So ziemlich jeder, der einmal mit den Thesen der Paläo-Seti und Erich von Däniken in Kontakt gekommen ist, wird von ihnen gehört haben, den sich über Kilometer hinweg ziehenden Geoglyphen der Ebene von Nasca in Peru.

Diese gewaltigen Scharrzeichnungen, die erst aus der Luft gesehen ihre volle Pracht zeigen, bilden entweder Tierdarstellungen, wie etwa einen gewaltigen Kolibri und eine Spinne, menschenähnliche Gestalten, gerne auch mit Strahlenkränzen um die Köpfe, vornehmlich aber riesige pistenähnliche Trapeze und „Landebahnen“ ab.

Robert Charroux, der parallel zu Erich von Däniken (und schon vor diesem) einen beachtlichen Bekanntheitsgrad hatte, setzte sich schon früh mit den rätselhaften Bodenstrukturen von Nasca auseinander. [1]

Doch schon in seinem Erstlingswerk zeigt Erich von Däniken von diesen Pisten beeindruckt und schreibt:

„Uns vermittelt die 60 km lange Ebene von Nasca – aus der Luft betrachtet – eindeutig die Idee eines Flugplatzes.“ [2]

Däniken war es, der die Pistas im großen Stil weltbekannt machte, und auch in seinen späteren Büchern machte er Nasca immer wieder zu einem Thema [3] und widmete den Linien von Nasca schließlich sogar ein eigenes Buch. [4]

In diesem formuliert er die These, die Linien von Nasca wären von der Bevölkerung als direktes Ergebnis eines Kontakts mit Außerirdischen entstanden. Die Raumschiffe der „Götter“ hätten bei ihrer Landung trapezförmige Flächen hinterlassen, was den Bewohnern Nascas natürlich auffiel. Nach dem Verschwinden der Götter erhofften sich die Eingeborenen deren Rückkehr und so entstand eine Kultbewegung, ähnlich den melanesischen Cargokulten.

Unter Cargokulten versteht man eine Form von Krisenkulte in Melanesien, die das direkte Resultat durch die Kolonisierung der Europäer, Amerikaner und später auch Japaner sind und vornehmlich das Ziel hatten, an die gleichen Reichtümer wie die Fremden zu gelangen (Cargo=Güter). Hierzu kam es häufig zu einem magischen Imitationsverhalten, bei dem zum Beispiel Flugzeuge und ganze Flugplätze aus Holz und Stroh nachgebaut wurden, in der Hoffnung, die Ahnen würden ihnen nun durch die magische Übertragung der Attribute der Originale auf die Kopien ebenfalls die erhofften Güter zustellen. [5]

Die Erich von Däniken-Stiftung in Nasca

Dänikens Hauptargument für seine These ist neben dem „Sieht-aus-Wie-Aspekt“, die Tatsache, dass die Scharrzeichnungen in ihrer Gesamtheit nur aus der Luft erkennbar sind. [6]

Einen Beweis für diese These zu finden gestaltet sich natürlich denkbar schwierig, doch die 1996 von ihm gegründete Erich von Däniken-Stiftung sollte hier Abhilfe schaffen.

„Zweck der Stiftung ist die Erforschung der grossen Rätsel der Welt, insbesondere rätselhafter Relikte vergangener Kulturen. Die Stiftung will Triebfeder sein für Forschungen, die bisher unmöglich schienen. Forschungen, die sich zwar an die Grundregeln des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns halten, ohne sich aber von bestehenden Dogmen oder Paradigmen eingrenzen zu lassen.“ [7]

Mit Hilfe der Stiftung finanzierte Erich von Däniken geophysikalische Untersuchungen in der Ebene von Nasca, die für scheinbar sensationelle Entdeckungen sorgten.

Prof. Dr. Gunter Reppchen von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden und die Geologin Dr. Kerstin Hartsch wurden mit dieser Aufgabe beauftragt.

2006 publizierte Erich von Däniken die Ergebnisse der Untersuchungen erstmals in der Sagenhaften Zeiten. [8]

Die Untersuchungen richteten sich nach einem Fragenkatalog Erich von Dänikens, so fragte er zum Beispiel, ob es wohl elektrische Unregelmäßigkeiten an den Linien gäbe und ggf. magnetische Felder an ganz bestimmten Stellen. [9]

Die Ergebnisse der Untersuchungen waren ganz nach Dänikens Geschmack, so fanden sich an gewissen Stellen der Pisten elektrische Widerstände weit jenseits des üblichen Werts und auch Magnetanomalien konnten ausgemacht werden. [10]

Auch bestätigten die Experten Däniken, dass die sich überlappenden Linien, auf die man immer wieder in der Ebene stößt, unterschiedlichen Alters sein müssen. [11]

Zudem fanden sich hohe Anteile von Arsen und Verglasungen.

All dies, geophysikalische Anomalien, der Arsenanteil und so weiter bestätigen Dänikens Vermutung, hier könnten einst die Götter gewirkt haben, er spekuliert über einen möglichen Rohstoffabbau in Nasca und darüber, dass die Anomalien vielleicht von vergrabenen Gerätschaften der Götter herrühren könnten. Nach dem Verschwinden der Außerirdischen setzte dann sein postulierter „Cargokult“ [12] ein. [13]

Bewertung der Untersuchungsergebnisse

Und was ist jetzt schlussendlich von Erich von Dänikens spektakulären Untersuchungsergebnissen zu halten?

Bei archäologisch versierten Mitmenschen dürften die Aussagen Erich von Dänikens etwas Verwunderung auslösen.

Magnetische Untergrundanomalien sind alles andere als etwas Ungewöhnliches. Während die Verteilung der Magnetlinien auf einer Weltkarte ziemlich konstant aussieht, zeigen sich, umso größer die Auflösung bestimmter Regionen ist, zum Teil recht starke Schwankungen. Hier unterscheidet man zwischen kontinental-, regional-, lokal- und Mikroanomalien.

Im Fall der Untersuchungen der Erich von Däniken-Stiftung handelt es sich um Mikroanomalien. Während die großräumigeren Anomalien ihre Ursache zum Beispiel in der Tektonik haben, [14] gehen Mikroanomalien auf die Inhomogenitäten der obersten Bodenschichten zurück. [15]

Und genau diesen Punkt macht sich die Archäologie schon längst zunutze, um nämlich zu wissen, wo sie den Sparten anzusetzen hat, da sich hier nämlich abzeichnet, an welchen Stellen es zu anderen Bodenzusammensetzungen kommt, was zum Beispiel ein Hinweis auf eine frühere Bebauung sein kann.

Auch in Nasca wurden solche geophysikalischen Untersuchungen bereits lange vor Der Erich von Däniken-Stiftung vorgenommen und auch publiziert. [16]

Unter der Leitung des deutschen Archäologen Markus Reindel fanden diese Untersuchungen in Nasca statt, mit dem Ergebnis:

„Die sich ergänzenden und gegenseitig bestätigenden geophysikalischen

Prospektionsmethoden haben gezeigt, dass der generell als siedlungsleer deklarierte Talboden zahlreiche ungestörte archäologische Befunde in sich birgt. Diese Befunde ließen sich zum Teil bereits durch archäologische Ausgrabungen bestätigen. Selbst im Bereich der Geoglyphen konnten zahlreiche Gebäudereste und andere Anomalien nachgewiesen werden.

Damit haben sich die Magnetometermessung und die Geoelektrik als Prospektionsmethoden mit enormem Potenzial in Südamerika erwiesen.“ [17]

Damit bricht das spektakulärste Element der Untersuchungen der Erich von Däniken-Stiftung in sich zusammen. Was für den Laien auf dem ersten Blick so faszinierend, innovativ und undurchschaubar wirkt ist längst archäologischer Alltag. Der Begriff der elektrischen- und magnetischen Anomalien erweckt in dem unbedarften Leser von Dänikens Ausführungen einen falschen Eindruck und mutet mysteriös, rätselhaft und Spektakulär an, hat aber in Wirklichkeit recht banale Ursachen.

Und ein hoher Arsenanteil allein rechtfertigt die von der PS vorgetragenen, weit reichenden Thesen nicht.

Ansonsten gibt es tatsächlich immer wieder wirklich Neues aus Nasca zu berichten, so vermutet Markus Reindel anhand seiner Untersuchungen zum Beispiel, einen Teil der Geoglyphen auf die Zeit um 700 bzw. 500 v. Chr. zurück datieren zu können. Demnach würden die frühesten Scharrzeichnungen auch gar nicht von den Nasca, sondern von der Paracas-Kultur stammen, aus denen die Nasca später hervor gingen. [18]

Sicherlich ist in Bezug auf die Bedeutung der Geoglyphen von Nasca noch lange nicht das letzte Wort gesprochen, doch Beweise für den Einfluss Außerirdischer in der Region wurden bislang, auch durch die Erich von Däniken-Stiftung, nicht erbracht.

Dieser Artikel ist erstmals erschienen in:  Jufof. Journal für Ufo-Forschung 05/2008 Nr. 179

Fußnoten

[1] Vgl. Charroux 1978

[2] Däniken 1968, S. 38

[3] Vgl. z.B. Däniken 1969, S. 176 ff. , Däniken 1992, S. 88 ff., Däniken 2000, S. 133 ff.

[4] Vgl. Däniken 1999

[5] Vgl. zum Thema Cargokulte Steinbauer 1971 und Worsley 1973

[6] Däniken 199, S. 149

[7] http://www.evdstiftung.ch/index.php?id=3 gesichtet am 21.11.2008

[8] Vgl. Däniken 2006 (1), außerdem identisch bei Däniken 2006 (2) und Däniken 2007

[9] Däniken 2006 (1), S. 13

[10] Vgl. ebd. f.

[11] Vgl. a.a.O. S. 14 f.

[12] Ein sehr unglücklicher Vergleich, da es sich bei den Cargokulten im Gegensatz zu Dänikens Behauptung nicht um Imitationskulte handelt. Imitationen kamen (und das längst nicht bei allen) bei den Kulten zwar vor, doch sind sie nicht das Begriffgebende Element der Kulte.

[13] Vgl. Däniken 2006, S. 16 f.

[14] Vgl. Köhler 1958, S. 15

[15] Ebd.

[16] Vgl. Reindel, Markus; Eitel, Berhard; Wagner, Günther A. 2004

[17] A.a.O. S. 79

[18] Vgl. Zick 2007, S. 62

Literaturverzeichnis

Charroux, Robert: Das Rätsel der Anden. Düsseldorf und Wien: Econ-Verlag 1978

Däniken, Erich von: Erinnerungen an die Zukunft. Ungelöste Rätsel der Vergangenheit. Düsseldorf und Wien: Econ-Verlag 1968

Däniken, Erich von: Zurück zu den Sternen. Argumente für das Unmögliche. Düsseldorf, Wien: Econ Verlag 1969

Däniken, Erich von: Auf den Spuren der Außerirdischen. München: Goldmann 1992

Däniken, Erich von: Zeichen für die Ewigkeit. Die Botschaft von Nasca. München: Goldmann 1999

Däniken, Erich von: Neue Erinnerungen an die Zukunft. Habe ich mich geirrt? Augsburg: Bechtermünz 2000

Däniken, Erich von: In Nasca stimmt etwas nicht. In: Sagenhafte Zeiten Nr. 3/2006 (1)

Däniken, Erich von: Nasca: New Mysteries Exposed. In: Legendary Times Vol. 8, No. 2 & 3 & 4 of 4, 2006 (2)

Däniken, Erich von: Falsch informiert! Vom unmöglichsten Buch der Welt, Henochs Zaubergärten und einer verborgenen Bibliothek aus Metall. Rottenburg: Kopp-Verlag 2007

Köhler, Karl: Freiberger Forschungshefte. Geophysik. Grundlagen für die Auswertung von magnetischen Anomalien (insbesondere Z-Komponente). Berlin: Akademie-Verlag 1958

Reindel, Markus; Eitel, Berhard; Wagner, Günther A.: Projektverbund Nasca – Entwicklung und Adaption archäometrischer Techniken zur Erforschung der Kulturgeschichte. In: Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg): Alte Fragen – neue Antworten. Neue naturwissenschaftliche Methoden und Technologien in den Geisteswissenschaften. Bonn und Berlin 2004

Steinbauer, Friedrich: Melanesische Cargo-Kulte. Neureligiöse Heilsbewegungen in der Südsee. München: Delp´sche Verlagsbuchhandlung KG 1971

Worsley, Peter: Die Posaune wird erschallen. Cargo-Kulte in Melanesien. Frankfurt/M: Suhrkamp 1973

www.evdstiftung.ch

Zick, Michael: Das Geheimnis von Nasca ist enthüllt. In: Bild der Wissenschaft 1/2007