Mit seinem Buch Platons Insel Atlantis legt Ulrich Hofmann eine Atlantis-Hypothese vor, die es in sich hat. Völlig rational und realistisch wird mit konsequenter Methodik eine Deutung von Atlantis entfaltet, die selbst einen langjährig mit der Atlantis-Frage Erfahrenen ins Staunen und Wanken bringen kann. Dies ist an sich schon als ein Beitrag zur Lösung der Atlantis-Frage zu würdigen, auch wenn Hofmanns Hypothese – leider – in zentralen Punkten widerlegt werden muss.

Würdigung und Widerlegung

I. Ulrich Hofmanns Hypothese

Ulrich Hofmanns Hypothese beginnt mit einer kritischen Untersuchung der Glaubwürdigkeit von Platons Atlantiserzählung. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die im Westen angenommene Lage von Atlantis.

Im Westen identifiziert Hofmann zunächst ein im Laufe der Zeit versumpftes Meer, nämlich den Tritonsee, sowie eine durch ihn, durch das Mittelmeer und durch die Wüste gebildete Insel bzw. Halbinsel, nämlich das Atlas-Gebirge. Dann untersucht Hofmann die mythologischen und historischen Quellen, die auf das Atlas-Gebirge als Ort realen geschichtlichen Geschehens im Zusammenhang mit dem Namen Atlas deuten.

Im Atlas-Gebirge selbst wird dann die Lage von Ebene und Stadt Atlantis bei den Hodna-Bergen gefunden und mit den Beschreibungen des Platon-Textes abgeglichen. Satellitenfotos zeigen deutlich eine Mehrfach-Ringstruktur!

Abb. 1: Lage von Ebene und Stadt Atlantis nach Hofmann

Schließlich geht Hofmann auf die Verbindung von Atlantis und Ägypten ein. Zahlreiche Hinweise auf eine Beeinflussung Ägyptens durch eine atlantische Hochkultur in prädynastischer Zeit werden aufgezeigt. Zu Neith, der Göttin des Tempels von Sais, aus dem der Atlantis-Bericht ursprünglich stammen soll, werden Affinitäten zur frühen nordafrikanischen Kultur dargelegt. Schließlich wird der bekannte Seevölkersturm auf Ägypten als der platonische Atlanterkrieg erkannt.

Im Sinne meiner Klassifizierung von Atlantis-Hypothesen entspricht Hofmanns Hypothese den Typen REMW und REBW [1].

II. Würdigung

Ulrich Hofmanns Werk zeugt von einem intelligenten Autor. Es enthält zahlreiche gut im Platontext beobachtete Einsichten, mit gesundem Menschenverstand gewonnene Überlegungen, zahlreiche eigenständige Ideen, selbstkritische Aussagen, sowie eine durchgehende Belegung durch Quellenangaben. Die formale Aufbereitung der Hypothese ist eine Freude.

Gut beobachtet

Ulrich Hofmann hat bei seiner Beschäftigung mit Atlantis offenbar nicht geschlafen, denn er hat zahlreiche gute Beobachtungen gemacht. Etwa, dass die Wissenschaften bis heute nicht so recht wissen, wo sie den Atlantis-Bericht einordnen sollen [2], sei es nun Mythologie, Philosophie oder Science Fiction.

Im Gegensatz zu vielen Atlantis-Autoren hat er klar erkannt, dass der Atlantis-Bericht primär zur Veranschaulichung von Platons Politeia dienen soll [3]. Aber mehr noch: Hofmann sieht auch, dass das in der Erzählung mit beschriebene Ur-Athen, das ja Platons Idealstaat aus Politeia verkörpern soll, seltsam unvollkommen ist und am Ende mit in den Untergang geht [4].

Hofmann hat die Aussagen in Platons Dialog nicht übersehen, nach denen hier ein vorgegebener Stoff hergenommen, und nicht etwa eine Geschichte erfunden wurde, und dass am Ende der Erzählung dann erst zu prüfen sein werde, ob sie den Anforderungen genügt, die an sie gestellt wurden [5].

Hofmann registriert auch Kleinigkeiten, wie z.B., dass das ominöse Oreichalkos keine von Menschen gefertigte Legierung sein kann, sondern als Erz vorgekommen sein muss [6]. Oder dass der Graben um die Ebene von Atlantis nicht vollständig von Menschen gezogen worden sein muss, sondern weitgehend natürlich gebildet worden sein kann, so dass der Mensch nur noch ergänzend einzugreifen brauchte, um diesen Graben zu vollenden [7].

Gesunder Menschenverstand

Ulrich Hofmann bleibt aber nicht den Buchstaben von Platons Dialogen verhaftet, sondern leitet aus ihnen Schlussfolgerungen ab, die sich in der Atlantis-Literatur leider nur selten finden lassen.

So wird die Möglichkeit einer reinen Fiktion allein dadurch infrage gestellt, dass der Tempel in Sais zu Platons Zeiten noch existierte, und eine Nachprüfung vor Ort im Prinzip möglich gewesen wäre [8]. Außerdem könne ein so einschneidendes Ereignis wie der Atlanterkrieg unmöglich nur in Sais Spuren hinterlassen haben. Vielmehr müssen in ganz Ägypten Informationen darüber zu finden sein [9].

Wie schon Zangger und andere sieht auch Hofmann, dass sich der Begriff „Säulen des Herakles“ zu verschiedenen Zeiten auf verschiedene Orte bezog, je nach dem Stand der Entwicklung des geographischen Horizontes der jeweiligen Zeit [10]. Hofmann liefert auch eine elegante Erklärung für die 9000 Jahre von Platon mit einem geschickten Vergleich zu Herodots Angaben über das Alter Ägyptens [11].

Ein Punkt, der bei sehr vielen Atlantis-Autoren unter den Tisch fällt, ist die Einbettung einer Atlantis-Hypothese in den Gang der allgemein bekannten Geschichte. Auch hier enttäuscht Hofmann nicht, im Gegenteil, die ganze zweite Hälfte seines Buches widmet sich dieser Frage.

Ideenreichtum

Hofmann nimmt sich die Freiheit, die Angaben Platons auf ihre wahre Bedeutung hin zu überprüfen. Er hat Mut zu einer eigenen Interpretation, die Platon gerecht zu werden versucht [12]. Äußerst originell ist die Idee, dass eine Insel nicht dadurch verschwindet, dass sie selbst untergeht, sondern dass das Meer um sie herum versumpft [13]. Auch der Gedanke, dass die Insel Atlantis nicht in einiger Entfernung „vor“ einer Meerenge gelegen haben muss, sondern selbst eine Begrenzung derselben gebildet haben kann, ist bemerkenswert [14].

Hofmanns Vergleich des Tritonsees mit dem Atlantischen Meer ist ebenfalls eine interessante Idee [15]: Die enge Einfahrt, die „Säulen des Herakles“, die Versumpfung, der Poseidontempel auf der Insel usw.

Auch eigene Gedanken zu Platon und dem Überlieferungsweg finden sich bei Hofmann. Vielleicht sei Platon sogar selbst in Sais gewesen [16]? Vielleicht habe er selbst die Geschichte als Kind gehört [17]?

Quellenarbeit

Generell ist zu sagen, dass Ulrich Hofmann seine Quellen konsequent offen legt. Dies ist bei einer Veröffentlichung zu Atlantis schon sehr viel.

Hofmann hat erkannt, dass Herodot eine äußerst wichtige Quelle zur Klärung der Frage nach Atlantis ist. Herodot wird denn auch ausgiebig zitiert: So etwa die Aufenthalte von Solon [18] und von Herodot [19] in Sais, die Geschichte der Griechen in Ägypten [20], die Erstnennung des Atlantiks [21], die vielbeschworenen Atlanten [22], die Angaben über das Alter Ägyptens [23] u.v.a.m. Hofmann weiß auch, dass er Herodot bei den Athenern und damit bei Platon als wohlbekannt voraussetzen darf [24].

Auch bei den präsentierten Satellitenfotos hat Hofmann gründlich gearbeitet [25]. Auch hier gilt: Wo andere Atlantis-Autoren nur mühsam Strukturen in verschwommene Bilder hinein interpretieren, ist bei Hofmann wirklich etwas zu sehen!

Selbstkritisches

Bei aller Stringenz seiner Hypothese ist sich Hofmann doch seiner Fehlbarkeit bewusst. So bekennt er sich dazu, ein Laie in Sachen Altertumsforschung zu sein, und hofft, dass er mit seinem Werk wenigstens einen Beitrag dazu geleistet haben möge, den platonischen Atlantis-Bericht wissenschaftlich ernst zu nehmen, und die Geschichte der Atlas-Region wissenschaftlich aufzuarbeiten [26].

Die Überprüfung und ggf. Ausarbeitung seiner Thesen legt Hofmann in die Hände von Altertumsforschern [27], während er sich selbst freimütig zu einer persönlichen Annäherung an das Thema bekennt [28]. Hofmann weiß, dass er nur eine Hypothese veröffentlicht hat, und nicht etwa eine gut ausgebaute wissenschaftliche Theorie.

Das Buch ist durchzogen von Aussagen, in denen der Autor die Grenzen seiner eigenen Erkenntnis auslotet. Spekulationen werden klar als solche benannt [29], erkannte Unklarheiten und Schwierigkeiten in der Quellenlage nicht verschwiegen [30].

Formales

Ulrich Hofmann schreibt in gut lesbarem Stil, gliedert seinen Text angemessen, überrumpelt seine Leser nicht und hält eine gewisse Spannung aufrecht, die zum Weiterlesen animiert. Schon das Schriftbild ist sympathisch, und die Einstreuung von Bildern und gut gemachten Grafiken ist gelungen.

Obwohl das Buch „nur“ bei Books-on-Demand erschienen und nicht gebunden ist, hat der Leser doch einen ansprechenden Band in den Händen, beileibe kein Buch minderer Qualität.

Fazit

Ulrich Hofmann ist ein rundes Buch gelungen. Obwohl seine Thesen kaum haltbar sind, darf gehofft werden, dass er tatsächlich einen Beitrag dazu leisten konnte, das Thema Atlantis zu versachlichen und ein Nachdenken darüber glaubwürdiger zu machen. Man könnte sagen: Die Hypothese ist widerlegt, der Autor bestätigt.

In diesem Sinne steht Hofmann auf einer Stufe mit Eberhard Zangger, dessen These „Atlantis = Troja“ trotz ihrer Irrigkeit der Thematik ebenfalls einen enormen Auftrieb gab und neues Denken anregte. Ja, mehr noch: Während Zangger nicht mehr viel Eigenleistung erbringen musste, da das meiste zu Troja bereits von anderen gesagt wurde, hat Hofmann geradezu ein komplettes Musterbeispiel einer „runden“ Atlantis-Hypothese vorgelegt.

Daneben werden viele Teilüberlegungen Hofmanns bleiben. Wichtige Aspekte der Atlantis-Frage wurden von ihm – wie beschrieben – mit guten Einsichten und originellen Ideen bearbeitet. Aber auch die beeindruckende Methodik Hofmanns wird ihre Spuren hinterlassen. Hofmann hat wirklich Denken in Gang gesetzt.

Gar nicht zu überschätzen ist aber die Tatsache, dass Hofmann den Blick unmissverständlich auf den ägyptischen Ursprung des Atlantis-Berichts gelenkt hat. Die Hälfte seines Buches widmet sich diesem Gesichtspunkt. Gerade hier kann noch viel geforscht werden.

Schließlich hat Hofmann eine der vielen möglichen Atlantis-Hypothesen gut ausgearbeitet. In Verbindung mit ihrer Widerlegung ist dies kein vergebenes Unterfangen, sondern leistet im Gegenteil einen wichtigen Beitrag zum Erkenntnisfortschritt durch Ausschluss von Irrtümern, abgesehen von den neuen Ideen, die sich bei der Widerlegung einer Hypothese stets entzünden.

Wer immer sich mit der Frage nach Atlantis beschäftigt, wer sich von einer faszinierenden Hypothese bei falschen Sicherheiten ertappen lassen will, wer sich ins Zweifeln und Wanken bringen lassen will, wer sich zu eigenem Denken anspornen lassen will, dem sei dieses Buch zum Kauf empfohlen!

III. Widerlegung

Kommen wir nun zum Pflichtteil dieses Artikels. Pflichtteil deshalb, weil es keine angenehme Aufgabe ist, eine so schöne Hypothese zu falsifizieren. Auch deshalb nicht, weil der Autor dieses Artikels selbst keine bessere anzubieten hat [31]. Allerdings: Im Gegensatz zu vielen anderen Atlantis-Hypothesen ist diese hier wahrhaft eine Widerlegung wert!

Der Vorgang der Widerlegung wird im folgenden nicht in fortlaufender Prosa, sondern ein wenig formaler gegliedert werden. Aus Hofmanns Text werden die zentralen Thesen herausdestilliert, in knapper Form wiedergegeben, und anschließend ebenso prägnant widerlegt. Die einzelnen Thesen werden dabei in Thesenfeldern zusammengefasst, die sich an die Kapiteleinteilung des Buches anlehnen, aber mit dieser nicht völlig deckungsgleich sind.

1. Thesenfeld: Atlantisches Meer = Tritonsee

Mit seiner These, dass der versumpfte Tritonsee, d.h. der Schott-el-Dscherid im heutigen Algerien bzw. Tunesien das versumpfte atlantische Meer sei, lehnt sich Hofmann an das 1927 erschienen Werk „Platos Insel Atlantis“ von Paul Borchardt an. Dieser vermutete das versunkene Atlantis allerdings im Tritonsee selbst [32].

These:Mit Atlantik könne nicht der Atlantik westlich von Gibraltar gemeint gewesen sein, denn dieser sei ja nicht schlammig [33].

Widerlegung:Nach allgemeiner Auffassung der Antike galt das Meer westlich von Gibraltar als unbefahrbar, weil verschlammt. Diese Meinung geht vermutlich auf karthagische Propaganda zurück [34].

Abb. 2: Schott-el-Dscherid im Süden Tunesiens

These: Hofmann geht davon aus, dass das gesamte atlantische Meer bis auf „Überreste“ verschwand [35].

Widerlegung: Verschlammt sei laut Platon nur derjenige Teil des atlantischen Meeres, der vor den Säulen des Herakles gelegen habe, denn dort lag auch die Insel, deren Untergang den Schlamm hervorbrachte. Nicht das ganze Meer sei unbefahrbar geworden, sondern nur die Einfahrt in dasselbe wurde durch den aufgeworfenen Schlamm erschwert [36].

These: Die Nennung von atlantischem und rotem Meer in einem Atemzug sei ein Hinweis darauf, dass Herodot diese Information aus Ägypten habe [37].

Widerlegung: Herodot nennt beide Meere deshalb zusammen, weil er sie für zusammenhängend hält, und nicht deshalb, weil er seine Kenntnis über beide Meere aus derselben Quelle hätte [38]. Unabhängig davon könnte dies zwar theoretisch der Fall sein, als ein Beleg kann dies jedoch nicht dienen.

These: Ebenso wie Solon und vielleicht Platon habe auch Herodot in Sais die Priester befragt [39].

Widerlegung: Aus der Schilderung des Aufenthalts in Sais wie aus dem Gesamtkontext des Werkes geht klar hervor, dass Herodot keinen derart exklusiven Zugang zu gelehrtesten Priestern hatte, wie mutmaßlich Solon [40]. Zumal Herodot nichts von einem Angriff eines Großreiches auf Ägypten weiß, und auch nichts von einer Heldentat Athens, die er ohne Zweifel überliefert hätte.

Abb. 3: Weltkarte des Herodot

Thesen: Es sei seltsam, dass bei Herodot der Name „atlantisches Meer“ nur einmal erwähnt wird, nämlich in I 202, obwohl die Säulen des Herakles öfter erwähnt werden. Damit sei klar, dass hier ein anderes Meer gemeint sei als der Atlantik [41]. Herodot habe das Meer jenseits der Säulen des Herakles vielmehr Okeanos genannt. Erst Spätere hätten Herodots atlantisches Meer und das Meer jenseits Gibraltar in eins gesetzt, Herodot hätte diese Gleichsetzung vermieden [42].

Widerlegung: Es ist zunächst zuzustimmen, dass es auffällt, dass Herodot den Begriff des atlantischen Meeres nur an einer Stelle erwähnt. Allerdings steht fest, dass damit der heutige Atlantik gemeint ist, denn nur über diesen hängen Rotes Meer und Mittelmeer zusammen, wie Herodot in I 202 ja gerade sagen will. Dass der Zusammenhang der Meere nur über den Atlantik hergestellt wird, geht aus IV 42 hervor, wo Herodot einerseits Mittelmeer und Rotes Meer getrennt schildert, andererseits aber über die Umsegelung Afrikas berichtet.
Überdies sagt Herodot explizit, dass er gar keinen Fluss Okeanos kenne! Homer und andere Dichter hätten seiner Meinung nach den Okeanos erfunden [43].

These: Die älteste Erwähnung der Säulen des Herakles finde sich bei Pindar in bezug auf die Herakles-Sage. Bei Herakles’ Fahrt über den Okeanos sei von „Untiefen der Strömungen“ die Rede [44].

Widerlegung: Pindar ist eine griechische Quelle; Vorstellungen von Griechen dürfen nicht ohne weiteres für die Interpretation eines ursprünglich ägyptischen Textes hergenommen werden, da die ägyptischen Vorstellungen nicht notwendigerweise dieselben waren wie die der Griechen. Die fragliche Ode Pindars [45] markiert die Säulen des Herakles klar als die äußersten Grenzen des Menschenmöglichen, denn diese Symbolik ist der Zweck ihrer Erwähnung im Kontext der Ode. Damit können kaum die Säulen des Herakles beim Tritonsee gemeint gewesen sein, denn von dort kommt man an der Nordküste Afrikas noch ein gutes Stück weiter nach Westen. Das Ende des menschlich Erreichbaren ist hier nicht zu finden, auch damals nicht, als der Tritonsee noch ein richtiges Meer war.

These: Platon beschreibt das atlantisches Meer als von Festland umgeben und nennt es explizit pontos statt pelagos. Deshalb könne es nicht der Atlantik sein [46].

Widerlegung: Tim 24e spricht zunächst vom pelagos Atlantikos. Tim 25a spricht dann im Anschluss an die Schilderung der Einschließung des atlantischen Meeres durch Festland davon, dass es deshalb mit Recht eigentlich pontos, also Binnenmeer genannt werden könnte. Sofort im Anschluss daran wird aber – ebenfalls in Tim25a – in dem Satz, der das gegenüberliegende Land als Festland bezeichnet, wieder das Wort pelagos für das atlantische Meer verwendet, das von eben diesem Festland eingeschlossen wird.

Damit wird deutlich, dass Platon das atlantische Meer nicht als ein Binnenmeer im verkleinernden Gegensatz zum Mittelmeer verstanden wissen will, das durchgängig als pontos zu bezeichnen wäre, sondern dass er es im Gegenteil gerade trotz seiner Größe als ein vom Festland umschlossenes Meer im Sinne eines pelagos verstanden wissen will.

In Tim 25a wird ja zusätzlich ein Gegensatz aufgebaut zwischen dem großen atlantischen Meer und dem vergleichsweise kleinen Mittelmeer „innerhalb“ der Meerenge der Säulen des Herakles.
Dass mit dem Meer „innerhalb“ der Säulen des Herakles tatsächlich das Mittelmeer gemeint ist, widerspricht einer anderen These von Hofmann und wird jetzt im Anschluss extra gezeigt.

These: Tim 25a sei so zu interpretieren, dass das Meer innerhalb (entos) der Säulen des Herakles das atlantische Meer sei; hier werde also keine Gegenüberstellung von atlantischem Meer (außerhalb) und Mittelmeer (innerhalb) vorgenommen [47].

Widerlegung: Platon selbst widerspricht dieser Lesart an anderer Stelle deutlich. Die Atlanter kamen von „außerhalb“ und kämpften gegen die Völker „innerhalb“ der Säulen des Herakles: „… der Krieg zwischen denen, welche jenseits (hyper) der Säulen des Herakles und allen denen, welche innerhalb (entos) derselben wohnten …“ [48]. Und: „… unternahmen sie es, unser und Euer Land und überhaupt das ganze innerhalb (entos) der Mündung liegende Gebiet mit einem Zuge zu unterjochen.“ [49]

Das würde bei der vorgeschlagenen Lesart bedeuten, dass die Atlanter gegen sich selbst gekämpft haben, und das kann nicht sein. Innerhalb und außerhalb sind zwei Dinge, und die Atlanter waren außerhalb, nicht innerhalb. Zusätzlich drückt der Satzbau „men – de“ einen Gegensatz aus. Hofmann spricht selbst von dem „innerhalb“ gelegenen Meer als dem Mittelmeer: Der Krieg gegen die Völker „innerhalb“ der „Säulen“ [50]. „… sei vom atlantischen Meere her kommend in das Gebiet innerhalb der Säulen des Herakles eingedrungen …“ [51]

These: Die Schmalheit des Einganges bei den Säulen des Herakles könne sich nicht auf Gibraltar beziehen [52].

Widerlegung: Die genannte Schmalheit kann sich sehr wohl auf die Meerenge von Gibraltar beziehen, da sie im Kontext ein Attribut zu dem Wort „Bucht“ ist; diese Bucht bilde das diesseitige Meer in bezug auf das atlantische Meer. Buchten haben normalerweise keine „Eingänge“, sondern öffnen sich weit. Da das Mittelmeer sich nicht weit zum Atlantik hin öffnet, ist es deshalb geradezu notwendig, den Vergleich „Bucht“ dahingehend zu ergänzen, dass beide Meere nur durch einen vergleichsweise engen Eingang verbunden sind.

These: Gemäß Apollonius von Rhodos habe sich der Tritonsee in der Nähe des Garten der Hesperiden befunden [53].

Widerlegung: Die Benennung von Seen mit dem Namen Tritonsee hat eine längere Geschichte [54]. Gehen wir aber einmal davon aus, der herodoteische Tritonsee wäre der Tritonsee der Mythologie gewesen. Herodot selbst z.B. weiß nichts von einem nahe gelegenen Garten der Hesperiden. Und Herodot ist eine deutlich ältere Quelle. Apollonius von Rhodos (295 – 215 v. Chr.), dessen Hauptwerk die Niederschrift der Argonautensage ist, die schon bei Homer erwähnt wird, ist überhaupt eine sehr späte Quelle, sehr unzuverlässig, sehr ausgeschmückt.
Apollonius von Rhodos hat Herakles seine Reise zu den Hesperiden übrigens von Tartessos aus antreten lassen [55]. Dieses aber lag weit entfernt vom Tritonsee jenseits der Meerenge von Gibraltar.

Die Heraklessage wiederum ist sehr divers, was den Weg des Herakles zu den Hesperiden betrifft [56]. Die ältesten Fassungen der Heraklessage lassen den Heroen auf dem Weg zur Insel des Geryoneus nur bis zum Westrand des Peloponnes ziehen [57], d.h., Bezüge zu Nordafrika wurden erst im Zuge der geographischen Horizonterweiterung der Griechen in die Sage eingefügt.

These: Nach Paul Borchardt spräche das jüdisches Buch der Jubiläen aus dem 2. Jhdt v.Chr. von einem Meer Atel im Westen [58].

Widerlegung: Das atlantische Meer hieß niemals „atlantisches“ Meer. Platon nennt keine Namen für Insel, Stadt, Volk und Meer von Atlantis. „Atlantis“ wird immer nur adjektivisch-genitivisch im Sinne von „des Königs Atlas“ gebraucht, und hat sich erst in der Rezeption zu einem Eigennamen verselbständigt.

Abgesehen davon, dass eine schwache klangliche Andeutung allein gar nichts zu beweisen vermag. Der Kontext ist ebenfalls höchst obskur. Von was spricht der jüdische Text ursprünglich? Was könnte Atel im Hebräischen alles bedeuten?

Wie kommt Borchardt darauf, dass das atlantische Meer gemeint sein könnte? Westlich von Israel liegt eine ganze Reihe von Meeren, allen voran das Mittelmeer als solches, eingeteilt in seine Abschnitte Levante, Ägäis, Adria, tyrrhenisches Meer, große und kleine Syrte usw. usf. Jeder dieser Abschnitte könnte das Meer „Atel“ sein.

These: Die Amazonen-Erzählung des Diodor von Sizilien (Buch III): Die Amazonen hätten eine Insel im Tritonsee bewohnt, die Hespera geheißen hätte. Sie gründeten die Stadt Cherronesus, was Halbinsel bedeute, und sich wohl auf das Land bezog. Sie hätten zuerst die Atlanten angegriffen, die als das zivilisierteste Volk galten, und dann hätte sie große Teile der damals bevölkerten Welt erobert. Die Atlanter hätten große Städte gehabt, und ihr Volk hätte die Götter hervorgebracht. Die Amazonen schlossen mit den Ägyptern Frieden und zogen bis nach Syrien [59].

Widerlegung: Zunächst einmal: Die Atlanter Platons hießen nicht Atlanter. Ihr Name ist unbekannt, s.o. Auch passt nicht, dass die Atlanter Opfer der Amazonen werden, statt selbst anzugreifen. Es passt auch nicht zu Platons Atlantis-Bericht, dass die Welteroberer Frieden mit Ägypten schließen.

Es ist auch eine haltlose Vermutung, dass der Name der Stadt sich auf das Land bezog, in dem sie lag. Üblicherweise bezieht sich der Name einer Stadt auf ihre eigene Lage in der näheren Umgebung, in diesem Fall wohl auf eine kleine Halbinsel, die vom Stadtgebiet eingenommen wurde.

Es ist auch seltsam, dass die Atlanter als das zivilisierteste Volk beschrieben werden, was von den Ägyptern wohl kaum so überliefert worden wäre. Mit den Titanen Atlas und Cronos als Söhnen von Uranos und Titea wird außerdem die ganze griechische Mythologie durcheinandergewirbelt.

Es ist wohl eher so, dass Diodor von Sizilien ein sehr kurzschlüssiger Denker war, der sich im Mythendickicht seiner Zeit verstrickte. Mythische, d.h. klar unhistorische Elemente sind unverkennbar: Amazonen, Hespera-Insel, Hervorbringung der Götter. Das Mischmasch aus Mythos, wahrem Mythen-Kern, Vermischung von Mythos und Geschichte und Vermischung von Mythenbestandteilen, das Ganze erstellt erst im ersten Jahrhundert v.Chr., ist viel zu groß, um greifbare Argumente zu liefern.

Man hätte sich gewünscht, dass Hofmann etwas mehr Informationen über die geologische Vergangenheit der Region des Tritonsees liefert. Er berichtet nur, dass die Region mehr als 10 Meter über dem Meeresspiegel lag bzw. liegt [60], ohne konkret zu werden, wann genau dies aus geologischer Sicht denn nun anders war.

2. Thesenfeld: Titan Atlas = König Atlas

Hofmann versucht, eine Analogie zwischen dem mythologischen und dem platonischen Atlas sowie zwischen den herodoteischen Atlanten und den platonischen Atlantern aufzuzeigen und letztlich deren Identität zu belegen

These: Die griechischen Mythen ließen keinen Zweifel daran, dass sich das Reich des Titanen Atlas im äußersten Westen Libyens befand [61].

Beleg 1: Perseus verwandelt den Titan Atlas mithilfe des Medusenhauptes in Stein, woraus das Atlas-Gebirge entstanden sein soll.
Beleg 2: Herakles trifft auf seinem Weg nach Westen am Nordrand Afrikas den Antaios, einen Sohn Poseidons. Von dort zog er weiter nach Westen, bis dorthin, wo der Titan Atlas den Himmel auf den Schultern trägt.
Beleg 3: Die Hesperiden als Töchter des Abends weisen ebenfalls nach Westen.
Beleg 4: Der Westen Nordafrikas sei Hoheitsgebiet des Poseidon gewesen, wie Platon auch von Atlantis berichtet.
Beleg 5: Es gebe eine Übereinstimmung zwischen Nordafrika und der landschaftlichen Beschreibung im Herakles-Hesperiden-Mythos: Gebirgig und fruchtbar, goldene Äpfel.

Widerlegung:
Beleg 1: Der Perseus-Mythos über die Verwandlung des Titanen Atlas in das Atlas-Gebirge findet sich nur in späten Quellen: Zuerst bei Apollodor [62] in der zweiten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts. Dann bei Ovid [63]. Ohne einen Brückenschlag zu älteren Zeiten ist die Perseus-Sage als Beleg wertlos. Bei Apollodor wurde offenbar eine alte Sage mit damals modernen geographischen Kenntnissen verknüpft, und die Sage mehr symbolisch als real gedeutet, wie die nur symbolisch verstehbare Gleichsetzung von Gebirge und Titan zeigt.

Beleg 2: Nach Kerenyi [64] taucht die Libyenwanderung des Herakles mit Begegnung des Antaios und Erreichung des westlichen Endes Libyens erst in späten Versionen der Sage auf, hervorgerufen durch Horizontverschiebung. In frühen Versionen hätte Herakles nur bis zum westlichen Ende des Peloponnes reisen müssen. Damit ist dieser Beleg entwertet. Dass Antaios Sohn des Poseidon ist, ist ebenfalls kein Beleg, sondern im Hinblick auf die Zuiordnung von Libyen zu Poseidon eher ein Allgemeinplatz, eine Tautologie. Es werden zudem mehrere Varianten zur Lokation von Antaios geschildert, die kein klares Bild zulassen.

Beleg 3: Die Hesperiden verweisen ihrem Namen [65] nach gen Sonnenuntergang, also nach Westen, aber nicht präzise in den Nordwesten Afrikas.

Beleg 4: Es trifft zu, dass Nordafrika als Hoheitsgebiet des Poseidon angesehen wurde, allerdings nicht nur der Westen, sondern auch die „Mitte“ und der Osten Nordafrikas bis nach Ägypten hin.

Beleg 5: Dass es in der Umgebung des Titanen Atlas und des Gartens der Hesperiden besonders gebirgig gewesen sein soll, geben die Mythen nicht her [66]. Fruchtbarkeit ist keine Besonderheit der Atlas-Region. Goldene Äpfel tauchen hingegen nur im Mythos auf, nicht jedoch bei Platon und auch nicht in der Realität Nordafrikas.

These: Die Entsprechung des Namens zwischen Herodots Atlanten und Platons Atlantis weise auf die Identität beider hin [67].

Widerlegung:
Was auf den ersten Blick einleuchtend erscheint, ist in Wahrheit völlig abwegig. Es gibt keine erkennbare Verbindungslinie zwischen beiden Sachverhalten. Gehen wir ins Detail:
Wir haben es einerseits zu tun mit dem König Atlas eines im Westen gelegenen Inselreiches, einem Sohn des Poseidon, einer Person, die in einem Dialog Platons als reale und geschichtliche Person beschrieben wird. Die geschichtliche Fassbarkeit dieses Inselreich wird durch den Eroberungsfeldzug gegen Ägypten und die saitische Überlieferung zusätzlich unterstrichen. Der Name Atlas ist dabei unsicher, da er von Solon aus dem ägyptischen oder gar direkt der Sprache dieses Inselreiches ins Griechische übertragen wurde. Nach diesem König Atlas wird dessen Inselreich mit seiner Hauptstadt und das es umgebende Meer lediglich adjektivisch-genitivisch konnotiert („des Atlas“ = Atlantis). Weder wird bei Platon das Meer „Atlantik“ noch die Bewohner des Inselreiches des Atlas „Atlanter“ oder „Atlanten“ genannt. Die wirklichen Namen von Insel, Stadt, Volk und Meer des Königs Atlas sind völlig unbekannt. Soweit zu Platons König Atlas.

Andererseits haben wir es zu tun mit dem Titanen und Himmelsträger Atlas im äußersten Westen der Welt, Sohn eines Titanen und einer Okeanide, eine mythologische Person, deren Mythos keinerlei geschichtliche Anknüpfungspunkte erkennen lässt, wie es z.B. der Sagenkreis um Herakles vielleicht noch zuließe. Von einem „Reich“ des Titanen Atlas ist nirgendwo die Rede. Der Titan Atlas ist vielmehr zur Strafe in seine Position als Himmelsträger gekommen und kann nicht als Herrscher gedacht werden.

Nach diesem Titanen Atlas ist spät sowohl das Atlas-Gebirge als auch der Atlantik benannt worden. Beide Ersterwähnungen dieser Bezeichnungen finden sich bei Herodot. Beim Meer ist dies einfach zu zeigen: Es wird als das Meer „des Atlas“ apostrophiert, ohne dass „Atlas“ näher bezeichnet würde; dies muss zwangsläufig auf den Titanen hinweisen, denn nur dieser und nichts anderes ist jedem griechischen Leser geläufig.

Etwas schwieriger ist es beim Gebirge. Grundsätzlich wäre es denkbar, dass sein Name Atlas nicht aus der griechischen Mythologie abgeleitet wurde, und für sich allein stand. Grundsätzlich wäre auch denkbar, dass die Atlanten tatsächlich ihr Gebirge als die Säule des Himmels verehrten.

Dem steht aber entgegen, dass für das Atlas-Gebirge mehrere antike Namen von Eingeborenen überliefert sind: „Dyris“ nach Strabon, „Daran“ nach Plinius. Dem steht auch eine gesunde Skepsis entgegen: Wie bei Herodot üblich werden die Berichte über Völker immer mythologischer, je näher seine Beschreibungen sich den Enden der Erde nähern. Dies ist auch bei der Auflistung der Völker Nordafrikas von Ost nach West der Fall, wie zahlreiche Attributierungen (Berge stets wolkenverhangen, keine Träume) klar zeigen, sowie die sich an eine örtliche Gegebenheit anlehnende, funktionale Benennung des Volkes der Atlas-Bewohner.
Nach dem Gebirge, das seinen Namen also vom Titanen Atlas bezieht, sind die Atlanten bei Herodot benannt, es sind schlicht die Bewohner des Atlas, so wie die „Älpler“ die Bewohner der Alpen sind.

Herodot weiß um die Unsicherheit seiner Informationen zu fernen Ländern und versieht sie hie und da mit generellen Warnhinweisen. Die funktionale Interpretation des Berges als „Himmelssäule“ und die dazu passende Benennung „Atlas“ sind wohl der mythischen Erwartungshaltung der griechischen Denkwelt geschuldet; vermutlich hat hier das Phänomen des blumenreich plaudernden Fremdenführers [68] Platz gegriffen: Herodot bekam eine Geschichte aufgetischt, passend zugeschnitten für einen Griechen.

Fazit: Wir haben gesehen, dass Platons König Atlantis und Herodots Atlanten nichts gemein haben, und ohne eine schlüssige Argumentation, warum sie etwas gemein haben sollten, auch nicht in eins gesetzt werden dürfen. Diese Argumentation hat Hofmann vermutlich in der besten bislang vorliegenden Weise versucht, aber auch er ist daran gescheitert.

These: Herodot habe seine Informationen über die Atlanten aus Ägypten erhalten [69].

Widerlegung: Die Hauptquelle des Herodot für die Beschreibung der libyschen Völker wird in Hekataios vermutet [70]. Herodot folgt in diesem Teil seiner Weltbeschreibung der Ordnung der Weltbeschreibung des Hekataios, von der leider nur noch Fragmente erhalten sind. Nun hat aber auch Hekataios womöglich seine Informationen aus Ägypten und die These wäre indirekt doch richtig.

Da aber Hekataios insbesondere über den Westen bedeutend besser informiert war als der spätere Herodot, was eine Folge der den Westen sperrenden Macht Karthagos war, ist anzunehmen, dass Hekataios weitere Quellen gehabt haben muss, die nicht ägyptisch waren, sonst hätte auch Herodot mehr über den Westen wissen können.

Herodot selbst nennt mindestens eine weitere außerägyptische Quelle für seine Beschreibungen, nämlich die Karthager [71], auch wenn er von ihnen aus den eben genannten Gründen nicht allzu viel erfahren haben wird. Auch kann vermutet werden, dass sich über die Griechen in der Kyrenaika Informationen über Libyen in der griechischen Welt verbreiteten.

Problematisierung: Lokation von Herodots Atlanten.

Da Herodots Atlanten bei einer Himmelssäule wohnen sollen, ist der östliche Teil des Atlas-Gebirges eigentlich unpassend, weil sich die höchsten Gipfel des Atlas-Gebirges eindeutig weiter im Westen befinden.

Zudem befinden sich die Atlanten bei Herodot in der Reihe jener Völker, die hinter den Völkern, die an der Küste und am Tritonsee wohnen, angesiedelt sind. Die von Hofmann ins Auge gefasste Lokation wäre aber so nahe am Tritonsee, dass sie eher in die Reihe der an der Küste bzw. am See lebenden Völker gehört hätte.

Herodot beschreibt seinen Atlas überdies nicht als Gebirgszug, sondern als eine schmale und hohe Bergessäule [72]. Dies passt wenig zum Atlas-Gebirge, sondern könnte prinzipiell auch auf das Ahaggar-Gebirge mitten in der Sahara hinweisen.

Herodot spricht bekanntlich bei der im Hinterland lebenden Völkerreihe, dass sie auf einer durchgehenden Hügelkette lebe [73]. Diesen meint man bei einem ersten Blick in den Altas beginnend bei der eindeutig lokalisierbaren Oase Audjila eher in den Höhenzügen Harudj el-Asuad, Djebel es-Soda, Hamada von Tinghert und dem Plateau von Tademait zu erkennen. Bei letzterem gibt es sogar größere Oasen.

These: Die Einwände der etablierten Wissenschaft gegen den Vergleich von Herodots Atlanten mit Platons Atlantis seien ohne Grundlage, weil sie dogmatisch seien [74].

Widerlegung: Leider ist es richtig beobachtet, dass die etablierte Wissenschaft die Frage nach Atlantis häufig allzu kurz angebunden abtut und ein dogmatisches Verhalten an den Tag legt. Es wäre aber ein Fehler, diese Erkenntnis mithilfe unvollständiger Induktion pauschal auf die ganze etablierte Wissenschaft auszudehnen.

These: Nach Brugsch würden im Tempel von Karnak libysche Völker mit Namen Atara und Atala erwähnt. Ihre Hieroglyphen zeigten eine Mauerring-Symbolik und wären mit dem Inselzeichen konnotiert [75].

Widerlegung: Leider ist die Forschung über den Stand von Brugsch längst hinweggeschritten. Vgl. dazu Anhang 1 und Anhang 2.

Problematisierung: Poseidon kam aus Libyen [76].

Wie oben schon dargelegt, ist Libyen eine recht grobe Ortsangabe. Für sich allein betrachtet ist die Feststellung, dass Poseidon aus Libyen kam, noch nicht zielführend. Überhaupt wäre tiefgründiger zu hinterfragen, ob Herodots Vermutung, dass Poseidon aus Libyen stammt, zu vertrauen ist, Poseidon ist regional auch stark in Griechenland und der Ägäis beheimatet [77].

Abb. 4: Maghreb und Sahara

Thesen: Der moderne arabische Begriff „Insel des Westens“ für die Atlas-Region, den Maghreb, weise auf eine frühere Bedeutung der Region hin [78]. Ebenso der Name der Stadt Algier, der Insel bedeute.

Widerlegung: Der Name Maghreb ist eine Benennung durch arabischen Geographen, wie z.B. des im 11. Jahrhundert lebenden Al-Bakri. Sie teilten dabei die islamisch-arabische Welt in eine West- und eine Osthälfte ein, und nannten den Westen Maghreb (Sonnenuntergang) und den Osten Makresch (Sonnenaufgang). Die Grenze zwischen beiden Bereichen lag dabei mitten in der libyschen Wüste, die diese die beiden Regionen als natürliche Grenze teilte [79].

Damit ist klar, dass die Benennungen „Maghreb“ und „Insel des Westens“ auf arabische Ursprünge zurückgehen, die mit der von Hofmann untersuchten Frage nichts zu tun haben können. Wenn der Name „Insel des Westens“ allen Erwartungen zum Trotz doch auf früheste Zeiten zurückgeführt werden könnte, müsste dies gesondert belegt werden.

Zum Stichwort Algier schreibt Meyers Konversationslexikon [80]: „Algier … arab. Al Dschesair, d. h. „die Inseln“, … Vor der europäischen Stadt breitet sich der große Hafen aus mit einem Flächenraum von 95 Hektar, dessen erster Gründer Chaireddin Barbaroßa war, der 1525 vier an der Küste liegende Inseln (daher der Name „Al Dschesair“) mit dem Festland verband.“ Auch hier also kein Bezug zu antiken Zeiten.

Wenn Ulrich Hofmann formuliert, „Das Puzzle Libyscher Atlas – Atlantis ist, wie sich erkennen lässt, in allen seinen bisher dargelegten Teilen völlig in sich stimmig“ [81], so ist ihm zu widersprechen. Auch er selbst hat in seiner Untersuchung zuvor schon Dissonanzen erkannt, z.B., dass der Titan Atlas nicht von Poseidon abstammt.

3. Thesenfeld: Lage von Ebene und Stadt

These: Die Ebene von Atlantis sei die Region zwischen Tell-Atlas und Sahara-Atlas [82]. Die Hauptstadt von Atlantis läge in einer Hochebene an einem Hochlandsee [83].

Widerlegung: Die bezeichnete Region ist weder eben noch gleich- oder regelmäßig (homales), wie Platon schreibt [84], sondern eher hügelig und bergig, und damit eher ein Hochland als eine Hochebene. Zumal Platon keineswegs sagte, dass die Ebene an allen Enden hoch liegt, vielmehr grenze sie ans Meer [85].

Hofmann stellt fest, dass der einzige Zugang zu dieser Region bei Biskra 150 m über dem Meer liegt [86]. Das passt hinten und vorne nicht zu Platons Beschreibung, denn die Stadt muss ja am Rande der Ebene am Meer gelegen haben. Platon sagt ganz klar, dass die Ebene ans Meer stößt [87], und dass an ihrem Rande der Burgberg lag, umgeben von der bekannten Wasserringstruktur. Weiter berichtet Platon von einem Kanal von der Burginsel zum Meer, durch den Schiffe in die Ringstruktur einliefen [88]. Man denke auch an den Umstand, dass Kauffahrtsschiffe aus aller Herren Länder im Hafen der Ringstruktur zugegen gewesen sein sollen [89].

Abb. 5: Lage von Ebene und Stadt nach Ulrich Hofmann

These: Herodot beschreibe seinen Atlas als „steil und kreisförmig“ im Sinne eines Bogens von Bergen [90].

Widerlegung: Herodot benutzt zur Beschreibung des Berges Atlas die Worte oros (Berg, Singular), steinon (eng, schmal) und kykloteres (rund gedreht, abgerundet, kreisrund) [91]. Es handelt sich also nicht um einen Gebirgszug, sondern eher um einen einzelnen Berg. Dieser ist rund und schmal. Außerdem hoch. Kurz gesagt: Er entspricht genau der Form eines Zylinders oder eben einer Säule, wie er ja wenige Sätze danach auch als Himmelssäule beschrieben wird.

These: Nur die Burginsel inmitten der Ringstruktur sei untergegangen, d.h. weder die Ringstruktur noch die Insel, auf der sie lag, sei untergegangen. Wie schon gesagt, habe die Burginsel in einer Hochebene fern vom Meer gelegen [92].

Widerlegung: Aufbauend auf seine vorangegangenen Thesen hat sich Ulrich Hofmann jetzt endgültig verrannt und einen groben Schnitzer begangen. Wir haben oben schon gezeigt, dass die Ebene mit der Burginsel nahe am Meer gelegen haben muss. Platon sagt außerdem, dass die Unbefahrbarkeit des Meeres vom Versinken der Insel herrühre [93]. Wie soll das möglich sein, wenn eine Insel in einem See mitten im Hochland versinkt?

Der Autor tritt damit seine eigene Argumentation in die Tonne, dass das Meer, das durch den beim Untergang von Atlantis entstandenen Schlamm unbefahrbar geworden sein soll, der Tritonsee sei. Auch passen die mythischen Analogien nicht mehr, nach denen es eine Insel im Tritonsee gegeben habe, nahe des Eingangs, wo auch die Säulen des Herakles gewesen seien, die ja die Tritonsee-Hypothese zu einem guten Teil erst richtig interessant machen.

Problematisierung: Oreichalkos im Atlas-Gebirge?

Die Argumentation Ulrich Hofmanns zum Thema Oreichalkos ist leider etwas schwach [94]. Er vermutet Messing, bekennt aber selbst, dass Messing erst bei den Römern richtig in Gebrauch kam, und dass es überdies kaum natürlich als abbaubares Erz vorkommt. Ein angeführter Depotfund von Monod datiert ins hohe Mittelalter und hat damit keine Relevanz. Hinweise auf womögliche Vorkommen von Messingerz im Atlas-Gebirge reichen als Argumentation nicht aus, zumal das Oreichalkos ja angeblich recht reichlich auf der Insel Atlantis vorhanden gewesen sein soll.

Etwas seltsam erscheint es, wenn Hofmann fordert, die Entstehung der atlantischen Ringstruktur hätte von Menschen beobachtet werden müssen [95]. Warum? Natürlich entsteht eine solche Ringstruktur nur in Jahrtausenden und hätte von Menschen in ihrer Entstehung deshalb mit Sicherheit nicht beobachtet werden können. Später erkennt auch Hofmann, dass man die Naturgewalten, die diese Struktur geschaffen haben, mühelos mit Poseidon identifizieren kann [96].

4. Thesenfeld: Ägypten von Westen her beeinflusst

Ulrich Hofmann berichtet ausführlich über die Entstehung menschlicher Kulturen im Norden Afrikas zu Zeiten, als die Sahara noch keine ausgetrocknete Wüste war. Er schildert die Abfolge der einzelnen Kulturepochen und verweist auf wiederholte Trockenphasen hin, deren letzte bis heute andauert.

Die Kultur im Niltal entstand dabei zunächst einfach dadurch, dass die Nilregion durch das Trockenfallen der Wüste von der übrigen nordafrikanischen Kultur isoliert wurde, und eine eigene, lokale Entwicklung nahm.

Hofmann veranschaulicht an vielen Beispielen, wie die ägyptische Kultur in der ursprünglich gesamtnordafrikanischen Kultur wurzelt, insbesondere im Bereich der Religion.

Etwas problematisch ist die Darstellungsweise: Fast alles, was Hofmann zu diesem Thesenfeld referiert, entspricht der allgemein gültigen Lehrmeinung unter Ägyptologen. Es ist aber für den weniger bewanderten Leser nicht möglich zu unterscheiden, wo Hofmann von allgemein akzeptierten Auffassungen abweicht und statt dessen Minderheitsmeinungen und eigene Ideen präsentiert.

Auf diese Weise erhalten seine Thesen eine enorme Sensations- und Suggestivkraft, die ihnen eigentlich nicht zukommt: Wie wenn die etablierte Wissenschaft den Zusammenhang der ägyptischen Kultur mit der nordafrikanischen Kultur leugnen würde und Hofmann hier originelle Einsichten darlegen würde. Wie wenn seine eigenen Ideen genauso glaubwürdig wären, wie der große, wissenschaftlich akzeptierte Rahmen, in den er sie einfügt.

Es sei aber keine Absicht unterstellt, eine derartiges Darstellungsproblem gründet häufig in der Expertenblindheit des Autors. Zu Hofmanns Eigenanteil kommen wir in den folgenden Thesenfeldern.

5. Thesenfeld: Nordwestafrikanisches Großreich kolonisierte das Niltal

Ulrich Hofmann leitet seine Argumentation zu diesem Thesenfeld mit Belegen dafür ein, dass die Atlas-Region schon in frühesten Zeiten für die Formung der Kultur im gesamtnordafrikanischen Kulturraum eine Vorreiterrolle innehatte [97]. Eine Überprüfung dieser These sei hier ausgespart, eine Bestätigung oder Widerlegung würde keinen Beitrag zur Lösung der Atlantis-Frage leisten.

These: Die Felsbilder von Pferdewagen im Sahara-Raum ließen auf eine Hochkultur schließen [98].

Widerlegung: Der Schluss von Pferdewagen auf eine Hochkultur ist eindeutig zu kurz! Natürlich stellen Pferdewagen schon eine höhere Kulturstufe dar, von einer Hochkultur zu sprechen ist aber eindeutig übertrieben. Wo sind denn die Städte, die eine Hochkultur kennzeichnen? Hätte von einer Hochkultur nicht mehr bleiben müssen als eben nur diese Felsbilder? Gab es Ansätze zur Herausbildung einer Schrift? Es ist nicht zulässig, hier von einer Hochkultur zu sprechen.

Abb. 6: Felszeichnung in der Sahara

These: Das Verbreitungsgebiet der Pferdewagendarstellungen markiere das „beanspruchte Territorium eines gut organisierten … Staates“ [99].

Widerlegung: Es ist nur schwer vorstellbar, dass ein solches Staatsgebiet auf dem Niveau einer Pferdewagenkultur einheitlich zusammengehalten worden sein könnte. Wo hätte dieses Staatsgebiet seine verwaltenden Zentren gehabt? Wie wären die Weisungen der Staatsmacht zuverlässig von einem Ende des Reiches zum anderen transportiert worden? Gibt es Spuren erster Schriftzeugnisse? Wie hätte eine Streitmacht damaligen Zuschnitts die Mobilität zuwege gebracht, dieses Reich in allen seinen Teilen zu beherrschen? Gab es Straßen und Versorgungsstationen? Wie hätte man ein derart „ausfransendes“ Staatsgebiet ohne natürliche Grenzen zusammenhalten können? Auch überdauern Großreiche selten längere Zeiträume. Hofmanns Großreich hätte aber eine ungewöhnlich lange Zeit überdauert.

Es bleibt nur eines übrig: Wir haben es hier mit einem Kulturraum zu tun, nicht jedoch mit einem „gut organisierten“ Staatswesen.

Abb. 7: Naqada-I-Keramik
Abb. 8: Naqada-I-Keramik

These: Die Schiffstechnologie von Naqada I, einer prädynastischen ägyptischen Kulturstufe, war weit fortgeschritten, geeignet für die Meeresschiffahrt, und konnte nicht im Niltal entwickelt worden sein [100].

Hofmann geht davon aus, dass es sich um komplex gebaute Schiffe mit Spanten [101] und bis zu 50 Ruderpaaren [102] handelt. Bauholz für solche Schiffe habe es in Ägypten damals nicht gegeben [103]. Eine Gesellschaftsstruktur, die eine solche technologische Leistung hervorzubringen vermag, kann Hofmann in Naqada I ebenfalls nicht erkennen, Schiffe dieser Art brauchten eine vielhundertjährige Entwicklung [104].

Widerlegung: Grundirrtum von Hofmann ist seine Interpretation von Felsbildern und Keramikschiffen. Dieselben Schiffsdarstellungen werden in den Standardwerken der Literatur ganz anders bewertet: Die Entwicklung in Ägypten wäre mangels Holz von einfachen Schilfrohrflößen über Schilfrohrflöße in Form von Booten bis hin zu voll entwickelten Schiffen gegangen [105]. Eine große Zahl von Ruderern wird dabei bestätigt, ist aber bei einem Floß nichts besonderes. Im Sinne eines Schilfrohrfloßes in Form eines Bootes werden jene Darstellungen interpretiert, auf die sich auch Hofmann bezieht [106]. Die ersten Holzboote, die allerdings erst um 2700 v.Chr. für den Transport von Bausteinen nötig wurden, sollen übrigens nach Art der Schilfrohrfloß-Boote konstruiert gewesen sein [107].

Etwas besonderes kann in den dargestellten Booten also nicht erkannt werden. Damit ist eine zentrale These von Hofmann widerlegt, auf die er seine Kolonisierungsthese maßgeblich stützt.

Abb. 9: Vielrudriges Schiff, ägyptische Felszeichnung

These:In Nordwest-Afrika habe es nach der Isolierung der einzelnen Teilregionen Nordafrikas durch das Trockenfallen des Sahararaumes einen enormen Kulturschub gegeben, der die Entwicklung im Niltal weit überflügelte.

Widerlegung: Diese These wird bei Hofmann nirgends explizit formuliert, sie ist aber ein zwingendes Postulat seiner Hypothese, da er davon ausgeht, dass die Kultur der Atlas-Region der Kultur am Nil weit überlegen war.

Belege werden dafür keine geliefert. Gibt es z.B. Schiffsdarstellungen in der Atlas-Region, die denen im Niltal ähneln? Hat man dort jemals solche Schiffe gefunden, konserviert in zahlreich vorhandenen Salzseen oder im Uferschlamm? Wo sind die Bauten und Städte dieser überlegenen Kultur? Falls es Atlantis hätte sein sollen, müsste man ja von mindestens zehn Hauptstädten ausgehen.

Problematisierung: Der Autor kommt bisweilen etwas durcheinander mit seinen Belegen, ob sie sich nun auf Gemeinsamkeiten aus der Zeit vor dem Trockenfallen der Sahararegion beziehen, oder ob sie sich auf den Kulturimport einer mutmaßlichen Hochkultur der Atlas-Region beziehen. Erstere sind natürlich irrelevant, da sie nichts besonderes sind, werden aber im Kapitel, in dem es um diese Kolonisierung geht, munter weiter eingeflochten.

These: In diesen Zusammenhang gehört auch die Erwähnung, dass die Keramik von Naqada I der Keramik der berberischen Kabylen von heute sehr ähnlich sehe [108]. Dazu referiert Hofmann, im Jahr 1900 seien die beiden englischen Ägyptologen Randall-McIwer und Wilkin in die Kabylei gereist, und wären zu dem Ergebnis gekommen, dass es einen hohen Grad an Übereinstimmung gäbe [109]. 1907 habe McKenzie ähnliches formuliert.

Widerlegung: Tatsächlich handelt es sich nicht um Ägyptologen, sondern um Anthropologen und Archäologen. Randall-McIver schreibe [110] „daß es in der Keramik von el-Argeh Ähnlichkeiten mit den ‚Ledge-Handles’ gibt, also nicht mit der Keramik als solches.“ Randall-McIver sei ziemlich weit davon entfernt, aufgrund einer Ähnlichkeit der ‚ledge-handles’ einen Bezug zwischen den Kabylen und Naqada I anzunehmen.

Unterstützt wird dieser Gegenbeleg durch den gesunden Menschenverstand: Abgesehen davon, dass hier keine kulturelle Überlegenheit markiert wird, ist ein allzu enger Zusammenhang über Raum und Zeit hinweg kaum denkbar.

These: Naqada I stellt eine Kolonisierung des Niltals durch eine auswärtige Macht dar, die ihre überlegene Kultur ins Niltal exportierte. Diese auswärtige Macht habe in der Atlas-Region ihren Stammsitz [111].

Widerlegung:Mit der Widerlegung der Schiffsthese, der Widerlegung der implizit behaupteten Kulturschubthese für die Atlas-Region und der Problematisierung der Belegverwendung dürfte diese These hinfällig geworden sein. Widerlegt ist damit zugleich die Vorstellung, das angenommene Großreich habe aufgrund überlegener Schiffstechnologie eine ganze Reihe von Kolonien gegründet [112], z.B. Sais oder Athen.

Etwas problematisch bleibt auch eine etwas leichtfüßige Interpretation von Felsbildern. So wird ein vielsagendes Bild allzu schnell als eine Darstellung zweier vor einer Flutwelle fliehender Menschen gedeutet [113].

6. Thesenfeld: Ägyptische Staatsbildung als Abnabelung vom fernen Mutterreich

Mit der Widerlegung der Kolonisierung des Niltals durch eine auswärtige Hochkultur erübrigt sich eine Widerlegung dieses Thesenfeldes eigentlich von selbst. Dennoch seien auch hierzu einige Anmerkungen erlaubt.

Grundirrtum: Hofmann interpretiert die Verdrängung der alten, gesamtnordafrikanischen Kultur durch die sich lokal bildende, aufstrebende ägyptischen Kultur nicht als eine innerägyptische Auseinandersetzung, in die allenfalls nahe Nachbarvölker involviert waren, sondern deutet kulturellen Wandel und innerägyptische Kämpfe als eine Auseinandersetzung mit einem fernen Mutterreich. Dieses identifiziert er mit dem ägyptischen Nachbarn Tehenu. Jede Erwähnung von Tehenu wird ihm so zum Beleg für die Anwesenheit der auswärtigen Großmacht.

So repräsentiere Naqada II den ersten Schritt der Selbständigwerdung und Abnabelung der Nilkultur von der auswärtigen Hochkultur [114]. Innere Auseinandersetzungen in Ägypten im Zusammenhang mit roter und weißer Krone werden von Hofmann gut beobachtet [115], aber im Lichte der angenommenen auswärtigen Großmacht fehlinterpretiert.
Diverse Paletten und Steine, auf denen der Feind als Tehenu identifiziert wird oder die die rote Krone als gesamtägyptisch zeigen, erfahren dasselbe Schicksal. So die Löwenjagd-Palette [116], die Tehenu-Palette [117], die Narmer-Palette [118] oder der Palermo-Stein [119].

Abb. 10: Tehenu-Palette

Nur wenige Teilthesen bedürfen einer näheren Betrachtung:

These: Tehenu sei eine urtümliche Bezeichnung für den Nordwesten Afrikas, und nicht nur der westlich an Ägypten grenzenden Regionen [120].

Widerlegung: Dies ist klar falsch und findet nirgends einen Beleg. Hofmann hat hier aufgrund falscher Thesen eine darauf aufbauende noch falschere These entwickelt.
Generell berichten alle Quellen und Autoritäten davon [121], dass die Begriffe der Ägypter für die westlich von ihnen gelegenen Länder sich allesamt auf nahe bei Ägypten oder gar in Ägypten selbst gelegene Regionen bezogen. Dies liegt auch in der Natur der Sache, denn selbst ein seefahrendes Volk wie die Griechen erweiterte seinen geographischen Horizont nur sehr langsam. Ein Bezug zu einer derart entfernten Region wie dem Atlas-Gebirge fällt derart aus dem Rahmen, dass seine Behauptung nur Bestand haben könnte, wenn sie sehr gut belegt würde.

These: Das Insel-Zeichen für Tehenu deute auf Atlantis hin [122].
Widerlegung: Zur Verwendung des Inselzeichens siehe Anhang 1. Das Insel-Zeichen dient vor allem zur Konnotierung von Regionen.

These: Die zehn enthaupteten Feindfürsten auf der Narmer-Palette deuteten auf Atlantis hin [123].

Widerlegung: Eine Hinrichtung aller zehn Atlantisfürsten ist unwahrscheinlich, denn dass alle zehn in die Hände der Ägypter gefallen sind, ist kaum anzunehmen. Wenn dies damals schon so geschehen wäre, wie hätte es dann später zum Angriff der Atlanter auf Ägypten kommen können, von der Hofmann ausgeht? Außerdem ist von einer Eroberung der Atlas-Region durch die Ägypter nicht auszugehen. Die abgebildeten zehn enthaupteten Fürsten sind wohl eher unterägyptische Gaufürsten oder Oasen-Herrscher.

These: Tehenu spiele eine wichtige Rolle in der ägyptischen Religion [124]. In den Pyramidentexten des Pepi würde der verstorbene Pharao über Tehenu nach Westen segeln.

Widerlegung: Nach den Pyramidentexten muss der Pharao über Tehenu segeln, wenn er mit der Sonne zieht. Dies liegt aber in der Natur der Sache, da Tehenu nun einmal im Westen liegt. Das wertet Tehenu nicht auf. Der Begriff Tehenu tauche in den Pyramidentexten genau dreimal auf [125]. Tehenu spielt damit keine besonders wichtige Rolle in der ägyptischen Religion. Es erhebt sich hingegen die Frage, warum der libysche Gott Poseidon bei den Ägyptern keine wichtige Rolle spielte, wenn die ägyptische Religion sich im Sinne Hofmanns so sehr auf den Westen bezog?

Etwas seltsam mutet folgende Quellenverwendung Hofmanns an [126]: Aus Spruch 108 des ägyptischen Totenbuches (Titel: „Spruch für das Kennenlernen der Seelen der Westlichen“) zitiert er zunächst, dass der Berg Bakhu, auf dem der Himmel laste, im Osten des Himmels liege. Er selbst folgert daraus: „Der Titel des Spruches lässt darüber hinaus keinen Zweifel daran, dass [der Berg Bakhu] im äußersten Westen gelegen war.“ Dass der Text des Spruches anderes berichtet als der Titel, übergeht er.

Bachu wird eher als fiktive, lediglich religiös zu verstehende Region gedacht, die erst im Westen, ab dem Neuen Reich dann im Osten angenommen wurde [127]. Weitere Gedanken zu Irrtümern der Ägyptologie zum Thema Bachu, denen auch Hofmann folgte, siehe Anhang 3.

7. Thesenfeld: Neith-Athene als Urmutter der Atlanter

Hofmann versucht einerseits, die Identität von Neith und Athene aufzuzeigen, andererseits deren beider Ursprung in Libyen zu verorten. Athen und Sais wären demnach alte Kolonien des atlantischen Reiches.

These: Neith stelle in der ägyptischen Mythologie den Anfang dar. Sie sei älteste aller Götter, Mutter des Sonnengottes Sobek und Urmutter Ägyptens. Nach Brugsch galt sie in Sais auch als Mutter des Osiris [128].

Widerlegung: Neith spielte vor allem für Unterägypten eine große Rolle. In der Frühzeit nahm sie zwar eine wichtige, jedoch keine zentrale Stellung in der ägyptischen Götterwelt ein. Zuerst erwähnt wird sie in einem Tempel in Sais aus der Zeit der 1. Dynastie, den König Hor-Aha erbaute. Ihre Stellung als Mutter und Schöpfungsgöttin wurde ihr erst später zugeschrieben [129].

Abb. 11: Göttin Neith mit der roten Krone Unterägyptens

These: Atlantis sei von den Ägyptern nur deshalb so ausführlich beschrieben worden, weil sie ihre Göttin Neith auf dieses Land zurückführen [130].

Widerlegung: Das Argument ist nicht stichhaltig. Es lassen sich tausend andere Gründe für die ausführliche Beschreibung von Atlantis finden, z.B. die Verherrlichung des Sieges über ein so mächtiges Reich.

These: Der Bau einer Vorhalle zum Neith-Tempel durch Amasis zur Zeit der saitischen Renaissance weise darauf hin, dass Neith Bezüge zu den ältesten Zeiten Ägyptens habe [131].

Widerlegung: Zunächst einmal wäre dann offen, welche Bezüge. Dann aber bleibt noch zu bedenken, dass die saitische Renaissance nicht an graue ägyptische Vorzeiten anzuknüpfen versuchte, sondern an die Blütezeiten des Reiches.

These: Die saitischen Priester seien damals mit der ältesten Geschichte Ägyptens am vertrautesten gewesen [132].

Widerlegung: Solon kam nicht zuerst deshalb nach Sais, weil er dort die klügsten Köpfe gefunden hätte, sondern weil Sais Verbindungen zu Athen hatte [133]. In Sais fragte er dann diejenigen unter den saitischen Priestern, die sich mit der Vorzeit am besten auskennen [134]. Dass diese sich auch ägyptenweit am besten auskannten, scheint eher unwahrscheinlich. Herodot bevorzugte hundert Jahre später die Priester in Memphis, Theben und Heliopolis [135].

These: Im Neith-Tempel zu Sais sei die wahre Geschichte von Tehenu-Atlantis bis zu Solon unverfälscht aufbewahrt worden [136].

Widerlegung: Wenn Hofmanns Hypothese zutreffen würde, dann läge hier ein Fall von jahrhundertelang gehütetem Geheimwissen vor, denn publik war diese Erkenntnis keinesfalls. Abgesehen davon, dass es eine so lange Geheimüberlieferung nicht geben kann, würde sich die Frage erheben, warum die Priester dann ausgerechnet gegenüber Solon ihr Schweigen gebrochen haben sollen?

These: Die Standarte der Neith auf den Schiffen von Naqada I und II weise auf einen Ursprung der Schiffe in Tehenu hin [137].

Widerlegung: Wie schon gesagt, handelt es sich bei den Schiffen nicht um die Schiffe einer auswärtigen Macht, sondern um ganz normale Schilfrohrfloß-Boote. Hofmann selbst referiert, dass Flinders Petrie 32 verschiedene solcher Standarten identifizieren konnte [138]. Statt eine auswärtige Macht repräsentierten die Standarten vermutlich ägyptische Gaue.

These: Athene und Neith wurden nicht nur nachträglich in eins gesetzt, sie sind tatsächlich eins [139].

Widerlegung: Es würde sich dann zunächst die Frage erheben, warum es so viele Unterschiede zwischen beiden Göttinnen gibt? Athene ist die Göttin des Krieges und der Weisheit. Ihre Attribute sind die Vollbewaffnung, die Aigis, die Eule, der Olivenbaum. Neith hingegen ist zunächst einmal Göttin der Jagd, dann erst Göttin des Krieges. Weisheit ist in Ägypten eher die Rolle des Thot. Prägendes Attribut der Neith sind die gekreuzten Pfeile und die rote Krone Unterägyptens.

Es ist unverkennbar, dass beide Gottheiten keine große Ähnlichkeit aufweisen. Die Identifizierung der Neith mit Athene dürfte erst sehr spät bei der Berührung von griechischer und ägyptischer Kultur aus eher politischen Gründen zustande gekommen sein.
Weitere Details folgen in den weiteren Thesen.

These: Der Ursprung des Olivenanbaus ist im Sinne des Althistorikers Graves in der Atlas-Region zu finden [140].

Widerlegung: Zunächst einmal ist Robert von Ranke-Graves kein Althistoriker, sondern ein Dichter, der sich aus seiner Perspektive um die europäischen Mythologien bemüht hat. Seine Resultate sind hoch spekulativ und damit umstritten und in Teilen auch klar widerlegt. Ranke-Graves kann deshalb als Autorität in keiner Weise taugen. Um Glaubwürdigkeit herzustellen, müsste man die Argumentation von Ranke-Graves selbst vorstellen.

Was nun die These selbst betrifft, so scheint sich die Wissenschaft sehr einig darin zu sein, dass der Olivenanbau seinen Anfang in Kreta und Syrien nahm, und sich von dort aus schrittweise über das ganze Mittelmeer verbreitete [141]. Insbesondere die Ausbreitungshistorie macht einen Ursprung im fernen Westen eher unwahrscheinlich. Siehe auch Anhang 3 für eine ausführlichere Besprechung der Thematik. Damit scheint Athene als Bringerin des Olivenbaumes eher östlichen Ursprungs zu sein.

Widerspruch: Wettstreit von Athene und Poseidon um Attika.
Gemäß der Gründungssage von Athen hätten Athene und Poseidon in einem Wettstreit um Attika gelegen. Wer das bessere Geschenk mache, solle Attika bekommen. Dabei habe sich Poseidon mit dem Pferd nicht gegen Athene mit dem Olivenbaum durchsetzen können.
Das bedeutet aber, dass Libyen in diesem Wettstreit durch Poseidon vertreten wurde! Dann kann Athene, wenn sie denn eine libysche Göttin sein sollte, nicht ebenfalls angetreten sein, noch dazu, da Poseidon im Sinne Hofmanns ihr Vater war.

Wenn also Poseidon, der Gott aus Libyen, aus dem Westen, im Streit mit Athene lag, so liegt es nahe, zu vermuten, dass Athene eher aus dem Osten kam, oder wenigstens eine Mischung von Götterrollen mit östlichen Anteilen ist. Tatsächlich entspräche die Zeusgeburt der Athene kleinasiatischen Mythen [142].

These: Die Göttin Athene wurde am Tritonfluss in Nordafrika geboren [143].
Widerlegung:Der Ort des myhisch gemeinten Tritonflusses ist höchst unklar. Neben verschiedenen Lokationen in Nordafrika gibt es auch die Vorschläge Böotien und Kreta. Da der Mythos alt ist, darf von einem eher engen Welthorizont ausgegangen werden, der sich erst in späteren Zeiten weitete, wie dies auch bei der Herakles-Sage der Fall ist. Triton als Gottheit ist eher orientalischen Ursprungs [144]. Frühe Darstellungen des Triton zeigen den Typus des orientalischen Fischdämons [145].

These: Die Aigis [146] und die blauen Augen [147] verwiesen auf eine libysche Herkunft der Athene.
Widerlegung: Bei der Aigis handelt es sich um ein Kleidungsstück, das vormals wohl im ganzen Mittelmeerraum getragen wurde, als Ziegen noch im Besitz von jedermann waren. In Athen kam die Aigis durch den kulturellen Fortschritt verständlicherweise aus der Mode. Lediglich im religiösen Bereich hat sie sich gehalten, wie ja so vieles im religiösen Kult die Jahrhunderte überdauert.

Damit ist eine Herkunft, wie Herodot sie konstruiert, eher unwahrscheinlich. Herodot sucht ja geradezu nach Herkünften und Beziehungen und stellt hier wohl schlicht eine falsche Theorie auf.
Man beachte auch, dass in der griechischen Mythologie Hephaistos als Verfertiger der Aigis gilt, und dass Zeus bei Hesiod der Aigisführer genannt wird [148]. Die Aigis hat in der griechischen Mythologie also keinen eindeutigen oder gar ausschließlichen Bezug zu Libyen und Poseidon.
Was die blauen Augen betrifft, so zitiert Hofmann Pausanias, wie er die Darstellung von Athene als einen libyschen Mythos bezeichnet. Also eben nicht als einen griechisch-attischen Mythos! Vermutlich nimmt Pausanias hier die Identifizierung von ähnlichen Gottheiten vor, die sich leicht unterscheiden, aber nicht gemeinsamen Usprungs sind. Pausanias zufolge sehen die Libyer in Athene eine Tochter Poseidons, was dem griechischen Mythos völlig zuwiderläuft und noch einmal den Wettstreit zwischen Poseidon und Athene um Attika ad absurdum führt, würde man die libysche Athene in eins mit der athenischen Athene setzen.

These: Die Stadt Athen sei 1000 Jahre vor Sais gegründet worden [149].
Widerlegung: Diese Angabe darf nicht unhinterfragt von Platon übernommen werden! Es gibt zu viele Unklarheiten dabei. Aber auch im Rahmen dieser Hypothese gibt es Widersprüche. Wenn ein Großreich seine Schiffe aussendet, um Kolonien zu gründen, und dabei den Neith-Kult verbreitet, dann geschieht dies nicht im Abstand von 1000 Jahren.

Thesenfeld: Solons Namen seien berberischen Urprungs

These: Im Sinne Borchardts übersetzte Solon die Namen der atlantischen Ureltern und Könige nicht nach dem Sinn, sondern nach dem Klang ins Griechische [150].

Widerlegung: Hier liegt ein Widerspruch zur Aussage des Platon vor, nach der Solon die Namen nach dem Sinn übertragen hätte [151]. Eine entsprechende Rückübertragung versucht z.B. K.A. Frank [152], und das auch sichtlich mit größerem Erfolg.

These: Die klangliche Übersetzung werde durch Entsprechungen im Berberischen bestätigt [153].
Widerlegung: Betrachten wir die 13 untersuchten Namen und ihre klanglichen Pendants genauer, so kommen wir zu folgenden Zahlen:

Halbwegs gleich: Gadeiros, Ampheres, Atlas.
3 von 13 = 23 %

Schwache Übereinstimmung: Euenor, Kleito, Euaimon, Mnaseas, Autochthon.
5 von 13 = 38 %

Gar keine Erklärung: Leukippe, Elasippos, Mestor, Azaes, Diaprepes.
5 von 13 = 38 %

Also ist gerade einmal ein Viertel der Namen erklärt worden, der große Rest bleibt im Dunkeln. Da klangliche Übereinstimmungen häufig Zufall sind, ist das vorliegende Ergebnis deutlich eher eine Widerlegung als ein Beleg der These.

Die Entsprechung des berberischen At = Söhne und Tala = Quelle, also Atala = Quellensöhne, mit dem Spruch 301, den Sethe mit „Quellenorten“ und Piankoff mit „fountainheads“ übersetzt haben sollen [154], bleibt mehr als vage.

Zunächst ist ein „Quellensohn“ weder ein „Quellenort“ noch ein „fountainhead“. Viel schwerer wiegt jedoch, dass ein „Quellenort“ an zahllosen Stellen auf der Landkarte gefunden werden kann. Die Vorliebe antiker Texte, Orte nach ihrer Funktion zu benennen, macht hier jeden Versuch, einen Beleg sehen zu wollen, zunichte.

8. Thesenfeld: Der Seevölkersturm

Mit der These, dass der durch Solon und Platon überlieferte Angriff der Atlanter auf Ägypten und andere Länder mit den Seevölkerkriegen zu identifizieren ist, schwenkt Hofmann wieder auf allgemein akzeptiertere Bahnen der Atlantis-Forschung ein.

These: Ägypten stand von Beginn an fortwährend in immer wieder sich erneuernden Auseinandersetzungen mit jenem mutmaßlichen westlichen Großreich, das Hofmann mit Atlantis identifiziert.

Widerlegung: Diese These liegt bei Hofmann nicht explizit formuliert vor, ergibt sich aber zwingend aus der inneren Logik seiner Hypothese. Betrachten wir die lange Reihe von Auseinandersetzungen Ägyptens mit seinen westlichen Nachbarn Atlantis im Sinne Hofmanns:

• Die Kolonisierung des Niltals durch die erwähnte auswärtige Macht [155].
• Die Abnabelung Oberägyptens von dieser Oberhoheit [156].
• Die Eroberung Unterägyptens durch Oberägypten, Reichsgründung [157].
• Fortwährende Geplänkel mit den Völkern im Westen [158].
• Schließlich der Seevölkersturm [159].

Damit hätte Ägypen ohne größere Unterbrechungen in Auseinandersetzungen mit Atlantis gestanden. Dies entspricht in gar keiner Weise der Darstellung des Platon. Dort wird Atlantis als ein von göttlicher Weisheit regiertes Reich dargestellt, das erst nach und nach in Dekadenz fällt, und erst bei Erreichen eines gewissen Dedadenzgrades zum großen Angriff auf Ägypten und andere Völker schreitet.

Abb. 12: Kampf gegen die Seevölker, Relief in Medinet Habu.

These: Temehu sei geographisch gesehen ein Teil von Tehenu [160]. Tehenu sei ursprünglich eine Bezeichnung für die Atlas-Region gewesen, die in dem Moment von der Bezeichnung Temehu abgelöst worden sei, als der Begriff Tehenu einen Bedeutungswandel zur Bezeichnung ganz Nordafrikas bis nach Ägypten erfuhr.

Widerlegung: Es ist zunächst richtig, dass der Begriff Temehu gewissermaßen eine Untermenge von Tenehu darstellt. Hölscher berichtet [161] davon, dass ein Stamm der Tehenu aus dem Süden ins Niltal zog und sich in der Region des westlichen Deltas niederließ. Damit ist die These von Temehu = Atlas-Region infrage gestellt. Sowohl Hölscher als auch das Lexikon der Ägyptologie [162] berichten übereinstimmend, dass der Begriff Temehu nicht als geographischer Unterbegriff zu Tehenu bestehen blieb, sondern den Begriff Tehenu vollständig ersetzte.

Generelle Laienfehler

Hofmann unterlaufen etliche Fehler, die für einen Laien typisch sind. Da Hofmann sich selbst als solcher bekennt und deshalb selbst mit Fehlern rechnet [163], sind sie absolut verzeihlich. Sie dürfen jedoch nicht unerwähnt bleiben.

Beginnen wir mit der Quellenarbeit. Es fällt auf, dass Hofmann sich häufig auf überalterte Quellen stützt. So z.B. auf P. Borchardt (1925/7), Detlefsen (1908), Brugsch (1858), Hermann (1934), Nordenskiöld (1897), Roudaire (1888), Savornin (1920), Frobenius (1925), Gsell (1921), Winkler (1937), Brunton/Caton-Thompson (1928), Petrie (1896), McKenzie (1907), Scharff (1931), Hölscher (1934), Bates (1914), Quibell (1900), Möller (1924), L. Borchardt (1913), Newberry (1915), Budge (1911), Stuhlmann (1912), Jéquier (1935), Davies (1922), Breasted (1906), Belzoni (1820), Nelson (1929),.

Die Befragung älterer Quellen ist an sich kein Fehler, schließlich könnten sich dort Gesichtspunkte finden, die die moderne Wissenschaft übersehen hat. Außerdem hat man hier die Grundlagen einer Wissenschaft vor sich, ohne auf deren Wiedergabe durch spätere Autoren angewiesen zu sein. Jedoch ist ein Abgleich mit modernen Erkenntnissen unerlässlich. An diesem Versäumnis ist Hofmann vielfach gescheitert.

Auffällig ist, dass sich Hofmann in bezug auf die ägyptische Frühgeschichte fast vollständig auf der Linie und im Rahmen von Gardiners Darstellung befindet [164]. Gardiner wird von ihm aber als Quelle nicht erwähnt.

Mit Paul Borchardt hat Hofmann sicher den wichtigsten Vorläufer seiner Thesen benannt, jedoch wäre eine Erwähnung von K.A. Frank wünschenswert gewesen, der in den 70er Jahren ebenfalls auf Libyen tippte.

Bei Literaturangaben aus Herodot gibt Hofmann zwar die Paragraphennummer, nicht jedoch die Buchnummer an. Es scheint ihm entgangen zu sein, dass sich Herodots Historien in neun Bücher unterteilen, deren Paragraphen jeweils neu von 1 beginnend durchnummeriert sind.

Einigemale unterläuft es ihm, dass er Autoren zu Wissenschaftlern und Ägyptologen macht, die gar keine sind. So z.B. Robert von Ranke-Graves [165], der kein Althistoriker, sondern ein Dichter, ist, oder die Engländer Randall-McIwer, Wilkin [166] oder McKenzie, die keine Ägyptologen, sondern Anthropologen und Archäologen sind.

Am gravierendsten wirkt sich jedoch aus, dass Hofmann offenkundig des Altgriechischen nicht mächtig ist und den Umgang mit alten Texten nicht gewohnt ist.

So versucht er z.B., einen Beleg aus dem Untertitel „Atlantikos“ von Platons Dialog Kritias abzuleiten [167]. Die Titel der Dialoge sind aber mit Sicherheit erst nachträglich hinzugefügt worden, erst recht der Nachsatz „Atlantikos“. Wer mit antiken Texten umgeht, kennt das.

Hofmann scheint sich auch nicht völlig der Tatsache bewusst zu sein [168], dass Atlantis niemals „Atlantis“, das atlantische Meer hieß niemals „atlantisches“ Meer und die Atlanter niemals „Atlanter“ hießen. Platon nennt keine Namen für Insel, Stadt, Volk und Meer von Atlantis. „Atlantis“ wird immer nur adjektivisch-genitivisch im Sinne von „des Königs Atlas“ gebraucht, und hat sich erst in der Rezeption zu einem Eigennamen verselbständigt

Bei der Diskussion um pelagos und pontos [169] hat Hofmann nicht gesehen, dass Platon selbst gleich darauf das Wort pelagos für das atlantische Meer verwendet. Vermutlich stützt er sich auf eine Sekundärquelle.

Hofmann übernimmt die Übersetzung „steil und kreisförmig“ für den bei Herodot beschriebenen Berg Atlas und leitet daraus einen Bogen von Bergen ab [170]. Herodot benutzt zur Beschreibung des Berges Atlas jedoch die Worte oros (Berg), steinon (eng, schmal) und kykloteres (rund gedreht, abgerundet, kreisrund) [171], so dass die von Hofmann intendierte Interpretation unmöglich wird.

Unglücklich ist auch die fraglose Übernahme der Übersetzung „Goldkupfererz“ für Oreichalkos, was ja eigentlich „Bergerz“ bedeutet.. Gänzlich verfehlt ist die Annahme, Aurichalzit leite sich von Oreichalkos ab [172], denn „Orei“ (griechisch) und „Auri“ (lateinisch) bedeuten als Vorsilbe zwei völlig verschiedene Dinge.

Schädlich wirkt sich das Fehlen von Altgriechisch-Kenntnissen auch bei der etymologischen Untersuchung der von Solon übertragenen Namen aus [173]. Namen mit klar griechischer Bedeutung werden nicht erfasst, so z.B. Leukippe oder Autochthon. Dass die Konsonantenfolge „ns“ berberisch sei, mag ja sein, aber sie ist vor allem auch griechisch!

IV. Anhänge

Anhang 1 – „Atala“ und „Atara“ im Tempel von Karnak?

Titel: „Atala“ und „Atara“ im Tempel von Karnak?
Autor: Faried Adrom, Ägyptologe, promoviert z.Z. über ägyptische Fremdvölkernamen.
Information an den Autor, 21. November 2004 (Erlaubnis zur Veröffentlichung erteilt)

Hallo,

das von Brugsch erwähnte Toponym Atara/Atala ist tatsächlich in ägyptischen Fremdvölkerlisten zahlreich belegt. Allerdings überliefern die ramessidischen Listen eine ganz andere Schreibung als die für eine Lautung „Atara“ notwendige: nämlich A-T-r (T = t mit Strich = ts), das bei Ramses III. interessanter Weise als A-r-T begegnet. Die Belege zu A-T-r sind:

1. Karnak, Ramses II. (Simons, XXIII)
2. Medinet Habu, Ramses III. (Simons, XXVII)
3. Medinet Habu, Ramses III. (Simons XXIX)

Dieses Toponym kann aber nach den bisherigen Kenntnissen zur Lautentsprechung nicht Atala o.ä. ausgesprochen worden sein, da das T in allen Belegen konsequent mit der Gardiner-Hieroglyphe G47 geschrieben ist, die bei allen anderen Belegen einem semitischen /za/ und /ze/ (W. Helck, Beziehungen, 1971) oder /ts(ch)i/ entspricht (J. Hoch. Semitic Words in Egyptian Texts, 1994).

Das Determinativ hat nichts mit „Insel“ oder „Küste“ zu tun, sondern kennzeichnet „Regionen“(so wird bei Ramses II. in verschiedenen Listen zB. x-t-A „Hatti“, s-n-g-r „Babylonien“ oder n-h-r-n „Syrien“ mit dem „Inselzeichen“ determiniert!! Sehr oft im übrigen bei afrikanischen Toponymen zu beobachten, vgl. K. Zibelius, Afrikanische Orts- und Völkernamen, Wiesbaden 1972). Bei der berühmten Kreta- und Mykene-Liste Amenophis’ III. aus seinem Totentempel etwa kommt kein einziges „Inseldeterminativ“ vor und auch Izy „Zypern“ wurde mit nicht besonders als Insel markiert! Auch ist A-T-r zB. in der Liste XXIII Ramses’ II. mit dem „Insel-Zeichen“ geschrieben (wie die Mehrzahl der dortigen Toponyme), in der Liste XXIX und XXIX Ramses’ III. dagegen mit dem „normalen“ Fremdvölker-Determinativ (N25) geschrieben (wie alle anderen Namen).

Wesentlich besser als Brugsch’s A-T-r passt zu der Lesung Atara das Toponym das in folgenden Quellen als A-t-r und A-d-r begegnet:

1. Karnak Thutmosis III. (Simons, Topographical Lists, 1937 Nr. I)
2. Karnak Thutmosis III. (Simons, op.cit., Nr. II)
3. Split, Sphinx Sethos’ I. (vermutlich aus seinem Totentempel; Simons, Va)
4. Theben-West, Totempel Amenophis’ III. (Simons, Xa): Liste BN 8
5. Karnak, Schoschenk I (Simons, XXXIV)

Da das Ägyptische bei den Dentalen sehr ungenau in der Wiedergabe war (also speziell bei den Varianten von /t/ und /d/) ist es gut möglich, dass hier trotz gelegentlicher Schreibung A-t-r eigentlich konsequent A-d-r zu lesen ist. Die sehr spekulativ als /ta/ in „Atara“ angegebene Silbe tritt in der den Fremdvölkerlisten in Hieroglyphenschreibung mit den Zeichen tj (Gardiner-Code: U33), tu (X1+G43/Z7), d (D46) und dj (D46+Z4) auf.

Aufgrund detailierter Untersuchungen zur Vokalisation kommt E. Edel (Ortsnamenlisten, S. 90) bei diesem Toponym zu dem Schluß, dass nur die zentrale Silbe (/ta/) sicher als /tu/ zu lesen ist. Die Anlaut- und Auslaut-Vokale sind unklar. Im Anlaut dürfte es sich aber wohl wirklich um ein /a/ handeln, wie genug andere Toponyme ähnlicher Schreibung zeigen.

Daneben kann das ägyptische [r] tatsächlich die semitischen Laute /r/ und /l/ wiedergeben. Wir haben hier also ein deutlich breiteres Realisierungsspektrum vor uns als es die simple (aber dennoch falsche) und wohl sehr zielgerichtet ausgesuchte Form „Atala“ suggeriert.

Aus den Amarnabriefen (EA 256:24), die ja dank der akkadischen Schreibung die ursprüngliche Vokalisation erhalten haben, ist der Ort Aduru bekannt, der gut zu der Edel’schen Rekonstruktion (Adura oder Aduru, s.o.) und auch sonst hervorragend in den geographischen Raum der ägyptischen Nordexpansion passen würde. Liegen die Siedlungen die diesen Namen tragen und die in zahlreichen Fremdvölkerlisten genannt sind, in Zentralpalästina im Umfeld von Megiddo (die Liste Amenophis’ III. verzeichnet ein anderes Atur/Ator südlich von Damaskus).

Von Bibelwissenschaftlern (G.W. Ahlström, Pharao Shoshenq’s Campaign to Palestine, in: History and Traditions of Early Israel, Fs Nielsen,Leiden 1993) wird der hieroglyphische Ortsname gern auf das hebräische „Adar“ zurückgeführt. Entsprechend der Wortbedeutung dieses Lexems wäre der Ort dann passend als „Dreschplatz (von Getreide)“ zu verstehen. Eine durchaus typische Art der damaligen Zeit, Plätze nach ihren Charakteristika zu bezeichnen. Von Amenophis II. kennen wir übrigens den Ort Aturin/Adurin – in dessen Memphis- und Karnak-Stele als „At(u)r(i)n“ geschrieben – wobei hier das auslautende /–in/ die Wiedergabe der semitischen Lokalendung (-ajn) darstellt und zu streichen ist.

Alle Listen, die den Ortsnamen überliefern lassen aufgrund der Einbettung des Toponyms in den gesamten Listenkontext erkennen, dass der/die Orte dieses Namens im Bereich zwischen Akko und Megiddo gelegen haben dürften. Eine genaue Lokalisierung ist nicht möglich. Eine Verlegung ausserhalb Palästinas oder gar ins Mittelmeer ist völlig ausgeschlossen (da dies dann unter hunderten Toponymen in den jeweiligen Listen der einzige Beleg wäre). Wenn die Bedeutung „Dreschplatz“ stimmen sollte, sollte es nicht wundern wenn wir keine archäologischen oder sonstigen Belege für den Ort finden. Es dürfte sich dann wohl kaum um mehr als eine kleines Gehöft gehandelt haben.

Von Atlantern war hier sicherlich nicht die Rede. Dagegen spricht eben der Kontext der Toponyme wie auch die phonologische Rekonstruktion der hieroglyphischen Schreibungen.

Anhang 2 – Atala in Punt/Kusch

Titel: Atala in Punt/Kusch
Autor: Faried Adrom, Ägyptologe, promoviert z.Z. über ägyptische Fremdvölkernamen.
Mail an den Autor, 26. November 2004 (Erlaubnis zur Veröffentlichung erteilt).

Da ich in der Gruppe der bekannten westlichen (also libyschen) Toponyme keine Schreibung A-t-r gefunden hatte habe ich mich zunächst auf die semitischen (östlichen) Überlieferungen gestützt. Doch habe ich nun auch in der endlosen Liste der südlichen (afrikanischen) Toponyme noch ein Toponym gefunden, das die Wurzel A-d/t-r aufweist (bei denen bin ich in meiner eigenen Bearbeitung noch nicht angelangt, und eine komplette Bearbeitung gibt es bislang nicht! Daher standen mir hier keine aktuellen Indices zur Verfügung). A-d/t-r/ ist belegt in:

1. Karnak, Thutmosis III. Liste Ia (Südvölker)
2. Karnak, Thutmosis III. Liste Ib (Südvölker)
3. Karnak, Statuensockel Amenophis‘ III.
4. Karnak, Haremhab, 10. Pylon
5. Karnak, Statuensockel Haremhabs 2x
6. Karnak, Sethos I. Hypostylmauer 2x
7. Karnak, Ramses II. 2x
8. Abydos, Ramses II., 2x
9. Luxor, Ramses II. 3x
10. Bubastis, Ramses II.
11.Theben-West, Ramses III., Kleiner Amunstempel 2x
12. Thutmosis III. (?), Statue aus Cachette in Karnak

Die Mehrzahl der Listen geht auf die erste Thutmosis-Liste zurück und sind einfache Kopien dieses Exemplares.
Auseinandergesetzt haben sich damit:

H.G. Tomkins, On the name „Irem“: a letter to M. le professeur Maspero, directeur du Recueil, in: RecTrav 10 (1888), S. 97;

und besonders:
E. ZYHLARZ, The Countries of the Ethiopian Empire of Kash (Kush) and Egyptian Old Ethiopia in the New Kingdom, in: Kush 6 (1958), S. 12.; sowie: D. O’Connor, The Location of Irem, in: JEA 73 (1987), S. 99-136;
Die Lokalisierung dieses Distriktes erfolgt eindeutig in die Region der südlichen Erythräis in die dortige (noch heute so genannte) Adal-Region (Adal = A-t-r/l passt ja auch phonetisch). Diese Lokalisierung liegt auch aus dem Listengesamtkontext sehr nahe, da alle benachbarten Toponyme ebenfalls im Raum des südlichen Nubien/Punt anzusiedeln sind (man kann sogar, wie Zyhlarz es tut, die ungefähre Route rekonstruieren, die die Toponym-Reihung beschreibt und die führt entlang des oberen Nils nach Osten zur Küste). Ein totaler Ausbruch nach Westen (Libyen o.ä.) müsste hier schon gut begründet werden.

Abb. 13: Atala in Nubien? Rot markiert ist das fragliche Toponym

Ich habe Dir in den Anhang einmal die Karte mitgeschickt in die Zyhlarz die Toponyme eingetragen hat. Das betreffende Toponym ist rot markiert.

Angesichts der klaren Zuordnung zum nubischen Distrikt von Kusch/Wawat ist hier nicht an eine libysche Lokalisierung zu denken. Auch ist der Ort in nichts als etwas besonderes markiert. Die Determinierung erfolgt zu 75\% mit dem normalen Fremdlandzeichen, ansonsten mit dem „Inselzeichen“ (siehe hierzu ja schon im Benben-Forum).

Anhang 3 – Tehenu und die Olive

Titel: Tehenu und die Olive
Autor: Faried Adrom, Ägyptologe, promoviert z.Z. über ägyptische Fremdvölkernamen.
Mail an den Autor, Januar 2005 (Erlaubnis zur Veröffentlichung erteilt).
Anmerkung: Ein individueller Font zur perfekten Transskribierung semitischer Sprachen wurde für die Veröffentlichung im Internet behutsam in einen verbreiteten Font umgesetzt. Die Ausspracheschreibung ist mit einem Stern * gekennzeichnet.

Es ist immer nützlich sich zunächst klar zu machen, welche Ziele eine Argumentation verfolgt. Bei Hofmann gehe ich mal von folgendem Schema aus:

• H. will die ägyptischen Libyer (speziell vermutlich die seevölkerzeitlichen Libyer) mit den Atlantern verbinden.
• H. sieht den Herkunftsraum der Atlanter im nordafrikanischen Atlas-Gebirge, dessen östliche Ausläufer er offenbar in dem ägyptischen Toponym Bachu wiederzuerkennen glaubt.
• Um hier eine Verbindung zu konstruieren muss eine Menge Kilometer Wüste überbrückt werden (Ägypten – Tunesien/Algerien!!). Daher der Verweis auf die Oliven-Pflanzen der Libyen-Palette.
• Denn wie aus Herodot (IV. 195) bekannt sollen in Libyen Oliven kultiviert worden sein.
• Das Zentrum dieser Kultivierung läge demnach im Bereich zwischen Kyrene und der Tripolitana.
• Damit hätten wir uns schon passend nahe an die östlichsten Ausläufer des Atlas im tunesischen Bereich angenähert um eine Verbindung beider Regionen auch für skeptische „Normal-Leser“ plausibel machen zu können.

Dennoch ist diese Verkettung von Einzelbelegen unseriös. Einerseits ist die Entfernungsüber-brückung nur künstlich bewältigt. Eine echte Erklärung für die enormen Distanz¬über¬win¬dun¬gen liegen nicht vor, da die Indizien nicht direkt miteinander verbunden sind. Andererseits sind die Quellen dieser Argumentation völlig willkürlich gewählt. Herodot kann kaum mit einem (bislang widersprüchlich erklärten) Phänomen auf einer frühzeitlichen Palette aus Ägypten erklärt werden.

In der Botanik wird die Herkunft des Ölbaumes, wie der Olivenbaum (Olea europaea) gern genannt wird, nach einhelliger Ansicht (und das sagt unter Wissenschaftlern eine ganze Menge) in den ostmediterranen Raum gelegt. Die Kultivierung des Ölbaumes wird nach archäologischen Befunden in Palästina auf ca. 3200-3000 v.Chr. datiert. Die Herkunft des Ölbaumes aus dem vorderasiatischen Raum wird auch etymologisch gestützt, bezeichnet doch ab der 19. Dynastie der Terminus d(d).t (*Dje(de)t; im Koptischen als *Tjoit tradiert) den Olivenbaum und dafür stellvertretend auch das Olivenöl. Dieses d.t finden wir noch heute in der semitischen Bezeichnung für (Oliven-)Öl als Zayt (vgl. J. Hoch, Semitic Words, Princeton 1994, S. 395f.; ich habe Dir ja schon bei den Listen zu Atala/Atara geschrieben, dass /D/ zu /z/ werden kann). Wäre höchst seltsam, wenn die Ägypter ein Importprodukt nicht mit einem hamitischen/Berber-Terminus sondern mit einem semitischen Namen belegen, wenn das Öl in Wirklichkeit aus Libyen stammen würde.

Seit der Frühen Bronzezeit (ca. ab 3300 v.Chr.) ist ein reger Handel von Oliven/Olivenöl zwischen Palästina und Ägypten archäologisch eindeutig nachgewiesen (zB. in Beth-Yerah; vgl. Esse 1991, S. 33, 123f., wo aus der Frühzeit auch ägyptische Siegelaufschriften gefunden wurden!!). Die Distribution erfolgte in dieser frühen Phase, die parallel zur ägyptischen vor- und frühdynastischen Epoche abläuft, in der sogenannten „comb-ware“, einer Keramikform, die sich auch in ägyptischen königlichen Gräbern der frühdynastischen Zeit findet (M. Serpico, A Report on the Analysis of the Contents of a Cache of Jars from the Tomb of Djer, in: J. Spencer, Aspects of Ancient Egypt, London 1996, S. 134f.; für die palästinischen Befunde vgl. die Zusammenstellung bei L. Stager, The First Fruits of Civilization, Fs O. Tufnell, 1985, S. 172-88; speziell S. 176f.). Es liegt also nahe, zu vermuten, dass die Oliven(öl)importe aus Palästina getätigt wurden.

Die Olive und damit das Olivenöl ist eben nicht wie der klassische Philologe U.v. Wilamowitz noch behauptete erst in der Ptolemäerzeit in Ägypten eingeführt worden (was leider häufig von ihm abgeschrieben wurde). Archäologische Reste von Olivenbäumen kamen etwa aus Schichten des Mittleren Reiches in Memphis zutage. Aus etwas späterer Zeit stammen ägyptische Möbel- und Toilet¬ten¬ar¬ti¬kel aus Olivenbaum-Holz. Im Neuen Reich sind aus Gräbern zahlreiche Proben dieses Holzes geborgen worden. Die früheste genau iden¬ti¬fi¬zier¬bare Darstellung eines Olivenbaumes stammt aus Amarna (s. bei H. Frankfort, The Mural Painting of El-Amarneh, London 1929, Taf. IX, 25 – ich habe Dir hier mal das Bild dieses Olivenbaum-Zweiges gescannt).

Berücksichtig man, dass man Olivenbäume nicht von heute auf morgen ernten und kultivieren kann und die Bäume über 100 Jahre alte werden können, muss damit gerechnet werden, dass die Ägypter seit mindestens dem 14. Jh.v.Chr. den Ölbaum IN Ägypten anpflanzten und nutzten.

Abb. 14: Olea europaea – Abbildung aus Amarna

Ich habe oben bereits das Djet-Öl knapp angesprochen: den ägyptischen Terminus für Olivenöl, Djet (s.o.; diese terminologische Identifizierung nach R. Krauss, in: MDAIK 55, 1999, S. 293ff. und B. Koura, in: GM 145, 1995, S. 79-82), ist etwas später, ab der 19. Dynastie, in Ägypten nachzuweisen. Die Olive selbst hieß nhh (*Neheh; im Koptischen noch als neà *Nech erhalten). Daher konnte das Öl wiederum auch als Neheh-Öl bezeichnet werden (so etwa schon auf der frühesten Beleg für diese Bezeichnung, hieratischen Topfaufschriften aus Amarna und Malqata der zeit Amenophis’ III. und IV./Echnatons; vgl. W.V. Hayes, in: JNES 10, 1951, S. 35-56, Abb. 14). In dieser Zeit existierten in Ägypten nachweislich Pflanzungen von Tempeln (in einem Beleg der Tempel von Heliopolis) die zur Gewinnung von Lampenöl angelegt worden waren (die Topfaufschriftn nennen zB. explizit „Neheh aus Ägypten“ – also aus heimischen Pflan-un-en).

Für Deine Betrachtung ist vielleicht besonders interessant, dass die Ägypter – wenn sie von importierten Oliven sprachen, den Terminus nhh-n-h3rw (*Neheh-en-Charu) gebrauchten und dies bedeutet nichts anderes als „Oliven(öl) aus Syrien“ (Charu = Syrien). Niemals ist dagegen eine einzige Oliven(öl)-Lieferung aus Libyen genannt.

Die Herkunft des Olivenöls aus dem Osten Ägyptens war den Ägyptern also durchweg klar. Dann wundert es aber, dass die Ägypter das h3tt-nt-thnw (*Hatet-net-Tehenu „Bestes (Öl?) aus Libyen“) das in den rituellen Ölpaletten mit den 7 magischen Salbölen vorkommt, als Pendant zum sogenannten ’s-Öl (*Asch) gebrauchten. Dieses Asch-Öl repräsentierte aber den östlichen (syrischen) Teil der ägyptischen Welt. Das „Libyen-Öl“ müsste demnach als Synonym für den Westen Ägyptens interpretiert werden, was dann bei einer Gleichsetzung mit Olivenöl stark wundern sollte – sahen die Ägypter doch, den oben bereits zitierten Texten nach, allein Syrien und Palästina als Herkunftsland dieses Öls an.

Noch mal kurzgefasst: wenn also ab dem Neuen Reich das Djet-/Neheh-Öl eindeutig Olivenöl bezeichnete, gleichzeitig aber das Öl aus der Westwüste als Tehenu-Öl betitelt wurde, wie soll daraus vernünftig gefolgert werden, dass Neheh = Tehenu = Oliven(öl)? Hier läge dann eine Doppelbezeichnung vor, was um so mehr überraschen muß, als sonst in keiner anderen Quelle Tehenu-Öl mit Neheh-Öl oder Oliven generell in Verbindung gebracht werden.

Ausserdem ist keine einzige Quelle bekannt, die von einer Gleichsetzung von Tehenu- mit Olivenöl spricht. Es ist völlig unklar, ob es sich beim Tehenu-Öl (?) nun um Öle, Fette oder sonstige Substanzen handelte.

Die erstmals von Newberry (Ta Tehenu – „Olive Land“, in: AE 1915 Teil III, S.98ff.) vorgenommene Gleichsetzung von thnw mit „Olive“ bzw. „Olivenbaum“ (ich denke mal, Hofmann bezieht sich hier v.a. auf Newberrys Uralt-These) ist, wie aus dem oben gesagten hervorgegangen sein sollte, durch die nachweisliche Bezeichnung dieses Gewächses als Neheh/Djet hinfällig. Newberry wollte gar in dem Wort b3k.t (*Baket) die „Olive“ sehen, was mittlerweile aber klar von der Hand zu weisen ist.

Das Problem, dass die Ägypter damit 4 (!!) Bezeichnungen für ein Produkt gehabt hätten (Baket, Tehenu, Neheh und Djet), hat Newberry offenbar gar nicht gestört. Newberry dachte beim Olivenland allerdings auch nicht an den Atlas, sondern – etwas greifbarer – an den Oasengürtel, der sich westlich entlang des Niltales erstreckt (v.a. Siwa) und der für Oliven in der Tat ein adäquates Klima bereithält (G. Fecht, Die h3tjw-’, von ÜHnw, eine ägyptische Völkerschaft in der Westwüste, in: ZDMG 106, 1956, S. 43 m. Anm. 1, 2; 56). Allerdings haben wir keine Hinweise, dass in pharaonischer Zeit jemals intensiver Olivenanbau in diesen Gebieten betrieben wurde.

Koura, der Spezialist für Öle und Fette im Alten Ägypten merkte übrigens erst jüngst zu Newberrys These an, dass „(d)as Gleichsetzen des Olivenöls mit dem Öl des thnw-Landes […] von der Akzeptanz der Annahme Fechts abhängig (ist)“ (B. Koura, Die „7 Heiligen Öle“ und andere Öl- und Fettnamen, Aachen 1999, S. 195). Einen echten Beweis für diese Gleichsetzung Newberrys von Tehenu-Öl mit Olivenöl gibt es indes bislang nicht. Nicht einmal irgendein vernünftiges Argumente außer der Atlantis-Story. Leider hat Newberrys Aufsatz nachhaltig auf spätere Forschergenerationen gewirkt.

Abb. 15: Tehenu-Palette

Wie die britische Ägyptologin A. Nibbi in Zusammenarbeit mit Kairener Botanikern und der wohl absoluten Koryphäe in dem Bereich: Vivi Täckholm (Flora of Egypt, 5 Bde. 1941-1969) darlegt (The „Trees and Towns“-Palette, in: ASAE 63, 1979, S. 143ff.), entspricht die auf der Libyer/Tehenu-Palette dargestellte Pflanze NICHT dem typischen Wachstum des Olivenbaumes. Denn die Zweige der Gewächse auf der Palette treten bis auf eine Ausnahme nicht paarig gegenüberliegend aus dem Mittelstamm aus, wie es für die Olive typisch wäre (Nibbi, op.cit, S. 145; siehe rechts). Nibbi möchte bei der dargestellten Pflanze an die weit verbreitete Akazie denken, doch ist eine genauere Identifizierung in meinen Augen kaum möglich. Es wäre sehr mutig die Darstellung der Libyen-Palette für eine absolut naturalistische Wiedergabe zu halten.

Für die wilde, unkultivierte Laperrine Olive, die vereinzelt in neolithischen Schichten der Westsahara gefunden wurde, findet sich im gesamten Ostsahara-Raum wie auch in Ägypten kein einziger Beleg. Diese Olivenart trat während gemäßigter Phasen zwischen 10.000 und 5.000 v.Chr. in der Westsahara auf, starb dann aber, vom zunehmend ariden Klima durch Akazien und Tamarisken verdrängt (F. Alayne Street und A.T. Grove, in: Nature 261, 1976), aus. Heute finden sich in Oasengürteln im Niger- und westafrikanischen Raum noch vereinzelte wilde Exemplare.

Abb. 16: Akazie

Eine scheinbare Stütze für Hofmanns Theorie, die er vermutlich aus Kaplonys „Inschriften der Ägyptischen Frühzeit“ Bd. I, S. 307 kennt, ist eine Erwähnung eines Produktes namens h3t.t – (n) – b3hw (* Hatet-en-Bachu), welches nur ein einziges Mal aus einer Gefäßaufschrift, aus der Frühzeitnekropole von Saqqara bekannt ist (Grab des Herrscher Den der 1. Dynastie). Kaplony möchte hier ohne Angabe von Gründen eine Bezeichnung für ein „libysches Öl“ sehen (könnte aber auch ein tierisches Fett-Produkt o.ä. sein), das dann konträr zum frühzeitlich belegten h3t.t – (n) – h3s.t (* Hatet-en-Chaset „Bestes (Öl) aus dem (östlichen?) Bergland) verwendet worden sei. Allerdings ist auch die Zuweisung von h3s.t zum Osten völlig unbewiesen und eine reine Spekulation Kaplonys.

Leider folgte J. Kahl in seinem wichtigen „Wörterbuch der Frühzeit“ dieser These Kaplonys und nennt (Bd. I, S. 135) unter dem Lemma Bachu „ein Gebirge im Westen“. Auch hierfür kein einziger Beweis, weder, dass es ein Gebirge, noch dass es im Westen zu lokalisieren sei.

Soviel zum Thema Oliven in Tehenu.

Anmerkungen

[1] Franke 2004
[2] Hofmann S. 7
[3] Hofmann S. 29
[4] Hofmann S. 31
[5] Hofmann S. 30 ff.
[6] Hofmann S. 75
[7] Hofmann S. 94
[8] Hofmann S. 37
[9] Hofmann S. 148
[10] Hofmann S. 47
[11] Hofmann S. 145 ff.
[12] Vgl. z.B. Hofmann S. 80: Über die Ebene von Atlantis
[13] Hofmann S. 58
[14] Hofmann S. 71
[15] Hofmann S. 62 f.
[16 Hofmann S. 35
[17] Hofmann S. 33, Hofmann S. 37
[18] Hofmann S. 36
[19] Hofmann S. 35
[20] Hofmann S. 36
[21] Hofmann S. 44
[22] Hofmann S. 52
[23] Hofmann S. 145 ff.
[24] Hofmann S. 45
[25] Hofmann S. 102 ff.
[26] Hofmann S. 232
[27] Hofmann S. 7
[28] Hofmann S. 9 ff.
[29] Vgl. z.B. Hofmann S. 191 oder S. 228
[30] Vgl. z.B. Hofmann S. 51
[31] Deshalb ist diese Hypothese auch nicht als Buch, sondern nur als Webseite veröffentlicht: www.thorwalds-internetseiten.de/atlanmeinehypo.htm
[32] Hofmann Hofmann S. 192
[33] Hofmann Hofmann S. 44
[34] Vgl. z.B. Herodot IV 43 oder II 102, Carey/Warmington S. 122.
[35] Hofmann S. 44, 46
[36] Tim 25d und 109a
[37] Hofmann S. 45
[38] Herodot I 202
[39] Hofmann S. 45
[40] Vgl. z.B. Spiegelberg
[41] Hofmann S. 45
[42] Hofmann S. 46
[43] Herodot II 23
[44] Hofmann S. 46
[45] Pindars Nemeische Ode III: „Für Aristokleides von Aigina“
[46] Hofmann S. 47
[47] Hofmann S. 47 f.
[48] Krit 108e
[49] Tim 25b
[50] Hofmann S. 204
[51] Hofmann S. 218
[52] Hofmann S. 48
[53] Hofmann S. 63
[54] Kleiner Pauly, Stichwort „Triton“.
[55] Kerenyi II Fußnote 999 zu S. 140: A.Rh. 4,1396.
[56] Kerenyi II S. 139 ff.
[57] Kerenyi II S. 134
[58] Hofmann S. 65
[59] Hofmann S. 67 f.
[60] Hofmann S. 65 f.
[61] Hofmann S. 50 f.
[62] Bibliotheke II, IV, 1-4
[63] Metamorphoses IV, 610-V, 249
[64] Kerenyi II S. 134 ff.
[65] Hespera (gr.) = Der Abend
[66] Kerenyi II S. 139 ff.
[67] Hofmann S. 51 f.
[68] Vgl. dazu Spiegelberg
[69] Hofmann S. 52
[70] Vgl. Kleiner Pauly, Stichworte „Hekataios“ und „Herodot“
[71] Herodot IV 195 f.
[72] Herodot IV 184
[73] Herodot IV 181-185, am deutlichsten 185
[74] Hofmann S. 54
[75] Hofmann S. 55
[76] Hofmann S. 55
[77] Kerenyi I S. 144 ff.

[78] Hofmann S. 56
[79] Meyer, Arabische Welt, S. 15
[80] Meyers Konversationslexikon vierte Auflage, Leipzig, 1888-1889, im Internet verfügbar unter http://www.meyers-konversationslexikon.de
[81] Hofmann S. 63
[82] Hofmann S. 80
[83] Hofmann S. 101
[84] Krit 118a
[85] Krit 113c
[86] Hofmann S. 81
[87] Krit 113c
[88] Krit 115d
[89] Krit 117c
[90] Hofmann S. 82
[91] Herodot IV 184
[92] Hofmann S. 99
[93] Tim 25d
[94] Hofmann S. 74 ff.
[95] Hofmann S. 84
[96] Hofmann S. 109
[97] Hofmann S. 119 ff.
[98] Hofmann S. 138 ff.
[99] Hofmann S. 141
[100] Hofmann S. 156
[101] Hofmann S. 156
[102] Hofmann S. 165
[103] Hofmann S. 156
[104] Hofmann S. 156
[105] Casson S. 11
[106] Casson S. 12
[107] Casson S. 13
[108] Hofmann S. 150 ff.
[109] Hofmann S. 154
[110] Nach Rainer Lorenz, http://f18.parsimony.net/forum32435/messages/26653.htm: Randall-McIver, “El-Amrah and Abydos”, S. 43
[111] Hofmann S. 156 f., S. 165
[112] Hofmann S. 166 ff.
[113] Hofmann S. 136
[114] Hofmann S. 171 f.
[115] Hofmann S. 172 ff.
[116] Hofmann S. 161 ff.
[117] Hofmann S. 173 ff.
[118] Hofmann S. 175 ff.
[119] Hofmann S. 178 ff.
[120] Hofmann S. 184
[121] Vgl. z.B. Gardiner, Hölscher, Lexikon der Ägyptologie
[122] Hofmann S. 175
[123] Hofmann S. 186
[124] Hofmann S. 187 ff.
[125] Vgl. z.B. Rainer Lorenz, http://f18.parsimony.net/forum32435/messages/26653.htm
[126] Hofmann S. 190
[127] Vgl. z.B. Rainer Lorenz, http://f18.parsimony.net/forum32435/messages/26664.htm
[128] Hofmann S. 168
[129] Vgl. z.B. http://www.hieroglyphen-info.de/goetter/neith.htm http://www.selket.de/neith.htm
http://f18.parsimony.net/forum32435/messages/26653.htm
[130] Hofmann S. 232
[131] Hofmann S. 37
[132] Hofmann S. 37
[133] Tim 21e
[134] Tim 22a
[135] Herodot II 3
[136] Hofmann S. 232
[137] Hofmann S. 173
[138] Hofmann S. 166 ff.
[139] Hofmann S. 169
[140] Hofmann S. 74
[141] Vgl. z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Olivenbaum
http://www.oliveoilsource.com/history.htm
http://www.globalgourmet.com/food/egg/egg0397/oohistory.html
http://www.crfg.org/pubs/ff/olive.html
[142] Vgl. z.B. http://www.zeus-kronion.com/ATHENE.htm
[143] Hofmann S. 170
[144] Vgl. z.B. http://www.sungaya.de/schwarz/griechen/athene.htm
[145] Kleiner Pauly, Stichwort „Triton“
[146] Hofmann S. 170
[147] Hofmann S. 196
[148] Vgl. z.B. http://www.sungaya.de/schwarz/griechen/aigis.htm
[149] Hofmann S. 146
[150] Hofmann S. 193 ff.
[151] Krit 113a
[152] Frank, Atlantis war anders
[153] Hofmann S. 203
[154] Hofmann S. 197 ff.
[155] Hofmann S. 156 f.
[156] Hofmann S. 171 f.
[157] Hofmann S. 172 ff.
[158] Hofmann S. 212 ff.
[159] Hofmann S. 204 ff.
[160] Hofmann S. 209
[161] Hölscher S. 48 ff.
[162] Lexikon der Ägyptologie, Stichwort „Libyen“
[163] Hofmann S. 232
[164] Gardiner.
[165] Hofmann S. 74
[166] Hofmann S. 108
[167] Hofmann S. 31
[168] Hofmann S. 51 ff.
[169] Hofmann S. 47
[170] Hofmann S. 82
[171] Herodot IV 184
[172] Hofmann S. 75 f.
[173] Hofmann S. 195 ff.

Bildnachweis

[1] Titelbild Ulrich Hofmann, Platons Insel Atlantis.
[2] Thorwald C. Franke nach Ulrich Hofmann.
[3] Archiv Mysteria3000.
[4] Archiv Mysteria3000.
[5] Archiv Mysteria3000.
[6] Thorwald C. Franke nach Ulrich Hofmann.
[7] Archiv Mysteria3000.
[8] Petrie Museum http://www.petrie.ucl.ac.uk
[9] Casson, Ships and Seamanship, Picture 3.
[10] Casson, Ships and Seamanship, Picture 5.
[11] Archiv Mysteria3000.
[12] Archiv Mysteria3000.
[13] Archiv Mysteria3000.
[14] Faried Adrom.
[15] Faried Adrom.
[16] Faried Adrom.
[17] Faried Adrom.

Verwendete Literatur

Lionel Casson, Ships and Seamanship in the Ancient World, Princeton University Press 1971, John Hopkins University Press 1995.

M. Carey / E. H. Warmington, The Ancient Explorers, With fifteen maps, First published 1929, revised edition published in Pelican Books 1963.

Josef Feix (Hrsg.), Herodot – Historien, griechisch-deutsch, 2 Bde, Sammlung Tusculum, 5. Aufl., Artemis Verlags-AG Zürich 1995.

K.A. Frank, Sturm aus Atlantis – Das Abenteuer einer neuen Urgeschichte, Hoch-Verlag, Düsseldorf 1975.

K.A. Frank, Atlantis war anders, Verlag für Sammler, Graz 1978.

Thorwald C. Franke, Zur Klassifizierung der Hypothesen zu Atlantis, Mysteria3000 1/2004. Vgl. dazu https://mysteria3000.de/archiv/lc/atlantis\_2.htm

Alan Gardiner, Geschichte des Alten Ägypten – Eine Einführung, Weltbild Verlag, Augsburg 1994. Autorisierte Übersetzung nach der 3. Auflage 1962 von Eckhart Kißling.

Wilhelm Hölscher, Libyer und Ägypter – Beiträge zur Ethnologie und Geschichte libyscher Völkerschaften nach den altägyptischen Quellen, enthalten in: Ägyptologische Forschungen, hrsgg. v. Alexander Scharff, Verlag J.J. Augustin, Glückstadt – Hamburg – New York 1937.

Ulrich Hofmann, Platons Insel Atlantis, Books-on-Demand, Norderstedt 2004.

Karlheinz Hülser (Hrsg.), Platon – Sämtliche Werke VIII – Philebos, Timaios, Kritias, Griechisch und Deutsch, Insel Verlag 1991.

Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen – Band 1: Die Göttter- und Menschheitsgeschichten, 21. Auflage Juli 2000, dtv, München 1966.

Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen – Band 2: Die Heroen-Geschichten, 19. Auflage Juli 2001, dtv, München 1960.

Günter Meyer (Hrsg.), Die Arabische Welt im Spiegel der Kulturgeographie, Veröffentlichungen des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt (ZEFAW), Band 1, ZEFAW 2004.

Der Kleine Pauly – Lexikon der Antike, hsrgg. von Konrad Ziegler und Walther Sontheimer, Alfred Druckenmüller Verlag (Artemis), München 1964 – 1975; unveränderter Nachdruck Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1979.

Lexikon der Ägyptologie, Wolfgang Helck/Wolfhart Westendorf (Hrsg.), Verlag Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1980; Stichwort „Libyen“.

David Randall-McIver & A.C Mace, El Amrah und Abydos, 1899 – 1901.EEF23. London.

Wilhelm Spiegelberg, Die Glaubwürdigkeit von Herodots Bericht über Ägypten im Lichte der ägyptischen Denkmäler, Vortrag gehalten in der 55. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Erlangen, erschienen in der Reihe:
G. Bergsträsser/O. Regenbogen, Orient und Antike 3, Carl Winters Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1926.

Eberhard Zangger, Atlantis – Eine Legende wird entziffert, Droemer Knaur Verlag, München 1992