Unter den vielen wertvollen Goldschätzen die uns von den alten südamerikanischen Kulturen erhalten blieben und nicht von den spanischen Eroberern eingeschmolzen wurden, werden vor allem einige wenige kleine Schmuckstücke im Tolima- und Quimbaya Stil von den Vertretern der PaläoSETI diskutiert, die in kolumbianischen Schachtgräber gefunden wurden und auf die Zeit um 100-1000 n. Chr. datieren. [1]

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Abb 1.: Goldflieger aus dem Völkerkundemuseum Berlin.

Diese Schmuckstücke weisen recht merkwürdig anmutende Formen auf und erinnern auf dem ersten Blick sofort an moderne Flugzeugkonstruktionen. Deltaförmige Flügel und senkrechte Heckflossen lassen im Grunde nicht auf natürliche Formen schließen und vermitteln den Eindruck künstlicher Konstruktionen. Die Wissenschaftler sehen das natürlich ein wenig anders, und so heißt es als Bildunterschrift zu einem diese merkwürdigen Objekte, das im Bremer Überseemuseum ausgestellt ist, lediglich:

„Anhänger aus Gold, geflügeltes Krokodil“ [2]

Auch in einer Sonderausstellung des Kestner-Museums in Hannover 1979 gab es einige Exemplare dieser merkwürdigen Schmuckstücke zu sehen. Im Begleitband zur Ausstellung heißt es über diese Objekte ganz ähnlich:

„Serie von sechs Anhängern in Fischform“ [3]

Eine Erklärung, bei der man das Gefühl hat, man hätte es sich hier ein wenig leicht gemacht. Aber auch andere Wissenschaftler ordnen diese Objekte als „Tiersymbole“ ein [4]. Es ließe sich mit Sicherheit auch darüber spekulieren, es wären in Wirklichkeit tatsächlich exotische (fliegende) Fische dargestellt worden, doch eine tatsächliche goldene Fischdarstellung dieser Zeit [5] weist so gut wie gar keine Ähnlichkeit mit den Objekten auf, die in PaläoSETI-Kreisen als „Goldflieger“ bezeichnet werden.

Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich allerdings zwischen Goldfliegern und zum Beispiel dem bis zu 2,50 langen und im Atlantik und Mittelmeer verbreiteten Meerengel erkennen, doch auch hier existieren einige anatomische Unterschiede.

Der Meerengel.
Abb 2.: Der Meerengel.
 Goldflieger zum Vergleich.
Abb 3.: Goldflieger zum Vergleich.

Als erster war es wohl der amerikanische Biologe Dr. Ivan T. Sanderson, dem die Ähnlichkeit zwischen Flugzeugen und den Goldfliegern auffiel und der sich die Frage stellte, ob hinter dieser verblüffenden Ähnlichkeit wohl mehr als nur ein bloßer Zufall stecken würde [6].

Einige Vertreter der PaläoSETI, vor allem die beiden Autoren Peter Belting und Algund Eenboom hatten sich nun zum Ziel gesetzt, zu beweisen, dass es sich bei den Goldfliegern in der Tat um kleine Flugzeugmodelle handelt. Sie fertigten maßstabsgetreue Modelle dieser Schmuckstücke an und [7] bauten einen Motor ein und starteten erfolgreiche Flugversuche [8]. Offensichtlich scheinen diese Goldflieger tatsächlich über für das Fliegen sehr geeignete aerodynamische Eigenschaften aufzuweisen. Dies wurde auch von mehreren technischen Wissenschaftlern aus New York [9] bestätigt.

Doch ist dieser Führspruch durch einige Wissenschaftler ein zweischneidiges Schwert. Einerseits scheinen diese Expertenmeinungen die PS-These über die Goldflieger zu untermauern, andererseits stammen diese Urteile nur von Wissenschaftlern technischer Gebiete. Sie können nur aus ihrem beruflichen Umfeld urteilen, andererseits fehlt ihnen das nötige Wissen um die nötigen kulturellen Zusammenhänge, für ein umfassendes Urteil. Hier müssten gemeinsame Arbeiten zwischen Ingenieuren und Geschichtswissenschaftlern versuchen, weitere Erkenntnisse zu gewinnen, doch scheint eine solche mögliche Zusammenarbeit momentan noch in weiter Ferne zu liegen.

Kritikern die behaupten, Eenboom und Belting hätten ihre Modelle ein wenig abgeändert um sie flugtauglicher zu machen, konkret geht es dabei um Aussparungen an den Flügeln eines der Schmuckstücke, die an den Modellen weggelassen wurden [10] entgegneten die beiden Forscher, dass diese spiralförmige Aussparung nur auf den Repliken vorkommt, das Original-Objekt diese „Zierde“ nicht aufweisen würde [11].

Die These der PaläoSETI ist die, bei den Goldfliegern handelt es sich um Modelle tatsächlicher Flugzeuge, mit denen Außerirdische Besucher auf der Erde durch die Lüfte flogen. Die Beobachter auf der Erde verstanden das ganze Schauspiel nicht und hielten die Flugzeuge bzw. deren Insassen für ihre Götter, ein typischer Cargo-Kult entwickelte sich also, so die Vertreter der PaläoSeti [12].

Soviel Mühe auch mit den Modellen aufgewendet wurde, sosehr die Cargo-Kult-These auch passen zu scheint, ein tatsächlicher Beweis für die These, bei diesen Goldobjekten würde es sich um die Nachbildungen tatsächlicher Flugzeuge vor Jahrhunderten handeln steht bislang noch aus. Doch als ein ordentliches Indiz können die „Goldflieger“ zum gegenwärtigen Zeitpunkt durchaus gewertet werden.

Anmerkungen

[1] König 1996, S. 97

[2] König 1996, S. 97

[3] Bray 1979, S. 207

[4] Biedermann 1992, S. 113-114

[5] Ausgestellt im Berliner Völkerkundemuseum in der Goldkammer.

[6] Fiebag, Eenboom, Belting 2004, S. 116

[7] Von denen eines heute als Emblem der A.A.S. (Forschungsgesellschaft für Archäologie. Astronautik und SETI, ehemals Ancient Astronaut Society) verwendet wird.

[8] Eenboom 1998, S. 7-14

[9] Fiebag 1985, S. 106

[10] Schirawski 2003, S. 29-30

[11] Fiebag, Eenboom, Belting 2004, S. 185

[12] Dazu unter anderem bei: Roth 2002, S. 40-41

Literatur

Biedermann, Dr. Hans: Rätselhafte Vergangenheit. Geheimnisvolle Spuren aus früherer Zeit, Augsburg 1992

Bray, Dr. Warwick: Eldorado – Der Traum vom Gold, Hannover 1979

Eenboom, Algund: Über den Gipfeln der Anden (in: Sagenhafte Zeiten 1/98)

Fiebag, Peter, Algund Eenboom und Peter Belting: Flugzeuge der Pharaonen, Rottenburg 2004

Fiebag, Johannes und Peter (Hrsg.): Aus den Tiefen des Alls, Tübingen 1985

König, Viola (Hrsg.): Menschen, Meere, Kontinente-die Erde in 80 Minuten, München, Berlin 1996

Roth, Roland: Hightech aus der Vorzeit-Das Gold der Inka und die Vielzahl der Goldflugzeuge (in: Wissenschaft ohne Grenzen 1/02)

Schirawski, Nicolai: 7 Dinge die es nicht geben dürfte. Oder? (in: P.M. 7/03)