Elefanten sind mit dem Ende der letzten Eiszeit auf dem amerikanischen Kontinent ausgestorben. Verschiedene Arten bevölkerten zuvor Nord- und Südamerika.

Erst viele Jahrtausende später errichteten die indianischen Mound-Bauer im nordöstlichen Amerika ihre Bauwerke. Einige von ihnen erinnern an abgeflachte Pyramiden, in Wisconsin und Ohio treffen wir hingegen auf gewaltige, aus Erde errichtete Tiere.

Der Zweck dieser rätselhaften Bauwerke war offensichtlich auch der, als Gräber zu fungieren, wie entsprechende Funde bezeugen. Archäologen gliedern die Perioden der Mound-Bauer wie folgt [1]:

Burial Mound Periode I: 100-300 v. Chr.
Burial Mound Periode II: 300 v. Chr. – 700 n. Ch.
Tempel Mound Periode I: 700 v. Chr. – 1200 n. Chr.
Tempel Mound Periode II: 1200 n. Chr. 1700 n. Chr.

In den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde hierbei in Wisconsin eine Tierfigur von vierzig Metern Länge mit wechselnden Ergebnissen häufig untersucht. [2] Dieser Mound zeigte offensichtlich ein Tier mit vier Beinen und einem Rüssel, und so sprach man schnell vom „Elefanten-Mound“.

Selbst heute noch wird dieser Mound in der grenzwissenschaftlichen Literatur zuweilen als geschichtlicher Anachronismus erwähnt. [3]

Die Verwunderung und damit verbundene Popularität dieses Mounds nimmt natürlich nicht Wunder, kennen wir Elefanten in Amerika schließlich nur aus dem Zoo oder den fossilen Überlieferungen.

Henshaw, der 1883 ein Buch über die Mounds veröffentlichte, sieht in dem Mound einen Hinweis darauf, dass hier tatsächlich ein Mastodon abgebildet ist und erwähnt auch Pfeifen mit dem vermeintlichen Aussehen von Elefanten. [4]

image001
Abbildung Nr. 1: Die Konturen des Elefanten-Mounds nach Allen1885 www.gutenberg.org/2873/2873-h/Chap10.html gesichtet am 23.03.2015

Bei geplanten genauen Vermessungen im Auftrag des Bureau of Ethnology war der Rüssel verschwunden und gab Anlass zur These, es habe sich lediglich um Flugsand gehandelt. [5]

Allen war sich sicher, dass die Rüsselpartie ein Verwehungsprodukt sei, so wie durch Erosion auch Hörnerpartien verschwunden seien, die darauf hindeuten, dass hier in Wahrheit eine Büffel abgebildet ist. [6]

Angebliche Elefanten-Darstellungen in Amerika sorgten indes immer wieder für Kontroversen. In dem 1924 erschienen Werk „Elephants and Ethnologists“ vom frühen Vertreter des Diffusionismus, Grafton Elliot Smith behauptet dieser, auf Reliefs in den Maya-Städten würden Elefanten abgebildet, die ein Hinweis auf frühe Kulturkontakte seien, in deren Zuge Elefanten in die neue Welt gebracht worden sind. [7]

Wahrscheinlich ist hingegen, dass entsprechende Darstellungen den Tapir zeigen.

Es erscheint somit zumindest unwahrscheinlich, dass historische Werke präkolumbianischer Zeit tatsächlich Elefanten zeigen sollen, da bisher vorgebrachte Funde immer auch konventionelle Interpretationen zulassen.

Anmerkungen

[1] Stammel 1992, S. 37
[2] Vgl. Nachtigall 1958, S. 117
[3] Vgl. Keel 2002, S. 18
[4] Vgl. Henshaw 1883, S. 29 ff.
[5] Vgl. Nachtigall 1958, S. 117
[6] Vgl. Allen 1885 www.gutenberg.org/2873/2873-h/Chap10.html.
[7] Vgl. Ceram 1957, S. 322 f.

Literatur

Allen, E. A.: The prehistoric World: or, Vanished Races. Nashville: Cental Publishing House 1885 www.gutenberg.org/2873/2873-h/Chap10.html gesichtet am 23.03.2015

Ceram, C. W.: Götter, Gräber und Gelehrte im Bild. Köln: Lingen 1957

Henshaw, Henry W.: Animal Carvings From Mounds of the Mississippi Valley – Second Annual Report of the Bureau of Ethnology to the – Secretary of the Smithonian Institution, 1880-81, – Government Printing Office, Washington, 1883, pages 117-166.Reprint Leipzig: Amazon 2010

Keel, John A.: The Mothman Prophecies – Tödliche Visionen. München: Heyne 2002

Nachtigall, Horst: Die amerikanischen Megalithkulturen. Vorstudien zu einer Untersuchung. Berlin: Dietrich Reimer 1958

Stammel, H. J.: Indianer. Legende und Wirklichkeit von A-Z. München: Orbis 1992