Thomas Ritter gibt eine Zusammenstellung über das Leben von Leonardo da Vinci und versucht dem Mythos Leonardo ein weitere Episode hinzuzufügen: Stand Leonardo im Dienste des syrischen Vizekönigs?

„Es gibt Böses, dass mir nicht schadet, und es gibt Gutes, das mir nichts nutzt. Das Böse ist unser Feind aber wäre es nicht viel schlimmer, wenn es unser Freund wäre?“ – Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci existiert als Legende, als Rätsel. Seit dem neuesten Bestseller Erfolg ‚The da Vinci Code‘ (deutscher Titel ‚Sakrileg‘) des amerikanischen Autors Dan Brown hat der Mythos Leonardo eine neue Facette gewonnen. Großmeister des ominösen Geheimbundes „Prieurè de Sion“ soll Leonardo gewesen sein, und in seinem berühmten Gemälde „Das letzte Abendmahl“ versteckte Hinweise darauf gegeben haben, dass Jesus in Wahrheit mit Maria Magdalena verheiratet und Vater mehrerer Kinder gewesen sei. Ein zusammenhängendes Bild vom Leben Leonardo da Vincis existiert dennoch nicht, obwohl die unterschiedlichsten Historiker und Autoren das eine oder andere Stück des Mythos Leonardo für sich in Anspruch nehmen.

Dabei gibt uns Leonardo da Vinci das Beispiel eines Menschen, der aus seinen intellektuellen Fähigkeiten, seiner Intuition und seinem Erfindergeist den maximalen Nutzen zog. Heute, da ein Mensch nur auf einem Gebiet Experte sein kann, wäre ein Universalgenie wie der Renaissance Künstler ein Anachronismus. Man würde ihm sicher mit Misstrauen begegnen, frei nach der Devise, dass „jemand, der alles kann, in Wahrheit nichts richtig kann“. Die alltägliche Aufgabenerfüllung des Einzelnen bewegt sich heute in einem eng vorgezeichneten Rahmen. Man mag bedauern, dass die menschliche Intelligenz nur noch partiell zum Einsatz kommt, doch die rasante Entwicklung der Wissenschaften im 19. und 20. Jahrhundert macht ein Universalwissen auf allen Gebieten heutzutage unmöglich.

Der am 15. April 1452 in dem kleinen Dorf Vinci als uneheliches Kind von Catarina und Ser Piero geborene Leonardo war außerordentlich begabt. Er besaß Qualitäten auf zahlreichen Gebieten. So arbeitete Leonardo als Maler, Bildhauer, Architekt, Musiker und Ingenieur, begeisterte sich für Mathematik, Mechanik, Optik, Botanik, Anatomie, Hydraulik und Geologie.

Ihm fehlte nur eines, das zu seiner Zeit, in der Epoche der Renaissance und der Humanisten, der Wiederentdeckung der klassischen Antike, eigentlich unverzeihlich erschien. Er sprach weder Griechisch noch Latein. Es ist überraschend festzustellen, was ihm dennoch alles zu erreichen vergönnt war, der doch nur den Trumpf „Talent“ in der Hand hielt.

Leonardo da Vinci ist heute vor allem als Maler ein Begriff, seine Gemälde, allen voran die sprichwörtliche „Mona Lisa“, sind weltberühmt. Das umfassende Werk, welches er darüber hinaus hinterließ, ist jedoch nur wenigen bekannt. Wenn man aber heute sein Leben betrachtet, seine Manuskripte und Notizen liest, so mag man sich überrascht fragen, wie er neben seinen zahlreichen Tätigkeiten und Experimenten überhaupt noch Zeit zum Malen fand. Vielleicht aber malte er lediglich während seiner knapp bemessenen Freizeit, um eine Neigung zu befriedigen. Diese Ansicht mag den Widerspruch der Kunsthistoriker herausfordern, doch bezeugten Zeitgenossen Leonardos, dass er hoffte, mit seinen wissenschaftlichen Entdeckungen einst viel berühmter zu werden, als mit seinen Gemälden.

Als Ingenieur und Erfinder interessierte sich Leonardo da Vinci zunächst lediglich für den militärischen Bereich. Während die Truppen des Papstes im Jahr 1470 Florenz belagerten, entwickelte er Pläne für Waffen und Kriegsmaschinen. So konstruierte ein rückstoßfreies mehrläufiges Geschütz, eine Bombarde, die das Prinzip der modernen Gebirgsgeschütze vorwegnahm. Die Waffe verfügte über zehn halbkreisförmig angeordnete Läufe, so dass ein Fächerschießen möglich war, welches verheerende Auswirkungen auf die in Linien marschierenden feindlichen Truppen hatte. Er entwarf weiterhin eine Trommel mit dreieckigem Querschnitt, auf der in drei Reihen insgesamt 33 Kanonenrohre angebracht waren. Jeweils elf konnten gleichzeitig abgefeuert werden, während die nächsten elf nachgeladen wurden und die restlichen elf abkühlten. So war ein nahezu ununterbrochenes Feuer möglich. Bevor seine Erfindungen frontreif waren, herrschte wieder Frieden. Mehrere darauffolgende Projekte Leonardos erlitten das gleiche Schicksal. Sie kamen niemals über das Stadium mit größter Sorgfalt ausgeführter Zeichnungen hinaus. In einer Zeit, da die Buchweisheit die einzige war, welche zählte, fehlte der Realitätssinn, um den Erfinder und seine Ideen gebührend zu würdigen.

Im Alter von dreißig Jahren bot er dann Ludovico Sforza, dem Herrscher von Mailand, seine Dienste als Militärfachmann an. Er übersandte dem Fürsten ein detailliertes Memorandum mit zahlreichen Zeichnungen, in dem er behauptete, alle Arten von Kriegsmaschinen bauen zu können, sowie architektonische Leistungen zu vollbringen, Ludovico Sforza im Fall eines bewaffneten Konfliktes eine unschlagbare Überlegenheit sichern sollten. In dem bemerkenswerten Dokument ist die Rede von leichten und zerlegbaren Brücken, die sehr stabil und einfach zu transportieren sind, Vorläufer der sogenannten „Baileybrücken“, die im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz gebracht wurden. Ferner entwarf Leonardo eine Drehbrücke. Diese Konstruktion wurde erst im 20. Jahrhundert verwirklicht. Um Festungen zu erobern, schlug er vor, an strategisch wichtigen Punkten Tunnel anzulegen und Unterminierungen vorzunehmen. Er erwähnte auch, Wasserläufe umzuleiten, um nicht aus Fels bestehende Fundamente zu erschüttern. Ferner legte Leonardo den Entwurf einer Kugel vor, „die allein rollt und Flammen wirft, die sechs Faden lang sind“. Hatte er das Prinzip des Raketenmotors bereits entdeckt?

Ein anderes Geschoß, eine Art Gasbombe, die mit Pulver, Schwefel und Kugeln gefüllt war, sollte „in einer Zeitspanne explodieren, die nicht länger als ein Ave Maria war“. Besonders bemerkenswert sind jedoch die Pläne des ersten echten Panzers, den Leonardo konstruiert hatte. Dabei handelte es sich um eine Art von konischem Turm, der sehr massiv ausgeführt war. An seiner Basis waren Geschützpforten angebracht, durch welche die gedeckt im Innern des Panzers angebrachten Kanonen abgefeuert werden konnten. Dieser Tank, ein ausgesprochener Landpanzer, wurde mit einem System von Kurbeln, Triebstangen und Drehkränzen angetrieben. Diese Erfindung fand jedoch keine praktische Umsetzung vor der Einführung des Explosionsmotors im XX. Jahrhundert. Leonardo entwickelte ebenfalls eine Bombarde, welche einen der ersten funktionsfähigen Hinterlader darstellte. Außerdem stammt aus seiner Werkstatt eine vielbeachtete Dampfkanone. Hier wurde Wasser auf ein zur Weißglut erhitztes Rohr gegossen. Mit der Dampfkraft konnte das Geschoss abgefeuert werden. Bemerkenswert ist die schlanke Form der Kanone, die an ein modernes Flakgeschütz erinnert. Außerdem wollte Leonardo bekannte Katapulte, Hakenbüchsen und Wurfmaschinen verbessern.

Wir wissen außerdem, dass Leonardo von Kindesbeinen an vom Fliegen fasziniert war, wie es sein Traum vom Großen Vogel bezeugt. Leonardo war ein scharfsinniger Beobachter, der den Vogelflug etwa 25 Jahre lang studierte. Wir haben seine Notizen im sogenannten Manuskript B, begonnen 1488, und das Manuskript ‚Über den Flug der Vögel‘, welches um 1505 niedergeschrieben wurde. Es wurde berichtet, dass er den Straßenhändlern in Florenz Vögel abkaufte, um ihnen die Freiheit zu schenken. Tatsächlich aber tat er dies wohl, um ihr Flugverhalten zu untersuchen. Leonardo schrieb:

„Der Genius des Menschen mag unterschiedliche Erfindungen zustande bringen und mit verschiedenen Instrumenten ein und dasselbe Ziel erfassen; nie aber wird er ein schöneres oder wirtschaftlicheres oder geradlinigeres entdecken als das der Natur selbst, denn ihren Erfindungen mangelt es an nichts, und nichts ist überflüssig.“

Diese Überlegung, im Zusammenhang mit einigen weiteren Beobachtungsfehlern, war der Grund, weshalb es ihm widerstrebte, nach irgendeiner anderen Flugtechnik zu suchen und etwa den starren Flügel in Betracht zu ziehen. Er wollte wirklich fliegen wie ein Vogel, und bis zu seinem Lebensende war er fasziniert vom Konzept des Ornithopters, obwohl er auch Zeichnungen anfertigte, die wie die Vorläufer eines modernen Hubschraubers wirken. In der Tat hat Leonardo auch eine Serie von Skizzen verfertigt, die sich im Codex Atlanticus finden, welche nach übereinstimmender Meinung der Experten die ersten europäischen Entwürfe des Gleitflugs darstellen. Er könnte sich also in Richtung des Starrflügelfluges bewegt und einen funktionsfähigen Gleiter ersonnen haben, wie es Lawrence Hargrave und Otto Lilienthal in späteren Jahren taten. Allerdings sollte man zur Kenntnis nehmen, dass der Imaginationssprung zur Idee eines Starrflügelflugzeuges für Hargrave 1890 ebenso kompliziert war, wie für Leonardo da Vinci zu seiner Zeit. Euphorisch und vielleicht ein wenig zu früh schrieb er über das Experiment:

„Zum ersten Mal wird der große Vogel fliegen und dabei die Welt in Erstaunen versetzen, und alle Schriften werden von seinem Ruhm sprechen. Ewiges Heil dem Ort, wo er geboren wurde!“

Fand dieser Versuch tatsächlich statt? Hat Leonardo die Großtat des antiken Ikarus wiederholt? Der talentierte Erfinder verlor zeitlebens darüber nie ein Wort, so dass letzte Zweifel bleiben. Die nicht unbedingt freundlichen Worte eines Zeitgenossen sind jedoch überliefert:

„Das Fliegen ist in der letzten Zeit den Menschen, die es versucht haben, missglückt. Leonardo da Vinci hat auch versucht zu fliegen – das war ein Fehler. Er war ein ausgezeichneter Maler…“.

Ein weiteres Klischee haftet der Person Leonardos an, nämlich die Behauptung, er sei homosexuell gewesen. Diese in der Literatur verbreitete Auffassung ist stark beeinflusst durch Sigmund Freuds Arbeit über seine Psychosexualität, vor allem durch „Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci“. In diesem Werk projiziert Freud seine eigene Seelenverfassung auf Leonardo. Das Buch beginnt mit Leonardos berühmtem Traum vom großen Vogel, in dem ein Milan vom Himmel herabstößt und ihm mit dem Schwanz ins Gesicht schlägt. Ohne Zweifel besteht ein unübersehbarer Zusammenhang zwischen diesem ersten erinnerlichen Traum und Leonardos lebenslanger Begeisterung für das Fliegen. Jedoch hatte Freud Leonardos Aufzeichnungen in einer nicht sehr guten Übersetzung gelesen, die das Wort Milan mit ‚Geier‘ wiedergab. Freud legte daher in allen Einzelheiten dar, dass der Geier für die ägyptische Muttergöttin Mut stehe, also ein Weiblichkeitssymbol sei, und dass der Schwanz die Brustwarze symbolisiere. Tatsächlich aber war der Milan, nibbio im Italienischen, ein männliches Symbol wie der Falke oder der Adler. Darüber hinaus hatte Freud keinen Zugang zu Leonardos Codex Trivulzianus, der umfangreiche Wortlisten enthält, die ein wenig Licht auf die dunkle Landschaft von Leonardos Unbewusstem werfen. Raymond S. Stites, Verfasser einer psychoanalytischen Studie mit dem Titel The Sublimations of Leonardo da Vinci schreibt, Leonardo habe sich „der Technik bedient, die Freud selbst zur Enthüllung ungesunder Komplexe entwickelt hatte, und da in seiner Diagnose dieses entscheidende Indiz nicht enthalten ist, muß sie als offensichtlich fehlerhaft gelten.“ Nach gründlicher Untersuchung des Codex Trivulzianus kommt Stites zu dem Schluss, das „Leonardo allem Anschein nach ein vollblütiger Mann mit normalen heterosexuellen Bedürfnissen war“.

Anlass für gegenteilige Behauptungen war ein Vorfall, der sich im Jahr 1476 zutrug. Damals bezichtigte der siebzehnjährige Jacopo Saltarelli, ein Malermodell, vier junge Florentiner der Päderastie, indem er eine schriftliche Denunziation in den Tamburo warf, einen Behälter vor dem Palazzo Vecchio. Leonardo war einer der Beschuldigten. Die Demütigungen des Prozesses sollten sein Leben verändern. Zwar stellte sich seine Unschuld in dieser Angelegenheit heraus, doch die Schande hing an ihm. Er verlor alles. Selbst sein Vater brach, entsetzt über den Skandal, jegliche Verbindung zu ihm ab. Leonardo fiel mit einem Schlag in Ungnade. Die Florentiner Gesellschaft hatte ihn auf Händen getragen, und seine Werke bewundert, doch die Anschuldigungen eines geltungssüchtigen Bauerntölpels vermochten ihn zu stürzen. Lediglich sein Onkel und sein Lehrer Verocchio hielten zu ihm.

Mit sechsundzwanzig Jahren musste Leonardo sein Leben neu beginnen – gepeinigt, zynisch und welterfahren. Er stürzte sich in die arbeit. In jener Zeit entstanden seine berühmten Karikaturen. Während er das Leben auf der Straße und ihrer Menschen kennen lernte, schrieb zeichnete, malte und experimentierte er mit Ornithopter-Modellen, die wirklich fliegen konnten.

„Es gibt keinen Mangel an Mitteln und wegen, diese unsere elenden Tage zu teilen und zu messen, derweil wir nicht versuchen sollten, sie nichtig zu verleben und zu vergeuden, ohne irgendwelchen Ruhm zu hinterlassen, irgendeine dauerhafte Erinnerung an uns in den Herzen der Sterblichen. Auf dass unser kläglicher Gang durch das Leben nicht vergebens gewesen sei“ notierte er in dieser Zeit.

Ein Ereignis jedoch – vielleicht das bedeutendste in seinem Leben – tauchte niemals in seinen Notizheften auf, und ebenso wenig in den Myriaden von Büchern, die bislang über ihn verfasst wurden. Dies war das größte Abenteuer Leonardos – seine Reise in den Orient, die sein Leben nachhaltig verändern sollte.

Meine Kenntnisse von diesen Geschehnissen basieren vor allem auf Briefen, die Leonardo an den Devadar von Syrien (vergleichbar dem Titel eines Vizekönigs) schrieb, als er sich in seiner Eigenschaft als dessen Kriegsingenieur im Nahen Osten aufhielt. Die meisten Historiker widmen diesem Schriftwechsel keinerlei Aufmerksamkeit, sondern verweisen ihn pauschal ins Reich der Legende. In ihrer Biographie ‚Leonardo the Florentine‘, die in Wirklichkeit lediglich ein Loblied auf den romantischen Mythos Leonardo ist, schreibt Rachel Annand Taylor:

„Es ist unmöglich zu glauben, dass Leonardo in den Dienst eines Sultans getreten sei, und den Orient bereist haben soll, ohne das irgendeine orientalische Episode in seiner Legende auftaucht.“

Doch möglich ist dies durchaus. Jean Paul Richter, der das zweibändige Standardwerk ‚The Notebooks of Leonardo da Vinci‘ zusammengetragen hat, schrieb:

„Wir haben keinerlei sichere Informationen zu Leonardos Geschichte zwischen 1482 und 1486. Es ist nicht nachweisbar, dass er sich in Mailand oder Florenz aufhielt. Anderseits gibt uns der Tenor seines Briefes (gemeint ist hier einer der Briefe an den Devadar) keinen Grund zu der Annahme, seine Abwesenheit habe länger als zwei Jahre gedauert. Denn selbst wenn seine Bestellung zum Ingenieur in Syrien dauerhaft gedacht gewesen war, so könnte sie unhaltbar geworden sein – vielleicht infolge des Todes seines Gönners, des Devadar, oder durch dessen Entfernung aus dem Amte und nach seiner Heimkehr könnte Leonardo über eine Episode, die wahrscheinlich als Fehlschlag und Enttäuschung endete, Stillschweigen bewahrt haben.“

Als er seinen bereits erwähnten Brief an Ludovico Sforza schrieb, zeichnete Leonardo zahlreiche Skizzen seiner Todesmaschinen, und bildete dabei auch Opfer ab, die in Stücke gerissen wurden, und sich in Qualen wanden. Antonina Vallentin bemerkt in ‚Leonardo da Vinci – the Tragic Pursuit of Perfection‘ dazu:

„Es liegt eine Atmosphäre von so viel Frieden und Harmonie in der Skizze, dass es scheint, als könne dem Maler nicht einen Augenblick lang bewusst gewesen sein, was die Szene, die er zeichnete, in Wirklichkeit bedeutete.“

So hat es tatsächlich den Anschein, das Leonardo neutral oder besser technokratisch war, wenn es um seine zerstörerischen Maschinen ging. Es war, als existierten sie in keiner wirklichen Welt, denn wenn man sich ansieht, wie seine Bomben detonieren und Menschen sterben, so sind diese Zeichnungen von so ruhiger Schönheit, dass sie, auch wenn sie Gewalt abbilden, beinahe schon platonischer Natur sind.

Leonardo da Vinci – Künstlergenie, Teufel oder Technokrat? Sicher ist, dass Leonardo in die Position eines Meisters der Maschinen und des Hauptmanns der Ingenieure befördert werden wollte, denn dies schrieb er selbst in seinem Brief an Ludovico Sforza. Doch weder der Herzog von Mailand noch Lorenzo der Prächtige, der „erste Bürger“ von Florenz, brachten je ernsthaftes Interesse für die Kriegsmaschinen Leonardos auf. Vielleicht suchte und erhielt Leonardo da Vinci daher im Orient jene Chance, nach der er im Abendland vergeblich gesucht hatte. Der Briefwechsel mit dem Devadar von Syrien ist ein nicht zu unterschätzendes Indiz dafür. Es sollte genügen, um in orientalischen Quellen nach weiteren Hinweisen für Leonardos Aufenthalt im Nahen Osten zu forschen.

Anmerkung des Verfassers
Im Chateau von Clos-Lucè in Amboise, wo Leonardo da Vinci seine letzten Lebensjahre verbrachte, können mehr als 40 Modelle und zahlreiche graphische Darstellungen seiner Erfindungen besichtigt werden.

Verwendete Literatur

Dann, Jack, Die Kathedrale der Erinnerung, Bergisch Gladbach, 2001

Museum Clos-Lucè, Die Gedanken des Leonardo da Vinci, Tours, 1992

Museum Clos-Lucè, Die genialen Maschinen Leonardo da Vincis, Tours, 1995

Von Manteuffel, Kurt Zoege, Leonardo da Vinci, München, 1920