Ein Atlantisforscher und seine Hintergründe

„Frank Joseph“, lesen wie auf atlantisforschung.de, „hat sich mit seinen Publikationen längst einen Platz unter den führenden Alternativhistorikern und Atlantisforschern in den USA erarbeitet, […] Abseits der ausgetretenen Pfade des wissenschaftlichen Mainstreams widmet F. Joseph sich der Erforschung vorgeschichtlicher Menschheitsrätsel. Dabei hat sich der langjährige Chefredakteur der Zeitschrift Ancient American ‚mit Haut und Haaren‘ der Suche nach Spuren verschollenen Früh- und Mutterkulturen verschrieben, wobei sein Interessen- und Publikations-Schwerpunkt auf den präkolumbischen Kulturen Nordamerikas, ihren Ursprüngen und interkontinentalen, transatlantischen und -pazifischen Beziehungen liegt.“ [1]

Frank Joseph wurde am 3. November 1944 in Chicago, Illinois, USA, als Frank Collin geboren. Für die National Socialist White People’s Party fungierte er bis 1967 als Koordinator für den Mittleren Westen, nach einem Zerwürfnis mit dessen Vorstand gründete er seine eigene Nazi-Partei und war von 1970 bis 1977 der erste Vorsitzende der National Socialist Party of America. Die Partei veranstaltete regelmäßig Anti-Schwarzen-Demos im Marquette Park von Chicago. Die Stadt wurde dem Problem Herr, indem sie von der Nationalsozialistischen Amerikanischen Arbeiterpartei so hohe Versicherungssummen einforderte, dass diese die Aufmärsche stoppen musste.

Berühmt wurde er in den Vereinigten Staaten vor allem durch den „Marsch durch Skokie“, einem vor allem von jüdischen Holocaust-Überlebenden bewohnten Stadtteil Chicagos, bei dem er mit einer Naziuniform und Hakenkreuzbinde versehen antijüdische Parolen schreien wollte. Der Bürgermeister von Skokie wollte den Marsch verbieten lassen, die National Socialist Party of America, also Frank Collin, klagte dagegen und erhielt Unterstützung der liberalen American Civil Liberties Union, die das Recht auf freie Rede höher einschätzte als die Beleidigung der Mitbürger.

Der Fall ging bis vor den obersten Gerichtshof der USA, der am 14. Juni 1977 urteilte, Collin dürfe marschieren. Zwei Jahre später wurde Frank Collin allerdings wegen Kindesmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt und musste dafür ins Gefängnis. Die Partei ließ ihn darauf fallen, allerdings nicht wegen der Fotos, sondern, weil Collin einen jüdischen Großvater hatte! Es wird angenommen, dass es zu Päsophilieprozess nur deshalb kam, weil ein Parteikonkurrent im internen Kampf um den Vorsitz die Polizei verständigte, als er die Fotos fand, die Collin beim Sex mit minderjährigen Knaben zeigten. [2]

Nach drei Jahren Haft entlassen, änderte Collin seinen Namen in Frank Joseph und schrieb ab diesem Zeitpunkt Bücher, in denen die Monumente der amerikanischen Ureinwohner von Weißen aus Atlantis oder Europa gebaut worden waren.

Man kann niemandem vorhalten, was er vor vielen Jahren gedacht hat und wovon er sich vielleicht mittlerweile im Stillen längst distanziert. Zumindest sollte man andeuten, dass der Hintergrund seines radikalen Diffusionismus die Überzeugung von der Überlegenheit der arischen Rasse ist. Für Joseph funktioniert deshalb eine Weltgeschichte ohne Diffusionismus nicht, wobei das kulturbringende Element fast zwangsweise aus Europa stammen muss.

Anmerkungen

[1] http://atlantisforschung.de/index.php?title=Frank_Joseph

[2] Cortese 2006, S. 68

Literatur

Cortese, Anthony Joseph Paul: Opposing Hate Speech. Greenwood Publishing Group, 2006, S. 68

Kaplan, Jeffrey: Encyclopedia of White Power: A Sourcebook on the Radical Racist Right. Rowman & Littlefield, 2000, S. 62

Marcovitz, Hal: Extremist Groups. ABDO, 2008, S. 32

Rand, Robert: My Suburban Shtetl: A Novel about Life in a Twentieth-century Jewish-American Village. Syracuse University Press, 2001, S. 149ff. (Kapitel 9 handelt von Frank Collin)

Zahlreiche weitere Literaturangaben finden sich in den amerikanischen Wikipediabeiträgen zu Frank Collin (https://en.wikipedia.org/wiki/Frank_Collin) und zu den rechtlichen Implikationen seines Neo-Nazi-Aufmarsches in Skokie (https://en.wikipedia.org/wiki/National_Socialist_Party_of_America_v._Village_of_Skokie)