Was die mythologischen Indizien betrifft, nehmen die indischen Mythen in der Paläo-SETI eine herausragende Stellung ein. Zu plastisch und futuristisch wirken die Beschreibungen in den alten Epen, als das sie in diesem Zusammenhang außer Acht gelassen werden könnten. Im indischen Sanskrit, scheint sogar ein eigener Begriff für die fliegenden Wagen der Götter zu existieren: Vimana! Laut Wörterbuch bedeutet Vimana:

Fahrzeug der Götter, welches sich von selbst bewegen kann; ein Luftwagen; Tempel, Thron; Maß, Proportion; eine Person, die allen Stolz und Egoismus aufgegeben hat und zum Himmel aufsteigt. [1]

Faszinierende Bedeutungen, wobei für die Paläo-SETI natürlich besonders die erste Definition besonders von Bedeutung ist. Viele Autoren haben sich des Themas seither angenommen, so beschreibt Erich von Däniken die indischen Texte schon in seinem zweiten Werk recht ausführlich, wobei er aber zu recht utopischen Datierungen bezüglich der Datierung der ältesten Teile des indischen Nationalepos Mahabharata kommt und hier, angeregt durch ein Interview mit dem Sanskrit-Experten Ramesh J. Partel auf ein Alter von 7016 v. Chr. bis 2604 v. Chr. kommt. [2]

Westliche Wissenschaftler nehmen bei diesem, mit 100 Doppelversen (Schloken) umfangreichsten Epos der Welt für die ältesten Teile eine Entstehung im 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr. an, wenngleich in ausgeschlossen wird, das einzelne Geschichte auf die Zeit um 1000 v. Chr. zurückreichen. [3]

Tatsache ist allerdings, dass dieses Epos einige Textstellen aufweist, die durchaus im Sinne der PaläoSeti gedeutet werden können. Leider existiert bis Heute keine deutsche Gesamtübersetzung des Mahabharata, so, dass man sich im wesentlichem auf Zusammenfassungen stützen muss. [4]

Glücklicherweise wurde aber einer der, für die PaläoSeti wohl interessantesten Episoden des Epos ins Deutsche übersetzt, allerdings stammt diese Ausgabe noch aus dem vorletzten Jahrhundert. [5] In dieser Episode wird davon berichtet, wie einer der Helden des Epos, Ardschuna, von Indra in dessen fliegenden Wagen in den Himmel mitgenommen wird, um dort göttliche Waffen für einen bevorstehenden Krieg zu bekommen. Einige Auszüge sollen hier die plastischen Beschreibungen verdeutlichen:

Und mit Matali (der göttliche Wagenlenker, Anm. von mir!)
kam plötzlich im Lichtglanze der Wagen an, Finsterniß aus der
Luft scheuchend, und erleuchtend die Wolken all,
Die Weltgegenden anfüllend mit Getöse, dem Donner gleich. [6] (…)

Auf dem Wagen sodann stieg er (Ardschuna, Anm. von mir!) ,
glänzend so wie des Tages Herr.
Mit dem Zaubergebild führ er, dem Sonn-ähnlichen Wagen nun,
Dem Himmlischen, empor freudig, der weise Spross aus Kuru’s Stamm.
Als er nun dem Bezirk nahte, der unsichtbar den Sterblichen,
Erdewandelnden, sah Wagen, wunderschön‘ er zu Tausenden.
Dort scheint Sonne nicht, Mond nicht, dorten glänzet das Feuer nicht,
Sondern in eigenem Glanz leuchtet allda, durch edler Taten Kraft,
Was in Sternengestalt unten auf der Erde gesehen wird,
Ob großer Ferne gleich Lampen, obwohl es große Körper sind. [7]

Eine besonders gründliche und beeindruckende Studie des Mahabharatas im Sinne der Paläo-Seti hat Lutz Gentes vorgenommen [8], der neben der Deutschen Teilübersetzung auch die komplette englische Übersetzung herangezogen hat und zu erstaunlichen Ergebnissen kam, wenngleich Textstellen allein als Beweis allein natürlich nicht zulässig sind. Gentes deutet hier nach dem Prinzip „Klingt-so-Wie“ und interpretiert die Textstellen nach einem Schema, das schon voaussetzt, hier würde es sich um technische Beschreibungen handeln. Seine Herleitung bleibt allerdings nur schwach legitimiert.

Allerdings stoßen wir auch im zweiten großen Epos der der Inder, dem Ramayana [9] immer wieder auf ähnlich geartete Beschreibungen.

Auch von dem Sanskritexperten Dileep Kumar Kanjilal liegt eine ausführliche Beschreibung des Themas Vimana in Deutsch vor [10], da die Arbeit allerdings in einem Selbst-Verlag erschienen ist, dürfte sie allerdings für die meisten schwer greifbar sein. Kanjilal konnte hier auch erstmal Rekonstruktionen der vermuteten Flugmaschinen wiedergeben.

Auch Erich von Däniken hat das Thema später immer mal wieder aufgegriffen und ausführlicher behandelt. [12] [13)]

Auch der amerikanische Forscher Richard L. Thompson hat die indischen Mythen genau unter die Lupe genommen [14], ähnlich wie von Däniken allerdings, ohne eindeutige Quellennachweise anzugeben. In jüngster Zeit haben auch die Autoren Peter Fiebag, Algund Eenboom und Peter Belting [15] das Thema erneut aufgegriffen, konnten dem Thema aber wenig neue Erkenntnisse hinzufügen und gaben eigentlich hauptsächlich nur die schon älteren Ergebnisse von Dileep Kumar Kanjilal wieder.

Bei Betrachtung der bisherigen Arbeiten zum Thema, kann man sich in Zukunft eigentlich nur bessere Recherchen und echte Neuigkeiten wünschen, wobei Lutz Gentes hier die bislang wahrscheinlich beste und umfangreichste Arbeit geleistet hat und aufzeigen konnte, dass hier für die Paläo-SETI womöglich eine Menge echten Potenziales steckt, das als ein wirklich ernstzunehmendes Indiz gewertet werden kann, allerdings fehlt es hier noch in zu großem Maße an eine methodischen Aufarbeitung entsprechender Texte, die über ein „Klingt-so-Wie“ hinaus geht.

Auch fällt immer wieder auf, dass (Gentes bleibt hier eine positive Ausnahme) es vielfach zu bezweifeln ist, dass die angegebenen Textstellen tatsächlich alten Quellen entnommen sind. Ein deutliches Indiz hierfür bietet folgende Texstelle, de angeblich moderne Waffen im Mahabharata beschreiben sollen:

Die Sonne schin sich im Kreis zu drehen. Von der Glut der Waffe versengt, taumelte die Erde vor Hitze. Elefanten waren angebrannt und rannten wild hin und her…Das oben des Feuers ließ die Bäume wie bei einem Waldbrand reihenweise stürzen…Pferde und Streitwagen verbrannten, es sah aus wie nach einem fürchterlichen Brand. Tausende von Wagen wurden vernichtet, dann senkte sich tiefe Stille über die Erde…Es bot sich ein schauerhafter Anblick. Die Leichen der Gefallenen waren von der fürchterlichen Hitze verstümmelt, sie sahen nicht mehr wie Mnschen aus. Niemals zuvor haben wir eine derart grauenhafte Waffe gesehen, und niemals zuvor haben wir von einer derartigen Waffe gehört…Sie ist wie ein strahlender Blitz, ein verheerender Todesbote, der alle Angehörigen der Vrischni und der Andhaka zu Asche zerfallen ließ. Die verglühten Körper waren unkenntlich. Den Davongekommenen fielen Haare und Nägel aus. Töpferwaren zerbrachen ohne Anlass, die überlebenden Vögel wurden weiß. In kurzer Zeit war die Nahrung vergiftet. Der Blitz senkte sich und wurde feiner Staub. [16]

Als Quelle wird eine Mahabharataübersetzung von Roy 1884 angegeben.Das scheinbar selbe Zitat, nur in einer völlig anderen Zusammensetzung finden wir allerdings an anderer Stelle, bei allerdings gleicher Quellennennung:

Die Sonne schien sich im Kreis zu drehen Von der Glut der Waffe versengt, taumelte die Erde vor Hitze. (soweit noch identisch, plötzlich fehlt ein Stück, ohne Kennzeichnung fehlender Textstellen) Tausende von Wagen verbrannten, dann senkte sich Stille über die Erde. Elefanten waren angebrannt und rannten brüllend hin und her. (nanu, diese Textstelle ist oben aber noch woanders Zwinker Es bot sich ein schauerhafter Anblick. Niemals zuvor haben wir eine derart grauenhafte Waffe gesehen. Sie ist wie ein strahlender Blitz, der alles zu Asche zerfallen lässt. (der Text unterscheidet sich jetzt schon deutlich von Dänikens ursprünglicher „Übersetzung“ Den weiter Entfernten, den Davongekommenen, fielen Haare und Nägel aus (schon wieder eine Textveränderung, die den „Atombomben-Charakter wohl unterstreichen soll, durch „den weiter Entfernten“, da sie im Epizentrum natürlich verreckt wären) Töpferwaren zerbrachen ohne Anlass, die Vögel fielen vom Himmel, und in kurzer Zeit war alle Nahrung giftig. (Hier werden verschieden Sätze plötzlich vereint, die Vögel werden nicht mehr weiß, sondern fallen vom Himmel, Anmerk. André Kramer) Auch die ungeborenen Kinder im Mutterleib starben. (diese Textstelle findet sich in ‚Die Götte waren Astronauten‘ an anderer Stelle … auch anders als „denn alles war vom tödlichen Hauch des Gottes belegt. Auch noch die ungeborenen Kinder im Mutterleib starben.“ Anmerk. André Kramer). [17]

Hier haben wir also ziemlich deutliche Hinweise darauf, dass sich in Wahrheit nicht der Originalquelle bemüht wurde.

Fußnoten

[1] Mittwede 1999, S. 282
[2] vgl. Däniken 1969, S. 220 ff.
[3] vgl. Waterstone 2001, S. 56
[4] vgl. Roy 1998
[5] vgl. Bopp 1826
[6] a.a.O., S. 1
[7] a.a.O., S. 3
[8] vgl. Gentes 1996
[9] vgl. Schmölders 2000
[10] vgl. Kumar (o. J.)
[11] vgl. Däniken 2000
[12] vgl. Däniken 2001
[13] vgl. Thompson 2000
[14] vgl. Fiebag, Eenboom, Belting 2004
[15] Däniken 2001, S. 202
[16] Däniken 2004, S. 13

Literatur

Bopp, Franz – Ardschuna’s Reise zu Indra’s Himmel, Berlin 1824

Däniken, Cornelia von: Der Mystery Park. Die Geschichte, die Menschen. Alle Texte – alle Quellen. Ausführliche Kommentare. Interlaken: Mystery Park AG 2005

Däniken, Erich von – Zurück zu den Sternen, Düsseldorf und Wien 1969

Däniken, Erich von – Neue Erinnerungen an die Zukunft. Habe ich mich geirrt? Augsburg 2000

Däniken, Erich von – Die Götter waren Astronauten, München 2001

Dopatka, Ulrich – Die große Erich von Däniken Enzyklopädie, Oberhofen am Thunersee 2004

Fiebag, Peter, Algund Eenboom und Peter Belting – Flugzeuge der Pharaonen, Rottenburg 2004

Gentes, Lutz – Die Wirklichkeit der Götter, München-Essen-Ebene Reichenau 1996

Kanjilal, Dileep Kumar – Vimana in ancient India, Bonn (ohne Jahresangabe)

Mittwede, Martin – Spirituelles Wörterbuch Sanskrit-Deutsch, Dietzenbach 1999

Roy, Biren – Das Mahabharata, München 1998

Schmölders, Claudia – Das Ramayana, München 2000

Thompson, Richard L. – Begegnungen mit Außerirdischen, München 2000

Waterstone, Richard: Indien. Götter und Kosmos. Karma und Erleuchtung. Meditation und Yoga. Köln 2001