In diesem Beitrag zu „Ausgegraben“ sollen einige Aspekte aus dem erstmals 1919 erschienenen Erstlingswerk des „Chronisten des Unerklärlichen“, Charles Hoy Fort vorgestellt werden.

Fort wirkte zu Beginn des 20. Jahrhunderts und nahm bereits viele Themen der späteren Grenzwissenschaften vorweg. Aus tausenden Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln seiner Zeit, sammelte er kuriose Meldungen und Beiträge die nicht in das gängige Bild der Wissenschaft passten. Zu diesen Meldungen gehören Berichte über Kuriositäten die vom Himmel fallen (z.B. Frösche und Fische), Meldungen von Seeschlangen und weiteren Kryptowesen, UFO-Meldungen (lange vor der Sichtung von Kenneth Arnold 1947 und dem damit verbundenen Beginn der UFO-Forschung) und auch Themen der alternativen Archäologie nahm er vorweg und stellte Thesen auf, die erst Jahrzehnte später durch Autoren wie Rober Charroux und Erich von Däniken zur Prä-Astronautik oder Paläo-SETI werden sollten.

Allerdings, und das muss betont werden, nahm Fort seine eigenen Themen nicht wirklich ernst. Er stellte sie nur als austauschbare Gegenmodelle der Wissenschaft auf. Seine eigentliche Sicht der Welt war, dass der Mensch diese nie wirklich erfassen kann, dass alle Modelle nur vorläufiger Natur sind und wiederum die Dinge ausblenden müssen, die diesen Modellen und Theorien zuwiderlaufen.

Ulrich Magin, der Autor eine Biographie über Charles Fort schreibt über Forts Philosophie:

„Diese Überzeugung unterscheidet von Fort von vielen modernen Autoren, die ebenfalls Berichte über Ungeheuer, Geister und UFOs sammeln, denn die wollen meist nachweisen, daß es tatsächlich unerklärliche Vorkommnisse gibt. Sie sammeln Augenzeugenberichte, um etwas zu beweisen. Es gibt keine erkennbare Wirklichkeit – nichts ist ‚real‘.“ [1]

Doch nun zu einigen von Forts „Daten“ die zum Teil auch bei späteren Autoren eine Rolle spielen. So erwähnt er, in Annals of Scientific Discovery, 1853-71 auf einen Bericht gestoßen sei, man habe in der Schatzkammer von Ninive eine Linse aus Quarzkristall gefunden. [2]

Dieser Fund wird auch in der späteren Prä-Astronautik häufiger Erwähnung finden, etwa bei Dona und Habeck [3], Ercivan [4] oder Wiesner [5] .

Zu den näpfchenartigen Vertiefungen die man weltweit finden kann, in Europa häufig auf Megalithmonumenten (Schalensteine) stellt Fort die amüsante These auf:

„Stellen wir uns eine Kraft vor, ähnlich der Elektrizität, die aus großer Entfernung Abdrücke in Felsen erzeugen kann, wie ein Telephotograph aus Hunderten Meilen Entfernung Selen maskieren kann – aber ich bin unschlüssig – Die vermissten Forscher aus Irgendwo und der Versuch, von Irgendwo aus mit ihnen Kontakt aufzunehmen: also werden unablässig Botschaften auf die Erde geschleudert, weil man hofft, Felsen in der Nähe der vermissten Forscher zu treffen

Oder daß es irgendwo auf der Erde eine besondere Felsformation gibt, eine Art Empfänger oder Anetenne oder einen steilen, kegelförmigen Hügel, auf dem seit Urzeiten Botschaften von einer anderen Welt eingehen; daß aber bisweilen Nachrichten abirren und Stellen treffen, die Tausende von Meilen vom Empfänger entfernt sind; (…)“ [6]

Thesen dieser Art finden sich bei Fort immer wieder. An einer anderen Stelle beschreibt er eine Idee, die in fast identischer Weise auch in der Literatur der Paläo-SETI zu finden ist. Nämlich, dass die rituellen Masken alter Kulturen in Wirklichkeit Astronauten darstellen, da einige dieser außerirdischen Zivilisationen unter irdischen Bedingungen nicht überleben könnten, so Forts Idee. [7]

An einer anderen Stelle wiederum berichtet Fort von geschmolzenen Burgen, [8] ein Thema, dass auch von Autoren der Paläo-SETI aufgegriffen und als Indiz für mögliche Kriege mit modernen Waffen gewertet wurde. [9]

Fort bleibt weiterhin eine nahezu unerschöpfliche Quelle für mysteriöse Begebenheiten, auch in Anbetracht der Debatte der Paläo-SETI. Ob man die Daten und Thesen Forts aber ernster nehmen sollte, als er es selbst tat, das ist sicherlich eine andere Frage.

Anmerkungen

[1] Vgl. Magin 1997, S. 10

[2] Vgl. Fort 1995, S. 169

[3] Vgl. Dona; Habeck 2004. S. 52 f.

[4] Vgl. Ercivan 2001, S. 170 ff.

[5] Vgl. Wiesner 1997. S. 169

[6] Fort 1995, S. 273

[7] Vgl. a. a. O., S. 182

[8] Vgl. a. a. O., S. 219 ff.

[9] Vgl. z. B. Sachmann 1992, S. 202

Literatur

Dona, Klaus; Habeck, Reinhard: Im Labyrinth des Unerklärlichen. Rätselhafte Funde der Menschheitsgeschichte. Rottenburg: Kopp 2004

Ercivan, Erdogan: Verbotene Ägyptologie. Rätselhafte Wissenschaft und Hochtechnologie der Pharaonen. Rottenburg: Kopp 2001

Fort, Charles: Das Buch der Verdammten. Frankfurt/M: Zweitausendeins 1995

Magin, Ulrich: Der Ritt auf dem Kometen. Über Charles Fort. Frankfurt/M: Zweitausendeins 1997

Sachmann, Hans-Werner: „Weltkrieg in grauer Vorzeit?“, in: Däniken, Erich von – Hrsg.: Neue kosmische Spuren. Sensationelle Entdeckungen der Präastronautik aus fünf Kontinenten. München: Goldmann Verlag 1992

Wiesner, Paul: Anweisungen aus dem Kosmos. München, Essen, Ebene Reichenau: Bettendorf 1997