Dolmen ist ein keltischer Begriff, der Steintisch bedeutet. Bei den einfachen Ur-Dolmen handelt es sich um Steingräber für eine Person, die aus Träger-, Deck- und Abschlusssteinen bestehen und ursprünglich von einem Erdhügel umgeben waren. Der erweiterte Dolmen verfügt über mehrere Decksteine und oftmals auch einen kurzen Gang. Erreicht der Gang des Dolmens eine gewisse Länge und die Grabkammer eine gewisse Größe, dann spricht man von einem Ganggrab.

Es handelt sich hierbei um die Charakteristischen Monumente der Megalithkulturen. Ihre hauptsächliche Verbreitung haben die Dolmen in ganz Europa sowie in Indien, aber offensichtlich auch in Amerika, wie einige Funde zu beweisen scheinen. [1]

Während man noch bis in das 17. Jahrhundert, vor der systematischen Untersuchung der Dolmen, glaubte, es handle sich bei ihnen um heidnische Opferaltäre. [2] Heute wissen wir hingegen, dass die Dolmen und Ganggräber vornehmlich die Funktion von Grabstätten erfüllten.

In der PaläoSETI werden allerdings auch andere Interpretationen angeführt. Dienten diese Großsteingräber etwa dem Zweck als Schutzbunker? [3] Oder dienten sie unter anderem, wie zum Beispiel Erich von Däniken glaubte [4], in Verbindung mit den Ley-lines als Positionssignale für die Flugruten Außerirdischer? Sind die Blöcke der Megalithen gar zu gewaltig als das sie von Steinzeitmenschen hätten bewegt werden können, so dass sie vermutlich von Außerirdischen errichtet wurden? Der Autor Horst Sy glaubte sogar aus dem astronomisch ausgerichteten Ganggrab Newgrange in Irland Kenntnisse ableiten zu können, die darauf hinweisen, dass dieses Monument ein von den Göttern errichtet Bauwerk wäre. [5]

Zu diesen Thesen bedarf es einer gewissen Aufklärung. Die Dolmen als Schutzbunkeranlagen stellen mit Sicherheit eine unpraktische Lösung, besonders die Ur-Dolmen erweisen sich für einen solchen Zweck als auf Grund der geringen Größe ihrer Grabkammern als denkbar ungeeignet. Außerdem beweisen viele Beispiele für den Schwertransport früher Kulturen, dass es keiner Außerirdischen Helfer für die Errichtung von Großsteinbauten bedarf, die mit Sicherheit auch besseres zu tun hätten, als Findlinge aufeinander zu stapeln (wenngleich einige Fragen der nordeuropäischen Schwertransporte wohl noch nicht vollends gelöst sind. [6]

Und was ist mit der These, die Dolmen wären in ein System von Markierung für die Flugruten Außerirdischer eingeschlossen? Auch hier muss wieder festgestellt werden, dass eine hoch entwickelte außerirdische Zivilisation solch einer Hilfestellung wohl kaum bedürft hätte, sollten ihnen hierfür doch elektronische Möglichkeiten zur Navigation zur Verfügung stehen. Selbst wenn sie durch wie auch immer geartete Gründe vn einer solchen Tchnologie getrennt wären, wäre es wohl unnötig zu solchen Mitteln zu greifen, schließlich verwendeten wir in der Frühphase der Fliegerei auch keine Dolmen oder ähnliche Monumente für solche Zwecke.

All das bedeutet aber nicht, dass längst alle Rätsel um die Großsteingräber der Megalithiker schon gelöst wären. Besonders die zum Teil äußerst beeindruckenden astronomischen Ausrichtungen der Dolmen und Ganggräber wären hier zu erwähnen. Es scheint einiges darauf hinzudeuten, dass einige Großsteingräber eben nicht nur die Funktion als Grabstätten erfüllten, sondern auch astronomischen Beobachtungen dienten. So verfügt zum Beispiel der Denghoog auf Sylt, ein Ganggrab mit einem 6 Meter langen Gang, über eine ähnliche astronomische Ausrichtung wie Newgrange. Jedes Jahr am 21. Dezember zur Wintersonnenwende steht die Sonne direkt über dem Eingang des Denghoogs (Thinghügel). Die Lichtstrahlen treten durch den Gang, treffen in der Kammer auf einen künstlich angeschliffenen „Spiegelstein“, von den Reflektionen aus dann die Grabkammer erhellt wird. [7]

Hier gelte es vielleicht anzusetzen um die wirklichen Rätsel um die Dolmen und Ganggräber zu lösen.

Fußnoten

[1] https://mysteria3000.de/archiv/a/novascotia.htm
[2] Siehe zum Beispiel die Aussagen des Pastors Domeier der im 17. Jahrhundert über zerstörte Opferaltäre im Raum Aukrug in Schleswig-Holstein berichtete, bei denen es sich eindeutig um Dolmen handelte (Teile seines Berichts in: Georg Reimer – Die Geschichte des Aukrugs, Rendsburg 1979 S. 16)
[3] Ulrich Dopatka – Die große Erich von Däniken-Enzyklopädie, Oberhofen am Thunersee 2004 S. 92
[4] Erich von Däniken – Die Steinzeit war ganz anders, München 1991
[5] Horst Sy – Steinzeitgrab oder Götterburg? (in: Sagenhafte Zeiten 6/2002 S. 20-25)
[6] Diese Probleme habe ich bereits näher ausgeführt: André Kramer – Rätselhafte Megalithmonumente in Schleswig-Holstein (in: Sagenhafte Zeiten 2/05 S. 20-23)
[7] Horst-Dieter Landeck – Steine.Gräber.Kultplätze, Heide 2004 S. 21

Literatur

Däniken, Erich von: Die Steinzeit war ganz ander, München 1991

Dopatka, Ulrich: Die große Erich von Däniken Enzyklopädie, Oberhofen am Thunersee

Kehnscherper, Günther: Hünengrab und Bannkreis, Leipzig; Jena; Berlin 1990

Kramer, André: Rätselhafte Megalithmonumente in Schleswig-Holstein (in: Sagenhafte Zeiten 2/05)

Landeck, Horst-Dieter: Steine.Gräber.Kultplätze, Heide 2004

Niel, Fernand: Auf den Spuren der großen Steine, Herrsching 1989

Probst, Ernst: Deutschland in der Steinzeit, München 1991

Reimer, Georg: Die Geschichte des Aukrugs, Rendsburg 1979

Schmidt, Michael: Die alten Steine, Rostock 1998

Sy, Horst: Steinzeitgrab oder Götterburg? (in: Sagenhafte Zeiten 6/2002)

Walkowitz, Jürgen E: Das Megalithsyndrom, Langenweißbach 2003