Ulrich Hofmann diskutiert die Angabe der 9.000 Jahre in den Dialogen ‚Tiamaios‘ und ‚Kritias‘. Diese Vergangenheits-Angabe war bisher eines der Hauptargumente für eine fiktive Darstellung Atlantis durch Platon. Hofmann zeigt dagegen eine Verbindung zwischen den 9.000 Jahren und dem ägyptischen Gott Hephaistos (Ptah) auf, die auch in anderen historischen Schriften zu finden ist.

 Das Alter des Hephaistos?

Unter Philologen besteht überwiegend Einigkeit darüber, dass Atlantis allein eine Erfindung Platons ist. Dass die Atlantis-Erzählung in den Dialogen Timaios und Kritias von Platon zu dem Zwecke plaziert wurde, den zuvor in Politea erarbeiteten Idealstaat zu illustrieren, ist unstrittig, zumal dies durch den von Sokrates geäußerten Wunsch, den zuvor entwickelten Staat nun auch in Bewegung sehen zu wollen, unmißverständlich hervorgeht (Tim.19bc). Bislang schien es so, als sei auch ganz besonders die von Platon erwähnte ferne Vergangenheits-Angabe von 9000 Jahren (Tim. 23e, Krit. 108e) dazu geeignet, in besonders offensichtlicher Weise den Beweis für eine freie Erfindung zu dokumentieren. Wohl kaum hatte es einen derart hochentwickelten Staat, wie Platon ihn schildert, bereits etwa 9600 v.Chr. geben können.

So führt GÖRGEMANNS in seinem Versuch, Wahrheit und Fiktion in Platons Atlantis-Erzählung voneinander zu trennen, die 9000 Jahre gleich an erster Stelle in seiner Liste der fiktiven Ausgestaltungen an [1]. Auf GAISER stützend behauptet er, diese Zahl hinge mit Platons Auffassung von Weltzyklen zusammen [2].

Für SZLEZÁK steht fest, dass die 9000 Jahre und alle anderen von Platon genannten Angaben zur Überlieferung nicht nur frei erfunden, sondern insbesondere dazu da sind,

„den traditionellen Wahrheitsanspruch literarisch zu variieren und zu ‚modernisieren‘, […] die dadurch möglich werdende Frage nach einem etwaigen historischen Gehalt der Geschichte wieder spielerisch auszuklammern.“ [3]

NESSELRATH hingegen vertritt die Auffassung, dass Platon sich bei seiner Festsetzung der Altersangabe von 9000 Jahren an den von Herodot erwähnten über 11000 Jahren ägyptischer Vergangenheit orientierte [4]. An anderer Stelle nimmt NESSELRATH an, Platon habe Atlantis und Ur-Athen zeitlich 9000 Jahre vor Solon und zugleich 1000 Jahre vor den Ägyptern angesetzt, um damit seinerzeit dem Vorwurf zu begegnen, der Idealstaat aus Politea sei den Strukturen Ägyptens entlehnt [5].

Es wird auch hier nicht möglich sein, den Vertretern dieser Annahmen das Gegenteil zu beweisen, aber wie nun im folgenden dargelegt werden soll, könnte es eine sehr viel plausiblere und naheliegendere Erklärung der 9000 Jahre geben.
Im Timaios finden wir die Passage, in welcher der ägyptische Priester zu Solon spricht:

„Ich will dir Nichts vorenthalten, mein Solon, sondern dir alles mitteilen, sowohl dir als eurem Staate, vor allem aber der Göttin zu Liebe, welche euren so wie unseren Staat gleichmäßig zum Eigentume erhielt und beide erzog und bildete, und zwar den euren tausend Jahre früher aus dem Samen, den sie dazu von der Erdgöttin Ge und dem Hephaistos empfangen hatte, und später ebenso den unsrigen. Die Zahl der Jahre aber, seitdem die Einrichtung des letzteren besteht, ist in unseren heiligen Büchern auf achttausend angegeben. Von euren Mitbürgern, die vor neuntausend Jahren entstanden, will ich dir also jetzt in kurzem berichten, […] “ [6]

Aus dieser Textstelle geht hervor, dass der Priester die „heiligen Bücher“ heranzog, um auf das Alter des ägyptischen Staates bzw. das Alter der Stadt Saís zu schließen, welches er mit achttausend Jahren angegeben haben soll. Diese Jahresangabe und die damit zusammenhängende Angabe von neuntausend Jahren waren, so wird hier dargestellt, demnach nicht Bestandteil des ägyptischen Atlantis-Berichtes. Es ist der Priester, der die unglaubwürdige Zahl aus einer anderen Quelle ins Spiel bringt.

Jetzt wird man natürlich behaupten können, dass sich Platon dies aus verschiedenster Motivation heraus exakt so ausgedacht und zurecht gelegt hatte. Solange man diese Timaios-Passage für sich allein betrachtet, steht dieser Auslegung grundsätzlich auch nichts im Wege. Dies ändert sich jedoch, wenn man hinzuzieht, was der byzantinische Geschichtsschreiber Syncellus über Manetho schreibt. Manetho war ägyptischer Priester in Heliopolis im 3.Jh.v.Chr. und verfasste ein „Aigyptiaka“ genanntes Werk über die ägyptische Geschichte [7]:

„Manetho of Sybennytus, chief priest of the accursed temples of Egypt, […], writes […], concerning six dynasties or six gods, who never existed: these, he says, reigned for 11,985 years. The first of them, the god Hephaestus, was king for 9000 years.“ [8]

Was können wir daraus ableiten? Aus dieser überlieferten Aussage des ägyptischen Priesters Manetho geht zunächst einmal hervor, dass man in Ägypten selbst noch im 3.Jh.v.Chr. von einem um viele Jahrtausende zu hohen Alter Ägyptens ausging. Mehr noch – sogar exakt die Zahl von 9000 Jahren scheint ein in ägyptischen Chroniken auftauchendes Datum gewesen zu sein. Es ist daher keineswegs unwahrscheinlich, dass Platon mit den 9000 Jahren tatsächlich eine aus Ägypten stammende Vergangenheitsangabe wiedergab. Da Manethos Aigyptiaka erst nach Platons Tod entstand, kann Platon auf dieses Geschichtswerk nicht zurückgegriffen haben. Es besteht somit kein unmittelbarer Grund, davon auszugehen, dass Platon die aus Ägypten stammende Information von 9000 Jahren nicht, wie von ihm im Timaios geschildert, von Solon erfahren haben sollte.

Manethos Darstellung beinhaltet aber noch ein weiteres Detail, das man nicht unbeachtet lassen sollte: Wie er schildert, stellten die 9000 Jahre die Herrschaftsdauer des Gottes Hephaistos dar. Hephaistos war die griechische Bezeichnung für den ägyptischen Gott Ptah. Wenn man nun die oben zitierte Passage aus Platons Timaios zum Vergleich hinzuzieht, stellt man fest, dass auch dort der Priester die achttausend und neuntausend Jahre in direktem Zusammenhang mit Hephaistos erwähnt. Wer davon ausgeht, dass die von Platon genannten 9000 Jahre von ihm frei erfunden waren, der wird sich der Frage stellen müssen, wie wahrscheinlich es ist, dass dieses Datum tatsächlich auch in ägyptischen Quellen erscheint und dazu noch übereinstimmend in Hinsicht auf den Zusammenhang mit Hephaistos [9].

Diese Verknüpfung der 9000 Jahre mit Hephaistos kann sich Platon nicht ausgedacht haben und wie oben bereits geschildert, entfällt auch die Möglichkeit, dass Platon über Manetho von diesem Zusammenhang hätte erfahren können. Ebenso abwegig wäre die Annahme, dass umgekehrt Manetho seine Angaben an Platon orientiert haben könnte. Was aber bedeutet dies nun?

Platon schildert in korrekter Weise und damit keinesfalls zufällig einen aus ägyptischen Quellen stammenden Zusammenhang zwischen Hephaistos und dem Datum von 9000 Jahren, so dass es am naheliegendsten erscheint, dass das von ihm im Timaios geschilderte Treffen zwischen Solon und ägyptischen Priestern aus Saís tatsächlich in dieser Weise stattgefunden hat. Daneben bliebe allerdings auch noch die Möglichkeit, dass Platon Informationen einer eigenen Ägyptenreise verwertet haben könnte. Jedoch die Chancen darauf, ägyptische Priester befragen zu können und mit deren Hilfe an Informationen aus ägyptischen Chroniken zu gelangen, dürften für Solon als griechischen Staatsmann ungleich besser gewesen sein [10]. Die Tatsache, dass sowohl Platon als auch Manetho 9000 Jahre im Zusammenhang mit Hephaistos erwähnen, legt nahe, von einer zugrunde liegenden gemeinsamen Referenz-Quelle auszugehen, wohl am ehesten jene im Timaios als mit heiligen Büchern bezeichneten Texte.

Unklar bleibt trotzallem, ob darüber hinaus auch die weiteren Informationen aus Platons Atlantis-Erzählung tatsächlich auch auf die Mitteilungen eines ägyptischen Priesters zurückgehen. Wenn aber GÖRGEMANNS mit seiner Annahme recht hätte, dass sowohl eine ägyptische Darstellung der Seevölker-Angriffe als auch das besondere verwandtschaftliche Verhältnis zwischen Saís und Athen zu den wahren Inhalten der Atlantis-Geschichte zu zählen waren [11], dann könnte eine Nachfrage Solons nach der Zahl der seit diesen Ereignissen vergangenen Jahre dazu geführt haben, dass der Priester eben solche ägyptischen Chroniken heranzog, auf die sich auch Manetho später stützte. Aus den Mitteilungen Diodorus‘ v. Sizilien, welche vermutlich auf Hekataios v. Abdera zurückgehen, erhält man immerhin bestätigende Hinweise dafür, dass die ägyptischen Priester auch in späterer Zeit noch von einer solchen frühen verwandtschaftlichen Beziehung der Städte Athen und Saís wußten [12]. Dies scheint ebenso aus dem Timaios-Kommentar Proklos‘ hervorzugehen [13]. Mit dem Wissen, dass beide Städte ihre Gründung dem Gott Ptah bzw. Hephaistos verdankten, war es dann doch nur naheliegend, dass der ägyptische Priester die Chroniken heranzog, die Epoche des Hephaistos „nachschlug“ und dabei auf die 9000 Jahre stieß. Angesichts einer derart grossen Zahl konnte es ihm gleichgültig sein, dass diese Angabe von 9000 Jahren nachfolgende Regierungszeiten nicht berücksichtigte und deshalb nicht korrekt war. Seine Bereitschaft, einen Datierungs-Fehler in Kauf zu nehmen, geht ja bereits aus der Tatsache hervor, dass er, wie Platon berichtet, eine vom eigentlichen Ereignis-Bericht vollkommen losgelöste Quelle zur Datierung heranzog [14], da die Erzählung selbst offenbar keine Datierung zuließ. So könnte es durchaus auch nicht mehr als ein freundschaftliches Entgegenkommen gewesen sein, wenn er Ur-Athen zu Beginn der Hephaistos-Epoche und Saís dagegen erst glatte tausend Jahre später ansetzte [15]. Diodorus bzw. Hekataios widerspricht jedenfalls Platons Darstellung indem er mitteilt, dass nicht Athen, sondern Saís die ältere Stadt gewesen sei und Ägypter zur Gründung Athens beigetragen hätten [16]. NESSELRATH nimmt an, dass Platon selbst diese Vordatierung Ur-Athens vornahm, um so gegenüber Ägypten ein um tausend Jahre älteres Athen zu schaffen [17]. Letztere Annahme ist aber schon deswegen nicht plausibel, dass zu Platons Zeit durch Herodots Historien ein noch um mehr als zweitausend Jahre höheres Alter Ägyptens bekannt war [18].

Wie nun ausführlich dargelegt, gibt es keinen Grund, in Bezug auf Platons Atlantis-Bericht pauschal von einer fiktiven Darstellung auszugehen und so zeugt auch die erstmalig korrekte Identifikation der ägyptischen Göttin Neith mit der griechischen Göttin Athene [19] davon, dass Platons Angaben tatsächlich auf einem in < stattgefundenen Gespräch mit ägyptischen Priestern beruht haben muß [20].

Im Kritias (108e) wird noch einmal resümierend auf die 9000 Jahre hingewiesen, diesmal allerdings nicht in Zusammenhang mit der Gründung der Städte, sondern assoziiert mit dem Krieg zwischen Atlantis und Ur-Athen. Ganz sicher wird Platon jene Diskrepanz selber wahrgenommen haben, nämlich dass der Krieg nicht zur selben Zeit wie die Gründung Ur-Athens stattgefunden haben konnte. In einer fiktiven Darstellung hätte er eine solche Diskrepanz ganz unproblematisch durch die Hinzunahme eines geeigneten Datums vermeiden können. Wenn er es aber nicht tat und erneut die 9000 Jahre anführt, dann scheint dies dafür zu sprechen, dass Platon sich auf eine tatsächlich existierende Quelle berief, aus der nur dieses eine Datum, jene 9000 Jahre hervorging.

Wenn nun, wie oben dargelegt wurde, vieles dafür spricht, dass die 9000 Jahre eine aus Ägypten überlieferte und keine fiktive Altersangabe waren, dann ergibt sich möglicherweise auch ein etwas anderes Verständnis in Bezug auf jene Passage (Krit. 110a-b), in der Platon bzw. Kritias die Namen der am Krieg beteiligten Ur-Athener auflistet:

Darum also sind uns die Namen der Alten ohne ihre Taten erhalten geblieben. Dies aber nehme ich daraus ab, weil Solon erzählte, die Priester hätten über den damaligen Krieg dergestalt berichtet, daß sie jene alten Athener meistens mit allen denjenigen Namen benannten, – nämlich mit dem des Kekrops, Erechtheus, Erichthonios, Erysichthon und den meisten anderen – wie ein jeder auch wirklich von den Vorgängern des Theseus im Umlauf ist. [21]

NESSELRATH sieht in dieser Schilderung die Absicht Platons, bei der Darstellung des Krieges, welche später noch hätte folgen sollen, auf athenischer Seite Männer auftreten zu lassen,

„deren Namen bereits in attischen Mythen zu finden und mit der mythischen Vorgeschichte Athens eng verknüpft waren, die hier nun aber um Tausende von Jahren ältere Namensvettern gehabt haben sollen.“ [22]

Platon spricht hier tatsächlich ausdrücklich nur von den gleichen Namen und nicht von den gleichen Personen, aber anders als NESSELRATH annimmt, muß es sich hier nicht notwendigerweise um eine von Platon erdachte Konstruktion handeln. Angesichts der bereits als aus ägyptischer Quelle stammend erkannten Altersangabe von 9000 Jahren scheint in diesem Kritias-Auszug viel eher durchzudringen, dass sich Platon genötigt sah, solche um Tausende von Jahren älteren Namensvettern anzunehmen, da die ihm unter diesen Namen bekannten vorgeschichtlichen attischen Könige niemals einer derart fernen Vergangenheit angehört haben konnten [23]. Dieser Kritias-Auszug zeigt doch, dass Platon selbst offenbar von der Richtigkeit der an ihn wie auch immer übermittelten 9000 Jahre überzeugt war und so folgerte er, dass es vor Tausenden von Jahren ur-athenische Krieger gleichen Namens gegeben haben müsse, von denen sich nur die Namen, nicht aber deren Taten erhalten hätten. Dass sich Kritias an dieser Stelle erneut explizit auf Solon und die Priester beruft, läßt sich durchaus so verstehen, dass Platon selbst durch die angebliche Erwähnung dieser Namen in ägyptischen Aufzeichnungen verwundert und möglicherweise auch verunsichert war. Da die 9000 Jahre aber, wie oben gezeigt, ein von der Kriegshandlung völlig unabhängiges Datum waren, ist davon auszugehen, dass es sich bei den genannten Namen Kekrops, Erechtheus, Erichthonios und Erysichthon nicht um Namensvettern, sondern um dieselben Personen, eben jene Könige aus den attischen Mythen handelte. Wie Diodorus bzw. Hekataios angeblich auf Aussagen ägyptischer Priester basierend berichtet, sollen einige Herrscher Athens ursprünglich Ägypter gewesen sein [24]. Explizit wird Erechtheus erwähnt, der ägyptischer Herkunft gewesen sei [25].

Zusammenfassendes Ergebnis

Platon-Experten stellen die in den Dialogen Timaios und Kritias im Zusammenhang mit Atlantis erwähnten 9000 Jahre immer wieder als eine Erfindung Platons dar. Für diese Behauptung geben sie verschiedenste Begründungen an, welche nicht uneingeschränkt miteinander zu vereinbaren sind. NESSELRATH verstrickt sich dabei sogar in seinen eigenen einander widersprechenden Annahmen.

Wenig Beachtung fand bislang die Tatsache, dass Platons Dialog Kritias darauf hinweist, dass die 9000 Jahre aus einer sekundären ägyptischen Quelle, nämlich den „heiligen Büchern“ abgeleitet gewesen seien und somit nicht zum Inhalt des ägyptischen Atlantis-Berichts gehört haben sollen. Platon erwähnt die 9000 Jahre in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gott Hephaistos. Eine erstaunliche Parallele hierzu findet sich in dem durch Syncellus überlieferten Aigyptiaka-Fragment des ägyptischen Priesters Manetho aus dem 3.Jh.v.Chr. .

Mit 9000 Jahren gibt Manetho die Herrschaftsperiode des Hephaistos an. Dies deutet darauf hin, dass Platons Information zumindest in diesem Punkt tatsächlich aus ägyptischer Quelle zu stammen scheint. Anstelle von „Weltzyklen“ oder „literarischen Variationen des Wahrheitsbegriffes“ zu sprechen, ist es sehr viel naheliegender, davon auszugehen, dass sich der ägyptische Priester beim Gespräch mit Solon in Sais ganz einfach auf die Epoche des Hephaistos bezog und die Gründung Ur-Athens an den Beginn dieser Epoche ansetzte. Eine Fiktion kann somit, zumindest was die Angabe der 9000 Jahre betrifft, ziemlich sicher ausgeschlossen werden. Unsicher bleibt jedoch, ob Platons Atlantis-Bericht auch darüber hinaus in seinen wesentlichen Teilen aus ägyptischen Quellen stammt. Einiges deutet jedenfalls darauf hin, dass auch das von Platon geschilderte frühverwandtschaftliche Verhältnis zwischen Sais und Athen der Wahrheit entspricht.

Es ist sicher nicht ausgeschlossen, dass Manetho im Auftrag Ptolemaios‘ II. ein den Griechen gegenüber freundliches Geschichtswerk verfasste. Doch die hier zitierte Stelle läßt in keiner Weise einen Grund oder Zusammenhang für eine Abänderung von Fakten zum Wohlwollen der Griechen erkennen oder vermuten. Auch die Tatsache, dass Manethos Aigyptiaka selbst nicht erhalten blieb und nur in Fragmenten später Abschriften überliefert ist, stellt keinen ausreichenden Grund dar, die in dem relevanten Fragment enthaltenen Informationen im Zusammenhang mit Platons Timaios und Kritias zu ignorieren.

Anmerkungen und Literatur

[1] H. Görgemanns, Wahrheit und Fiktion in Platons Atlantis-Erzählung, Hermes 128, 2000, 405-419

[2] K. Gaiser, Platons ungeschriebene Lehre, Stuttgart 1963, 263-268

[3] T. Szlezík, Atlantis und Troia, Platon und Homer: Bemerkungen zum Wahrheitsanspruch des Atlantis-Mythos, Studia Troica 3, Mainz 1993, 236

[4] H. Nesselrath, Kritias, in: Platon Werke – Übersetzung und Kommentar, Band VIII/4, Göttingen 2006, 115 Vgl. Herodot II, 142;

[5] H. Nesselrath, Platon und die Erfindung von Atlantis, Leipzig 2002, 32-33; Damit entwickelt Nesselrath zwangsläufig einen Widerspruch in sich, denn wenn Platon das Datum von 9000 Jahren frei erfunden hätte, um Ur-Athen älter werden zu lassen als Ägypten und damit dem Plagiatsvorwurf zu begegnen, dann wäre Platon ja doch um rund 2000 Jahre zu kurz gesprungen, weil Herodot, auf den Platon sich ja auch gestützt haben soll, von einem Alter Ägyptens von mehr als 11000 Jahren spricht; Vgl. Herodot II, 142;

[6] Platon, Timaios 23d-e, Übersetzung von Susemihl 1856

[7] Der Kleine Pauly „Manethon“

[8] Manetho, Fr. 3. Syncellus, p.32 , transl. by W.G. Waddell, Harvard University Press, London, 1997, S.15

[9] In der ausführlichen Diskussion der „9000 Jahre“ in seinem jüngst veröffentlichten Kommentar des Kritias hält es Nesselrath leider nicht einmal für nötig, auf die von Manetho ebenfalls genannten 9000 Jahre überhaupt einzugehen. H. Nesselrath, Kritias, in: Platon Werke – Übersetzung und Kommentar, Band VIII/4, Göttingen 2006

[10] Siehe hierzu auch T.C. Franke, Mit Herodot auf den Spuren von Atlantis, Norderstedt 2006, S. 74 f.

[11] s. Fußnote 1; Platon berichtet von der Unterjochung Ägyptens durch die Atlantischen Angreifer. Wie schon vielfach zuvor, u.a. auch von GÖRGEMANNS (s. Fußnote 1) erkannt wurde, spricht manches dafür, dass die Angriffe der Seevölker und der Libyer um 1200v.Chr. den Hintergrund des Atlantis-Berichtes gebildet haben. So könnte z.B. der Hinweis auf Libyen u. Tyrrhenien in Platons Atlantis-Bericht könnte den ägyptischen Seevölker-Berichten entnommen sein.

[12] Vgl. Diodorus I 28,4

[13] Proklos, Timaios-Kommentar Bd. I p. 97,27-98,3

[14] Timaios 23d-e

[15] Görgemanns nennt einen möglichen Grund für ein solches Entgegenkommen, s. Fußnote 1

[16] Vgl. Diodorus I 28,4

[17] H. Nesselrath, Platon und die Erfindung von Atlantis, Leipzig 2002, 32-33;

[18] Vgl. Herodot II, 142, In einer fiktiven Erzählung hätte Platon, um der Kollision mit Herodots Angaben aus dem Weg zu gehen, doch einfach nur von 12000 oder mehr Jahren in Bezug auf das Alter Ur-Athens sprechen müssen. Nesselraths Annahme macht daher keinen Sinn.

[19] Timaios 21e

[20] Die Erwähnung des Namens „Neith“ macht klar, dass sich Platons Detail-Kenntnis über das ägyptische Saís nicht aus Herodots Historien erklären läßt, denn Herodot erwähnt niemals den Namen „Neith“, sondern spricht stets nur von „Athene“. Entweder bezog Platon seine Informationen so, wie er auch angibt, von Solon, oder aber er hatte selbst die Gelegenheit, mit den ägyptischen Priestern zu sprechen.

[21] Platon, Kritias 110a-b, Übersetzung von Susemihl 1857

[22] H. Nesselrath, Kritias, in: Platon Werke – Übersetzung und Kommentar, Band VIII/4, Göttingen 2006, S. 163

[23] Vgl. T. Franke, Mit Herodot auf den Spuren von Atlantis, Norderstedt 2006, S.133f.; Franke weist auf die geschichtliche Kontinuität Athens bis in die Zeit der dorischen Wanderung hin. Durch Herodots Historien war den Athenern eine in groben Zügen korrekte Vorstellung ihrer Vergangenheit gegeben. Die 9000 Jahre hätten damit zwar zu Ägypten gepasst jedoch nicht zu Athen.

[24] Vgl. Diodorus I 28,6

[25] Vgl. Diodorus I 29,1