2012 ist ein Datum, das aus der grenzwissenschaftlichen Welt nicht mehr wegzudenken und durch Film und Romanveröffentlichungen inzwischen auch Bestandteil der Popkultur geworden ist. René Mendler hat die neueste Veröffentlichung von Lars Fischinger zum Thema gelesen, indem mit dem 2012-Wahn aufgeräumt werden soll.

Ehrlicherweise möchte ich zuerst darauf hinweisen, dass mir Lars Fischinger dieses Buch geschenkt hat. Mit dieser Rezension möchte ich mich dafür bedanken. Auf den Inhalt der Rezension hat das jedoch keine großartigen Auswirkungen, weil das Buch im Großen und Ganzen keinen großen Anlass zu negativer Kritik gibt.

Wenden wir uns dem Buch selbst zu.

Dazu werde ich die Kapitelüberschriften anbringen und kurz auf den Inhalt eingehen.

Teil I – Die Maya, Gottkönige im Dschungel, der Kalender der May und 2012

Im ersten Kapitel behandelt der Autor die Geschichte der Maya und die Entwicklung ihrer Kultur. Dies macht er erfreulicherweise recht detailliert, so dass der Leser erst einmal einen Grundüberblick über die historischen Fakten bekommt. Auch den Maya-Kalender und seine Funktion beschreibt er sehr anschaulich und ausführlich. Im gesamten Verlauf des Buches weist der Autor immer wieder darauf hin, dass in den Maya-Codices keinerlei Zukunftsprophezeiungen gegeben werden und versucht dem Leser klarzumachen, dass sämtliche Verbindungen zwischen Weltuntergang 2012 und Maya-Kalender reine Fiktion einer sich verselbständigten Internet- und Esoterik-Kultur sind. Mit diesen Grundinformationen ausgerüstet führt der Autor nun den Leser in die große Welt der 2012-Thematik ein.

Teil II – Der 2012-Boom und der Weltuntergang

Teil III – Die größten Irrlehren zu 2012

In diesem Kapiteln wird die historische Entwicklung aufgearbeitet, die letztendlich im 2012-Hype gipfelte. Dazu wird der Leser mit einer Fülle von Informationen aus dem Buch- und Internet-Sektor bombardiert. Der Leser erfährt z.B. etwas über den Unsinn eines vermeintlichen Synchronisationsstrahls oder die Gefahr von Polsprüngen und Gammastrahlen-Ausbrüchen. So wird man kritisch von Nostradamus, über eine Fülle von Medienberichten, bis hin zu einschlägigen Esoterik-/Sekten-Ansichten geführt.

Durch die Vielzahl an Informationen, die zudem nach meinem persönlichen Empfinden, ziemlich bunt durchmischt sind, kommt der Leser allerdings gar nicht so zum reflektieren der aufgenommenen Informationen. Man hat den Eindruck eines schnell geschnittenen Films, mit rasch wechselnden Szenen.

Erfreulicherweise hat der Autor sich jedoch nicht nur im Internet und in der Literatur belesen, sondern auch aktiv Kontakt zu Leuten gesucht, die sich bereits intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt haben, zu nennen wäre da vor allem der Astronom Florian Freistetter, der mit seinem Blog „Astrodicticum Simplex“ auf scienceblogs.de des öfteren Erwähnung in diesem Buch erfährt.

Teil IV – 2012: Die Rückkehr von „Planet X“ Nibiru

Hier befasst sich der Autor umfangreich mit dem größten Aspekt der 2012-Weltuntergangsthesen. Er zeigt dem Leser auf, welche Thesen der „Erfinder“ von Nibiru, Zecharia Sitchin, einst entwickelte und wie diese für den 2012-Hype ausgeschlachtet worden sind. Ein gedanklicher Ausflug in die Astronomie rundet dieses Kapitel ab und zeigt dem Leser u.a. anhand einfacher logischer Beispiele, wie unwahrscheinlich ein Zusammentreffen mit einem anderen Planeten im Jahre 2012 ist.

Auch macht Lars Fischinger keinen Hehl daraus, dass er selbst Autor im Bereich Prä-Astronautik (PA) ist und somit den Thesen außerirdischer Besuche offen gegenüber steht.

Dieses Buch möchte allerdings nur über den Unsinn der verschiedenen kursierenden 2012-Geschichten aufklären.

Teil V – Die Wahrheit über 2012 und die „Götter aus dem All“

Gleich zu Beginn des Kapitels versucht der Autor noch einmal dem Leser klar zu machen, dass die verschiedenen 2012-Thesen zwar für sich genommen Blödsinn sind, sie jedoch auf einen wahren Kern zurückgehen könnten. Einige Seiten später kommt der Autor noch mal auf diese Aussage zurück und führt das Credo der Prä-Astronautik an, nach dem vor Jahrtausenden Außerirdische gelandet seien und für Götter gehalten worden sind, ohne jedoch ins Detail zu gehen und damit zu weit vom Buchthema abzuschweifen. Wie gesagt, Lars Fischinger ist selbst Autor im prä-astronautischen Bereich, so dass es nicht weiter verwunderlich ist, dass er sein eigentliches Steckenpferd zu „schützen“ versucht. Im Verlauf des Kapitels geht der Autor noch einmal direkt auf die Schriften der Maya und ihrer Götter ein. Außerdem behandelt er das UFO- und Kornkreisphänomen und zeigt umfangreich auf, wie diese Erscheinungen von der 2012-Fangemeinde instrumentalisiert werden, um die großen Veränderungen, die laut ebendiesen kommen sollen, zu belegen.

Ich sehe es als sehr positiv an, dass sich ein Grenzwissenschaftsautor mit dem 2012-Thema eingehend befasst hat und ein Buch geschrieben hat, das die Unsinnigkeit der kursierenden Geschichten kritisch beleuchtet und die Dinge beim Namen nennt. Für ein Sachbuch ist diese Vorgehensweise meines Erachtens vollkommen legitim. Da Lars Fischinger schon einmal den Platz des kritischen Autors einnahm, in „UFO-Sekten“ 1999, denke ich, dass er auch für dieses Thema der geeignetste Autor ist, um denjenigen, die zu schnell bereit sind, abstruse Dinge als „Wahrheit“ anzunehmen, die Augen zu öffnen.

An dieser Stelle sollte ich noch ein paar allgemeine Informationen und Gedanken zu diesem Buch anbringen.

Mein grundsätzlicher Eindruck, für welche Leseserschaft dieses Buch bestimmt ist, ist folgender: dieses Buch richtet sich nicht wirklich an diejenigen, die sich bereits selbst zu großen Teilen mit dem Thema 2012 befasst haben, ob nun Kritiker oder Hardcore-Gläubige. Vielmehr ist dieses Buch für all diejenigen geschrieben worden, die in den Medien mit dem Thema konfrontiert worden sind, und bei denen sich beim Schauen der vielen Dokumentationen und TV-Berichte zum Thema Angstgefühle eingestellt haben. Die Sprache,

die der Autor verwendet ist daher auch eher umgangssprachlich gehalten, was sich immer wieder an Wörtern wie Unsinn, Quatsch, Blödsinn etc. zeigt. Natürlich ist das Buch auch für jeden interessant, der sich lediglich zu diesem Thema informieren möchte. Die Zielgruppe ist eindeutig die breite, weniger gut informierte Masse, ich sehe jedoch auch Chancen, dass durch dieses Buch evtl. der eine oder andere Gläubige seine 2012-Fantasien revidieren könnte.

Als Fazit kann ich nur sagen: Ein sehr informatives Buch, das die kritische Auseinandersetzung mit einem Thema nicht scheut, das zu gern von Autoren und Esoterikern als gute Einnahmequelle erachtet wird.

Lars Fischinger: Die Akte 2012. Wahn und Wirklichkeit

Silberschnur 2010

ISBN: 978-3898453103