Am Tag nach der feierlichen Eröffnung des Mystery Parks besuchte Christian Zuppinger den neuen Themenpark im Berner Oberland. Anhand eines ‚Randgangs‘ werden dem Leser die Inhalte des Parkes vorgestellt, und abschließend zusammen mit der Rolle des Parkes kommentiert.

Der Mystery Park (Interlaken)

Vorbemerkung

Dieser Kommentar beruht auf dem von mir gewonnen Eindruck bei einem Besuch des Mystery Parks am 24.5. diesen Jahres, also am ersten Tag nach der feierlichen Eröffnung. Vor meinem Besuch kannte ich bereits mehrere Bücher von Erich von Dänikens und anderer Autoren zu Themen der Prä Astronautik sowie die eher selten in Buchform – aber umfangreich im Internet – publizierten Gegenargumente. Ich war nie ein „Fan“ der Prä Astronautik, mein Interesse an dieser Materie gründet sich auf auf mein Faible für phantastische Literatur und Technikgeschichte. Zusätzlich interessieren mich verschiedene Konzepte, wie komplexe Inhalte dem Publikum in Museen, Ausstellungen, zoologischen Gärten, oder eben auch Themenparks, vermittelt werden können.

Rundgang

Bei meinem Eintreffen auf dem Parkgelände, einem ehemaligen Flugplatz in Interlaken, überraschte mich die großzügige Gestaltung der ganzen gesamten Anlage mit viel Freiraum und Licht zwischen den einzelnen Themengebäuden. Ein wohltuender Kontrast zum Innern der meist fensterlosen Gebäude, welche z.T. die Enge von unterirdischen Gängen nachbilden. Wirklich monumental wirken die Nachbildungen von Pyramiden und Tempeln am Talgrund allerdings nicht, dafür sorgt schon die aufragende Bergkulisse des Jungfrau-Massivs. Nach kurzer Wartezeit für die Ticketausgabe wurde ich mit einem elektronischen System ausgerüstet, welches aus einem Funkempfänger und Ohrhörer besteht. Damit begibt man sich lediglich in die Nähe eines Ausstellungsstückes und schon hört man die Stimme von Erich von Däniken , die einem ins Ohr flüstert. Auf Knopfdruck lässt sich der Text wiederholen. Mit diesem System war es möglich, auf jegliche mehrsprachige Schrifttafeln zu verzichten. Allerdings fallen so auch viele, und wie ich meine, nicht unwichtige Zusatzinformationen weg, welche sich natürlich nicht alle in einem kurzen Sprechtext unterbringen lassen. Hier könnte man mit einem ausführlicheren Parkführer in Form eines Booklets Abhilfe schaffen. In allen Themengebäuden, mit Ausnahme desjenigen zum Thema Nazca, gibt es einen großen Raum mit Projektionsanlagen für Filme (Main-Attraction) sowie Nebenräume mit weiteren Ausstellungsobjekten (Side-Attractions).

Als erstes Gebäude besuchte ich „Orient“, ein in Pyramidenform gestaltete Themengebäude zu den Rätseln des alten Ägypten und des Zweistromlandes. Die Main-Attraction ist ein Film mit Aufnahmen der Pyramiden von Gizeh sowie Computer-Animationen zu deren Bau und einigen, aus gängigen Prä Astronautik-Büchern bekannte Themen wie etwa das sog. „Orion“-Rätsel und die Überlieferungen aus dem Hitat. Durch einen getrennten Eingang (immer ein- und auschecken mit dem Barcode der Eintrittskarte) gelangt man zu den Side-Attractions. Die bekannten Tongefässe mit Metallzylindern aus der Region von Bagdad, wurden hier als Batterien nachgebaut und mit einer Art Glühbirne (kein evakuiertes Glasgefäß, lediglich eine Fluoreszenzröhre ist vorhanden) kombiniert, welche von Reliefdarstellungen im Hathor-Tempel in Dendera inspiriert wurden.

Abb. 1: Eine seltsame „Rekonstruktion“. Die Dendera-Glühbirne und überdimensionale Bagdad-Batterien.

Diese Reliefs lassen sich auch entlang eines engen Ganges selbst erkunden. Weitere Ausstellungsstücke sind unter anderem ein Globus mit den Position von Pyramiden auf der ganzen Welt, das Thema der Kernbohrungen in Hartgestein, und die Erforschung des südlichen Schachtes der Königinnenkammer in der Cheopspyramide mit Rudolf Gantenbrinks Miniroboter „Upuaut II“. Hierzu wird eine naturgetreue Rekonstruktion des Schachtendes mit der jetzt durchbohrten Platte und dem Hohlraum dahinter gezeigt. Ein Lob für den Realismus an dieser Stelle, aber die Winzigkeit der leeren „Kammer“ (in etwa so groß wie ein Briefkasten) wirkt so nicht besonders sensationell. Der Audiokommentar enthält sich aber, im Unterschied zu den Büchern und einigen Interviews, jeglicher Verschwörungstheorie im Zusammenhang mit den zuständigen Ägyptologen und der ägyptischen Antikenverwaltung.

Das nächste Gebäude auf meiner Tour war „Maya“. Hier wird in der Hauptattraktion ein Film auf eine runde Projektionsfläche im Innern von Kalenderrädern projiziert. Die gezeigte Geschichte handelt von einer Havarie von Außerirdischen, welche der mexikanischenUrbevölkerung Astronomiekenntnisse beibringen. Erich von Däniken erscheint gegen Ende des Films und relativiert die Spekulationen, vor allem zum Thema der Wiederkehr der „Götter“, welche sich aus dem Ablaufen des Kalenders der Maya im Jahre 2012 ergibt. In den Side-Attractions sind jene Themen präsent, welche man auch von Vorträgen her kennt: Die Straße der Toten in Teotihuacán als angebliche Abbildung des unseres Sonnensystems, der Schatten des Schlangengottes auf dem Treppenrand der Kukulkan-Pyramide in Chichen Itzà (ein gut gemachtes Modell mit wechselnder Beleuchtung), die Grabplatte von Palenque, ein Kristallschädel sowie Nachbildungen mehrerer Stelen aus Tikal und Copan.

Abb. 2: Die Nachbildung der Kukulkan-Pyramide von Chichen Itzà.

Weiter geht der Rundgang zum Themengebäude \“Vimana\“. Hier sehen wir einen Film, in dem sich jemand in einer indischen Bibliothek nach der Bedeutung der „Vimanas“ erkundigt und dabei von Weltraumschlachten mit Atombombeneinsatz auf der Erde erfährt. Die Computeranimationen zeigen Actionszenen wie aus einem Science Fiction-Film zwischen verschiedenen UFO-ähnlichen Kampfmaschinen (eben die „Vimanas“) und die Erde umkreisenden Raumstationen. Bei den Side-Attractions wird unter anderem behauptet, dass die alten Inder Kenntnisse über die Durchmesser der Planeten besessen hätten. Hier sind auch einige Bilder von heutigen Raumstationen, Satelliten und Raumschiffen gezeigt, welche den Beschreibungen in altindischen Schriften ähnlich sein sollen.

Nun zu den „Megastones“. Hier habe ich leider die Main-Attraction mit der Lasershow verpasst. In den Side-Attractions wird beim Eingang der Stein des Südens in Baalbek mit vielen modernen Lastkränen gezeigt. Ein schlechtes Beispiel für Steintransport, da doch gerade dieser Stein nie bewegt wurde. Ein weiterer Raum und Installationen außerhalb des Gebäudes handeln von den Megalithen. Ausstellungsstücke sind das Ganggrab von Gavrinis und die Steinbearbeitung in Puma Punku. Zwar gibt es in diesem Themengebäude kaum Andeutungen zu möglichen außerirdischen Besuchern, allerdings fand ich, dass der sehr verschiedene geschichtliche und kulturelle Hintergrund der Kulturen, welche „Megastones“ geschaffen und transportiert haben, vernachlässigt wurde.

Im Gebäude „Contact“ dreht sich alles um Berichte, Objekte und Zeichnungen, welche von Völkern angefertigt wurden, die möglicherweise in Kontakt mit Hochtechnologien kamen. Hier sehen wir unter anderem „Goldflieger“, goldene Objekte aus Kolumbien, die Fabelwesen mit Ähnlichkeit zu Fischen und Vögeln darstellen mögen, aber auch an moderne Düsenflugzeuge erinnern. Zudem sind Felszeichnungen wiedergegeben, auf denen Erich von Däniken menschenähnliche Figuren mit Astronautenhelmen zu erkennen glaubt. Schliesslich ist eine Nachbildung eines Flugzeugs aus Stroh ausgestellt, das im 20 Jhdt. von Insulanern hergestellt wurde, die zum ersten Mal mit der modernen Zivilisation konfrontiert wurden.

Weiter zu „Nazca“. Hier gibt es nur einen Filmvorführung und keine Side-Attractions. Dieser Film hat mir eigentlich am besten gefallen, obwohl er keine Computeranimationen enthält – oder vielleicht gerade deshalb? Der Film besteht aus Flugaufnahmen der Ebene von Nazca und der Tafelberge, welche nach vorne und auf den Boden unter den Sitzen der Zuschauer projiziert werden.

Bei „Challenge“, dem Themengebäude über SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence), wartet man zuerst in einer kleinen Vorhalle, in der eine Tonbildschau mit Kommentar des in der Schweiz bekannten Raumfahrtspezialisten und Mathematikers Bruno Stanek gezeigt wird. Darin werden verschiedene Informationen über die Planeten des Sonnensystems, die Planetensonden und Astrobiologie vermittelt. Danach wird man in einen Saal eingelassen, in dem ein Film mit 3D-Effekt (mit Spezialbrille) gezeigt wird. Der Film handelt u.a. von Wurmlöchern und dem Phänomen der Zeitdilatation. Die Computeranimation ist gut, aber der Ablauf ist ziemlich hektisch und die Informationen erscheinen – ohne etwas Vorwissen – unzusammenhängend.

In der „Nabe“ des Mystery Parks – im Zentrum der ganzen Anlage – sind Restaurants, Shops, Flug/U-Bootsimulatoren, ein Kinderhort sowie ein Video-Spielsalon untergebracht. Das U-Boot mit einem Film über Unterwasser-Rätsel war leider gerade defekt, als ich bei meinem Besuch dort vorbeischaute. Hier findet sich auch einen Buchladen, in dem die aktuellen Büchern aus dem Gebiet der Prä Astronautik sowie weiteren verwandten Themen erwerben werden können. In der Auslage sind viele bekannte Autoren vertreten (v.a. Erich von Däniken, aber auch Erdogan Ercivan, Luc Bürgin, Armin Risi etc.). Sogar das Heft ‚Sagenhafte Zeiten‘ ist hier für 10 sFr erhältlich. Außerdem werden die DVD’s von Bruno Stanek sowie Wissens-Bücher über Astronomie für Jugendliche verkauft, allerdings kaum etwas aus der klassischen Archäologie.

Däniken-Bücher aus aller Welt.

Abb. 3: Im Turm des Mystery Parks findet der Besucher von Däniken-Bücher aus aller Welt.

Schließlich besuchte ich den Turm, in dem bisher noch wenig zu sehen ist – außer der eindrücklichen Aussicht auf den Park natürlich. In Zukunft soll hier einmal ein Science-Center entstehen, was auch immer man sich darunter vorzustellen hat. Bis dahin sind hier Bücher von Erich von Dänikens in verschiedenen Sprachen und seine Ehrendoktor-Diplome ausgestellt. Elisabeth von Däniken saß an diesem Tag hier an einem Tisch und verteilte Prospekte über die EvD-Stiftung und die Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI (AAS).

Kommentar

Nun haben sich also die Tore des Mystery Parks geöffnet und das ehemals als „Projekt X“ angekündigte Werk konnte mit Geldern aus der Privatwirtschaft realisiert werden. Diese Leistung sollte auf jeden Fall gewürdigt werden. Erich von Däniken hat mit seiner Begeisterung und seiner Befähigung, das Publikum für sich zu gewinnen, einen entscheidenden Anteil an diesem Erfolg. Ich kann auch bestätigen, dass um die Person Däniken im Park kein Kult getrieben wird, und er sich in dieser Weise treu geblieben ist.

An der Art und der Bedeutung der im Park gezeigten „Mysteries“ sowie der Präsentation scheiden sich nun natürlich die Geister – , was aber niemanden überraschen sollte. Ja, man sollte sich sogar als glühender Anhänger der Prä Astronautik Däniken’scher Prägung eine kritische Diskussion des Themas in der Öffentlichkeit wünschen, denn nur das, was die Menschen auf die eine oder andere Weise berührt, wird auch längerfristig verfolgt und erforscht. Natürlich kann man den Mystery Park auch als reine Unterhaltung ansehen und zu diesem Zweck hat ein Teil meiner diesbezüglich nicht vorbelasteten Verwandtschaft den Park bereits besucht und ein positives Urteil abgegeben.

Modernes Werkzeug soll das Rätsel der antiken Kernbohrungen verdeutlichen.

Abb. 4: Modernes Werkzeug soll das Rätsel der antiken Kernbohrungen verdeutlichen.

Trotz der engen Anbindung an die Publikationen Erich von Däniken und anderer Autoren gibt es im Park aber auch Unterschiede zu den Veröffentlichungen. Es fehlen, mit Ausnahme des Ezechiel-„Raumschiffs“, die Prä Astronautik-Themen der Bibel, wie etwa die Vermutung, in der Bundeslade sei eine Manna-produzierende Maschine transportiert worden, der Gott der Israeliten sei ein Raumschiffskapitän gewesen und hinter neuzeitlichen Marienerscheinungen stünden maskierte Außerirdische. Oder aber auch die Annahme, dass die Menschheit grundsätzlich genmanipuliert sei. Derartige Themen hätten mit Garantie für einige Irritationen beim Publikum gesorgt. So aber bleibt es bei technischen Interpretationen aus der indischen Götterwelt.

Im Unterschied zu den Büchern wurde im Park auch auf Angriffe gegen Archäologen und andere Gelehrte verzichtet, welche der alternativen Gemeinde von Forschern und Autoren angeblich alle möglichen Steine in den Weg legen und brisante Informationen absichtlich zurückhalten würden. Dies wird dann allerdings in den Büchern nachgeholt und ist auch ein zentrales Element einer fiktiven TV-Serie, die mit Beteiligung von Erich von Däniken zur Zeit in den USA produziert wird. In diesem Zusammenhang ist aber auch positiv zu erwähnen, dass in der Tonbildschau von Bruno Stanek den Verschwörungstheorien um das angebliche „Marsgesicht“ und um die Mondlandungen der NASA eine klare Abfuhr erteilt wird.

Dass die Themen des Parks so stark auf die Prä Astronautik nach Erich von Däniken konzentriert sind – mit kleineren Zugaben von vergessenen Hochkulturen und Raumfahrt – war für mich etwas überraschend. Schließlich gibt es viele populäre „Mysteries“, die sich zur Zeit noch größerer Beliebtheit beim (TV-)Publikum erfreuen. Sie erstrecken sich von Naturwundern wie Tornados und Dinosauriern, der Suche nach eigenartigen Tieren und Monstern bis zu Spuk und ungelösten Kriminalfällen. Und natürlich die UFO’s und Kornkreise.

Wenn man sich aber bereits etwas mit Prä Astronautik beschäftigt hat, trifft man im Mystery Park alte Bekannte und es können sogar geradezu nostalgische Gefühle aufkommen, wenn man den gleichen Themen begegnet, die bereits in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts diskutiert wurden.

Am stärksten war für mich dieser Eindruck in der Main-Attraktion des „Contact“-Themengebäudes: Die ganze Show in diesem großen Raum handelt von einigen Sätzen einer Überlieferung, die sich, erst einmal herausgelöst aus der religiösen Vorstellungswelt und dem geschichtlichen Hintergrund der damaligen Zeit, nicht von einer UFO-Sichtung unterscheidet. Ihre Bedeutung innerhalb der Prä Astronautik ist nur deshalb so groß, weil ein Ingenieur nach dieser Beschreibung ein Fluggerät aufzeichnete, obwohl der Bericht aus der Bibel überhaupt keine technischen Details enthält, sondern unter anderem eine Beschreibung des Allerheiligsten des Salomonischen Tempels (Ulrich Magin: Raumschiff oder Gotteserscheinung, Mysteria3000 – 2/2003).

An diesem Beispiel zeigt sich, wie viele präastronautischen Ideen und deren Inszenierungen im Mystery Park zwar gut zu unterhalten vermögen und das Publikum zum Staunen bringen können, andererseits aber für Experten auf dem jeweiligen Gebiet keineswegs stichhaltig sind. Erst die Vereinfachung und das weitgehende Weglassen der bereits aufgeklärten Aspekte der alten Kulturen (z.B. Maya, Orient) erhebt viele sogenannte Indizien der Prä Astronautik in den Rang eines ganz besonderen Rätsels, das nur mit fantastischen Ideen gelöst werden kann. Das Einführen einer äußeren, hier sogar außerirdischen Macht soll eine einfache Lösung für viele offene Fragen der Menschheitsgeschichte erbringen. Sobald man dann allerdings weiter (hinter-) fragt, ist diese Lösung nicht mehr ganz so überzeugend, wie sie für viele Däniken-Fans vielleicht einst als „Aha“-Effekt beim Lesen seines Erstlings ‚Erinnerungen an die Zukunft‘ oder eines der späteren Bücher erschienen ist. Abschließend liegt es mir aber fern, hier etwa mit dem erhobenen Zeigefinger daherzukommen. Die Besucher des Mystery Parks sollen selbst nachforschen und sich ihre eigene Meinung bilden, nicht nur durch Bücher aus dem Umfeld der Prä Astronautik. Und das sollte dann schließlich auch im Sinne Erich von Dänikens sein, wie er selbst oft genug betont.

Abbildungsverzeichnis

[1] – [4] Dr. Christian Zuppinger