1976 erschien im Econ-Verlag das vieldiskutierte Buch ‚Die Chronik von Akakor‘ von Karl Brugger, einem Auslandskorrespondenten der ARD in Südamerika. Brugger berichtet in seinem Buch über die seltsame Geschichte des weißen Indianers Tatunca Nara und seines Stammes – den Ugha Mongulala. Aber war Tatunca Nara wirkliche indianischer Abstammung?

Über den von uns gesuchten Beweis, daß Außerirdische in grauer Vorzeit die Erde besuchten, ist schon viel diskutiert worden. Auch darüber, wie er beschaffen sein müßte, um auch den letzten Zweifler zum Schweigen zu bringen. Die berühmte außerirdische Leiche in Spiritus konnte noch niemand liefern, sie und auch andere hieb- und stichfeste Beweise liegen in der gewünschten Form nicht vor. Dabei sah es einmal so aus, als ob derartige Beweise für uns zum Greifen nahe liegen würden, selbst außerirdische Leichen, wenn auch nicht in Spiritus, so doch in einer anderen Flüssigkeit konserviert, gehörten dazu.

Im Jahre 1976 erschien das Buch: ‚Die Chronik von Akakor‘ von Karl Brugger. Wer war dieser Karl Brugger? Karl Brugger war Auslandskorrespondent der ARD in Südamerika. Seine Reportagen, zumeist natürlich politischer Natur, waren regelmäßig auf den verschiedensten Radiostationen zu hören. Doch wie sagte er einmal in einer Reportage während einer Expedition in Amazonien über sich selbst und sein Buch:

„Den ganzen Tag lang schweigen zu müssen… völlig und gründlich alleine zu sein, ist eine heilsame Erfahrung für einen Reporter, der vorwiegend über Staatsstreiche und Folterungen berichten muß….“

„Ich wollte eine legendäre Ruinenstadt entdecken, die seit 500 Jahren wie eine Fata Morgana durch Amazonien geistert.“

Doch der Reihe nach. Am 3. März 1972 traf er einen gewissen Tatunca Nara. Ein angeblich weißer Indianer, der vorgab, Häuptling eines bis dahin gänzlich unbekannten Indianerstammes zu sein- der Ugha Mongulala. Eher widerwillig und in gebrochenem de, wie Brugger schreibt, erzählte Tatunca Nara seine Geschichte und die seines Volkes auf 12 Tonbändern – die Grundlage des Buches ‚Die Chronik von Akakor‘. Doch was besagt nun diese ‚Chronik von Akakor‘:

13000 v.Chr. seien am Himmel plötzlich goldglänzende Schiffe aufgetaucht. Fremde Wesen aus dem All nahmen die Erde in Besitz. Als Ursprungsplaneten gaben sie Schwerta, eine weit in den Tiefen des Alls liegende Welt an. Angeblich herrschten die Fremden über ein riesiges Planetenreich. Sie wurden die Lehrmeister der Menschheit und hatten sechs Finger und sechs Zehen. Sie züchteten auf der Erde einen besonderen Indianerstamm heran. Ugha Mongulala nannten sie ihn, „verbündete auserwählte Stämme“. Diese Ugha Mongulala herrschten bis in unsere Zeit über die anderen Indianerstämme. Die außerirdischen Götter errichteten ein gewaltiges Reich in Südamerika. Hauptstadt des Götterreiches war Akakor, teils oberirdisch, teils unterirdisch gelegen. Die Städte sind durch gigantische Tunnels miteinander verbunden, die von den Göttern angelegt wurden und die künstlich beleuchtet sind. Diese Tunnel sollen sich durch die gesamten Anden ziehen. In den geheimen Tempelbezirken von Unterakakor sollen sich auch heute noch Geräte und Werkzeuge der Götter befinden, ebenso Dokumente, wie Landkarten und Zeichnungen, die die unbekannte Geschichte unserer Erde zeigen. Diese habe früher einmal anders ausgesehen. Auch der südamerikanische Kontinent habe vor der großen Katastrophe anders ausgesehen. Die Anden und die Urwälder seien erst nach dieser Katastrophe entstanden. Die Hafenstadt Tiahuanaco fand sich plötzlich in einer Höhe von 4000m wieder, dort, wo wir sie heute finden auf dem Altiplano in Bolivien. Und als Höhepunkt, so erzählt Tatunca Nara, habe er selbst in den unterirdischen Tempelbezirken von Akakor 4 schlafende Götter gesehen. Sie sollen dort seit Jahrtausenden in einer Flüssigkeit liegen.

Ausgelöst wurde die Katastrophe anscheinend durch einen Götterkrieg. Die Götter kehrten im Jahre 3166 v. Chr. zurück. zwei Göttersöhne namens Lhasa und Samon blieben auf der Erde. Während Lhasa die Wiederherstellung des völlig zerstörten Reiches leitete und neue Städte wie zum Beispiel Machu Picchu gründete, errichtete Samon ein weiteres Götterreich weit im Osten, über das aber nur wenig bekannt ist. Es ist zu vermuten, daß es sich dabei um Ägypten gehandelt hat. Lhasa besuchte jedenfalls Samon des öfteren mit seiner Flugscheibe die sich heute noch in Unterakakor befinden soll. Lhasa befahl auch die Errichtung einer weiteren Steinstadt in den Bergen im Grenzgebiet des heutigen Brasilien zu Venezuela.

Akahim, die Festung Nummer drei, genannt. Akakor und Akahim sind durch unterirdische Tunnel und ein Spiegelsystem miteinander verbunden. Heute lebt man dort nur noch in unterirdischen Wohnstätten. Bei der Beschreibung der Geschichte Akahims durch Tatunca Nara ergibt sich noch eine interessante Besonderheit: danach herrschen seit dem16. Jahrhundert in Akahim ausschließlich die Frauen. Als nämlich die Europäer erstmals in die Urwälder Südamerikas vordrangen, eilte ihnen ihr schrecklicher Ruf weit voraus. Man hatte schnell von der Vernichtung der Inkas gehört. Da man den Waffen der europäischen Eroberer nicht gewachsen war, wollten die Anführer Akahims ihr Gebiet kampflos räumen und jede Spur eines indianischen Großreiches verwischen. Doch da rebellierten überraschend die Frauen von Akahim und rissen die Macht an sich. Sie wollten nämlich kämpfen. Sieben Jahre lang sollen sie den Europäern Widerstand geleistet haben, danach erkannten sie, daß sie nichts mehr ausrichten konnten und zogen sich in die unterirdische Wohnstätten zurück – aber damit war die Legende von den Amazonen geboren, eine Legende die bis heute ihrer Aufklärung harrt.

So weit die wichtigsten Schilderungen aus der Chronik von Akakor. Die Chronik von Akakor endet mit der dritten großen Katastrophe und der daraufhin folgenden Wiederkehr der Götter die für das Jahr 1981 angekündigt war. Was nicht in der Chronik von Akakor steht, was Tatunca Nara aber Erich von Däniken gegenüber während einer eingehenden Befragung erläuterte ist, daß bestimmte Maschinen in Unterakakor wieder angefangen hätten zu summen, was ein sicheres Zeichen für die Rückkehr der Götter wäre.

Was ist von dieser Geschichte zu halten? Hier haben wir eigentlich alles, was wir für die Paläo-SETI-Hypothese brauchen: Götter, Ruinen, und endlich konkrete göttliche Hinterlassenschaften. Warum offenbarte sich eigentlich dieser Tatunca Nara Karl Brugger gegenüber? Nun, angeblich geriet sein Volk durch die heranströmenden Weißen immer weiter in Bedrängnis, er erhoffte sich durch die Preisgabe seines Geheimnisses Hilfe. Er bot an, Brugger und andere ausgewählte Weiße wie Erich von Däniken nach Akahim zu führen. Und Tatunca ist in Brasilien inzwischen bekannt wie ein bunter Hund. Er selbst lebt in Barcelos, einer Stadt am Rio Negro, wo er Touristen durch den Dschungel führt. Er tauchte erstmals um 1970 mit seiner Geschichte auf, wollte 1972 den deen Konsul in Rio de Janeiro sprechen. Doch dieser lehnte ab mit der Begründung:

„Die Geschichte dieses Mannes ist vollkommen verrückt… Der Mann ist ein phantastischer Märchenerzähler.“

Auch Brugger war nie eindeutig von der phantastischen Geschichte überzeugt. Zweifel hegte er immer wieder. Brugger in einer Radiosendung:

„Wäre ich nicht Tatunca Nara begegnet, einem Indianer der aussieht wie ein Weißer, hätte ich Amazonien wohl wirklich nie kennengelernt. Eines Tages erzählte er mir in Manaus seine außergewöhnliche Geschichte. Später erst stellte ich fest, daß sein Bericht nicht unbedingt mit der Wirklichkeit übereinstimmen mußte. Möglicherweise ging er auf die ungeheure Phantasie des weißen Indianers zurück…“

Warum schlugen nun alle Expeditionen nach Akahim fehl? Der Begründungen gab es seitens Tatunca Naras viele: „Die Zeichen stehen nicht günstig“, „Die Regenzeit hat begonnen“, „Die Priester sind unzufrieden“ oder „Die Priester hätten heute Nacht verlangt umzukehren“ waren und sind gängige Antworten, mit denen sich nicht nur Karl Brugger auseinandersetzen mußte.

Natürlich war auch die AAS und vor allem Erich von Däniken nicht untätig geblieben. Verbindungen gab es vor allem durch den ehemaligen Swiss-Air-Piloten Ferdinand Schmid, der Tatunca Nara seit einiger Zeit kannte. Da im Jahre 1977 die 4. Weltkonferenz der Ancient Astronaut Society in Rio stattfand, war dies eine ideale Gelegenheit, der Tatunca-Nara-Story nachzugehen, zumal dieser sich dazu bereit erklärte, mit Erich von Däniken nach Akahim zu gehen. Doch auf gut Glück wollte man sich nicht in unbekannte Gefilde begeben: es wurde ausgemacht, daß Tatunca mit einem kleinen Gegenstand der Götter nach Manaus kommen sollte. Dann sollte die Expedition nach Akahim mit zwei Helikoptern durchgeführt werden. Erst als man schon allgemeine Rückreisevorbereitungen getroffen hatte, kam er an. Aber ohne einen Gegenstand der Götter. Angeblich hatten es ihm die Priester verboten, irgend etwas aus Akahim mitzunehmen. Und per Hubschrauber, so die überraschende Auskunft, durfte die Expedition auch nicht durchgeführt werden. Es würde nur per Boot und zu Fuß gehen. Bei einer sehr intensiven Befragung Tatuncas durch Däniken in Rio, erklärte Tatunca, daß die Hubschrauber durch irgendwelche göttlichen Kräfte abstürzen würden und aus diesem Grund eine derartige Expedition nicht durchzuführen sei. Davon war freilich vorher nie die Rede gewesen. Auch gab er während der Befragung verschiedene Details zum besten, die nicht in Bruggers Buch standen. Mit diesem Buch war er auch nicht sonderlich einverstanden. Seinen Angaben zufolge hatte Brugger einige Dinge falsch dargestellt, andere dazu erfunden.

Ferdinand Schmid unternahm mehrere Expeditionen mit Tatunca nach Akahim. Letztendlich zwar erfolglos, doch konnte er auf einer von ihnen immerhin drei Pyramiden fotografieren. Aufsehen hingegen erregten die drei Pyramiden durch den brasilianischen Archäologen Roldao Brandao. Dieser hatte schon zuvor mit Tatunca und Ferdinand Schmid versucht, die Pyramiden zu erreichen, das Vorhaben mußte aber wegen einer Schußverletzung, die er sich durch einen Unfall zugezogen hatte vorzeitig aufgegeben werden, was den Hamburger Autor Rüdiger Nehberg später zu einer wüsten Räuberpistole veranlaßte. Ein Jahr später kam Roldao dann ohne Tatunca aus einer anderen Richtung tatsächlich in die Nähe der Pyramiden. Die Aufnahmen gingen um die Welt und wurden kontrovers diskutiert. Tatsächlich gesehen hat die Pyramiden auch noch Karl Brugger auf einer anderen Expedition, ohne sie jedoch zu erreichen. Das ist meines Erachtens auch noch der heutige Stand der Dinge. Sollte an der Story vielleicht doch etwas dran sein? Akahim hat bis heute jedenfalls niemand gesehen.

Erich von Däniken sagte mir jedenfalls, daß er Tatunca niemals für einen Indianer gehalten habe. Auch hatte er den Eindruck, daß Teile der Chronik von Akakor nicht von ihm stammten, sondern angelesen waren.

Bereits 1977 erschien in der nur einmal erschienenen Ausgabe der Zeitschrift „Spekula“ ein kritischer Artikel über die Akakor-Geschichte. Vergleiche zwischen den Aussagen im Buch von Karl Brugger und den Tonbandprotokollen ergaben teilweise gravierende Abweichungen. Vor allem fiel auf, daß er im Gegensatz zu Bruggers Angaben, seine Geschichte keineswegs widerwillig und in gebrochenem de präsentierte. Er beherrschte die dee Sprache gut und benutzte des öfteren Begriffe, wie sie der Zeitgeist hervorbringt, die man keineswegs aber von einem Indianer erwarten konnte. Zudem fanden sich verschiedene mythologische Begriffe in der Chronik von Akakor fast wortgleich in anderen Überlieferungen wieder. Der Verdacht lag nahe, daß er zumindest Teile der Chronik von Akakor mit alten Mythologien manipuliert und sich andere Angaben aus der spektakulären Literatur besorgt hatte.

Karl Brugger ließ nicht locker. Er hatte vor, eine weitere Expedition nach Akahim durchzuführen, die Angelegenheit endgültig zu klären. Er beendete seine Tätigkeit als ARD-Korrespondent Ende 1984 und wollte zunächst nach Hause fliegen, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Doch dazu kam es nicht mehr. Am letzten Tag seines Rio-Aufenthaltes wurde er erschossen. Diese Meldung ging durch die Medien, wie z.B. die Tagesschau. Was war geschehen? Am 1. Januar 1985 ging er mit seinem Nachfolger in Rio, Ulrich Encke, essen. Nachdem sie das Lokal verlassen hatten, trat ein Mann auf sie zu, sagte etwas und erschoß sofort Karl Brugger. Daraufhin floh er. Der Mörder wurde bis heute nicht gefaßt. Nun ist Rio de Janeiro zweifellos eine gefährliche Stadt. Die Armut bringt auch entsprechende Kriminalität hervor, 5 Dollar oder eine Uhr sind häufig schon Anreiz genug. Doch ist es nicht merkwürdig, daß dies ausgerechnet an Bruggers letztem Abend in Rio geschah? Und ist es nicht merkwürdig, daß der Täter nicht einmal den Versuch machte irgend etwas zu stehlen? Wurde Brugger etwa gezielt umgebracht? Diese Frage wird sich letztendlich nicht mehr beantworten lassen, auch nicht, für wen er gefährlich geworden war.

Und noch eine dunkle Seite gibt es in dieser mysteriösen Tatunca-Nara-Story. Es ist das rätselhafte Verschwinden verschiedener Leute die mit Tatunca Nara nach Akahim gelangen wollten. Verschwunden und ermordet aufgefunden wurde der Schweizer Herbert Wanner, der Tatunca zum wiederholten Male besuchte und mit ihm nach Akahim wollte. Verschwunden ist der Amerikaner John Reed, sein letzter Brief vom Dezember 1980 beginnt mit „Noch ein oder zwei Tagesreisen von Akahim entfernt“. Er ist darin voll des Lobes über Tatunca Nara. Doch dieser will im Nachhinein von einer gemeinsamen Expedition mit John Reed nach Akahim nichts wissen, er will mit ihm nur drei Tage lang unterwegs gewesen sein, was so nicht stimmen kann. Anschließend hätte Reed sich alleine in den Dschungel begeben, natürlich gegen den ausdrücklichen Wunsch Tatunca Naras. Die letzten Briefe von John Reed sprechen aber eine ganz andere Sprache.

Verschwunden ist auch Frau Christine Heuser, auch bei den Weltkonferenzen der AAS zu Gast, wie 1982 in Wien. Ende 1986 ist sie etwa vier Wochen bei Tatunca, um 1987 zu ihm zurückzukehren, denn diesmal will er sie nach Akahim mitnehmen. Sie ist bis heute verschwunden. Aber es gibt Zeugen, und Tatunca gibt das auch zu, daß sie sich heftig gestritten hätten. Tatunca Nara steht heute unter dem dringenden Verdacht, mit dem Verschwinden bzw. mit dem Tod dieser Menschen zu tun zu haben. Es liegt auch ein Auslieferungsersuchen des Bundeskriminalamtes vor, dem bisher aber kein Erfolg beschieden war. Wieso aber des Bundeskriminalamtes? Tatunca ist doch als Indianer brasilianischer Staatsbürger?

Auch das ist falsch. Wir wissen heute, daß er weder Indianer noch Brasilianer ist. Er hat eine zweite Identität, die er mit dem Eintritt ins Leben als Tatunca Nara abgelegt hat. Es handelt sich bei ihm tatsächlich um den deen Staatsbürger Günther Hauck. Er verließ 1966 seine Frau und seine Kinder, und wurde wegen eines Unterhaltsdelikts zu einer Strafe verurteilt. Nach Untersuchungshaft heuerte der inzwischen Geschiedene am 15.2.1968 auf einem Schiff an, das ihn nach Rio de Janeiro brachte. Von dort verliert sich die Spur des Günther Hauck. Und noch ein kleines Detail sei hier vermerkt: sein vom Gericht notierter Spitzname in der Strafvollzugsanstalt lautete: Tatunge Nare! Diese und andere Details wurden vom Bundeskriminalamt sowie einigen Journalisten herausgefunden. Beispielsweise konfrontierte ihn die Zeitschrift ‚Bunte‘ einmal mit seiner Ex-Frau, die sich bei ihm zu einem Dschungeltrip einfand, und ihn eindeutig identifizierte. Doch auch in diesem Fall war er um Ausreden nie verlegen.

Haben wir es also mit einem Mörder zu tun, der sich eine neue Identität zugelegt und die ganze Akakor-Story erfunden hat? Nun, man sollte nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Was das Verschwinden der verschiedenen Leute angeht, so sprechen die Indizien in der Tat eindeutig gegen Tatunca Nara. Der dringende Tatverdacht gegen ihn ist vollauf gerechtfertigt. Es läge an ihm, diese Indizien zu entkräften. Dies ist bis heute nicht geschehen. Dennoch sage ich nicht, daß er ein Mörder ist. Dies zu entscheiden, ist die Aufgabe derjenigen Institutionen, die die dafür nötige Kompetenz besitzen. Ich habe daher Respekt vor den Leuten, die ihn kennen, weil sie mit ihm des öfteren auf langen Reisen unterwegs waren und eine andere Ansicht zu diesem Fall haben. Ein Beispiel, wie man nicht recherchieren sollte, bietet Rüdiger Nehberg in seinem Buch wenn es um die Schußverletzung des Archäologen Roldao geht. Aufgrund dieser Schußverletzung mußte die damalige Expedition zu den Pyramiden ja abgebrochen werden. Nehberg bietet nun eine weitere Version an, nach der Roldao bemerkte, daß Tatunca auf ihn schießen wollte. Dabei schlug er ihm das Gewehr weg, wobei sich ein Schuß löste, der Roldao in den Arm drang. Soweit- so schlecht! Auf dieser Expedition waren außer Tatunca und Roldao auch noch Karl Brugger und Ferdinand Schmid anwesend. Ich konnte mir nun wirklich nicht vorstellen, daß er vorgehabt hat, alle drei umzubringen, was er hätte aber tun müssen, um die Zeugen zu beseitigen. Ich befragte Ferdinand Schmid, was sich denn nun wirklich zugetragen hätte.

Zitat Schmid: „Folgendes hatte sich zugetragen: Er hat sein völlig ungesichertes Gewehr aus dem Boot rausgestoßen und touchiert mit dem Boot am Abzug. Er hatte den Lauf zwischen den Fingern und der Schuß ging in seine rechte Hand. Es gab eine Fleischwunde, die ich behandelte und verband.“

W.S.: „Wo war Tatunca Nara als sich der Schuß löste?“

F.S.: „Der war oben auf dem Plateau dabei mit seinem Messer das Nachtlager vorzubereiten. Ich konnte das gut sehen. Brandao war alleine auf dem Boot, und er alleine hat den Schuß ausgelöst.“

Dies zur Klarstellung. Ich finde, die Angelegenheit um Tatunca Nara, alias Günther Hauck, ist derartig schlimm genug, daß es keiner Aufbauschung bedarf, die die kriminalistischen Ermittlungen nur behindern kann.

Akakor in der Form die wir aus Bruggers Veröffentlichung und Tatuncas Erzählungen kennen, gibt es sicher nicht. Es fragt sich, wie konnte ein deer als Ausländer innerhalb weniger Jahre in Brasilien einen derartigen Einfluß erlangen, daß er anscheinend von höchster Stelle bis heute gedeckt wird, und die dringenden Verdächtigungen gegen ihn alle zu keinem Ergebnis führen, bzw. im Sande verlaufen? Und das im nationalbewußten Brasilien! Daß er von höchster Stelle gedeckt wird, daran besteht heute kaum mehr ein Zweifel. Möglicherweise vom Militär. Aber warum wird er gedeckt? Was ist so wichtig an ihm, daß sogar mehrere Mordverdächtigungen für ihn keine Konsequenzen haben?

Um herauszufinden, ob wir die Tatunca-Nara-Stories unter der Rubrik „erledigt“ abhaken können, müssen wir uns fragen, ob diese Stories um untergegangene Zivilisationen und alte Städte in diesem Gebiet denn allein für sich stehen. Denn Geschichten über verlorene Städte gibt es zu Hauf in Brasilien. Aber wie ist es mit dem Grenzgebiet zwischen Brasilien und Venezuela? Und da müssen wir ganz klar sagen, diese Geschichten reihen sich ein in andere Legenden, sie stehen nicht allein. Der französische Ethnologe Prof. Marcel Homet unternahm 1949/50 eine Expedition in diese Gegend um nach einer verlorenen Stadt zu suchen. Letztendlich wegen der schwierigen Verhältnisse vor Ort zwar erfolglos, doch nicht auf gut Glück. Denn wie berichtete ihm ein Indianer:

„…Gegenüber diesem Felsen auf der rechten Seite des Flußufers ist eine Art Dorf. Die Häuser waren einst aus Stein, sind aber jetzt ganz zerfallen. Und diese Häuser sind in langen Reihen gebaut und durch breite regelmäßige Straßen getrennt. Wenn du diesen zerfallenen Ort dann verläßt,… kommst du nach zwei weiteren Tagen im Bergland an eine hohe Mauer… Dann kommst du zu einer großen Stadt aus Steinen, die aber alle auf die Erde gefallen sind. Die Stadt war in geraden Linien gebaut. Du kannst diesen Linien folgen, aber gib acht auf jeden deiner Schritte, denn dort, wo einst Wohnungen waren, sind nur noch große Steinplatten, und viele davon wurden von starken Baumwurzeln gesprengt, die zwischen ihnen durchgewachsen sind.“

Möglicherweise hat Tatunca Nara alias Günther Hauck tatsächlich einmal etwas gesehen oder entdeckt, was ihn zu der Akakor-Story veranlaßte. Beispielsweise können die Pyramiden durchaus künstlichen Ursprungs sein. Doch der größte Teil der Story drum herum wird wohl seiner Phantasie zuzuschreiben sein. Er ist ein guter Waldläufer, und Touristen sind bei ihm so lange sicher aufgehoben, wie sie seine Stories über seine indianische Abstammung nicht weiter verfolgen. Auch wer sich mit ihm nach Akahim begeben will und seine finanziellen Forderungen akzeptiert, scheint so lange nicht gefährdet zu sein, wie er kurz vor dem Erreichen des Ziels einsieht, daß „die Zeichen nicht günstig sind“, „die Priester auf telepathischem Weg Einwände erheben“, „die Regenzeit eingesetzt habe“, oder von mir aus auch „der Erhabene Zahnschmerzen und ein Hühnerauge hat“ (diese Version glaube ich hatten wir noch nicht). Wer jedoch diese Einwände nicht gelten läßt, wer sogar auf eigene Faust weitergehen will, wenn also die Gefahr besteht, daß Tatunca in die Enge getrieben wird, er und seine Geschichten bloßgestellt werden, der dürfte sich meines Erachtens nach in unmittelbarer Lebensgefahr befinden. Diese Erkenntnis kommt aber für Frau Heuser, Herrn Wanner und Herrn Reed zu spät.

Ob an der ganzen Story ein Fünkchen Wahrheit ist, das kann erst die Zukunft erweisen, und zwar kann das nur ohne die „Mithilfe“ von Tatunca Nara alias Günther Hauck erfolgen. Wie es ja Roldao mit den Pyramiden erfolgreich vorgemacht hat. Ich kann daher mein Referat nur mit dem Zitat aus einer sehr beliebten amerikanischen Fernsehserie beenden das da lautet: „Die Wahrheit ist irgendwo da draußen“. Für mich, meine Damen und Herren fragt es sich nur: welche Wahrheit?

Dieser Artikel wurde vom Autor als Vortrag auf dem One-Day-Meeting der AAS (Ancient Astronaut Society- jetzt: Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI) am 24.10.98 in Basel präsentiert.

Literatur

Brugger, Karl (1976): Die Chronik von Akakor. Düsseldorf

Brugger, Karl (1975): „Expedition nach Akakor“. SFB-Berlin, Radio-Station, 2.2.1975

Brugger, Karl (1982): „Amazonien – rätselhaftes Land in Südamerika“. SWF III, Radio-Station, 27.12.1982

Däniken, Erich von (1977): „Expedition Akahim verschoben“ in: Ancient Skies, August 1977

Däniken, Erich von (1979): „Pyramiden im brasilianischen Urwald entdeckt“ in: Ancient Skies, Sept. 1979

Homet, Marcel (1972): Die Söhne der Sonne. Wiesbaden

Nehberg, Rüdiger (1991): Der selbstgemachte Häuptling. Hamburg

Nehberg, Rüdiger (1983): Yanonami-Überleben im Urwald. Hamburg

sonstiges:

o.A. (1979): „Amazonia- Misterio das Pyramides“, in: Veja, 1.8.1979, Brasilien

Interview von Wolfgang Siebenhaar mit Ferdinand Schmid, August 1995 in Basel, Schweiz