1898 gruben Ägyptologen in Sakkara ein merkwürdiges Objekt aus. Offensichtlich handelte es sich dabei um ein Vogelobjekt, wie man damals meinte. Erst 1967 [1] wurde jemand stutzig. Prof. Khalil Messiha wurde im Keller des Ägyptischen Museum in Kairo auf das um etwa 200 v. Chr. angefertigte Objekt aufmerksam. Gemeinsam mit seinem Bruder, einem Luftfahrt-Ingenieur, kam Messiha zu dem Schluss, dass diese so genannte „Taube von Sakkara“ eher einem frühen Segelflugzeug als einem Vogel ähneln würde [2].

Zeichnung des vermeintlichen Flugzeugmodells.
Abb. 1: Zeichnung des vermeintlichen Flugzeugmodells. Deutlich ist die Aussparung im Schwanzbereich zu erkennen, an deren Stelle sich ein Heckruder befunden haben könnte.

Auffallend sind die geraden an der Oberseite des Körpers angebrachten Flügel und der aufrecht angebrachte Schwanz. Diese Merkmale erinnern den Betrachter tatsächlich an eine Flugzeugform. Ein weiteres Indiz könnte die These laut Prof. Khalil Messiha unterstützen. Auf der rechten Seite ist im Schwanzbereich deutlich ein Bruch zu erkennen, an dem – wie Messiha vermutete – einstmals ein Hinterruder angebracht gewesen sein könnte. [3]

Durch Peter Belting und Algund Eenboom erfolgte eine maßstabsgetreue Rekonstruktion dieses Modells eines vermeintlichen Segelflugzeuges, von dem angeblich noch etwa 14 ähnliche Funde existieren sollen [4]. Mit einem eingesetzen Motor und dem ergänzten vermuteten Hinterruder starteten die beiden Flugversuche, die ihrer Meinung nach äußerst erfolgreich verliefen und die Flugzeug-These zusätzlich untermauerten. [5]

Angenommen, die „Taube von Sakkara“ hätte tatsächlich dem Zeck des Fliegens gedient, stellt sich die Frage nach dem Nutzen. Gab es eine größere Variante, mit deren Hilfe große Lasten transportiert wurden, wie manch einer glaubt? [6] Der Gedanke mag verlockend erscheinen, weist jedoch ein großes Problem auf. Wie wurde ein solch „großes“ Flugzeug angetrieben? Auch wenn die „Taube von Sakkara“ etwa in der Zeit angefertigt wurde, in der auch Heron von Alexandria wirkte und einige erstaunliche mechanische Konstruktionen herstellte [7], erscheint der Gedanke unwahrscheinlich, dieses Flugzeug könnte mittels eines Motors angetrieben worden sein, und damit stürzt diese These dann vermutlich wieder ab.

Die Taube von Sakkara in der Draufsicht, mit hypothetisch ergänztem Heckruder.
Abb. 2: Die Taube von Sakkara in der Draufsicht, mit hypothetisch ergänztem Heckruder.

War das Flugzeug ein Geschenk Außerirdischer?

Diese These ist nicht hundertprozentig auszuschließen, erscheint aber auch nicht wirklich überzeugend. Es stellt sich zumindest die berechtigte Frage, weshalb hoch entwickelte Außerirdische primitive Segelflugzeuge anfertigen sollten. Vermutlich wäre ein solches Flugzeug auch nicht unbedingt ein passendes Geschenk für die damaligen Menschen gewesen, zumindest hätten die Außerirdischen die Natur des Menschen erkannt haben müssen. Damit hätten sie aber auch erkannt, dass ein solches Flugzeug mit Sicherheit auch für schlechte Zwecke eingesetzt werden hätte können.

Zu erwähnen wäre aber auch noch die Vermutung von Prof. Dr. Messiha selbst. Er stellt nämlich die Frage in den Raum, ob das an der Unterseite des „Flugzeugs“ angebrachte Loch nicht nur zum Befestigen an einem Stab gedacht gewesen sein könnte, sondern auch dazu diente, um es an einem Pfeil zu befestigen, mit deren Hilfe man das Modell in die Lüfte befördern konnte. Ich halte diese Idee durchaus für Vorstellbar. Es könnten auch kleinere Opfergaben an der „Taube von Sakkara“ befestigt worden sein, die auf diese Weise „den Göttern entgegen geschossen“ wurden.

Abbildungen

André Kramer

Anmerkungen

[1] Die Angabe stammt aus: Fiebag, Eenboom, Belting 2004, S. 12. Reinhard Habeck spricht hingegen von dem Jahr 1969 (in: Habeck 2004, S. 226)

[2] Fiebag, Eenboom, Belting 2004, S. 13

[3] Messiha 1985, S. 104-105

[4] Dopatka 2004, S. 135

[5] Fiebag, Eenboom, Belting 2004, S. 21-28

[6] Biedermann 1992, S. 113

[7] Schüring 2004, S. 60-61

Literatur

Biedermann, Prof. Dr. Hans – Rätselhafte Vergangenheit, Augsburg 1992

Dopatka, Ulrich – Die große Erich von Däniken-Enzyklopädie, Oberhofen am Thunersee 2004

Fiebag, Johannes und Peter (Hrsg.): Aus den Tiefen des Alls, Tübingen 1985

Fiebag, Peter/ Eenboom, Algund/ Belting, Peter – Flugzeuge der Pharaonen, Rottenburg 2004

Habeck, Reinhard – Das Unerklärliche, Wien 2004

Schüring, Joachim – Antike Wunder der Mechanik, in: Abenteuer Archäologie 2/2004