Experiment stammt laut [19] von Paul Ehrenfest. Leider ist es mir nach längerer Recherche nicht gelungen, die entsprechende Publikation und die, in [19] erwähnten, Gegenpublikationen Einsteins in den damaligen Fachzeitschriften zu finden. Leider wurden die Quellen nicht angegeben. Angegeben wird aber, dass dieses Experiment 1973 von Thomas E. Phipps durchgeführt wurde und keine Kontraktion festgestellt werden konnte. Herr Phipps konnte mit derart ketzerischem Material allerdings nicht an die Öffentlichkeit gehen. Angeblich, so liest man dort, wurde sein Artikel von NATURE abgelehnt und er musste in „einer kleinen italienischen Fachzeitschrift“ publizieren – wovon keiner Notiz nahm. Leider ist es mir nicht gelungen diese Publikation ausfindig zu machen, ja viel mehr noch; ich konnte keine einzige Publikation zu irgendeiner Zeit von T.E. Phipps auftreiben. Ein Umstand, der mich zu größter Skepsis veranlasst. Aber auch aus rein physikalischen Gründen bin ich skeptisch.

Der sog. Lorenzfaktor für die Kontraktion einer rotierenden Scheibe beträgt laut [11] S. 1175 (w ist die Drehgeschwindigkeit und r ist der Radius):

1-w²*r²c²

Wie man hier sieht ist dieser Faktor für gewöhnliche Geschwindigkeiten nahezu 1. Um tatsächlich eine Veränderung zu sehen, müsste man schon verdammt schnell sein. Angenommen man schafft eine Drehgeschwindigkeit von 10\% der Lichtgeschwindigkeit, so beträgt die Verkürzung bei einem 1 Meter großem Objekt gerade mal 0,25 cm.

Mir ist nichts darüber bekannt, dass es möglich ist, eine Scheibe auf eine Drehgeschwindigkeit von knapp 30.000 km/s zu bringen. Man stelle sich das mal vor: Eine Scheibe von 1m Durchmesser soll sich knapp 9,5 Millionen mal in der Sekunde um die eigene Achse drehen, nur um eine Schrumpfung von 0,25 cm aufzuweisen.

Ich denke, dem Leser ist ein solcher experimenteller Aufbau ebenso unklar wie mir, zumal selbst heutige Raketen nicht annähernd so schnell beschleunigt werden.

Tatsächlich ist die Lorenzkontraktion sehr gut experimentell bestätigt. Siehe dazu weiter unten (Myonen). Wie wir sehen, verfängt sich das Ganze in Widersprüchen.

7.3 Vorletztes Mittel: Verschwörungstheorien

Des weiteren gab es das Experiment von Hafele und Keating [23]. Dabei handelt es sich um ein Experiment, bei dem Atomuhren in Flugzeuge verfrachtet wurden und nach dem Flug die Zeit mit den Atomuhren auf der Erde verglichen wurde. Es besteht eine Zeitdifferenz, da sich die beiden Uhren längere Zeit (die Flüge dauerten über 12 Std.) relativ zueinander bewegten.

Auch die Autoren von [20] gehen auf dieses Experiment ein und behaupten, die Ergebnisse wurden gefälscht und die Uhren haben eine Differenz gemessen, die nahe der Ablesegenauigkeit lag, also völlig unbedeutend war.

Nun, diese Verschwörungstheorie ist leicht zu widerlegen. Man sieht in der Originalpublikation nach und liest dort von einer Messgenauigkeit von 0,00000000001 Sekunden und einer Zeitdifferenz von 0,000001 Sekunden. Alles im Rahmen der Theorie, außer Hafele und Keating hätten alles gefälscht, wofür es aber keine Beweise gibt.

Allerdings gibt es andere Beweise für die Spezielle Relativitätstheorie. Einer wird auch von den Autoren [20] aufgegriffen, nämlich der Elementarteilchenzerfall von Myonen in der Atmosphäre. Diese dürften unsere Erde gar nicht erreichen, tun es auf Grund der Längenkontraktion bzw. Zeitdillatation trotzdem. Die Autoren weisen darauf hin, dass Myonen auch weiter unten in der Atmosphäre entstehen und deshalb auf der Erde zu finden sind.

Wenn dies das einzige Experiment wäre, so ginge dieser Punkt an sie. Ist es aber nicht!

Die gesamten Wissenschaftler an Teilchenbeschleunigern nutzen die Kontraktion des elektromagnetischen Feldes aus, welches in den Kurven dieser Teilchenbeschleuniger dazu führt, dass eine Strahlung entsteht; die sog. Synchotronstrahlung. Diese ist ziemlich genau mit der Speziellen Relativitätstheorie erklärbar und vorhersagbar. Als Einstieg (weil relativ gut auch für Laien lesbar) kann wiederum auf [11] Seite 583 oder 700 verwiesen werden. Danach sollte diese Unklarheit ebenfalls beseitigt sein.

Dass alle diese Wissenschaftler ihre Ergebnisse seit Jahrzehnten fälschen, daher auch keine Forschung betreiben können und das ganze nur deshalb, weil die Spezielle Relativitätstheorie ein falsches Dogma ist…. nun; das ist nicht nur sehr weit hergeholt, sondern einfach nur lachhaft!

Wer an weiteren Publikationen zu diesem Effekt interessiert ist, der sei an [24] und [25] verwiesen.

7.4 Die letzte Chance: Persönlicher Angriff

Nachdem den Autoren damit offenbar die Sachargumente (die sich, wie wir sahen, als Seifenblasen herausstellten) ausgingen, mussten sie in die persönliche Schmutzkiste greifen. Frei nach Paul Valery:

„Wer den Gedanken nicht angreifen kann, greift den Denkenden an“

Nun denken sich die Autoren irgendetwas Psychologisches aus (was mir an dieser Stelle einfach zu sehr widerstrebt, um es wiederzugeben), um klar zu machen, dass die Relativitätstheorie nichts weiter ist, als ein Hirngespinst. Was davon zu halten ist, kann sich jeder selbst denken.

8. Fazit, Konsequenzen, mögliche Erklärungen

Ich habe jetzt sehr viel Zeit damit verwendet, die Gegenseite zu entkräften. Das ist müßig und zeitaufwendig. Solche Bücher wie [20] gibt es viele. Alle in jeder Einzelheit zu widerlegen macht einfach keiner. Auch kein Wissenschaftler. Dafür fehlt die Zeit. Sie winken spätestens dann ab, wenn keine genauen Quellen angegeben sind, Verschwörungstheorien entwickelt oder aber Psychogramme von Einstein zur Widerlegung genutzt werden. Das sind ganz einfach unlautere Mittel in der Physik.

Nach meiner langen Literaturrecherche vermag ich keinen Dogmatismus auf Seiten der etablierten Physiker zu finden. Die Tatsache, dass z.B. Mugnai et al oder G. Nimtz in großen Zeitschriften publizieren konnten, spricht eigentlich eher für das Gegenteil. Wenn einer unbekannte Effekte misst, dann soll und darf er/sie publizieren.

Man stelle sich das mal vor:

Wissenschaftler, deren Arbeit darin besteht zu forschen, gründen ihre Erklärungen auf Theorien, die nicht stimmen und alles nur, weil Einstein ein so großes Genie war? Das ist einfach Unsinn. Falsche Theorien würden zu falschen Erkenntnissen führen und Wissenschaftler sind wohl im eigenen Interesse nicht daran interessiert Lügen zu publizieren.

Dies wäre schon deshalb aufgefallen, da die Physik kohärent ist – nimmt man unten ein Steinchen raus, fällt alles darüber zusammen. In vielen anderen Wissenschaften, in denen man nicht so „einfach“ die Dinge überprüfen kann und einzelne Sachverhalte direkt aufeinander aufbauen , mag dies anders sein.

Hobbyforscher haben aus diesem Grund in der Physik mit eigenen Theorien so wenig Chancen. Sie beschränken sich meist nur auf einige wenige Phänomene, die sie anders erklären. Nur stehen diese Erklärungen für gewöhnlich im Widerspruch zu anderen Phänomenen. Da sich die Zusammenhänge durch populärwissenschaftliche Artikel nicht erschließen, wird dies von alternativen Forschern meist nicht bemerkt. Sie müssten dafür tiefer in die Materie eintauchen.

Revoluzzer werden meist auch deswegen nicht akzeptiert, da sie in ihre eigene Falle tappen. Sie werfen der Wissenschaft vor, unpassende Ergebnisse unter den Tisch fallen zu lassen (Stichwort: Verschwörungstheorie), kümmern sich aber selbst nicht um die vielen Indizien, welche ihren alternativen Theorien widersprechen. Ein Beispiel hierfür findet sich weiter unten im Text.

9. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen…

Dass in punkto Spezieller Relativitätstheorie bis heute nicht das letzte Wort gesprochen ist, bemerkt man an neuen Publikationen zu diesem Thema. In [26] geht es um ein Experiment zur Fernwirkung. Dies ist ein Phänomen, welches Einstein zu seiner Zeit schon kannte, aber nicht erklären konnte. Kurz gesagt, geht es dabei um den unmittelbaren (ohne Zeitverlust) Informationsaustausch zwischen zwei miteinander verschränkten Lichtteilchen. Die bisher gemachten Experimente deuten darauf hin, dass sie Informationen austauschen, egal wie weit sie voneinander entfernt sind. Eigentlich, so sagt die Spezielle Relativitätstheorie, geht ein solcher Austausch höchstens mit Lichtgeschwindigkeit. In der Tat haben wir hier ein Phänomen, welches eindeutig GEGEN die spezielle Relativitätstheorie spricht. Dieser Aussage muss allerdings ein ebenso großes ABER angefügt werden:

Bei der ‚Fernwirkung‘ handelt es sich um ein Phänomen der Quantentheorie. Diese ist zwar TEILWEISE von der speziellen Relativitätstheorie neu formuliert worden; allerdings ist eine komplette Vereinigung noch nicht geschehen.

An dieser vereinheitlichten Feldtheorie arbeiten Physiker schon seit längerem. Die Super-Stringphysik ist eine mögliche und erfolgversprechende Lösung. Man muss abwarten, was sich auf diesem spannenden Gebiet die nächsten Jahre tun wird.

Wenn man so will, befinden wir uns an einer ähnlichen Position, wie zu Zeiten von Michelson und Morley. Diese hatten auch ein Phänomen, welches sie nicht erklären konnten. Für die Erklärung bedurfte es zunächst der Arbeiten von Lorenz und Einstein. Niemand wäre damals auf die Idee gekommen, deshalb das gesamte Gebäude der Klassischen Physik in den Boden zu stampfen. Genauso wenig ist es heute sinnvoll, die bisherige Theorie in den Boden zu stampfen. Eine Lösung wird sich finden, auch wenn noch ein wenig Zeit benötigt wird.

In [26] wird ein Schritt in diese Richtung gegangen, denn die Autoren werfen letztlich die Frage auf, ob das Konzept ‚Zeit‘ in der Quantentheorie überhaupt Sinn macht. Dies ist eigentlich auch eine einfach klingende Frage (s.o.), jedoch gestaltet sich die Antwort so schwierig, dass sie bis heute noch nicht beantwortet ist. Es bleibt also auch in Zukunft spannend.

Was ist nun die Konsequenz für Hobbyforscher? Ich hoffe, ich konnte Sie dazu anregen, diese Theorie als stichhaltig zu akzeptieren. Eine solche Haltung ist alleine deshalb auch sinnvoll, da ansonsten eine Zusammenarbeit oder auch nur eine Annäherung an die etablierte Wissenschaft unmöglich ist. Wenn es einen gibt, der noch andere Experimente hat, die ich hier nicht aufgegriffen habe, so bitte ich Sie, mir diese zu schildern. Ich bin gerne bereit zu diesem Artikel Erweiterungen herauszugeben.

Ich möchte ein besonders klares Beispiel dafür geben, wie es nicht weiter gehen kann. Wenn in [27] Herr Joest davon schreibt (S.26):

„Seine [Peter Plichta, PG] Entdeckungen haben allerdings einen Haken: Sie stehen im Widerspruch zu einigen Lehrmeinungen der etablierten Schulwissenschaft, sei es in der heutigen Mathematik, sei es Einsteins Relativitätstheorie, sei es die Urknalltheorie. Man kann sich etwa ausmalen, auf welche geschlossene Ablehnung Plichta bei den etablierten Wissenschaftlern stösst, die nicht einmal bereit sind, sich überhaupt mit seinen Gedanken auseinander zu setzen.“

Dann ist so etwas vor dem Hintergrund dieses Artikels zweifach lachhaft:

Erstens handelt es sich bei der Mathematik und der speziellen Relativitätstheorie nicht um MEINUNGEN, sondern um in sich konsistente Theoriengebäude, die „gut“ experimentell bestätigt sind (wobei Mathematik nur theoretisch konsistent ist; wie sollten experimentelle Beweise aussehen??). Zweitens scheint Herr Joest den Wissenschaftlern genau das vor zu werfen, was er selbst nicht macht, nämlich sich mit ihren Theorien auseinander zu setzen. So etwas kann nicht Grundlage einer gemeinsamen Forschung oder gegenseitiger Anerkennung sein. Natürlich können „Hobbyforscher“ auf eigene Ideen kommen. Nur findet mit dieser Einstellung keine gegenseitige Belebung statt.

An dieser Stelle sei ganz deutlich gesagt, dass dieses ein herausgegriffenes Beispiel am Wissenschaftszweig Physik ist. Es lässt sich nicht auf alle Hobbyforscher und alle Wissenschaftszweige verallgemeinern. Dieses ist eigentlich schon auf Grund der verschiedenen Begriffe von ‚Wahrheit‘ und die damit verbundenen, verschiedenen wissenschaftlichen Methoden völlig einleuchtend.

Einer der möglichen Gründe der Ablehnung, dass es ja wegen der speziellen Relativitätstheorie keine Möglichkeit gibt, kosmische Distanzen zu überbrücken und dass deshalb (um es wiederum nur an einem Beispiel zu veranschaulichen) z.B. die gesamte PaläoSETI Unsinn ist, ist ein Vorurteil.

Die Ideen für eine Fortbewegung durch Raumkrümmung, wie z.B. der WARP-Antrieb stammen nämlich aus der Allgemeinen Relativitätstheorie und deren Folgen, nämlich die Forschungen zur Quantengravitation und der Kosmologie. Diese Theorien sind bei weitem schwieriger, als die Spezielle Relativitätstheorie. In dem Einführungsbuch [9], was ja schon für Studenten sein soll, erfolgt auf über 40 Seiten das mathematische Rüstzeug, um diese Theorie zu verstehen. An der Dortmunder Universität gibt es dazu eine Spezialvorlesung die 4 Std. ist. Es handelt sich also um ein sehr großes Gebiet und das letzte Wort ist da noch lange nicht gesprochen. Nicht zuletzt deshalb, weil diese Bereiche noch nicht vollständig für das Experiment zugänglich sind. Das ist eine Tatsache, die alle (ob Pro oder Kontra) zu akzeptieren haben. Die Wissenschaftler arbeiten daran, so dass wir auch in Zukunft aus diesem Bereich Spannendes zu erwarten haben.

Die Frage, ob kosmische Distanzen überbrückt werden können, oder nicht, ist und bleibt vorerst ungeklärt. Wer sich näher dafür interessiert, kann nicht nur bei populärwissenschaftlichen Artikeln bleiben.

Es zeigt sich mal wieder das, was viele andere Autoren von Mysteria 3000 schon längst feststellten: Will man was genauer wissen, so muss man mit Originaltexten und Fachliteratur arbeiten. Populärwissenschaftliche Arbeiten können nur ein Einsteig sein. Gemäß dieser Philosophie reiht sich dieser Artikel in eine längere Kette von Artikeln zu den verschiedensten Themen ein und ich hoffe ich konnte Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, neue und tiefere Einblicke in diese spannende Wissenschaft liefern.

Anmerkungen

[1] http://www.goethe-gymnasium.de/…/PHYSIK/PHYSIK.html
[2] Zuppinger 2002
[3] http://ourworld.compuserve.com/homepages/Ekkehard\_friebe/rt.htm
[4] Greiner 1989
[5] Borckers & Hegerfeld 1972
[6] Hegerfeld 1972
[7] Einstein 1905
[8] Greiner 1975
[9] Goenner o.J.
[10] Ripota 2000, S. 62-71
[11] Vogel o.J.
[12] Wang et al. 2000
[13] Wynands 2000, S. 12-13
[14] Mugnai et al. 2000
[15] Raithel 2000, S. 13-14
[16] Nimtz 1993, S. 1119
[17] Physikalische Blätter 50 (1994) Nr. 4: S. 313; S. 360-361
[18] Hauge & Stovneng 1989
[19] Ripota 1997, S. 58
[20] Galeczki & Marquard o.J.
[21] Babcock & Bergmann 1964, S. 147-151
[22] Brecker 1977, S. 1051-1054
[23] Hafele & Keating 1972, S. 166-170
[24] Vessot et al. 1980, S. 2081-2084
[25] Ayres et al. 1971, S. 1051-1063
[26] Weihs 2002, S. 20-21
[27] Joest 2002, S. 24-27

Abbildungsverzeichnis

[1] Archiv Mysteria300
[2], [3] Die verwendeten Bilder stammen aus den Folien zur Vorlesung ‚Physik I‘ im Wintersemester 2001/02 von den Professoren J. Baacke und M. Tolan und sind im Internet unter http://e1.physik.uni-dortmund.de/Physik1/start.htm in Folie 15 zu finden.

Literaturverzeichnis

Ayres, P.S. et al (1971):“Measurement of lifetime of positive an negative Pions“ in: Phys. Rev. D3, S. 1051-1063

Babcock G.C. & T.G. Bergmann (1964): „Determination of the Constancy of the speed of Light“ in: Journal Opt. Soc. Am. 54, S. 147-151

Borckers H. J. & G. C. Hegerfeld (1972): „The structur of space-time-transformations“ in: Comm. Math. Phys. 28, S. 259-266

Brecker, K. (1977): „Is the speed of light independent of the velocity of the source“ in: Phys. Rev. Lett. 39, S.1051-1054

Einstein, Albert (1905): „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“ in: Annalen der Physik 17, S. 891-921

Galeczki, Georg & Peter Marquard (o.J.): Requiem für die spezielle Relativitätstheorie. Frankfurt/Main

Greiner, Walter (1989): Theoretische Physik – IIIa – Spezielle Relativitätstheorie

Greiner, Walter & H. Diehl (1975): ElektrodynamikGoenner, Hubert (o.J.): Einführung in die spezielle und allgemeine Relativitätstheorie

Hafele & Keating (1972): Science 177, S. 166-170

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Hegerfeld, G. C. (1972): „The Lorenz transformation: Derivation of linearity und scale factor“ in: Nouv. Cim. 10a, S. 257-267

Joest, Dipl.-Ing. Lothar: „Teotihuacáns kosmischer Code“ in: Sagenhafte Zeiten 1/2002, S. 24-27

Mugnai, D., A. Ranfagni & R. Ruggeri (2000): Phys. Rev. Lett. 84, 4830

Nimtz, G.: „Instantanes Tunneln“ in: Physikalische Blätter, Dez. 1993, S. 1119

Raithel, Georg A. (2000): „Schneller als Licht, na und?“ in: Physikalischen Blätter 9, Sep. 2000, S. 13-14

Ripota, P. (1997): „Der Verriß“ in: PM-Magazin, Okt. 1997, S.58

Ripota, P. (2000): „Was ist schneller als Licht?“ in: PM-Magazin, Dez. 2000, S. 62-71

Vessot, R.F.C. et al. (1980): „Test of relativistic gravitation with spaceborn hydrogen maser“ in: Phys. Rev. Lett. 45, S. 2081-2084

Vogel, H. (o.J.): Gerthsen Physik. 18. Auflage

Wang, L. J., A Kuzmich & A. Dogariu (2000): Nature 406, S. 277

Weihs, Gregor (2002): „Quantenspuk ist nicht relativ“ in: Physik Journal, März 2002, S. 20-21

Wynands, Robert (2000): „Warp-Speed für Lichtpulse“ in: Physikalischen Blätter 9, Sep. 2000, S. 12-13

Zuppinger, Dr. Christian (2002): Der Gepard – ein Indiz für Genmanipulation in der Urzeit? in: Mysteria3000 – 1/2002, S. 4-30

o.A. (1994): Physikalische Blätter 50, Nr. 4, S. 313 & 360-361