Patrick Brose stellt in seinem Bericht wenig bekannte Darstellungen des ägyptischen Herrschers Cheops vor. Auslöser war die Aussage der alternativen Archäologie, von Cheops existiere jediglich eine einzige kleine Miniatur.

Die alternative Archäologie bringt zahlreiche Argumente vor, welche der Aussage der Ägyptologen widersprechen, Cheops sei der Errichter der Großen Pyramide in Gizeh gewesen. Zu ihnen gehört auch die vermeintliche Tatsache, von diesem Pharao der 4. Dynastie existiere lediglich eine kleine Darstellung in Form einer 7,5 cm großen Elfenbeinfigur (Abb. 1). Sie wurde 1903 von den berühmten Forscher W.M.F. Petrie zerbrochen im Tempel des Chentamenti in Abydos gefunden. Chentamenti war ein lokaler Totengott, der später mit Osiris verschmolz. Auf der kleine Figur befindet sich eine leider nicht mehr lesbare Kartusche und ein Horusname, der den Dargestellten als Cheops identifiziert.

Die bekannte Miniatur des Cheops
Abb. 1: Die bekannte Miniatur des Cheops.

Nach Auffassung zahlreicher Autoren – wie Erich von Däniken oder Erdogan Ercivan – müsste von einem Herrscher, der ein so gewaltiges Bauwerk wie die Große Pyramide in Gizeh erbauen ließ, weitaus mehr Darstellungen existieren. Im Umkehrschluss folgern sie, dem Pharao sei die Errichtung dieses Weltwunders nicht zuzuschreiben. Alternativ werden deshalb versunkene Hochkulturen bzw. Außerirdische o.ä. hinzugezogen. Beispielsweise schreibt Ercivan in seinem Buch ‚Verbotene Ägyptologie‘:

„Doch mit diesem Pharao stimmt irgendetwas nicht. Erst im Jahre 1903 entdeckte W.M.F. Petrie tief im Süden Ägyptens im alten Osiristempel von Abydos das einzige Porträt des berühmten Königs. Dabei handelt es sich um die einzige Plastik, die von diesem König stammt und die lange Jahrtausende überdauert hat.“ [1]

Dem aufmerksamen Leser fallen bereits in diesem kleinem Textabschnitt zahlreiche Fehler auf. Denn der Berliner Autor irrt sich hier sowohl in der Größe und als im Fundort der Statue. Doch auch eine weitere Aussage des Autoren ist hier unzutreffend. Bei diesem Abbild Cheops handelt es sich nämlich nicht – wie so oft auch von anderen Autoren behauptet – um die einzige Plastik des Pharao.

So finden sich abgesehen von der bereits erwähnten Elfenbeinfigur im Kairoer Museum allein in der Nekropole von Gizeh – zusätzlich zu einigen Reliefs des Cheops – auch die Bruchstücke von mehreren Statuen größerer Ordnung. Eine Statuenschulter fanden Ausgräber z.B. in der Bootsgrube Nr. 5, die sich direkt am Pyramidenaufweg befindet. In unmittelbare Nähe, im Pyramidentempel am Fuß der Cheopspyramide, wurden gleich die Bruchstücke von mehreren Statuen entdeckt. Darunter auch ein Exemplar mit einem Falken im Nacken des Pharao, wie es von Abbildungen des Chephren bekannt ist (Abb. 2). Weitere Zeugnisse für Cheopsstatue stammen von Junker, der im Auftrag des Wiener, des Hildesheimer und des Leipziger Museums die Nekropole von Gizeh erforschte. Dabei fand er vier Priestertitel, die Statuen des Pharao zum Gegenstand hatten. Es sind demnach also durch altägyptische Texte mehrere Skulpturen des Cheops belegt. Auch der Palermostein erwähnt zwei Statuen des Herrschers, eine sieben Meter hoch, die andere aus purem Gold.

Bei den beiden anderen Pharaonen, die in Gizeh ihre Pyramiden errichteten – Chephren und Menkaure – wurden einige ihrer Statuen in ihren Pyramidentempel entdeckt, während bei Cheops nur Bruchstücke gefunden wurden.Dies liegt wohl daran, dass Cheops Tempel aus kleineren Steinen gebaut wurde, die von Steindieben viel leichter entwendet werden konnten als die gewaltigen Blöcke der beiden anderen Pyramidentempeln. Die Statuen waren also ihrer schützenden Hülle beraubt und somit Witterung und Vandalismus ausgesetzt.

Es existieren zudem zwei weitere Darstellungen des Cheops, bei denen keinerlei Inschrift direkt eine Darstellung dieses Pharaos bezeugt. Allerdings lässt sich anhand verschiedener Merkmale auf diesen schließen.

Ein überlebensgroßes Abbild (Abb. 2) – der Kopf einer Statue aus Rosengranit – befindet sich im Brooklyn Museum.

Der Kopf des Cheops im Brooklyn Museum, New York.
Abb. 2: Der Kopf des Cheops im Brooklyn Museum, New York.
Der Kopf einer Cheops-Miniatur aus dem Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München.
Abb. 3: Der Kopf einer Cheops-Miniatur aus dem Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München.

Ein weiterer Kopf des Cheops – allerdings in einem weitaus kleineren Maßstab – ist in im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München ausgestellt. Den 5,7 cm großen Kalksteinkopf ist im Saal des Alten Reiches zu besichtigen (Abb. 3). Leider ist der genaue Fundort der Artefakts unbekannt. Und so kann auch hier das Werk nur anhand der Stilistik und individuellen Gesichtszügen dem Pharao Cheops zugeordnet werden.

Als Kopfbedeckung trägt der Pharao hier die weiße Krone Oberägyptens. Hiermit wird auch eine weiter Frage Erdogan Ercivans beantwortet. In seinem bereits erwähntem Werk ‚Verbotene Ägyptologie‘ schreibt er über die Kairoer Elfenbeinfigur:

„Es scheint sie (die Ägyptologen, PB) auch nicht sonderlich zu stören, daß dieser Pharao in seiner Darstellung nicht mit der ägyptischen Doppelkrone ausgestattet ist, die stets ein Herrschaftssymbol für Ober- und Unterägypten darstellte , sondern lediglich Träger der Roten Krone war.“ [2]

Hierbei ist zuerst einmal einzuwenden, dass es von zahlreichen Pharaonen Darstellungen mit nur einer der beiden Kronen gibt, obwohl sie nachweislich ganz Ägypten beherrschten. Zum anderen bezeugt eben das Münchner Fundstück auch die Abbildung des Cheops mit der weißen Krone.

Die Aussage, von Cheops existiere nur ein einziger kleines Abbild, kann somit beruhigt ad acta gelegt werden. Von Cheops existierten nachweislich zahlreiche plastische Darstellungen, die von Miniaturen bis zu überlebensgroßen Standbildern reichen. Alte Texte belegen dies, und archäologische Funde untermauern diese antiken Aussagen. Cheops Macht ist zudem auch auf eine andere Art und Weise belegt: In Buto, Hierkanopolis, in Bubastis und Tanis wurden die Reste von Gebäuden gefunden, die der Pharao errichten ließ. In Koptos fand sich ein Alabastergefäß des Cheops. Die Steinbrüche von Hatnub, dem Wadi Hammamat, El Kap und Elephantine enthalten Graffiti des Herrschers. Der bereits erwähnte Palermostein schreibt ihm insgesamt 60 Wirtschaftsdomänen für seinen Totenkult zu, mehr als seinem mächtigen Vater Snofru.

Und selbst außerhalb Ägypten ist Cheops bezeugt: Im Sinai, wo dieser die Türkisminen gegen Beduinen behauptete, findet sich im Wadi Maghara eine Inschrift. In Byblos in der Levante wurden Reste von Gefäßen und eine Kupferaxt entdeckt, und selbst im Süden ist Cheops verewigt: In den Dioritsteinbrüchen von Abu Simbel ließ sich der Herrscher eine Stele errichten.

Anmerkungen

[1] Ercivan 2001, S. 292

[2] ebd.

Abbildungen

[1], [2], [3] Archiv Patrick Brose

Literatur

Ercivan, Erdogan (2001): Verbotene Ägyptologie. Kopp Verlag.

Lorenz, Rainer (2002): „Die Große Pyramide des Königs Cheops in Giza: Der Pyramidentempel II“. URL: http://www.benben.de/Architektur/Cheops/Cheops08.html

Schneider, Thomas (1994): Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf: Verlag Artemis und Winkler.

Schoske, Sylvia – Hrsg. (1995): Staatliche Sammlung Ägyptischer Kunst München. Mainz: Verlag Philipp von Zabern.