Bei der Bewertung des Stellenwerts der Hesekiel-Visionen innerhalb der PaläoSETI-Forschung ist es unerlässlich sich näher mit dem Originaltext der Bibel und daraus abgeleiteten Interpretationen von PaläoSETI-Vertretern zu beschäftigen.

Die umfangreichste Analyse der Schilderungen des Propheten Hesekiel hat – wie den meisten hier bekannt sein dürfte – der ehemalige NASA-Ingenieur Josef F. Blumrich abgeliefert. Von Blumrich stammt die Rekonstruktion des „Thronwagens“ bzw. der „Herrlichkeit des Herrn“. In den 48 Kapiteln des Hesekiels finden man eine Reihe von Beschreibungen, die nicht so richtig mit einer technischen Deutung einhergehen können. Beispiel hierfür ist folgende Beschreibung aus Hesekiel 8:3 – „Und er streckte etwas wie eine Hand aus und ergriff mich bei dem Haar meines Hauptes.“

Blumrich verfolgte trotz dieser Schwierigkeiten sein Konzept und versuchte die „Haupthandlung“ der Hesekiel-Texte technisch zu interpretieren. Die insgesamt 3. Begegnung mit dem „Thronwagen“ einer „außerirdischen Intelligenz“ beschreibt Hesekiel laut Blumrich in den Kapiteln 8 – 11. Eine ausführliche Auswertung dieser Kapitel ist in dieser Form wohl in diesem Forum nicht sinnvoll. Exemplarisch werde ich hier aber einige Textelemente und ihre technische Deutung vorstellen:

9:2 – „Und siehe, da kamen sechs Männer auf dem Wege vom oberen Tor her, das gegen Norden liegt, und jeder hatte ein Werkzeug zum Zerschlagen in seiner Hand. Aber es war einer unter ihnen, der hatte ein Kleid von Leinwand an und ein Schreibzeug an seiner Seite. Und sie kamen heran und traten neben den kupfernen Altar.“

9:3 – „Und die Herrlichkeit des Gottes Isreals erhob sich von dem Cherub, über dem sie war, zu der Schwelle des Tempels am Hause, und der Herr rief dem, der das Kleid von Leinwand anhatte und das Schreibzeug an seiner Seite,“

9:4 – „und sprach zu ihm: Geh durch die Stadt Jerusalem und zeichne mit einem Zeichen an der Stirn die Leute, die da seufzen und jammern über alle Greuel, die darin geschehen.“

9:5 – „Zu den anderen Männern aber sprach er, so dass ich es hörte: Geht ihm nach durch die Stadt und schlagt drein; eure Augen sollen ohne Mitleid blicken und keinen verschonen.“

9:6 – „Erschlagt Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Kinden und Frauen, schlagt alle tot; aber die das Zeichen an sich haben, von denen sollt ihr keinen anrühren. Fangt aber an bei meinem Heiligtum! Und sie fingen an bei den Ältesten, die vor dem Tempel waren.“

9:11 – „Und siehe, der Mann, der das Kleid von Leinwand anhatte und das Schreibzeug an seiner Seite, antwortete und sprach: Ich habe getan, wie du mir geboten hast.“

10:1 – „Und ich sah, und siehe, an der Himmelsfeste über dem Haupt der Cherubim glänzte es wie ein Saphir, und über ihnen war etwas zu sehen wie ein Thron.“

10:2 – „Und er sprach zu dem Mann in dem Kleid von Leinwand: Geh hinein zwischen das Räderwerk unter dem Cherub und fülle deine Hände mit glühenden Kohlen, die zwischen den Cherubim sind, und streue sie über die Stadt.“

Diese Ausschnitte sollen für die weiteren Ausführungen ausreichend sein. Wer die genauen Zusammenhänge nachlesen will, kann sich seine eigene Bibel zur Hand nehmen. Wahrscheinlich wird sich der Text in Formulierungsfragen unterscheiden. Meine Zitate entstammen der 1964 revidierten Übersetzung von Martin Luther.

Josef F. Blumrich bespricht in seinem Buch ‚Da tat sich der Himmel auf‘ „die dritte Begegnung“ des Hesekiel auf den Seiten 115-140 (bezugnehmend auf die Taschenbuchausgabe aus dem Ullstein-Verlag 1994). Die oben angeführten Verse sind teilweise durch Blumrich gedeutet.

Beginnen wir mit Kapitel 9 Vers 2. Hier beschreibt der Prophet eine Gruppe von 6 Männern die sich von Norden her dem Jerusalemer Tempel nähern. Unter ihnen befand sich ein in Leinen gekleideter Mann der ein „Schreibwerkzeug“ bei sich hatte. Bei Blumrich finden wir auch hierzu eine technische Interpretation (S. 121):

„Die Situation deutet darauf hin, dass jener Mann im Schutzanzug ein Gerät seiner Zeit trug, also einer Zeit der fortgeschrittenen Raumfahrt. Es ist daher naheliegend, in dem Schreibgerät eher ein Nachrichtengerät oder ein Instrument zur Feststellung von Strahlungen zu vermuten. Eine Entscheidung über solche Möglichkeiten liegt außerhalb meiner fachlichen Kompetenz …“

Auch das Gewand aus Leinen verdient laut Blumrich (S. 120) „seiner späteren Funktion wegen ebenfalls eine genauere Betrachtung.“ Es handelt sich – wenn wir mit Blumrich konform gehen wollen – um einen Schutzanzug der für eine Tätigkeit benötigt wurde, die wiederum im direkten Zusammenhang mit den oben angegeben Hesekiel-Zitaten steht (S.121): „Tatsächlich nimmt dieser Mann im Verlauf der Ereignisse eine Sonderstellung ein; aus der damit verbundenen Tätigkeit wird allerdings klar, dass sein Gewand ein Schutzanzug zumindest gegen Hitze ist. Dementsprechend konnte die äußerste Schicht aus Asbest bestehen, wodurch das leinenähnliche [sic!] Aussehen verständlich wäre.“ An anderer Stelle fragt Blumrich ob der Anzug nicht auch für radioaktive Strahlung zu verwenden war (S. 129).

Auf die Frage, wie der Schreiber mit einem Instrument zur Feststellung von Strahlung (Interpretation von 9:3) die Bewohner der Stadt Jerusalem mit einem Zeichen markieren sollte (9:4), bleibt durch Blumrich an dieser Stelle unbeantwortet. Für Blumrich ist dieser Abschnitt (vgl. S. 123) „nur von Bedeutung, dass der Kommandant dem Mann ‚in Linnen‘ einen Befehl gibt.“ Der Vers 9:11 wird durch den PaläoSETI-Vertreter wie folgt kommentiert (S.123f.): „Der Mann im Schutzanzug kommt zurück und meldet: ‚Ich habe deinen Befehl ausgeführt.‘ Mit diesen wenigen Worten ist eine uns wohlvertraute Situation umrissen. Ihre Sachlichkeit und Kürze erinnert an militärische Prägnanz und Disziplin. Es ist die Begegnung mit einer solchen Situation unter Umständen, die in jeder Hinsicht weit von uns entfernt sind, die diesen Augenblick so elektrisierend und ungeheuerlich macht.“

Blumrich selbst verschweigt die wahre Ungeheuerlichkeit der von Hesekiel beschrieben Situation. Wichtig für den genauen Sachverhalt sind die Verse, die auf 9:4 folgen. Der erste dieser Verse ist oben mit angegeben (9:5.) Hier wird in aller Eindeutigkeit die Tötung aller nicht durch den Schreiber markierten Bewohner Jerusalems befohlen. Blumrich selbst geht nicht näher hierauf ein, da er den Befehl und die Markierung für seine eigene Deutung benötigt. Er schreibt (S. 123): „Vers 5: Auch die anderen Männer erhalten ihre Aufgabe zugeteilt. Es folgt ein längeres Textstück, das nicht zum Gegenstand unserer Untersuchung gehört [sic!].“

Um nun der technischen Interpretation zu folgen, müssen wir uns den Kommentar zu Hesekiel 10:2 ansehen. Hier finden wir wieder den in einen Schutzanzug gehüllten Schreiber, der glühenden Kohlen unter dem Cherubin hervorholen soll, um diese über die Stadt Jerusalem zu verstreuen. Hier Blumrich’s Interpretation (S. 126f.): „Der Kommandant befiehlt dem Mann im Schutzanzug, zum Raumschiff zu gehen, glühendes Material aus dessen Zentralkörper zu holen und es ‚über die Stadt hin‘ auszustreuen. Nun wird verständlich, warum der Mann einen Schutzanzug brauchte: Er hatte sich der großen, glühenden Oberfläche des Reaktorkühlers zu nähern, die natürlich eine beträchtliche Hitze ausstrahlte … Der Mann hatte dort etwas Glühendes in seine Hände zu nehmen und ‚über die Stadt‘ auszustreuen.“

Drei Seiten später wird klar, warum es Blumrich ein leichtes ist, das Schreibgerät in ein Messgerät für Radioaktivität umzudeuten, ohne die Kennzeichnung eigens zu berücksichtigen (S. 129f.): „Untersucht man diese Befehle an den Mann im Schutzanzug und seine Begleitmannschaft nach ihrem wesentlichen Inhalt, dann findet man die Aufgabe der Suche und des Markierens in einem Falle und die des Wegräumens von Unerwünschtem [sic!], von Hindernissen, im anderen. Diese Grundgedanken kann man nun sowohl in religiösem als auch im technischen Sinn anwenden. Tut man dies im Gegensatz zur Bibel im technischen Sinn, dann ergibt sich folgendes: Wir haben eben gesehen, dass die Entfernung eines Konstruktionsteiles oder auch eines Reaktorelements notwendig oder planmäßig erfolgen musste. In beiden Fällen, das heißt sowohl im Notfall als auch bei einer planmäßig vorgesehenen Operation, war das entfernende Stück „heiß“. Es war also wichtig, rechtzeitig vorher eine Stelle ausfindig zu machen, an der das fragliche Stück dann rasch und sicher aus dem Weg zu schaffen war.“

Das Markieren der Bewohner wird uminterpretiert in das Markieren eines sicheren Platzes innerhalb Jerusalems (vgl. S. 130): „Beide Tätigkeiten – das Suchen und Markieren dieses Platzes, wie auch seine Vorbereitung, beispielsweise durch die Entfernung von Erde, Steinen oder Buschwerk – sind in der Grundbedeutung der Befehle enthalten.“

Mehr will ich hierzu gar nicht mehr schreiben. In meinen Augen musste Blumrich dem Originaltext Gewalt antun, um bei seinen technischen Interpretationen bleiben zu können. In weiteren Artikel wird in den nächsten Ausgaben auf weitere Aspekte der Hesekiel-Visionen eingegangen.
Literaturverzeichnis

Blumrich, Josef F. (1994): Da tat sich der Himmel auf. Die Begegbungen des Propheten Ezechiel mit außerirdischer Intelligenz, Frankfurt/Main