Nahe der Libanesischen Kleinstadt Baalbek (in der Antike Heliopolis genannt) befindet sich ein beeindruckendes Monument römischer Bautechnik, ein Tempelkomplex mit dem berühmten Jupitertempel.



Der Baubeginn der Anlage lag um das Jahr 14 n. Chr. unter Kaiser Augustus und wurde durch Kaiser Konstantin, der den Bau heidnischer Tempel verbot zwischen 306 und 337 n. Chr. eingestellt. [1]

Die gewaltige Bauleistung aus überdimensionalen Steinblöcken und Säulen gab in der Paläo-Seti immer wieder Anlass zu Spekulationen, hier könnten sich Spuren außerirdischer Technologieanwendung finden lassen. Von besonderem Interesse hierbei ist vor allem die so genannte „Terrasse von Baalbek“, auf der der Jupitertempel steht, sowie einen gewaltigen Steinblock im südlichen Steinbruch der Stadt.

Bezug nehmend auf den russischen Forscher Modest Agrest schrieb Erich von Däniken schon in seinem Erstlingswerk ‚Erinnerungen an die Zukunft‘:

„Nördlich von Damaskus liegt die Terrasse von Baalbek: eine Plattform, die aus Steinblöcken gebaut ist, von denen einige über 20 Meter Seitenlänge haben und fast 2000 Tonnen wiegen. (…) Der russische Professor Agrest allerdings hält es für möglich, daß es sich bei den Resten der Terrasse um Überbleibsel einer riesigen Landefläche handeln kann.“ [2]

Zecharia Sitchin griff diese These ebenfalls auf und berichtet uns etwas von vermuteten Gewölben unter der Terrasse und dass es diesen „Unterbau“ schon vor den Griechen und Römern in Baalbek gegeben habe. [3] Zu dem Trilithon, drei gewaltige Steine, die einen Teil des Podiums ausmachen und von denen Däniken vermutlich im obigen Zitat spricht, nennt Sitchin hingegen andere Maße und Gewichte, Sitchin spricht hier von 20 Metern Länge, 4 Metern Höhe und drei Metern Dicke. Als Gewicht gibt er über 1000 Tonnen an. [4]

Auch der gewaltige Steinblock im südlichen Steinbruch kommt bei Sitchin zur Sprache. Er suggeriert dem Leser:

„Halb vergraben im Boden liegt hier ein kolossaler Granitblock, der von einem unbekannten Steinmetz aufgegeben wurde. Allem Anschein nach wurde er fertig gemeißelt.“ [5]

Haben wir es bei dieser gewaltigen Anlage also in Wirklichkeit mit einer Landeplattform für außerirdische Luftfahrzeuge zu tun, die später von den Römern zur Errichtung ihrer Tempel zweckentfremdet wurde?

Schon Mitte der 90er veröffentlichte der Autor Jörg Dendl in der ‚Ancient Skies‘ (Heute ‚Sagenhafte Zeiten‘, dass Fachmagazin der AAS) einen Beitrag zum Thema, in dem er den in der Paläo-Seti aufgekommene Aussagen einmal nachgegangen ist, nachdem 2 Ausgaben zuvor ein weiterer Artikel zum Thema in der Zeitschrift erschien. Das Forscherpaar Horst und Anke Dunkel berichten dort von ihrer Reise nach Baalbek und spekulieren, die Anfänge des Tempels würden in eine geschichtlich nicht mehr greifbare Zeit zurück reichen. [6]

Dendl wiederum stellt fest, dass Agrest der erste war, der Baalbek 1962 in die grenzwissenschaftliche Literatur einführte, seine Angaben allerdings aus Literatur hatte, die noch aus der Zeit vor den ersten, durch Kaiser Wilhelm II. initiierten Grabungen von 1898 bis 1904 stammen. Zu Recht wirft Dendl der Paläo-Seti also vor, hier ohne weitere Überprüfung, von einem Autor abgeschrieben zu haben, dessen Daten schon zu seiner Zeit völlig veraltet waren. [7]

Aus den Grabungsberichten eruiert Dendl dann, dass die angeblich so beeindruckende Plattform, hinter welcher sich evtl. eine Landeplattform verbergen soll, bei weitem nicht so spektakulär ist:

„Das eigentliche Fundament des Tempels besteht aus einem komplizierten System von Mauern, die teilweise bis auf den gewachsenen Felsen hinabreichen. Der Felsen selbst bildet unter dem Tempel eine Erhebung, so dass die Architekten gezwungen waren, durch die Fundamentbauten eine ebene Fläche zu errichten. Die ausgegrabenen Fundamentmauern bestehen aus recht roh behauenen Steinen, die keinesfalls besonders groß sind. Zwischen diesen Mauern fanden sich Verfüllungen mit Bauschutt, Steinen, Kohleresten und Brandschutt. Damit ist als erstes festzustellen, dass die Fundamente des Jupitertempels von Baalbek nichts aus einer aus Riesensteinen gebildeten ‚Plattform‘ bestehen.“ [8]

Ergänzend zu Dendls Ausführungen muss an dieser Stelle wohl auch erwähnt werden, dass sämtliche Spekulationen über eine möglicherweise ungemein hohes Alter der Fundamentstruktur ebenfalls nichtig sind, denn bei Grabungen in den 60er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, entdeckte man Siedlungsreste unter dem Fundament, die durch intakte Gräber auf 1950 bis 1600 v. Chr. datiert werden konnten. [9] Dementsprechend kann die „Terrasse“ auch nicht älter sein, als die Siedlung darunter.

Doch auch zu dem Steinblock im südlichen Steinbruch gibt es etwas zu sagen. Sitchins Aussage, dieser wäre scheinbar fertig gestellt, suggeriert hier auch einen Transport. Diese Aussage, ebenso wie die angeblich vermuteten Katakomben unter dem Podest (in Wirklichkeit ja nur mit Bauschutt gefüllte Nischen) von Seiten Sitchins muten wie eine bewusste Falschaussage an, denn er selbst beruft sich bei seinen Aussagen auf die Grabungsberichte und führt diese auch in seinem Literaturverzeichnis auf. [10]

Tatsächlich steht aber in dem Grabungsbericht etwas völlig anderes, nämlich, dass der Steinblock eben noch nicht vollständig vom Fels gelöst wäre:

„Er übertrifft in seinen Maßen die drei schon freigelegten Steine der Schaftschicht des Tempelpodiums (Das Trilithon, Anmerkung des Verfassers) noch etwas: Die Länge beträgt 21,72m, die südliche Stirnfläche 4,25 x 4,35m, die nördliche, wo er noch nicht vom Fels gelöst ist, 5,35 x 5,35m…“ [11]

Obgleich also nichts mehr übrig bleibt, dass etwas für eine prä-astronautische Deutung taugen würde, und Jörg Dendl viele der angeblichen Indizien schon Mitte der 90er aufklärte, hält sich Baalbek nach wie vor als angebliches Rätsel und mögliche Raumschifflandebahn in der grenzwissenschaftlichen Literatur, etwa bei Reinhard Habeck, der sich explizit auf Literatur aus dem 19. Jahrhundert bezieht. [12] Auf die Idee, einmal die neueren Untersuchungen herbei zu ziehen, ist auch er scheinbar nicht gekommen.

Interessant ist, dass sich die Gewichtsangaben zum Thriliton in der „fantastischen“ Literatur ständig unterscheiden. Bei Däniken und Habeck ist hier von bis zu 2.000 Tonnen die Rede, bei Sitchin und Familie Dunkel von 1.000 Tonnen. In Wahrheit haben die drei Verbauten Steine ein Gewicht von etwa 800 Tonnen. [13] Der unfertige Block im südlichen Steinbruch kommt auf ein Gewicht von 1.211 Tonnen, wurde allerdings auch nie bewegt. [14]


Anmerkungen

[1] Vgl. O.A. 1999, S. 292
[2] Däniken 1968, S. 115
[3] Vgl. Sitchin 2003, S. 196 f.
[4] Vgl. a.a.O. S. 198
[5] e.b.d.
[6] Vgl. Dune. 1996, S. 10
[7] Vgl. Dendl 1996, S. 14 f.
[8] a.a.O. S. 15
[9] Vgl. Ess; Weber 1999, S. 35 f.
[10] Vgl. Sitchin 1993, S. 196 ff.
[11] Schulz; Winnefeld 1921, S. 35 f.
[12] Vgl. Habeck 2004, S. 290
[13] Vgl. Ess; Weber 1999, S. 59
[14] Vgl. Schulz; Winnefeld 1921, S. 36



Literatur

Däniken, Erich von (1968): Erinnerungen an die Zukunft. Ungelöste Rätsel der Vergangenheit. 3. Auflage. Düsseldorf und Wien: Econ-Verlag

Dendl, Jörg (1996): „Die ‚Terrasse‘ von Baalbek und ihre Geheimnisse: eine realistische Abschätzung.“, in: Ancient Skies 4/1996. 20. Jahrgang

Dunkel, Horst und Anke (1996): „Die Tempel von Baalbek ‚Wohnsitz der Götter‘.“, in: Ancient Skies 2/1996. 20. Jahrgang

Ess, Margarete van/ Weber, Thomas – Hrsg. (1999): Baalbek. Im Bann römischer Monumentalarchitektur. Mainz am Rhein: Verlag Philipp von Zabern

Habeck, Reinhard (2004): Das Unerklärliche. Mysterien, Mythen, Menschheitsrätsel. Aktualisierte Ausgabe. Wien: Tosa Verlag

Schulz, Bruno / Winnefeld, Hermann (1921): Baalbek. Ergebnisse der Ausgrabungen und Untersuchungen in den Jahren 1898 bis 1905. Erster Band. Berlin und Leipzig: Vereinigung wissenschaftlicher Verleger Walter de Gruyter & Co

Sitchin, Zecharia (2003): Stufen zum Kosmos. Götter, Mythen, Kulturen, Pyramiden – die Suche nach der Unsterblichkeit. Rottenburg: Jochen Kopp Verlag

O.A. (1999): Schätze der Welt. Erbe der Menschheit. Die Denkmäler der Unesco-Liste des Welterbes. München und Gütersloh: Chronik Verlag