Zu den bekanntesten „Sieht-aus-wie“ Indizien der PaläoSeti gehören vermutlich die „rätselhaften“ Hieroglyphen aus dem Sethos-Tempel von Abydos, die erstmals während einer AAS-Studienreise im Mai 1990 in das Blickfeld der Prä-Astronautik fielen.



[1] Die Hieroglyphen befinden sich in der Eingangshalle des Tempels und sollen nach Meinung einiger PaläoSeti-Forscher moderne Geräte und Fahrzeuge zeigen.

Die technisch anmutenden Hieroglyphen im Eingangsbereich des Abydos-Tempels.
Abb. 1: Die technisch anmutenden Hieroglyphen im Eingangsbereich des Abydos-Tempels.

Die Thesen bezüglich der Hieroglyphen reichen in der grenzwissenschaftlichen Literatur hier von Hinweisen auf Außerirdische [2] bis hin zu der Vermutung, die Tatsache, dass die „technischen Objekte“ sehr irdisch wirken würden, könnte auf Zeitreisende aus der Zukunft schließen lassen. [3]

Blick auf den Sethos-Tempel von Abydos.
Abb. 2: Blick auf den Sethos-Tempel von Abydos.

Der Tempel von Abydos liegt in einem großen Feld von Tempeln, Gräbern und Scheingräbern nahe Theben (Heute Luxor). Sethos I., der Vater Ramses des II. war es auch, der den Tempel mit den vermeintlich geheimnisvollen Hieroglyphen zu errichten begann, und dessen berühmter Sohn ihn dann vollendete. [4] Hier findet sich auch das berühmte Scheingrab für den Kopf des Osiris, das Osireion. Dem Mythos nach wurde Osiris von seinem Bruder Setz zerstückelt. [5] Auch das Osireion muss zwischenzeitlich für Spekulationen der PaläoSeti herhalten, so stellt Erdogan Ericivan die Vermutung in den Raum, das Osoreion wäre viel Älter als angenommen, womöglich sogar das älteste Bauwerk Ägyptens. [6]

Das Osireion, Scheingrab für Osiris.
Abb. 3: Das Osireion, Scheingrab für Osiris.

Dies ist natürlich unhaltbar, schon allein aufgrund der Tatsache, dass Osiris erst in der 5. Dynastie in Abydos zu Bedeutung kam, als er dort mit dem Lokalgott Chontamenti identifiziert wurde. [7] Ein Scheingrab für den Kopf des Osiris kann vorher also gar nicht in Abydos errichtet worden sein.

Auch die tatsächliche Erklärung für das moderne Aussehen der Hieroglyphen ist wesentlich weniger „fantastisch“. Wer sich den vermeintlichen Panzer einmal genauer ansieht, wird feststellen, dass er eine Menge Ähnlichkeit mit einer Hand hat (mehr noch als mit einem Panzer), und genau das soll die Hieroglyphe auch sein. Durch wiederholte Überschreibungen durch das Anbringen neuer Stuckschichten, die später aber wieder abfielen, ist hier rein zufällig lediglich der Eindruck entstanden (zumindest mit ein wenig Fantasie), hier technische Geräte und Fahrzeuge vor sich zu haben. Der Autor Michael Haase hat die Zusammensetzung der überlagernden Hieroglyphen minutiös dargestellt. [8] Für Mysteria3000 wurde diese Thematik bereits einmal in aller Ausführlichkeit durch Alexander Nertz und Markus Pezold zusammengefasst. [9]

Die Handdarstellung aus dem ägyptischen Alphabet als Grundlage für den 'Panzer'.
Abb. 4: Die Handdarstellung aus dem ägyptischen Alphabet als Grundlage für den ‚Panzer‘.

Oben sehen wir das ägyptische 'r', dargestellt als Mund, der Grundkörper des 'U-Bootes' und darunter den Unterarm ('c'), der das obere Stück des 'U-Boots' bildet.
Abb. 5: Oben sehen wir das ägyptische ‚r‘, dargestellt als Mund, der Grundkörper des ‚U-Bootes‘ und darunter den Unterarm (‚c‘), der das obere Stück des ‚U-Boots‘ bildet.

Wer mit offenen Augen durch den Sethos-Tempel wandeln, wird an verschieden Stellen auch schnell die Hieroglyphen entdecken, aus denen sich die technisch anmutenden Darstellungen zusammensetzen.

Trotz dieser einfachen und überzeugenden Erklärungen, ist das alles trotzdem zuviel „Zufall“. [10] Und somit wird dann wohl auch der Mythos von den „rätselhaften“ Hieroglyphen von Abydos in der grenzwissenschaftlichen Literatur vorerst weiterleben.


Abbildungen

André Kramer



Anmerkungen

[1] vgl. Sachmann und Müller 1992, S. 121

[2] vgl. a.a.O. S. 117 ff.

[3] vgl. Rétyi 2000 S. 51

[4] vgl. Posener (O.J.), S. 240 f.

[5] vgl. a.a,O. S. 189 ff.

[6]vgl. Ercivan 2003 , S. 108 f.

[7] vgl. Posener (O.J), S. 9

[8] vgl. Haase 1996, S. 25 ff. u. Haase 2006, S. 18 ff.

[9] vgl. Pezold/Sperveslage, 2004

[10] vgl. Habeck 2004, S. 251



Literatur

Ercivan, Erdogan: Verbotene Ägyptologie. Rottenburg 2003

Haase, Michael: „Die Götterfahrzeuge von Abydos. Die Darstellung zweier Königstitulauren im Sethos I.-Tempel von Abydos“, in: G.R.A.L. Sonderband 10 Raum-Zeit-Kulturen. Eine Beitragssammlung aus den G.R.A.L.-Jahrgängen 1992 und 1993)

Haase, Michael: „The Representation of two Royal Names in the Sethos Temple at Abydos“, in: Legendary Times Vol. 7, No. 4, 2005 & Vol. 8 Vo1., 2006)

Habeck, Reinhard – Das Unerklärliche, Wien 2004

Pezold, Markus und Alexander Nertz (2004): „Abydos: Fahrzeuge der Götter. Diskussionen um zwei ägyptische Königstitulaturen“, in: Mysteria3000 – 4/2003. Im Internet: https://mysteria3000.de/magazin/abydos-fahrzeuge-der-gotter/

Posener, Georges (Hrsg.) Lexikon der Ägyptischen Kultur. Wiesbaden (O.J.)

Rétyi, Andreas von (2000): Die Stargate-Verschwörung, Rottenburg

Sachmann, Hans-Werner / Müller, Reinhold (1992): „Kuriose „Hieroglyphen“ im Sethos-Tempel von Abydos“, in: Erich von Däniken (Hrsg.): Neue kosmische Spuren, München 1992.