Seit Jahren geistert eine Geschichte durch die grenzwissenschaftliche Literatur, die als die Chronik von Akakor bekannt geworden ist. Hierbei soll es sich um eine geheimnisvolle Stadt in den tiefen des brasilianischen Regenwaldes handeln, die von dem Volk der Ugha Mogulala bewohnt sein soll.

Die Geschichte begann damit, dass sich der angebliche weiße Häuptling der Ugha Mogulala Tatunca Nara 1972 an den Auslandskorrespondenten der ARD, Karl Brugger wandte, indem Bestreben, sein Volk vor dem drohenden Untergang durch die immer weiter vorrückende Zivilisation zu retten [1] .

Tatunca Nara erzählte Brugger auch die gesamte Chronik seines Volkes, die vor über 13000 Jahren v. Chr. begann, als die Götter aus dem Himmel stiegen und den Ugha Mogulala als Lehrmeister dienten [2]. Während des zweiten Weltkrieges soll das NS-Regime sogar 2000 Soldaten zur Unterstützung Akakors ausgesandt haben, deren Nachfahren, zu denen sich auch Tatunca Nara zählte, noch heute in Akakor leben sollen [3]. Brugger nahm die Gespräche mit dem rätselhaften Häuptling mit dem Tonbandgerät auf und veröffentliche die Geschichte in einem Buch.

Das 1976 erstmal erschienene Buch ‚Die Chronik von Akakor‘ schlug hohe Wellen und auch Erich von Däniken (der sich heute von der Geschichte distanziert) war restlos begeistert, vermutete der doch, in Akakor könne er den Beweis für seine Thesen finden [4].

1985 wurde Karl Brugger dann erschossen, was natürlich allerdings Verschwörungstheorien Nahrung bot und noch heute zur Promotion des wieder aufgelegten Buches von Brugger verwendet wird. Auch rechtsgesinnte Autoren verwenden die Geschichte bis heute und behaupten, in Akakor wären nicht nur die deutschen Soldaten aufgetaucht, sondern hätten auch reichsdeutsche Flugscheiben dabei gehabt, die noch heute im brasilianischen Regenwald gelagert werden sollen [5].

In Wirklichkeit gab es allerdings niemals ein Akakor und der angebliche Häuptling Tatunca Nara entpuppte sich als ein Betrüger [6]. In Wirklichkeit heißt der „weiße Häuptling“ Günther Hauck und ist ein deutscher Staatsbürger, der 1968 nach Südamerika auswanderte.

Wie es scheint, so die Spekulationen, war es sogar Hauck selbst, der für den Tod von Karl Brugger verantwortlich gewesen ist. Nicht nur das, auch das Verschwinden des AAS-Mitglieds Christine Heuser, des Schweizers Herbert Wanners und des Amerikaners John Reed scheinen auf Haucks Kappe zu gehen. Alle drei reisten zu „Tatunca Nara“ um mit ihm zu Akakor zu gelangen [7]. Offenbar ein fataler Entschluss.

Trotz allem taucht die Geschichte von Akakor aber noch heute in der grenzwissenschaftlichen Literatur auf und wird dem Leser als echtes Rätsel präsentiert [8].

In Wirklichkeit handelt es sich bei der Chronik von Akakor allerdings um einen ausgemachten Schwindel, allenfalls aber um eine tragische Kriminalgeschichte, und die ist auch das einzig Rätselhafte an der ganzen Geschichte um Tatunca Nara und das Volk der Ugha Mogulala.

„Die gesamte Brisanz dieser Chronik wird nicht zuletzt durch die Tatsache dokumentiert, dass Karl Brugger bei seinen weiteren Recherchen in Brasilien auf offener Straße von unbekannten erschossen wurde.“

Ebenfalls in der Werbung des Kopp-Verlages zu dem Buch von Karl-Heinz Zunnek – ‚Die totale Manipulation. Ufos sind irdische Geheimwaffen‘ heißt es zum Beispiel:

„Gelang es Deutschen bei Kriegsende tatsächlich, sich mittels vorhandener moderner Flugscheiben- und U-Boot-Technologie in andere Teile der Welt abzusetzen? Und weshalb musste der sich auf den Spuren der Akakor-Legende befindliche ARD-Korrespondent Karl Brugger wirklich sterben?“

Dasselbe (in Akakor gebe es Reichsdeutsche Flugscheiben) behauptete auch der inzwischen verstorbene „Rechte“ Wilhelm Landig in einem Interview, welches auf einer Videokassette zu sehen ist, die ebenfalls ein Interview mit dem einschlägig bekannten „Rechten“ Autor Jan Udo Holey alias Jan van Helsing enthält (Titel der Kassette „Geheimgesellschaften – Verschwörungstheorien heute und im dritten Reich“). Trauriger Weise erfreut sich solch ein hanebüchener Unsinn heutzutage größter Beliebtheit, was die Verkaufszahlen der Bücher dieser Autoren belegen.

Anmerkungen

[1] Karl Brugger: Die Chronik von Akakor, Rottenburg 2002 S. 11-12

[2] Karl Brugger: Die Chronik von Akakor, Rottenburg 2002 S. 30-31

[3] Karl Brugger: Die Chronik von Akakor, Rottenburg 2002 S. 182-185

[4] Erich von Däniken: Beweise, Düsseldorf 1977 S. 170 – 177

[5] So wirbt der Kopp-Verlag in seinen Prospekten für das Buch unter anderem mit folgendem Text:

[6] Ulrich Dopatka: Die große Erich von Däniken Enzyklopädie, Oberhofen am Thunersee 2004 S. 19-20. Ulrich Dopatka merkt hierzu an: „Der Häuptling entpuppte sich später als deutschstämmiger brasilianischer Einwanderer und Betrüger.“ (S.19)

[7] Wolfgang Siebenhaar: „Die Tatunca-Nara-Story“ (in Sagenhafte Zeiten 1/2001) S. 20-21, außerdem zum Thema auf https://mysteria3000.de/magazin/die-tatunca-nara-story/

[8] Klaus Schmedemann: „Die Ugha Mogulala. Das auserwählte Volk des Regenwaldes“ (in Magazin 2000Plus Alte Kulturen Spezial Ausg. 181, 2003) S. 469