In seinem Buch „Und sie waren doch da“ stellt der dänische Autor Preben Hansson 1990 zahllose unhaltbare Behauptungen auf (vgl. Magin [1]). Eines isst dabei zu kurz gekommen. Seine beharrliche Aussage, kreisrunde, in vier Segmente geteilte Ringwälle seien für die Zeit, in der die dänischen Trelleborgen entstanden, ganz und gar untypisch:

„Mangels besserer Erklärungen wurde der Ringwall Trelleborg […] als eine Wikingerkaserne gedeutet. [Richtig: als eine Königspfalz] Blickt man aber von oben auf den geometrischen Grundriß dieser Anlage, werden Zweifel wach. […] Nein, nicht die Wikinger, andere Menschen müssen die Anlage Trelleborg gebaut haben.“ [2]

Sprich: Besucher aus dem All.

Ansichten der Souburg auf Zeeland. (Fotos: Ulrich Magin)

Die Souburg auf Zeeland

Aber: Gerade in karolingischer und nachkarolingischer Zeit, also im 9. und 10. Jahrhundert, bis feste, aus Stern errichtete Burgen aufkamen, war der Kreis, in vier Segmente geteilt, eine der typischen Formen der Befestigung nördlich der deutschen Mittelgebirge.

Ein schönes Beispiel ist die Souburg im Südosten von Walcheren:

„Das Dorf entstand um die karolingische Burg (Sudburgh) herum, die die Bewohner vor den Angriffen der Wikinger schützte. Bei Ausgrabungen im 20. Jahrhundert wurde die Wallburg untersucht und kartiert. Es ist die am besten erhaltene Wallburg in ganz Zeeland. Die Wälle und das Zugangstor wurden restauriert und können besichtigt werden.“ [3]

Die Lembecksburg auf Föhr

Diese Anlage auf der Insel Föhr stammt aus der Wikingerzeit und wird auf das 10./11. Jahrhundert datiert und wurde wohl von Friesen unter dänischer Herrschaft erbaut. Sie ist schon auf Google-Earth als perfekter Kreis auf der Insel zu erkennen und misst rund 95 Meter im Durchmesser bei einer Wallhöhe von acht bis zehn Metern. [4]

Burgen auf Sylt

Auf der deutschen Insel Sylt, die Dänemark am nächsten liegt, gab es gleich drei geometrisch klar strukturierte, kreisförmige Burgen: die heute zerstörte Archsum-Burg, die von den Dünen begrabene Rantum-Burg und die noch als leicht ovaler Erdwall erhaltene Tinnumburg im Ortsteil Tinnum der Gemeinde Sylt. Sie ist älter als alle anderen erwähnten Anlagen und zeigt damit, dass der Bau kreisförmiger Burgwallanlagen in der Region bereits eine lange Tradition hatte, bevor die Trelleborgen in Dänemark errichtet wurden:

„Die Burg wurde etwa um Christi Geburt erbaut. Der Ringwall hat einen Durchmesser von 120 Metern. Der Wall ist bis zu sieben Meter hoch und hat einen Umfang von rund 440 Metern. Die Basis der Burg liegt etwa zwei Meter über NN. Vor der Marscheindeichung 1938 ragte die Burg bei Sturmfluten inselartig aus dem Wasser. Die Burg hatte mindestens zwei Tore (im Osten und Süden). Vielleicht hatte sie ein drittes Tor im Westen, das auf ein kleines, am Döplem gelegenes Plateau führte.

Grabungen in den Jahren 1870, 1948 und 1976 erbrachten den Beweis, dass die Tinnumburg zu den in der frühen römischen Kaiserzeit errichteten Rundwällen auf den nordfriesischen Inseln gehörte. Die Grabungsergebnisse ergaben, dass es sich hierbei um eine germanische Kultstätte handelte. Sie wurde, nachdem sie eine Zeit lang brach lag und vermoorte, erneut im 8. bis 10. Jahrhundert benutzt. Die Innenbebauung bestand aus Sodenwandhäusern. Aus dieser Zeit stammt auch der heute sichtbare Wall, der über dem Wall aus der Zeit um Christi Geburt errichtet wurde.“ [5]

Anmerkungen

[1] Magin 1999, 2016

[2] Hansson 1990, S. 16, 17

[3] vgl. https://www.vvvzeeland.nl/de/inseln/walcheren/doerfer-und-staedte/oost-souburg/

[4] Schnell 2018, S. 103, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Lembecksburg/

[5] vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Tinnumburg/

Literatur

Hansson, Preben (1990): Und sie waren doch da. Bayreuth

Magin, Ulrich (1999): Waren sie wirklich da? Wikingerburgen in Dänemark und Preben Hansson. https://mysteria3000.de/magazin/waren-sie-wirklich-da-wikingerburgen-in-danemark-und-preben-hansson/

Schnell, Manfred (2018): Wikinger am Wegesrand: Historische Plätze der europäischen Wikingerzeit in Deutschland, Dänemark und Südschweden. Norderstedt