Stefan Böckler schreibt im Editorial der Ausgabe 3/2003 über die Vorträge der AAS Weltkonferenz im Jahr 2003.

Zweidimensionale Karpfen und der Code der DNS

Liebe Leserin, lieber Leser,

Das „Ereignis des Jahres“, wie es vielerorts genannt wurde, hat stattgefunden: am 3. und 4. Oktober wurde nach vier Jahren wieder ein Weltkongress der Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und S.E.T.I. veranstaltet, dieses Mal in Interlaken.

Neben den Vorträgen bekannter Gesichter aus der alternativen Archäologie wie David Hatcher Childress, dem Indiana Jones „in echt“ (O-Ton Ulrich Dopatka), oder auch Robert Bauval, der versuchte sich gegen die Angriffe auf seine Orion-These zu verteidigen, stachen besondern die Vorträge zweier Wissenschaftler heraus, die man auf diesem Kongress wohl nicht erwartet hätte: Prof. Dr. Michio Kaku und Prof. Dr. Beda Stadler.

Michio Kaku sprach in anschaulichster Weise über höhere Dimensionen, die die menschlichen Sinne nicht wahrnehmen könnten. Es gibt Fische, die lediglich in einem flachen Teich schwimmen und so nur zwei Dimensionen wahrnehmen: Länge und Breite. Der Fisch denkt, es gäbe auch wirklich nur diese zwei Dimensionen, obwohl es ja – wie wir wissen – deren drei gibt. Kaku: „Wir sind diese Fische!“ Er geht in seiner Hyperraumtheorie davon aus, dass es zehn räumliche Dimensionen gibt – in denen sich die Naturgesetze vereinheitlichen lassen und man so zu einer „Formel des Universums“ komme.

Prof. Dr. Michio Kaku auf dem Gala-Abend des AAS-Weltkongresses im Gespräch mit anderen Kongressteilnehmern

Abb. 1: Prof. Dr. Michio Kaku auf dem Gala-Abend des AAS-Weltkongresses im Gespräch mit anderen Kongressteilnehmern.

Auch außerirdische Zivilisationen waren ein Thema seines Vortrages. Würde eine solche Zivilisation, die sich die Kräfte ihres eigenen Planeten oder ihrer kompletten Galaxie zu nutze gemacht haben bzw. diese beherrschen, überhaupt mit uns Kontakt aufnehmen? Kaku war in dieser Hinsicht äußerst skeptisch, da er vermutet, wie wären in unserer Entwicklung aus rein technologischen Gesichtspunkten noch nicht weit genug.Doch diese ETI könnte uns beobachten. Sie sendet sich selbst reproduzierende Fabriken aus – womöglich winzig klein -, die feststellen, wie weit eine Zivilisation in ihrer Entwicklung ist, und dann gegebenenfalls eine Nachricht an die Erbauer der Fabrik senden. Kaku meinte, wir könnten eine solche Fabrik evtl. auf dem Mond oder in anderen Teilen des Sonnensystems finden.

Prof. Beda Stadler referierte über die Fragen, was in unserer DNS steht und ob man sie beschreiben könnte. Vor allem die zweite Frage interessierte die Zuhörer. Stadler konstatierte, dass dies tatsächlich möglich sei und im Grunde genommen auch kein Problem darstelle, wenn man in der sog. „Junk DNS“ eine Nachricht hinterlassen würde. Diese DNS hat nach unseren heutigen Erkenntnissen wahrscheinlich keine Funktion.

Das allerdings betrifft nur das Beschreiben der DNS. Zum Decodieren der Nachricht braucht man einen Schlüssel, der angibt, was die entsprechende Basensequenz aussagt. Hinzu kommt ein anderes schwer wiegendes Problem: Mutationen. Die DNS könnte nicht stabil genug sein, um eine Nachricht – z. B. von einer extraterrestrischen Intelligenz – über Jahrtausende zu übermitteln. Es könnten im Laufe der Zeit „Buchstaben“ verloren gehen – und was dann heraus kommt ist im wahrsten Sinne des Wortes Junk (Schrott)!

Die Vorträge der beiden Experten zeigen, dass man sich durchaus seriös mit der Thematik der PaläoSETI beschäftigen kann – und es auch tun sollte! Die meisten der Zuhörer waren besonders von diesen beiden Vorträgen begeistert – obwohl sie nicht von direkten außerirdischen Besuchen sprachen. Der Bedarf an derartigen Arbeiten ist also gegeben. Die PaläoSETI-Forschung steht somit in der Pflicht, diesen Bedarf nicht nur populärwissenschaftlich zu decken!

Herzlichst, Ihr
Stefan Böckler

In eigener Sache
Um Ihren Bedarf an Lektüre weiterhin decken zu können, hat sich die Redaktion von Mysteria3000 Verstärkung geholt. Henriette Fiebig unterstützt uns seit Ende Oktober tatkräftig bei der Arbeit. Gleichzeitig ist sie bei der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens e.V. für die Abteilung PaläoSETI zuständig. Zudem ist in eigener Sache zu vermelden, dass es nach kurzer Pause wieder eine pdf-Ausgabe gibt. Sie finden die Ausgabe 2/2003 zum Download im Archiv.

Abbildungsverzeichnis

[1] Stefan Kruithof