In der alternativen Archäologie wird immer wieder auf das „Geheimnis“ von Rennes-le-Chateau verwiesen. Thomas Ritter sieht neue Spuren: Gibt es eine Verbindung zwischen Rennes-le-Chateau und dem „heiligen Stein von Krakau“?

Eigentlich ist Rennes-le-Chateau ein armseliges Nest. Es liegt etwa 40 km südlich von Carcassonne auf einem Höhenzug inmitten der Landschaft des Razes. Dem Besucher präsentiert sich das Dorf von seinen Bewohnern fast verlassen und arg vom Zahn der Zeit benagt. Nur das Landhaus Villa Bethania, in dem Gäste heute wieder logieren können, die eigenwillige Tour Magdala und die Ruine des Schlosses d’Hautpoul künden davon, dass der Ort schon bessere Zeiten gesehen hat. Der kleine Ort ist touristisch also ziemlich unattraktiv. Dennoch tummeln sich dort eine Menge Fremde, zuweilen mehr, als der Ort Einwohner zählt.

Es ist seine Geschichte, die Rennes-le-Chateau diese seltsame Anziehungskraft verleiht und es trotz oder gerade wegen seines abgewirtschafteten Zustandes für Fremde so interessant macht. Vor mehr als 100 Jahren geschahen in dem weltvergessenen Dorf merkwürdige Dinge. Da gab es einen jungen Priester namens Berenger Sauniere, der im Jahr 1885 das Pfarramt von Rennes-le-Chateau übernahm. Er hatte eine hervorragende Ausbildung genossen, war ehrgeizig und intelligent. Einem solchen Mann, so sollte man meinen, hätten alle Wege offen stehen sollen. Doch mit 33 Jahren wurde er in die abgeschiedene, bettelarme Gemeinde von Rennes-le-Chateau versetzt und schien hier am Ende seiner Karriere angelangt. Doch offenbar machte ihm dies nicht das geringste aus. Sauniere, der aus Montazels, einem kleinen Ort in der Nähe Rennes-le-Chateaus stammte, schien erfreut, wieder an den Stätten seiner Kindheit weilen zu dürfen. In seinem Amtsbruder Henri Boudet aus Rennes-les-Bain fand Sauniere einen väterlichen Freund und Berater, unter dessen kundiger Anleitung er sich dem Studium antiker Sprachen und der bewegten Geschichte seiner Heimat widmete.

Im Jahr 1891 begann Berenger Sauniere mit der Rekonstruktion der kleinen Dorfkirche Rennes-le-Chateaus. Der Sakralbau ist Maria Magdalena geweiht und stammt aus dem 13. Jahrhundert, aus jenen alten, glanzvollen Tagen bevor Simon de Montfort und die Barone des Nordens Okzitanien im Namen Christi plünderten, jener Zeit, da Rennes noch Rhedae hieß und eine prachtvolle Stadt war, die an Größe und Bedeutung mit Carcassonne konkurrieren konnte. Im Zuge der Arbeiten an der Kirche entdeckte Sauniere mehrere Pergamente, die in einer hohlen Säule des Altars verborgen waren. Der Altar hatte ein bei weitem höheres Alter als die Kirche und ging in seiner ursprünglichen Gestalt bis auf die Zeit der Merowinger zurück, die im frühen Mittelalter auch das Razes beherrschten. Rhedae war einstmals ihre Gründung und südliche Hauptstadt des Merowingerreiches bis zur Ermordung des letzten Herrschers aus diesem Geschlecht gewesen.

Zwei der aufgefundenen Dokumente waren Testamente. Sie stammten aus den Jahren 1244 und 1644 und enthielten die Genealogie der Grafen von Razes, die ihren Ursprung auf das Geschlecht der Merowingerkönige zurückführten. Die beiden anderen Pergamente stammten offenbar aus der Feder Antoine Bigous – eines Amtsvorgängers des Abbe Sauniere – und waren in den Jahren 1781/82 verfasst worden. Die von Bigou niedergeschriebenen Dokumente waren auf den ersten Blick nichts weiter als ziemlich ungenaue und verworrene Versionen zweier Geschichten aus dem Neuen Testament. Das sogenannte ‚Kleine Manuskript‘ hat jene Bibelstelle zum Inhalt, in welcher Christus von den Pharisäern gescholten wird, weil er am Sabbat arbeitet, das ‚Große Manuskript‘ handelt vom Besuch Jesu in Bethanien, dem Wohnsitz des Lazarus und der Maria Magdalena.

Die lateinischen Texte waren jedoch verändert worden – so hatte Bigou im ‚Großen Manuskript‘ 140 Buchstaben hinzugefügt und die Zeilen nach einem bestimmten System verkürzt. Sauniere begriff, dass er es mit chiffrierten Texten zu tun hatte, ihm aber der Schlüssel fehlte, um diese Chiffren zu knacken. Hilfesuchend wandte er sich nunmehr an seinen Bischof – Mns. Felix Arsene Billard. Dieser zeigte Verständnis für Saunieres Probleme und finanzierte dem Abbe eine Reise nach Paris, wo sich Sauniere am Konservatorium von Saint Sulpice mit dem Theologen Abbe Bieil und dem ebenso jungen wie brillanten Linguisten und Priester Emile Hoffet in Verbindung setzte. Hoffet gelang es innerhalb von nur drei Wochen, mit Hilfe des komplizierten Vigenere-Code-Systems, die Dokumente zu dechiffrieren. Dabei stellte sich heraus, dass der ursprüngliche Text lateinisch, der Schlüssel der Chiffren mathematisch und der Klartext (alt-)französisch war. Dieser Klartext war jedoch nicht minder verwirrend, als die Chiffren. Für das ‚Kleine Manuskript‘ lautete er (hier in wörtlicher deer Übersetzung):

„REX MUNDI (Herr der Welt). DAGOBERT II. KÖNIG UND SION GEHÖRT DIESER SCHATZ UND ER IST DER TOD.“

Das ‚Große Manuskript‘ gab nach der Dechiffrierung folgenden Inhalt preis:

„HIRTIN KEINE VERSUCHUNG DASS POUSSIN TENIERS DEN SCHLÜSSEL BEWAHREN FRIEDE 681 DURCH DAS KREUZ UND DIESES PFERD GOTTES ÜBERWINDE ICH DIESEN DÄMON VON WÄCHTER MITTAGS BLAUE ÄPFEL.“

Dies klingt nicht sehr sinnvoll. Nachforschungen haben inzwischen jedoch ergeben, dass Dagobert II. ein Merowingerkönig war, der am 23.12.678 n. Ch. bei Stenay in den Ardennen auf Anweisung seines eigenen Kanzlers ermordet wurde und sich die Namen Poussin und Teniers auf zwei Maler des 17. Jahrhunderts beziehen. In einem Gemälde Nicolas Poussins soll auch der Schlüssel zum Geheimnis Rennes-le-Chateaus verborgen sein. Bei dem Bild handelt es sich um die in den Jahren 1638 – 1640 entstandene zweite Version des Gemäldes ‚Le Bergers d‘ Arcadie‘ (‚Die Hirten von Arcadien‘). Die dargestellte Landschaft ist das Abbild eines Gebietes ca. 8 km östlich von Rennes-le-Chateau. Die Felsformationen in der Nähe der Ortschaft Arques stimmen mit dem Gemälde überein, auch der Sarkophag war dort zu besichtigen – jedenfalls bis vor einigen Jahren. Die neuen Grundbesitzer aus der Familie Rousset ließen ihn 1989 aus unbekannten Gründen zerstören. Die Inschrift auf dem Sarkophag lautete:

„ET IN ARCADIA EGO“, was soviel bedeutet wie „AUCH ICH IN ARCADIEN“

Bildet man aus den Buchstaben ein Anagramm, so ergibt sich folgender Wortlaut:

„I TEGO ARCANA DEI“

„VERSCHWINDE VON HIER!
ICH HALTE DIE GEHEIMNISSE GOTTES VERBORGEN!“

Sauniere erwarb im Louvre eine Reproduktion dieses Gemäldes und kehrte nach Rennes-le-Chateau zurück. Von diesem Zeitpunkt an schwamm der vorher bettelarme Landpfarrer buchstäblich im Geld. Er ließ ein Landhaus bauen – die Villa Bethania – und für sich einen Bibliotheksturm im neogotischen Stil errichten – die Tour Magdala. Sauniere widmete sich darüber hinaus löblichen Gemeindeprojekten, indem er den Ort an die zentrale Trinkwasserversorgung anschließen und eine neue Straße bauen ließ. Auch die vollständige Renovierung seiner Kirche bezahlte der Pfarrer aus eigener Tasche. Dabei wurde das Bauwerk jedoch in einem etwas „heidnischen“ Stil umgestaltet – überall in den grellbunten Wandmalereien finden sich neben Saunieres Signum „BS“ auch allegorische Anspielungen auf einen verborgenen materiellen oder spirituellen Schatz. Über dem Eingang des Gotteshauses ließ Sauniere folgende, dem Alten Testament entlehnte Inschrift einmeißeln:

„TERRIBLIS EST LOCUS ISTE“ – „DIESER ORT IST SCHRECKLICH“.

Der sagenhafte Reichtum Saunieres scheint jedenfalls zum Teil tatsächlich aus einem Schatzfund zu stammen, was sich insofern belegen lässt, als Sauniere einige seiner Amtsbrüder aus der Umgebung reich mit Antiquitäten beschenkte. So erhielt der Priester Grassaud einen sehr alten, außerordentlich kostbar verzierten Abendmahlskelch und Abbe Courtaulay aus Couiza eine beträchtliche Menge Münzen aus dem 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. Die Gegend um Rennes-le-Chateau ist sehr goldreich – bereits im Jahr 1860 fand ein Bauer auf seinem Feld bei Rennes-le-Chateau einen Goldbarren mit einem Gewicht von 50 Kilogramm, ein weiterer Goldbarren, der 20 Kilogramm wog und aus nur grob eingeschmolzenen arabischen Münzen bestand, wurde in einem Waldstück nahe des Dorfes entdeckt. Möglicherweise war der materielle Schatz, den Sauniere entdeckt hatte, merowingischen Ursprungs. Es kann sich jedoch auch um einen Teil des Kronschatzes der Königin Blanche de Castille aus dem 13. Jahrhundert handeln, die ihre private Kriegskasse während des Pastorellenaufstandes nach Rhedae in Sicherheit bringen ließ.

Doch auch zeitgenössische Quellen sprudelten für Sauniere. So erhielt er großzügige Zahlungen von den Adelshäusern Chambord und Habsburg. Auch Henri Boudet überwies an Sauniere Summen in Millionenhöhe. Da Boudet selbst nur Pfarrer war, nimmt man an, dass er und Sauniere im Dienst einer mächtigen Geheimgesellschaft – des Priorats von Sion – standen. Die Existenz eines solchen elitären Zirkels ist historisch recht gut dokumentiert. Zu Zeiten der Kreuzzüge wurde das Priorat, ursprünglich unter der Bezeichnung „Ordre de Mont Sion“ ins Leben gerufen, wie uns eine Urkunde aus dem Jahr 1178 verrät und soll in gewandelter Organisationsform – nämlich als geheime Gesellschaft – die Zeiten bis zum heutigen Tag überdauert haben. Sauniere empfing in seinem Refugium so bedeutende Gäste wie den Cousin des österreichischen Kaisers Johann Salvator von Habsburg, den französischen Kultusminister und die berühmte Operndiva Emma Calve, die auch seine Geliebte gewesen sein soll. Auch nachdem 1914 sein väterlicher Freund und Berater Boudet in Rennes-les-Bain unter seltsamen Umständen aus dem Leben geschieden war, nahm Sauniere nicht Abstand von seinen immer umfangreicher werdenden Projekten. Während in Europa der I. Weltkrieg tobte, plante Sauniere, Rennes-le-Chateau mit einem drei Meter hohen Wall zu umgeben und das gesamte Dorf mit einem auf neun Säulen ruhenden, mehr als fünfzig Meter hohen Tempel zu überdachen. Das gigantische Bauwerk sollte 8 Millionen Franc in Gold kosten, wie einem ersten Kostenvoranschlag von Elias Both, Saunieres Architekten, zu entnehmen ist.

Als der neue Bischof von Carcassonne, Mns. Beausejour, Sauniere wegen seines Lebenswandels der geistlichen Ämter enthob und ihn der Simonie (des verbotenen Messenhandels) anklagte, wandte sich der Priester an den Vatikan und wurde im Jahr 1915 durch die oberste Kirchenbehörde von allen Verfehlungen freigesprochen und wieder in sein geistliches Amt eingesetzt. Sauniere fuhr fort, sein Geld, das aus dunklen Quellen sprudelte, so großzügig auszugeben wie zuvor. Doch am 17. Januar 1917 erlitt der Priester überraschend einen Schlaganfall, an dessen Folgen er 5 Tage später verstarb. Mysteriös bleibt an seinem Tod, dass Marie Denarnaud, seine Haushälterin, bereits am 12. Januar 1917 einen Sarg für ihren Herrn bestellte, wie aus einer erhalten gebliebenen Auftragsbestätigung hervorgeht. Sauniere starb ohne die Letzte Ölung, die ihm sogar von seinem Freund, Abbe Riviere aus Esperaza, verweigert worden war, nachdem er ihm das Geheimnis seines Reichtums enthüllt hatte. Bis heute erinnern sich die älteren Einwohner an den merkwürdigen Ritus bei Saunieres Bestattung. In eine scharlachrote Robe gehüllt, wurde der Tote in einem Lehnstuhl sitzend vor der Tour Magdala aufgebahrt. Zum Leichenbegängnis waren trotz des Krieges Fremde aus vielen Ländern Europas, so aus Spanien, Italien, deland Österreich und Portugal angereist.

Marie Denarnaud überlebte den Abbe um mehrere Jahrzehnte. Bis zum Ende des II. Weltkrieges führte sie das beschauliche Leben einer vermögenden Grundbesitzerin, da Sauniere ihr bereits zu Lebzeiten allen Besitz in Rennes-le-Chateau überschrieben hatte. Viele bemühten sich, ihr Vertrauen zu gewinnen und so mehr über das Geheimnis des Pfarrers von Rennes zu erfahren. Doch Marie Denarnaud wich den drängenden Fragen aus:

„Die Bewohner Rennes-le-Chateaus wandeln auf purem Gold. Es ist genug, um alle in dem Ort 100 Jahre lang aufs beste zu kleiden und zu ernähren und selbst dann wäre noch eine gehörige Menge übrig.“

Mehr war aus ihr nicht herauszubekommen. Nur dem Hotelier Noel Corbu, der ihr nach dem II. Weltkrieg aus einer misslichen Lage half, in die sie aufgrund ihrer allzu guten Beziehung zu den deen Besatzern geraten war, versprach Marie Denarnaud, sie werde ihn zu „einem sehr, sehr reichen und mächtigen Mann machen“. Dazu aber sollte es nicht mehr kommen. Im Jahr 1953 erlitt die Greisin einen Schlaganfall, an dem sie kurze Zeit später verstarb. Es heißt, Marie Denarnaud sei nur noch in der Lage gewesen, einen kleinen Teil ihres Wissens an Noel Corbu weiterzugeben. Der Hotelier verbrachte jedenfalls die nächsten 15 Jahre mit der Erforschung des Geheimnisses. Er investierte bedeutende Summen und war 1965 sogar gezwungen, die einstigen Besitzungen Saunieres, die er von Marie Denarnaud erworben hatte, an Monsieur Henri Buthion zu veräußern. Drei Jahre nach diesem Notverkauf schien er seinem Ziel sehr nahe zu sein. Jedenfalls verkündete Noel Corbu 1968 im Bekanntenkreis, „bald werde ihm nicht nur Frankreich, sondern ganz Europa gehören“. Wie er dies zu bewerkstelligen gedachte, vermochte der Hotelier nicht mehr zu enthüllen. Nur drei Tage nach seiner Ankündigung kam er bei einem mysteriösen Verkehrsunfall in der Nähe von Fanjeaux ums Leben. Der Unfallgegner blieb bis heute unbekannt.

Es ist in der Zwischenzeit viel über das Geheimnis Rennes-le-Chateaus spekuliert worden. Die meisten Autoren nehmen an, dort sei der Heilige Gral – was man darunter auch immer verstehen mag – verborgen. Doch der Begriff Gral leitet sich nun einmal nicht von Sang Real (königliches Blut) ab, wie das britische Journalistenteam um Michael Baigent in dem vielgelesenen Buch ‚Der Heilige Gral und seine Erben‘ zu beweisen versuchte. Auch ‚Das letzte Grab Christi‘, wie Paul Schellenberger und Richard Andrews vermuten, wird sich nicht in der Nähe Rennes-le-Chateaus finden. Zwar sind die Recherchen der Briten zum Thema beeindruckend, doch verkennen sie, dass das bloße Wissen um die mögliche Existenz eines solchen Grabes als Druckmittel nie ausgereicht hätte, um Sauniere und seinen Mitverschworenen ihr luxuriöses Leben durch großzügig bemessenes „Schweigegeld“ zu ermöglichen. Weiterhin lässt eine solche Sichtweise das außerordentliche Interesse außer Betracht, welches das Haus Habsburg und auch die Familie Rothschild an der „Affäre Rennes“ hegte. Immerhin investierten die Rothschilds in den sechziger Jahren sechsstellige Summen in eine Suchaktion nahe Rennes-le-Chateaus, in deren Verlauf der Berg Savonet zu mehr als einem Drittel abgetragen wurde, weil man dort offenbar Saunieres sagenhaften „Schatz“ vermutete.

Henry Lincolns Version, der nach dem Studium der von Sauniere entdeckten Pergamente mit Hilfe „Heiliger Geometrie“ in der Nähe Rennes-le-Chateau einen „Heiligen Platz“, einen „Unsichtbaren Tempel“, den er als das „achte Weltwunder“ bezeichnet, aufgespürt haben will, vermag ebenfalls nicht zu überzeugen. Unbestritten aber ist Lincolns Verdienst der Entdeckung einer antiken, möglicherweise sogar prähistorischen Wallsiedlung von gewaltiger Ausdehnung bei Coustaussa, heute von den Einheimischen „La Grand Camp“ – das „Große Lager“ genannt. Eine persönliche Besichtigung des beschriebenen Platzes förderte Erstaunliches zutage. Auf einem Areal von ca. 10 km², das teilweise künstlich planiert worden ist, erheben sich die Reste gewaltiger Mauern und bunkerartiger Befestigungen. Deutlich lassen sich einzelne Bauepochen unterscheiden. Merkwürdigerweise sind hier die offenbar ältesten Gebäude auch am sorgfältigsten ausgeführt. Über die Erbauer dieses europaweit in seiner Weise wohl einzigartigen Schutzbauwerkes kann nur spekuliert werden. Der Ort scheint so alt zu sein, dass noch nicht einmal in lokalen Legenden von ihm die Rede ist. Für die Einheimischen war „La Grand Camp“ schon immer da und ihrer Meinung wurden die Gebäude auch schon immer so genutzt wie sie es heute tun – als Schafspferche und Unterstellräume für landwirtschaftliche Geräte. Doch welches Schaf braucht für seinen Pferch meterdicke Mauern mit Schießscharten? Die Geschichte dieses Platzes wird sich nur durch gründliche Forschungen vor Ort rekonstruieren lassen. Ein erster Schritt dazu könnte die genaue Vermessung und Kartierung des betreffenden Geländes sein. Möglicherweise warten unter den Trümmern Artefakte auf ihre Entdeckung, die einen Vergleich mit dem „Heiligen Gral“ nicht zu scheuen brauchen.

So mancher vermutet auch den sagenhaften Katharerschatz im Vallee de Bezu. Tatsächlich hüteten die Katharer auf der Burg Montsegur etwas, das die Inquisitoren als „ad pecuniam infinitam“ – „von nicht in Geld zu bemessendem Wert“ bezeichneten. Diese Gegenstände wurden vor der endgültigen Kapitulation der Burg am 01.03.1244 in Sicherheit gebracht. Wohin, das ist nicht genau bekannt – doch darf nicht übersehen werden, dass nach dem Fall des Montsegur noch zwei weitere bedeutende Festungen den katholischen Kreuzfahrern widerstanden – Queribus, das „Wolkenschloss“ und Puilaurens unter dem Befehl des überzeugten Katharers Chabaret de Barbeira. Die Burgbesatzungen wehrten sich gegen die Übermacht der Kreuzfahrer noch bis 1256. Im Labyrinth der Schluchten und Täler des Flusses Aude verborgen liegt die Burg von Usson, die im Verlauf des Albigenserkreuzzuges nicht ein einziges Mal angegriffen wurde. Unter diesen Umständen erscheint es extrem unwahrscheinlich, dass die Katharer ihr Heiligtum ins Vallee de Bezu brachten, wo sie über keine Stützpunkte mehr verfügten.

Was aber könnte Berenger Sauniere dann entdeckt haben? Betrachten wir hierzu einen interessanten Aspekt. Alle, die das Geheimnis Rennes-le-Chateaus kannten, waren bestrebt, sich im Ort oder zumindest in seiner Umgebung niederzulassen. Sauniere war nicht der einzige, wohl aber der letzte in einer langen Reihe der Eingeweihten, dem sich das Geheimnis in voller Tragweite erschloß. Vor ihm waren zumindest mit Teilaspekten des Rätsels vertraut: Abbe Henri Boudet, der sein Leben in Rennes-les-Bain verbrachte, Jean Vie – Saunieres Amtsvorgänger – und Antoine Bigou, der das Geheimnis von Marie de Negre erfuhr, der letzten Marquise de Hautpoul de Blanchefort, die 1781 starb. Mit ihrem Tod erlosch eines der mächtigsten Adelsgeschlechter Südfrankreichs. Die Blancheforts – deren Stammhaus nur wenige Kilometer nordöstlich Rennes-le-Chateaus stand – waren höchstwahrscheinlich auch die Entdecker jenes Geheimnisses, das den Ort bis heute umgibt. Es heißt, dass das Adelshaus de Blanchefort dem Orden der Templer eng verbunden gewesen sei.

Im Jahr 1156 holte einer der Grafen von Razes – Bertrand de Blanchefort, der den Angaben mancher Autoren zufolge sogar einige Zeit Großmeister des Templerordens gewesen sein soll – dee Bergleute ins Land, die unter strengsten Geheimhaltungsvorschriften Arbeiten im Gebiet des Chateau de Blanchefort und des le Bezu ausführten. Es ist bis heute ungeklärt, welchem Zweck diese Arbeiten dienten. Jedoch stellte bereits im Jahr 1647 der Bergbauingenieur Cesar d’Arcons fest, dass die deen Eisen in großen Mengen verhüttet und eine Art unterirdisches Bauwerk angelegt hätten, welches d’Arcons als „Tresor“ bezeichnet. Heutzutage würde man vielleicht treffender von einer Bunkeranlage sprechen. Fraglich bleibt der Zweck eines solchen Bauwerks. Im Hinblick auf das gewaltsame Ende des Templerordens argumentieren viele Autoren, bereits während der Ära des Bertrand de Blanchefort hätten die Ordensoberen an schlechte Zeiten gedacht und ein Versteck für ihre Schätze angelegt. Dem mit der mittelalterlichen Geschichte Vertrauten erscheint diese Ansicht jedoch nicht so recht logisch. Möglicherweise aber wollten die Templer etwas, das sich bereits im Vallee de Bezu befand, etwas Außergewöhnliches, womöglich sogar Gefährliches für Unbefugte unzugänglich machen. Man bedenke die kryptische Warnung, dass „dieser Schatz der Tod ist“.

Ähnliche Gefühle mögen auch Berenger Sauniere bewegt haben, als er 735 Jahre später auf das Vermächtnis der Templer stieß. In der Dorfkirche ließ er eine Statue Asmodis aufstellen, des Hüters der verborgenen Schätze und Geheimnisse. In vielen Arbeiten über Rennes-le-Chateau steht zu lesen, wie schreckerregend diese Statue auf den Betrachter wirke. Doch bei eingehender Betrachtung der Fotodokumente erscheint eigentlich das Teufelchen eher selbst erschrocken, ja geradezu entsetzt zu sein. Mit vor Angst geweiteten Augen starrt es auf den Boden der Kirche, als fürchte es sich vor etwas da unten, tief unter den Hügeln und Tälern des Razes.

Wovor? Vielleicht vor etwas, das so völlig außerhalb unserer Erfahrungen liegt, das so ganz anders ist, eben nicht von unserer Welt stammt. Gibt es Indizien dafür, dass die „Anderen“, die „Nicht-Irdischen“ auch im Gebiet um Rennes-le-Chateau aktiv waren und sind? Es gibt sie. Monsieur Henri Buthion – bis 1993 Eigentümer der Besitzungen Berenger Saunieres – vertraute mir an, das in der Nacht vom 13. zum 14. Oktober jedes Jahres über dem Pic de Bugarach seltsame Leuchterscheinungen zu beobachten sind. Der Pic de Bugarach erhebt sich ein Dutzend Kilometer südöstlich von Rennes-le-Chateau beherrscht mit 1230 Höhenmetern das Land ringsum. Nach Aussagen jüdischer Besucher des Ortes soll der Pic de Bugarach dem Berg Sinai in Palästina täuschen ähnlich sehen. In Anspielung auf diese Tatsache versicherte Monsieur Buthion:

„Auf dem Berg Sinai stieg der HERR zu den Menschen herab. Wenn Sie zu den GÖTTERN hinaufsteigen wollen, dann gehen Sie auf den Pic de Bugarach!“

Nun sind es sicherlich aber nicht jene Lichterscheinungen, welche das außergewöhnlich große Interesse sowohl der Habsburger als auch des Vatikans und jüdischer Organisationen an Rennes-le-Chateau begründen. Diese Sekundärphänomene dürften aber mit dem tatsächlichen Geheimnis in Verbindung stehen. Dieses wiederum verleiht seinem Bewahrer eine außerordentlich große Macht, die mit nichts anderem auf der Welt vergleichbar sein dürfte. Nicht umsonst lautete der erste Satz des ‚Kleinen Manuskripts‘ „Rex Mundi“ – „Herr der Welt“. Manche Autoren sahen darin eine Anspielung auf die Statue des Dämons Asmodi, den Sauniere in seiner Kirche aufstellen ließ. Tatsächlich aber dürfte sich dieser Hinweis auf die Möglichkeiten desjenigen beziehen, dem es gelingt, das Geheimnis von Rennes-le-Chateau zu entschlüsseln.

Um den Charakter dieses Geheimnisses zu beschreiben, muss ich etwas weiter ausholen, und werde zunächst von einem Phänomen berichten, welches noch heute in der ehemaligen polnischen Hauptstadt existiert. Der Schlosshügel in Krakau (polnisch Krakow) soll einer der sieben heiligen Orte der Welt sein, die von einer Aura heiliger Kraft umgeben sind. Sechs dieser magischen Orte können von jedermann besucht werden. Neben Krakau gehören auch die italienische Hauptstadt Rom, Jerusalem in Palästina, Mekka als heiligster Ort der Muslims und das altindische Varanasi dazu, welches die Engländer Benares nannten. Den siebten Ort kennen wir nur vom Namen her, da es sehr wenigen Menschen überhaupt vergönnt gewesen sein soll, jemals dahin vorzudringen. Der Name dieses Ortes ist Shambhala.

Die Quelle der Energie, welche diese Plätze beschirmt, ist in geheimnisvollen Steinen zu suchen. So berichtete der russische Forscher und Philosoph Nicholas Roerich in Bezug auf das legendenumwobene Shambhala, dass sich dort der „Stein des Rigden Jyepo“ befinde. Dabei soll es sich um einen merkwürdigen Stein von einem fernen Stern handeln, der am ehesten mit dem lapsit exillis – dem Grals-Stein aus Wolfram von Eschenbachs Parzival-Epos – verglichen werden kann oder mit dem Stein der Weisen westlicher Alchimie. Der größere Teil dieses Steines soll der Überlieferung zufolge in Shambhala verbleiben, während ein anderer Teil rund um die Erde zirkuliert und dabei seine magnetische (=geistige) Verbindung mit dem Hauptstein behält. Von diesem wird berichtet, dass er sich auf dem „Turm von Rigden-Jyepo“ befinden und von da aus zum Wohle der gesamten Menschheit strahlen soll. Professor George Roerich, der Sohn des Malers, vermutete, dass dieser Stein wahrscheinlich aus dem Siriussystem stammt. Ein Bruchstück des Steines wurde Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts nach Europa gesandt, um bei der Gründung der Völkerbundes zu helfen. Roerichs Expedition soll dann diesen Teil des Steines wieder nach Shambhala zurückgebracht haben. In der Tat beziehen sich einige Gemälde des Chintamani-Zyklus von Nicholas Roerich ganz offensichtlich auf diese geheime Mission.

Der Stein von Krakau nun wird als Tschakram bezeichnet. Er befindet sich im Wawelfelsen zwischen der Kathedrale und dem Schloss in der unterirdischen St. Gereon-Kapelle. Bei diesem Sakralbau handelt es sich um eine vorromanische Konstruktion, die allgemein auf das frühe Mittelalter datiert wird. Lokale Überlieferungen und Legenden legen jedoch den Schluss nahe, dass der unterirdische Raum weitaus älter sein dürfte. Den Ansatz dazu liefert eine hinduistische Legende. Sie berichtet davon, dass eine der drei Hauptgottheiten des Hinduismus den leeren Planeten durchwanderte, bevor Menschen auf der Erde lebten. Dieser Gott soll Shiva gewesen sein, der im Hinduismus als Zerstörer des Bösen gilt. Er hob der Legende nach sieben Steine von der Erde auf und hauchte ihnen seine göttliche Kraft ein. Danach schwang er sich in die Luft und warf sie aus großer Höhe auf die Erde herab. Wo diese Steine niederfielen, entstanden später prächtige Städte, die in der Weltgeschichte eine besondere Rolle spielen, und die von der Kraft, welche die Steine ausstrahlen, bis zum Ende dieses Weltzeitalters geschützt werden.

Tatsächlich wird Shiva noch heute im Hinduismus in der Form des Shiva Lingam verehrt, eines aufrecht stehenden zylindrischen Steines, der vor allem in Südindien meist aus schwarzem Granit gehauen wird. Nach Auffassung der Indologen handelt es sich bei dem Shiva Lingam um ein phallisches Fruchtbarkeitssymbol. Jedoch ist die Darstellung derart abstrahiert, dass sich auch andere Interpretationsmöglichkeiten eröffnen. So wird im Ufer-Tempel der südindischen Stadt Mahabalipuram Shiva figürlich in dem Lingam dargestellt. Dies bedeutet, dass mit dem Lingam auch ein Vimana gemeint sein kann, ein Fluggerät der altindischen Götter, an dessen einstiger Existenz nach den Arbeiten von Erich von Däniken, Lutz Gentes und Armin Risi nun auch in Europa kaum noch Zweifel herrschen dürften.

Der Tschakram auf dem Wawelhügel ist das Motiv zahlreicher Legenden. Eine erzählt davon, wie die Kraft jenes Steins bewirkte, dass Krakau zu einem mächtigen Gemeinwesen, zum Stolz und über Jahrhunderte hinweg auch zur Hauptstadt des polnischen Staates wurde. Dazu trug vor allem ein Erlebnis Fürst Kasimirs des Erneuerers (Herrschaft 1039 – 1058) bei. Er war der Enkel des polnischen Staatsgründers Boleslaw Chrobry (des Tapferen) und Sohn von König Miezko II. Als junger Mann kam er gemeinsam mit seinem Vater nach Krakau, das damals nur eine von vielen polnischen Städten war. Die Lage des königlichen Schlosses auf dem Wawel und die Legenden um den Berg faszinierten den Thronfolger. So entschloss er sich zu einer intensiven Erkundung des Hügels und seiner zahlreichen Höhlen. Dabei stieß er auch auf den Eingang zu einer Grotte, die sich zu einer langen Galerie erweiterte, welche in das Innere des Wawels führte. Nach kurzer Zeit erreichte der Fürst einen ausgedehnten unterirdischen Raum, der ihn an ein künstlich geschaffenes Gemach erinnerte. Ein sanfter, warmer Glanz erleuchtete dieses Gewölbe. Das Leuchten ging von einem großen Stein aus, der sich im Zentrum des Raumes befand. Kasimir trat näher und untersuchte den monolithischen Block. Als er dabei mit der Hand die glatte Oberfläche des Steins berührte, hörte er eine geheimnisvolle Stimme, die ihm offenbarte, dass dieser Tag und dieser Augenblick in seinem Buch des Schicksals geschrieben standen. Die Stimme gebot ihm darüber hinaus auch, seinen Königshof auf dem Wawel zu errichten, wenn die Zeit dafür gekommen sei, und Krakau zu seiner Hauptstadt zu wählen. Das Erlebnis in dem unterirdischen Raum sollte Kasimirs Entscheidungen tatsächlich wesentlich beeinflussen. Es ist überliefert, dass der Fürst sich in seinem späteren Leben besonders in schwierigen Situationen an das erleuchtete Gewölbe und den sprechenden Stein unter dem Wawel erinnerte. Die dort vernommene Prophezeiung ließ ihn in den Machtkämpfen nach dem Tod seines Vaters Gefangenschaft und Verbannung ertragen. Als sein Schicksal sich wieder zum Besseren wendete, und er mit Hilfe seines Schutzherrn, des deen Kaisers Heinrichs III., wieder nach Polen zurückkehrte, bestimmte er eben Krakau zur Hauptstadt seines Reiches und den Wawel zum Sitz des Königlichen Hofes. Die Prophezeiung des Tschakrams war in Erfüllung gegangen.

Handelt es sich bei der Überlieferung von Fürst Kasimirs merkwürdigen Erlebnissen in den geheimnisvollen Gewölben unter dem Wawel nur um die romantische Erfindung patriotischer Polen, ersonnen vielleicht zu Zeiten der leidvollen Teilungen ihrer Heimat? Sicherlich nicht. Die Legende um den mysteriösen Tschakram hat einen realen Hintergrund. Seit mehreren Jahrhunderten schon bestätigen Sondengänger und sensitive Persönlichkeiten, dass der Wawel ein stark positiv erhöhtes Energieniveau aufweist. Bei diesem aus Kalkstein bestehendem Berg handelt es sich somit um einen klassischen Kraftort. Diese Tatsache wurde bereits in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durch Messungen und Experimente bestätigt, welche die physikalische Fakultät der traditionsreichen Universität Krakau durchführte. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen erfuhren ihrerseits Bestätigung durch Versuche, die amerikanische und kanadische Wissenschaftler in den neunziger Jahren gemeinsam mit ihren polnischen Kollegen unternahmen. Dabei wurde auf dem Wawel eine signifikante Verstärkung und Modulierung des erdeignen Magnetfeldes festgestellt, die sich offenbar positiv auf den menschlichen Organismus und dessen psychisches Befinden auswirkt. Die Wissenschaftler kamen ebenfalls zu dem Schluss, dass es sich bei dem in der unterirdischen St. Geron-Kapelle gezeigten Stein nicht um den eigentlichen Tschakram handelt. Der Monolith in der Kapelle besteht aus Sandstein, und wurde dort höchstwahrscheinlich in einer symbolischen Funktion eingebaut. Das eigentliche Kraftzentrum befindet sich demnach zwar auf dem Areal der Kapelle, jedoch deutlich tiefer als das Niveau dieses Raumes. Der leuchtende und sprechende Tschakram steht in einem Gewölbe unter der St. Gereon Kapelle, welches wohl seit Kasimirs Zeiten nicht mehr zugänglich ist. Vielleicht hat der Fürst selbst den Verschluß des Einganges befohlen, damit niemand anderes in den Besitz des geheimnisvollen Steins gelangen konnte.

Worum könnte es sich nun bei dem geheimnisvollen Tschakram handeln? Betrachten wir den Begriff selbst, so ergibt sich zunächst, dass das Wort keinesfalls aus dem Polnischen oder einer anderen slawischen Sprache stammt. Auch Herleitungen aus anderen europäischen Sprachen scheitern. „Tschakram“ wird als völlig eigenständiger Begriff gebraucht, mit dem die Bedeutung eines „Heiligen Steins“ assoziiert wird. Hier ergeben sich, wie eingangs dargestellt, durchaus Parallelen zum „Stein der Weisen“, wie er aus der Alchimie bekannt ist, oder auch zum Gralsstein „lapsit exillis“ des Wolfram von Escheinbach. In Anbetracht der merkwürdigen Eigenschaften des Steins, insbesondere aber auch bei Berücksichtigung des außergewöhnlich stark erhöhten Energieniveaus des Wawel bietet sich meines Erachtens eine andere Herleitung an. Die hinduistische Religion und die daraus entstandene buddhistische Philosophie kennen beide den Begriff „Chakra“. Darunter wird ein Energiezentrum verstanden, von dem der menschliche Körper insgesamt sieben, nach anderen Lehren neun besitzen soll. Den Weg zur Erleuchtung – also zur Erkenntnis des eigenen Seins und damit auch zur Gotteserkenntnis – verbinden sowohl Hindus als auch Buddhisten mit dem Öffnen und Reinigen der körpereigenen Chakras. Nach diesen Lehren besitzt auch die Erde insgesamt sieben bzw. neun Chakras, welche wir uns ebenfalls als Energiezentren vorstellen können. „Tschakram“ könnte daher eine Verballhornung des Begriffes „Chakra“ sein.

Durch die Beschäftigung mit den Lehren des chinesischen Feng Shui und des indischen Vasathi oder Vashtu sowie durch die Erinnerung an die eigenen geomantischen Traditionen und die von einigen Vertretern der Schulwissenschaft entwickelte Gaia-Theorie setzt sich nunmehr auch allmählich in Europa wieder die Erkenntnis durch, dass es sich bei unserem blauen Planeten keineswegs nur um eine unbelebte Ansammlung von Mineralien und Erzen, sondern im Gegenteil um einen komplexen lebendigen Organismus handelt, der durchaus mit der menschlichen Zivilisation zu interagieren imstande ist. Einige Vertreter der Gaja-These billigen dem Organismus Erde ein entwickeltes Bewusstsein zu. Demnach kann es an den Energiepunkten oder Chakras der Erde möglich sein, auf geistigem Wege mit dem Bewusstsein des Planeten Erde zu kommunizieren. Ebenso wie Krakau ist wohl auch Rennes-le-Chateau eines dieser irdischen Energiezentren. Der „Tschakram“ von Krakau ist wie das „Geheimnis“ von Rennes-le-Chateau möglicherweise der Zugang zu einer Kommunikation mit Gaja. Eine solche Kommunikation und die damit ggf. auch verbundene Manipulation des Bewusstseins von Gaja würden den Bewahrer dieses Geheimnisses buchstäblich zum „Herrn der Welt“ werden lassen. Auch eine andere These soll hier diskutiert werden. An den Überlieferungen und Legenden um den Tschakram mutet die Tatsache merkwürdig an, dass zur Erläuterung dieses Phänomens die Mythologie eines anderen Kulturkreises bemüht wird. Nicht der christliche Gott, kein Engel oder Teufel, sondern der hinduistische Shiva hat den Tschakram entstehen lassen.

Ich habe selbst in mehreren Arbeiten ebenso wie Lutz Gentes und Armin Risi in ihren Werken nachgewiesen, dass es sich bei den hinduistischen „Göttern“ des alten Indien keineswegs um mythologische Wesen handelte, sondern vielmehr um die Vertreter einer vorzeitlichen, möglicherweise außerirdischen Zivilisation. Erinnern wir uns im Zusammenhang mit der für den Fürsten Kasimir ausgesprochenen Prophezeiung außerdem daran, dass auf Anweisung der hinduistischen Gottheiten tatsächlich präzise Zukunftsvorhersagen aufgezeichnet worden sind. Diese Voraussagen sind in den indischen Palmblattbibliotheken niedergelegt, deren Existenz und präzise Prognosen inzwischen auch im Westen bekannt wurden. Demnach könnte ein solcher Tschakram die technische Hinterlassenschaft dieser präantiken Hochkultur sein, möglicherweise eine Art „Zeitkapsel“ die unschätzbare Informationen über die Herkunft der Menschheit und ihre immer noch weitgehend im Dunkel liegende Frühzeit enthält. Da es sich bei diesen heiligen Steinen um Kristalle oder zumindest kristalline Stoffe handeln dürfte, kann dadurch auch der Zugang zur sogenannten Akasha-Chronik, dem „Weltgedächtnis“ ermöglicht werden. Damit ließe sich durch einen solchen Tschakram ebenfalls einen Blick in die Zukunft werfen. Welchen Wert auf diese Weise gewonnene Informationen haben, ist unbestreitbar. Es darf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass in der Nähe von Rennes-le-Chateau ebenso ein Energiezentrum der Erde existiert wie in Krakau. Dies würde erklären, warum alle, die das Geheimnis Rennes-le-Chateaus kannten, bestrebt waren, vor Ort zu bleiben.

Der Überprüfung dieser vorgetragenen These werden zwei weitere Expeditionen nach Rennes-le-Chateu im Oktober 2003 und April 2004 dienen.

Literatur

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Andrews, Richard u. Paul Schellenberger (1996): Das letzte Grab Christi. Bergisch-Gladbach.

Baigent, Michael u. Richard Leigh (1992): Der Heilige Gral und seine Erben. Bergisch-Gladbach: 4. Auflage.

Bernadac, Christian (1994): Montsegur et le Graal – Le mystere Otto Rahn. Paris.

Borst, Arno (1991): Die Katharer. Freiburg, Basel, Wien.

Boudet, Henri (1984): La Vraie Langue Celtique et Le Cromleck de Rennes-les-Bains. Edition Belisane. 1886.

Fanthorpe, Patricia and Lionel (1991): Rennes-le-Cháteau. Middlesex.

Gentes, Lutz (1998): Die Wirklichkeit der Götter. München.

Haydock, Tim (1989): Verschollene Schätze der Welt. Stuttgart.

Lincoln, Henry (1991): The Holy Place. Verona.

Roerich, Nicholas (1928): Shambhala. Talai-Pho-Brang.

Roll, Eugen (1987): Die Katharer. Stuttgart: 2. Auflage.

Risi, Armin (1999): Gott und die Götter. Zürich.

Risi, Armin (2001): Machtwechsel auf der Erde. Zürich.

Ritter, Thomas (2001): Die Geheimnisse indischer Palmblattbibliotheken. Lübeck.

Riviere, Jacques (1983): Le fabuleux Tresor de Rennes le Cháteau, Le Secret de l’Abbe Sauniere. Nizza.

de Sede, Gerard (1988): Rennes-le-Cháteau. Paris.

Waterstone, Richard (1995): Living Wisdom India. London.