Rainer Kühne berichtet über die Hintergründe …

Vorwort

Dieses Buch erzählt über die Entdeckung von Atlantis. Ungeschminkt werde ich in ihm über meine Irrtümer berichten. Mehrmals befand ich mich auch völlig auf dem Holzweg. Ich werde aufzeigen, wie ich meine Irrtümer erkannte und korrigierte. Persönliche Gefühle werde ich dabei nicht außen vor lassen.

Dieses Buch ist ein Erlebnisbericht. Es beginnt mit der Frage, wie als Kind mein Interesse am Thema Atlantis erwachte. In meinen ersten Träumereien nahm ich mir vor, dereinst die Landschaft Südenglands zu durchstreifen, um auf der Suche nach Atlantis fündig zu werden. Diesen Traum legte ich schnell ab, da ich erfuhr, dass bereits ein anderer Atlantis entdeckt habe. Sein Bericht faszinierte mich so sehr, dass ich als Zehntklässler meinen Mitschülern einen atemberaubenden, volle vier Schulstunden umfassenden Vortrag hielt.

Mein tiefer Glaube an diese Entdeckung wurde schon bald erschüttert. Glaubte ich mich noch eben im vollen Besitz der endgültigen Wahrheit zu befinden, so fand ich kurz darauf meinen Meister in einem Lehrer. In einer sechs Stunden langen Diskussion zerpflückte er die angebliche Entdeckung von Atlantis mitsamt ihrer Begründung.

Er empfahl mir, Platon im Original zu lesen, nur so könne ich Atlantis entdecken. Wie schon Heinrich Schliemann „mit der Ilias in der Hand\“ Troja entdeckte, so wollte ich nun „mit Platons Atlantisbericht in der Hand\“ Atlantis entdecken. Noch als Schüler begab ich mich auf den Weg.

Mein Lebensweg sollte jedoch zunächst anders verlaufen. Der Bestseller-Autor Erich von Däniken schrieb mir als Vierzehnjährigem, er könne sich vorstellen, dass eine physikalische Laufbahn für mich das richtige sei. So studierte ich Physik und promovierte schließlich. Ich stellte eine Anzahl physikalischer Theorien auf und publizierte sie in wissenschaftlichen Zeitschriften. Der nunmehr „Doktor Kühne\“ hatte die Vorstellung des Erich von Däniken vollauf bestätigt.

Aus heiterem Himmel wurde ich von einer Sensationsmeldung schockiert. Ein Forscher hatte Atlantis entdeckt! Dieser Forscher war niemand anderes als der Lehrer, der meine „endgültige Wahrheit über Atlantis\“ zerpflückt hatte. Seine Beweise für seine neue Entdeckung von Atlantis überzeugten mich derart, dass ich einen Artikel über seine Funde veröffentlichte. Ein anderer Forscher bestätigte kurz darauf einen Teil dieser Entdeckungen.

Alles geriet wieder ins Wanken, als ein Professor der Geologie behauptete, er habe gute Argumente, dass Atlantis an ganz anderer Stelle gelegen habe. Er wolle eine Expedition unternehmen, um seine Theorie zu beweisen.

Ich stellte die Argumente des Lehrers und des Professors gegenüber. Meine Entscheidung für eine dieser Theorien war eindeutig. So verfasste ich eine wissenschaftliche Abhandlung über das Thema Atlantis. „Antiquity\“, die bedeutendste archäologische Fachzeitschrift hat meinen Artikel schließlich veröffentlicht. Es löste weltweites Interesse in den Medien aus.

1. Mein Interesse an Atlantis erwacht

Es begann sehr kindlich. In zwei „Lustigen Taschenbüchern\“ entdeckte Donald Duck das sagenhafte Atlantis in der Tiefsee. Neugierig geworden, fragte ich mich, ob Atlantis ein Phantasieprodukt der Walt Disney Autoren war oder ob Atlantis ein wirklich versunkenes Reich war. In den Donald Duck Geschichten schien es unermesslich reich zu sein und vor Gold nur so zu strotzen.

Die Lösung ergab ein Blick ins Lexikon. Atlantis habe es wirklich gegeben, hieß es da. Der alte griechische Philosoph Platon habe davon berichtet. Also kein Phantasieprodukt einer Donald Duck Geschichte.

Nun wollte ich mehr wissen. Wer genau war dieser Platon? Wann lebte er? Was genau schrieb er über Atlantis? Woher wusste er von Atlantis? Aus dem Lexikon erfuhr ich, der griechische Philosoph Platon habe von 427 bis 347 v. Chr. gelebt. In seinen Schriften habe er über das Gute philosophiert und einen Idealstaat entworfen. Mehr erfuhr ich zunächst nicht, auch nicht, was Atlantis mit Platon zu tun habe.

Das Schicksal half mir auf die Sprünge. Eines Tages besuchte ich wieder einmal die öffentliche Bücherei. Jemand hielt dort eine Lesung ab. Einige Zuhörer scharrten sich um die Vortragende. Neugierig geworden stellte ich mich in der Nähe auf, um zu erfahren worum es ging. Etwas feige trat ich nicht zu den anderen, sondern versteckte mich hinter einem Regal. Mein Blick schweifte zu den Büchern im Regal ab. Eines dieser Bücher weckte sofort mein Interesse. Worum es bei dieser Lesung ging, sollte ich nicht mehr erfahren.

Es war nicht das Buch an sich, das mein Interesse weckte, sondern der Name seines Verfassers: Erich von Däniken. Von ihm hatte ich vorher schon einen Artikel in einer Illustrierten gelesen. Er behauptete, vor Jahrtausenden hätten außerirdische Intelligenzen die Erde besucht, seien von unseren Urahnen als Götter verehrt worden und hätten den Menschen die Kultur gebracht. Der Titel dieses Buches lautete „Beweise: Lokaltermin in fünf Kontinenten\“.

Ein weiteres Buch erweckte mein Interesse: „Geheimnisse versunkener Welten\“. Autor war ein gewisser Charles Berlitz. Von ihm hatte ich noch nie etwas gehört. Ob in diesem Buch etwas über Atlantis stand?

Ja, tatsächlich! Berlitz schrieb, Atlantis sei am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10000 Jahren versunken. Es sei eine Hochkultur gewesen, die aus einem Inselreich bestand und im Atlantik lag. Außerdem habe es in Afrika bis an die Grenze von Ägypten und in Europa bis nach Tyrrhenien in Norditalien geherrscht. Auf Atlantis habe es eine Pyramide, einen goldenen und einen silbernen Tempel gegeben. Der Boden von Atlantis sei sehr fruchtbar gewesen, so dass man zweimal im Jahr ernten konnte.

Atlantis habe einen Krieg gegen die Länder des östlichen Mittelmeerraumes geführt und sei anschließend innerhalb eines Tages und einer Nacht durch ein Erdbeben im Meer versunken.

Der Hellseher Edgar Cayce habe in seinen Visionen das Wiederauftauchen von Atlantis vorhergesagt. Mehr noch: er habe vorhergesagt, es solle nahe der Karibikinsel Bimini auftauchen. All dies solle entweder 1968 oder 1969 geschehen. Cayce machte diese Vorhersage in den zwanziger Jahren.

Und tatsächlich: 1968 entdeckte der Pilot Manson Valentine eine mehrere hundert Meter lange Mauer aus Steinquadern im flachen Wasser nahe der Insel Bimini. Atlantis war offenbar wieder aufgetaucht wie es der Hellseher Cayce vorhergesagt hat. Eine Sensation!

Atlantis sei aber nicht die einzige alte Hochkultur gewesen. Atlantis lag im Atlantik. Aber auch in den anderen beiden Ozeanen seien Hochkulturen versunken. Im Indischen Ozean sei der Kontinent Lemuria versunken und im Pazifischen Ozean sei der Kontinent Mu versunken. Beide Kontinente seien noch älter als Atlantis. Über Mu berichteten alte Schriften, die in verborgenen Klöstern in Tibet lagerten. Sie seien von einem Oberst Churchward wieder entdeckt worden.

Soweit Berlitz. In der nachfolgenden Zeit las ich noch ein anderes Buch, „Der Untergang von Atlantis\“. Autor war ein gewisser Hans Steuerwald. Er behauptete, Atlantis habe in Südengland gelegen.

Mitnichten habe Atlantis irgendetwas mit Edgar Cayce zu tun. Auch die nahe der Küste von Bimini gelegene Mauer habe nichts mit Atlantis zu tun. Auch wäre Atlantis nicht bereits vor 10000 Jahren versunken. Nein! Atlantis war, so Steuerwald, eine neolithische, also neu-steinzeitliche Kultur im Süden Englands. Sie habe bis vor 3000 oder 4000 Jahren existiert.

Trotz der angeblichen von Berlitz genannten Evidenzen erschien mir im Großen und Ganzen die Argumentation von Steuerwald stichhaltiger.

Ich stellte mir vor, eines Tages, wenn ich erwachsen war, im Süden Englands nach Atlantis zu suchen. Atlantis habe eine reiche Hauptstadt gehabt, die aber versunken war. Niemand wüsste, wo sie liege. Außerdem habe ein riesiges Kanalsystem die Ebene der Insel Atlantis durchzogen. Und diese Ebene war laut Steuerwald mit Südengland identisch. Es müsste doch möglich sein, stellte ich mir vor, den Süden Englands zu durchstreifen und die Überreste der Kanäle zu entdecken.

Selbstverständlich sollte alles anders kommen. Den Glauben an die Theorien von Berlitz und Steuerwald sollte ich schon bald verlieren.

2. Die Theorie Jürgen Spanuths

Den Glauben an die Theorien von Berlitz und Steuerwald verlor ich im Herbst 1985 als mir das Buch „Die Atlanter: Volk aus dem Bernsteinland\“ in die Hände fiel. Autor war der Pastor Jürgen Spanuth. Sein Buch begeisterte mich immer mehr.

Im Juni 1986 war ich Schüler der zehnten Klasse. Im Religionsunterricht nahmen wir gerade die germanische Religion durch und kamen auf Asgard zu sprechen. Asgard glaubte ich mittlerweile gut zu kennen. Spanuth schrieb, es sei mit Atlantis identisch gewesen. Ich meldete mich und machte ebendiese Bemerkung: Asgard sei Atlantis gewesen und im Meer versunken. Meine Mitschüler wollten mehr darüber wissen und so wurde mir angeboten, eine Woche später ein Referat zu diesem Thema zu halten.

Freudig nahm ich dieses Angebot an. So stand ich eine Woche später von meinem Sitzplatz auf und begab mich Richtung Tafel. Auf dem Weg dahin fragte mich ein Mitschüler: „Wo hast du denn deine Notizen?\“ „Welche Notizen?\“ fragte ich. Mein Gegenüber war verblüfft. Er hatte erwartet, dass ich meine Notizen für den Vortrag im Ranzen oder auf dem Schreibtisch, oder gar zuhause, vergessen hatte. Aber nein! Unbeirrt schritt ich zur Tafel und hielt meinen Vortrag. Ich brauchte keine Notizen. So gut kannte ich Spanuths Theorie mittlerweile. Das Referat war für eine Schulstunde angesetzt. Als die Doppelstunde um war, war ich immer noch nicht mit der Theorie durch. In der folgenden Woche durfte ich den Vortrag fortsetzen. Insgesamt redete ich vier Schulstunden lang. Meine armen „gequälten\“ Mitschüler, die dieses „Mammut-Referat\“ hören durften oder mussten, werden ihn wohl niemals vergessen.

Mein Referat begann folgendermaßen. Über Atlantis berichtete der griechische Philosoph Platon. Er lebte von 427 bis 347 v. Chr. Schon damals konnte ein Mensch achtzig Jahre alt werden, kein Problem. Dieser Platon entwickelte die Idee eines idealen Staates, der nicht von einem König oder Tyrannen beherrscht wurde, sondern von Philosophen so wie ihm. Ein solcher Staat sollte allen anderen überlegen sein.

Platon behauptete, dieser Staat sei nicht nur seiner Phantasie entsprossen. Er hätte einst wirklich existiert. Und dieser Staat sei das vorgeschichtliche Athen, seine Heimatstadt gewesen. Platon wisse über Solon, den er den Weisesten der sieben Weisen nannte, von diesem idealen Athen. Solon, der von 640 bis 559 v. Chr. lebte, habe bei seinem Ägyptenbesuch von dem vorgeschichtlichen Athen erfahren. Und dies begab sich so:

Als Solon in Ägypten war, wollte er von den dortigen Priestern etwas über die älteste Geschichte der Menschen in Erfahrung bringen. Um vor den Priestern zu glänzen, nannte Solon die, wie er glaubte, ältesten Geschichten der Griechen, so etwa die Sintflutgeschichte, bei der Deukalion und Pyrrha überlebten. Einer der Priester hatte aber nur Gelächter für Solons „Weisheit\“ übrig. Er sprach: „O Solon, o Solon, ihr Griechen seid doch alle Kinder. Ihr wisst über die Geschichte nur in Form von Sagen und Fabeln. Und über die wirklich alten Begebenheiten wisst ihr nichts.\“

Um Solon noch weiter zu beeindrucken, erzählte er ihm die älteste Geschichte, die ihm von Solons Vorfahren, also den ältesten Athenern bekannt war. Sie hätten einst ein hervorragendes Gesellschaftssystem besessen und eine wahrhaft hervorragende Heldentat vollbracht. Solon war gespannt wie ein Flitzebogen und wollte nun die ganze Geschichte hören, die der Priester wusste. Nur zu gern erzählte ihm dieser die Geschichte.

Athen sei vor 9000 Jahren gegründet worden (also 9000 Jahre vor Solons Besuch in Ägypten, der zehn Jahre lang dauerte, vermutlich von 570 bis 560 v. Chr.). Schon bald nach der Gründung hätte ein Riesenreich, Atlantis, die Länder des gesamten östlichen Mittelmeerraumes in einen Krieg verwickelt. Sämtliche Länder seien von Atlantis unterworfen worden, einzig Athen habe dem Besatzer genügend Widerstand entgegengesetzt.

„Asterix und Obelix scheinen moderne Athener zu sein, die den Römern bzw. Atlantern Widerstand leisten ohne erobert zu werden\“, bemerkte ich im Referat. Allgemeines Gelächter folgte.

Wie dem auch sei, Platon schrieb weiter, der ägyptische Priester habe dem Griechen Solon erzählt, dass Athen nicht unterworfen wurde, sondern seine Unabhängigkeit waren konnte. Mehr noch, Athen habe sich an die Spitze der Hellenen, also aller anderen Griechen gesetzt, und diese von der Vorherrschaft der Atlanter befreit. Der Priester setzte noch einen drauf. Athen habe nicht nur die anderen Griechen, sondern überhaupt alle Völker des östlichen Mittelmeerraumes von den Atlantern befreit.

Tragischerweise habe sich gleich nach dem siegreichen Krieg ein Erdbeben in Griechenland ereignet, bei dem alle athenischen Soldaten in einer Erdspalte versanken und auch die Insel Atlantis sei im Meer versunken.

Platon, oder war es der Priester?, unterließ es, den Krieg ausführlich zu beschreiben. Dafür beschrieb er das vorgeschichtliche Athen und die Insel Atlantis detailliert.

Die Burg von Athen habe schon zur Zeit dieses Krieges existiert. Die Wohnungen der Krieger hätten sich im Norden der Burg befunden. Auch eine Quelle habe es gegeben, die aber durch das Erdbeben verschüttet wurde. Das Erdbeben habe außerdem den kulturellen Niedergang der athenischen Kultur bewirkt. Die Kenntnis der Schrift sei infolge der Zerstörungen verloren gegangen.

Viel ausführlicher als Athen beschrieb Platon aber den Angreifer. Er beschrieb die Geographie, die Kultur, das Militär und die Bodenschätze von Atlantis.

Atlantis, so Platon, sei eine Insel westlich von Gibraltar gewesen, die größer als Libyen und Asien zusammen war. Platon verstand unter „Libyen\“ und „Asien\“ etwas andere geographische Räume als wir heutzutage. Unter „Libyen\“ verstand er das damals bekannte Afrika ohne Ägypten. Es umfasste das gesamte Nordafrika einschließlich der nördlichen Sahara. Unter „Asien\“ verstand er entweder nur Kleinasien, wie manche Gelehrte annehmen, oder, was wahrscheinlicher ist, das damals bekannte Asien. Dieses umfasste Kleinasien und Vorderasien. Möglicherweise war auch das Zweistromland, das heutige Syrien und der heutige Irak, bekannt.

Außerdem habe Atlantis in Europa von den Säulen des Herakles bis nach Tyrrhenien geherrscht. In Libyen habe es von den Säulen des Herakles bis an die Grenze Ägyptens geherrscht. Die „Säulen des Herakles\“, so wissen wir von dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot, der von etwa 490 bis 430 v. Chr. lebte, meinten Gibraltar. Tyrrhenien können wir mit der heutigen Landschaft Tyrrhenien in Norditalien identifizieren.

Auf der Insel Atlantis habe es eine große und fruchtbare Ebene gegeben. Sie habe an der Südküste der Insel gelegen und sei 2000 Stadien breit gewesen. Nach Norden habe sie sich über 3000 Stadien erstreckt. Altertumswissenschaftler nehmen an, Platon habe das attische Stadion von 185 Metern Länge gemeint. Die Ebene von Atlantis war demnach 550 Kilometer lang und 370 Kilometer breit.

Am Rande dieser Ebene, 50 Stadien, also 9 Kilometer, von der Küste entfernt, habe ursprünglich ein flacher Hügel existiert. Kreisrund sei er gewesen. Dort habe der Gott Poseidon residiert und sich in die hübsche Tochter einer der ersten Menschen verliebt. Kleito habe sie geheißen. Euenor und Leukippe waren ihre Eltern. Platon schränkte aber ein, Solon habe die Namen ins Griechische übersetzt, wie zuvor die Ägypter die ursprünglich atlantischen Namen ins Ägyptische übersetzten. Kleito, Euenor, Leukippe und all die anderen Namen der Atlanter seien also nicht die ursprünglichen, sondern die ins Griechische übersetzten Namen.

Diesen Hügel von fünf Stadien Durchmesser habe Poseidon, eifersüchtig wie er war, von mehreren Ringen aus Wasser und Erde umgeben. Kein Mensch sollte sich seiner angebeteten Kleito nähern. Schifffahrt war damals noch nicht erfunden, so dass Poseidon die Kleito allein „besitzen\“ konnte. Die arme Frau! Der innerste Wasserring war ein Stadion breit, die jeweils nächsten Ringe aus Erde und Wasser waren zwei Stadien breit. Schließlich waren die äußersten Ringe aus Erde und Wasser drei Stadien breit. Im Ganzen hatte diese Festung einen Durchmesser von 27 Stadien, also 5 Kilometern. Das waren wahrhaft gigantische Ausmaße, aber das war einem Gott wie Poseidon würdig.

An Kindern zeugten Poseidon und Kleito fünf Zwillingspaare. Nicht etwa fünf Zwillinge, wie mir während des Referats dieser Lapsus unterlief. Spontanes Gelächter erhallte. Wenigstens waren noch alle hellwach. Das hat seltenheitswert in einem Referat!

Den ältesten des ersten Zwillingspaares nannten sie Atlas, den zweiten Eumelos. Dies waren zumindest die Namen in griechischer Übersetzung. Platon verriet uns aber, dass der atlantische Name für Eumelos „Gadeiros\“ war, nach dem auch die dortige Landschaft so benannt war, das „gadeirische Land\“ eben.

Die zehn Söhne von Poseidon und Kleito seien die ersten Könige von Atlantis gewesen. Atlas und die jeweils älteste Söhne seiner Nachfahren hätten über den größten und besten Teil der Insel Atlantis geherrscht. Es war die Umgebung der Mutterstadt, die auf und um den mit Erd- und Wasserringen umgebenden Hügel erbaut wurde. Gadeiros und die jeweils ältesten Söhne seiner Nachfahren hätten über den äußersten Teil der Insel Atlantis geherrscht, nämlich vom gadeirischen Land bis zu den Säulen des Herakles.

Auf dem Hügel errichteten die Könige zunächst einen goldenen Tempel, um Poseidon und Kleito zu verehren. Ein weiterer, silberner Tempel wurde errichtet, um nochmals Poseidon zu verehren. Dieser zweite Tempel sei ein Stadion lang und drei Plethren breit gewesen. In ihm habe eine aus Oreichalcos angefertigte Säule gestanden, auf der die Gesetze von Atlantis geschrieben standen.

Sollten weder der Priester noch Solon oder Platon übertrieben haben, so war der Tempel also 185 Meter lang und 92 Meter breit. Für die Griechen zur Zeit Platons waren das unerhörte Ausmaße. Über den Oreichalcos ist viel spekuliert worden. In der phantastischen Literatur wird viel über ihn spekuliert. Geradezu magische Eigenschaften werden ihm zugeschrieben, auch wird er wie ein Markenzeichen von Atlantis betrachtet. Platon beschrieb ihn aber viel nüchterner. Der Oreichalcos sei den heutigen Griechen unbekannt. Er sei aber ein Metall gewesen, das aus dem Boden gegraben wurde. Es habe einen feurigen Glanz besessen und sei von den damaligen Menschen nächst dem Golde am höchsten geschätzt worden. Ein wertvolles Metall also ohne irgendwelche magischen Eigenschaften.

Nachdem die Schifffahrt erfunden worden war, seien die Wasserringe von den Atlantern überbrückt worden. Auf dem inneren Erdring sei der Adel von Atlantis angesiedelt worden, auf dem äußeren die Handwerker und Kaufleute. Atlantis habe mit vielen Ländern Handel getrieben, so dass tagsüber und auch nachts der Lärm der Händler auf dem äußeren Erdring zu hören war. Selbst eine Pferderennbahn habe es auf dem äußeren Ring gegeben. Ein Stadion sei sie breit gewesen und hätte einen Kreisring gebildet. Um den äußersten Kreisring herum habe die „Unterstadt\“ für das einfache Volk gelegen.

Die Ebene von Atlantis sei nahezu rechteckig gewesen und landwirtschaftlich genutzt worden. Um das Wasser der Flüsse und Bäche der die Ebene umgebenden Berge aufzufangen, seien Kanäle erbaut worden. Ein Kanal, der die gesamte Ebene umgab, sei ein Stadion breit gewesen und, wie der Priester (oder war es Platon?) berechnete, 10000 Stadien lang gewesen. Das mochte selbst Platon kaum glauben. Wie bei anderer Gelegenheit auch Herodot schrieb er, „zwar kann ich es nicht glauben, dennoch will ich es so überliefern, wie es mir berichtet wurde\“.

Die Ebene wurde von weiteren, offenbar schmaleren Kanälen durchzogen, die nicht nur zur Bewässerung dienten, sondern auch, um das Holz aus den Wäldern der Berge zur Stadt zu transportieren.

Zusätzlich zu den Äckern habe es auf der Ebene Sümpfe und Wälder gegeben. Zahlreiche Tiere hätten dort gelebt, selbst die „gefräßigen Elefanten\“, so Platon, seien dort zahlreich gewesen. – Elefanten auf einer Insel! Darüber haben viele Forscher kontrovers diskutiert. Ob Platon oder bereits dem Priester ein Fehler unterlief?

Auf Atlantis sei auch Bergbau betrieben worden. Insbesondere sei dort der Oreichalcos abgebaut worden. Auch seien Gold, Silber, Kupfer und Zinn auf Atlantis bekannt gewesen. Leider verschweigt uns Platon, ob diese Metalle auf Atlantis durch Bergbau gewonnen oder durch Handel eingeführt wurden.

Schließlich sei diese Insel, die größer als „Libyen und Asien zusammen\“ gewesen sein soll, während eines schlimmen Tages und einer schlimmen Nacht im Meer versunken. Dort, wo sie einst gelegen hat, so der ägyptische Priester, wäre das Meer heute (also zu seiner Zeit) unbefahrbar und unerforschbar wegen des hoch aufgehäuften Schlammes, den die Insel bei ihrem Versinken zurück ließ.

Soweit hatte ich Platons Atlantisbericht, den dieser in seinen Dialogen „Timaios\“ und „Kritias\“ festhielt, in meinem Referat abgehandelt. Nun durfte ich zu der Frage gelangen, ob Atlantis tatsächlich einst existiert hatte und falls ja, wo es gelegen hatte. Über das ob und wo war ich mir sicher. Der Pastor Jürgen Spanuth hatte mit seiner Theorie Recht. Seine Theorie trug ich nun vor.

Zunächst einmal behauptete Platon, die Geschichte von Atlantis und seinen Krieg über Solon erfahren zu haben. Der wiederum habe sich von ägyptischen Priestern diese Geschichte erzählen lassen als er für zehn Jahre in Ägypten weilte. Tatsächlich berichteten mehrere griechische Geschichtsschreiber, dass Solon in Ägypten gewesen sei und infolgedessen einige ägyptische Gesetze in Griechenland einführte. Zu diesen griechischen Geschichtsschreibern zählt insbesondere Plutarch. Proklos wusste noch mehr. Krantor aus Soloi habe in späterer Zeit Ägypten besucht und die dortigen Priester hätten ihm Schriften gezeigt, die bereits Solon gesehen hätte.

Des Weiteren betonte Platon immer wieder, dass seine Atlantisgeschichte „eine unglaubliche aber dennoch durchaus wahre Begebenheit\“ sei, sie sei „sorgfältig geprüft\“.

Ein wesentlicher Streitpunkt ist die korrekte Datierung. Platon schrieb, Athen sei 9000 Jahre vor Solons Ägyptenbesuch gegründet worden, der Krieg zwischen Atlantis und den Ländern des östlichen Mittelmeerraumes habe 9000 Jahre vor dem Dialog Platons stattgefunden. Weiterhin sei der saitische Staat 8000 Jahre vor Solons Ägyptenbesuch gegründet worden. Diese Angabe mussten die Priester genau wissen, da Solon seinen Bericht aus der Stadt Sais hatte.

Spanuth gab jedoch zu bedenken, dass die Akropolis (Burg) von Athen, sowie die Stadt selbst erst im 13. Jahrhundert v. Chr. gegründet wurden. Die von Platon genannten Wohnungen der Krieger im Norden der Athener Akropolis seien ebenfalls erst in dieser Zeit errichtet worden. Auch seine Angabe der durch ein Erdbeben verschütteten Quelle sei historisch nachgewiesen. Der Anthropologe Oskar Broneer entdeckte 1939 bei einer Ausgrabung auf der Akropolis die besagte Quelle. Genau genommen handelte es sich um einen Brunnen, der im letzten Viertel des 13. Jh. v. Chr. durch ein Erdbeben verschüttet worden war.

Schließlich bemerkte Spanuth, auch Platons Angabe des Schriftverlustes der frühen Griechen sei korrekt. Michael Ventris und John Chadwick wiesen 1953 nach, dass die mykenische Linear B Schrift in griechischer Sprache geschrieben war. Damit erbrachten sie den Nachweis, dass die Träger der mykenischen Kultur Griechen waren. Vorher konnte dies nur vermutet werden. Die Linear B Schrift blieb, so Spanuth, bis um 1200 v. Chr. in Gebrauch. Danach besaßen die Griechen über 400 Jahre lang keine Schrift. Erst im 8. Jh. v. Chr. hätten sie eine neue Schrift von den Phöniziern übernommen. Diese neue Schrift ist die uns bekannte griechische Schrift.

Spanuth schlussfolgerte, dass das beschriebene Athen nicht bereits 9000 Jahre vor Solon existiert habe, sondern dass seine Beschreibung auf das um 1200 v. Chr. zuträfe. Etwas wissenschaftlicher gesprochen, habe Platon das Athen am Ende der Periode Mykene IIIB beschrieben, eine Periode, die auch als späthelladisch IIIB bezeichnet wird.

Die Stadt Sais sei erst im vierten Jahrtausend v. Chr. gegründet worden.

Ganz eindeutig könne auch der Untergang von Atlantis nicht „vor 9000 Jahren\“ stattgefunden haben. Wie Spanuth bemerkte, gab es zu dieser Zeit weder mit Edelmetallen verzierte Tempel, noch Streitwagen, noch Reiterkrieger. All dies sollen laut Platon aber die Atlanter besessen haben. Tatsächlich erschienen, so Spanuth, die ersten Streitwagen und Reiterkrieger im östlichen Mittelmeerraum erst um 1200 v. Chr.

Damit war jeder Zweifel ausgeschlossen. Platons Angabe „vor 9000 Jahren\“ war nicht korrekt, die Datierung „um 1200 v. Chr.\“ war zutreffend. Da der von Platon berichtete Dialog zwischen Sokrates, Hermokrates, Timaios und Kritias um 410 v. Chr. stattgefunden haben muss und Solon zwischen 570 und 560 v. Chr. den Atlantisbericht erfahren haben muss, hätte es richtig heißen müssen „650 Jahre vor Solon\“ oder „vor 800 Jahren\“.

Wie ist dieser Irrtum zu erklären? Spanuth meinte, die Ägypter hätten nicht in Jahren, sondern in Monaten zu 28 Tagen gerechnet. Entweder Solon oder aber Platon hätte dann die in Monaten angegebenen Altersangaben fälschlich für Jahresangaben gehalten.

Spanuth begründet diese Vermutung mit der Angabe des griechischen Geschichtsschreibers Diodorus Siculus, der schrieb, die Ägypter hätten in Monaten und nicht in Jahren gerechnet, wobei ein Jahr dreizehn Monate dauerte. Auch die Lebensdauern der biblischen Urväter würden so verständlich. So habe Adam 930 Jahre lang gelebt und Methusalem sei 969 Jahre alt geworden. Wenn man diese angeblichen Jahre als Monate interpretiert, so Spanuth, dann wurde Adam 72 Jahre alt und Methusalem 74. Diese Lebensdauern sind realistisch.

Wer aber waren nun die Atlanter? Platon behauptete, sie hätten einen Krieg gegen ganz Europa und Asien geführt, wobei sie schließlich von den Ländern des östlichen Mittelmeerraumes unter Anführung der Athener besiegt wurden.

Tatsächlich fand um 1200 v. Chr. ein Kriegszug gegen ganz Europa und Asien statt. Die Angreifer wurden schließlich besiegt, wenn auch die Sieger die Ägypter waren. Auch Platons Angabe, dass Solon den Kriegsbericht aus Ägypten habe, sei zutreffend, da gerade die siegreichen Ägypter über diesen Krieg berichteten. Zu diesen ägyptischen Kriegsberichten zählen die große Karnak-Inschrift und die Athribis-Stele, die während der Regierungszeit des Pharao Merneptah angefertigt wurden. In aller Ausführlichkeit berichteten die Tempelinschriften von Medinet Habu, das auch als Theben und Karnak bekannt ist, über diesen Krieg. Diese Inschriften wurden während der Regierungszeit des Pharaos Ramses III angefertigt. Kurz nach dem Tod von Ramses III wurde der Papyrus Harris geschrieben. Sein Anlass war die Thronbesteigung seines Sohnes und Amtsnachfolgers Ramses IV. Dieser Papyrus fasste die Regierungszeit von Ramses III zusammen. Sein letzter Abschnitt galt dem bewussten Krieg.

Wer waren diese Angreifer? Spanuth nannte sie die „Nordmeervölker\“. Wie auch die Atlanter seien sie von den Inseln inmitten des Meeres gekommen. Ramses III schrieb über die Nordmeervölker: „Das Haupt ihrer Städte ist versunken. Ihre Inseln sind nicht mehr, sie sind fortgeweht in einem Sturm\“. Ihre Länder hätten laut Merneptah aus den Ländern der Ekwesh, Teresh, Shekelesh, Sherden und Weshesh bestanden. Laut Ramses III hätte ihre Konföderation die Länder der Peleset, Shekelesh, Denen, Lukka und Tjekker umfasst. Außerdem hätten sie zusammen mit mehreren Libyerstämmen Ägypten angegriffen. Zu diesen Libyerstämmen zählten die Lebu, die Meshwesh, die Tehenu und die Tamahu. Dies weist erstaunliche Ähnlichkeiten zu den Atlantern auf, über die zehn Könige herrschten. Auch Atlantis habe aus mehreren Inseln bestanden und über Libyen geherrscht.

Dramatisch schrieb Ramses III, die Nordmeervölker hätten Arzawa, Hatti, Kode, Karkemisch, und Alasia zerstört. Sie hätten ein Feldlager in Amurru aufgeschlagen und seien dann vorwärts nach Ägypten gezogen, während die Flamme vor ihnen war.

Hatti war ein bedeutendes und mächtiges Reich. Seine Bewohner waren die indogermanischen Hethiter. Seit dem 15. Jh. v. Chr. waren sie Handelspartner, zumeist aber Hauptkriegsgegner der Ägypter. Hatti umfasste den größten Teil Kleinasiens. Seine Hauptstadt Hattuscha lag einige Kilometer östlich des heutigen Ankara.

Arzawa war ein mehr oder weniger unabhängiger Satellitenstaat von Hatti. Es bestand aus vier Königreichen, dessen mächtigster, Mira, gelegentlich ebenfalls Arzawa genannt wurde. Die Lage von Arzawa ist unter den Gelehrten umstritten. Es könnte entweder im Südwesten Anatoliens in der Nähe von Milet oder aber weiter nördlich gelegen haben. Möglich ist, dass es bis zu den Dardanellen und vielleicht auch bis zum Bosporus reichte.

Kode, auch Qode oder Quode geschrieben, war ein weiterer Satellitenstaat von Hatti. Seine genaue Lage ist unbekannt. Vermutlich lag es im nordwestlichen Syrien.

Karkemisch, auch Qarqemisch geschrieben, war ein dritter Satellitenstaat von Hatti. Es lag in Nordsyrien am oberen Lauf des Euphrat. Seine Ruinen können heutzutage besichtigt werden.

Alasia war in der späten Bronzezeit die Hauptstadt Zyperns.

Amurru war das Land der Amoriter. Es lag im heutigen Libanon und somit zwischen Hatti und Ägypten. Infolgedessen stand es abwechselnd unter hethitischer und ägyptischer Oberherrschaft.

Ausgrabungen haben ergeben, dass sowohl Hattuscha als auch Alasia und Karkemisch um 1200 v. Chr. von fremden Invasoren zerstört wurden. Auch Ugarit in Syrien wurde in dieser Zeit zerstört. Tontafeln, die aus dieser Zeit der Zerstörungen in Alasia und Ugarit gefunden wurden, berichten in höchst anschaulicher und ebenso dramatischer Form vom Angriff dieser Invasoren. Stets werden diese Angreifer als „Völker vom Meer\“ bezeichnet.

Ein interessanter Aspekt ist die Flamme, die den Nordmeervölkern voranging. Spanuth interpretierte sie als die Flammensäule des ausbrechenden Vulkans Thera-Santorin. Bereits der griechische Archäologe Spyridon Marinatos vermutete 1939, dass der Ausbruch dieses Vulkans, der eine ganze Insel nördlich von Kreta umfasste, die Zerstörung der minoischen Kultur auf Kreta bewirkte. Palmer vermutete 1960, dass die minoische Hauptstadt Knossos um 1200 v. Chr. zerstört wurde. Unter anderem berichtete auch Homer in der Odyssee, dass Odysseus, der seine Irrfahrt nach der Zerstörung Trojas um 1186 v. Chr. antrat, das „hundertstädtige\“ Kreta beschrieb, wobei eine der Städte Knossos war. Mit dieser Behauptung rief Palmer unter Fachleuten eine Kontroverse hervor, die bislang nicht entschieden ist. Vor ihm wurde allgemein angenommen, mykenische Griechen hätten um 1420 v. Chr. Kreta erobert und Knossos zerstört.

Spanuth ging noch weiter. Während des Exodus unter Moses ging den Israeliten tagsüber eine Wolkensäule und nachts eine Flammensäule voraus. Er meinte, diese Säule könnte sich auf die Rauch- und Flammensäule des ausbrechenden Vulkans Thera-Santorin beziehen.

Spanuth schloss sich auch der Meinung des Geographen Richard Hennig an, der vermutete, der Ausbruch des Thera-Santorin sei auch in der Argonautika des griechischen Dichters Apollonius beschrieben.

Apollonius von Rhodos lebte um 300 v. Chr. In der Argonautika beschrieb er die Seereise des Helden Jason und seiner 50 Argonauten an Bord seines Schiffes „Argo\“. Sie seien von Iolkos, dem heutigen Wolos, aus gestartet und durch den Bosporus gefahren. Seine Durchfahrt habe sich als überaus beschwerlich erwiesen wegen der ständig aneinander stoßenden Felsen. Mit mehreren Unterbrechungen zur Aufnahme von Proviant seien sie an der Küste Anatoliens entlanggefahren bis sie zur Kolchis, dem Land von König Ätes beim Kaukasus, gelangten. Dort habe Jason so manche Abenteuer bestanden, sei aber von Ätes um den versprochenen Lohn, das goldene Vlies, also ein goldenes Lammfell, betrogen worden.

Mit Hilfe der zauberkundigen Königstochter Medea habe Jason das goldene Vlies geraubt. Um der Rache des Ätes zu entgehen, seien Jason und Medea gemeinsam mit den Argonauten an Bord der Argo geflüchtet. Da sich die Argonauten auf ihrer Hinfahrt mit den Eingeborenen Anatoliens in heftige Kämpfe verwickelt hatten, mussten sie einen anderen Rückweg wählen. Er führte sie über das Schwarze Meer bis an die Mündung des Istros. Apollonius beschreibt diesen Weg nicht genau, in der damaligen Zeit führten Seereisen aber entlang der Küste, so dass anzunehmen ist, dass die Argonauten nicht quer durch das Schwarze Meer, sondern an seiner Nordküste entlang fuhren. Der heutige Name des Istros, da sind sich alle Gelehrten einig, ist die Donau. Diese fuhren sie entlang, setzten zum Rhoanes über, der in den Eridanos mündet.

An der Mündung des Eridanos befand sich eine Lagune, die regelmäßig vom Meer überschwemmt wurde. Im Meer, vor der Mündung des Eridanos, befand sich die felsige Bernsteininsel „Elektris\“, die von allen umgebenden Inseln die höchste war. Von ihr aus war es nicht weit bis zu den Ländern der Hyperboreer und Phäaken. Wie bereits Christian Delff und Richard Hennig, so interpretierte auch Jürgen Spanuth die Bernsteininsel als Helgoland.

In meinem Vortrag widersprach ich aber Spanuths Ansicht, der Eridanos sei die Eider gewesen. In welchen Fluss konnte man von der Donau aus übersetzen, der in einen anderen Fluss mündete, der wiederum bei Helgoland mündete? Ich sprach die Vermutung aus, der Rhoanes sei die Moldau und der Eridanos sei die Elbe. Genau genommen schilderte Apollonius den Rhoanes als einen Fluss mit einer Quelle und drei Mündungen. Es schien sich um insgesamt drei Flüsse zu handeln, die später alle denselben Namen bekamen und in der folgenden Konfusion gleichgesetzt wurden.

Vom Land der Phäaken kehrten die Argonauten nun zurück. Ihr Rückweg führte wiederum über den Eridanos und den Rhoanes, den sie bis zur Quelle hinauffuhren. Auf seiner anderen Seite fuhren sie ihn wieder hinunter bis zum Meer. Durch dieses Meer fuhren sie, um zurück nach Griechenland zu gelangen. Ein Sturm brachte sie vom Kurs ab und sie strandeten am Tritonis-See bei den Gärten der Hesperiden, die die goldenen Äpfel bewachten, bis sie von Herakles gestohlen wurden.

Der Tritonis-See wurde als ausgetrockneter See beschrieben. Allgemein wird heute angenommen, dass er mit dem Schott el Dscherid in Tunesien identisch ist.

Um von Helgoland nach Tunesien zu kommen, machte ich folgenden Versuch zur Identifizierung der Flüsse und des Meeres, über die Jason und die Argonauten fuhren. Spanuth schrieb, die ehemalige Bernsteinstrasse habe bei Helgoland begonnen, habe an der Elbe und der Moldau entlang geführt. Von da aus sei sie ein Stück landeinwärts erfolgt. Sie sei dann ein Stück Donau aufwärts weitergegangen und habe dann entlang des Inns geführt. Die Bernsteinstrasse habe sich nun aufgespaltet und habe einerseits über den Brenner, andererseits über den Reschenpass geführt. Im Etschtal seien die beiden Wege wieder zusammengetroffen. Nahe bei Venedig sei die Bernsteinstrasse in die Adria gemündet und sich durch sie bis nach Griechenland fortgesetzt. Ich meinte, den Rhoanes mit der Moldau, dem Inn und der Etsch identifizieren zu dürfen.

Von den Gärten der Hesperiden aus seien laut Apollonius die Argonauten wieder in See gestochen. Sie hätten Kreta und Rhodos passiert und seien anschließend wohlbehalten wieder in Iolkos angekommen.

Die Vorbeifahrt an Kreta wurde hoch dramatisch geschildert. Der Riese Talos sei der Wächter von Kreta gewesen. Als er die Argonauten erblickte, habe er mit Steinen nach ihnen geworfen. Der Tag sei plötzlich zur schwärzesten Nacht geworden, ein schwarzer Regen sei gefallen und auf dem Meer hätten tagelang Steine geschwommen. Richard Hennig interpretierte den Riesen Talos als die Vulkaninsel Thera-Santorin nördlich von Kreta. Bei seinem verheerenden Ausbruch in der Bronzezeit habe er Lava und Steine gespuckt. Der beschriebene Regen sei Ascheregen, der plötzlich zur Nacht gewordene Tag beruhe auf den Aschewolken, die die Sonne verfinsterten. Die auf dem Meer schwimmenden Steine seien Bimsstein gewesen.

Ich hatte nun begründet, dass Platons Atlantisbericht offenbar wahr sei und er die Athener Akropolis korrekt beschrieben hatte. Einzig die Datierung musste abgeändert werden, der Krieg fand nicht 9000 Jahre vor Solon, sondern erst um 1200 v. Chr. statt. Die Atlanter waren mit den Nordmeervölkern identisch, die tatsächlich einen Kriegszug gegen die Länder des östlichen Mittelmeerraumes führten, von diesen aber besiegt wurden.

Woher kamen diese Nordmeervölker? Ihre Heimat musste die Heimat der Atlanter sein. Dort musste die riesige Ebene und an ihrem Rand die Hauptstadt von Atlantis liegen. Diese Frage wollte ich im weiteren Verlauf meines Referats beantworten.

Die Inschriften des Tempels von Medinet Habu, die unter dem siegreichen Pharao Ramses III um 1200 v. Chr. angefertigt wurden, enthalten nicht nur Text, sondern sind auch von dazugehörigen Abbildungen begleitet. Auf diesen Abbildungen sind auch die Krieger der Nordmeervölker zu sehen.

Die Krieger der Nordmeervölker werden in zwei Typen unterteilt, die gewöhnlich als Sherden und Peleset bezeichnet werden. Die Sherden werden mit Hörnerhelm und Rundschild dargestellt. Die Peleset erscheinen mit einem „Federkronenhelm\“. Bei diesem Kopfschmuck dürfte es sich weniger um eine Krone als vielmehr um einen Helm gehandelt haben, da nicht nur ein einzelner König, sondern alle Krieger diesen Helm trugen. Sein Material ist unbekannt. Ob er tatsächlich aus Federn bestand, wie viele Ägyptologen vermuten oder aus Schilfblatt, wie Spanuth vorschlug, ist unbekannt.

Aus archäologischen Funden wissen wir, dass die Nordmeervölker eine ganze Reihe von Bronzegegenständen mit sich führten, die vor ihrem Kriegszug im östlichen Mittelmeerraum unbekannt waren. Zu diesen Bronzegegenständen zählten die Griffzungenschwerter. Im Gegensatz zu den früheren, aus Kupfer bestehenden Schneide- und Stichschwertern handelte es sich bei ihnen um Schlagschwerter. Mit einem einzigen Hieb konnte man mit einem Griffzungenschwert seinem Gegner den Kopf, einen Arm oder einen anderen Körperteil abschlagen. Jaja, damals war man nicht eben zimperlich! Die Hörnerhelme und Rundschilde der Sherden erweckten den Eindruck als handele es sich bei ihnen um bronzezeitliche Wikinger. Ferner führten sie Violinbogenfibeln (eine Art Nadel) und Lanzen mit sich. Außerdem führten sie eine neue Form von Häusern, den Langhäusern ein.

Besonderes Interesse rief die Form ihrer Schiffe hervor. Während die Ägypter Ruderbarken besaßen, kämpften die Nordmeervölker auf Segelschiffen mit einem Steven am Bug, um feindliche Schiffe zu versenken. Diese Schiffsform war vorher im gesamten Mittelmeerraum unbekannt.

Wenn wir nach der Herkunft der Nordmeervölker fragen, so müssen wir sie dort suchen, wo zuerst die genannten Griffzungenschwerter, Hörnerhelme, Rundschilde, Violinbogenfibeln und speziellen Formen der Schiffe erschienen.

Spanuth schrieb, in Berufung auf die führenden Archäologen Ernst Sprockhoff, Gustav Schwantes und Oskar Montelius, die Bronzegegenstände, Langhäuser und Schiffsformen seien bereits vor 1200 v. Chr. im „nordischen Raum\“, das heißt, dem bronzezeitlichen Germanien bekannt gewesen. Sprockhoff hatte 1931 eine detaillierte Untersuchung der „gemeingermanischen Griffzungenschwerter\“ durchgeführt und gefunden, dass sie um und vor 1200 v. Chr. nur im nordischen Raum verbreitet waren. Der nordische Raum umfasste damals den Süden Norwegens und Schwedens, sowie Dänemark und die dänischen Inseln, Schleswig-Holstein und einen Teil Niedersachsens und Mecklenburgs.

Spanuth fand nun, dass dieser Raum sich nahezu 550 Kilometer in nordsüdlicher und 370 Kilometer in westöstlicher Richtung erstreckte. Außerdem war er eine Ebene. Damit war der nordische Raum um 1200 v. Chr. ebenso groß wie die Ebene von Atlantis. Wie die Ebene von Atlantis lagen auch im Norden dieser Ebene Berge, die Berge Norwegens.

Spanuth suchte weiter. Atlantis habe eine Steilküste besessen. Vor der Hauptstadt von Atlantis habe ein hoher Felsen gelegen, er habe aus rotem, weißen und schwarzem Gestein bestanden. An dem Hügel, auf dem die Hauptstadt von Atlantis errichtet wurde, sei der Oreichalcos aus dem Boden gegraben worden. Der Boden der Ebene von Atlantis sei sehr fruchtbar gewesen. Dort, wo einst Atlantis lag, wäre heute ein undurchdringliches, unbefahrbares Schlammmeer.

Spanuth lokalisierte Atlantis anhand dieser geographischen Beschreibung Platons. In der Tat war die Küste Nordfrieslands in der Bronzezeit eine Steilküste. Noch heute sind Überreste vorhanden. Die Steilküste der Insel Sylt ist bis zu 54 Meter hoch. Der hohe Felsen ist die heutige Insel Helgoland. Der rote Felsen steht heute noch und enthält Kupfer. Der weiße Felsen bestand aus Gips, Kreide und Muschelkalk. Der schwarze Felsen befindet sich heute unterhalb des Meeresspiegels, besteht aus Sandstein mit hohen Anteilen aus kohlesaurem Kupfer.

Der Oreichalcos habe laut Platon einen feurigen Glanz besessen und sei nächst dem Golde am höchsten geschätzt worden. In der Bronzezeit wurde der Bernstein nach dem Golde am höchsten geschätzt. Auch schimmert er gelblich bis rötlich, hat also einen feurigen Glanz. Der Oreichalcos musste Bernstein sein, so Spanuth. Auf Helgoland oder an seiner Küste findet man ihn nicht, wohl aber wird er mit der Strömung an die Küste Eiderstedts geschwemmt. Spanuth schloss daraus, die Hauptstadt von Atlantis habe zwischen Helgoland und Eiderstedt gelegen. Tatsächlich schrieb Platon, die Hauptstadt von Atlantis habe 50 Stadien von der Steilküste entfernt gelegen. Tatsächlich befindet sich noch heute etwa zehn Kilometer östlich von Helgoland ein flacher Hügel, der „Steingrund\“ genannt wird. Spanuth interpretierte ihn als den allseits flachen Hügel, auf dem die Hauptstadt von Atlantis errichtet worden war.

Wo lag nun die fruchtbare Ebene? Das heutige Marschenland in Ostfriesland ist sehr fruchtbar. Durch vergangene Sturmfluten, insbesondere jener um 112 v. Chr. und den beiden im Hochmittelalter ist jedoch viel von seiner Fruchtbarkeit verloren gegangen. Früher muss es also noch viel fruchtbarer als heute gewesen sein. Es wird vermutet, dass die Sturmflut um 112 v. Chr. die Auswanderung der Kimbern, Teutonen und Ambronen zur Folge hatte.

Das undurchdringbare Schlammmeer ist das Wattenmeer. Bei Ebbe kann es kein Schiff befahren und auch bei Flut ist es sowohl wegen der geringen Wassertiefe als auch wegen der Gezeitenströmungen unbefahrbar. Spanuth fand außerdem, dass das Wattenmeer um 1200 v. Chr. simultan mit den Strandwällen in Nordfriesland entstanden ist.

Sollte die Hauptstadt von Atlantis tatsächlich auf dem Steingrund östlich von Helgoland gelegen haben, so müssten noch heute Überrest der Stadt zu entdecken sein. Der Steingrund ist heute eine Untiefe von acht oder neun Metern.

Spanuth unternahm seit 1952 mehrere Tauchexpeditionen, um seine Theorie zu beweisen. Auf dem Steingrund fand er eine etwa 900 Meter lange, aus Fliesen bestehende Mauer, mehrere durchlöcherte Steine, die er als Ankersteine interpretierte, und einen Elefantenstoßzahn. Damit schien er die Hauptstadt von Atlantis entdeckt zu haben und sogar die ehemalige Existenz von Elefanten auf Atlantis nachgewiesen zu haben.

Hier endete die erste Doppelstunde meines Vortrages. Die Frage, ob er abgeschlossen war, musste ich verneinen. Ich hatte noch nicht begründet, und das war schließlich der Anlass für das Referat!, weshalb Atlantis mit Asgard identisch war. Auch wollte ich noch zeigen, dass Atlantis das biblische Paradies war, wie Spanuth und lange vor ihm Ignatius Donelly behaupteten. Es wurde vereinbart, dass ich in der nächsten Woche den Vortrag fortsetzen dürfte. Dies ist auch geschehen.

Bevor ich mit dem zweiten Teil des Vortrages anfangen durfte, sollten meine Mitschüler selbst einmal zusammenfassen, was sie von meinem Vortrag verstanden und behalten hätten. Ich sollte ein blaues Wunder erleben!

Die meisten meiner Mitschüler fanden meinen Vortrag interessant und hatten zugehört. Vieles blieb leider missverständlich und entging der Aufmerksamkeit. So meinten einige, ich hätte mich für die Lokalisierung von Atlantis „im gadeirischen Land\“ in Südspanien ausgesprochen. Die Begründung für die Abstammung der Nordmeervölker aus Germanien blieb völlig im Dunkeln. Es gab aber auch kritische Fragen. Was waren die Griffzungenschwerter? Weshalb hießen sie so? Warum glaubte ich, Platons Atlantisbericht sei wahr? Ich hatte zur Begründung doch nur angeführt, dass er mehrmals behauptete, die Geschichte sei wahr. Das allein reiche aber für eine Begründung nicht aus. Ich war doch sonst nicht so naiv! Und überhaupt: es gibt doch noch andere Atlantis-Theorien. Warum bin ich auf sie nicht eingegangen?

Schön, ich fasste den Vortrag der vergangenen Woche noch einmal kurz zusammen. Auf die anderen Theorien musste ich auch noch eingehen und sie widerlegen.

Der griechische Philosoph Platon berichtete über Atlantis und seinen Krieg gegen den östlichen Mittelmeerraum. Dabei beschrieb er auch die Athener Akropolis.

Die Beschreibung der Athener Akropolis deckt sich mit jener um 1200 v. Chr. Platon nannte die Wohnungen der Krieger im Norden der Akropolis, nannte die um 1200 v. Chr. durch ein Erdbeben zerstörten Quelle und erwähnte den Schriftverlust um 1200 v. Chr.

Die Atlanter waren mit den Nordmeervölkern identisch. Sowohl die Atlanter als auch die Nordmeervölker kamen von Inseln. Ihre Hauptstadt ist versunken. Beide bestanden aus zehn Völkern. Beide führten einen Kriegszug gegen den östlichen Mittelmeerraum und besiegten diese Länder fast vollständig. Beide waren mit den Libyern verbündet. Beide besaßen eine große Schiffsflotte und hunderttausende von Kriegern. Dennoch verloren beide den Krieg.

Die Nordmeervölker kamen aus dem nordischen Raum, das ist das bronzezeitliche Germanien. Spanuth begründete das damit, dass die Nordmeervölker eine Reihe von Gegenständen in den östlichen Mittelmeerraum einführten, die zuvor nur im nordischen Raum bekannt waren. Zu diesen Gegenständen zählten die Griffzungenschwerter, die von den Archäologen so genannt wurden, weil ihr Griff der gespaltenen Zunge einer Schlange ähnelt, die Hörnerhelme, die Rundschilde, die Violinbogenfibeln, eine bestimmte Form der Lanzen, die Langhäuser und die neue Schiffsform.

Das Schlammmeer war das Wattenmeer. Der Felsen aus rotem, weißem und schwarzem Gestein war Helgoland. Der Hügel auf dem die Hauptstadt erbaut wurde, war der Steingrund. Das fruchtbare Ackerland war das Marschenland Ostfrieslands. Der Oreichalcos war Bernstein.

Spanuth bewies seine Theorie durch die Entdeckung einer aus Fliesenplatten bestehenden Mauer, Ankersteinen und eines Elefantenstoßzahnes auf dem Steingrund.

Jetzt kam ich auf den eigentlichen Anlass für das Referat zu sprechen. Es kam zustande, indem ich im Unterricht behauptete, Asgard sei mit Atlantis identisch.

Spanuth schrieb, Asgard sei eine Burg gewesen, die von einem durch die Midgardschlange personifizierten Wasserring umgeben gewesen sei. Nahe Asgards habe es einen „Glasturm\“ gegeben. Und „Glas\“ war die alte Bezeichnung für Bernstein. Während der Götterdämmerung Ragnarök habe sich die Midgardschlange auf einer Ebene, dem Wigridfeld, gewälzt und Asgard sei dabei im Meer versunken. In dieser Zeit sei auch der Gott Surtr aus der Hitze des Südens gekommen. Am Ende der Götterdämmerung sei der Fimbulwinter ausgebrochen.

Diese germanische Überlieferung aus der Edda, vor allem aus dem Völuspa, interpretierte Spanuth als die Vorgänge am Ende der Bronzezeit als Atlantis versank. Auch die Königsinsel inmitten der Hauptstadt von Atlantis war eine Burg. Auf der Königsinsel stand der Tempel des Poseidon und der Kleito, in dem sich die Gesetzessäule aus Oreichalcos, also Bernstein, befand. Die Insel war allerdings nicht nur von einem, sondern von drei Wasserringen umgeben.

Das Wälzen des als Midgardschlange personifizierten Meeres musste den Untergang von Atlantis beschreiben. Das Wigridfeld war offenbar die Ebene von Atlantis. Auch die Hitze des Südens (Surtr) wurde am Ende der Bronzezeit beschrieben. Pharao Ramses III schrieb, Libyen sei verbrannt und zur Wüste geworden. Sekhmet habe die Erde verbrannt. Die Heimat der Feinde Ägyptens, also der Nordmeervölker, sei nicht mehr, sie sei zu Asche geworden. Auch die Länder des östlichen Mittelmeerraumes seien zu Asche verbrannt worden.

Wer oder was war Sekhmet? In der ägyptischen Mythologie war er ein Himmelsungeheuer, das die Erde verbrannt habe. Er sei zurzeit Ramses III um 1200 v. Chr. erschienen. Spanuth meinte, er sei mit dem Phaethon der griechischen Mythologie identisch. Platon schrieb, die Phaethonsage ginge auf astronomische Ursachen, die plötzliche Veränderung der Sternbahnen zurück. Wie bereits Otto Muck deutete Spanuth den Phaethon als einen Kometen, der auf die Erde gestürzt sei und dabei den Untergang von Atlantis ausgelöst habe. Spanuth ging sogar so weit, Phaethon als den Kometen Halley zu interpretieren, der auseinander gebrochen sei, wobei ein Teil auf die Erde gestürzt sei und der wohl größere Teil sich noch heute um die Sonne bewege.

Ich spekulierte, dass sich die Hitze von Surtr auf den Ausbruch des Vulkans Thera-Santorin beziehen könnte. Wie Surtr wurde auch Thera-Santorin in der Mythologie als Riese beschrieben, dem Riesen Talos.

Richtig in Fahrt gekommen, ging ich über Spanuth hinaus und griff die Idee von Ignatius Donelly wieder auf, der behauptete, Atlantis sei auch das biblische Paradies gewesen.

Ich glaubte, zehn Argumente zu besitzen, dass die Königsinsel von Atlantis und der Garten Eden identisch waren.

Laut der Genesis war Adam der erste Mensch. Gemäß Platons Atlantisbericht war Atlas der erste Atlanter. Seine Eltern Euenor und Leukippe gehörten zu den ersten der Erde entsprossenen Menschen.

Laut der Lamech-Rolle, einer der Schriftrollen vom Toten Meer, die bei Qumran im heutigen Jordanien gefunden wurden, unterrichtete Adam die Menschen in Astronomie. Gemäß Plinius und Diodorus Siculus sei Atlas der Astronomie kundig gewesen.

Laut der Genesis wurde der erste Mensch zusammen mit seiner Frau von Gott erschaffen. Es handelt sich hierbei um einen zweiten Schöpfungsbericht der Genesis, der von der Adam und Eva Geschichte abweicht. Auch Atlas war göttlichen Ursprungs. Laut Platon wurde er von Poseidon und Kleito gezeugt.

Wegen Ungehorsams, er hatte vom Baum der Erkenntnis gegessen, wurde Adam aus dem Paradies verbannt. Gemäß der griechischen Mythologie wurde Atlas zur Strafe in die untere Welt verbannt, weil er für die Titanen kämpfte.

Nach der Vertreibung aus dem Paradies kam Adam in unfruchtbares Land. Hinter der Königsinsel von Atlantis lag eine fruchtbare Ebene, das Marschenland, das nach dem teilweisen Versinken deutlich an Fruchtbarkeit verlor. Gemäß Platon habe sich das Land sogar in ein Schlammmeer verwandelt.

Adam sündigte wegen einer offenbar köstlichen Frucht. Nahe der Königsinsel von Atlantis, auf einem der Erdringe, lag ein Garten mit köstlichen Früchten.

Vor der Vertreibung aus dem Paradies waren Adam und Eva nackt, also herrschte dort ein warmes Klima. Auf Atlantis herrschte ein günstiges Klima, die Ebene war gegen den Nordwind geschützt und auf seinen Feldern konnte zweimal jährlich geerntet werden. Weiterhin gab es dort zahlreiche Ölbäume.

Wie ich in einem Buch von Isaac Asimov („Genesis – Schöpfungsbericht und Urzeit im Widerstreit von Wissenschaft und Offenbarung\“) las, war der Garten Eden von einem Strom umgeben. Da es nirgends einen Fluss gibt, der eine ganze Ebene umspannt, konnte es nur ein Kanal sein. Auch die Ebene von Atlantis war von einem Kanal umgeben. Er war ein Stadion breit, drei Plethren tief und 10000 Stadien lang.

In der Mitte des Paradieses befand sich der Baum der Erkenntnis. In der Mitte von Asgard befand sich die immergrüne Weltenesche Yggdrasil. Die germanische Säule Irminsul, an der Gericht gehalten wurde, war eine Kopie von Yggdrasil. Laut Platon befand sich in der Mitte der Königsinsel von Atlantis eine Säule aus Oreichalcos, auf der die Gesetze von Atlantis standen und an der die Könige von Atlantis ihre Urteile fällten.

Der Garten Eden lag gemäß der Genesis an der Mündung von vier großen Flüssen. Laut Platon führte der 10000 Stadien lange und ein Stadion breite Kanal zu beiden Seiten der Hauptstadt von Atlantis. Von dort sei er in einem weiteren Kanal, der 50 Stadien lang und ein Stadion breit war, zum Meer hin abgeflossen. Auch Helgoland liegt nahe der Mündung von vier Flüssen, es sind die Ems, die Weser, die Elbe und die Eider.

Atlantis war nicht nur mit Asgard und dem Paradies identisch. Laut Spanuth und vielen anderen Gelehrten war es auch mit dem Land der Phäaken aus Homers Odyssee identisch.

In der Zusammenfassung der Argonautika von Apollonius im ersten Teil meines Referats wies ich bereits darauf hin, dass Jason und die Argonauten bis zur Bernsteininsel Elektris fuhren, die mit Helgoland identisch war. In ihrer Nähe hätten das Land der Hyperboreer und das Land der Phäaken gelegen.

Auf seiner in der Odyssee beschriebenen Irrfahrt war Odysseus bis zum Land der Phäaken gekommen.

Wie in der Ilias beschrieben, hatte Odysseus die Stadt Troja mit einem fiesen Trick erobert. Er ließ die griechischen Truppen vor Troja zu ihren Schiffen zurückkehren, so dass die Trojaner annahmen, dass die griechischen Belagerer aufgegeben hätten und bereits auf dem Seeweg zurück in ihre Heimat waren. Vor den Toren Trojas ließen die Griechen auf Anraten von Odysseus ein riesiges hölzernes Pferd zurück. Die Trojaner entdeckten es und brachten es als Trophäe in ihre fest ummauerte Stadt. In der Nacht feierten sie ihren vermeintlichen Sieg mit reichlich viel Wein.

In dem hölzernen Pferd befanden sich jedoch griechische Krieger. Sobald die Trojaner vom vielen Feiern und Trinken eingeschlafen waren, kletterten die Griechen aus dem Pferd und metzelten die wehrlosen, weil übermüdeten und betrunkenen, Trojaner nieder. Troja war erobert, geplündert und zerstört worden.

Furchtbar war die Rache des Stadtgottes von Troja. Poseidon verübelte es dem Odysseus sehr, dass er die ihm geweihte Stadt zerstört hatte. So ließ er den Odysseus nicht nach Hause zurückkehren, sondern entfesselte einen Sturm, bei dem Odysseus von seinem Kurs abkam und ziellos umherirrte.

Zunächst gelangte Odysseus zu einer Meerenge. In einem Felsen hauste ein Ungeheuer namens Scylla. Im Wasser befand sich ein Strudel namens Charybdis. Odysseus musste die Meerenge mit seinem Schiff und seinen Mannen passieren. Die Scylla ergriff ein paar der Matrosen und tötete sie. Nach einigen weiteren Abenteuern und dem Verlust seiner gesamten Mannschaft gelang Odysseus zur Insel Ogygia. Sie war von Menschen unbewohnt. Auf ihr lebte nur die Nymphe Calypso.

Wie es sich für eine Abenteuer-Geschichte gehört, darf eine Lovestory nicht fehlen. Calypso verliebte sich in Odysseus und ließ ihn sieben Jahre bei sich. Der Gott der Götter, Zeus, beschloss jedoch, dass Odysseus weiterreisen müsse. Er befahl der Calypso, Odysseus gehen zu lassen. Poseidon jedoch zürnte noch immer und war nicht bereit, den Odysseus in seine Heimat Ithaka zu seiner treu auf ihn wartenden Frau Penelope zurückkehren zu lassen. So sandte die Calypso den Odysseus in das Land der Phäaken.

Hierzu baute sich Odysseus ein Floß und fuhr 17 Tage lang, ohne zu schlafen oder an Land zu gehen, in nordöstlicher Richtung in das Land der Phäaken.

Die Landung gestaltete sich als äußerst schwierig. Kaum war Odysseus in Küstennähe bei einer Flussmündung angekommen und in diese hineingefahren, da drehte der Fluss seine Richtung um und spülte den Odysseus wieder ins Meer hinaus. Erst nach vielen Stunden gelang es dem nunmehr völlig erschöpften Odysseus das Land zu erreichen.

Gefunden wurde der Gestrandete von Nausikaa, der Tochter des Königs der Phäaken, Alkinoos. Sie brachte ihn zur Stadt und machte ihn mit der gesamten Königsfamilie bekannt. Dort erhielt Odysseus Gelegenheit, seine gesamte Geschichte zu erzählen, wie er Troja erobert hat, wie er auf der Rückfahrt vom Sturm verschlagen wurde und nach vielen Irrwegen nach Scheria, das Land der Phäaken, gelangte.

Schließlich wurde Odysseus auf einem Schiff der Phäaken ins heimatliche Ithaka gebracht, wo er nach zwanzig Jahren Abwesenheit von seiner Frau Penelope und seinem nunmehr erwachsenen Sohn Telemachos freudig empfangen wurde.

Spanuth interpretierte die Meerenge zwischen Scylla und Charybdis als die Meerenge von Gibraltar. Die Insel der Calypso, Ogygia, musste außerhalb des Mittelmeeres im Atlantik liegen. Sie schien mit den Azoren identisch zu sein, die am Ende der Bronzezeit noch unbesiedelt waren. Die Hauptstadt der Phäaken musste die Hauptstadt von Atlantis sein. Der Fluss, der seine Richtung umkehrte und den Odysseus wieder ins Meer zurück spülte, musste ein Gezeitenstrom sein. Es könnte sich um die Elbe oder die Eider gehandelt haben.

Soviel zur Theorie von Jürgen Spanuth. Jetzt musste ich auf die Forderung meiner Mitschüler eingehen und die konkurrierenden Atlantis-Theorien diskutieren. Von diskutieren konnte keine Rede sein. Ich war von Spanuths Theorie so überzeugt, dass es bezüglich der anderen Theorien nur ein widerlegen und verwerfen geben konnte.

Nach der bekanntesten Theorie war Atlantis eine Insel von fast kontinentaler Größe im Atlantik. Überreste seien die Azoren. Diese Theorie wurde vor allem von Ignatius Donelly 1882 und Otto Muck 1954 vertreten. Der Marquis de Folin vermutete 1892, die Basken seien Überlebende der atlantischen Atlanter. Pierre Termier vermeinte 1913 Beweise entdeckt zu haben, dass tatsächlich Land in der Nähe der Azoren in die Tiefsee versunken sei. Sein Beweis war eine Art Lava, das Tachylith, das bei Bohrungen in der Tiefsee gefunden wurde und seiner Meinung nach nur über der Erdoberfläche erstarren und sich bilden konnte. Seine Ansicht wurde 1917 von Charles Schuchert und Rudolph Schuller widerlegt. Tachylith kann sich auch unter dem Meeresspiegel bilden. Die Basken sind keine Überlebenden eines versunkenen atlantischen Kontinents, sondern ein alteuropäisches Volk, also die Ureinwohner Europas. Die Basken sind eines der wenigen alten Völker, die sich nicht von den Indogermanen verdrängen ließen. Endgültig wurde die Atlantik-Theorie von Atlantis durch die Kontinentaldrift-Theorie von Alfred Wegener widerlegt. Nordamerika und Europa lagen im Mesozoikum zur Zeit der Dinosaurier vor über 100 Millionen Jahren beieinander. Erst danach haben sich die beiden Kontinente getrennt. Das gleiche gilt für Südamerika und Afrika.

Nach einer anderen Theorie, die von Charles Berlitz seit 1972 und David Zink seit 1979 vertreten wird, lag die Hauptstadt von Atlantis bei der Insel Bimini in der Karibik. Gestützt werde diese Theorie durch die Lesungen des Hellsehers Edgar Cayce, der sogar ein Wiederauftauchen von Teilen von Atlantis für das Jahr 1968 bzw. 1969 vorhergesagt habe. Tatsächlich wurde eine Mauer aus Sandstein vor der Küste von Bimini entdeckt. Entdecker war der Pilot Manson Valentine 1968. Damit schien alles klar, Cayce und Platon schienen bestätigt, Atlantis entdeckt zu sein. Irrtum! Die „Mauer\“ erwies sich als durch Ablagerungen in den letzten 2000 Jahren entstandene geologische Struktur. Sie wurde nicht von Menschenhand erschaffen. Andere angebliche Überreste von Atlantis wurden bei Bimini nicht entdeckt.

Henri Lhote sprach sich 1958 dafür aus, dass Atlantis in der Tanezrouft in der Sahara lag. Die dortigen Felsbilder stammten seiner Ansicht nach aus der Zeit von 8000 v. Chr. bis 1200 v. Chr. Weitere Felsbilder stammten aus der Zeitenwende. Lhote argumentierte in seinem Buch „Die Felsbilder der Sahara\“, Platons Zeitangabe „8000 Jahre vor Solon\“ decke sich mit dem Alter der ersten Felsbilder um 8000 v. Chr. Hierbei beging Lhote mehrere Fehler. Zunächst bezog sich Platons Angabe „8000 Jahre vor Solon\“ auf das Alter des saitischen Staates, während Atlantis 9000 Jahre vor dem Dialog versunken sein soll. Außerdem sind sich die Felsbildforscher heute einig, dass Lhote die Entstehung der ersten Felsbilder der Tanezrouft zu früh ansetzte, man nimmt heute 6000 v. Chr. an. Weiterhin liegt die Tanezrouft auch heute noch in der Sahara, sie ist also nicht „während eines schlimmen Tages und einer schlimmen Nacht\“ im Meer versunken. Auch gibt es dort kein Schlammmeer.

Die meisten Anhänger fand die Theorie, dass die Atlanter mit den Trägern der minoischen Kultur identisch waren. Die Insel Atlantis sei entweder Kreta oder Thera-Santorin gewesen.
Diese Theorie wurde 1909 vom Archäologen K. T. Frost aufgestellt und 1915 vom Altphilologen Walter Leaf, 1917 vom Geographen E. S. Balch, 1950 vom Archäologen Spyridon Marinatos, 1951 vom Altphilologen Wilhelm Brandenstein, seit 1960 vom Geologen Angelos Galanopoulos und seit 1969 vom Altphilologen John Victor Luce vertreten. Die Hauptstadt von Atlantis sei entweder Knossos auf Kreta oder eine unbekannte Stadt auf Thera-Santorin gewesen. Die fruchtbare Ebene sei entweder die Ebene von Messara an der Südküste Kretas oder eine beim Ausbruch des Vulkans zerstörte Ebene auf der Insel Thera-Santorin. Jedoch ist Knossos nicht von Erd- und Wasserringen umgeben. Die Ebene von Messara ist nicht versunken. Es gibt weder bei Kreta noch bei Thera-Santorin ein Schlammmeer, das noch zu Solons Zeiten existierte. Auch haben die Minoer keinen Angriffskrieg gegen Athen oder gar den gesamten östlichen Mittelmeerraum geführt. Wäre Atlantis tatsächlich durch einen Vulkanausbruch zerstört worden, so hätte Platon dies sicherlich erwähnt.

Die Archäologen Paul Borchardt und Alfred Herrmann schlugen 1927 vor, Atlantis habe in Tunesien am Schott el Dscherid gelegen. Von diesem haben wir schon im Zusammenhang mit der Argonautika gehört. An ihm hätten die Gärten der Hesperiden gelegen, die die goldenen Äpfel bewachten. Borchardt und Herrmann stützten ihre Theorie weniger auf Platon als vielmehr auf die griechischen Geschichtsschreiber Herodot und Diodorus Siculus. Beide erwähnten einen Libyer-Stamm namens Atlantoi, der laut Herodot an der Küste des Triton-Sees und laut Diodor auf einer Insel im Triton-See lebte. Sowohl Herodot als auch Diodor schrieben jedoch von einem zu ihren Zeit noch existierenden Libyer-Stamm. Von einer Hochkultur, wie sie Platon überlieferte, sprachen sie nicht. Auch ist das Land der Atlantoi nicht versunken. Im Gegenteil: der Triton-See soll ausgetrocknet sein, weil er sich ins Meer ergoss.

Der Archäologe Adolf Schulten stellte 1922 die Theorie auf, Atlantis wäre mit der alten Handelsstadt Tartessos in Südspanien identisch. Dieser Theorie schlossen sich 1925 die Geographen Otto Jessen und Richard Hennig an. Laut Schulten war Tartessos eine etruskische Siedlung, die um oder vor 1100 v. Chr. gegründet wurde. Mehrere griechische Geschichtsschreiber, insbesondere Strabo, haben sie öfter erwähnt. Wie Atlantis war sie eine reiche Handelsstadt. Insbesondere trieb sie Handel mit Kupfer und Silber, aber auch anderen Metallen. Laut Herodot habe sie auf einer Insel zwischen den beiden Mündungen des Flusses Baetis gelegen, den andere Geschichtsschreiber wie auch die Stadt mit Tartessos bezeichneten. Schulten identifizierte diesen Fluss mit dem Guadalquivir, der durch Andalusien fließt. Im Hinterland lag eine fruchtbare Ebene, die von der Flussmündung bis nach Sevilla reichte. Die gesamte Ebene sei von einem System von Kanälen durchzogen gewesen. Wie auch die Atlanter hätten die Tartessier die Schrift gekannt. Schulten hat sogar einen Ring mit einer bisher unentzifferten Inschrift gefunden, die er für tartessisch hält. Schließlich lag Tartessos vor Gibraltar, also vor den Säulen des Herakles, wie Platon von Atlantis behauptet hat. Jedoch bemerkte Spanuth, dass Tartessos unmöglich mit Atlantis identisch sein konnte. Laut Schulten ist Tartessos nicht im Meer versunken, sondern wurde aus Handelsneid von den Karthagern zerstört. Diese Zerstörung habe laut Schulten kurz vor 500 v. Chr., nach anderen Autoren um 550 v. Chr., stattgefunden. Solons Ägyptenreise fand aber von 570 bis 560 v. Chr. statt. Damals konnten ihm die ägyptischen Priester noch gar nicht von der erst noch bevorstehenden Zerstörung von Tartessos berichten. Auch hat Tartessos keinen Krieg gegen den östlichen Mittelmeerraum geführt.

Mit diesen Worten beendete ich mein Referat. Meine Mitschüler applaudierten. Sie waren aber auch ziemlich geschlaucht. Das war nun schon die zweite Doppelstunde, in der ich den Vortrag hielt. Noch mehr Information aufzunehmen war beim besten Willen nicht drin.

Später entschloss ich mich, den Vortrag in schriftlicher Form zu publizieren. Aber wo?

Im Herbst 1984 versteckte ich mich in der Bücherei hinter einem Regal und erspähte dabei die Bücher von Erich von Däniken und Charles Berlitz. Einige der Bücher von Erich von Däniken habe ich in den darauf folgenden Monaten gelesen: „Beweise\“, „Aussaat und Kosmos\“ und „Meine Welt in Bildern\“. Mit einigen seiner Thesen war ich jedoch gar nicht einverstanden.

Im Januar 1985 schrieb ich ihm einen längeren Brief, in dem ich ihm meine damaligen (und inzwischen über den Haufen geworfenen) kosmologischen „Theorien\“ vortrug. Ausserdem ging ich auf seine Behauptung ein, Darwin habe sich geirrt und der Mensch sei von Außerirdischen durch eine künstliche Mutation erschaffen worden. Dies war mein erster Brief, den ich außerhalb meines Bekannten- und Verwandtenkreises verschickte.

Zu meiner größten Freude antwortete Erich von Däniken am 27. Februar. Er schrieb mir, mathematisch sei er eine ziemliche Flasche, daher könne er meinen Theorien nicht folgen. Er könne sich aber vorstellen, dass eine physikalische Laufbahn das Richtige für mich wäre. Zu Darwin bemerkte er, er sei der Ansicht, dass Darwin im Großen und Ganzen Recht habe, doch könnten Mutation, Selektion und natürliche Auslese allein nicht alle Fragen beantworten. Das außerirdische Element müsse hinzutreten. Er stände mit seiner Ansicht nicht allein da, immer mehr Forscher schlössen sich dieser Ansicht an. Zum Beweis legte er einen Artikel des Astronomen Fred Hoyle bei, der kurz zuvor in der Zeitschrift „Omni\“ erschienen war.

Däniken sandte mir außerdem zwei Exemplare des Magazins „Ancient Skies\“ zu, dessen deutschsprachige Version er herausgab. Ich entschied mich 1987, mein Referat in schriftlicher Form in diesem Magazin zu veröffentlichen. Am 28. September 1987 schrieb mir Erich von Däniken, er finde die Vergleiche, die ich in meinem Artikel anstelle, gut und er wolle sie mit einigen kleinen Abänderungen in einer der nächsten Ausgaben veröffentlichen. Ich musste allerdings noch einige Zeit warten. Erst im Januar 1989 erschien mein Artikel unter dem Titel „Plädoyer für Atlantis\“ im Band 13, Heft 1, Seiten 3 bis 8 in „Ancient Skies\“. Ich hatte mein erste Veröffentlichung! Etwas schade fand ich nur, dass sich die „kleinen Abänderungen\“ auf meinen Stil bezogen. Ich hatte den Artikel in sachlich-nüchternem Ton geschrieben. Däniken meinte, wie er mir später mündlich mitteilte, er habe Rücksicht auf seine Leser mit esoterischem Hintergrund nehmen müssen und dabei Begriffe wie „Zauberinsel Atlantis\“ eingestreut. Nun ja, einen gewissen Zauber wirkt Atlantis bestimmt aus, aber mit Magie hat es mit Sicherheit nichts zu tun.

3. Kritik an der Theorie Jürgen Spanuths

Nichts konnte meinen Glauben an die Theorie Jürgen Spanuths mehr erschüttern. Er hatte jede seiner Thesen mit zahlreichen Argumenten belegt und Atlantis gefunden. Die Mauer aus Fliesenplatten, die Ankersteine und der Elefantenstoßzahn auf dem Steingrund bewiesen seine Atlantis-Theorie.

Ich sollte eines besseren belehrt werden. Für den August 1988 plante meine Schule eine Projektwoche. Einige Schüler durften eine Woche lang ein Projekt leiten. Das heißt, sie standen eine Woche lang vor ihren Mitschülern und unterrichteten. Das Thema war freigestellt. Einziger Haken: das Projekt musste von mindestens einem Lehrer beaufsichtigt werden, der vorher auch sein Einverständnis für das gewählte Thema geben musste.

Ich war Schüler der dreizehnten Klasse. In den früheren Jahren hatte ich während der Projektwochen nur bei den Projekten mitgearbeitet. Diesmal wollte ich selbst ein Projekt leiten. Als Thema wählte ich „Verschiedene Rätsel aus der Forschung\“. Ich hatte vor, über alle Themen vorzutragen, die mich interessierten. Das waren die Entstehung der Universums aus dem Urknall, die Entstehung der Sterne und Galaxien, die Entstehung des Lebens auf der Erde, Dinosaurier, Urmenschen, Atlantis, die Thesen Däniken, Ufos und schließlich noch das Bermuda-Dreieck.

Ich sollte das Projekt leiten dürfen. Zwei Biologie-Lehrer erklärten sich einverstanden, mein Projekt zu beaufsichtigen. Etwa zwanzig Schüler entschieden sich, an meiner Veranstaltung teilzunehmen.

Am ersten Tag legte ich dann los und hielt einen Vortrag über die Entstehung des Universums. Nach einer Doppelstunde ununterbrochenen Redens meinerseits unterbrachen die beiden Lehrer. Es sei Zeit für eine Pause. Ich erklärte mich einverstanden, wenn ich selbst auch keine Pause benötigte, ich hatte mich gerade erst „warm geredet\“, natürlich ohne Notizen.

Die Lehrer baten mich für eine Unterredung zu sich. Sie fragten, wie viele Stunden am Tag ich vorhatte, den Kurs zu halten. Ich dachte an sechs Schulstunden täglich. Das sei entschieden zu viel, meinten sie. Vielleicht nicht für mich, aber für die anderen. Der eigentliche Grund für die Pause, erfuhr ich jetzt, war ein anderer. Es mochte für mich zwar eine Herausforderung sein, eine Woche lang Vorträge zu halten, meine Mitschüler würden aber kaum davon profitieren. Niemand könne aufmerksam mehrere Stunden lang Vorträge anhören, und das eine ganze Woche lang. Außerdem sei eine Projektwoche dazu gedacht, dass alle Schüler etwas unternähmen und nicht nur der Projektleiter.

Ich musste also meinen Stil ändern. Die beiden Biologie-Lehrer schlugen vor, ich solle etwa zehn Themen vorschlagen, das könnten ruhig die von mir ursprünglich geplanten sein, und die Schüler könnten dann aussuchen, an welchem Thema sie arbeiten wollten. Es müssten sich dann aber Gruppen von mindestens drei Schülern für jedes Thema finden.

Das Ende der Pause wurde verkündet und die Schüler wieder hereingerufen. Ich gab die Änderung des Verlaufs bekannt und schrieb etwa zehn Themen an die Tafel. Vier Gruppen zu jeweils etwa fünf Schülern sollten zustande kommen. Diese Themen waren Atlantis, Dinosaurier, Ufos und das Bermuda-Dreieck.

Am Ende des ersten Schultages trat einer dieser Schüler an mich heran. Es war Lars Wickboldt, der damals in die achte Klasse ging. Er hatte sich der Dinosaurier-Gruppe angeschlossen. Sein Vater, sagte er, interessiere sich sehr für das Thema Atlantis. Ob er wohl an einem Tag vorbeikommen und am Projekt teilnehmen dürfe. Wenn ich es erlaubte, würde er seinen Vater fragen. Er würde sicherlich kommen, sofern er Zeit habe. Nicht übermäßig interessiert willigte ich ein. Welcher Vater hat schon an einem Wochentag vormittags Zeit?! Ich glaubte nicht, dass er kommen würde.

Der nächste Schultag begann für mich nicht so, wie ich geplant hatte. Punkt acht Uhr wurde der Klassenraum aufgeschlossen und ich konnte mit dem Kurs beginnen. Schüler und die beiden Lehrer waren anwesend. Eins aber fehlte: Kreide. Ich äffte meine Englisch-Lehrerin nach, die in einer solchen Situation stets eine Hand in ihre Taille stemmte und sagte, „There’s no chalk in this class!!!\“ (Es ist keine Kreide in dieser Klasse.) Dadurch allein füllte sich der Klassenraum auch nicht gerade mit Kreide.

Ich rannte aus dem Klassenraum und versuchte, Kreide von unserem Hausmeister zu ergattern. Auf dem Weg zu ihm rannte ich die breite Treppe hinunter. Auf ihr stand ein scheinbar etwas unschlüssiger Mann. Sollte er nun noch weiter die Treppe hinaufgehen oder nicht. Ich hätte ihn in meinem Eifer, Kreide aufzutreiben, fast über den Haufen gerannt. Der Hausmeister war nicht zu erreichen, aus einem anderen Klassenraum erhielt ich aber wenigstens ein kleines Stückchen Kreide. Der andere Kurs brauche schließlich auch Kreide, wurde mir gesagt, als ich etwas unglücklich um mehr Kreide bat. Ich ging die Treppe wieder hoch. Diesmal nicht mehr „fliegenden Schrittes\“. Der Mann stand immer noch an derselben Stelle. Er sprach mich an und sagte, er suche einen bestimmten Klassenraum. Er sagte die Raumnummer und fragte, ob ich ihn hinführen könne. Ja, das könne ich und begleitete ihn. Es brauchte schon einige Sekunden, bis ich bemerkte, dass besagter Klassenraum jener war, in dem ich das Projekt leitete. Ich sagte es ihm und er stellte sich mir vor. Er sei der Vater eines meiner Schüler und möchte gern für einen Tag an meinem Kurs teilnehmen, ob das ginge. Selbstverständlich ging das. So setzte sich Werner Wickboldt zu der Atlantis-Gruppe, während ich mich weiter um die anderen drei Gruppen kümmerte.

An diesem Tag kam ich auch mit Herrn Wickboldt ins Gespräch. Ich fragte ihn, welcher Ansicht er über Atlantis sei. Er sagte, er vertrete weitgehend die Ansicht von Jürgen Spanuth. Naja, was für ein Wunder, dachte ich, dass ist ja auch die einzige sinnvolle Atlantis-Theorie. Ich erzählte ihm, dass ein Artikel von mir bei „Ancient Skies\“ zur Veröffentlichung angenommen sei.

Er selber, berichtete er, habe schon öfter Vorträge über Atlantis in Braunschweig und Wolfenbüttel gehalten. Er habe zu diesen Vorträgen ein erweitertes Manuskript erarbeitet. Wenn ich interessiert wäre, könnte er es am nächsten Tag seinem Sohn Lars mitgeben, der es mir überreichen könnte. Sicher war ich interessiert. Ob er auch am Manuskript meines Artikels interessiert wäre? Ja, sicher. So tauschten wir am nächsten Tag, einem Mittwoch, über Lars unsere Manuskripte aus.

Herr Wickboldt wie auch ich waren nach der Lektüre an einer Fortsetzung einer Unterhaltung interessiert. So vereinbarten wir, uns bei ihm zu treffen und über Atlantis zu diskutieren.

Das Treffen kam im September zustande. Um 16 Uhr kam ich per Fahrrad zu ihm vorgefahren. Es sollte die wohl eindrucksvollste Diskussion meines Lebens werden.

In schon gewohnter Manier trug ich ihm meine Ansichten über Atlantis fort. Selbstsicher, aber kürzer als sonst, trug ich ihm meine Ansichten und Erweiterungen zur Theorie Jürgen Spanuths vor.

Ja, er habe meinen Artikel gelesen, sagte er, meinte aber, dass ich Spanuths Behauptungen recht unkritisch übernommen habe. Er sagte wörtlich „unreflektiert\“, statt „unkritisch\“. Man müsse bei dieser Art von Literatur den Autoren schon genauer auf die Finger sehen. Gerade bei den Büchern Spanuths wimmele es von Halbwahrheiten. Auch stände vieles von dem, was ich für Tatsachen und einwandfrei begründete Thesen hielt „auf recht wackligen Beinen\“. „Man muss schon alle Beine eines Stuhles prüfen, bevor man sich auf ihn setzt. Wackelt nur ein Bein, dann kann es passieren, dass man mit dem ganzen Stuhl zusammenbricht.\“ Mit diesem Satz meinte er, Spanuth hätte These auf These gesetzt, sollte bereits eine der ersten unrichtig seien, so würden auch alle anderen, die darauf aufbauen, unrichtig sein. Sollte die Theorie Spanuths, also seine Lokalisierung von Atlantis bei Helgoland sich als unrichtig erweisen, so wären auch meine Gleichsetzung des Helgoland-Atlantis mit Asgard und dem Paradies unrichtig.

Das beeindruckte mich zunächst gar nicht. Ob ich denn die Kritik an der Theorie von Jürgen Spanuth kenne. Nun ja, ich wusste, dass sich John Victor Luce in seinem Buch recht polemisch über Spanuth geäußert hatte. Gerhard Gadow und auch der Felsbildforscher Hans Biedermann hatten Spanuth allerdings zugestimmt. Kenne ich denn auch die Kritik, die gleich nach Erscheinen von Spanuths erstem Buch „Das enträtselte Atlantis\“ erschienen war? Davon hatte ich schon gelesen, Spanuth hielt nichts von dieser Kritik.

Spanuth hielt nichts von dieser Kritik, das war wohl richtig. Auf meine Antwort, dass ich diese Kritik nicht selbst gelesen hatte, griff Wickboldt zum Regal. Er holte die von Richard Weyl herausgegebene Broschüre „Atlantis enträtselt? Wissenschaftler nehmen Stellung zur Atlantis-Theorie von Jürgen Spanuth\“ hervor. In dieser knapp einhundert Seiten umfassenden Broschüre kamen Platon-Forscher, Ägyptologen, Urgeschichtsforscher und auch Geologen zu Wort, vielfach waren es diejenigen Wissenschaftler, auf deren Werke sich Spanuth stützte.

In dieser Broschüre, erklärte er mir, werde Spanuths Theorie zerpflückt. Er hielt mir nun seinerseits einen Vortrag über diese Broschüre, wobei er immer wieder unterbrach, um mir die entsprechenden Textstellen zu zeigen.

Spanuth behaupte, die Atlantisgeschichte müsse wahr sein, weil Platon schrieb, Solon wäre in Ägypten gewesen und griechische Geschichtsschreiber würden diesen Ägyptenbesuch bestätigen. Mitnichten sei das ein Beweis, entgegneten Spanuths Kritiker. Plutarch, der Jahrhunderte nach Platon lebte, kannte auch die Schriften Platons und könnte gestützt auf die Aussage Platons lediglich dessen Behauptung wiederholt haben, Solon wäre in Ägypten gewesen. Proklos‘ Behauptung, Krantor aus Soloi hätte in Ägypten Schriften gesehen, die Solons Atlantisbericht bestätigten, sei zweifelhaft. Weshalb denn, so Spanuths Kritiker, wusste Proklos denn nichts zusätzliches über Atlantis und seinen Krieg gegen Ägypten zu berichten – insbesondere, wo doch Platons Dialog „Kritias\“, der den Großteil der Atlantis-Geschichte enthielt, unvollendet blieb?! Proklos‘ Angabe, der ägyptische Priester, der dem Solon über Atlantis erzähle, habe Sonchis aus Sais geheißen, könnte eine Ausschmückung sein, eine reine Erfindung von Proklos. Schlimmer noch, ein Besuch Solons in Ägypten ist aus ägyptischen Quellen nicht bekannt. Überhaupt: wie hätte der ägyptische Priester dem Griechen Solon die Geschichte erzählen sollen, die Sprachunterschiede wären nicht zu überwinden gewesen.

Der letzte Kritikpunkt war unzutreffend, so Wickboldt. Bereits damals gab es Dolmetscher. Dolmetscher gab es schon in der Bronzezeit. Aus archäologischen Funden wissen wir, dass in der Stadt Ugarit die Korrespondenzen zwischen den hethitischen und ägyptischen Königen in die jeweilige andere Sprache übersetzt worden. Außerdem muss der griechische Geschichtsschreiber Herodot in Ägypten gewesen sein, wie sonst hätte er Einzelheiten über Ägypten, nicht nur über die Pyramiden, berichten können?

Spanuths Kritiker bemerkten, dass Platons wiederholte Angabe, der Atlantisbericht sei „eine durchaus glaubwürdige Geschichte\“, „keine Erfindung\“, „sorgfältig geprüft\“ und „in allem wahr\“ keineswegs den Wahrheitsanspruch garantiere. Im Gegenteil, es gäbe deutliche Hinweise, dass Platon die Geschichte erfunden haben müsse. Solon hätte den Bericht aus Ägypten. Wer aber ist der Erzähler des Berichts in Platons Dialogen „Timaios\“ und „Kritias\“? Das ist der Tyrann Kritias der Jüngere, der 460 v. Chr. geboren und 403 v. Chr. ermordet wurde. Weise und Philosophen standen bei Platon in hohem Ansehen. Tyrannen aber standen in seiner Sympathieskala ganz unten. Gerade einen Tyrannen würde er nicht eine solch bedeutende Geschichte erzählen lassen. Platon habe seine Ironie ausdrücken wollen, indem er dem Kritias eine „unglaubwürdige aber dennoch durchaus wahre Begebenheit\“ in den Mund legte und diesen ständig die Wahrheit dieser erfundenen und erlogenen Geschichte beteuern ließ.

Zudem ließ Platon den Kritias sich immer wider in Widersprüche verwickeln. Im Dialog „Timaios\“ ließ er Kritias sagen, er berichte aus dem Gedächtnis über Atlantis und die Geschichte habe sich 9000 Jahre vor Solons Ägyptenbesuch anno 570 oder 560 v. Chr. zugetragen. Im Dialog „Kritias\“ ließ er ihn dagegen behaupten, in seiner Familie befänden sich die Schriften Solons in Besitz, aus denen er jetzt seinen Zuhörern berichtete. Die Geschichte habe sich 9000 Jahre vor diesem Dialog ereignet. Diesen fiktiven Dialog, wäre er real, müsse man um 410 v. Chr. ansetzen, als Hermokrates (verstorben 408 v. Chr.), Kritias (verstorben 403 v. Chr.) und Sokrates (verstorben 399 v. Chr.) noch lebendig waren. Da Kritias maßgeblich am Peloponessischen Krieg zwischen Athen und Sparta beteiligt war, könne ein solcher Dialog nicht früher stattgefunden haben. Zu beachten sei auch, dass Platon erst 427 v. Chr. geboren wurde. Als Kind würde er kaum zu einer Sitzung von Philosophen und Feldherren zugelassen worden sein.

Schlimmer noch, die Atlantis-Geschichte beziehe sich auf die Philosophie Platons. Er stellt sie ja selber in den Kontext mit seinem fiktiven Idealstaat der Wächter, den er in seinem Hauptwerk „Politeia\“ vorstellte. Nein, Platons Atlantisbericht stamme von Platon und sei sein Alterswerk.

Platon legte dem ägyptischen Priester auch die Worte in den Mund, bei der griechischen Phaethonsage handele es sich um einen ehemaligen astronomischen Vorgang. Die astronomische Deutung von Mythen lag den Ägyptern allerdings völlig fern. Diese Art der Deutung entwickelten erst die Griechen kurz vor der Zeit Platons. Auch im Dialog „Politicus\“ erkläre Platon mythische Geschehnisse durch astronomische Ereignisse.

Platon ließ den Priester sagen, die Griechen wüssten nur von einer Flut, der Deulalionschen, während die Ägypter von drei Fluten wüssten. Schade nur für Platon, dass wir heute wissen, dass ägyptische Mythen und Überlieferungen nichts von drei Fluten wissen!

Spanuths Kritiker ließen auch kein gutes Haar an seiner Datierung, das von Platon beschriebene Athen sei dasjenige um 1200 v. Chr. gewesen und Atlantis müsse ebenfalls in dieser Zeit versunken sein.

Platon ließ den Solon eindeutig sagen, dass er an den ältesten ägyptischen Überlieferungen interessiert war. Zu diesem Zweck habe Solon dem Priester die Mythen von Kekrops, der bei den Griechen für den ersten Menschen galt, und von der Flut erzählt, die von Deukalion und seiner Frau Pyrrha überlebt wurde. Der Priester habe laut Platon darauf entgegnet, dass er noch viel ältere Überlieferungen kenne. So habe es nicht nur diese eine Sintflut gegeben, sondern noch zwei vor ihr. Die älteste Geschichte aber sei die von Atlantis und seinem Krieg gegen den östlichen Mittelmeerraum. Platon hält eindeutig fest, dass diese Geschichte 9000 Jahre alt sei. Die historischen Vorgänge, auf die sich Spanuth bezieht, fanden aber zu einer Zeit statt, aus der die Griechen gut bekannte Überlieferungen haben. So berichtete Homer über den Trojanischen Krieg, der im 13. oder Anfang des 12. Jahrhunderts v. Chr. stattfand. Die Sage um Theseus und Ariadne beziehe sich auf die Zerstörung der minoischen Kultur durch die Griechen. Dies habe sich historisch im 15. Jahrhundert v. Chr. ereignet. Der Bau des kretischen Labyrinths durch Daedalus beziehe sich auf die Errichtung des Palastes von Knossos um 1900 v. Chr. Die Flut des Deukalion schließlich mag sich auf eine Überflutung des Kopais-Sees in Böotien beziehen, die um 1500 v. Chr. stattgefunden haben könnte. Ein Teil der Herakles-Sagen dürfte sich auf die Landnahme der ersten Griechen um 1900 v. Chr. beziehen.

Auch das von Platon beschriebene vorzeitliche Athen decke sich nicht mit dem durch archäologische und philologische Kenntnisse bekannten historischen Athen. Die von Platon behaupteten politischen, sozialen und militärischen Elemente Athens hätten nicht existiert, weder zur Zeit des mykenischen, geometrischen, archaischen noch klassischen Athens.

Herr Wickboldt wandte hier ein, diese Kritik sei so nicht richtig. Tatsächlich gab es die von Platon behaupteten Wohnungen der Krieger im Norden der griechischen Akropolis. Spanuth habe lediglich Unrecht, wenn er schrieb, sie seien erst im 13. Jahrhundert v. Chr. erbaut worden, tatsächlich geschah dies bereits um 1400 v. Chr. Zu den von Platon genannten politischen, sozialen und militärischen Elementen Urathens bemerkte er, Platon habe selber in seinem Dialog „Timaios\“ am Ende seines Berichts erwähnt, dass er die Bewohner seines fiktiven Idealstaates auf diejenigen Urathens übertragen wolle und annehmen wolle, der fiktive Idealstaat der Wächter sei mit Urathen identisch.

Anstoß nahmen Spanuths Kritiker an seiner Behauptung, die Atlanter wären mit den Nordmeervölkern identisch.

Zunächst einmal sei Spanuths Bezeichnung „Nordmeervölker\“ unzutreffend. Die ägyptischen Pharaonen bezeichneten ihre Feinde als Völker des Nordens. Die Ägypter und auch die Hethiter schrieben, diese Völker seien vom Meer gekommen. In der englisch sprachigen Literatur steht für „Völker des Meeres\“ „peoples of the sea\“. In schlechter Übersetzung haben deutsche Ägyptologen diesen Begriff mit „Seevölker\“ widergegeben. Tatsächlich müsste es „Meervölker\“ heißen oder zumindest „die See\“ und nicht „der See\“.

Auf jeden Fall sei Spanuths Wortkonstruktion Nordvölker und Seevölker gleich Nord-Seevölker gleich Nordsee-Völker falsch. Hiermit wolle er implizieren, dass die Seevölker aus der Nordsee stammten.

Dies ist ein Punkt, den sich Spanuth in seinen späteren Büchern in seltsamer Manier zu Herzen nahm. Nicht Nordvölker und Seevölker hieße es, so schrieb er in seinem späteren Buch „Die Atlanter – Volk aus dem Bernsteinland\“, sondern Nordvölker und Meervölker. Nicht Nord-Seevölker oder Nordsee-Völker hieße es, sondern Nord-Meervölker und Nordmeer-Völker. Und das, so Spanuth, sei sehr zutreffend. Während Nordsee-Völker nur eine Herkunft aus der Nordsee impliziere, bedeute Nordmeer-Völker eine Herkunft aus dem Bereich des Nordmeeres, also Nord- und Ostsee. In der Tat behaupte er, das Königreich von Atlantis habe sich über Südnorwegen, Südschweden, Dänemark, Schleswig-Holstein und einen Teil Niedersachsens und Mecklenburgs erstreckt.

Spanuths Kritiker argumentierten, die Atlanter könnten nicht mit den Seevölkern identisch sein, da laut Platon die Atlanter Triere, also Dreiruderer, besaßen. Wie auf den Abbildungen zu den Tempelinschriften von Medinet Habu deutlich zu erkennen ist, besaßen die Seevölker jedoch Segelschiffe.

Eine wichtige Waffe der Seevölker war das Griffzungenschwert. Dies ist uns aus zahlreichen Funden aus dem östlichen Mittelmeerraum bekannt. Wären die Atlanter mit den Seevölkern identisch, hätte Platon in der Aufzählung der atlantischen Waffen sicherlich die Griffzungenschwerter erwähnt.

Laut Platon bestand Atlantis aus zehn Königreichen, die auch Libyen umfassten. Laut Pharao Merneptah bestanden die Seevölker aber aus den Völkern der Ekwesh, Teresh, Sherden, Shekelesh und Lukka. Laut Pharao Ramses III bestand ihre Konföderation aus den Völkern der Peleset, Tjekker, Shekelesh, Denen und Weshesh. Je nach Zählung waren es fünf oder neun Völker, nicht aber zehn. Die Seevölker herrschten nicht über Libyen, sondern griffen Ägypten zeitgleich mit den Libyern an. Zu den libyschen Völkern zählten die Tehenu, Tamahu, Meshwesh und Lebu.

Laut Platon besaßen die Atlanter im Kriegsfalle über eine Million Soldaten. Zwar schrieb Ramses III, er habe Hunderttausende von Feinden besiegt, doch bezieht sich diese Angabe nicht auf die Seevölker, sondern auf die Libyer. Zudem habe Ramses III diese Angabe zu propagandistischen Zwecken gemacht. In einer Auflistung der getöteten und gefangenen Feinde werden über 6000 getötete und 6000 gefangene Libyer genannt. Die Anzahl der getöteten Seevölker-Krieger belief sich auf wenige Tausend.

Spanuth argumentierte, die Seevölker stammten aus dem nordischen, also germanischen Raum. In einem Kriegszug seien sie durch ganz Europa gezogen und hätten Vorderasien unterworfen. Insgesamt dachte Spanuth hierbei an eine Völkerwanderung, die sich von Dänemark über Italien und die Türkei bis nach Ägypten erstreckte.

Zunächst einmal merkten Spanuths Kritiker an, die Atlanter seien laut Platon gegen Europa und nicht durch Europa gezogen. Ferner haben die Seevölker nicht nur einen Kriegzug unternommen. Sie haben Ägypten zweimal angegriffen. Das erste Mal während des fünften Regierungsjahres Merenptahs und das zweite Mal während des achten Regierungsjahres Ramses III. Zwischen diesen Angriffen lagen fast dreißig Jahre.

Eine Völkerwanderung sei aus dieser Zeit nicht nachzuweisen. Es habe sich lediglich mindestens einhundert Jahre später eine Wanderung der Urnenfelderkultur in den nordischen Raum ereignet. Also in der umgekehrten Richtung als von Spanuth behauptet. Einen Einfall von Illyrern und Doriern aus dem Balkanraum bzw. Nordgriechenland in das südliche Griechenland und den Peloponnes habe sich frühestens ab 1100 v. Chr. ereignet. Die dorische Einwanderung habe sich bis zum achten Jahrhundert v. Chr. hingezogen. Eine Wanderung der Phryger von Thrakien nach Kleinasien war zwar von dem französischen Ägyptologen Gaston Maspero im 19. Jahrhundert vermutet worden, gilt heute aber als widerlegt. Lediglich in der Levante ist eine Völkerwanderung zur Zeit der Seevölker-Kriege nachweisbar.

Spanuths Kritiker nahmen auch seine These aufs Korn, die Seevölker seien aus dem bronzezeitlichen Germanien gekommen.

Zunächst bemerkten sie, dass die Seevölker Zebus, eine Art Buckelrinder, mit sich führten. Diese sind auf den Abbildungen zu den Inschriften vom Tempel von Medinet Habu dargestellt. Die Urheimat der Zebus sind die Ebenen nördlich und südlich des Kaukasus. Daher müsse die Heimat der Seevölker in der Nähe des Kaukasus gesucht werden, wie einer der Kritiker meinte.

„Das ist nun allerdings ein sehr schwaches Argument\“, wandte Wickboldt ein. In der Zeit von 1400 bis 1200 v. Chr. ist eine Einwanderung insbesondere semitischer Stämme in die Levante nachweisbar. So stammte Abraham laut der Genesis aus Ur in Chaldäa. Nach heutiger Ansicht könnte er einer der ersten semitischen Auswanderer gewesen sein, die sich in der Levante niederließen. Es ist sehr gut möglich, sogar wahrscheinlich, dass auf diese Weise die Zebus in die Levante eingeführt wurden. Die ebenfalls in die Levante eingewanderten Seevölker, die mit Sicherheit keine Semiten waren, werden die Zebus dort vorgefunden haben. Durch Handel oder Raub hätten sie sie wohl von den Semiten erhalten und auf ihrer Wanderung nach Ägypten mitgenommen. Außerdem dürfte es sich bei den Zebus um das einzige Indiz für die These handeln, dass die Seevölker aus der Gegend des Kaukasus stammen.

Ein anderer Kritikpunkt betraf die „gemeingermanischen Griffzungenschwerter\“. Spanuth berief sich in seinem Buch „Das enträtselte Atlantis\“ auf eine Abbildung, die er einem Buch von Professor Ernst Sprockhoff aus dem Jahre 1931 entnommen habe. Die Bildunterschrift habe die „Verbreitung des gemeingermanischen Griffzungenschwertes um 1200 v. Chr.\“ geheißen. Besonders häufig seien die Schwerter laut der Abbildung in Dänemark, Schleswig-Holstein und Mecklenburg gefunden worden. Ernst Sprockhoff, einer der Kritiker Spanuths, dementierte heftig. Er schrieb, Spanuth habe zwar die Abbildung seinem Buch entnommen aber die Bildunterschrift gefälscht. Es hieße auch gar nicht „gemeingermanisches\“, sondern „gemeines\“ Griffzungenschwert. In seiner Replik „Und doch: Atlantis enträtselt\“ entgegnete Spanuth, er habe sowohl die Abbildung als auch die Bildunterschrift dem Buche Sprockhoffs entnommen. Er habe nichts gefälscht.

Gerhard Gadow, der 1971 durch seine Kritik „Erinnerungen an die Wirklichkeit\“ an den Thesen Erich von Dänikens berühmt wurde, recherchierte gründlich. In seinem 1973 erschienenen Buch „Der Atlantis-Streit – Zur meistdiskutierten Sage des Altertums\“ brachte er Licht ins Dunkel. In Sprockhoffs 1931 erschienenem Buch „Die germanischen Griffzungenschwerter\“ hieß die Bildunterschrift zur bewussten Abbildung „Verbreitung des germanischen Griffzungenschwertes um 1200 v. Chr.\“. In der Neuauflage des Buches von 1936 hieß die Bildunterschrift hingegen „Verbreitung des gemeingermanischen Griffzungenschwertes um 1200 v. Chr.\“. Spanuth musste offenbar die Ausgabe von 1936 und nicht, wie er selber angab, von 1931 verwendet haben.

„Das klingt wie eine unbedeutende Nebensächlichkeit. Aber fällt Ihnen nichts auf?\“, fragte mich Wickboldt. „Nein\“, antwortete ich. „Achten Sie einmal auf die Jahreszahlen, fällt Ihnen immer noch nichts auf?\“ Ein Verdacht stieg in mir auf. Trotzdem ließ ich wieder ein „nein\“ verlauten. „Sehen Sie, 1931 hieß es „germanisches Griffzungenschwert\“, 1936 wurde es „gemeingermanisches Griffzungenschwert\“ genannt und 1953, in dieser Broschüre, die wir vor uns liegen haben, hieß es „gemeines Griffzungenschwert\“. Erinnern Sie sich an Ihren Geschichtsunterricht. Von 1933 bis 1945 herrschte in Deutschland der Nationalsozialismus und auch die Wissenschaftler, insbesondere viele Archäologen, haben sich zumindest im Sprachgebrauch angepasst. Vor 1933 regierten zwar noch nicht die Nationalsozialisten, aber auch viele Wissenschaftler waren nationalistisch eingestellt. Dies muss man beachten, wenn man deutschsprachige Literatur aus dieser Zeit liest.\“

Wickboldt nahm ein Buch Spanuths aus dem Regal, schlug das Literaturverzeichnis auf und wies auf einige der von Spanuth angegebenen Referenzen. Zu lesen war: Carl Schuchhardt 1935 und 1941, Gustav Schwantes 1939, Ernst Sprockhoff 1931, 1938 und 1942. Schwantes und Sprockhoff zählten zu den Kritikern Spanuths. „Beachten Sie auch, dass Spanuth die 3. und 4. Auflage von Schuchhardts Buch „Alteuropa\“ zitierte, die beide während der Zeit des Nationalsozialismus erschienen sind. Was meinen Sie wohl warum? Doch wohl, weil die von Spanuth angegebenen Textstellen nicht in den ersten beiden Auflagen enthalten sind. Und so schnell schreitet die Archäologie auch nicht voran; bei diesen Textstellen könnte es sich um nationalsozialistisches Gedankengut handeln, das Spanuth dann unreflektiert übernommen hat.\“

Weiter ging es mit der Kritik an Spanuths These, die Seevölker stammten aus dem nordischen Raum.

Hauptkritikpunkt waren die Datierungen. In der Broschüre „Atlantis enträtselt?\“ stand, kein Urgeschichtsforscher würde heute noch so alte Datierungen für die „nordische Bronze\“ annehmen wie Oskar Montelius. Und auch dieser vertrat die Ansicht, die Griffzungenschwerter Nordeuropas seien frühestens um 1100 v. Chr. erschienen, die anderen Bronzegegenstände wie Rundschilde und Hörnerhelme sogar noch später. Heute, also 1953, sei man der Ansicht, Rundschilde und Hörnerhelme seien von den Trägern der Urnenfelderkultur in den nordischen Raum eingeführt worden und zwar nicht vor 800 v. Chr.

Zum Hörnerhelm der Seevölker sei anzumerken, dass er in den Texten zu den ägyptischen Abbildungen mit dem Seevölker-Volk der Sherden in Verbindung gebracht werde. Die Sherden tauchten aber bereits in den Berichten Pharao Ramses II am Anfang des 13. Jahrhundert v. Chr. auf, also rund einhundert Jahre vor den Schlachten von Ramses III. Die Hörnerhelme seien überdies vor 1200 v. Chr. nur aus dem asiatischen Raum bekannt, genauer Anatolien, die Levante und Mesopotamien. In Europa erschien der Hörnerhelm erstmalig auf einer Abbildung auf der so genannten „Kriegervase\“, die in der Burg Mykene gefunden wurde. Diese Vase wird in die Phase späthelladisch IIIC datiert, also ans Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr.

Die Schiffe der Seevölker waren, wie aus den ägyptischen Abbildungen eindeutig zu erkennen ist, Segelschiffe. Offenbar wurde die Seeschlacht zwischen Seevölkern und Ägyptern zugunsten der Ägypter entschieden, weil Windstille herrschte und sich die Segelschiffe der Seevölker nicht bewegen konnten. Die Ägypter dagegen besaßen Ruderbarken und konnten so, wie auf den Abbildungen von Medinet Habu zu erkennen ist, die Schiffe der Seevölker entern und zum kentern bringen. Die Schiffe des nordischen Raumes dagegen sein Ruderboote gewesen. Auch die Schiffsrümpfe waren nicht identisch. Die Schiffe der Seevölker liefen an Bug und Heck in Schwanenköpfe aus, die Schiffe im nordischen Raum dagegen an Bug und Heck in Pferdeköpfe.

Nicht besser stände es um Spanuths Behauptung, die Hauptstadt von Atlantis habe auf dem Steingrund etwa zehn Kilometer östlich von Helgoland gelegen.

Zunächst einmal, so argumentierten die Geologen unter den Kritikern Spanuths, sei das Wattenmeer Nordfrieslands nicht erst um 1200 v. Chr. entstanden, wie Spanuth behauptete. Geologische Datierungen der Strandwälle hätten ergeben, dass sie und damit auch das Wattenmeer bereits um 2000 v. Chr. entstanden. Damit sei Spanuths These hinfällig, das um 1200 v. Chr. zerstörte Nordsee-Atlantis habe bei seinem Versinken das Wattenmeer hinterlassen, welches zuvor fruchtbares Festland gewesen sein müsste.

Auch der Steingrund sei lange vor 2000 v. Chr. versunken. „Dieser Ansicht stimme ich nun gar nicht zu\“, wandte Wickboldt ein. „Hier betrachten die Geologen nur das eustatische Verhalten des Meeresspiegels, also seine nacheiszeitliche Steigung durch das Abschmelzen der Gletscher. Tatsächlich haben aber Sturmfluten immer wieder Festland zu Wattenmeer werden lassen oder es ins Meer versinken lassen und ebenso neues Festland entstehen lassen. Beispiele für die Zerstörung von Festland durch Sturmfluten im Hochmittelalter sind der damals entstandene Jadebusen und der Dollart. Auch das nordfriesische Wattenmeer wurde bei diesen Sturmfluten völlig umgeformt. Ehemaliges Land versank, neue Inseln entstanden und Inseln verbanden sich mit dem Festland. So versank beispielsweise das Fischerdorf Rungholdt auf der Insel Nordstrand im Wattenmeer. Seine Überreste können noch heute besichtigt werden. Sehen Sie sich einmal Ihren Westermann-Geschichtsatlas an! Dort ist die Veränderung der Küste Ostfrieslands im Hochmittelalter dargestellt.\“ Woher wusste er, welchen Geschichtsatlas ich hatte? Ach ja, dämmerte es mir, sein Sohn Lars ging ebenfalls auf meine Schule und hatte denselben Atlas.

Spanuth irre, so seine Kritiker, wenn er behaupte, Platon hätte von einem Felsen aus rotem, weißem und schwarzem Gestein vor der Küste von Atlantis geschrieben. Tatsächlich aber schrieb Platon, Atlantis habe eine Steilküste besessen und an den Rändern des „allseits niedrigen Hügels\“, auf dem die Hauptstadt von Atlantis errichtet wurde, sei rotes, weißes und schwarzes Gestein abgebaut worden.

Nicht besser sei es um seine bei Tauchexpeditionen gehobenen Funde bestellt. Der Steingrund sei geologisch eine endeiszeitliche Endmoräne. Hätte auf ihm eine Stadt gestanden, so wäre längst ein künstlicher Siedlungshügel wie im Falle Trojas entdeckt worden. Die längliche „Mauer\“ bestehe nicht aus Fliesenplatten. Durch Wärmeeffekte würde Gestein zerbersten, vorzugsweise entlang von Rissen. Bedingt durch die kristalline Struktur würden sich plane Risse ergeben und eine feste Struktur in beinahe rechteckige Bruchstücke zerfallen.

Die wenigen gefundenen durchlöcherten Steine seien keine Ankersteine, wie von Spanuth behauptet, sondern auf geologische Weise entstanden. Durchlöcherte Steine entständen vielerorts im Meer, Steine und Löcher könnten völlig unterschiedliche Größen annehmen. Die Löcher könnten dabei so klein sein, dass sie unmöglich für Anker dienen konnten.

Der Elefantenstoßzahn ist niemals datiert worden. Er könnte aus einer Schiffsladung in neuerer Zeit stammen. Auch heute noch kentern und versinken Schiffe, auch solche, die Elfenbein geladen haben.

Spanuths These, das Phäakenland aus Homers Odyssee wäre mit Atlantis identisch gewesen und bei Helgoland gelegen, hielt den Kritikern nicht stand. Die Meerenge von Skylla und Charybdis sei mitnichten Gibraltar. „Was meinen Sie, an welche Meeresenge wäre Odysseus wohl zuerst gelangt, wenn er auf dem Westwege fuhr?\“, fragt mich Wickboldt. „Hm, ich weiß nicht.\“ „Denken Sie einmal nach. Die Meeresenge war dem Odysseus offenbar unbekannt, ansonsten hätte er sie beim Namen genannt und es wären nicht Ungeheuer namens Skylla und Charybdis überliefert worden. Die Meeresenge muss also westlich von Griechenland gelegen haben. Nun, welche Meeresenge könnte das sein?\“ Ich wusste es immer noch nicht. „Betrachten Sie einmal die Meeresströmungen!\“ Ich antwortete mit einem Achselzucken. „Das Wasser des Mittelmeeres fließt zumindest nahe der Oberfläche im Gegenuhrzeigersinn. Folgen Sie in Gedanken von Griechenland aus kommend dem Mittelmeer im Gegenuhrzeigersinn. Wo landen Sie?\“ „In Sizilien\“, antwortete ich. „Ja, und welche Meeresenge ist es?\“ „Die Straße von Messina!\“ „Gut! Die Liparischen Inseln nördlich von Sizilien könnten demnach die Inseln der ätolischen Winde gewesen sein. Und wie fuhr Odysseus weiter, nachdem er Skylla und Charybdis passiert hatte? Er passierte sie noch einmal, allerdings nicht auf dem Seewege, sondern auf dem Landwege. Und das macht Sinn. Mit der Strömung, die in der Straße von Messina sehr stark ist, konnte Odysseus westwärts fahren, aber wohl nicht ostwärts gegen die Strömung. Die „Insel\“ der Calypso, Ogygia, könnte dann an der Ostküste Siziliens gelegen haben. Auf einem Floß ist Odysseus dann 17 Tage lang nordostwärts gefahren. Meinen Sie wirklich, dass man in dieser Zeit auf einem Floß von den Azoren nach Helgoland fahren kann? Wahrscheinlicher ist doch, dass er von Sizilien aus an die adriatische Ostküste fuhr. Er strandete an der Küste des „Windumtosten\“ Scheria, der Insel der Phäaken. Wie Heinrich Schliemann vermutete, könnte es sich um die Insel Korfu handeln.\“

Aber zurück zu der Broschüre „Atlantis enträtselt\“. Abschließend wurde Spanuths These kritisiert, Atlantis sei mit Asgard identisch. Ragnarök wurde in der germanischen Völuspa beschrieben. In der Völuspa spricht die Seherin Völa, weshalb die Völuspa auch „Der Seherin Rede\“ genannt wird. Mitnichten handele es sich bei Ragnarök, dem Toben der Midgardschlange, der Ankunft der Hitze Surts aus dem Süden und dem Fimbulwinter um bronzezeitliche Geschehnisse. Eine Seherin habe in die Zukunft geblickt, nicht in die Vergangenheit. Es sei eine Vorhersage, in der ein „neuer Tag\“ vorhergesagt werde.

Wickboldt nahm mein Manuskript „Plädoyer für Atlantis\“, das zur Veröffentlichung bei „Ancient Skies\“ angenommen war, zur Hand. „Auch Ihre Gleichsetzung von Atlantis und dem Paradies steht auf wackligen Beinen. Gehen wir Ihre Punkte einzeln durch.\“

Adam war der erste Mensch, während Atlas‘ Eltern zu den ersten Menschen gehörten. Außerdem ist anzunehmen, dass Adam keine historische, sondern nur eine mythologische Person war. Wenn die Welt einen zeitlichen Anfang hatte, musste es auch einen ersten Menschen geben.

Adam und Atlas besaßen astronomische Kenntnisse. Das besagt nicht viel. In der Frühzeit waren viele Priester sternkundig, also Astrologen.

Das erste biblische Menschenpaar wurde von Gott erschaffen, während Atlas zusammen mit seinem Zwillingsbruder Gadeiros von Poseidon und Kleito gezeugt wurde. Wo ist da die Ähnlichkeit? Außerdem handelt es sich bei diesem Menschenpaar um einen zweiten biblischen Schöpfungsbericht, der nichts mit Adam und Eva zu tun hat. Die Genesis wurde übrigens nicht von einem Autoren geschrieben, sondern von zwei unabhängigen. Den einen bezeichnet man heute als den „Jahweisten\“ und den anderen als den „Elohisten\“.

Sowohl Adam als auch Atlas wurden verbannt. „Beachten Sie aber, dass nicht der König Atlas verbannt wurde, sondern der gleichnamige Gott. Auch sind die Gründe für die Verbannung andere, Genuss einer Frucht bzw. Kampf für die „falsche\“ Seite.\“

Adam sei nach der Vertreibung in unfruchtbares Land gekommen. Atlantis dagegen sei versunken, dort wo es lag, sei nunmehr ein Schlammmeer.

„Adam sündigte wegen einer (offenbar) köstlichen Frucht?! Wo steht denn, dass sie köstlich war? Die Analogie mit den Fruchtbäumen von Atlantis besagt gar nichts. Weshalb sollte man Fruchtbäume anpflanzen, wenn sie nicht köstlich schmeckten?\“

Auf Atlantis herrschte ein günstiges Klima und vor der Vertreibung waren Adam und Eva nackt, also herrschte ein warmes Klima. Dies interpretierte ich als Analogie. „Günstiges Klima und Wärme. Das eine schließt das andere nicht automatisch ein\“, meinte Wickboldt. „Ist warmes Wüstenklima günstig? Außerdem dürfte die Adam und Eva Geschichte eine versuchte Antwort auf die Frage sein, weshalb Menschen Schamgefühle empfinden und Kleidung tragen. Nach dem Genuss des Apfels trug Adam lediglich ein Feigenblatt.\“

Ein Strom umgab Eden, schrieb ich. „In den meisten Flussdeltas umströmt ein Fluss ebene, durch Schwemmsand entstandene Inseln. Es muss also gar kein Kanal gemeint sein. Weshalb müssen Sie sich überhaupt auf das Buch von Asimov berufen und geben nicht, wie in den anderen Beispielen, die Zitate aus der Genesis an? Weil dort nicht von einem Strom die Rede ist?\“

In der Mitte des Paradieses befand sich der Baum der Erkenntnis. In der Mitte Asgards befand sich die immergrüne Weltenesche Yggdrasil. War der Baum der Erkenntnis denn überhaupt eine Esche? Und diente Yggdrasil als Baum der Erkenntnis?

Zehnte „Parallele\“: Eden lag in der Mündung von vier großen Flüssen. „Gut, Helgoland liegt, je nach Zählweise bei der Mündung von vier großen Flüssen. Aber wo wird das von der Hauptstadt von Atlantis behauptet? Der die Ebene umgebene Kanal stieß zu beiden Seiten an die Stadt. Von der Stadt führte ein weiterer Kanal zum Meer. Das macht vielleicht drei Kanäle, aber nicht vier Flüsse.\“

„Nicht dass Sie jetzt meinen, nur die Gegner Spanuths wären der Ansicht, Atlantis habe es nie gegeben und ich wollte Ihre Arbeit Punkt für Punkt widerlegen. Auch andere Wissenschaftler stehen der Atlantis-Theorie skeptisch gegenüber. Kennen Sie das Buch „Atlantis – Fact or Fiction?\“, das von Edwin Ramage herausgegeben wurde?\“ Ich kannte es nicht. „Es erschien 1978 bei der Indiana University Press. In diesem Buch nahmen Altphilologen, Archäologen und Mythologen Stellung zum Thema Atlantis und diskutierten insbesondere die minoische Theorie. John Victor Luce ist einer der Autoren – übrigens der einzige, der einen Pro-Standpunkt für die Existenz von Atlantis einnahm. Sehen wir uns dieses Buch an.\“ Darauf griff Wickboldt wieder zum Regal und legte das Buch auf den Tisch.

„In diesem Buch diskutieren die Autoren den Atlantisbericht im Zusammenhang mit den anderen Schriften Platons. Sie begründen, weshalb der Bericht ihrer Ansicht nach auf der Phantasie Platons beruhe. Insbesondere kritisieren sie, dass ein ägyptischer Priester nicht in der Form von einem fremden Staat berichtet haben könnte, wie das Platon behauptet. Die Autoren vertreten die Ansicht, Atlantis sei ein Konglomerat eigener Erfahrungen Platons. Er habe seine Kenntnisse über Athen, Syrakus und das Perserreich verwendet, um über ein fiktives Atlantis zu erzählen. Aber der Reihe nach!\“, begann Wickboldt.

In seinen frühen Jahren entwarf Platon in seinem Dialog „Politeia\“ einen Idealstaat der Wächter. Er beschrieb ihn mit seiner Regierung, seiner sozialen Struktur und seinem Erziehungssystem. Regiert wurde dieser fiktive Staat von Philosophenkönigen. Der Staat war in drei Klassen unterteilt. Die Herrscherklasse bestand aus den Philosophenkönigen. Die zweite bestand aus den Berufssoldaten. Die dritte und unterste Klasse bestand aus den Bauern und Handwerkern. Eine relativ geringe Anzahl von Soldaten, vielleicht nur 1000, sollte ausreichen, um die Stadt Athen gegen den Angriff einer feindlichen Übermacht erfolgreich zu verteidigen. Die Erziehung sollte staatlich gelenkt werden.

Wie Platon bereits am Anfang seines Dialoges „Timaios\“ schrieb, plante er eine Trilogie der folgenden Dialoge. Im „Timaios\“ sollte die Natur beschrieben werden. Thematisiert werden sollten die Entstehung der Welt, die Entstehung des Menschen, die Biologie und Anatomie des Menschen. Im Dialog „Kritias\“ sollte offenbar die Geschichte der Menschheit beschrieben werden. Wie der Dialog genau geplant war, wissen wir nicht, er blieb unvollendet. Er enthält aber die Beschreibung des frühgeschichtlichen Athen, die Beschreibung von Atlantis und sollte auch den Krieg zwischen den beiden beschreiben. Kurz vor dem offensichtlichen Beginn der Beschreibung des Krieges bricht der Dialog jedoch mitten im Satz ab. Ein dritter Dialog sollte vermutlich „Hermokrates\“ heißen und die neuere Geschichte Athens beschreiben.

Seltsam ist, dass der Dialog „Kritias\“ unvollendet blieb. Der griechische Geschichtsschreiber Plutarch vermutete, Platon sei bei der Niederschrift bereits sehr alt gewesen und beim Schreiben verstorben. Diese Ansicht ist heute widerlegt. Kurz vor dem Abbruch des „Kritias\“ veränderte Platon den Stil des Dialogs. War er anfangs eine sachlich-nüchterne Beschreibung von Athen und Atlantis, so nahm er daraufhin in sehr oberflächlicher Weise einen moralphilosophischen Stil an. Während der Dialog anfangs rein menschliche Aspekte beschrieb und nur gelegentlich göttliche Aspekte einfließen ließ, endete der „Kritias\“ mit der Versammlung der Götter, die von Zeus zusammengerufen wurden, um über die Atlanter zu urteilen. Zeus sollte Platon zufolge das Wort an die Götter richten. Direkte Rede von Zeus konnte man nun erwarten. Aber genau an dieser Stelle brach der „Kritias\“ ab. Mit Sicherheit brach der Dialog nicht ab, weil Platon während der Niederschrift verstorben ist. Nach dem Abbruch des „Kritias\“ begann Platon mit einem neuen Dialog, dem dreibändigen „Nomoi\“ (Gesetze). Wie wir heute wissen, verstarb Platon bei der Niederschrift dieses Dialogs. Ausgehend von Platons Notizen wurde der Nomoi von einem seiner Schüler vollendet.

Hauptredner in Platons Dialogen war gewöhnlich sein Lehrer Sokrates. Im „Timaios\“ und im „Kritias\“ überließ er jedoch dem Timaios und dem Kritias das Wort. Diese beiden Dialoge Platons sind im Wesentlichen Monologe.

Am Beginn des „Timaios\“ fasste Sokrates die Eigenschaften des Idealstaates der Wächter zusammen und äußerte den Wunsch, diesen Staat „in Bewegung\“, das heißt, im Kriegsfalle, zu erleben. Hierauf meldete sich Kritias und erklärte, dieser Staat sei nicht nur eine Fiktion, sondern es habe ihn tatsächlich gegeben. Er sei das frühere Athen gewesen. Er habe tatsächlich einen Verteidigungskrieg gegen eine angreifende Übermacht geführt und gewonnen. Dieser Angreifer sei Atlantis. Kritias drängelte sich etwas vor und führte kurz aus, woher er über diesen Krieg wusste.

Durch Erzählungen innerhalb seines Familienkreises wüsste er, dass Solon in Ägypten war und ihm die dortigen Priester von Athen und seinem Krieg gegen Atlantis berichteten. Er führte aus, dass die Priester dem Solon über verschiedene frühgeschichtliche Naturkatastrophen berichteten. Danach ließ er den Timaios, der der eigentliche Sprecher des Dialogs war, wieder zu Wort kommen. Von nun an sprach Timaios über die Natur.

Im zweiten Dialog, dem „Kritias\“, war Kritias offiziell an der Reihe zu sprechen. Diese Gelegenheit ergriff er freudig und fasste zunächst zusammen, was er bereits im „Timaios\“ gesagt hatte und führte die Beschreibung von Athen und Atlantis weiter aus.

Tatsächlich wies das von Kritias beschriebene Urathen deutliche Ähnlichkeiten mit dem fiktiven Idealstaat auf. Die Klasse der Handwerker war laut Kritias von den Klassen der Soldaten und Priester getrennt. Die Gesetze Athens waren sehr gut. Und eine Anzahl von 20000 Soldaten habe ausgereicht, um Athen erfolgreich gegen eine angreifende Übermacht von mehr als einer Million Soldaten zu verteidigen.

„Hier irren sich die Autoren\“, wandte Wickboldt ein. An keiner Stelle schrieb Platon, Urathen sei von Priestern regiert worden. Wenn Platon schrieb, die Gesetze von Urathen wie auch die Gesetze des Saitischen Staates seien sehr gut, so bedeute dies nicht notwendigerweise, dass sie denen des fiktiven Idealstaates entsprachen oder zumindest nahe kamen.

Ein interessanter Aspekt ist die Frage nach den Teilnehmern des Dialogs.

Sokrates ist bekannt. Er war der Lehrer und das große Vorbild Platons. 470 v. Chr. wurde er geboren. 399 v. Chr. wurde er zum Tode verurteilt, weil er angeblich eine Gotteslästerung begangen habe. In Wirklichkeit dürften seine kritischen Reden Athens Machthaber veranlasst haben, ihn aus dem Weg zu räumen. Sie ließen den Sokrates wählen. Er konnte entweder durch das Trinken von Gift Selbstmord begehen, anderenfalls würde er gehenkt werden. Sokrates entschied sich, aus dem Schierlingsbecher zu trinken.

Bei Kritias handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den Tyrannen Kritias den Jüngeren. Er wurde 460 v. Chr. geboren und 403 v. Chr. ermordet. Er war ein Teilnehmer am Peloponessischen Krieg, in dem sich Athen und Sparta von 431 bis 404 v. Chr. bekämpften. Im Anschluss an diesen Krieg war Kritias einer der dreißig Tyrannen, die über Athen herrschten. Er musste dem Platon, der übrigens sein Neffe war, hochgradig unsympathisch sein.

Hermokrates war einer der Generäle auf spartanischer Seite im Peloponessischen Krieg. Er wurde in Syrakus geboren und verstarb im Jahre 408 v. Chr. Seine Tochter war die erste Frau des Tyrannen Dionysios I, der während Platons erstem Besuch in Sizilien über Syrakus herrschte. Platon versuchte erfolglos, diesen Dionysios, wie auch seinen Sohn Dionysios II, in einen Philosophenkönig umzuerziehen.

Lediglich der Sprecher Timaios ist uns unbekannt. Vermutlich war er auch nur eine fiktive Person, die Platon am Dialog teilnehmen ließ. So stellte Platon ihn als einzigen der vier Teilnehmer am Anfang des „Timaios\“ vor. Timaios sei ein Aristokrat, der in der italienischen Stadt Lokris geboren wurde. Dies erscheint seltsam, weil geschichtlich überliefert ist, dass die zweite Frau des Tyrannen Dionysios I in ebendieser Stadt geboren wurde. Timaios sei ein Politiker und Naturphilosoph, besonders in der Astronomie sei er bewandert.

Die Autoren von „Atlantis – Fact or Fiction?\“ bemerkten, das die von Platon beschriebene große Ebene von Atlantis niemals existiert haben könnte. Es gibt keine rechteckige, 3000 Stadien mal 2000 Stadien große Ebene, die an der Südküste einer Insel liegt und von hohen Bergen umgeben ist. Auch ist so eine Ebene niemals versunken, schon gar nicht mitsamt der gesamten Insel.

Zudem sei es unmöglich, dass „zahlreiche Elefanten\“ auf einer Insel lebten. Wie sollten die Elefanten von einem Kontinent auf eine Insel eingewandert sein?, fragten die Autoren.

„Ein kleiner Einwand muss hier erfolgen\“, kommentierte Wickboldt. Zwar leben sowohl die afrikanischen als auch die indischen Elefanten auf dem Festland. Allerdings leben auch auf den indonesischen Inseln frei lebende Elefanten. Die indonesischen Inseln gehörten während der letzten Eiszeit zum Festland Asiens und sind bedingt durch das nacheiszeitliche Abschmelzen der polaren Gletscher und das hierdurch bedingte Steigen des Meeresspiegels zu Inseln geworden. Allerdings muss bedacht werden, dass Platon die Lage von Atlantis westlich von Gibraltar angab. Somit dürfte es sich bei den Elefanten eher um afrikanische als um indische oder asiatische handeln. Zugegebenermaßen bestand auch während der Eiszeit keine Landverbindung zwischen dem Kontinent Afrika und den Inseln im Atlantik, weder zu den Kanarischen Inseln, den Kapverdischen Inseln, Madeira oder den Azoren.

Die Autoren schrieben, dass es unwahrscheinlich sei, dass ein ägyptischer Priester zur Zeit Solons Wissen über eine fremde Hochzivilisation hatte. Den uns bekannten ägyptischen Überlieferungen zufolge interessierten sich die Ägypter nur für die Geschichte und Kultur ihres eigenen Volkes.

Und auch dieses Interesse bestand nicht seit aller Ewigkeit. Als der griechische Geschichtsschreiber die ägyptischen Priester fragte, auf welche Weise die ägyptischen Pyramiden errichtet wurden, erhielt er zwar zahlreiche Antworten. Dennoch differierten diese so stark voneinander, dass Herodot mutmaßte, die Priester hätten ihre privaten Meinungen geäußert aber kein echtes Wissen über den Bau der Pyramiden, obwohl die Antworten der Priester sehr selbstsicher klangen.

Wir wissen heute, dass die zeitgenössische ägyptische Geschichtsschreibung zur Zeit des Pharaos Tuthmosis III im 15. Jahrhundert v. Chr. eingeführt wurde. Diese Art der Geschichtsschreibung beschränkte sich gewöhnlich auf die Beschreibung und Glorifizierung des Pharaos und seiner Heldentaten. Zu diesen Heldentaten gehörten gewöhnlich seine gewonnenen Kriege und seine mildtätigen Hilfen an benachbarte Völker wie zum Beispiel Lebensmittellieferungen an das von einer Hungersnot geplagte Hethiterreich. Hierbei ist zu beachten, dass Hethiter und Ägypter zumeist verfeindet waren. In Friedenszeiten waren diplomatische Beziehungen, wie wir aus erhaltenen, auf Tontafeln geschriebenen, Briefen wissen, durchaus möglich, ebenso wohl auch Hilfslieferungen. Die Geographie und Kultur fremder Länder, auch der benachbarten, ist von den Ägyptern niemals beschrieben worden.

„Was aber von den Ägyptern beschrieben wurde\“, ergänzte Wickboldt, „das waren die Fremden, sofern sie nach Ägypten kamen.\“

Ein Beispiel ist eine Darstellung eines Tributgeschenkes der Danaer für Pharao Amenophis III im 14. Jahrhundert v. Chr. Die Danaer waren die mykenischen Griechen.

Ein anderes Beispiel ist die Ortsnamenliste desselben Pharaos. In dieser Liste führt er jeweils fünf Städte von Kafta, das ist Kreta, und von Tanaja, das ist Griechenland, auf. Zu den genannten kretischen Städten gehören Knossos, Amnissos, Phaistos, Lyktos und Kydonia. Zu den genanten mykenischen Städten gehören Mykene, Nauplion, Theben, Messene und die Insel Antikythera.

Schließlich wurden auch die Feinde Ägyptens beschrieben. Ein Beispiel sind ja gerade die Tempelinschriften von Medinet Habu, in denen über die Seevölker geschrieben wird. Wir erfahren zwar keine Einzelheiten über ihre Herkunftsgebiete, wohl aber, wie ihre Soldaten aussahen, welche Waffen und Schiffe sie mit sich führten und wie die Eigennamen ihrer Völkerstämme hießen.

„Es ist sicher angebracht, die Quelle für Platons Kriegsbericht in Ägypten zu suchen. An dieser Stelle würde ich sagen, Spanuth hat Recht mit seiner Annahme, das Original für Platons Atlantiskrieg seien die Tempelinschriften von Medinet Habu\“, erklärte Wickboldt.

Die Autoren kritisierten Platons Angabe, nach dem ersten Atlanter, Atlas, seien nicht nur die Insel Atlantis selbst, sondern auch das Meer, welches ja das atlantische heißt, benannt worden. Ähnlich behauptete auch Herodot, im fernen Westen Libyens am atlantischen Meer habe es einen kreisrunden, bis in die Wolken ragenden Berg gegeben, der Atlas genannt wurde. Nach diesem Berg habe sich eines der am Triton-See wohnenden Libyer-Völker benannt, „Atlantioi\“. Mit dem Berg Atlas habe Herodot aller Wahrscheinlichkeit nach das Atlas-Gebirge gemeint. Allerdings gehen die Bezeichnungen „Berg Atlas\“ und „atlantisches Meer\“ erst auf Herodot zurück. Vor Herodot, der im fünften Jahrhundert v. Chr. lebte, bezeichneten die Griechen den Atlantik mit „Okeanos\“. Solon, dessen Ägyptenbesuch im 6. Jahrhundert v. Chr. stattfand, konnte den Begriff „atlantisches Meer\“ noch gar nicht kennen.

Anzumerken wäre hier, dass der Geograph Richard Hennig bereits 1927 den Verdacht äußerte, dass den Griechen vor 500 v. Chr., also vor der Zeit des Geschichtsschreibers Herodot und des Geographen Hekataios, der Atlantik und Gibraltar noch gar nicht bekannt waren. Die Bezeichnung „Okeanos\“ könne sich auf ein ganz anderes Meer beziehen. Ebenso könne sich die Bezeichnung „Säulen des Herakles\“ ehemals auf eine andere Meerenge als Gibraltar bezogen haben. Vielleicht war das Schwarze Meer oder das Meer überhaupt mit Okeanos gemeint. Die „Säulen des Herakles\“ könnten sich auch auf die Meerenge zwischen Karthago und Sizilien bezogen haben, so vermutete der Altphilologe Victor Bérard 1929.

Überhaupt scheinen viele Teilaspekte des Atlantisberichts nicht aus ägyptischer Quelle zu stammen, sondern auf Platons Philosophie zu beruhen. Die Autoren von „Atlantis – Fact or Fiction?\“ führten dies näher aus.

Laut Platons „Timaios\“ und „Kritias\“ war die Atlantisgeschichte eine der ältesten Überlieferungen der Ägypter, 9000 Jahre sei sie alt. In seinem nachfolgenden Dialog „Nomoi\“ ließ Platon jedoch einen Barbaren erzählen, die Ägypter hätten Überlieferungen, die 10000 Jahre zurückreichten. Wenn Platon von Solons Ägyptenbesuch wusste und der Atlantisbericht reell war, weshalb bezog sich Platon dann nicht auch in „Nomoi\“ auf Solon?

Wie bereits erwähnt, versuchten die Ägypter nicht, astronomische Erklärungen für ihre Mythen zu finden. Diese Art der Erklärungen war eine Erfindung der Griechen. Ein Beispiel kann in Platons Dialog „Politikos\“ gefunden werden.

Im Dialog „Timaios\“ ließ Platon den Kritias berichten, der ägyptische Priester habe von mehreren Kataklysmen erzählt, die sich im Lauf der Menschheitsgeschichte ereignet haben sollen. Von dieser Art der Kataklysmen schrieben jedoch auch der um 700 v. Chr. lebende griechische Dichter Hesiod in „Werke und Tage\“ und Platon selbst in seinen Dialogen „Politikos\“ und „Nomoi\“. Der Vorschlag, diese Kataklysmen hätten ihre Ursache in der Veränderung astronomischer Umlaufbahnen, wie im „Timaios\“ erwähnt, wurde zuerst von Herodot geäußert.

Platon ließ den ägyptischen Priester im „Timaios\“ sagen, dass die Griechen alle Kinder wären. Vergleichbare Zitate ägyptischer Priester finden sich auch bei Herodot und einem anderen Dialog Platons, dem „Theätät\“.

Der ägyptische Priester solle dem Solon gesagt haben, das Mittelmeer sei wie eine Bucht mit einer schmalen Öffnung. In seinem früheren Dialog „Phaidon\“ schrieb Platon, das Mittelmeer sei wie ein Teich. Damit meinte er, das Mittelmeer sei überall von Land umgeben.

Laut Platon sei die Insel Atlantis im Meer versunken. Dort, wo sie einst lag, sei das Meer nun unbefahrbar und unerforschbar wegen des sehr hoch aufgetürmten Schlammes. Dieser Schlamm stelle denjenigen ein Hindernis dar, die vom Mittelmeer aus kommend das atlantische Meer befahren und erforschen wollten. Tatsächlich glaubten Platons Zeitgenossen, nicht aber die Griechen zur Zeit Solons, der Atlantik sei wegen Schlammes unbefahrbar. Ursache für diesen Glauben mögen Berichte der Karthager gewesen sein, der Atlantik sei unbefahrbar. Möglicherweise streuten die Karthager diese Gerüchte aus, um so das Handelsmonopol mit den Ländern jenseits Gibraltars zu bewahren.

Weder die Ägypter selbst noch diejenigen Griechen, die Ägypten besucht haben, berichteten über Größenangaben von Gebäuden und Landschaften. Dagegen hielt Platon sehr viel von Geometrie. „Lasst niemanden mitreden, der keine Kenntnis von der Geometrie hat\“, pflegte er zu sagen. Dies mag erklären, weshalb in Platons Atlantisbericht so viele Größenangaben enthalten sind. Diese Größenangaben beziehen sich auf die Größe des Hügels, auf dem Euenor und Leukippe wohnten, die umgebenden Erd- und Wasserringe, die Größe der Ebene und die Maße der Kanäle und Tempel.

Der griechische Dichter Pindar beschrieb in „Paean\“ einen alten Krieg zwischen Zeus und Poseidon, bei dem Poseidon ein Land und ein ganzes Heer im Tartarus, der mythologischen Unterwelt, versinken ließ. Der Altphilologe Hans Herter erkannte1944 hierin eine Ähnlichkeit mit dem Atlantisbericht. Auch in diesem versank ein Land im Meer (Atlantis) und ein gesamtes Heer verschwand im Erdboden (das athenische). Atlantis war dem Poseidon geweiht und Zeus beschloss, die Atlanter zu bestrafen. „Auch wenn sich die Autoren Herter anschließen, auch hier gilt, dass die Unterschiede zu beachten sind\“, kritisierte Wickboldt.

Sicherlich bestehen Ähnlichkeiten zwischen dem von Platon beschriebenen Atlantis und dem von Homer beschriebenen Scheria, dem Land der Phäaken. Ein Anzahl Gelehrter meinte, Homer und Platon hätten unabhängig voneinander von einem reellen Land gesprochen. Zu diesen Gelehrten gehören Walter Leaf und Adolf Schulten. Andere Gelehrte meinten jedoch, Homers Land der Phäaken sei erdichtet und Platon hätte einige Aspekte aus der „Odyssee\“ in die Atlantisgeschichte integriert, daher die Ähnlichkeiten. Zu diesen Gelehrten zählen Friedrich Kluge und Pierre Vidal-Naquet. Auch hier meinte Herr Wickboldt wieder, man müsse nicht nur die Ähnlichkeiten betrachten, sondern auch die Unterschiede. Außerdem seien auch Ähnlichkeiten gewöhnlich Unterschiede, die keine Gleichsetzung rechtfertigten. Es muss auch beachtet werden, ob die Ähnlichkeiten und Parallelen spezifische Eigenschaften oder eher trivialer Natur sind. Den König eines reichen Landes wird man ebenfalls als reich beschreiben. Man wird ihn aus goldenen Bechern trinken und von goldenen Tellern essen lassen.

Bereits der Philosoph Alfred Taylor erkannte in seinem 1928 erschienenen Buch „A Commentary on Plato’s Timaeus\“ (Ein Kommentar über Platons Timaios) die Ähnlichkeit zwischen Atlantis und den Persern.

Die Perser führten im fünften Jahrhundert v. Chr. einen Krieg gegen den östlichen Mittelmeerraum, auch gegen die Griechen. Die Beschreibung dieses Krieges ist das Hauptwerk des griechischen Geschichtsschreibers Herodot.

Wie bei den Atlantern bestand das Heer der Perser aus mehreren Völkern. Laut Platon bestand das Heer der Atlanter aus 1440000 Soldaten (eine Million und 440 Tausend), das der Perser aus zwei Millionen. Wie die Atlanter eroberten auch die Perser den gesamten östlichen Mittelmeerraum. Wie die Atlanter besaßen die Perser Streitwagen und eine starke Flotte. Die Hauptstadt Persepolis war wie die Hauptstadt von Atlantis von mehreren Ringen umgeben.

Unterschiede zwischen den Persern und den Atlantern bestehen jedoch darin, dass die Atlanter aus dem Westen, die Perser dagegen aus dem Osten kamen. Die Hauptstadt der Atlanter lag auf einer Insel, diejenige der Perser dagegen auf dem Festland. Der Krieg der Atlanter habe in der Urgeschichte stattgefunden, derjenige der Perser dagegen in der für Platon neueren Geschichte. Die Autoren von „Atlantis – Fact or Fiction?\“ wie auch die Gegner Spanuths in „Atlantis enträtselt?\“ meinen jedoch, der Krieg von Atlantis spiegele die Perserkriege wieder. Zur Verfremdung und um seinen fiktiven Idealstaat in die Vergangenheit transferieren zu können, habe Platon die Perser in den Westen, auf eine Insel und in die Vergangenheit transferiert.

Zwei der Sprecher von Platons beiden Dialogen, Kritias und Hermokrates, waren Teilnehmer am Peloponessischen Krieg zwischen Athen und Sparta, der von 431 bis 404 v. Chr. stattfand. So vermuteten die Autoren von „Atlantis – Fact or Fiction?\“, Aspekte dieses Krieges könnten ebenfalls in die Atlantisgeschichte eingeflossen sein.

Während dieses vom griechischen Geschichtsschreiber Thukydides beschriebenen Krieges ereignete sich ein Seebeben, bei dem die Insel Atalante versank und mit ihr eine auf ihr stehende griechische Festung. Beruht die Namensähnlichkeit zwischen Atalante und Atlantis nur auf Zufall und ebenso, dass beide versunken sein sollen?

Aus Platons Erfahrungswelt könnte auch der Untergang der bei einem Erdbeben 373 v. Chr. im Golf von Korinth versunkenen Stadt Helike eine Rolle gespielt haben, wie Alfred Taylor 1928 und Hans Herter 1944 vermuteten. Über ihre ehemalige Existenz berichten der im fünften Jahrhundert lebende Geschichtsschreiber Herodot. Über ihren Untergang berichteten Pausanias, Diodorus Siculus und Platons Schüler Aristoteles, der Platons Atlantisgeschichte ablehnend gegenüberstand, wie der nachchristliche griechische Geschichtsschreiber Strabo behauptete.

Pierre Vidal-Naquet wies auf die Ähnlichkeiten zwischen der Hauptstadt von Atlantis und der Heimatstadt Platons, Athen, hin.

Die Hauptstadt von Atlantis lag auf einem allseits niedrigen Berg, während die Athener Akropolis auf einem Tafelberg lag, der steile Flanken und eine flache Hochebene besitzt.

Auf dem allseits niedrigen Hügel befanden sich laut Platon der Tempel des Poseidon, zwei Quellen und die Residenz der Könige von Atlantis. In der Athener Akropolis befanden sich der Tempel der Athene und des Hephaistos, mindestens ein Brunnen oder mehrere Quellen, auch befand sich dort die Residenz der Herrscher.

Die Residenz der Könige von Atlantis war eine Burg von fünf Stadien Durchmesser, die von einer Mauer umgeben war. An ihrem Rand befanden sich Aushöhlungen, die als Häfen und Werften für die Schiffe dienten. Während der mykenischen Zeit diente die Athener Akropolis als Burg. Sie war von einer oder mehreren Mauern umgeben. In ihrer Nähe gab es drei Höhlen. Der Hafen war dagegen einige Kilometer entfernt.

Die Hauptstadt von Atlantis lag 50 Stadien, also neun Kilometer, vom Meer entfernt. Ähnlich war die Athener Akropolis sieben Kilometer von der Küste entfernt.

Es war Gunnar Rudberg im Jahre 1917, der zuerst auf die Ähnlichkeiten zwischen der griechischen Stadt Syrakus und Platons Atlantis hinwies. Corbato verteidigte diese Ansicht 1953 und unterstützte sie durch weitere Argumente.

Zu beachten ist die Tatsache, dass Platon mindestens zweimal, wahrscheinlich sogar dreimal, Syrakus besucht hat. Hier versuchte er erfolglos, die Tyrannen zu Philosophenkönigen zu erziehen. Auf seiner ersten Reise versuchte er, den alten Dionysios I zu erziehen, auf seiner zweiten Reise versuchte er, dessen noch jungen Sohn Dionysios II zu erziehen.

Zwar schrieb Platon im „Timaios\“, das Urathen wäre der Idealstaat gewesen, doch hatten verschiedene Kommentatoren Platons den Eindruck, auch Atlantis wäre ein verhinderter Idealstaat gewesen. Pierre Vidal-Naquet meinte, der Krieg von Urathen gegen Atlantis spiegele den Kampf des guten gegen das böse Athen wider. Da Platon mit der Erziehung der Tyrannen gescheitert ist, wäre das sizilianische Syrakus ein gescheiterter Idealstaat.

Atlantis war eine große Insel. Ähnlich war Sizilien die größte Insel des Mittelmeeres und damit die größte Insel, die den Griechen zur Zeit Platons bekannt war.

Atlantis lag im Westen. Ebenso liegt Sizilien im Westen Griechenlands.

Auf Atlantis lag eine große, sehr fruchtbare, nahezu rechteckige Ebene, die von hohen Bergen umgeben war. Auch auf Sizilien liegt eine solche Ebene. Die katanische Ebene ist nahezu rechteckig und sehr fruchtbar. Auch ist sie von hohen Bergen umgeben. An ihren Norden schließt sich der Vulkan Ätna an, der noch um einige hundert Meter höher als der Olymp, der höchste Berg Griechenlands, ist.

Die Hauptstadt von Atlantis bestand aus vier Stadtteilen. Sie umfassten die Residenz der Könige auf der Insel in der Mitte, die Residenz des Adels auf dem inneren Erdwall, die Stadt der Handwerker und Kaufleute auf dem äußeren Erdring und schließlich die Unterstadt, die die Kreisringe umgab. Ebenso bestand Syrakus aus vier Stadtteilen.

Die Hauptstadt von Atlantis war riesig. Der äußerste Erdwall hatte einen Durchmesser von 27 Stadien, also fünf Kilometern. Die Unterstadt war von einer kreisförmigen Mauer umgeben, deren Durchmesser 100 Stadien, also 18 Kilometer betrug. Zur Zeit Platons war Syrakus die größte Stadt der Welt, mehrere hunderttausend Einwohner, möglicherweise sogar mehr als eine Million, soll sie, so schätzt man heute, besessen haben.

Zu fragen wäre noch, woher der Philosoph Platon von der Urgeschichte Athens gewusst haben sollte. Dem Geschichtsschreiber Thukydides, der wenige Jahre vor Platon lebte, die Geschichte des Peloponessischen Krieges beschrieb und einige Angaben zur Frühgeschichte der Griechen machte, waren Platons Angaben unbekannt.

In mehreren Punkten weicht Platons Beschreibung Urathens erheblich von der Beschreibung durch Thukydides ab. Einige Beispiele mögen dies verdeutlichen.

Thukydides schrieb, der bedeutendste Krieg der Vorzeit sei der Trojanische Krieg gewesen. So bedeutend wie von Homer in der „Ilias\“ berichtet, sei er aber nicht gewesen, da der Dichter in seiner dichterischen Freiheit übertrieben habe. Auch habe Homer nicht von „Hellenen\“ und „Barbaren\“ geschrieben, weil es damals offenbar noch keine Gemeinschaft unter den griechischen Stämmen gab. Anstatt von „Hellenen\“ sprach Homer von den Danaern, Achäern und Argeiern. Von „Barbaren\“ konnte er noch nicht schreiben, weil dieser Begriff, so Thukydides, erst den Begriff „Hellenen\“ voraussetze, von dem dieser dann unterschieden werden könne.

Im Gegensatz zu Thukydides schrieb Platon, der atlantische Krieg habe vor 9000 Jahren stattgefunden. Nach griechischer Überlieferung habe der Trojanische Krieg dagegen um 1186 v. Chr. stattgefunden. Auch schrieb Platon, der Verteidigungskrieg gegen Atlantis sei die erste gemeinsame Unternehmung der Griechen gewesen.

Thukydides wusste nichts von einer Akropolis auf Athen vor der Zeit der klassischen Griechen. Ebenso hatte er nichts über den Schriftverlust und die bei einem Erdbeben zerstörte Quelle auf der Athener Akropolis zu berichten. Platon dagegen schrieb wie selbstverständlich darüber.

Platons Bemerkung des Schriftverlustes der (mykenischen) Griechen ist noch aus einem anderen Aspekt interessant. Die einzige Erwähnung, die der Dichter Homer in der „Ilias\“ über den Schriftgebrauch der mykenischen Griechen machte, war, dass die Griechen bei einer Gelegenheit magische Zeichen in eine Klapptafel ritzten. Noch Heinrich Schliemann schrieb 1869 in seiner Doktorarbeit „Ithaka, der Peloponnes und Troja\“, dies sei die einzige Stelle der „Ilias\“ über einen möglichen Schriftgebrauch der mykenischen Griechen. Da es aber die einzige Textstelle war und nur von „magischen Zeichen\“ und „ritzen\“ die Rede war, mochte Schliemann nicht an eine so frühe griechische Kenntnis der Schrift glauben. Er hielt diese Passage für eine Erfindung Homers.

Aber Überraschung! 1953 erkannten Michael Ventris und John Chadwick, dass die Schrift Linear B in griechischer Sprache abgefasst war. Damit war bewiesen, dass die mykenischen Griechen die Schrift kannten. Bei späteren Ausgrabungen wurden sogar die von Homer überlieferten Klapptafeln gefunden.

„Fassen wir das Ganze noch einmal zusammen\“, sagte Wickboldt zum Abschluss. „Die Theorie Spanuths steht auf wackligen Beinen. Recht hat er wohl mit der Datierung von Atlantis und Athen um die Zeit 1200 v. Chr. Auch dürfte er mit seiner Ansicht Recht haben, dass Platons Atlantisbericht auf ägyptischen Quellen beruhe. Der ursprüngliche Bericht wird vor allem die Darstellung der Seevölkerkriege in den Tempelinschriften von Medinet Habu unter Ramses III sein. Der Krieg von Atlantis wird sich wohl auf die Seevölker-Kriege beziehen. Mit der Lokalisierung von Atlantis und dem Ursprungsgebiet der Seevölker hat Spanuth wahrscheinlich Unrecht. Die Datierungen der „nordischen Bronze\“ legen eine Herkunft aus diesem Gebiet nicht nahe. Eher dürften diese Gegenstände vom Süden aus in den Norden gelangt sein. Nimmt man Platons Angaben wörtlich, so lag Atlantis im Atlantik. Aus geologischen Gründen ist dies unmöglich. Ich tendiere daher zur Ansicht von Schulten, Jessen und Hennig, Atlantis habe in Südspanien gelegen. Zumindest ist dies die derzeit beste Möglichkeit, die ich sehe.\“

Er legte mir noch nahe, nicht nur Sekundärliteratur zu lesen, insbesondere bei diesem Thema, da diese Art der Literatur fehlerträchtig ist. Ich solle stattdessen Platon im Original lesen, es gebe seine Schriften auch in deutscher Übersetzung. Auch solle ich das Buch von Edgerton und Wilson lesen. Es enthält eine englischsprachige Übersetzung der Inschriften von Medinet Habu. Das Buch sei zwar etwas älter, von 1936, aber es sei bei der University of Chicago Press erschienen und noch immer die beste Darstellung über die Seevölker.

Wir verabschiedeten uns. Es war bereits 22 Uhr. Volle sechs Stunden hatten wir diskutiert! Nun bemerkte ich, dass mir der Kopf schwirrte. So musste es auch meinen Mitschülern ergangen sein, als sie mein Referat hörten.

Es musste an meinem „schwirrenden\“ Kopf liegen, dass ich volle fünf Minuten brauchte, um in der Dunkelheit das Schloss meines Fahrrades aufzuschließen. So hörte ich noch, wie bei Wickboldt das Telefon klingelte. Seltsam, dachte ich, während der vergangenen sechs Stunden hatte es kein einziges Mal geläutet. Es klang wie ein Abschiedsgruß.

Nach etwa zwanzig Minuten kam ich zuhause bei meinen Eltern an. Sie schienen mich erwartet zu haben, allerdings erschienen sie nicht besonders besorgt, dass ich jetzt erst kam.

Zwei Rätsel lösten sich mit einem Schlag! Meine Eltern hatten sich Sorgen gemacht, wo ich blieb. Mit einer sechsstündigen Diskussion bei Wickboldt hatten sie nicht gerechnet. Deshalb hatten sie bei ihm angerufen und erfahren, dass ich „vor zwei Minuten\“ bei ihm abgefahren sei. Nun wusste ich also auch, wer angerufen hatte!

4. Ein neuer Anfang: Diskussion des Atlantisberichts

Werner Wickboldt schien die Theorie Jürgen Spanuths gründlich zerpflückt zu haben. Wenig blieb von meinem „unerschütterlichen Glauben\“ an die Entdeckung von Atlantis durch Jürgen Spanuth übrig. In Werner Wickboldt hatte ich meinen Meister gefunden!

Ganz überzeugt von dieser „Widerlegung\“ war ich aber nicht. Weshalb waren sämtliche Autoren der Broschüre „Atlantis enträtselt?\“ auf einem Anti-Spanuth-Kurs? Die Broschüre fasste eigenen Angaben zufolge in schriftlicher Form zwei Diskussionen zusammen, die die Wissenschaftler mit Jürgen Spanuth 1953 in Schleswig und Kiel abhielten. Warum nahm keiner der Wissenschaftler auch nur in nebensächlichen Punkten Partei für Spanuth? Und noch wichtiger: warum kam in der Broschüre nicht Spanuth selbst zu Wort?

Noch schlimmer: als anstößig empfand ich den Stil der Broschüre. Die Wissenschaftler widersprachen sich in ihrer Stellungnahme gegenseitig und waren sich offenbar nur in einem Punkt einig: Spanuth hatte falsch gelegen, Spanuth musste sich irren.

Da war zum Beispiel die Widerlegung der These Spanuths, die Seevölker seien aus dem nordischen Raum, also Germanien, gekommen. Ein Wissenschaftler entgegnete, Spanuth habe sich geirrt, weil die Seevölker Zebus mit sich führten, diese Buckelrinder hätten ihre Heimat in den Ebenen nahe des Kaukasus, daher müsse auch die Heimat der Seevölker dort gelegen haben. Ein anderer Autor urteilte, Spanuth müsse sich geirrt haben, da die Wanderung der Seevölker nur in der Levante nachzuweisen sei und Pharao Ramses III die Seevölker nach seinem Sieg in der Levante angesiedelt hatte. Dies sei aber nur möglich gewesen, wenn die Seevölker bereits vorher in der Levante gesiedelt hätten, ihre Heimat müsse dort gesucht werden. Ein dritter Kritiker urteilte, Spanuth habe sich geirrt, denn eines der Seevölker waren die Peleset, die biblischen Philister, die von Kafta, also Kreta, kamen. Die Seevölker müssen aus Kreta gekommen sein. Für einen vierten Spanuth-Gegner war dagegen alles klar. Spanuth habe sich geirrt, Ramses III hielt eindeutig fest, die Seevölker seien „von den Inseln inmitten des Meeres\“ gekommen, und mit diesem Ausdruck bezeichneten die Ägypter die Inseln der Ägäis. Die Heimat der Seevölker habe dort gelegen.

Vier Kritiker, vier unterschiedliche Meinungen. Das ist nicht verwerflich. Verwerflich ist nur, dass alle behaupteten, ihre Ansichten wären Tatsachen. Spanuth hatte es leicht, in seiner Replik „Und doch: Atlantis enträtselt\“ diese Kritiker bloßzustellen.

Wickboldt hatte aber Recht, als er mir sagte, ich müsse die Originalquellen lesen. Die einzige Originalquelle des Atlantisberichtes sind die beiden Dialoge Platons, „Timaios\“ und „Kritias\“. Sie hatte ich zu lesen. Die Originalquellen der Seevölker-Kriege waren schwieriger erhältlich. Zu ihnen gehören die Korrespondenzen der Könige der von den Seevölkern zerstörten Länder Hatti, Alasia und Ugarit. Vor allem umfassen die Originalquellen aber die Texte der siegreichen Pharaonen Merneptah und Ramses III. Merneptah hinterließ uns die große Karnak-Inschrift und die Athribis-Stele. Ramses III hinterließ uns die umfangreichen Inschriften des Tempels von Medinet Habu. Sein Amtsnachfolger Ramses IV hinterließ uns den Papyrus Harris, dessen letzter Abschnitt die Seevölker-Kriege behandelte. Laut Spanuth und Wickboldt könnten vor allem die Tempelinschriften von Ramses III die Vorlage für Platons Atlantisbericht dargestellt haben.

Ich nahm mir vor, die beiden Dialoge Platons und die Texte von Ramses III zu lesen. Platons Dialog „Timaios\“ wurde 1856 und sein Dialog „Kritias\“ wurde 1857 von Franz Susemihl ins Deutsche übersetzt. Die Übersetzung von Franz Susemihl gilt heutzutage als die Standard-Übersetzung der beiden Dialoge Platons, vergleichbar etwa mit der „Zürcher Bibel\“. Die Texte aus Medinet Habu von Ramses III wurden von den Ägyptologen Edgerton und Wilson ins Englische übersetzt. Auch dieses Buch wollte ich lesen.

Mit den Originaltexten in der Hand wollte ich Atlantis entdecken. Ein Vorbild hatte ich. Heinrich Schliemann hatte im neunzehnten Jahrhundert „mit der Ilias in der Hand\“ Troja entdeckt. Das wollte ich im gleichtun.

Platon konnte mit seinem Atlantisbericht noch etwas warten! Zunächst wollte ich wissen, wie Schliemann vorgegangen war. Zunächst las ich „Heinrich Schliemann – Mythos und Ärgernis\“ von Hartmut Döhl. Seine Beschreibung von Schliemann faszinierte mich. Er schilderte auch den wirklichen Schliemann und räumte auf mit gewissen Mythen und Falschdarstellungen, die über Schliemann im Umlauf waren.

Mein Interesse an Schliemann war geweckt. Über seine Vorgehensweise hatte ich allerdings nicht viel erfahren. Darüber aber, so Hartmut Döhl, berichtete Schliemann ausführlich in seiner altphilologischen Doktorarbeit „Ithaka, der Peloponnes und Troja\“. Auch diese Doktorarbeit verschlang ich. Es ist eine der höchst seltenen Doktorarbeiten, die erstens ein interessantes Thema behandeln, zweitens ein bedeutendes Resultat liefern, drittens interessant geschrieben sind und viertens sogar für einen intelligenten Schüler verständlich sind.

Heinrich Schliemann wurde am 6. Januar 1822 geboren. Als Siebenjähriger bekam er zu Weihnachten Jerrers „Weltgeschichte für Kinder\“ geschenkt. In diesem Buch ist eine Abbildung enthalten, die zeigt, wie Äneas mit seinem Vater auf dem Rücken und seinem kleinen Sohn an der Hand aus der brennenden Stadt Troja floh. Schliemann war von dieser Abbildung fasziniert. Mehr aber noch faszinierte ihn der Gedanke an die Mauern von Troja und dass ihre Überreste noch heute existieren müssten. Er fasste den Plan, Troja auszugraben, sobald er erwachsen war.

Als Vierzehnjähriger begann Schliemann eine Lehre in einer Gastwirtschaft. Zu seien Aufgaben gehörte es, schwere Gegenstände zu schleppen. Von Natur aus nicht kräftig gebaut, verletzte sich Schliemann beim Heben eines allzu schweren Fasses. Für die Ausübung dieses Berufes war er fortan nicht mehr geeignet. Um den Rest seines Lebens nicht als Invalide zu verbringen, ging er nach Hamburg, um dort als Matrose anzuheuern. Auf einem Schiff wollte er nach Venezuela übersetzen, um dort sein Glück zu machen.

Das Schiff lief nach Venezuela aus. Vor der Küste von Holland geriet es in einen schweren Sturm und kenterte. Die gesamte Mannschaft überlebte und strandete an der Küste der Niederlande. Schliemann war völlig mittellos. Freunde seines Vaters halfen ihm weiter und vermittelten ihm eine Stelle als Laufbursche.

Wissenshungrig und sprachbegabt war er mit dieser Art der Anstellung unterfordert. Während seiner Botengänge las er fremdsprachige Literatur und erlernte so mehrere Fremdsprachen. Seine eigentliche Arbeit vernachlässigte er aber offenbar mehr und mehr, so dass sein Vorgesetzter unzufrieden war und ihm kündigte.

Schliemann fand eine neue Anstellung. Als seine neuen Vorgesetzten von seinen Sprachkenntnissen erfuhren, zu denen sogar die Kenntnis der russischen Sprache gehörte, schickten sie ihn als Handelsagenten nach Russland. Dort bewies er neben seinen Sprachkenntnissen Verhandlungsgeschick. Seine Vorgesetzten waren hoch zufrieden, erhöhten Schliemanns Gehalt und ließen ihn noch öfter als Handelsagenten in Russland tätig werden.

Weshalb für andere Geld verdienen?, dachte sich Schliemann. Er machte sich selbständig und betätigte sich als Kaufmann in Russland. Der Grundstock seines späteren Vermögens entstand. In Amerika war der Goldrausch ausgebrochen. Durch Handel ließ sich dort mehr Geld verdienen als in Russland. Dies begriff Schliemann und siedelte in die Vereinigten Staaten über. Später kehrte er nach Russland zurück.

1863 hatte er seiner Meinung nach ein genügend großes Vermögen angehäuft. Er löste seine Geschäfte in Petersburg auf und begann seine wissenschaftliche Tätigkeit. Zunächst begnügte er sich mit Forschungsreisen und einem Studium in Paris.

1868 bereiste er Griechenland und die Troas, die Umgebung Trojas. Hier begann er, die alten griechischen Mythen zu bestätigen.

Fasziniert hat mich, wie er den wahrscheinlichen Ursprung des Mythos von der Hydra von Lerna erklärte. Lerna ist eine alte griechische Stadt. Dem Mythos zufolge soll in ihrer Nähe eine einhundertköpfige Wasserschlange, die Hydra, gelebt haben. Der Held Herakles soll sie getötet haben. Dieses Unterfangen gestaltete sich jedoch als äußerst schwierig, weil für jeden der Köpfe, die er abhieb, der Hydra zwei neue wuchsen.

Schliemann schrieb in seiner Doktorarbeit, er habe den Ort besucht. Tatsächlich gebe es bei Lerna einen kleinen See von nur zehn bis zwanzig Metern Durchmesser. Er sei von einem viel größeren Sumpf von einhundert Metern Durchmesser umgeben. In diesem Sumpf wimmele es von Schildkröten und Wasserschlangen. Leicht vorstellbar sei es, so Schliemann, dass der Anblick dieses von Wasserschlangen wimmelnden Sumpfes den Mythos von der einhundertköpfigen Hydra entstehen ließ.

Viel wichtiger ist natürlich seine Entdeckung von Troja. Vor ihm waren die meisten Altphilologen und Althistoriker der Meinung, Troja und der troische Krieg wären eine Erfindung Homers. Wie könne der Dichter auch Einzelheiten über die Gespräche zwischen den griechischen Königen einerseits und den troischen Helden andererseits gewusst haben?
Einige wenige Gelehrte und Amateure waren jedoch der Meinung, Troja habe existiert und es habe bei Bunarbaschi gelegen. Anhand vieler Beispiele aus Homers „Ilias\“ belegte Schliemann jedoch, dass die Geographie Bunarbaschis nicht mit derjenigen Trojas übereinstimmte.

Der amerikanische Konsul Frank Calvert machte Schliemann auf den Hügel Hissarlik aufmerksam. Dort, so Calvert, habe Troja gelegen. Bereits Charles MacLaren habe 1822 diese Ansicht vertreten. Calvert selbst nahm in seiner freien Zeit und als Einzelkämpfer eine Ausgrabung auf dem Hügel Hissarlik vor. Alles was er fand konnte Schliemann jedoch als Relikte aus der Zeit der Römer und der klassischen Griechen identifizieren. Troja aber musste um Jahrhunderte älter sein.

Argumente aber überzeugten Schliemann, Hissarlik müsse Troja gewesen sein. Die in der „Ilias\“ beschriebene Geographie von Troja stimmte mit derjenigen von Hissarlik überein. Außerdem bestätigte die antike Tradition diese Lokalisierung. Bereits der von dem griechischen Philosophen Aristoteles erzogene König der Makedonen, Alexander der Große, hielt den Hügel Hissarlik für den Ort des ehemaligen Troja. Auch der Perserkönig Xerxes vertrat diese Ansicht. Der römische Kaiser Augustus schließlich ließ Ilion auf Hissarlik zu einer Tempelstadt ausbauen, um das in der „Ilias\“ besungene Troja und seine heldenhaften Verteidiger zu verehren.

1870 nahm Schliemann seine erste, illegale, Troja-Ausgrabung vor. 1873 waren ihm sensationelle Erfolge beschienen. Er entdeckte das von den Dichtern besungene „skäische\“ Tor und den „Schatz des Priamos\“. Priamos war der König von Troja zur Zeit des Krieges.

Eindrucksvoll und romantisch war die Art und Weise, wie Schliemann den „Schatz des Priamos\“ barg. Einer seiner Arbeiter meldete ihm, er habe etwas Wertvolles entdeckt. Darauf erkannte Schliemann, dass es sich um Gold handelte. Er gab seinen Arbeitern für den Rest des Tages frei. Nicht zur Belohnung! Nein, er wollte nicht, dass unehrliche Arbeiter einen Teil des Goldes an sich reißen könnten. So grub er denn allein den „Schatz des Priamos\“ aus. Hilfreich zur Seite stand ihm hierbei seine Frau Sophie. Mit ihrer Schürze nahm sie in Empfang, was Schliemann ausgrub, und brachte es in ihrer Hütte in Sicherheit.

Auch ich wollte später einmal eine Frau haben. Und wenn ich Atlantis fand, dann wollte ich auch den Oreichalcos finden. Ich stellte mir vor, wie meine zukünftige Frau ihr Röckchen liften würde, um den aus Oreichalcos bestehenden Schatz von Atlantis in Empfang zu nehmen.

Gewiss, weder das „skäische\“ Tor noch der „Schatz des Priamos\“ erwiesen sich als aus der von Homer besungenen Zeit stammend. In Wirklichkeit waren sie noch um 1000 Jahre älter.
Aber das erfuhr Schliemann erst viele Jahre nach der Entdeckung.

1874 begann er die Ausgrabung von Mykene und entdeckte 1876 die von Pausanias beschriebenen Schachtgräber. Der Mythos berichtet, Schliemann habe eine Goldmaske entdeckt, die er für die Totenmaske des von Homer besungenen mykenischen Königs Agamemnon hielt. Schliemann dementierte jedoch, er habe behauptet „Agamemnon in die Augen geblickt\“ zu haben.

Schließlich begann Schliemann 1884 mit der Ausgrabung des „fest ummauerten\“ Tiryns und erhielt 1883 den Ehrendoktor der Universität Oxford, 1885 die Große Königliche Goldmedaille aus London.

Soviel zu Schliemann. Ich wollte es ihm gleichtun. Wie mir Wickboldt riet, wollte ich mir zuerst Platons Dialoge „Timaios\“ und „Kritias\“ zu Gemüte führen. Anschließend sollte das Buch von Edgerton und Wilson an die Reihe kommen.

Dies tat ich auch. Ich wusste auch, auf welche Merkmale ich beim Studium des Atlantisberichts besonders zu achten hatte. Wickboldts erweitertes Manuskript zu seinen Lichtbildervorträgen war eine hervorragende Vorlage.

Platon ließ den Kritias sagen, er habe durch seinen Großvater, der ebenfalls Kritias hieß, von Atlantis erfahren. Dieser ältere Kritias habe als etwa neunzigjähriger Greis dem etwa zehn Jahre alten Knaben Kritias diese Geschichte erzählt, die er seinerseits von seinem Vater Dropides habe. Dropides wiederum sei mit Solon befreundet gewesen. Solon habe sich auf seiner Ägyptenreise, die zur Regierungszeit des Pharaos Amasis stattgefunden haben soll, von einem Priester aus der ägyptischen Stadt Sais die Geschichte Athens und von seinem Sieg über Atlantis erzählen lassen.

Der Kritias in Platons Dialog war der Tyrann Kritias, der von 460 bis 403 v. Chr. lebte. Laut Platon war sein Großvater Kritias rund 80 Jahre älter, muss also um 540 v. Chr. geboren worden sein. Nehmen wir an, sein Vater Dropides sei 30 bis 40 Jahre älter gewesen, so wurde Dropides zwischen 570 und 580 v. Chr. geboren. Solon lebte von 640 bis 559 v. Chr. Seine Ägyptenreise trat er 570 v. Chr. an und beendete sie 560 v. Chr. Solon kann dem Dropides also nur im Jahre 560 oder 559 v. Chr. die Atlantis-Geschichte erzählt haben. Zu dieser Zeit aber war Dropides ein Jugendlicher von zehn bis zwanzig Jahren. Kann er mit dem greisen Solon von 80 Jahren befreundet gewesen sein?

Der Altphilologe John Victor Luce bezweifelte dies in seinem Beitrag zum von Edwin Remage herausgegebnen Buch „Atlantis: Fact or Fiction?\“. Er meinte, der Kritias in Platons Dialogen könne nicht der 460 v. Chr. geborene Tyrann sein, sondern müsse sein Großvater sein. Zur Rechtfertigung seiner These musste Luce einen dritten Kritias, den Großvater des Großvaters des Tyrannen Kritias annehmen. Dropides und Solon wären dann beide im greisen Alter gewesen.

Weshalb aber dieser Umstand? Weshalb sollte ein Jugendlicher nicht mit einem Greis befreundet sein? Die Argumentation von Luce leuchtete mir nicht ein. Außerdem ließ Platon im „Timaios\“ den Sokrates sagen, sowohl der Sprecher Kritias als auch Hermokrates seien, wie allen Athenern bekannt, kriegserfahren. Damit kann der Kritias nur der Tyrann Kritias gewesen sein, nicht aber sein nahezu unbekannter Großvater.

Tatsächlich war Solon auch in Ägypten. Zur Zeit seines Besuches regierte der Pharao Amasis, wie von Platon behauptet. Amasis war den Griechen sehr zugetan, heiratete eine griechische Frau und siedelte Griechen in Ägypten an. In dieser Zeit war auch Sais die Hauptstadt von Ägypten.

Wenn aber das Original des Atlantisberichts die Tempelinschriften von Medinet Habu waren, wie konnte dann der Priester in Sais dem Solon hierüber berichten? Platon schrieb sogar, der Priester habe in Sais Schriften verwendet, um dem Solon diese Geschichte zu erzählen. Theben (auch als Karnak oder Medinet Habu bezeichnet) war zur Zeit Ramses III die Hauptstadt Ägyptens. Als die Pharaonen ihren Regierungssitz nach Sais verlagerten, werden die ägyptischen Priester ihre Aufzeichnungen mitgenommen haben. Es ist kaum anzunehmen, dass die thebanischen Priester jedes Mal die Köpfe streckten, um die Tempelinschriften zu lesen. Bequemer war es für sie, Abschriften auf Papyri anzufertigen und diese zu lesen. Derartige Abschriften könnten die damaligen Priester nach Sais gebracht und ihre Nachfolger dem Solon vorgelegt haben.

Überhaupt war Theben den Griechen nicht unbekannt. Herodot berichtete, er selbst als auch der griechische Geograph Hekataios hätten Theben besichtigt. Mich wundert nur, dass weder Herodot noch Hekataios jemals etwas über Ramses III und seine Tempelinschriften geschrieben haben.

Es ist also plausibel, dass Platon auf die beschriebene Weise über Solon von Atlantis erfahren haben könnte. Platon war ein Schüler des Sokrates als auch ein Neffe des Tyrannen Kritias. Ist die Geschichte aber dennoch wahr?

In meinem Referat in der zehnten Klasse glaubte ich, diese Frage bejahen zu können, indem ich darauf hinwies, Platon habe mehrfach behauptet, die Geschichte sei „zwar unglaublich aber dennoch durchaus wahr\“, „in allem wahr\“, „nicht bloße Sage sondern wahrhafte Erzählung\“ und „sorgfältig geprüft\“. Im griechischen Original schrieb Platon an der Stelle, die Franz Susemihl mit „wahr\“ übersetzte, „Logos\“. Die Atlantis-Geschichte sei ein Logos im Gegensatz zum Mythos. Der Mythos ist eine gewöhnlich in sich widerspruchsfreie Heldendichtung, Götter nehmen in ihr teil. Interessanterweise schrieb Platon, der Solon habe aus dem Stoff der Atlantis-Erzählung ein Gedicht machen wollen, sein Tod aber habe dies verhindert. Hätte er es getan, so Platon, wäre Solon ein ebenso bedeutender Dichter geworden wie Homer und Hesiod.

Allein aus den Dialogen „Timaios\“ und „Kritias\“ heraus lässt sich ihr Wahrheitsgehalt nicht ermitteln. Die Angaben der Dialoge müssen mit der Wirklichkeit, also modernen archäologischen Befunden, verglichen werden.

Im „Kritias\“ ließ Platon den Kritias ausführlich über das vorzeitliche Athen berichten, so wie es der Priester dem Solon erzählt habe. Über Athen wissen wir heute dank archäologischer Ausgrabungen gut bescheid.

Bis zur Zeit des Krieges gegen Atlantis, so Platon, sei Attika, das Land um Athen, sehr fruchtbar und bewaldet gewesen. Im Anschluss an den Krieg jedoch haben sich Überschwemmungen ereignet, bei denen das Erdreich abgeschwemmt worden und das felsige Land zurückgeblieben sei, so dass es fortan nur noch „den Bienen Nahrung\“ gebot.

Die moderne Geologie bestätigte Platons Angaben. Prinzipiell könnte er sie jedoch durch Beobachtungen und eigene Schlussfolgerungen erlangt haben. Zu Platons Zeiten bestand Attika wie in heutiger Zeit zum größten Teil aus nacktem Fels. Einige Überreste an Waldbestand waren jedoch vorhanden. Im Laufe der Jahrhunderte sind diese Waldbestände durch Erosion weiter dezimiert worden. Beobachtete Platon die Erosionsschäden, die durch starke Regenfällen angerichtet wurden und extrapolierte in die Vergangenheit? Das ist nicht auszuschließen.

Platon schrieb, während einer vorzüglich regenreichen Nacht sei die Athener Akropolis von ihrer fetten Erdschicht entblößt worden und bei einem Erdbeben sei die Masse der Athener Krieger im Erdboden verschwunden. Auf der Athener Akropolis habe es eine Quelle gegeben, die durch dieses Erdbeben verschüttet worden sei.

Es ist kaum anzunehmen, dass ein ganzes Heer in einer Erdspalte verschwindet. Jedoch hat der Anthropologe Oskar Broneer 1939 auf der Athener Akropolis einen Brunnen ausgegraben, der tatsächlich durch ein Erdbeben am Ende der Phase späthelladisch IIIB, also im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts v. Chr., verschüttet worden war.

Die Athener Akropolis diente seit ihrer Errichtung im 15. Jahrhundert v. Chr. als Verteidigungsburg, solange bis sie Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. von einem Erdbeben zerstört wurde. In der nachfolgenden Zeit, dem archaischen, geometrischen und klassischen Griechenland, diente sie nur noch als Heiligtum. Eine Burg kann jedoch nur sinnvoll verteidigt werden, wenn die Verteidiger über ausreichend Nahrung und Wasser verfügen. Belagerer könnten die Verteidiger sonst innerhalb weniger Tage aushungern und verdursten lassen. Platon könnte also gefolgert haben, wenn die Akropolis einst als Burg diente, so müsste sie auch über eine Quelle verfügt haben, die den Verteidigern als Trinkwasserquelle diente. Während der Jugendjahre Platons nahm Perikles ausgiebige Neugestaltungen und damit auch Ausgrabungen an der Akropolis vor. Noch heute ist die aus mykenischer Zeit stammende „große Mauer\“, die auch als „Pelasgermauer\“ oder „Zyklopenmauer\“ bezeichnet wird, sichtbar. Dem Platon dürfte sie durch die Baumassnahmen des Perikles bekannt gewesen sein.

Wesentlich ausführlicher als seine Heimatstadt Athen ließ Platon den Kritias das atlantische Reich beschreiben.

Die Insel Atlantis habe vor den Säulen des Herakles im atlantischen Meer gelegen. Sie sei größer als Asien und Libyen zusammen gewesen. Dort wo sie einst lag, läge nun, also zur Zeit des Ägyptenbesuchs Solons, ein unerforschbares und unbefahrbares Schlammmeer, welches denen, die vom Mittelmeer aus kommend das atlantische Meer befahren wollen, ein Hindernis darstelle. Von den Ländern innerhalb der Säulen des Herakles beherrsche Atlantis außerdem Europa bis nach Tyrrhenien und Libyen bis an die Grenze Ägyptens.

In heutiger Übersetzung bedeutet dies, die Insel Atlantis habe vor Gibraltar im Atlantischen Ozean gelegen. Sie sei größer als Vorderasien und Nordafrika zusammen gewesen. Außerdem habe Atlantis den Küstenstreifen Europa bis nach Tyrrhenien in Norditalien und den Küstenstreifen Nordafrikas bis an die Grenze Ägyptens beherrscht.

Zur Zeit Solons gab es mit Sicherheit kein undurchdringliches Schlammmeer westlich von Gibraltar. Wir wissen, dass die im heutigen Tunesien ansässigen Karthager Handelsfahrten durch die Straße von Gibraltar unternahmen und weiter an der Westküste Afrikas entlangfuhren. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot überlieferte uns beispielsweise eine Fahrt der Karthager, bei der sie die Sonne im Norden sahen. Herodot erschien dies unglaubwürdig, da ihm aus der Erfahrung bekannt war, dass die Sonne niemals im Norden zu sehen sei. Dennoch wollte er seiner Chronistenpflicht nachkommen, wenn er auch nicht an diesen Bericht glaubte. Wir sind heute Herodot zu Dank verpflichtet. Durch ihn wissen wir, dass die Karthager an der Westküste Afrikas entlangfuhren und zumindest bis südlich des nördlichen Wendekreises kamen. Nur südlich dieses Wendekreises ist die Sonne auch im Norden zu sehen.

Weshalb konnte Platon an die Existenz eines Schlammmeeres westlich von Gibraltar glauben? Heutige Gelehrte gehen meistens von der Annahme aus, die Karthager hätten das Gerücht eines undurchdringlichen Schlammmeeres westlich von Gibraltar verbreitet, um so Konkurrenten abzuschrecken und das Handelsmonopol mit den Ländern der Küsten Westafrikas und vielleicht auch Westeuropas, vor allem den Zinninseln Cornwalls, zu bewahren.

Atlantis sei unter die zehn Nachkommen des Poseidon aufgeteilt worden. Der älteste Sohn, Atlas, habe den besten und größten Teil erhalten. Er umfasste das Gebiet um den Hügel, auf dem Kleitos Eltern Euenor und Leukippe lebten. Der zweitälteste Sohn, der auf griechisch Eumelos und auf atlantisch Gadeiros geheißen habe, habe den äußersten Teil der Insel Atlantis erhalten, der dem gadeirischen Land bis zu den Säulen des Herakles gegenüberlag.

Dies ist die wörtliche Übersetzung der betreffenden Stelle im „Kritias\“. Franz Susemihl übersetzte diese Passage dagegen folgendermaßen. „Dem nach ihm geborenen Zwillingsbruder ferner, welcher den äußersten Teil der Insel, von den Säulen des Herakles bis zu der Gegend welche jetzt die gadeirische heißt und von der damals so genannten diese Bezeichnung empfangen hat, als seinen Anteil erhielt, gab er in der Landessprache den Namen Gadeiros, welcher auf griechisch Eumelos lauten würde und auch jene Benennung des Landes hervorrufen sollte.\“

In der Übersetzung des Franz Susemihl umfasste der Herrschaftsbereich also das Gebiet von den Säulen des Herakles (Gibraltar) bis zum gadeirischen Land, das war die Gegend um die heutige Stadt Cadiz. Der äußerste Teil der Insel Atlantis wäre demnach ein Küstenstreifen von etwa einhundert Kilometern Länge im Süden Spaniens gewesen.

Der zweitgeborene Sohn habe in griechischer Übersetzung Eumelos geheißen. In deutscher Übersetzung bedeutet sein Name „der Schafreiche\“ oder „der Wohlbeschafte\“. Sein ursprünglicher Name sei Gadeiros gewesen, nach dem die Landschaft benannt worden sei. Cadiz ist der Name des alten Gadir. Dies wiederum ist ursprünglich ein phönizischer Name. Das phönizische Gadir bedeutet in deutscher Übersetzung soviel wie „ummauert\“. Die griechische Übersetzung von Gadeiros wäre daher nicht Eumelos, sondern Teichos.

Ein spitzfindiger Kritiker könnte diese falsche Übersetzung auf die Ironie Platons zurückführen. Wollte Platon damit zeigen, dass Kritias log? Das wäre an den Haaren herbeigezogen. Um einen derartigen Fehler zu entdecken, hätten die Leser von Platons Dialogen der phönizischen Sprache mächtig sein müssen. Eher ist an einen Übersetzungsfehler zu denken, die atlantischen Namen seien ja aus dem Atlantischen ins Ägyptische und anschließend ins Griechische übersetzt worden. Bei dieser Mehrfachübersetzung werden sich leicht Fehler eingeschlichen haben.

Platon beschrieb die Hauptstadt von Atlantis ausführlich. Euenor und Leukippe hätten zu den ersten aus der Erde entsprossenen Menschen gehört, auf einem allseits flachen Berg hätten sie gelebt. Dort auch zeugten sie ihre einzige Tochter Leukippe. Als sie ins Alter der Mannbarkeit (ins heiratsfähige Alter) gekommen sei, habe sich Poseidon in sie verliebt.

Diesen Berg habe Poseidon mit drei Ringen aus Wasser und zwei Ringen aus Erde umgeben, um ihn für den Menschen unzugänglich zu machen, denn Schifffahrt habe es damals noch nicht gegeben. Die konzentrischen Ringe aus Wasser seien, von innen nach außen, ein, zwei und drei Stadien breit gewesen. Die zwischen ihnen befindlichen Erdringe seien, von innen nach außen, zwei und drei Stadien breit gewesen. Der Durchmesser des Berges habe fünf Stadien betragen. Im Ganzen habe der Durchmesser dieser Festung also 27 Stadien betragen.

Dieser Schöpfungsmythos scheint entweder einen sehr alten Ursprung zu haben oder auf einer Erfindung Platons zu beruhen. Sollte Platon diesen Schöpfungsmythos erfunden haben, so muss er sich eng an alte Schöpfungsmythen angelehnt haben.

Laut den Schöpfungsmythen vieler alter Kulturen, auch der ägyptischen, begann die Welt mit einem Urhügel. Auf diesem Urhügel sei ein Ei gelandet. Aus diesem Ei hätten sich der Himmel und das Meer gebildet.

Die Wallburg aus konzentrischen Ringen erinnert unweigerlich an europäische Kreisringe. Bereits ab 5000 v. Chr. erscheinen von Erdringen umgebene „Burgen\“ in Südengland, Nordbayern und Sachsen. Die wahrscheinlichen Erbauer der Kreisringe Südenglands waren die Megalithiker, die zwischen 2800 und 1900 v. Chr. Stonehenge errichteten. Ab 5000 v. Chr. findet man in Nordbayern, Thüringen, Sachsen und Böhmen die Bandkeramik. Die Erbauer der dortigen Kreisringe werden die so genannten „Bandkeramiker\“ gewesen sein. Diese waren die ersten Indogermanen. Es wäre aber verfehlt, allein aus dem ersten Auftauchen der Kreisringe in Europa auf ein in Europa gelegenes Atlantis zu schließen. Im Rahmen der indogermanischen Expansion drangen die Indogermanen zwischen 2300 und 1900 v. Chr. bis nach Griechenland, Anatolien und die Levante vor, bis um 1500 v. Chr. auch bis nach Persien und das Indus-Tal. Ab 2000 v. Chr. erscheinen „europäische\“ Kreisringe daher auch unter anderem in Israel.

Die Nachkommen des ersten Königs von Atlantis, so Platon, haben die Wallburg weiter ausgebaut. Sie überbrückten die Wasserringe und gruben einen 50 Stadien langen und ein Stadion breiten Kanal bis zum Meer, damit Schiffe über ihn bis zur Hauptstadt gelangen konnten. Auf der fünf Stadien großen Insel in der Mitte hätten die Atlanter einen silbernen Tempel des Poseidon errichtet, der ein Stadion lang und drei Plethren breit war. Außerdem hätten sie einen goldenen Tempel des Poseidon und der Kleito errichtet. Zudem hätten sie auf dieser Insel einen Hain des Poseidon angelegt. Diese Insel umgaben sie mit einer Mauer, so dass sie zu einer Burg ausgebaut wurde.

Diese Angaben verdienen Beachtung. Wenn der Kanal vom Meer bis zur Hauptstadt führte, dann muss die Stadt auf dem Meeresspiegel gelegen haben. Die Errichtung der Erdringe wird dann zur Notwendigkeit, um die Stadt vor Sturmfluten zu schützen. Die Erdringe dienten offenbar auch als Deiche. Der Tempel des Poseidon sei, wenn wir das attische Stadion zu 185 Metern annehmen, 185 Meter lang und 92 Meter breit. Damit wäre dieser Tempel größer als alle Tempel des klassischen Griechenlands gewesen. Seine Größe wäre aber vergleichbar mit den bronzezeitlichen Tempeln Ägyptens.

Auf dem inneren Erdring, so Platon, hätten die „zuverlässigen Personen\“ und „diejenigen, die sich durch besondere Treue ausgezeichnet haben,\“ gewohnt. Damit dürfte der Adel gemeint sein. Auf dem äußeren Erdring hätten die Handwerker und Kaufleute gewohnt. Tagsüber und auch nachts hätte man dort den Lärm der vielen Kaufleute gehört, denn die Atlanter hätten mit vielen Ländern Handel getrieben. Auf diesem äußeren Erdring habe auch eine ringförmige Pferderennbahn mit einer Breite von einem Stadion gelegen.

Diese Stadt wiederum sei von einer Mauer umgeben gewesen, die stets 50 Stadien vom äußeren Wasserring entfernt gelegen habe. Außerhalb dieser Mauer wiederum habe die Unterstadt für das einfache Volk gelegen.

Hier scheint ein Fehler Platons vorzuliegen. Die Königsinsel habe 50 Stadien von Meer entfernt gelegen, die Mauer muss also teilweise im Meer gelegen haben. Auch ein Teil der Unterstadt hätte demnach im Meer gelegen. Außerdem erwähnt Platon nicht, was sich zwischen dem äußersten Wasserring und der Mauer befand. Es ist anzunehmen, dass die Unterstadt in Wirklichkeit um den äußersten Wasserring herum lag und die Unterstadt von der Mauer umgeben war. Das wären ohnehin riesige Ausmaße, der Durchmesser der Unterstadt habe diesen Angaben zufolge mindestens 100 Stadien, also 18 Kilometer, betragen. Damit wäre die Hauptstadt von Atlantis größer gewesen als jede andere Stadt der Altsteinzeit, der Mittelsteinzeit, der Jungsteinzeit, der Bronzezeit, der Eisenzeit, des Altertums, des Mittelalters und der frühen Neuzeit.

Der allseits flache Berg habe am Rande einer nahezu rechteckigen Ebene gelegen. Diese Ebene habe an der Südküste der Insel Atlantis gelegen. Von Norden nach Süden habe sich die Ebene über 3000 Stadien, in ihrer Breite über 2000 Stadien erstreckt. Sie sei von hohen Bergen umgeben gewesen. Um das aus den Bergen herabfließende Wasser aufzufangen, hätten die Atlanter einen ein Stadion breiten und 10000 Stadien langen Kanal gegraben. Die Ebene selbst sei von einem Kanalsystem durchzogen worden, um das Holz aus den Bergen zur Hauptstadt zu transportieren. Zweimal im Jahr habe man auf Atlantis ernten können. Im Winter bewässerte man künstlich, im Winter half „der Regen des Zeus\“.

Die Maße des Kanals waren so riesig, dass Platon den Kritias ungläubig sagen ließ: „Was mir nun von dessen Tiefe, Breite und Länge erzählt ward, das könnte unglaublich erscheinen für ein von Menschenhänden gearbeitetes Werk; es könnte unglaublich erscheinen, dass sie zu ihren vielen anderen Arbeiten auch noch diese von so gewaltiger Ausdehnung unternommen hätten; dennoch muss ich darüber berichten, wie ich es gehört habe. Nämlich ein Plethron tief ward er gegraben und überall ein Stadion breit, und als er nun die ganze Ebene herumgezogen war, da ergab sich für ihn eine Länge von zehntausend Stadien.\“ Auch für heutige Maßstäbe war dieser Kanal riesig, er war bedeutend größer als der Suez-Kanal und der Panama-Kanal. Der Verdacht liegt nahe, dass etwas mit Platons angegebenen Maßen nicht stimmen kann. Es gibt auch nirgends auf der Welt eine derartig große, nahezu rechteckige Ebene. Nahezu rechteckige Ebenen existieren wohl, doch sind sie in Länge und Breite mindestens zehnmal kleiner als von Platon angegeben.

Die die Ebene umgebenden Berge hätten alle jetzt vorhandenen an Menge, Größe und Schönheit übertroffen. Eine reiche Zahl von Bewohnern habe in ihnen gelebt. Flüsse, Seen und Auen, welche zahlreichen zahmen und wilden Tieren hinreichend Nahrung darboten, hätten sich dort befunden, ebenso zahlreiche Wälder.

Die Kultur der Atlanter wurde in Platons Dialogen sehr kurz abgehandelt. Die Atlanter hätten eine Schrift besessen. Auf eine aus Oreichalcos bestehende Säule hätten sie die Gesetze geschrieben, nach denen ihre Könige ihre Urteile zu fällen hätten. Diese Säule habe in der Mitte des Tempels des Poseidon gestanden. Die Kenntnisse der Mathematik schienen elementarer Natur zu sein. Die zehn Könige von Atlantis hätten sich abwechselnd alle fünf und sechs Jahre versammelt, um der geraden und ungeraden Zahl die gleiche Ehre zu erweisen.

Dies klingt so gar nicht nach Platons Philosophie. „Lasst keinen der Geometrie Unkundigen mitreden!\“, pflegte er zu sagen. Wäre Atlantis lediglich ein Konstrukt platonischer Philosophie, so könnte man erwarten, dass er entweder die Atlanter oder die frühen Athener als der Geometrie kundig beschrieben hätte.

Die Religion der Atlanter hatte Platon ebenfalls nur kurz behandelt. Die Atlanter hätten einen Tempel des Poseidon und einen Tempel des Poseidon und der Kleito errichtet. Im Tempel des Poseidon und der Kleito hätten sie goldene Bildsäulen aufgestellt, die den auf dem Wagen stehenden Poseidon zeigten, wie er sechs geflügelte Rosse lenkte. Er sei so groß abgebildet gewesen, dass er mit seinem Haupte die Decke des Tempels berührt habe. Um ihn herum hätten sich Bildsäulen von einhundert Nereiden auf Delphinen befunden, so viele, hätten die Atlanter geglaubt, habe es gegeben.

Bei ihren alle fünf beziehungsweise sechs Jahre stattfindenden Versammlungen hätten die atlantischen Könige folgenden Brauch ausgeführt. Ohne Eisen zu verwenden, lediglich mit Knitteln und Stricken bewaffnet, hätten sie einen der im Heiligtum des Poseidon frei herumlaufenden Stiere gefangen und auf der aus Oreichalcos bestehenden Gesetzessäule geschlachtet.

Der Stierkult wurde nach heutigem Wissen um 6500 v. Chr. in der anatolischen Stadt Catal Hüyük eingeführt. Von dort aus verbreitete er sich im gesamten östlichen Mittelmeerraum. Nach Kreta war er frühestens um 2600 v. Chr. mit dem Beginn der minoischen Kultur gelangt. Der griechische Mythos, gemäß dem der als Stier verkleidete Zeus die Europa von Zypern aus nach Kreta gebracht habe, mag auf die Kulturdrift aus dem asiatischen Raum nach Kreta zurückgehen. Die Minoer waren die ersten, die Stierspiele durchführten. Jünglinge bewiesen ihren Mut, indem sie akrobatische Kunststücke auf den Stieren durchführten. Hierbei sind die Stiere aber wahrscheinlich nicht getötet worden. Die rituelle Tötung der Stiere setzte erst am Ende der Bronzezeit oder während der Eisenzeit ein. Der Tanz um das goldene Kalb des Baal-Kultes ist ein frühes Beispiel. Erst in viel späterer Zeit wurden die Stieropfer in Stierkämpfe umgewandelt. Die heutigen spanischen Stierkämpfe sind damit ein Relikt dieser Stieropfer.

Manche Forscher vertreten die Ansicht, die Atlanter hätten Eisen gekannt, weil Platon explizit festhielt, das Einfangen des Stieres sei ohne Eisen erfolgt. Dieser Logik kann ich nicht zustimmen. An keiner anderen Stelle erwähnte Platon den Gebrauch von Eisen auf Atlantis. Zumindest lässt die rituelle Tötung der Stiere auf Atlantis annehmen, dass diese Geschehnisse frühestens am Ende der Bronzezeit stattfanden.

Platon ließ den Kritias über Atlantis berichten, weil Sokrates den fiktiven Idealstaat im Krieg erleben wollte. So ließ Platon den Kritias auch das Militär von Atlantis beschreiben. Die Ebene von Atlantis sei in 60000 Grundstücke eingeteilt gewesen. Die Berge und die übrige Landschaft von Atlantis seien diesen Grundstücken zugeteilt gewesen. Im Kriegsfalle sollten jeweils sechs Grundstücke zusammen einen Streitwagen stellen, insgesamt also 10000. Ferner sollte jedes Grundstück zwei Rosse und zwei Reiter stellen, dazu ein Zweigespann ohne Sessel, welches mit einem Krieger bemannt war, der einen Schild trug und auch zu Boden kämpfte. Außer diesem Wagenkämpfer habe das Zweigespann über einen Lenker für die beiden Rosse verfügt. Ferner musste jedes Grundstück zwei Schwerbewaffnete, sowie je zwei Bogen- und Schleuderschützen, je drei Stein- und Speerwerfer und vier Seeleute stellen. Insgesamt habe die Streitmacht von Atlantis über 1200 Schiffe verfügt. Diese Schiffe seien Triere gewesen.

Die Streitmacht von Atlantis verfügte somit laut Platon über eine Million und zweihunderttausend Soldaten. Die Schiffe waren mit jeweils 200 Seeleuten bemannt. Zum Vergleich sei die von Apollonius beschriebene Argo des Jason mit 50 Helden bemannt gewesen. Auch die phönizischen Schiffe waren laut Thukydides mit nur etwa 50 Matrosen bemannt. Lediglich die im siebten Jahrhundert v. Chr. von den Griechen eingeführten Triere dürften über eine Besatzung von etwa 200 Mann verfügt haben.

Diese Streitmacht habe schließlich einen Krieg gegen ganz Europa und Asien und „alle Länder innerhalb der Mündung\“, also alle mediterranen Länder, geführt. Zunächst hätten die Atlanter alle Länder unterworfen mit Ausnahme Athens. Athen habe seine Freiheit verteidigen können, sich an die Spitze der Hellenen gestellt und schließlich auch alle anderen Länder des östlichen Mittelmeerraumes befreien können.

Das klingt sehr nach Wunschdenken. Ein kleiner Stadtstaat befreit nicht nur das gesamte griechische Volk, sondern auch alle Nachbarvölker. Ein solcher Sieg ist denn auch geschichtlich nicht bekannt. Wohl aber hat es genau einmal in der Geschichte vor der Zeit Platons einen Angriffskrieg gegen den östlichen Mittelmeerraum gegeben, wobei alle mit Ausnahme eines Staates unterworfen und zerstört wurden, der Angreifer zum Schluss aber von dem einzigen widerstehenden Staat besiegt wurde. Bei diesem Krieg handelte es sich um die Seevölker-Kriege am Ende der Bronzezeit. Der Sieger war jedoch nicht der athenische, sondern der ägyptische Staat.

Über den Untergang von Atlantis berichtete Platon sehr wenig. Nach dem verlorenen Kriege sei es im Meer versunken. Dort, wo es einst gelegen habe, befinde sich nun ein Schlammmeer.

Ich hatte durch die Lektüre von Platons Atlantisbericht einiges dazugelernt. Spanuth hatte wirklich einige Textstellen inkorrekt wiedergegeben. Auch erfuhr ich, dass Platon Atlantis keineswegs mit phantastischen Eigenschaften versehen hatte, sondern wie einen einst existierenden Staat beschrieben hatte. Einige Verzerrungen auf dem Überlieferungsweg mochten möglich sein. Das war sogar wahrscheinlich. Auch dem Geschichtsschreiber Herodot, der sehr sorgfältig recherchierte, unterliefen zahlreiche Fehler. Der spätere und weniger sorgfältig arbeitende Geschichtsschreiber Diodorus Siculus kann aus heutiger Sicht oftmals nicht als verlässlich bezeichnet werden, häufig verquickte er Tatsachen mit Märchen.

Jetzt wollte ich aber „den Ramses\“ lesen. Ich besorgte mir das bei der University of Chicago Press erschienene Buch von Edgerton und Wilson. Es enthielt die vollständige englische Übersetzung der Tempelinschriften von Medinet Habu, die unter Ramses III angefertigt wurden. Das Buch war mit zahlreichen Fußnoten versehen. Doch sollte ich enttäuscht werden.

Ich hatte einen umfassenden Bericht über den Seevölker-Krieg aus dem achten Regierungsjahr Ramses III erwartet. Der Text erfüllte nicht, was ich mir von ihm versprach. Er bestand vor allem aus Lobhudeleien für den siegreichen Pharao. Wie oft musste ich lesen, Ramses III sei ein guter König, er sei der König über beide Länder (Ober- und Unterägypten), er sei der Sohn des Gottes Re, der Auserwählte des Gottes Amun?! Ich habe nicht mitgezählt, aber wohl mindestens fünfzigmal erschienen diese „bescheidenen\“ Worte Ramses III im Text.

Wenig erfuhr ich über die Seevölker. Es seien fünf Völker gewesen, die Peleset, Theker, Shekelesh, Weshesh und Denen. Sie seien „von den Inseln inmitten des Meeres\“ gekommen. Sie seien „Völker des Nordens\“. Sie seien „vom neunten Bogen\“ gekommen. Außerdem hätten sie Hatti, Kode, Karkemisch, Arzawa und Alasia zerstört. Ein Feldlager hätten sie in Amurru aufgeschlagen, bevor sie vorwärts nach Ägypten zogen und von den Ägyptern besiegt worden sind. Der siegreiche Ramses III habe anschließend über die neun Bogen geherrscht.

Der bronzezeitlichen ägyptischen Geographie zufolge bestand die Erdscheibe aus neun Bogen. Der neunte sei der nördlichste gewesen, der erste der südlichste. Der tatsächliche Herrschaftsbereich von Ramses III hat sich im Süden bis etwa zum heutigen Staudamm des Nasser-Stausees erstreckt. Im Nordosten hat er sich bis in das heutige Israel erstreckt.

Die den damaligen Ägyptern bekannte Welt dürfte außer Ägypten nur die Länder seiner Handelspartner umfasst haben. Zu ihnen gehörten die mykenischen Griechen, die Hethiter, die Assyrer, die Babylonier, die Nubier und die Libyer. Somit bestand die den Ägyptern bekannte Welt wahrscheinlich aus Griechenland (möglicherweise ohne Thrakien und Makedonien), den ägäischen Inseln, Anatolien, der Levante, dem Zweistromland, Ägypten, dem Norden des heutigen Sudans („Nubien\“), dem heutigen Libyen, sowie Kreta und Zypern.
Sie kannten drei Meere. Das „große Grün\“, in dessen Mitte Kafta, also Kreta, lag; es war also das (östliche) Mittelmeer. Ferner „das Meer\“, in dem „die Inseln inmitten des Meeres\“ lagen. Das war die Ägäis. Und drittens „das große Rund\“. Da den Ägyptern das Rote Meer bekannt war, wird das große Rund zumindest das Rote Meer umfasst haben, vielleicht auch noch das östliche Mittelmeer. Das Schwarze Meer war ihnen anscheinend unbekannt.

Woher kamen nun die Seevölker? Eine endgültige Antwort sollte ich nicht erhalten, diese Frage wird von den Gelehrten nach wie vor kontrovers diskutiert.

Bereits 1867, also zwei Jahre vor Heinrich Schliemanns Doktorarbeit „Ithaka, der Peloponnes und Troja\“, vermutete der Ägyptologe Emmanuel de Rougé, die Teresh seien die aus dem nordägäischen Raum, insbesondere von der Insel Lemnos, stammenden Tyrsener. Sie seien laut Herodot um 1100 v. Chr. nach Tyrrhenien ausgewandert und die Vorfahren der Etrusker geworden. Die Sherden seien die Sardinier, die Shekelesh seien die Sizilianer, die Ekwesh seien die von Homer besungenen Achäer, also mykenischen Griechen, und die Lukka seien die Lykier. Gestützt wird Herodots Überlieferung der Auswanderung der Tyrsener nach Tyrrhenien dadurch, dass sowohl die etruskische Sprache als auch die Sprache auf der Lemnos-Stele mit keiner anderen europäischen Sprache verwandt sind. Untereinander weisen die beiden Sprachen aber einige Ähnlichkeiten auf.

Der Ägyptologe Gaston Maspero widersprach 1873. Wenn es eine Auswanderung aus dem westanatolischen Raum gab, weshalb sollte sie sich dann nur auf die Teresh genannten Tyrsener beziehen?, fragte er. Er meinte, die Sherden seien aus der westanatolischen Stadt Sardes am Fluss Gediz gekommen und erst nach den Seevölker-Kriegen nach Sardinien ausgewandert. Ebenso seien die Shekelesh aus der westanatolischen Stadt Sagalessos am Fluss Menderes gekommen und erst nach den Kriegen nach Sizilien ausgewandert. Diese Ansicht wird dadurch gestützt, dass der Hörnerhelm der Sherden erst ab dem achten Jahrhundert v. Chr. auf Sardinien erscheint, der Name „Sardinien\“ ist ebenfalls erst seit dem neunten Jahrhundert v. Chr. überliefert. Ebenso scheinen die Siculi, die Sizilien ihren Namen gaben, erst um 1100 v. Chr. nach Sizilien eingewandert zu sein, allerdings von Süditalien aus.

Andere widersprachen beiden Ansichten. Die Völkerwanderung der Seevölker sei nur in der Levante nachweisbar. Dort sei ihr Ursprungsgebiet gewesen. Auch sei der von den Seevölkern mitgeführte Hörnerhelm vor der Zeit der Kriege nur aus Anatolien, der Levante und Mesopotamien bekannt.

Kimmig und Lehmann argumentierten dagegen, die von den Seevölkern mitgeführten Griffzungenschwerter seien um oder kurz vor 1400 v. Chr. im Donau-Balkan-Raum entstanden. Erst ab 1250 v. Chr. seien sie durch Handel in die mykenische Welt gelangt. Außerhalb Europas waren sie vor den Seevölker-Kriegen unbekannt. Ebenso waren die Schiffstypen der Seevölker vor den Kriegen im östlichen Mittelmeerraum unbekannt, während ähnliche Schiffstypen bereits aus den Jahren zuvor im Donau-Balkan-Raum zu finden sind. Dort sei die Heimat der Seevölker gewesen.

Lehmann gab zu bedenken, dass die Ägypter im Wesentlichen nur zwei Typen von Seevölker-Kriegern darstellten, die den Hörnerhelm tragenden „Sherden\“ und die die Federkrone tragenden „Peleset\“. Zudem wurden die „Sherden\“ und „Peleset\“ als während der Seeschlachten gemeinsam auf denselben Schiffen kämpfend dargestellt. Dies lasse vermuten, so Lehmann, dass die Völker der Seevölker aus einem gemeinsamen kulturellen und sprachlichen Zusammenhang stammten. Ihre Heimatgebiete könnten daher räumlich nicht weit voneinander entfernt gelegen haben.

Ich versuchte, ein vorläufiges Schema zu erstellen. Schnittpunkt der genannten Theorien war im Wesentlichen der ägäische Raum. Die Sherden mitsamt den asiatischen Hörnerhelmen könnten aus dem anatolischen Küstengebiet der Ägäis entstammen. Die Peleset, die seit dem Ägyptologen Champollion 1850 mit den biblischen Philistern gleichgesetzt werden, die von Kaphtor, also Kafta, stammten, waren auf Kreta beheimatet. Vielleicht waren sie mit den Pelasgern identisch, wie einige Autoren vermuteten. Ramses III schrieb, die Seevölker seien vom neunten Bogen gekommen, womit der äußerste Norden der den Ägyptern bekannten Welt gemeint war. Das passte zur Ägäis. Auch seien die Seevölker „von den Inseln inmitten des Meeres\“ gekommen, das waren offenbar die ägäischen Inseln. Das Griffzungenschwert war ebenfalls vor den Seevölker-Kriegen im mykenischen Raum, also Südgriechenland, der Peloponnes und der Südägäis, bekannt. Wenn die Heimatgebiete der neun Seevölker geographisch nicht weit voneinander entfernt lagen, ergab sich folgendes Szenario.

Die Ekwesh waren die Achäer. Die heutige Landschaft Achaia wurde erst seit der klassischen Zeit so bezeichnet. Die Hethiter kannten aber ein Volk namens Ahhijawa, das sich an der anatolischen Küste bei Milet ansiedelte. Ähnlich klingende Namen sind auch von der Insel Rhodos bekannt. Die Ekwesh hatten ihre Heimat offenbar auf Rhodos, vielleicht auch noch dem Gebiet um Milet.

Die Sherden mussten wegen der Hörnerhelme aus Asien kommen, vermutlich aus Sardes. Die Teresh könnten mit den Tyrsenern identisch sein, die von der Insel Lemnos und vielleicht auch aus der Troas stammten. Die Lukka waren die Lykier, deren Heimat vermutlich beim heutigen Antalya an der Südküste Anatoliens lag. Die Peleset kamen offenbar aus Kreta. Vielleicht waren sie mit den Pelasgern identisch.

Die Theker könnten die Teukrer gewesen sein. Laut griechischer Überlieferung wanderten sie unter der Führung des Helden Teukros von der Athen vorgelagerten Insel Salamis aus nach Zypern und gründeten die dortige Stadt Salamis. Tatsächlich wurde Alasia auf Zypern von den Seevölkern zerstört. Unmittelbar nach der Zerstörung findet sich dort Keramik aus der Zeit späthelladisch IIIC, sowie die mykenische Linear B Schrift. Beide belegen, dass diese Seevölker mykenische Griechen waren.

Bei den Denen könnte es sich entweder um die Danaer, also Griechen vom Peloponnes, handeln oder um Dardaner, deren Heimat Thrakien und die Troas waren.

Die Shekelesh mögen entweder aus Sagalessos oder von Sizilien gekommen sein. Die Weshesh könnten Trojaner sein. Tatsächlich bezeichnete Homer Troja als „Ilios\“. Emil Forrer vertrat die Ansicht, Ilios habe bis zur Zeit Homers „Wilios\“ geheißen.

Meine Ansichten über Atlantis aus dem April 1989 können etwa folgendermaßen zusammengefasst werden.

Platons Atlantisbericht ist nicht nur fiktiv. Die falsche Übersetzung von Gadeiros mit Eumelos, die falsche Angabe der Lage der Unterstadt von Atlantis, sowie die Angabe, auf der neun Stadien großen Königsinsel habe es außer den beiden Tempeln und dem Hain des Poseidon noch Sümpfe und zahlreiche frei lebende Elefanten gegeben, scheinen auf Fehler auf dem Überlieferungswege zu beruhen.

Das von Platon beschriebene Athen war dasjenige um oder kurz vor 1200 v. Chr. Die Nennung der von einem Erdbeben zerstörten Quelle, sowie der behauptete Schriftverlust der frühen Griechen belegen dies.

Der Krieg zwischen den Ländern des östlichen Mittelmeerraumes und Atlantis bezieht sich auf die Seevölker-Kriege. Vor der Zeit Platons waren dies die einzigen Kriege, deren Angreifer aus dem Westen stammten, den gesamten östlichen Mittelmeerraum eroberten und schließlich besiegt wurden.

Die Heimat der Seevölker war vermutlich der ägäische Raum. Dann aber kann Atlantis nicht die Heimat der Seevölker gewesen sein. Weder Knossos noch Mykene noch eine andere bronzezeitliche Stadt des mykenischen Raumes entsprach Platons Beschreibung der Hauptstadt von Atlantis.

Laut Platon lag die Insel Atlantis im atlantischen Meer und ist später versunken. Dies ist jedoch geologisch unmöglich. Unter Verwendung der Übersetzung Susemihls lässt sich die geographische Lage von Atlantis jedoch mit Andalusien angeben.

Der Originalbericht für den Krieg zwischen Atlantis und den Ländern des östlichen Mittelmeerraumes war offenbar der Bericht Ramses III. Platon behauptete schließlich, sein Bericht beruhe auf ägyptischen Quellen.

Die Ägypter wussten aber keine geographischen Einzelheiten über fremde Länder. Platons Beschreibung des frühen Athen könnte auf griechischen Überlieferungen und eigenen Anschauungen Platons beruhen.

Platons Philosophie war eine dritte Quelle. Die astronomische Erklärung des Phaethon-Mythos, die Behauptung wiederholter Kataklysmen durch einerseits Wasser und andererseits Feuer, sowie die behauptete gesellschaftliche Struktur des frühen Athen gehen nicht auf einen ägyptischen Priester zurück, sondern sind Bestandteile der Philosophie Platons. Gleiches gilt für die Behauptung, das atlantische Meer sei von weiterem Festland umgeben, das als der eigentliche Kontinent bezeichnet werden könnte.

Die Beschreibung von Atlantis musste aus einer vierten Quelle stammen. Die Ägypter wussten nicht viel über fremde Länder und Platon behauptete, die Atlantisgeschichte sei in Griechenland unbekannt. Die Fehler in der Beschreibung von Atlantis legen aber eine echte Überlieferung nahe.

Mehrere Spuren weisen nach Sizilien. Platon hatte Sizilien dreimal besucht und dabei zweimal erfolglos versucht, die dortigen Tyrannen zu Philosophenkönigen zu erziehen. Zwei der vier Sprecher von Platons Dialogen seien auf Sizilien bzw. in Süditalien geboren worden, Hermokrates und Timaios. Beim angeblichen Schlammmeer westlich von Gibraltar schien Platon einem karthagischen Gerücht aufgesessen zu sein. Der Begriff „Gadeiros\“ und „gadeirisches Land\“ war schließlich phönizischen Ursprungs. Platon schien die Beschreibung von Atlantis aus Sizilien zu haben. Griechische oder karthagische Kaufleute könnten ihm dort über Atlantis erzählt haben.

Atlantis könnte Tartessos gewesen sein. Es hatte die von Platon beschriebene geographische Lage. Außerdem ist es erst im sechsten Jahrhundert v. Chr. zerstört worden. Karthager und Griechen landeten bereits Mitte des siebten Jahrhunderts v. Chr. in Südspanien, sie müssen von Tartessos gewusst haben. Damit löst sich auch der Widerspruch auf, dass Tartessos erst nach dem Ägyptenbesuch Solons zerstört wurde. Es war gar nicht Solon, der über Tartessos-Atlantis berichtete.

Eines aber störte mich an diesem Szenario gewaltig. Der Atlantisbericht wäre eine Synthese aus vier verschiedenen Quellen gewesen. Oder gab es doch nur eine einzige Quelle und Atlantis lag, wie Spanuth vermutete, bei Helgoland?

5. Vom „Doktor\“ zum Doktor

Am 26. Mai 1989 überreichte mir der Rektor das Abiturzeugnis. Ich hatte es endlich geschafft. Die Schule lag hinter mir. Ich konnte die sieben Jahre auf dem Gymnasium noch einmal Revue passieren lassen.

Die erste Unterrichtsstunde am ersten Schultag auf dem Gymnasium erteilte mir derselbe Rektor, von dem ich das Abiturzeugnis erhielt. Lang und breit erzählte er uns damals im August 1982 über die Geschichte der Schule.

Traditionsreich sei das Gymnasium Martino-Katharineum, begann er. Die Mathematiker Carl Friedrich Gauß und Richard Dedekind haben diese Schule besucht. Ebenso habe das erste Fußballspiel in Deutschland an ebendieser Schule stattgefunden. Ein Lehrer dieses Gymnasiums habe den aus England stammenden Sport in Deutschland eingeführt, die Schuldirektion von den Vorzügen dieses Sports überzeugen können und im Anschluss daran das erste Fußballspiel an dieser Schule und damit in Deutschland organisiert.

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob der Rektor auch erwähnte, dass der Dichter Hoffmann von Fallersleben das Martino-Katharineum besucht hatte. Sonst hätte ich wohl bereits damals gewusst, dass das berühmte „Wein, Weib und Gesang\“ aus der zweiten Strophe des Deutschlandliedes entlehnt ist.

Ausführlich erzählte der Rektor aber, wie Gauß und seine Mitschüler die Aufgabe erhielten, die ersten 100 Grundzahlen zu addieren. Ihr Lehrer hatte gedacht, mit dieser Aufgabe wären die Schüler mindestens eine Stunde lang beschäftigt. Nicht so Gauß! Nach lediglich zwei Minuten teilte er seinem Lehrer das richtige Ergebnis mit. Wie hatte er das geschafft?

Der Rektor wippte vor Freude mit den Füssen vor und zurück. Das sollten am Anfang jedes neuen Schuljahres auch alle Mathematik- und Physik-Lehrer tun, die dann immer noch meinten, uns mit dieser Geschichte etwas Neues zu erzählen. Wie aber bewältigte Gauß eine Rechenaufgabe, für die andere mindestens eine Stunde benötigten?

Gauß erfand einen mathematischen Trick, fuhr der Rektor fort. Statt die Zahlen von eins bis einhundert nacheinander zu addieren, teilte Gauß die Zahlen in zwei Hälften auf. Die erste Hälfte bestand aus den ersten Zahlen von eins bis fünfzig. Die zweite Hälfte bestand aus den anderen fünfzig Zahlen von 51 bis 100. Zunächst addierte Gauß die kleinste Zahl der ersten Hälfte mit der größten Zahl der zweiten Hälfte, also 1 und 100, er erhielt 101. Nun addierte er die zweitkleinste Zahl der ersten Hälfte mit der zweitgrößten Zahl der zweiten Hälfte, also 2 und 99, wieder erhielt er 101. Drittens addierte er die größte Zahl der ersten Hälfte mit der kleinsten Zahl der zweiten Hälfte, also 50 und 51, wieder war das Ergebnis 101. Jede Hälfte bestand aus 50 Zahlen, das Gesamtergebnis der ersten einhundert Grundzahlen musste 50 mal 101, also 5050, betragen. Er meldete sich und nannte seinem Lehrer das korrekte Ergebnis. Der Lehrer war erstaunt, ließ sich diesen neuen Lösungsweg von Gauß erklären und war von seinem Schüler begeistert.

Auf der Schule war ich im Entferntesten kein Gauß. Einige Erfolge habe ich in dieser Zeit trotzdem gehabt. Im Februar 1985 schrieb mir Erich von Däniken, er könne sich vorstellen, eine physikalische Laufbahn sei für mich das Richtige. Im Herbst 1985 brachte ich mir selbständig Albert Einsteins Spezielle Relativitätstheorie bei. Im Jahr darauf sandte ich meine kosmologischen Ideen bei der astronomischen Fachzeitschrift „The Astrophysical Journal\“ ein. Am 15. Juli 1986 antwortete mir ihr Herausgeber Helmut Abt. Der Briefumschlag war an „Dr. Rainer Kühne\“ adressiert, auch begann sein Antwortschreiben mit der Anrede „Dear Dr. Kühne\“. Darauf folgte eine längere Begründung, weshalb er meinen Aufsatz nicht zur Veröffentlichung annehmen könnte. Ich war damals noch weit davon entfernt, wissenschaftlichen Maßstäben gerecht zu werden. Im Januar 1989 dagegen publizierte Erich von Däniken meinen Artikel „Plädoyer für Atlantis\“ in seiner Zeitschrift „Ancient Skies\“.

Im April erschienen zwei Artikel in der Braunschweiger Zeitung, die meine Aufmerksamkeit erweckten. Im ersten Artikel wurde berichtet, die Chemiker Fleischmann und Pons hätten die Kernfusion im Reagenzglas beobachtet. Im zweiten Artikel wurden berichtet, Kernphysiker um Steven Jones hätten diese Beobachtung bestätigt.

Das war eine Sensation! Darüber berichtete vielleicht schon die neueste Ausgabe der Zeitschrift „Nature\“. Ich radelte zur Universitätsbibliothek und griff mir die Ausgabe vom 27. April, die gerade an diesem Tag in der Bibliothek angelangt war.

Das Heft enthielt nicht nur einen kommentarischen Artikel zum Thema „kalte Fusion\“. Nein, die Originalpublikation der Kernphysiker um Steven Jones war in ihm enthalten. Dieser Artikel sollte mich in den nächsten drei Jahren begeistern und beschäftigen. Außerdem enthielt dieses Nature-Heft mehrere Kommentare, die sich auf die Arbeit von Martin Fleischmann und Stanley Pons bezogen.

Die Arbeit von Fleischmann und Pons sollte als das „wissenschaftliche Fiasko des zwanzigsten Jahrhunderts\“ in die Geschichte der Physik und Chemie eingehen. Worum ging es? Was war geschehen?

Martin Fleischmann und Stanley Pons waren zwei Professoren für Elektrochemie. In ihrer Arbeit behaupteten sie, Kernfusion im Reagenzglas beobachtet zu haben.

In ihrem Experiment füllten sie ein Reagenzglas mit Lithiumdeuteroxid, das der Natronlauge ähnelt. In diese Flüssigkeit taten sie jeweils ein Metallplättchen aus Palladium und Platin. Diese beiden Plättchen verbanden sie mit einem Draht und schickten einen elektrischen Strom durch ihn hindurch. Als Spannungsquelle diente eine Autobatterie. Der Inhalt des Reagenzglases erwärmte sich, er wurde wärmer als erwartet, wenn nur die galvanischen und chemischen Reaktionen stattfanden. Fleischmann und Pons schlossen, dass die überschüssige Wärme durch die Verschmelzung von Atomkernen (Kernfusion) entstand. Am 23. März 1989 verkündeten sie ihr Ergebnis auf einer Pressekonferenz, am 10. April publizierten sie einen Aufsatz über ihr Experiment im „Journal of Electroanalytical Chemistry\“.

Die Physiker und auch viele Chemiker rasten vor Zorn. „Wir leiden an der Inkompetenz der Professoren Fleischmann und Pons\“, schrie der Kernphysiker Steven Koonin auf einer wissenschaftlichen Konferenz. Auf wissenschaftlichen Konferenzen gehört es unbedingt zum guten Ton, seine Ansichten in ruhigem Ton vorzutragen. Weshalb diese Aufregung? Weshalb dieser Zorn? Die Wissenschaftler hatten mehrere Gründe.

Erstens: Fleischmann und Pons waren Chemiker, die Kernfusion aber gehörte zum Aufgabengebiet der Physiker. Die Fachleute schienen von Nicht-Fachleuten geschlagen worden zu sein.

Zweitens: Seit Jahren versuchten die Kernphysiker mit Großgeräten, Kernfusion zu erzeugen. Die benötigten Laser und Tokamaks kosteten jeweils mindestens eine Milliarde Dollar. Fleischmann und Pons dagegen erklärten, ihr Materialaufwand betrage lediglich einige hundert Dollar, die Messgeräte lediglich einige tausend Dollar. Die Kernphysiker schienen wie vertrottelte Verschwender dazustehen.

Drittens: Bei der Kernfusion entsteht nicht nur Wärme, sondern auch radioaktive Strahlung. Fleischmann und Pons hielten auf der Pressekonferenz aber mit bloßen Händen ein Reagenzglas in die Höhe und erklärten, sein Inhalt habe noch vor wenigen Stunden überschüssige Wärme und damit Kernfusion erzeugt. Auch schützten sie ihre Körper während der Experimente nicht vor radioaktiver Strahlung. Das erschien den Kernphysikern hochgradig dilettantisch. Außerdem: hätte es sich wirklich um Kernfusion gehandelt, müssten Fleischmann und Pons bereits zum Zeitpunkt der Pressekonferenz unter schweren Strahlenschäden gelitten haben.

Viertens: Fleischmann und Pons haben nicht die allgemein von Wissenschaftlern anerkannte Reihenfolge eingehalten. Bevor ein Forscher die Öffentlichkeit über seine Resultate informiert, muss er sie zuvor in einer von Wissenschaftlern begutachteten Fachzeitschrift publiziert haben.

Fünftens: Fleischmann und Pons verwendeten als Spannungsquelle eine Autobatterie. Um präzise Messungen durchführen und präzise Resultate erhalten zu können, hätte in den Experimenten eine Spannungsquelle verwendet werden müssen, deren abgegebene Spannung mit hoher Genauigkeit zeitlich konstant war. Eine Autobatterie vermag dies nicht zu leisten.

Sechstens: Physiker und Chemiker erkennen Experimente nur als wissenschaftlich an, wenn Kontrollexperimente unter ähnlichen, aber nicht identischen Bedingungen durchgeführt wurden. Fleischmann und Pons hatten solche Kontrollen offenbar nicht ausgeführt.

Das Experiment des Kernphysikers Steven Jones und seiner Arbeitsgruppe dagegen beruhte auf solider Grundlage. Sie hatten radioaktive Strahlung in Form hochenergetischer Neutronen, das sind Bausteine der Atomkerne, beobachtet. Der experimentelle Aufbau und die Messgeräte waren von einer Qualität, die von anderen Kernphysikern anerkannt wurden. Kontrollexperimente hatten sie ebenfalls durchgeführt. Eine Abhandlung über ihr Experiment publizierten sie in der besten wissenschaftlichen Zeitschrift, in „Nature\“.

Es war aber das Experiment von Fleischmann und Pons, das allgemeines Aufsehen erregte. Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, George Bush, gab Order an alle staatlichen Laboratorien, sofort alles liegen und stehen zu lassen und sich sofort um die kalte Kernfusion zu kümmern. Innerhalb der nächsten Monate arbeiteten weltweit mehrere hundert Forschungsgruppen an der kalten Kernfusion. Über einhundert Teams bestätigten die kalte Kernfusion, mindestens ebenso viele konnten weder die Resultate von Fleischmann und Pons noch die von Jones und seinen Mitarbeitern bestätigen.

Von Jürgen Spanuth hatte ich gelernt, dass man jede These einer wissenschaftlichen Theorie durch viele Argumente abstützen und sie durch zahlreiche Literaturzitate belegen muss. Von Werner Wickboldt hatte ich außerdem gelernt, dass man für ein komplexes Problem die Pro- und Contra-Argumente betrachten muss.

Dies nahm ich mir zu Herzen als ich versuchte, die kalte Kernfusion zu erklären. Wer hatte Recht, diejenigen die behaupteten, Kernfusion im Reagenzglas sei möglich oder ihre Kritiker, die behaupteten, die erhaltenen Resultate beruhten auf Messfehlern und „Hintergrundeffekten\“? Wenn es die kalte Kernfusion gab, wie konnte sie erklärt werden?

Ich forschte und forschte. Hunderte von wissenschaftlichen Abhandlungen habe ich zum Thema gelesen. Mein Ergebnis war, dass die von Steven Jones und seinen Mitarbeitern gemessenen Neutronen nicht auf Messfehlern und Hintergrundeffekten beruhen konnten. Ich meinte außerdem, ihre Resultate seien durch eine modifizierte Theorie des russischen Physikers Boris Derjaguin erklärbar. Für diese Fraktofusion lieferte ich zahlreiche Argumente und belegte sie durch zahlreiche Literaturzitate. Insgesamt fünf wissenschaftliche Artikel sollte ich über die kalte Kernfusion publizieren.

Meinen ersten Artikel „Cold Fusion: Pros and Cons\“ reichte ich am 1. Juni 1990 bei der Fachzeitschrift „Physics Letters\“ ein, am 27. Mai 1991 wurde er in dieser Zeitschrift veröffentlicht. Ganz unbescheiden darf ich sagen, dass ich am Tage des Einreichens erst 20 Jahre und 9 Tage alt war. Damit war ich um drei Tage jünger als der Nobelpreisträger Werner Heisenberg, als dieser seinen ersten wissenschaftlichen Artikel bei einer Zeitschrift einreichte. Wohl war er bei der Publikation seines ersten Artikels jünger als ich bei meiner ersten Publikation. Dennoch war ich am Tage meiner ersten wissenschaftlichen Publikation erst 21 Jahre und 4 Tage alt. Damit war ich jünger als die Nobelpreisträger Albert Einstein und Murray Gell-Mann, als sie ihren jeweils ersten wissenschaftlichen Artikel publizierten.

Bei der kalten Kernfusion fiel mir nur eine Nebenrolle zu. In den Hauptrollen des Dramas befanden sich die Professoren Fleischmann, Pons und Jones. Ich sollte aber ein paar Jahre später Gelegenheit erhalten, eine revolutionäre Theorie aufzustellen.

Die drei Monate vom April bis zum Juni 1995 bezeichne ich heute als „meine geniale Zeit\“. In dieser Zeit stellte ich eine Theorie auf, die ich „Quantenelektromagnetodynamik\“ nannte, oder kurz: QEMD. Meiner Theorie zufolge besteht Licht aus zwei Arten, der gewöhnlichen und einer, mit der man durch Wände sehen kann. Diese Theorie verletzt das Relativitätsprinzip der Speziellen Relativitätstheorie Albert Einsteins. Außerdem verlangt sie im Gegensatz zur „Kopenhagener Interpretation\“ der Quantenmechanik, dass der Begriff der Geschwindigkeit auch innerhalb von Atomen und für Elementarteilchen gilt.

Das waren unerhörte Behauptungen. Die Gutachter zahlreicher physikalischer Fachzeitschriften lehnten es ab, meine Theorie zu veröffentlichen. Es sei eine Tatsache, dass es kein zweites Licht gibt, erfuhr ich. Die Spezielle Relativitätstheorie sei experimentell bewiesen, eine Verletzung des Relativitätsprinzips sei daher unmöglich, belehrten mich die Gutachter. Es gelang mir schließlich, meine Abhandlung „A Model of Magnetic Monopoles\“ in der Ausgabe vom 28. Dezember 1997 der physikalischen Fachzeitschrift „Modern Physics Letters\“ zu publizieren. Diese Zeitschrift wird von der World Scientific Publishing Company herausgegeben, die auch die Nobel Lectures herausgibt.

Ich durchforstete die physikalischen Zeitschriften, um einen Hinweis zu finden, ob bereits ein Experimentator das zweite Licht, das ich „magnetic photon rays\“ nannte, beobachtete hatte. Im Mai 2000 wurde ich fündig. Im Sommer 1885 hatte August Kundt, der Lehrer von Wilhelm Conrad Röntgen, ein Experiment durchgeführt, um mit bloßem Auge Sonnenlicht durch Metallschichten zu beobachten. Wie ich berechnete, hatte er unter anderem so dicke Schichten verwendet, dass sie für normales Sonnenlicht undurchdringlich waren. Bei dem von ihm beobachteten Sonnenlicht musste es sich um „magnetic photon rays\“ handeln! Diese Ansicht publizierte ich in einem im Frühjahr 2003 erschienenen Artikel. Er erschien in einem Sonderband der Zeitschrift „Electromagnetic Phenomena\“, der dem 75. Jahrestag der Entdeckung der Dirac-Gleichung gewidmet war. Die Dirac-Gleichung ist die wohl bedeutendste physikalische Formel des zwanzigsten Jahrhunderts.

Ich hatte in meiner Veröffentlichung aus dem Dezember 1997 ein Experiment vorgeschlagen, wie man die „magnetic photon rays\“ nachweisen könnte. Ich versuchte, zahlreiche experimentelle Physiker zu überzeugen, dieses Experiment auszuführen. Erst nachdem ich auf den Aufsatz von August Kundt gestoßen war, gelang es mir, zwei voneinander unabhängige Experimentatoren zu überzeugen, das von mir vorgeschlagene Experiment auszuführen.

Dr. Alipasha Vaziri von der Universität Wien führte das Experiment im Februar 2002 aus. Der Wisconsin Distinguished Professor Roderic Lakes unternahm im Juni 2002 ein unabhängiges Experiment. Beide erhielten ein Resultat, das zeigte, dass die Strahlung höher war als bei Kontrollexperimenten.

War meine Theorie nun bestätigt? Alipasha Vaziri und Roderic Lakes verneinten dies. Das von Alipasha Vaziri beobachtete Signal war 1000 Mal kleiner als von mir vorhergesagt. Das von Roderic Lakes beobachtete Signal war sogar 6000 Mal kleiner als von mir vorhergesagt. Alipasha Vaziri führte das Signal auf mögliche Streustrahlung der Lichtquelle, eines Lasers, zurück. Auch Roderic Lakes wollte für sein Experiment nicht ausschließen, dass das Signal entweder von der Streustrahlung des Lasers oder von einem Wärmeeffekt herrührte.

Ich untersuchte alle möglichen Fehlerquellen. Streustrahlung und Wärmeeffekte meinte ich als Quellen des gemessenen Lichtsignals ausschließen zu können. Es gelang mir dagegen nicht, zu erklären und zu berechnen, weshalb die beobachteten Signale kleiner waren als von mir vorhergesagt.

Alipasha Vaziri und Roderic Lakes blieben bei ihrer Meinung, sie hätten meine Theorie nicht bestätigt, die Resultate ihrer Experimente wollten sie nicht veröffentlichen. Was sollte ich tun? Meiner Ansicht nach hatten sie die „magnetic photon rays\“ beobachtet, ich konnte aber nicht erklären, wie meine Theorie modifiziert werden müsste, um die Resultate zu erklären. Im Februar 2003 reichte ich meine Abhandlung „Possible Observation of A Second Kind of Light\“ ein, in der ich meine Interpretation dieser Experimente beschrieb. Alipasha Vaziri und Roderic Lakes waren mit dieser Art der Publikation ihrer Experimente einverstanden, vorausgesetzt, ich erklärte in dieser Veröffentlichung, dass sie nicht im Geringsten mit meiner Interpretation übereinstimmten. Meine Abhandlung enthält diese Erklärung und ist inzwischen in einem Beitrag zu einem bei Rinton Press publizierten Fachbuch erschienen.

Dies war meine vierzehnte wissenschaftliche Publikation. Nebenbei hatte ich seit dem Oktober 1990 Physik studiert. Mein Diplom in Physik erhielt ich am 21. November 1995 von der Rheinischen Friedrich Wilhelms Universität Bonn. Meinen Doktor der Naturwissenschaften erhielt ich am 19. Juli 2001 von der Universität Dortmund.

Erich von Däniken hatte Recht. Eine physikalische Laufbahn war für mich das Richtige.

6. Datierung und Lokalisierung von Atlantis

Aus heiterem Himmel wurde ich von einer Sensationsmeldung schockiert. Ein Forscher hatte Atlantis gefunden! Was war geschehen?

Im März 2003 war ich wieder einmal am Surfen. Ich fragte mich, ob ich mal in die Online-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung hineinschauen sollte, ob „der Wickboldt\“ in letzter Zeit wieder einen Vortrag über Atlantis gehalten hatte. Seine Vorträge wurden gewöhnlich in dieser Zeitung angekündigt. Unter dem Stichwort „Atlantis\“ brauchte ich nicht nachzusehen, eine ehemalige Diskothek in Braunschweig trug diesen Namen. Unter diesem Stichwort würde ich jede Menge in ihr stattfindende Veranstaltungen finden. So sah ich unter dem Stichwort „Wickboldt\“ nach. Zwei Treffer wurden angezeigt.

Zunächst las ich den jüngeren Eintrag vom 19. Februar. „Forscher meldet: Atlantis gefunden\“, lautete die Schlagzeile. Die Schlagzeile des älteren Eintrages vom 10. Januar lautete, „Atlantis lag in Südwest-Spanien\“.

Ich traute meinen Augen nicht! Sollte das wirklich heißen, was ich vermutete? Hatte Herr Wickboldt wirklich Atlantis entdeckt?

Genau dies besagten diese Artikel. Am Mittwoch, den 8. Januar habe Werner Wickboldt im Braunschweigischen Landesmuseum, Abteilung Vor- und Frühgeschichte (Wolfenbüttel) einen Vortrag zum Thema „Seevölker – Zerstörer von Troja und Hattuscha\“ gehalten.

Er habe Satellitenbilder von der Südwestküste Spaniens nahe der Mündung des Flusses Guadalquivir gezeigt. Auf diesen Bildern habe er maßstabsgetreue Strukturen entdeckt, wie sie Platon von Atlantis beschrieben hatte.

Im Einzelnen habe er eine rechteckige Struktur entdeckt, die in ihren Abmessungen mit denjenigen des Tempels des Poseidon übereinstimme. Außerdem habe er Teile der Ringanlage, den überbreiten Kanal zum Meer und Wasserläufe durch die Ebene entdeckt. Diese Strukturen befinden sich im Marismengebiet des Guadalquivir, einem Naturschutzgebiet.

Soweit die beiden Artikel. Ich war fasziniert! Sofort schrieb ich an Herrn Wickboldt. Stimmte es, was die Zeitungsartikel sagten? Bei Informationen aus zweiter Hand muss man schließlich immer vorsichtig sein. Bedeutete „maßstabsgetreu\“ wirklich im Maßstab eins zu eins, oder handelte es sich um ein „Miniatur-Atlantis\“? Was genau hatte er entdeckt? Hatte er die gesamte rechteckige Struktur auf den Satellitenbildern gesehen oder nur Teile, wobei er dann den fehlenden Rest als rechteckige Struktur interpretierte? Wie groß war das Auflösungsvermögen der Satellitenbilder?

Werner Wickboldt antwortete spontan. Es stimmte, was in den Zeitungsartikeln stand. Er sei sich relativ sicher, Atlantis entdeckt zu haben. Er sandte mir ein Diagramm, in dem er die auf den Satellitenbildern erkennbaren Strukturen maßstabsgetreu mit Platons Angaben von Atlantis verglich. Ich war beeindruckt.

Das Diagramm zeigte in der Mitte eine rechteckige Struktur von einem Stadion Länge und einem halben Stadion Breite, die Wickboldt als „Tempel\“ bezeichnete. In ihrer Nähe lag eine quadratische Struktur von einem Stadion Seitenlänge, die Wickboldt als „Burg\“ bezeichnete. Umgeben waren diese Strukturen von konzentrischen Teilringen. Überwiegend lagen sie genau dort, wo sie laut Platons Angaben von Atlantis zu erwarten waren.

Außerdem zeigte das Diagramm die heutigen Flussläufe. Mit ihrer Hilfe konnte ich eine Vermutung anstellen, wo in etwa die Strukturen liegen müssten.

Atlantis schien enträtselt, Platons Bericht bestätigt worden zu sein. Der Krieg der Atlanter bezog sich auf die Seevölker-Kriege und die Hauptstadt von Atlantis lag in einem Nationalpark nahe der Mündung des Guadalquivir in Andalusien.

In zwei Punkten aber stimmte ich nicht mit Werner Wickboldt überein.

Erstens: Platon schrieb nicht von einem Tempel des Poseidon und einer Burg auf der Königsinsel von Atlantis, sondern von einem Tempel des Poseidon und eines weiteren Tempels des Poseidon und der Kleito auf der Königsinsel. Die gesamte Königsinsel war laut Platon eine Burg. Wenn überhaupt, dann war die rechteckige Struktur ein Überrest des Tempels des Poseidon. Die quadratische Struktur war dann wohl der Tempel der Kleito und des Poseidon.

Zweitens: Herr Wickboldt meinte, Atlantis sei die Heimat der Seevölker gewesen. Ich kann mich dieser Ansicht nicht anschließen. Hätte die Heimat der Seevölker in einem spanischen Atlantis gelegen und wären die Seevölker von Spanien aus kommend gegen den gesamten Mittelmeerraum gezogen, dann müsste die „nordische Bronze\“ bereits seit mindestens 1200 v. Chr. im westlichen Mittelmeerraum anzutreffen sein. Die ersten bronzenen Hörnerhelme des westlichen Mittelmeerraumes stammen aber erst aus dem achten Jahrhundert v. Chr. von Sardinien.

Mir erschien es wahrscheinlicher, die von Wickboldt gefundenen Strukturen seien Überreste eines mit Tartessos identischen Atlantis. Ich konnte diese Ansicht aus zwei Gründen rechtfertigen.

Zunächst waren die Menschen vor Herodot und Hekataios, die beide im fünften Jahrhundert v. Chr. lebten, nicht an der Geschichte fremder Völker interessiert. Wer sollte über ein um 1200 v. Chr. zerstörtes spanisches Atlantis berichten? In Syrakus konnte Platon über phönizische, etruskische, karthagische oder griechische Händler von Atlantis erfahren haben. Die Phönizier siedelten aber erst ab etwa 1100 v. Chr. in Südspanien und die Etrusker erst seit dem achten Jahrhundert v. Chr. Karthager und Griechen siedelten sogar erst seit dem siebten Jahrhundert v. Chr. in Spanien. Somit ist es wahrscheinlicher, dass Platons Atlantis nicht schon um 1200 v. Chr. in Andalusien zerstört worden ist, sondern erst nach 1100 v. Chr. Dann aber wäre Platons Atlantis mit Tartessos identisch.

Tartessos und Atlantis wurden bereits in den zwanziger Jahren von Adolf Schulten, Otto Jessen und Richard Hennig gleichgesetzt. Wie auch Atlantis besaß Tartessos eine fruchtbare, von Kanälen durchzogene Ebene. Wie Atlantis war es reich an Bodenschätzen und trieb Handel mit vielen Ländern. Außerdem stimmen einige der Angaben Platons besser mit einem eisenzeitlichen als mit einem bronzezeitlichen Atlantis überein. So haben laut Platon die Atlanter Triere besessen und den Ölbaum angepflanzt. Die Triere aber sind eine Errungenschaft des siebten Jahrhunderts v. Chr. und der Ölbaum wurde ab 1100 v. Chr. von den Phöniziern in den westlichen Mittelmeerraum importiert.

Für mich war jetzt alles klar. Wickboldt hatte Atlantis gefunden. Es war wahrscheinlich mit Tartessos identisch, gegebenenfalls auch mit einer bronzezeitlichen spanischen Kultur. Jetzt brauchte man nicht mehr „mit dem Atlantisbericht in der Hand\“ zu suchen. Der Spaten musste angesetzt werden, um Atlantis auszugraben!

Werner Wickboldt aber schien sich Zeit zu lassen. Ich war da hitzköpfiger. Die Welt musste auf diese Entdeckung aufmerksam gemacht werden. Es musste über die Funde publiziert werden. Ich entschied mich zu einer Veröffentlichung.

Wo aber sollte ich publizieren? Aus dem Fall der Chemiker Fleischmann und Pons hatte ich gelernt, dass eine Entdeckung von Wissenschaftlern nur dann anerkannt wird, wenn über sie in einer Fachzeitschrift publiziert worden ist. Bei archäologischen Zeitschriften kann man sich aber glücklich schätzen, wenn eine Abhandlung innerhalb eines Jahres erschienen ist, oft kann man anderthalb oder gar zwei Jahre warten. Ungeduldig wie ich war, wollte ich die Entdeckung schneller veröffentlicht haben.

Wie wäre es mit Ancient Skies?, überlegte ich. Ich entschied mich dagegen. Sechzehn Jahre zuvor musste ich sechzehn Monate auf die Publikation meines Artikels warten, und den Begriff „Zauberinsel Atlantis\“ wollte ich nicht noch einmal in einer meiner Abhandlungen wissen. Ich war schließlich kein Schüler mehr, sondern Doktor!

Ich entschied mich für die von Markus Pezold herausgegebene Zeitschrift „Mysteria3000\“. Sie publiziert schnell, ist auch Online verfügbar und enthält keinen „esoterischen Sums\“. Bereits am 20. August 2003 erschien dort mein Artikel „Lage und Datierung von Atlantis\“.

Ich erkannte schon bald darauf einige Mängel. Wo genau lagen denn nun die Strukturen? Ein möglicher Ausgräber kann nicht lange in einem ausgedehnten Nationalpark herumsuchen, nur um die Ausgrabungsstelle zu finden.

In meiner Not informierte ich einige am Thema Atlantis interessierte Amateure über meinen Artikel. Der aus Kuba stammende Spanier Georgeos Diaz-Montexano war mir behilflich. Er zeigte mir Satellitenbilder, die über dem Parque Nacional de Donana aufgenommen worden waren. Sie zeigten tatsächlich die beiden von Werner Wickboldt entdeckten rechteckigen Strukturen. Die sie umgebenden konzentrischen Kreisringe waren aber nicht einmal andeutungsweise zu erkennen. Georgeos war enttäuscht. Die von ihm gezeigten Satellitenbilder hatten ein Auflösungsvermögen von zehn Metern. Die Kreisringe hätten auf ihnen deutlich zu erkennen sei müssen. Phantasierte Werner Wickboldt? Ich verteidigte Herrn Wickboldt. Ich war von seiner Seriosität überzeugt. Er war kein überdrehter enthusiastischer Spinner. Georgeos blieb skeptisch. Ich dagegen war begeistert. Ich vertraute Werner Wickboldt. Außerdem konnte ich mit den neuen Satellitenphotos die geographischen Koordinaten des „Tempels des Poseidon\“, also der rechteckigen Struktur, bestimmen. Sie lauten 36°57’25“ ± 6“ N und 6°22’58“ ± 8“ W. Das ist der südlichste Zipfel des „Marisma de Hinojos\“, einer sumpfigen Insel inmitten des Parque Nacional de Donana.

Weshalb war die Ringstruktur nicht auf den Satellitenbildern von Georgeos Diaz-Montexano erkennbar? Werner Wickboldt antwortete mir telefonisch.

Die von ihm verwendeten Satellitenbilder seien am 30. August 1996 von der ESA aufgenommen worden. Ihr Auflösungsvermögen betrage etwa 25 Meter. Da die Photos im Hochsommer aufgenommen worden seien, seien die Seen im Marismengebiet nahezu vollständig ausgetrocknet gewesen. Vermutlich sei auf den von Georgeos Diaz-Montexano gezeigten Photos weniger zu erkennen, weil sie zu einer anderen Jahreszeit aufgenommen worden sind.

Das konnte ich bestätigen. Auf den von Georgeos gezeigten Photos ist zu erkennen, dass die Seen Niedrigwasser führten. Wasserpflanzen sorgten für eine grüne Färbung.

Herr Wickboldt beantwortete mir noch eine andere Frage. Die rechteckige Struktur hatte eine Länge von 230 Metern und eine Breite von 140 Metern. Die quadratische Struktur war 280 Meter mal 240 Meter groß. Damit schienen sie größer zu sein als die von Platon beschriebenen Tempel. Er meinte, die Größe dieser Strukturen und der Kreisringe stimme innerhalb des Auflösungsvermögens von 25 Metern mit Platons Angaben überein, wenn man nicht das attische Stadion zu 185 Metern, sondern ein Stadion zu 250 Metern zugrunde lege. Der Durchmesser der gesamten Ringstruktur von 27 Stadien betrage demzufolge rund sieben Kilometer.

7. Die Atlantis-Theorie von Jacques Collina-Girard

Waren alle bislang angestellten Überlegungen falsch? Es schien so! Im Oktober 2003 meldeten die Zeitungen und das Fernsehen, ein Geologe habe Atlantis innerhalb der Straße von Gibraltar gefunden und beabsichtige im nächsten Sommer eine Expedition, um seine Theorie zu bestätigen. Der Geologe war Professor Jacques Collina-Girard. Bereits im September 2001 hatte er seine Theorie in der angesehenen Fachzeitschrift „Comptes Rendus\“ publiziert.

Ich bat Jacques Collina-Girard um genauere Informationen zu seiner Theorie und zu seiner geplanten Expedition. Er antwortete mir prompt. So sandte er mir seinen in den „Comptes Rendus\“ veröffentlichten Artikel, eine zweite Arbeit und einen Vorabdruck einer dritten Abhandlung über seine Theorie. Ich erfuhr auch, wie lange seine Expedition dauern sollte und welche Ergebnisse er sich von ihr versprach.

Jacques vertrat die Ansicht, Atlantis sei eine heute unter dem Namen „Majuan Bank\“ bekannte Untiefe in der Meerenge von Gibraltar gewesen. Heute liege sie 56 Meter unter dem Meeresspiegel. Während des Maximums der letzten Eiszeit vor 19000 bis 21000 Jahren sei sie eine Insel von 14 Kilometern Länge und 5 Kilometern Breite gewesen, weil der Meeresspiegel damals wegen der Vereisung Nordeuropas und Nordamerikas 130 bis 135 Meter niedriger als heute gelegen habe. Wegen der eustatischen Steigung des Meeresspiegels sei diese von ihm so genannte „Spartel Insel\“ vor 11500 Jahren versunken.

Mehrere Argumente stützen seine Theorie, die Spartel Insel sei Atlantis gewesen. Atlantis habe laut Platon vor den Säulen des Herakles gelegen. Tatsächlich liegt die Majuan Bank etwa 50 Kilometer westlich von der heutigen Straße von Gibraltar, die sich während der letzten Eiszeit in westlicher Richtung bis über die Majuan Bank hinaus erstreckte. Die geographischen Koordinaten der höchsten Erhebung der Majuan Bank lauten 35°55′ N und 5°58′ W.

Ungefähr 9000 Jahre vor dem Dialog zwischen Kritias und Sokrates sei Atlantis im Meer versunken. Tatsächlich versank die Spartel Insel vor 11500 Jahren, wenn man nur das eustatische Ansteigen des Meeresspiegels durch das Abschmelzen der polaren Gletscher zugrunde legt.

Dort, wo Atlantis einmal gelegen habe, sei das Meer zur Zeit Solons unerforschbar und unbefahrbar gewesen wegen des sehr hoch aufgetürmten Schlammes. Tatsächlich existieren auch heute noch etwa 40 Kilometer nordwestlich von der Majuan Bank Untiefen von wenigen Metern unterhalb des Meeresspiegels.

Von der Insel Atlantis habe man laut Platon zu anderen Inseln übersetzen können. Tatsächlich existierten während der Eiszeit drei Inseln westlich von der Spartel Insel, eine befand sich nördlich und zwei weitere befanden sich östlich von ihr. Diese ehemaligen Inseln sind heute Untiefen und liegen 50 bis 100 Meter unter dem Meeresspiegel.

Atlantis sei laut Platon ein Handelszentrum gewesen. Während der Eiszeit war die Spartel Insel ein idealer Ort für den Handel zwischen Europa und Afrika. Trotz dieser von Jacques Collina-Girard genannten Argumente kann ich mich seiner Theorie nicht anschließen.

Auf Atlantis habe laut Platon eine Ebene gelegen, die eine Länge von 3000 Stadien, also 550 Kilometern, und eine Breite von 2000 Stadien, also 370 Kilometern, gehabt habe. Sie sei von hohen Bergen umgeben gewesen. Dagegen war die Spartel Insel lediglich 14 Kilometer mal 5 Kilometer groß. Und diese Größe bezieht sich nur auf die Zeit des Maximums der letzten Eiszeit vor 19000 bis 21000 Jahren, nicht auf ihr Ende vor 10000 Jahren. Die Spartel Insel ist wegen des eustatischen Ansteigens des Meeresspiegels innerhalb von 10000 Jahren kontinuierlich geschrumpft, bis sie schließlich vom ansteigenden Meer überspült wurde.

Jacques Collina-Girard meinte, Platons Atlantis könne sich auf die Spartel Insel beziehen. Auch andere Überlieferungen seien viele Jahrtausende alt. Als Beispiel nannte er die sumerische Sintflut-Sage.

Diese ist Bestandteil des Gilgamesch-Epos. Gilgamesch war der König der sumerischen Stadt Uruk. Bei seinem Volk war er wegen seiner Trommel unbeliebt. Aus welchem Grunde wird im Epos nicht erwähnt. Eines Tages kam ein mit Fell bewachsener Bewohner der Berge zu der Stadt des Gilgamesch. Dieser Enkidu war ein Primitiver, der wie ein Tier trank und fraß. Zunächst musste er „von den Tieren entwöhnt werden\“, aber schon bald schlossen Gilgamesch und Enkidu Freundschaft. Bei der Suche nach Zedernholz erlebten sie viele Abenteuer, bis Enkidu einen tödlichen Unfall erlitt. Er gelangte in die Unterwelt, die von den Griechen auch als Hades bezeichnet wird. Aus ungeklärten Gründen fiel kurz darauf die Trommel des Gilgamesch in die Unterwelt. Enkidu erhielt von Gilgamesch den Auftrag, nach dieser Trommel zu suchen. Auf dieser Suche gelangte er zu Utnapischtim, dem Überlebenden der Sintflut. Dieser erzählte ihm, die Götter hätten den Menschen gezürnt und wollten die Welt überfluten. Als einziger wäre er gewarnt worden und hätte den Auftrag erhalten, ein Schiff zu bauen, um nicht nur sich und seine Familie, sondern auch die Samen von jeder Art von Pflanzen und Tieren zu retten. Dies geschah. Utnapischtim baute ein würfelförmiges und fensterloses Schiff, die Sintflut kam, überspülte alle Ebenen und Berge und sogar die untersten Etagen des göttlichen Himmels. Nun bekamen auch die Götter nasse Füße und stoppten die Sintflut. Glücklich konnte Utnapischtim schließlich trockenes Land betreten.

Bruchteile der ältesten erhaltenen Fassung des Epos stammen aus der Zeit um 2200 v. Chr. In dieser Fassung hieß Gilgamesch noch „Bilgamesch\“ und Utnapischtim noch „Ziusudra\“. Archäologen wissen heute, dass Uruk im frühen dritten Jahrtausend v. Chr. die Hauptstadt Sumers war, Bilgamesch könnte damals gelebt haben. Ziusudra muss jedoch vor ihm gelebt haben.

Jacques Collina-Girard schloss sich anderen Geologen an, die die Ansicht vertraten, die biblische, babylonische und sumerische Sintflut-Sage beziehe sich auf die Überflutung des Schwarzen Meeres um 5000 v. Chr., als sich das Mittelmeer durch den Bosporus ergoss. Das mag sein. Es ist aber ebenso gut möglich, dass sich diese Sage auf eine Überflutung des Zweistromlandes durch die Flüsse Euphrat und Tigris bezieht, die im vierten Jahrtausend v. Chr. stattgefunden haben könnte. Erst ab dieser Zeit siedelten die Sumerer im Zweistromland. Laut ihren Überlieferungen waren sie aus dem Osten kommend dorthin eingewandert. Es ist auch keineswegs bewiesen, dass Sumerer und Babylonier das Schwarze Meer kannten.

Ich blieb bei meiner Ansicht, Werner Wickboldt habe Atlantis in Andalusien entdeckt. Mit meiner Veröffentlichung in „Mysteria3000\“ war er im Prinzip einverstanden, von einer Publikation in „einer Zeitschrift à la Däniken\“ war er jedoch nicht begeistert. Er wolle eine solidere Grundlage. Publiziert hatte er jedoch bislang nichts.

So entschied ich mich, eine Abhandlung an eine archäologische Fachzeitschrift zu schicken. In ihr diskutierte ich zunächst die Theorie von Jacques Collina-Girard, besprach Platons Beschreibung der Athener Akropolis, verglich die Seevölker mit den Atlantern, argumentierte, weshalb die Kultur von Atlantis in Andalusien gelegen habe, und ging kurz auf die beiden rechteckigen Strukturen ein, die auf den von Werner Wickboldt und Georgeos Diaz-Montexano gezeigten Satellitenbildern zu erkennen waren.

Würde eine Fachzeitschrift eine derartige Arbeit veröffentlichen? Ich hatte bereits negative Erfahrungen gemacht beim Versuch, meine Theorie der Quantenelektromagnetodynamik zu publizieren. Es ging aber alles glatt! Am 19. Januar 2004 schrieb mir Professor Martin Carver, der Herausgeber der besten archäologischen Fachzeitschrift, „Antiquity\“, er beabsichtige, meinen Artikel im Sommer 2004 auf der Internet-Seite dieser Zeitschrift zu publizieren.

8. Die Ausgrabung von Atlantis kann beginnen

Fassen wir noch einmal zusammen. Die Theorie von Jürgen Spanuth, Atlantis habe auf dem Steingrund bei Helgoland gelegen, kann als widerlegt betrachtet werden.

Dennoch halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass Helgoland und der Steingrund ehemals die Insel der Göttin Nerthus waren, die der römische Geschichtsschreiber Cornelius Tacitus beschrieb. Die Göttin Nerthus war offenbar mit dem germanischen Gott Njörd identisch. Außerdem war Helgoland mit ziemlicher Sicherheit die „felsige Insel Elektris\“, von der die Griechen berichteten. Diese Bernsteininsel dürfte der griechische Seefahrer Pytheas als Abalus bezeichnet haben.

Das bronzezeitliche Germanien war wahrscheinlich, wie Jürgen Spanuth vermutete, das von griechischen Geschichtsschreibern genannte und von griechischen Dichtern beschriebene Hyperborea. Wahrscheinlich war es auch das Land Makris, zu dem Jason und Medea gemäß der Argonautika des Apollonius flüchteten.

Das Land Scheria der Odyssee Homers wird auf Korfu gelegen haben, wie bereits Heinrich Schliemann vermutete.

Das von Platon beschriebene frühe Athen war wahrscheinlich dasjenige um 1200 v. Chr. Als Quellen hat Platon wohl griechische Traditionen und eigene Anschauungen verwendet.

Der Originalbericht des Krieges zwischen Atlantis und den Ländern des östlichen Mittelmeerraumes waren wahrscheinlich die Inschriften des Tempels von Medinet Habu, die unter Ramses III angefertigt wurden. Sie oder deren Abschriften werden ägyptische Priester einem griechischen Besucher gezeigt haben. Ob dieser Grieche Solon war oder nicht, sei dahingestellt. Ich halte es auch für denkbar, dass dieser Grieche in Wirklichkeit Herodot oder Hekataios war. Platon könnte deren Notizen verwendet und sie dem Solon zugeschrieben haben.

Die Hauptstadt von Atlantis lag im Marisma de Hinojos im Parque Nacional de Donana. Die Ebene von Atlantis erstreckte sich von der Mündung des Guadalquivir bis in die Nähe des heutigen Sevilla. Atlantis war wahrscheinlich mit Tartessos identisch. Griechische oder karthagische Händler werden dem Platon während einer seiner Besuche in Syrakus über das
zerstörte Tartessos berichtet haben.

Kritiker werden einwenden, Atlantis sei im Meer versunken, während die von Werner Wickboldt entdeckten Strukturen auf dem Festland liegen. Auch ist die Ebene im Mündungsgebiet des Guadalquivir durch Anschwemmungen entstanden. Zur Zeit der Römer war sie eine Bucht, die fast bis nach Sevilla reichte.

So weit, so gut! Aus der ehemaligen Bucht während der Römerzeit ist in den letzten 2000 Jahren durch Anschwemmungen eine Ebene entstanden. Jedoch war der Meeresspiegel vor 5500 Jahren bereits ebenso hoch wie in heutiger Zeit. Wieso haben Anschwemmungen die Bucht nicht bereits vor 3500 Jahren aufgefüllt? Weshalb existierte die Bucht noch vor 2000 Jahren?

Eine Möglichkeit ist, dass das Schwemmland durch eine, vielleicht durch ein Seebeben verursachte, Überschwemmung fortgespült wurde. Eine derartige Überschwemmung hätte sich zuletzt vor etwa 2500 Jahren ereignen müssen, damit zur Römerzeit vor 2000 Jahren noch eine Bucht existierte, die fast bis nach Sevilla reichte. Und vor 2500 Jahren sei ja auch Tartessos von der Landkarte verschwunden!

Was sagen Geologen? Werner Wickboldt sagte mir während des Telefongesprächs, der Geologe Schubart habe Anzeichen für eine derartige Überschwemmung des Mündungsgebietes des Guadalquivirs entdeckt. Diese Überschwemmung habe sich wohl um 800 v. Chr. ereignet, die Datierung sei aber noch unsicher.

Jacques Collina-Girard plant für den Sommer 2004 eine Expedition zur Spartel Insel. Diese solle zwei Wochen dauern. Für die Entdeckung eines altsteinzeitlichen Siedlungsplatzes sei diese Expedition zu kurz angesetzt, schrieb mir Jacques. Er hoffe aber, geologische Erkenntnisse über die Spartel Insel zu gewinnen. Lag der Meeresspiegel vor 19000 bis 21000 Jahren wirklich um 130 bis 135 Meter niedriger als heute? Versank die Spartel Insel wirklich um 9500 v. Chr.? Wie schnell stieg der Meeresspiegel in der Zwischenzeit? Welchen Einfluss übte der durch die Straße von Gibraltar fließende Atlantik auf das Mittelmeer aus? Wenn die Expedition von Jacques Erfolg hat, und das wünsche ich ihm, dann könnten diese Fragen zumindest teilweise beantwortet werden.

Wie sieht es aber mit der Ausgrabung von Platons Atlantis aus? Wenn die Interpretation der Satellitenbilder nicht trügt, dann lag das Zentrum der Hauptstadt von Atlantis im Parque Nacional de Donana.

Dieser Nationalpark ist vor allem ein Vogelschutzgebiet. Eine „archäologische Großbaustelle\“ würde dort nicht genehmigt werden. Während ich das Compuscript für dieses Buch schreibe, also in der Zeit vom 26. Januar bis zum 6. Februar 2004, schaut mir Pikkolino, der Wellensittich meiner Freundin, über die Schulter. Sein Anblick sagt mir, es wäre auch wenig sinnvoll, eine Stadt von sieben Kilometern Durchmesser vollständig auszugraben.

Einige Probebohrungen könnte man aber durchführen, sicherlich auch einige kleinere Ausgrabungen innerhalb des „Tempels des Poseidon\“.

Laut dem Geographen Strabo hieß der letzte König von Tartessos Arganthonios. Wird dereinst eine junge Frau ihr Röckchen liften, um den aus Oreichalcos bestehenden „Schatz des Arganthonios\“ von Tartessos-Atlantis in Empfang zu nehmen?

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