Die schwedischen Region Bohuslän ist bei Interessierten der Ur- und Frühgeschichte besonders für seine zahlreichen bronzezeitlichen Felsritzungen bekannt. Die häufigsten Motive sind wohl Boots, Tier- und Menschendarstellungen, sowie abstrakte Symbole wie Kreise und Spiralen. Im Tanums Hällristningsmuseum Underlös findet viele Abreibungen dieser Felsbilder ausgestellt. Eine solche Abreibung, die aus Lilla Gerum, Bohuslän stammt und dessen in Stein geritztes Original auf 1000 – 750 v. Chr. datiert wird, zeigt einen langen Stab oder besser Pfahl, mit einer oben angebrachten Plattform. Von diesem herab hängen drei Seile mit menschlichen Figuren daran hängend.

Abbildung Nr. 1: Abreibung einer Felsritzung aus Bohuslän in Schweden, im Hällristningsmuseum Underlös (Foto: André Kramer)
Abbildung Nr. 1: Abreibung einer Felsritzung aus Bohuslän in Schweden, im Hällristningsmuseum Underlös (Foto: André Kramer)

Dieses Szenario erinnert sehr an ein Schauspiel, das einige tausend Kilometer entfernt in der Neuen Welt, in Mittelamerika bewundert werden kann. Das Fliegerspiel der Voladores (fliegenden Menschen). Dieser, heute vor allem in den totanekischen Gemeinden verbreitete Brauch [1] ist aus ganz Mesoamerika bekannt und wird heute vor allem von bezahlten „Fliegern“ als Touristenattraktion vorgeführt.

In der Regel ersteigen hierbei 5 Personen einen traditionell etwa 20 bis 25 Meter hohen Pfahl, dessen Spitze mit einer viereckigen Plattform mit einer Drehtrommel besetzt ist. Eine der Person tanzt auf einer kleinen Plattform und spielt dabei Flöte und Trommeln. Die vier weiteren Personen haben ein Seil an ihren Füßen befestigt, das mit der Plattform verbunden ist. Auf ein bestimmtes Signal des musizierenden Tänzers hin, stürzen sie sich kopfüber von der Plattform und winden sich dabei spiralförmig um den Pfahl. Etwa 2 Meter bevor sie den Boden erreicht haben, drehen sie ihre Körper und setzen mit den Füßen auf dem Boden auf. [2]

Für dieses Spektakel existieren verschiedene Bezeichnungen. Zum Beispiel „juego de los voladeros“ (Fliegerspiel), „danza de los voladeros“ (Fliegertanz) und „danza del palo volador“ (Fliegerpfahltanz).

In der Paläo-SETI wurde die Idee vertreten, die Assoziation mit dem fliegen könne ein Hinweis auf einen durch außerirdische Besucher ausgelösten Brauch sein. Fiebag, Eenboom und Belting etwa vertreten die Auffassung, das Initialerlebnis wäre die Herabkunft göttlicher Lehrmeister gewesen, das mit dem Fliegertanz symbolisch dargestellt werde. [3]

Dieses Szenario ist natürlich höchst spekulativ und Anhaltspunkte für eine solche These existieren außer aufgrund reiner Assoziation im Grunde kaum.

Tatsächlich ist der ursprüngliche Zweck dieses Ritus jedoch schwer zu eruieren und es scheint gut möglich, dass es kulturbedingt unterschiedliche Motive hierfür gab.

Um 1615 wird der Chronist Juan de Torquemdada Zeuge des Fliegerspiels. Er hält fest, dass der Mast 13 Windungen aufwies, die vier Flieger also in 13 Windungen am Boden anlangten. Er zog eine Verbindung zum 52jährigen Jahreszyklus der Azteken, denn 4 mal 13 ergebt 52. [4]

Der älteste überlieferte Bericht des Fliegertanzes aber, den Oviedo y Valdis 1535 überlieferte, scheint gehen eine solche (allgemeingültige) Interpretation zu sprechen. Als er in Nicaragua Zeuge des Spektakels wurde, prangte auf der Spitze des Pfahls eine Figur des Kakaogottes, dem das Ritual gewidmet war. Ausgeführt wurde der symbolische Flug auch nicht von vier Personen, sondern von zwei sieben bis achtjährigen Jungen. [5]

In ihrer umfangreichen über den Fliegertanz stellt Bertels fest, dass hier offenbar regional bedingte Unterschiede bei der Tracht der Tänzer, als auch in ihrer Anzahl existieren. [6]

Doch wie lassen sich die Ähnlichkeiten zu dem schwedischen Felsbild erklären?

Dietrich Evers, der viele Jahre die Felsbilder von Bohuslän mittels Abreibungen dokumentierte und sich für ihre Erhaltung und Erforschung einsetzte, verweist darauf, dass um den „Kultbaum“ 72 Kufenschiffe abgebildet sind und spekuliert über einen möglichen Kulturkontakt durch eine bronzezeitliche Atlantiküberquerung zum prä-kolumbianischen Amerika. [7]

Allerdings fallen an der Felsritzung auch Unterschiede zu den Voladores auf. So scheinen sich zwei der Gestalten den „Seilen“ festzuhalten, während die dritte Person den Eindruck mach, an der Hüfte an diesem befestigt zu sein. Die Voladeros hingegen stürzen sich, ähnlich einem modernen Bungee-Springer mit dem Kopf voraus in die Tiefe.

Endgültige Antworten lassen sich kaum geben. Was bleibt, ist eine erstaunliche Parallele und sicher weiterer Forschungsbedarf.

Anmerkungen

[1] Vgl. Bertels 1993, S. 68

[2] Vgl. a. a. O., S. 3

[3] Vgl. Fiebag et. al. 2004, S. 282

[4] Vgl. Bertels 1993, S. 23

[5] Vgl. a. a. O., S. 11

[6] Vgl. a. a. O., S. 5 f.

[7] Vgl. Evers 220 f.

Literatur

Bertels, Ursula: Das Fliegerspiel in Mexiko. Historische Entwicklung und gegenwärtige Erscheinungsformen. Ethnologische Studien Bd. 24. Münster und Hamburg: Lit 1993

Evers, Dietrich: Berge & Boote. Langenweißbach: Beier und Beram. Archäologische Fachliteratur 2001

Fiebag, Peter; Eenboom, Algund; Belting, Peter: Flugzeuge der Götter. Antike Flugtechniken in drei Hochkulturen. Rottenburg: Kopp 2004