Sie gehören heute zu einem festen Bestandteil der prä-astronautischen- und alternativ archäologischen Literatur, die so genannten Steine von Ica.

1974 war es der Franzose Robert Charroux, der das erste Mal auf die „rätselhafte“ Sammlung des Arztes Dr. Javier Cabrera aufmerksam machte. [1]

Der inzwischen verstorbene Cabrera beherbergte in seinem Privatmuseum Tausende von gravierten Steinen, die unglaubliche Szenarien zu zeigen schienen, Dinosaurier und Menschen in scheinbarer Eintracht miteinander, Indios mit Teleskopen und sogar Herzoperationen. Cabrera behauptete, die Steine würden aus unterirdischen Höhlen und Flussbetten stammen, wo sie offensichtlich von den Indios vor sehr langer Zeit versteckt wurden. [2]

Für Charroux war das der Beweis: Hier musste es sich um Relikte einer vorsintflutlichen Kultur handeln, da war er sich sicher, so sicher, dass er in seinem Buch nicht den geringsten Zweifel an der Echtheit der Steine äußerte, und über Cabrera sogar schrieb: „er wird mit Herodot, Plato, Buffon und Boucher de Perthes in eine Reihe gestellt werden, denn er räumt auf mit den falschen Thesen, die bis jetzt über die vorgeschichtlichen Zeiten und die alten Kulturen an den Universitäten gelehrt werden.“ [3]

Erich von Däniken war da schon kritischer. Er besuchte schon früh den Fälscher Basilo Uschuya und sah diesem bei der Herstellung eines der Steingravuren über die Schulter. Die Motive für die Steine kamen laut Uschuya aus Illustrierten. [4]

Solche Fälschungen können Touristen noch Heute in Peru kaufen.

Gefälschter gravierter Stein aus Peru, mit einem Motiv aus Nasca. Sammlung: André Kramer
Abb. 1: Gefälschter gravierter Stein aus Peru, mit einem Motiv aus Nasca. Sammlung: André Kramer

Den letzten Schritt ging aber auch Däniken nicht. Er konnte sich nicht vorstellen, das tatsächlich alle diese Steine gefälscht worden wären.

Sind die Steine also alle gefälscht, oder existieren auch echte, alte Steine?

Däniken führte als Beweis dafür, dass es auch alte Steine gibt, eine Oxidationsschicht an, die auf einigen der Gravurrillen zu sehen seien, während eine solche bei frisch hergestellten Gravuren nicht zu sehen ist. [5]

Unter Berufung auf Cabrera behauptete Bernard Roidinger, einige der Steine wären auch in präinkanischen Gräbern von Archäologen gefunden worden, weiter schrieb er, würden die Steine aus „stark verkohltem Andesit bestehen, einem Vulkangestein.“ [6]

Hierzu erklärte der Geologe Dr. Heinz Kruparz aber, dass diese Aussage geologischer Unsinn sei, da so etwas wie“verkohltes Vulkangestein“ überhaupt nicht existieren würde. [7]

In den 90ern wurde auch eine zweite Sammlung Cabreras bekannt, die aus Tonfiguren bestand, die vorwiegend ähnliche Motive wie die Steine zeigten. Beschrieben wird diese Sammlung dann in etwa zur selben Zeit auch von verschiedenen Autoren. [8]

Und was ist jetzt von diesen Steinen tatsächlich zu halten?

Es lässt sich schlussendlich nicht ausschließen, dass sich unter den Sammlungen auch tatsächlich alte Objekte befinden, aber die unkonventionellen Darstellungen, zum Beispiel von Dinosauriern disqualifizieren sich quasi schon selbst. Bis in die späten 80er nahm man gemeinhin noch an, Dinosaurier wären Schwanzschleifer gewesen, während die neueren Erkenntnisse zeigen, dass sie ihre Schwänze steif in der Luft balancierten.

Abb. 2/3: Alte T-Rex Rekonstruktion in "Känguruhaltung" und neue Rekonstruktion mit steifem Schwanz im Dinoaurierpark Münchehagen.
Abb. 2/3: Alte T-Rex Rekonstruktion in „Känguruhaltung“ und neue Rekonstruktion mit steifem Schwanz im Dinoaurierpark Münchehagen.

Die angeblichen Dinosauriergravuren auf den Steinen von Ica zeigen aber noch die Schwanz schleifenden Dinosaurier, wie es zu der Zeit, als die Steine bekannt wurden auch noch allgemein angenommen wurde.

In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass gerade Dr. Hans-Joachim Zillmer die Steine als Beweise für ein Zusammenleben von Mensch und Dinosaurier ansieht, [9] obwohl er doch selber in einem seiner weiteren Bücher explizit darauf hinweist, dass die Dinosaurier eben keine Schwanzschleifer waren.

Die Sammlung des Dr. Cabrera ist letztendlich ein weiteres Beispiel für in fantastische Indizien, die sich bei näherer Betrachtung aber als äußerst fragwürdig erweisen und für jedwede Beweisführung nichts mehr taugen.

Abbildungen

André Kramer

Anmerkungen

[1] Charroux 1978

[2] Däniken 1999, S. 80 f.

[3] Charroux 1878, S. 20

[4] Däniken 1977, S. 415

[5] Däniken 1977, S. 418

[6] Roidinger 1995, S. 67 in: Magazin 2000 Nr. 105

[7] Kruparz, 1995, S. 7 in: Magazin 2000 Nr. 107

[8] Etwa Däniken 1999 und Langbein 1998

[9] Zillmer, 2001, S. 249-251

Literatur

Charroux, Robert (1978): Das Rätsel der Anden. Düsseldorf und Wien

Däniken, Erich von (1997): Beweise. Lokaltermin in fünf Kontinente. Düsseldorf und Wien

Däniken, Erich von (1999): Zeichen für die Ewigkeit. Die Botschaft von Nasca. München

Krupatz, Dr. Heinz (1995): Leserbrief, in: ‚Magazin2000‘, Nr. 107 6/1995

Langbein, Walter-Jörg (1998): Bevor die Sintflut kam. Von Götterbergen und Geisterstädten, von Zyklopenmauern, Monstern und Sauriern. München

Roidinger, Bernard (1995): Der archäologische Beweis: Mensch und Dinosaurier lebten zusammen!, in: ‚Magazin2000‘, Nr. 105 4/1995

Zillmer, Hans-Joachim (1998): Darwins Irrtum. Vorsintflutliche Funde beweisen: Dinosaurier und Menschen lebten gemeinsam. München

Zillmer, Hans-Joachim (2002): Dinosaurier-Handbuch. Fakten, Funde, Kontroversen. München