In diesem Buch schildert der „Vagabunden-Archäologe“ (Zitat Klappentext) David Hatcher Childress seine Reise quer durch Südamerika, immer auf den Spuren des Rätselhaften und anscheinend Unlösbaren.

Der Autor beginnt seine Reiseschilderung in der Bucht von Pisco. Dort findet man den sog. Candelabro, einen „Baum“, der einem Kerzenhalter ähnelt. Die spanischen Eroberer hielten das Scharrbild bei ihrer Ankunft in der Bucht für ein Zeichen Gottes. Erich von Däniken glaubte, einen Wegweiser für kosmische Raumschiffe zu sehen. Childress weist auf Theorien hin, die besagen, mit dem „Candlestick of the Andes“ könne man Erdbeben voraussagen, relativiert aber selbst, indem er eine Funktion als Markierung für Schiffe plausibel macht.

Weiter geht die Reise nach Nazca, das etwas oberflächlich behandelt wird. Der Autor „löst“ das Rätsel, indem er die Linien als auf astronomische Punkte ausgerichtet abhakt und die Figuren erklärt, indem er den Bewohnern Nazcas einfache Luftschiffe zugesteht, wie sie, so Childress, die indischen Veden beschreiben. Seine Erklärung wird an der Stelle schlecht und falsch, wo er Nazca als eine Art „astronomischer Kalender“ sieht. Dies wurde schon von G. S. Hawkins, Autor von ‚Beyond Stonhenge‘ so gut wie widerlegt.

Dann geht er über zu den phantastischen, gravierten Steinen von Ica, die Dr. Cabrera in seinem Privatmuseum ausstellt. An diesen Steinen schieden sich immer wieder die Geister. Sind die Steine Beweise für ‚Darwins Irrtum‘ oder doch nur plumpe Fälschungen? Childress hat sich an dieser Stelle geschickt aus der Affäre gezogen, indem er keine Stellung bezog. Im übrigen sind die Steine mit großer Wahrscheinlichkeit Fälschungen, wie neuere Untersuchungen zu belegen scheinen.

Den interessantesten Teil des Buches machen aber die Abschnitte über die gigantischen Bauwerke Südamerikas aus. Lebhaft schildert der Autor die vielen Theorien zu der Festung Sacsayhuaman, den Tempelkomplexen Ollantaytambos oder andere Sehenswürdigkeiten, an denen Touristen achtlos vorbeigehen. An dieser Stelle auch sehr interessant sind die Parallelen, die der Verfasser zwischen Ollantaytambo und Puma Punku zieht, dem angeblichen „Mond-Tempel“ Tiahuanacos. So schreibt er, dass Ollantaytambo in der Nähe von Cuzco keine Ähnlichkeiten mit seinen Nachbarorten aufweise, sondern vielmehr mit Puma Punku.

Hier wären wir gleich an der nächsten Station unserer „Sight-seeing-tour“: Tiahuanaco. Interessant schildert er auch hier den angeblichen Erklärungsnotstand der Archäologen, diskutiert die Theorien von Außerirdischen über Atlantis an. Allerdings sieht man bei Hatchress wie auch bei den Autoren von ‚Kolonien der Sonnengötter‘, dass beim Thema Tiahuanaco oftmals eher schlampig recherchiert wird.

Dann flacht das Buch leider etwas arg ab. Zu viele und ausführliche Reiseschilderungen, eher uninteressante Affären mit verheirateten Frauen (!) usw. langweilen eher. In diesem Teil kommt natürlich auch die Story Tatunca Naras, dem Urheber der ‚Chronik von Akkakor‘. Leider ist Childress etwas zu unvorsichtig und glaubt zu viel. Die Story ist wahrscheinlich erfunden, wie die Nachforschungen von Wolfgang Siebenhaar nahelegen.

An dieser Stelle wird auch ersichtlich, dass der Autor die Paläo-SETI-Hypothese als Erklärung nicht in Betracht zieht, obwohl er Mitglied bzw. „Member“ in der AAS RA ist. In der Chronik ist nämlich die Rede von „flying discs“ u.ä. Um der Konsequenz zu entgehen, Außerirdische als mögliche Ursache dieser Berichte zu akzeptieren, zieht er praktisch alle Register. Er schreibt, dass genau diese Abschnitte dazu erfunden sein könnten (!). Oder andererseits könnten es doch auch Mitglieder der atlantidischen Liga (!!!) in ihren Flugschiffen sein. Diese Erklärungsversuche wirken recht durchsichtig. Ganz abgesehen davon, dass er über eine wahrscheinlich sowieso erfundene Geschichte schreibt …

Insgesamt ein Buch, das nicht leicht zu bewerten ist. Wer sich wirklich für die Rätsel Südamerikas interessiert, für den ist dieses Buch ein sehr interessanter Titel! Alle anderen sollten sich den Kauf gründlich überlegen, da die Inhalte von Childress‘ Buch nicht unbedingt astrein recherchiert und deswegen zu hinter fragen sind. Nichtsdestotrotz ist es ein interessanter Streifzug durch Südamerika.

Literatur

David Hatcher Childress, Lost Cities and Ancient Mysteries of South America, ISBN 0-932813-02-X, ca. 380 Seiten, Adventures Unlimited Press