Besucht man das sehr interessante Naturalienkabinett des Ortes Waldenburg in Sachsen, dann bekommt man einige sehr interessante Exponate aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu sehen. Neben präparierten Vögeln, Säugern und Insekten (mit einer sehr schönen Schmetterlingssammlung), befinden sich auch sehr exotische und erschreckende Stücke in der Sammlung.

Zweiköpfige Kälber, Kälber mit Zusätzlichen Beinen auf dem Rücken und weitere Fehlgeburten, die erahnen lassen, was diese Tiere in ihrem kurzen Leben wohl unter ihren Fehlbildungen gelitten haben müssen.

Zudem gibt es dann noch eine Sammlung menschlicher Fehlgeburten, eingelegt in mit Alkohol gefüllten Glasbehältern. Und unter diesem ein ganz besonders erschreckendes Exponat, der so genannte Hühnermensch. Monstrum Humanum Rarissinum getauft.

Hierbei handelt es sich um einen menschlichen Fötus mit einem kegelförmigen Körper und dünnen, langen Fingern und Füssen und einem großen, unförmigen Kopf mit großen Augenhöhlen und einem großen Auswuchs auf der Stirn (daher wohl die Assoziation = Hühnermensch).

Der Hühnermensch in Naturalienkabinett Waldenburg
Abb. 1: Der Hühnermensch in Naturalienkabinett Waldenburg (Foto: André Kramer).

1735 wurde diese Kreatur von einer Johanna Sophia Schmied in Sachsen tot geboren und von dem Kinderarzt Dr. Gottlieb Friderici obduziert und sorgsam konserviert.

Eine Missbildung dieser Art hatte man noch nie zuvor gesehen, und die fremdartige Erscheinung dieses Fötus war es dann auch, die den bekannten Grenzwissenschaftsautor Hartwig Hausdorf bewog, hinter diesem ein möglicherweise Alien-Mensch-Hybridwesen zu vermuten.

Hausdorf stellt auch gleich eine ganze Reihe von Merkmalen fest, die sich mit den so genannten „kleinen Grauen“ aus den bekannten Ufo-Entführungsszenarien zu decken scheinen:

„Die Augen sind ungewöhnlich groß. Als ich das Glasgefäß mit dem Wesen in meinen Händen hin- und herdrehte, konnte ich die riesigen, schwarzen Augäpfel durch eine dünne, darüberliegende Haut schimmern sehen. Sie liegen in unnatürlich runden Augenhöhlen.

Es sind keine äußerlich erkennbaren Ohren vorhanden. Den Angaben des Museumspersonals zufolge sollen jedoch auf Röntgenaufnahmen, die 1994 in Berlin und Heidelberg gemacht wurden, die Gehöhrgänge im Inneren des riesigen Schädels andeutungsweise vorhanden sein. Auch die unheimlichen“kleinen Grauen“ werden ohne erkennbare, außenliegende Ohren beschrieben.

Der Auswuchs am Kopf ist – das stellte bereits Dr. Friderici im Jahre 1735 fest – nicht mit Wasser, sondern mit Gehirnmasse gefüllt. (…) Liegt hier am Ende tatsächlich ein historischer Entführungsfall vor, indessen Verlauf Johanna Sophia Schmied durch einen gezielten Eingriff geschwängert wurde und – als monströse Missgeburt – ein Hybridwesen zur Welt brachte?“ [1]

Spekulationen, mit denen Hausdorf den Hühnermenschen weit über die Grenzen Sachsens bekannt gemacht hat. Befindet sich also ausgerechnet in einem kleinen sächsischen Museum der Beweis für außerirdische Eingriffe in menschliche Schicksale?

1997 wurden in Chemnitz genetische Untersuchungen an dem auch heute noch einmalig missgebildeten Fötus vorgenommen und stellten eine Chromosomenanomalie fest, die für die Missbildungen verantwortlich zu sein scheint. So, fehlt ein großer Teil des Chromosoms 17.

Die Tatsache, dass dieses Präparat bislang einzigartig ist, scheint damit zusammen zu hängen, dass diese schwere Schädigung in der Regel einen tödlichen Erbfaktor darstellt und der Fötus die ersten Wochen der Schwangerschaft nicht überlebt. [2]

Was die letztendliche Ursache dafür ist, dass dies nicht auch bei dem Hühnermenschen der Fall gewesen ist, wissen wir nicht. Doch die außerirdische Erklärung ist in jedem Fall zu verneinen, vor allem auch, da es sich um 100% menschliches Erbgut handelt. [3]

Anmerkungen

[1] Hausdorf 1998, S. 25 f.

[2] vgl. Müller 1999, S. 94 ff.

[3] vgl. a.a.O. S. 97

Literatur

Hausdorf, Hartwig (1998): X-Reisen. Lokaltermine an den geheimnisvollsten Stätten unserer Welt. München: Herbig

Müller, Dr. Dietmar (1999): „Monstrum humanum“ – Die anatomische Sammlung. In: Sächsische Landestelle für Museumswesen (Hrsg.): Naturalienkabinett Waldenburg. Chemnitz: Schwarz Druck