Die Pyramiden Ägyptens spielen in der Paläo-Seti eine bedeutende Rolle, immer wieder wird hierbei die Nutzung selbiger als reine Königsgräber in Zweifel gezogen. Eines der häufig hierfür vorgebrachten Argumente ist die Tatsache, dass in bislang keiner der Pyramiden eine vollständig erhaltene Mumie gefunden werden konnte.

Zecharia Sitchin, der hinter den Pyramiden Orientierungspunkte für außerirdische Raumschiffe vermutet, schreibt in diesem Zusammenhang zum Beispiel:

„In der Tat ist nie der Beweis erbracht worden, dass die Pyramiden erbaut wurden, um den Pharaonen als Grab zu dienen.“ [1]

Und auch Andreas von Rétyi zieht aus dem Fehlen von Mumien in den Pyramiden die Konsequenz, die Nutzung selbiger als Grabanlagen in Zweifel zu ziehen. [2]

An dieser Stelle muss eingewendet werden, dass die Denkmäler Ägyptens schon im Altertum von Grabräubern geplündert wurden. Häufig unter Mitwisserschaft der Wächter der Anlagen kam es so bis ins letzte Jahrhundert hinein zur Plünderung der alten Monumente.

Aus keinem anderen Grund war die Entdeckung des Grabes des Tutenchamun durch Howard Carter 1922 eine solche Sensation, befanden sich hier doch die gewaltigen Reichtümer und die Königsmumie noch in der Grabanlage. Doch, selbst das Grab des Tutenchamun war nicht völlig unangetastet und schon im Altertum gab es scheinbar den Versuch, es zu plündern. Den ersten Hinweis hierauf gab die Tatsache, dass Carter auf zwei Siegel stieß, einmal dass des Königs und dann noch das der Priesterschaft, womit klar war, dass das Grab nach der ersten Versiegelung noch einmal geöffnet und wieder verschlossen wurde. [3]

Das Tal der Könige in Theben.
Abbildung Nr. 1: Das Tal der Könige in Theben. Hier wurde auch das berühmte Grab des Tutenchamun entdeckt (Foto: André Kramer)

Das Innere des Grabes gab dann die Sicherheit, dass es einen Versuch gab, dass Grab zu plündern. Offensichtlich konnten die Grabräuber ihr Ziel aber nicht vollenden und die Priester sorgten schleunigst dafür, das Grab wieder zu verschließen und hinterließen es in einem noch ziemlich unaufgeräumten Zustand und sogar ein Teil des geplanten Diebesgutes lag noch auf dem Boden herum, wie zum Beispiel in ein Tuch eingewickelte goldene Ringe. [4]

Die Tatsache, dass wir in den Pyramiden also nur auf leere Sarkophage gestoßen sind, lässt sich dadurch erklären, dass die Monumente längst geplündert waren, als sie von den Forschern des 19. und 20. Jahrhundert geöffnet wurden.

Doch auch dieses Argument überzeugt einige Vertreter alternativer archäologischer Geschichtsschreibung nicht. Reinhard Habeck führt zum Beispiel bezüglich der Öffnung der Cheops-Pyramide durch Al Mamun an:

„Doch sie fanden keine Schätze – und der Sarkophag war leer. Waren ihnen Grabräuber zuvorgekommen? Nichts deutete darauf hin. Plünderer hätten es auf Goldschätze abgesehen gehabt. Aber warum sollten Räuber den bandagierten Leichnam des Pharao stehlen?“ [5]

Auch diese Frage findet eine einfache Erklärung und wird durch den glücklichen Umstand bestätigt, dass uns eine auf Papyrus überlieferte Gerichtsverhandlung aus dem alten Ägypten erhalten geblieben ist, bei der einige frühe Raubgräber auf der Anklagebank saßen, die die Pyramide des Pharao Sechemre-schedtaui (17. Dynastie) plünderten.

In seinem Geständnis sagte der Steinmetz und Grabräuber Amenpnufer:

„Dann brachen wir durch den Schutt hindurch … und fanden diesen Gott im Hintergrund seiner Grabstätte liegen.

Und wir fanden die Begräbnisstätte von Nubchaas, seiner Königin, die neben ihm liegt … wir öffneten ihre Sarekophage und ihre Särge und fanden die edle Mumie dieses Königs, der mit einem Krummen Säbel ausgerüstet war. Um seinen Hals lag eine große Anzahl Amulette, in Gold gefasste Juwelen und auf ihm seine Krone aus Gold. Die edle Mumie dieses Königs war über und über mit Gold verziert, und seine Särge waren innen und außen mit Gold und Silber ausgeschmückt und mit allen Arten wertvoller Steine ausgelegt.

Wir nahmen das Gold, das wir auf der edlen Mumie dieses Gottes fanden, und wir nahmen auch alles Übrige mit, was wir an ihr fanden, und setzten ihre Särge in Brand.“ [6]

Gerade die Mumie war mit großen Reichtümern bestückt und damit unumgängliches Ziel der Räuber. Dabei müssen wir den Grund dafür, die Mumie zu verbrennen noch nicht einmal in der möglichen Angst der Diebe suchen, der Verstorbene können ihnen aus dem Totenreich noch Schaden zufügen, sondern können hier durchaus ganz praktische Gründe vermuten.

Ein Teil der Schmuckstücke befand sich auch innerhalb der Mumien und durch das Verbrennen selbiger konnten die Räuber das Diebesgut ganz gemütlich an sich nehmen, ohne vorher die ganze Mumie auseinander reißen zu müssen.

Somit lässt sich feststellen, dass das Fehlen von Mumien in den Pyramiden kein Beweis dafür darstellen kann, diese hätten nicht als Grabmonumente gedient, schließlich haben wir nicht nur die Sarkophage, sondern sogar die Geständnisse von Raubgräbern aus der Zeit der Pharaonen die ihre Praxis der Mumienverbrennung schildern und uns so die Erklärung für den auf dem ersten Blick mysteriösen Umstand der fehlenden Mumien liefern.

Anmerkungen

[1] Sitchin 2003, S. 275
[2] Vgl. Rétyi 2005, S. 77 ff.
[3] Vgl. Carter 1977, S. 37 f.
[4] Vgl. a.a.O. S. 67
[5] Habeck 2003, S. 154 f.
[6] Zit. n. Cotrell 1989, S. 212

Quellennachweis

Carter, Howard (1977): Das Grab des Tut-Ench-Amun. Wiesbaden: F.A. Brockhaus

Cotrell, Leonard (1989): Das Geheimnis der Königsgräber. München: Knaur

Habeck, Reinhard (2003): Die letzten Geheimnisse. Rätselhafte Funde der Geschichte. Wien: Tosa Verlag

Rétyi, Andreas von (2005): Geheimakte Gizeh-Plateau. Rätsel unter dem Sand. Rottenburg: Kopp-Verlag

Sitchin, Zecharia (2003): Stufen zum Kosmos. Götter, Mythen, Kulturen, Pyramiden – die Suche nach der Unsterblichkeit. Rottenburg: Kopp-Verlag