900 Meter von der berühmten Kultstätte Stonehenge in England, konnten Wissenschaftler jetzt mittels Magnetometermessungen einen kreisförmigen Graben von 25 Meter Durchmesser und darin Löcher nachweisen, die darauf hindeuten, dass an dieser Stelle eine Kreiskonstruktion aus Holz bestand und von der vermutet wird, dass sie vor etwa 4500 Jahren errichtet worden ist. [1]

Dies würde in etwa in die Zeit der Bauphase 3A fallen, als in Stonehenge die Steinkreise gebildet worden sind, während in den früheren Bauphasen 1 und 2 Der Wall und ursprünglich vermutlich ebenfalls Holzkreiskonstruktionen angelegt worden sind. [2]

Dieser Fund könnte darauf hinweisen, dass der Stonehengekomplex wesentlich umfangreicher war als bislang angenommen und eine zentrale kultische Stellung einnahm.

Seit Jahren schon herrschen rege Diskussionen um die Bedeutung und Funktion von Stonehenge. Die Thesen reichen von der Ansicht, es habe sich um ein Observatorium für astronomische Beobachtungen gehandelt, bis hin zu der These, die Anlage wäre Teil eines Friedhofkomplexes. Unbestritten ist seine offenbar zentrale Bedeutung im religiösen Leben seit dem späten Neolithikum, bis hin in jüngere Zeiten.

Bereits Diodor von Sizilien erwähnt in seiner Griechischen Weltgeschichte eine Insel im Norden, mit einem zentralen Heiligtum. Mit diesen Beschreibungen könnte tatsächlich der Stonehengekomplex gemeint gewesen sein:

„Die alten Mythographen, Hekataios und einige andere, berichten nämlich, gegenüber dem Lande der Kelten gäbe es eine Insel im Ozean, nicht kleiner als Sizilien. Sie liege im Norden und werde von den so genannten Hyperboreern bewohnt, so genannt, weil sie weit jenseits der Nordwinde zu Hause seien. Die Insel habe guten Boden, auf dem alles wachse, und ihr Klima sei so ausgezeichnet, dass sie zweimal im Jahre Früchte hervorbringe.

(…)

Auf der Insel befinde sich auch ein großartiger heiliger Bezirk dieses Gottes (gemeint ist Apollon, den die Hyperboreer laut Diodoros verehrten, Anmerkung André Kramer) und ein bedeutender Tempel mit vielen Weihegaben ausgestattet, von kreisrunder Form“ [3].

In Anbetracht des unerwarteten und spektakulären Fundes, so die Aussage des Grabungsleiters Vince Gaffneys, sei mit weiteren Funden zu rechnen. [4]

Fußnoten

[1] O. A. 2010 http://www.sueddeutsche.de/wissen/archaeologie-holzversion-von-stonehenge-entdeckt-1.978699 gesichtet am 23.07.2010

[2] vgl. Wernick 1977, S. 45 ff.

[3] Diodoros – Griechische Weltgeschichte Buch 2 S. 183

[4] O. A. 2010 http://www.sueddeutsche.de/wissen/archaeologie-holzversion-von-stonehenge-entdeckt-1.978699 gesichtet am 23.07.2010

Literatur

Diodorus: Griechische Weltgeschichte Buch I – X. Erster Teil. Stuttgart: Hiersemann 1992

O. A.: „Holzversion“ von Stonehenge entdeckt. In:  http://www.sueddeutsche.de/wissen/archaeologie-holzversion-von-stonehenge-entdeckt-1.978699 23.07.2010

Wernick, Robert: Steinerne Zeugen früher Kulturen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1977